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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grätbein bis gräte (Bd. 8, Sp. 2042 bis 2048)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grätbein, n., s. grätschbein.
 
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gratbildung, f., 'bildung einer kante oder einer scharte', auf den vorgang selbst oder auf das ergebnis des vorgangs bezogen. 1) im anschlusz an 1grat B 4 b beim gewehr: (in der patroneneinlage befindet sich) eine kleine auskehlung, um gratbildung an dieser stelle zu verhindern bei M. Heyne dt. wb. 1, 1236. 2) im anschlusz an 1grat B 2 e beim gewölbe: es ist verständlich, dasz die weitere gotische entwicklung an dieser gratbildung einsetzt Worringer formprobl. d. gotik (1918) 91. —
 
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gratbogen, m., bogen, der durch die sich kreuzenden grate (vgl. 1grat B 2 e) aneinanderstoszender gewölbekappen gebildet wird, vgl. Mothes archäol. wb. (1877) 1, 491a: der erste schritt war, diese lineare mimik dadurch zu unterstreichen, dasz man die gratbögen mit rippen umzog Worringer formprobl. d. gotik (1918) 91.
 
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grätbogen, m., s. DWB gradbogen.
 
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grätchen, n., dimin. zu 1grat, m. oder wohl vorwiegend zu 1gräte, f.; im unterschied zu grätlein (s. d.) nur spärlich bezeugt. 1) an 1gräte A anknüpfend. im anschlusz an die wendung keine gräte s. v. 1gräte A 1 c β:

[Bd. 8, Sp. 2043]


man bringt kein grähtchen fast zu kauff:
die fisch vnd alles wird zu hauff
von vns zu ziehn bewogen (1643)
Simon Dach in: evang. kirchenlied 3, 84b Fischer-Tümpel.

2) an 1gräte B 1 oder 1grat B 1 anschlieszend: gleich darauf war ich denn richtig auf dem 'gipfel', einem grätchen von ein paar schritten länge Barth Kalkalpen (1874) 151.
 
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gräte, grate, f. , (n., m.). als n. das grt Dasypodius dict. lat.-germ. (1537) Y 3b; (1565) bei Fischer schwäb. 3, 803; das grede G. Maier histor. lustgart. (1625) 1, 218; schweizer. das grät vereinzelt neben hier sonst allgemein üblichem der grat schweiz. id. 2, 820. unsicherer bleiben spuren eines grät, m.: der grät Hulsius (1618) 2, 291b; der gräde aus einer ungenannten quelle bei Schmid schwäb. wb. (1831) 240. — als fem. bildung ist gräte aus dem plural von grat abzuleiten, nach art von hüfte, blüte u. a., vgl. A. Lindqvist plurale singularformen (1930) 63; 76, das n. wohl urspr. collectivum. mhd. græte, f. fehlt bei Lexer, doch sind einige der dort unter grât, m. stehenden nachweise als græte, f. zu deuten. das früheste einigermaszen sichere zeugnis steht bei Reinmar v. Zweter:

ist cluoc ein lop, sô cluoge alsô, daz dâ iht græte stecke bî (kaum g. pl.) 123, 6 Roethe

(neben sicher maskul. ein grât [: stât] 140, 11 und zweifelhaftem n. pl. græte 128, 3); mit einiger sicherheit auch, angesichts des stilistischen gefüges der ganzen aussage: græte in der keln Berthold v. Regensburg 1, 353, 9 Pf. (s. u. DWB A 1 a); ferner:

ir wrget hie (einerseits) mit grete, da wider (andererseits)
kvnt ir manige szze wisen j. Titurel 2582, 2 Hahn

