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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gratzacken bis gräte (Bd. 8, Sp. 2036 bis 2048)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) -zacken ebda 382 u. a.
b) in der alliterierenden rechtsformel grund und grat, die schwäb. und alem. vom 14. bis zum 17. jh. weit verbreitet ist. zusammenfassend für die erdfläche oder für den grundbesitz in berg und tal, für das, 'was liegt und steht', in lat. urkundensprache in plano et in monte, s. dazu mit zahlreichen nachweisen schweiz. id. 2, 773 s. v. grund; Fischer schwäb. 3, 802, vgl. ferner s. v. grund teil 4, 1, 6, sp. 702, wo der aus Schmeller-Fr. 1, 1004 zitierte beleg nicht dem bair., sondern einer Züricher chron.

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(hs. 1462) zuzuweisen ist. nur einmal läszt sich die formel auszerhalb des schwäb.-alem. nachweisen, in luxemb. grundt und graeth (1542) luxemb. weisth. 398 Hardt (vom hg. sicher zu unrecht grat hier als 'unfruchtbarer bunter mergel' gedeutet). gelegentlich auch mit pluralischer fassung des zweiten formelgliedes: grund vnd grete (schweiz. 1306) geschichtsfreund 13 (1857) 216; mit grunde und gräten (1345) in: schweiz. id. 2, 773. oft umschreibt die formel, unter verblassen ihres ursprünglichen sinnes, nur noch den liegenden besitz an 'grund und boden' überhaupt: grunt und grat (1301) rechtsalterth. 41, 8; min acher, min matte, holz, vnd velt, getwing vnd ban, vnd grund vnd grete, vnd alles min guot (schweiz. 1306) geschichtsfreund 13 (1857) 216; grund vnd grat des hertzogen, vnd der lüten erb vnd eigen (schweiz. 1303?) weisth. (1840) 1, 166; es sind och die gietter ze Konow grund vnt graut, holz vnd feld des gotshus ze Schennis vnd der husgenosen vnd der bursami erblechen (schweiz. 1461) ebda 52; das grund und grath ihr beiden eigen ist (Oberelsasz 1486) ebda 654; mit grund und grat (1621) bei Fischer schwäb. 3, 802. als titel eines werkes über die bergwelt im spiegel der schweizerdeutschen Alpenmundarten P. Zinsli grund und grat [1946]. die altschweizer. formel alldieweyl grund und grat stat zur umschreibung ewiger bündnisdauer (s. schweizer. id. a. a. o.) erscheint in historisierendem schrifttum auch jünger noch: dieser (rhätische) bund sollte gelten, so lange grund und gratt stehen H. Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 37, 129; Scheffel ges. w. (1907) 3, 87.
c) bildlicher gebrauch erst in moderner poetischer sprache. soviel wie 'höhe, höhenweg': aber ich hab es weit zu alledem und werde mehrmals hinunter müssen und wieder hinauf, eh ich den ausblick habe und den weg auf dem grat Rilke br. 1907 —14 (1933) 50; Heiri (Heinrich), sagt sie, und ihre stimme geht auf dem süszesten grat der liebe, nun musz unser haus bald fertig sein (für den neugeborenen sohn) W. Schäfer erz. schr. (1918) 4, 158. schmaler grat umschreibend für einen gefährlichen lebensweg, eine innerlich gefährdete daseinsform: aber auf dem schmalen grat, über den mein leben jetzt führt, kann ich keine anderen begleiter mitnehmen Ina Seidel labyrinth (1922) 289; das dasein des moralischen wesens ist ein wandeln dicht am abgrund hin. und jede entfernung vom abgrunde ist preisgabe des moralischen wesens, also genau genommen ein zweiter abgrund. ein schmaler grat zwischen beiden bleibt dem sittlich guten als weg N. Hartmann ethik (21935) 347.
2) für andere kamm- und kantenartige gebilde, im bereich des organischen oder des gegenständlichen.
a) bei bestimmten tieren, und hier die vorstellung des scharfen, schneidenden (s. u. 4) oft mit einschlieszend. besonders, und schon früh, von den zwei auf dem rücken ansetzenden, auf dem schwanz sich vereinigenden schuppenkämmen des krokodils:

der kokodrille hat so scharfe grete,
daz er ir zwelfe in einem kiel verderbet j. Titurel 3834, 2 Hahn; vgl. 3833, 3;