(neben eindeutig maskul. grat 2983, 2; 3833, 3; 4222, 4 und einigen doppeldeutigen formen, z. b. 1285, 4; 2403, 2; 3858, 2). da man bis etwa 1500 auch für græte starke flexion des plurals voraussetzen musz, ist es mhd. und frühnhd. in vielen fällen unmöglich, die zugehörigkeit zu grat, m. bzw. graete, f. eindeutig zu bestimmen (vgl. dazu und überhaupt zur behandlung doppeldeutiger formen die bemerkung im kopf von 1grat). anscheinend bleibt aber græte in mhd. zeit noch ziemlich vereinzelt. häufiger erst tritt es auf in meist nd., seltener obd. quellen des späten 15. jhs. (s. u. DWB A 1 a). Luther scheint die ältere bildung vorzuziehen, vgl. z. b. 15, 36 W.; 28, 638; 30, 1, 168; 49, 350; 51, 104; br. 9, 362 u. ö., kennt aber auch gräte: die grethen und beine 33, 656; die grat (acc. sg.) 13, 314. — apokope des auslautenden -e ist in älterer sprache häufig, später besonders noch in obd., gelegentlich auch in nd. mundart. der dental erscheint auslautend (bei apokopierten formen) im älteren obd. manchmal als -d: gräd (obd. 1466) Diefenbach n. gl. 274b; Hulsius dict. (1618) 1, 141a, jünger in obd. und bes. nd. mundart: grád Schmeller-Fr. 1, 1016; graad Mensing 2, 460; grad Mi Mecklenb. 28b; Dähnert plattdt. wb. 159. inlautend begegnet -d- statt -t- in älterer zeit nur nd., später auch auf md. und obd. mundartboden, vgl. DWB grade Bauer-Collitz Waldeck 41a; Χreden rhein. wb. 2, 1363; grádn Schmeller-Fr. 1, 1016; grade Loritza Wien 53. daneben begegnet -tt- in gretten voc. rei numer. (Wittenberg 1558) H 3a; grätte Loritza a. a. o., -dt- in gradten Joh. Agricola sprichw. (1534) H 3a, ferner -th- bes. im 18. und frühen 19. jh. ausfall des inlautenden dentals in bes. nd. pluralischen mundartformen wie graen Strodtmann Osnabr. (1756) 75; gra'an Böning Oldenb. 40; gron, grahn Mensing 2, 460; grō.ə.nə rhein. wb. 2, 1363. schwankungen des vokals ergeben sich im rahmen des mundartlichen; für jüngere zeit ist die schreibung grete G. Köhler kriegswesen 3, 1 (1887) 12 auffallend. umlautlose formen sind im sg. wie im pl. für das ältere nd. charakteristisch, sie herrschen dort auch heute mundartlich noch vor, vgl. z. b. grad Mi Mecklenb. 28b; graad Mensing 2, 460, begegnen aber auch in den östl. mundarten des obd., vgl. z. b. grat

[Bd. 8, Sp. 2044]


Schöpf Tirol 207; grate Lexer kärnt. 122; Unger-Khull steir. 301a. — die flexion des wortes ist anfangs stark, seit etwa 1500 treten die schwachen pluralformen auf: der graden (gen. pl.) (1498) Reinke de vos 13 Prien; die grethen Luther 33, 656 W.; spinae gretten voc. rei numer. (1558) H 3a; die grathen stechen sehre C. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 376a; reine gräten L. Ercker beschreib. (1580) 10b u. ö. in älterer sprache ist gelegentlich auch schwache singularflexion bezeugt, nd. bereits im 15. jh.: nicht visch vppe de graden (nach ausweis der übrigen zeugnisse für diese feste redensart als acc. sg. zu fassen, s. u. A 1 c α, grat A 3 d) (1458) urk.-buch d. st. Lübeck 9, 621; jünger: unten an der graten Ch. Sorel v. d. leben der Francion (1662) 528. die in bair.-österr. maa. auftretende schw. nebenform die graten (neben die grat, die grate) geht wohl auf in den sg. eingedrungene pluralformen zurück: grádn Schmeller-Fr. 1, 1016; grâtún Schöpf Tirol 207; die gradún Castelli Wien 147; vgl. noch nit a graten (acc. sg.) Anzengruber ges. w. (1890) 10, 154.
A. wie 1grat A für etwas spitz und hart hervorstechendes, auch hier eigentlich-gegenständlich wie bildlich und redensartlich.
1) 'fischgräte'. so schon mhd., im lauf des 17. jhs. das ältere grat in dieser bedeutung verdrängend.
a) wan rüemen zimt rehte in der bîhte als græte in der kelen und als der fluoch bî dem segene Berthold v. Regensburg 1, 353, 9 Pf.; cromus grade, eyn wisches knoke i. ostpisis (aus os piscis) (nd. 1417; nd. 15. jh) Diefenbach n. gl. 121a; ospiscis grade (nd. 1425) Diefenbach gl. 402c; ospiscium gräd (obd. 1466) Diefenbach n. gl. 274b; enes visches grade de was em geuallen in den hals (Lübeck 1499) bei Schiller-Lübben 2, 137a;