die crocodill-eidechsen ... haben ... harte kielschuppen, einen zusammengedrückten schwanz mit einem hohen grath von starken schuppen, wie die crocodille Oken naturgesch. 6 (1836) 622. daneben älter gern bei ähnlich vorgestellten fabeltieren, beim drachen, lindwurm u. dgl.:

von dem houbet hin ze tal
stuont ûf im (dem lindwurm) ein scharfer grât,
als der kokodrille hât,
dâ er die kiele kliubet mite
Wirnt v. Gravenberc Wigalois 5038 K.; vgl. gradt Wigaloys (1493) b 6b;

der grat was ir (dem weibl. lindwurm) herte und uzermasen smal,
er schneit also ein barte über den rücken hin zu tal
Wolfdietrich 1674, 1 Holtzmann; vgl. 1635, 1;

der crper (des krokodilartigen fabeltiers) ziemlich groß vnd lang, ... vnd vom hupt an biß in den schwantz einen starcken scharpffen grad, gleich den crocodilen buch d.

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liebe (1587) 388c. gelegentlich die bedeutung 'rückgrat' (s. ob. A 3) mit umfassend: z letst richt Regulus z etlich hantwerck die steyn wurffen, jn (einen drachen) damit z temmen. also gerieth eyn wurff, der brach jm den gradt auff dem rücken, das er nit mehr sich schlingen mocht Carbach Livius (1551) 98a. in sachlich unzutreffender vorstellung vom delphin:

doch hat es (das krokodil) ainen waichen pauch.
derhalben in der fisch delphin auch
von unden auf mit scharpfem grat
aufschneid und überwint in glat
H. Sachs 23, 346 lit. ver.

selten bei anderen tieren: die drongo (eine vogelart) ... haben einen breiten gebogenen schnabel mit starkem grath und borsten an der wurzel Oken naturgesch. 7, 1 (1837) 110.
b) im fachsprachlichen gebrauch der anatomie, seit etwa 1700.
α) in direkter benennung bestimmter knochen oder knochenteile. wie unter A 3 'rückgrat' lat. spina entsprechend und auf gewisse 'fortsätze' angewandt, deren gestalt aber weniger dorn- oder stachelartig, als vielmehr länglich kantig ist. für den hauptfortsatz des schulterblattes, die spina scapulae: es hat ferner ein iedes schulterblatt drey fortsätze (processus): der erste ist sehr grosz und ungleich, und läuft hinten mit einem erhabenen rande über das oberste und breiteste stück dieses knochens. er wird der graat (spina scapulae) genennet, und ist unter allen der längste J. J. Hecker betrachtg. d. menschl. körpers (1734) 196. (s. auch den beleg von 1696 unter gratförmig). für die vordere scharfe kante des schienbeins (früher spina tibiae, heute crista anterior): in der anatomie ... (neben rückgrat und schulterblattfortsatz) auch der vordere scharfe theil des schienbeines ... in welchen sämmtlichen fällen auch (statt die gräthe) der grath üblich ist Krünitz encycl. 19 (1780) 693.
β) als bezeichnung für kantige knochenformen überhaupt: durch den grat des siebbeins und durch die siebfläche werden obgedachte beide kammern ... gebildet ... der grat oder der rücken des siebbeins, welcher unten mit dem osse sphenoideo verbunden ist, setzt sich an das innere knochenblatt des stirnbeins an Göthe II 8, 191 W.; zwischen den schenkeln des gewölbes, dem grathe des grenzstreifes und dem inneren ... vorsprunge des sehhügels Sömmering menschl. körper (1839) 4, 194 anm. 2; der entgegengesetzte untere rand der knochenplatte (am schläfenbein) stellt einen scharfen grat dar, crista tympanica Rauber-Kopsch lehrb. u. atlas d. anatomie (151939) 1, 201.
c) botanisch für die kanten an stielen oder stengeln der pflanzen, z. t. der bezeichnung kante ausdrücklich vorgezogen. für das frühe 19. jh., bei grätlein (s. d.) in der vergleichbaren (oder zu 3 gehörigen?) anwendung auf streifen am stengel bereits für das 16. jh. bezeugt: acies die kante, schneide, der grath, der körperwinkel, welcher durch zwei zusammenstoszende seiten eines stengels, stielartigen theils usw. gebildet wird Bischoff wb. d. botanik (1857) 2a; nach Link haben die pflanzenstengel keine kanten, sondern grate Röhling flora (1823) 1, 40.
d) für kanten an gebäudedächern, hier freilich nicht immer mit eindeutiger ausgangsvorstellung.
α) vom first als oberster dachkante. so wohl schon in gelegentlicher lexikalischer verzeichnung des frühen 17. jhs. für den firstbalken: graat der oberste balck desz dachs, nach der lenge gelegt Henisch teutsche spr. (1616) 1718; columen graat, oberster balck ... le support et appuy du toict N. Frischlin nomenclator triling. (1616) 444a. mit berufung auf Frischlin noch bei Frisch t.-lat. (1741) 968 und Adelung wb. 2 (1811) 785; vgl. auch gratziegel (s. d.). im übrigen scheint die bedeutung 'dachfirst' eher als eine übertragung von 1 'berggrat' her empfunden zu werden: von der burg obristen grate oder schneeschmelze (1752) schweiz. id. 2, 821; vgl. dazu die an 1 b angelehnte formel in gründen und gröden (1805) zur umschreibung der ganzen bedachung ebda 773 s. v. grund 4. das gilt besonders für