do Ysegrym der graden nicht en mochte,
der suluen he em eyn weynich brochte (1498) Reinke de vos 197 Prien; vgl. 4412;

reichtumb seindt die grethen und beine, so von der herren tische uberbleibenn Luther 33, 656 W.; da der krebs sihet die beine vnd gradten der gefressenen fische Joh. Agricola sprichw. (1534) H 3a;

da fengt er (der geizige) ernstlich an zu schaben und zu kratzen,
er gibt die graden nicht den hunden oder katzen
Rachel sat. ged. 44 ndr.;

das geschuppte silber-stück deckt gall und gräten in den fischen Abr. a s. Clara etw. f. alle 2 (1711) 226; haben sie etwa eine gräte im halse stecken? Gottsched dt. schaub. (1740) 6, 303; als nun ... von den heringen ein paar traurige gräten und von der bewunderungswürdigen speckstippe gar nichts mehr da war Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 34. in kollektivem sg.: pesce senza ossa fisch, der keinen grd hat Hulsius dict. (1618) 2, 291b; sich treu zu bleiben, zum eigenen wesen zu stehen, wie die forelle zu ihrer gräte A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 177.
b) entsprechend der älteren beurteilung des wal 'fischs' von den knochen dieses tieres: (die einwohner am Kap der Guten Hoffnung) leben ... von den groszen todten durch sturm an den strand geschlagenen wall-fischen, darauff liegen sie, mann weib und kinder, und nagen wie hunde von den gräten das fleisch Andersen orient. reisebeschr. (1696) 4b Olearius; die Grönländer nähren sich von dem fleische und dem öhle der fische; sie ... bauen sich von ihren gräten hütten (kann sachlich nur die knochen der wale meinen) (1769) allg. dt. bibl. (1765) 10, 2, 179.
c) im engen anschlusz an a häufig redensartlich, sprichwörtlich und bildlich.
α) die unter grat A 1 d α häufige redensart nicht fisch bis auf den grat sein 'nicht echt sein' klingt bei gräte nur nach: he en is nicht visch vppe de graden, dat merke ik vthe sinen vorgifftigen scrifften (1458) urkdb. d. stadt Lübeck 9, 621; he is nich rein an de graden 'er ist krank', aber auch 'er ist moralisch nicht einwandfrei' oder 'ersteht

[Bd. 8, Sp. 2045]


in schlechtem ruf' Mensing schlesw.-holst. 2, 460; vgl.rood (of niet zuiver) op de graat woordenboek 5 (1900) 525.
β) in wendungen wie keine, nicht eine gräte fangen, sehen u. ä. steht gräte als pars pro toto für den ganzen fisch; dabei bleibt der zusammenhang mit der vorstellung des fischfangs noch enger als in dem entsprechenden gebrauch unter grat A 1 d β: von selbiger zeit an (da der oft bestohlene teichbesitzer seinen knecht als gespenst verkleidet am teich spuken liesz) sey ihm nicht eine grte mehr entwendet worden Joh. Riemer polit. colica (1681) 224;

'du lieber gott! die ganze nacht
in frost und nässe durchgewacht,
und keine gräthe noch gefangen!' (worte eines fischers)
Wieland s. w. (1794) 18, 221;

wenn's mir nachgeht, sollst du keine gräte davon (von den gefangenen fischen) zu sehn kriegen Göthe I 12, 108 W.; IV 28, 50; es war nix mit'n fischen, nit a graten g'fangen, frau Käsmeier, nit a graten Anzengruber ges. w. (1890) 10. 154.
γ) in dem bei mhd. grât (s. DWB grat A 1 d γ) sehr verbreiteten bildgebrauch, der unter der fischgräte etwas verderbliches oder verfälschendes versteht:

ist cluoc ein lop, sô cluoge alsô, daz dâ iht græte stecke bî
Reinmar v. Zweter 123, 6 Roethe.


δ) im übrigen wurzeln in der vorstellung, dasz die gräte im fisch etwas lästiges, unangenehmes, störendes darstellt, das sprichwort kein fisch ohne gräte(n) und andere, z. t. lockerer gefügte wendungen:

die leut nicht ohn gebrechen sind,
wie man kein fisch ohn graden find
Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Q 7b;

ohne grd kein fisch man find,
ohne mangel die leut nicht sind
Lehman floril. polit. (1662) 3, 276.

die wendung nicht fisch bis auf die gräte variierend und umdeutend: se is nig fisch ane grade sie hat neben der guten seite auch eine schlechte Dähnert plattdt. wb. 159a. ferner:

dieser hechte wir essen nicht,
die gräten stechen sehre
(mit bezug auf einen nicht zu bezwingenden gegner) (1572)
Erlach volksl. (1834) 2, 344;

gräten biegen sich wol, aber sie stechen auch Wander dt. sprichw.-lex. 2, 128; s hōt wull gräta drinne? — s hot an krēt im trumpf (Hirschberg) K. Rother schles. sprichw. 431b; die herren haben sich, wie es scheint, die sache gar leicht vorgestellt, hintennach aber gefunden, dasz es seine gräten hat Görres ges. br. (1858) 3, 117; je kleiner fisch, je weniger gräte J. Hoffmann polit. Jesus Syrach (1740) 37. in freier übertragung: wenn ihnen das gerichte nur mundet, und die vielen gräten von noten und citaten nicht die eszluszt rauben Görres ges. br. (1858) 2, 587.
ε) offenbar aus dem nl. stammt eine im nd. weit verbreitete redensart von den gräten fallen 'sehr mager sein' mit ihren varianten, die von 'fischgräte', nicht aber von einer (trotz der bedeutung 'rückgrat') weder bei grat noch bei gräte auftretenden allgemeinen bedeutung 'knochen' herzuleiten ist; die vorstellung des grätengerüstes ist hier scherzhaft auf das menschliche knochengerüst übertragen, vgl. dazu woordenboek 5, 525 s. v. graat 1 d van de graat vallen. zufrühest in einer übersetzung von Jer. de Deckers (†1666) 'lof der geldzucht':

bisz dasz ihr (frauen) stinckt und hinckt, und von den
grten fallt (en wechvalt van den graet)
J. G. v. Perlensee (1709) lob der geldsucht 785;

he wil van den graden vallen (de macilento) (anf. 18. jhs. Bremen) bei Schiller-Lübben 2, 137a; Danneil altmärk. ma. 69b; rhein. wb. 2, 1363; he hangt man eben bi de graden tosamen oder höllt bloots noch bi de graden tohoop 'er ist sehr elend, krank, mager'; auch übertr. he hangt bi de graden 'ist nahe vorm wirtschaftlichen zusammenbruch' Mensing schlesw.-holst. 2, 460; Dähnert

[Bd. 8, Sp. 2046]