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jüngeren poetischen gebrauch: als ich später zum erstenmal rittlings auf dem obersten grate unseres hohen, ungeheuerlichen daches sasz und die ganze ausgebreitete pracht des sees übersah G. Keller ges. w. (1889) 1, 33;

bis zu des daches goldenem grate
Rilke ges. w. (1927) 2, 184.

im eigentlichen sachgebrauch heute neben first nicht mehr üblich, doch vgl. noch schwäb. grôd, m., 'dachfirst' bei Ph. Wagner ma. v. Reutlingen (1889) 75 schulprogr.
β) in jüngerem fachsprachlichen gebrauch für die kante im schnitt zweier walmdachflächen: 'grat ... ausspringende kante zweier zusammenstoszender dachflächen, dafern sie nicht waagrecht liegt, wo sie dann first ... heiszt' Mothes ill. baulex. (1881) 2, 518; die grate (des vierflächigen walmdaches), mit vielen schrägen zacken besetzt, sehen wie gestreckte wirbelsäulen aus Carossa rumän. tageb. (1926) 38 (s. noch unten gratbalken, gratsparren, gratstichbalken).
e) grat als 'ausspringende kante zweier sich treffender gewölbeflächen' Mothes ill. baulex. (1881) 2, 518. so bereits im späten 16. jh., dazu in der komposition gratgewölbe (s. d.) für 1564 u. 1655 nachweisbar:

das gwlbe (der kapelle) oben schn vergldt,
fein an die grt gehawen schilt,
der wrtembergischen acht anen
thun dich die wappen da gemahnen
Nic. Frischlin 7 bücher v. d. fürstl. württ. hochzeit (1578) 25.

modern terminologisch: entscheidend für diesen eindruck (des kreuzgewölbes) sind besonders die grate, in denen die gewölbekappen zusammenstoszen Worringer formprobl. d. gotik (1918) 91; Pinder d. kunst d. dt. kaiserzeit (1935) 1, 157.
f) vereinzelt noch in anderen gegenständlichen anwendungen: 'grat ... kante, deren anschlieszende flächen sich nach beiden seiten abdachen, z. b. die mittellinie eines dolches mit dreieckigem oder rautenförmigem querschnitt' Hardenberg eisen- u. stahlwarenindustrie (1940) 105; die fast metallischen grate über den augen (der Maria vom Naumburger lettner) hat man an einer ganz anderen stelle gesehen — in Bamberg vor allem bei dem reiter Pinder d. Naumburger dom (1925) 30.
3) schmale, fortlaufende erhöhung, schmaler streifen; in verschiedenen sachbereichen.
a) in der sprache der tuchweber 'die diagonale linie einer gewebebindung (köper)' Meyer gr. konvers.-lex. 8 (1908) 245b, von der vorstellung eines schmalen, erhabenen, rippen- und streifenartigen verlaufs her (nicht an die bedeutung 'fischgräte' anknüpfend, wie sie, mit ganz anderer vorstellung, der speziellen bezeichnung fischgrätenmuster zugrundeliegt, s. auch unten grätisch), vgl.: köperbindung ist sehr leicht zu erkennen durch die erhabenen schrägen linien, grate genannt, die dadurch entstehen, dasz der bindungspunkt bei jedem schusz um je einen kettfaden nach rechts oder links weiterschreitet Knauer u. Stieger-Voelkel handweberei (o. j.) 34: bristet (es) dem gebende der lengi oder der breti umb ein vierdenteil einer elne und mere, das gebende alles sol man enmitten durch den grat zersniden (1336) Züricher stadtb. 1, 85 Zeller-Werdmüller; weli linwat entweders mauls nit wert ist und darz ze schmal ist, die sol man durch den grat schniden (Isny 1395) württ. gesch.-quellen 18, 142 Müller; wer die orn an dem tch abhowet, daz tch sol man durch den grât howen vnd das halbtail verbrennen (14./15. jh.) mittheil. z. vaterl. gesch. d. St. Galler hist. ver. 4 (1865) 67; durch den grât snîden ebda. weiter: vierschifftig barchatt ..., die iren nerffen und graatt oder bildung schön gehabtt hatt (1584) bei Fischer schwäb. 6, 2065; es sollen nun fürohin kein anderer grath gemacht werden ... dann der rechten vierschifftigen gerath wie von alter her ... dann man an denen tuechen keinen andern gratt haben will dann den recht vierschifftigen gratt (1650) ebda; auf'n grat gewebenes tuch 'geripptes tuch' (modern) ebda (s. noch 2gräten, vb.; 2grätisch, adj.). undurchsichtig