plattdt. wb. 159a. vereinzelt auf sachliches übertragen: graf Strachwitz ... hatte glücklich ein paar mächtige bauernpferde und einen nur dürftig in seinen gräten hängenden wagen requirirt Wachenhusen tageb. v. österr. kriegsschaupl. (1866) 214.
2) die bei dem älteren wort grat (s. d. A 2) noch einigermaszen feste bedeutung 'stachel, dorn, spitze' tritt bei gräte zurück. namentlich ostobd. maa. verzeichnen für gräte 'granne', auch 'spreu', vgl. Schmeller-Fr. 1, 1016; Lexer kärnt. 122; Unger-Khull steir. 301a; Fischer schwäb. 3, 803; daneben ferner grat, f., n. 'hervorstechende spitze an disteln und anderen pflanzen' Neubauer Egerländ. ma. 64b. literarisch nur vereinzelt: die ameisz beisset vnd zwicket mit jren negeln das grede ab von dem körnlein Georg Maier hist. lustgarten (1625) 1, 218 (ebda 215: das spitzlein); nimmt man den ... getraideähren die ... graten, so gedeihen die körner nicht allg. dt. bibl. (1765) 106, 206.
3) 'rückgrat'. zur herleitung der benennung s. DWB grat A 3.
a) beim menschen: wie nemlich Raymond wein holen lassen, und selbigen den rückgraden herab auszgeschüttet habe an diesem schönen bloszen leibe, und allen anderen befohlen, dasz sie kommen und an der graten, als aus einer quellen trincken solten Ch. Sorel v. d. leben d. Francion (1662) 528. wohl kaum noch lebendigem sprachgebrauch gemäsz: so wird ... die gräthe genannt ... in der anatomie ... die spitzigen hintern fortsätze der wirbelbeine, welche eigentlich den rückgrath ausmachen Krünitz encycl. 19 (1780) 693; danach noch bei Adelung und Campe s. v. gräthe bzw. gräte.
b) beim pferd, nur in lexikalischen nachweisen des 16. und 17. jhs.: postilena das hinder grt, bg am sattel Dasypodius dict. (1537) Y 3b; grd, der sattel vorn oder hinden groppiera del cauallo (was im ital. teil übersetzt wird mit 'schwantzriemen') Hulsius dict. (1618) 1, 141a.
c) beim fisch vom rückgrat als der einzigen gräte oder der hauptgräte, mit oben 1 a gekreuzt: einige fische haben nur eine gräte quidam piscium dorsualem spinam tantum habent Steinbach dt. wb. (1734) 1, 635; nur die gräte des rückgrates spuckte sie vor sich hin Cl. Viebig d. schlafende heer (1904) 2, 407.
d) nur selten in der dem sehr verbreiteten gebrauch grat A 3 d entsprechenden redensart bis auf die gräte schinden, aussaugen: seynds denn etwan Juden die arme leute aussaugen bisz auf die gräte kipper und wipper (1621) A 3a; dardorch wert de arme man geschindet bet up de grade (protest. glosse zu Reinke de vos 100) bei Schiller-Lübben 2, 137a. in freierer pluralischer fassung: wenn sie mich die reichhaltige tiefe jener (ihrer körperlichen reize) nur errathen liesz, so enthüllte sie mir hingegen diese (ihre mission, ihren auftrag), wie sie sich selbst ausdrückte, bis auf die gräten Thümmel reise (1791) 3, 467,
B. von schmal oder scharfkantig verlaufenden gebilden. wie grat B und an einzelnen stellen über dessen anwendungsbereich hinausgreifend, im ganzen aber weniger ausgeprägt.
1) in der bedeutung 'schmale kammlinie eines berges oder felsen' literarisch anscheinend auf die erste hälfte des 19. jhs. beschränkt (doch verzeichnen auch Adelung und Campe die bedeutung nur unter grath bzw. grat, nicht unter gräthe bzw. gräte): gräten heiszen in der Schweiz die hohen ... spitzig ansteigenden berggipfel Zappe mineral. handlex. (1817) 1, 451; von da führt eine ziemlich gerad fortlaufende gräte, mit sehr schroffen abhängen zu beiden seiten, bis zum gipfel Ritter erdk. (1822) teil 10, 505; so lieszen wir uns denn abermals ... ans land setzen, stiegen über die scharfen gräten der felsen hinüber und giengen dann in der schlucht am gieszbachbette hinan G. H. v. Schubert Morgenland (1838) 1, 434; hebungen ..., in denen kleine theile des bodens ... ihr niveau um mehrere fusz bleibend verändern und dachförmige gräten oder flache erhöhungen bilden A. v. Humboldt kosmos (1845) 1, 310; vielleicht noch hierher: finster, fast schwarz erscheint der fels, scharfzackig seine gräte Barth Kalkalpen (1874) 84 (i. d.