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ist die beziehung zu zwar bedeutungsverwandtem, aber als bildung von grat her schwer erklärbarem gradel, m. (s. d.), das auszerdem jünger zu sein scheint und deutlich im bair.-österr. beheimatet ist. in dem gleichen östl. raum begegnet schlieszlich auch das zum wortschatz der tuchweber gehörige gret, n. (s. d.), das ebenfalls nach genus und bildung mit grat (oder auch gräte, f.) schwer zusammenzubringen ist, zumal es in seiner allgemeineren bedeutung 'model, muster, bild' sich nicht mit diesem zu decken scheint. in älteren ostobd. mundartwbb. erscheinen die bildungen gradel und gret neben einem hier sonst nicht bezeugten grad, alle anscheinend bedeutungsgleich gebraucht, doch bleiben ihre gegenseitigen beziehungen wie die ihnen zugesprochenen bedeutungen unsicher, vgl. z. b.: 'der grädelzeug; ein weberzeug, welcher in den grad gearbeitet worden ist, oder wie man es an anderen orten nennt, in das gret, in das bild ... grad, model, bild, nennet man, wenn der zeug eine erhobene figur hat, besonders mit gleichförmigen linien' Höfer etym. wb. (1815) 1, 312; gradl ... ein weberzeug, welcher in dem grad bearbeitet ist, oder in das gret, in das bild Castelli ma. in Österreich (1847) 146; Schöpf Tirol 204 s. v. grâdl; s. noch grattlisch s. v. 2grätisch. sachlich sicher unzutreffend in einer gelegentlichen gleichsetzung von grat und grund (s. d. sp. 730): grad (kannefaszweber) die scheinbare richtung der kettenfäden des kannefasses, dieser mag leinwandsartig, gekiepert oder gerippt seyn. grad ist also hier eben das, was bey andern webern grund heiszt Jacobsson technol. wb. (1781) 2, 144a. oder sind auch die obigen wendungen in den (dem) grad arbeiten, in das gret wirken im sinne von 'grund' aufzufassen? vgl. noch schweizer. grätli 'vertiefter teil an häkel- und stickarbeiten' schweiz. id. 2, 821? — eine noch andere webtechnische bezeichnungsweise s. unter 1gräte B 3 a.
b) im 17. und 18. jh. gelegentlich für die hauptrippe eines pflanzenblattes, mit anderer bedeutung und ausgangsvorstellung als der jüngere botanische fachgebrauch oben 2 c: mein cammerad ... wise mir an denen bletern fornen an den spitzen ein ding wie ein scharffer dorn, wann man selbiges abbricht und am grad desz blats hinzeugt, ... so verbleibt an dem selbigen spitzigen dorn ein faden hangen Grimmelshausen Simplic. continuatio 99 Scholte; von einem ... blatt ..., welches längst dem grate durchgeschnitten worden discourse d. mahlern (1721) 1, S 3b. hierher wohl auch in vergleichbarer anwendung als bezeichnung für die fäden der bohne: hillus ein grat ut in piscibus vel faba (obd. 1502) Diefenbach n. gl. 203b. vgl. dazu schweizer. grätlen 'die faden von den hülsen ziehen' schweiz. id. 2, 822 u. bonengrat 'grenze zwischen den hälften einer schote', syn. faden ebda 821 (s. auch gräte B 3 b).
c) für schmal und niedrig verlaufende erhebungen natürlicher oder künstlicher art, besonders für bodenerhebungen: so die wasser vallen ..., gewint sy (die insel) z obrost gen Costentz z ainen trucknen grat, uff dem die menschen mit trucknem fs in und us wandlen mugen Oheim chron. v. Reichenau 25 lit. ver.; vgl. in ähnlicher bedeutung rhein wb. 2, 1364. sonst nur jünger belegbar: die steine wurden immer mehr zusammengedrängt und bildeten schon einen ordentlichen grat auf der ganzen länge des ackers G. Keller ges. w. (1889) 4, 83; man beginnt die ersten furchen in der mitte (des zu pflügenden ackerstückes) und setzt sie nach beiden seiten fort (rundplögen), so dasz in der mitte ein grad, die middelbrügge entsteht Heckscher volkskde d. prov. Hannover 1 (1930) 780; vgl. Fischer schwäb. 3, 802. mundartlich noch in weiteren bedeutungen wie 'streifenähnliche erhöhung auf feldern, rain, anhöhe' ebda; 'steinige stelle im acker' rhein. wb. 2, 1364; Fischer a. a. o.; 'schwaden gemähten grases auf der wiese' rhein. wb. a. a. o.; 'längliche künstliche erhöhung, z. b. aufschichtung ausgegrabener kartoffeln' schweiz. id. 2, 821.
4) in anderen gegenständlichen anwendungen so, dasz der unter 1 und 2 mehr oder weniger schon mitgegebene gesichtspunkt schneidender schärfe vorherrscht.

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a) im mhd. nicht selten für ein nicht näher zu bestimmendes scharf schneidendes, messerartiges instrument. wohl hierher und angesichts des sinnzusammenhangs nicht zur bedeutung 'fischgräte':

swer gît dem trunken manne wîn
unde dem derz vieber hât
wazzer und dem kinde den grât
und dem tobenden daz swert
Thomasin v. Zirklaria d. wälsche gast 14 614 Rückert.

auch die vergleichende formel snîden sam (als) ein grât setzt konkret gegenständlichen gebrauch voraus:

sîn liegen snîdet sam ein grât
swer dich ie guot genande
Hartmann v. Aue büchlein 1768 Haupt-Martin;

zwei mezzer snîdende als ein grât
Wolfram v. Eschenbach Parzival 234, 17;

ir tzung di sneidet als ein grat
Peter Suchenwirt 23, 81 Primisser; vgl. 12, 61;

ir (der ameisen) zend scharff als ein gratt Seifrits Alexander 6629 Gereke.

hierher wohl auch andere bildliche wendungen, die in einer an sich naheliegenden vorstellung 'spitze, stachel' bei grat keine tragfähige grundlage haben (s. ob. A 2 d), dann eher noch von grad (s. d. II B 3 c β) her deutbar wären:

din (gottes) gewaldes scharfer grat,
den si (die Juden auf dem zug durch die wüste) reizeten dicke uf sich passional 3, 2 Köpke;

des êwigen tôdes grât
der Stricker bei
Lexer 1, 1073;

minne, wende noch ires zornes grat ...
in wiplich suße milde d. minneburg 1598 Pyritz.