[Bd. 8, Sp. 2047]


gleichen quelle an zahllosen stellen grat, m.; im pl. grate, z. b. 73; 217; 259; 488). mundartlich nur aus dem östl. obd.: grâte Lexer kärnt. 122; vgl. DWB auf də grád furt ge~ s. v. grät, grat, f. bei Schmeller-Fr. 1, 1016. bei einem älteren, für die bedeutung 'berggrat' in anspruch genommenen schwäb. beleg ist die richtigkeit der interpretation nicht nachprüfbar: Sebastian sprach da sein gebet vnd gieng vff den gräde M. J. Chr. v. Schmid schwäb. wb. (1831) 240.
2) für kanten- und kammförmige gebilde anderer art.
a) nur vereinzelt im sinne von grat B 2 a für kammartige, scharf schneidende organe am tierkörper: und erkennen an der besonders dargestellten spitze desselben (des legbohrers der holzwespe) ... die beiden gräten (in der art gezähnter messerklingen) Brehm tierl. 9, 211 P.-L.
b) in der fachsprache der anatomie, grat B 2 b gegenüber verhältnismäszig stark entwickelt, vom frühen 18. bis zur mitte des 19. jhs.
α) in direkter benennung bestimmter knochen bzw. knochenteile. über das verhältnis zu A 3 'rückgrat' s. unter grat B 2 b α. für die spina scapulae: das schulterblatt; ... es ist an ihm zu bemerken die gräte (spina scapulae) Blancard arzneiwb. (1788) 2, 143b; auf der hintern fläche (des schulterblatts) erhebt sich von der basis bis an den hals hin die gräte (spina scapulae) Sömmerring menschl. körper (1839) 2, 155; vgl. 4, 558; für die spina tibiae (modern fachsprachlich aber crista anterior): gräte des schien-beins, siehe schien-bein Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1307; schien-beins-gräte, lat. spina tibiae, ist der vordere und ziemlich scharfe theil des schien-beines ebda 8, 790. für beide knochen noch Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 693; Campe 2 (1808) 444. gräte auch für den oberen scharfrandigen knochenteil der nase. so wohl schon: zu den äuszerlichen (teilen der nase) werden gerechnet der rücken, die wurtzel, gräte, die kugel und flügel H. v. Fleming teutscher soldat (1726) 350; so wird der scharfe obere theil der nase von einigen die gräthe genannt Adelung vers. 2 (1775) 781.
β) nur vereinzelt wie unter grat B 2 b β für kantige formen, wie sie allgemein an knochen auftreten: einzelne knochen sind beym weiblichen geschlechte viel zarter, ... haben weniger scharfe ränder, gräthen und hervorstehende ecken Lavater physiogn. fragm. (1775) 2, 158.
c) entsprechend häufigerem grat (s. d. B 2 d β) als 'dachkante' nur vereinzelt: 'gräte, im bauwesen, scharfe, feine, spitzwinkelige kante, insbesondere ausspringende kante zweier zusammenstoszenden dachflächen, sofern sie nicht horizontale lage hat, in welchem falle sie first heiszt' Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 753.
d) im 18. und 19. jh. als terminus im befestigungsbau: 'gräte des glacis, arrête de glacis, heiszt die zusammenstoszung der abdachung des glacis. sie sind erhoben, oder eingebogen, nachdem der winkel entweder aus- oder eingehend ist' Eggers kriegslex. (1757) 1, 1094; Krünitz encycl. 19 (1780) 693. anders: 'gräte ... kamm einer brustwehr' Mothes ill. baulex. (1881) 2, 519.
e) fachsprachlich auch im waffen- und rüstungswesen, vgl. eine ähnliche anwendung unter grat B 2 f: 'gräte ... nennt man die linie, welche die brustplatte (am kürasz) in der mitte von oben nach unten theilt' Demmin kriegswaffen (1869) 330; dazu als kompositum grätenkürasz E. v. Handel-Mazzetti in: dt. rundschau 155, 11; die spieszeisen haben in den zeichnungen die form eines langgestreckten blattes mit kaum markirter grete G. Köhler entwicklg. d. kriegswesens 3, 1 (1887) 12 (oder entsprechend dem für gräte sonst nicht belegbaren botanischen gebrauch unter grat B 3 b?).
3) grat B 3 entsprechende anwendungen im sinne von 'schmale, fortlaufende erhöhung, schmaler streifen' begegnen nur in unsicheren spuren.
a) als ausdruck der zeugweber: 'gräte nennen die zeugwürker das wahrzeichen im gewürcke, dasz es ihres handwercks eigene arbeit sey' Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1307; von da her noch bei Krünitz encycl. 19 (1780)