b) technisch 'der meist dünne und scharfe werkstoffrand an einem werkstück, der beim gieszen, bei der umformung ... oder der spannenden formung (z. b. messerschleifen) entsteht' d. gr. Brockhaus 5 (1954) 20b. seit dem 16. jh. geläufig, soviel wie 'scharte, faden': (achte darauf,) dasz die löchlein rein vnd gerad hindurch (durch das metallstück) gemacht, vnd mit einem klein subtilen wetzsteins stifftlein auszglettet werden, dasz kein grat daran bleibe L. Ercker beschreib. (1580) 36b; hiebey (beim schröpfen des fuszes) (ist zu beachten) ... dasz die fliethe (das schneideinstrument) rein gehalten werden, und nicht etwan risse, so die bader einen grad nennen, an der schärffe habe Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 382/383; 'grath ... die falsche schärfe an schneidenden werkzeugen, welche sich beym schleifen an der schneide umlegt, und auf dem wetzsteine abgewetzet wird' Adelung vers. 2 (1775) 781; Hardenberg eisen- u. stahlwarenindustrie (1940) 105; da beim stechen das kupfer an den rändern der striche und punkte in gewissem grade zusammengedrückt und in form einer fadenähnlichen, rauhen erhöhung (grath) aufgeworfen wird Prechtl technol. encycl. (1830) 9, 76; bei nicht ... gleichmäsziger endständigkeit würde die eine walze einen grat in die andere einschleifen Muspratt chemie (1888) 2, 85. anders, aber in vergleichbarer anwendung: wenn beim fällen eines baums der sägeschnitt nicht genau auf den axthieb der entgegengesetzten seite trifft, entsteht dort ein grat Fischer schwäb. 3, 803; dazu das kompositum gratblock ebda 6, 2065. jünger namentlich auf gegossene werkstücke bezogen: grat (am buchstaben) Hellwig wb. d. buch- u. papiergewerbes (1917) 40a; 'grat ... vorstehende kante einer gusznaht, bei thon und gips auch formnaht' Mothes ill. baulex. (1881) 2, 518; die geformten stücke läszt man ... abtrocknen um ... wenn die masse steif geworden ist, ... die ... grate abzunehmen Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 9, 409. mundartlich verbreitet von der scharte an schneidenden instrumenten, an messern, sensen u. ä., vgl. z. b. Schmeller-Fr. bair. 1, 1016; rhein. wb. 2, 1364; Woeste westf. 83b; Mensing schlesw.-holst. 2, 460 (hier als n. verzeichnet).
c) für ein fugstück mit scharf schneidenden rändern, das, einer entsprechenden nute eingepaszt, zwei teile eines

[Bd. 8, Sp. 2042]


gefüges verbindet. vom 17. bis in die erste hälfte des 19. jhs. belegbar, in junger mundart noch bei Fischer schwäb. 3, 803; schweiz. id. 2, 821; rhein. wb. 2, 1364: so man wil ein tafelspil darausz (aus zwei spielen) machen, nimbt man das piquier bretlin, vnd steckt zu desselben lincken hand in den faltz oder gerinnen ainen eisinen doppelt schneidenden graad, und scheubt also ein täfelin an das ander hinan, das das piquir und das mühlenspil beysamen ... so man die bretlen wider auszainander zeücht, musz man gemach thun auf das man durch das eilen den eisinen graad nit abwürge (1617) Ph. Hainhofer in: quellenschr. f. kunstgesch. u. kunsttechnik 6, 318 (bei Fischer schwäb. 3, 802 unrichtig gedeutet); vgl. 296; 'grath ... eben diesen namen führet bey den tischlern die schärfe an den einschiebeleisten' Adelung vers. 2 (1775) 781; man sagt von zwei holzstücken, sie seyen auf den grath mit einander verbunden, wenn das eine mit einer schrägwandigen, nach innen sich erweiternden furche versehen ist, in welche eine gleichgestaltete hervorragung des andern stücks eingeschoben wird Prechtl technol. encycl. (1830) 7, 510; vgl. 12, 121; Mothes ill. baulex. (1881) 2, 518.
 
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grat, m. das ahd. und mhd. nicht belegbare wort (das aber ahd. grātag zugrunde liegt, s. 2grätig) wird nur ganz vereinzelt für die nd. ma. im 18. u. 19. jh. nachgewiesen: 'in Niedersachsen sagt man einen rechten grat auf etwas haben, besonders lüsternen heiszhunger' Rüdiger zuwachs d. sprachkde (1782) 2, 79; ik habe helleschen jrat hunger Brendicke Berlin 129b. das wort entspricht got, gredus, m. 'hunger', aisl. gráðr, m. und gráðe, m. 'hunger, begier', ags. grǣd, m. ds., und wird zu einer nur german. erweiterung *grē- der idg. wz. *gher- 'begehren' gestellt (Walde-Pokorny 1, 601; Pokorny 441).
 
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grat, m., 'bratrost'. vereinzelt begegnende entlehnung von engl. grate 'rost, gitter', das seinerseits aus mlat. oder roman. grata aus lat. cratis stammt (Murray s. v. grate, Meyer-Lübke 2304): dies (der 'knaust' oder die 'rostschieben') sind stücke auf eisernem grath über kohlenfeuer gerösteter und mit butter getränkter schwarzbrotschnitte, die den englischen toasts etwa ähnlich sind (von den mahlzeiten Harzer köhler) Kohl dt. volksbilder (1866) 173.
 