[Bd. 8, Sp. 2048]


694 u. Jacobsson technol. wb. 2 (1782) 147b. wenn hier überhaupt zutreffend glossiert ist, bleiben ausgangsvorstellung und beziehung zu den unter grat B 3 a begegnenden webtechnischen ausdrücken unklar.
b) vereinzelt in einer grat B 3 b 'blattrippe' vergleichbaren anwendung von den fäden der bohnen: gleichsam wie man mit den bonen-schelfen, phaseoli genant, umgehet, wan man selbige von jhren gräthen reiniget Grimmelshausen Simplic. continuatio 99 Scholte (oder zu grat, m?).
c) entsprechend grat B 3 c nur vereinzelt in obd. flurnamen: gräte, f. Heiszgräte, Altgrätin fortlaufende erhöhung in einem acker, kiesbank, gew. alte (Römer) strasze Buck flurnamenb. (1888) 89; vgl. Fischer schwäb. 3, 1397 s. v. heiszgräte u. heiszgrätig.
 
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gräte, grätt, f., 'ein geschwür, namentlich bei pferden'. ein in seiner herkunft nicht ganz durchsichtiges wort, das zuerst im 17., dann besonders im ausgehenden 18. jh. belegbar wird. dagegen, dasz es sich um eine volksetymologisch gestützte neben form zu kröte (vgl. t. 5, sp. 2419 s. v. kröte 5) handelt, spricht bedeutungsgleiches älter. frz. arête (vgl. Littré 1, 190b; Wartburg frz. etym. wb. 1, 139a), so dasz dieses 2gräte vielleicht nur eine spezielle bedeutung (lehnübersetzung nach dem frz.) von 1gräte ist: (von pferden) diese vieh-hirten-salb ist nicht nur für die räudigkeit, sondern auch für die wasser, wartzen, geifferige wunden, grätt, mulles traversieres, und andere zuständ gut Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715) 2, 188a; figürlich wird auch ein flaches geschwür an den hinterfüszen der pferde ..., die gräthe genannt, weil die haare über der sehne wie gräthen aufgebürstet stehen Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 694; gräte ... les arêtes, ulcêre qui vient aux pieds de derrière d'un cheval Schwan nouv. dict. (1783) 1, 768a; Voigtel wb. (1793) 2, 127a.
 
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gräte, f.? das nur im plural belegte wort steht mit seiner bedeutung 'geld' neben häufigerem kröte (vgl. t. 5, sp. 2419, s. v. kröte 4). beides volksetymologisch-scherzhafte entstellungen des md. plurals gröschen (vgl. t. 4, 1, 6, sp. 448)? die volksetymologische beziehung auf gräte dürfte im hinblick auf wendungen wie nicht eine, keine gräte, nicht ein, kein grat (vgl. 1gräte A 1 c β u. 1grat A 1 d β) erfolgt sein: er nimmt seine paar gräten (schles.); im volksmund vorherrschend: kröten — seine wenige baarschaft, seine geringen habseligkeiten Wander sprichw.-lex. 2, 128; Rother schles. sprichw. 414b; dos ech die wortezeit gut ausgenetzt und a poor greten gald zunondergebattelt ho Lowag ges. schr. 15, 175; Müller-Fraureuth obersächs. 1, 436b; pl. kreetn geld (in dieser bedeutung besonders in Thüringen, Sachsen und Schlesien üblich) Teuchert a. d. neumärk. wortschatz in: zs. f. dt. maa. (1909) 135. hierher auch?: an einem decanat der philosophischen facultät ist wahrlich nichts gutes als die gräten, nämlich das materielle (1837) Lachmann in: briefw. 2, 884 Leitzm.
 
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gräte, f., s. DWB grede teil 4, 1, 6, sp. 2.
 
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gräte, f., s. DWB grete teil 4, 1, 6, sp. 198.
 
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gräte, n., s. DWB geräte teil 4, 1, 2, sp. 3564ff.

 

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