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gratbalken, m., im anschlusz an 1grat B 2 d β für den balken, der den gratsparren (s. d.) aufzunehmen hat, vgl. Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 767: (die kante eines walmdaches) wird durch den gratsparren ... gebildet, der unten im gratbalken ... oder einem kürzeren gratstichbalken ... ruht Müller-Mothes archäol. wb. (1877) 1, 490b.
 
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grätbein, n., s. grätschbein.
 
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gratbildung, f., 'bildung einer kante oder einer scharte', auf den vorgang selbst oder auf das ergebnis des vorgangs bezogen. 1) im anschlusz an 1grat B 4 b beim gewehr: (in der patroneneinlage befindet sich) eine kleine auskehlung, um gratbildung an dieser stelle zu verhindern bei M. Heyne dt. wb. 1, 1236. 2) im anschlusz an 1grat B 2 e beim gewölbe: es ist verständlich, dasz die weitere gotische entwicklung an dieser gratbildung einsetzt Worringer formprobl. d. gotik (1918) 91. —
 
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gratbogen, m., bogen, der durch die sich kreuzenden grate (vgl. 1grat B 2 e) aneinanderstoszender gewölbekappen gebildet wird, vgl. Mothes archäol. wb. (1877) 1, 491a: der erste schritt war, diese lineare mimik dadurch zu unterstreichen, dasz man die gratbögen mit rippen umzog Worringer formprobl. d. gotik (1918) 91.
 
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grätbogen, m., s. DWB gradbogen.
 
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grätchen, n., dimin. zu 1grat, m. oder wohl vorwiegend zu 1gräte, f.; im unterschied zu grätlein (s. d.) nur spärlich bezeugt. 1) an 1gräte A anknüpfend. im anschlusz an die wendung keine gräte s. v. 1gräte A 1 c β:

[Bd. 8, Sp. 2043]


man bringt kein grähtchen fast zu kauff:
die fisch vnd alles wird zu hauff
von vns zu ziehn bewogen (1643)
Simon Dach in: evang. kirchenlied 3, 84b Fischer-Tümpel.

2) an 1gräte B 1 oder 1grat B 1 anschlieszend: gleich darauf war ich denn richtig auf dem 'gipfel', einem grätchen von ein paar schritten länge Barth Kalkalpen (1874) 151.
 
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gräte, grate, f. , (n., m.). als n. das grt Dasypodius dict. lat.-germ. (1537) Y 3b; (1565) bei Fischer schwäb. 3, 803; das grede G. Maier histor. lustgart. (1625) 1, 218; schweizer. das grät vereinzelt neben hier sonst allgemein üblichem der grat schweiz. id. 2, 820. unsicherer bleiben spuren eines grät, m.: der grät Hulsius (1618) 2, 291b; der gräde aus einer ungenannten quelle bei Schmid schwäb. wb. (1831) 240. — als fem. bildung ist gräte aus dem plural von grat abzuleiten, nach art von hüfte, blüte u. a., vgl. A. Lindqvist plurale singularformen (1930) 63; 76, das n. wohl urspr. collectivum. mhd. græte, f. fehlt bei Lexer, doch sind einige der dort unter grât, m. stehenden nachweise als græte, f. zu deuten. das früheste einigermaszen sichere zeugnis steht bei Reinmar v. Zweter:

ist cluoc ein lop, sô cluoge alsô, daz dâ iht græte stecke bî (kaum g. pl.) 123, 6 Roethe

(neben sicher maskul. ein grât [: stât] 140, 11 und zweifelhaftem n. pl. græte 128, 3); mit einiger sicherheit auch, angesichts des stilistischen gefüges der ganzen aussage: græte in der keln Berthold v. Regensburg 1, 353, 9 Pf. (s. u. DWB A 1 a); ferner:

ir wrget hie (einerseits) mit grete, da wider (andererseits)
kvnt ir manige szze wisen j. Titurel 2582, 2 Hahn

(neben eindeutig maskul. grat 2983, 2; 3833, 3; 4222, 4 und einigen doppeldeutigen formen, z. b. 1285, 4; 2403, 2; 3858, 2). da man bis etwa 1500 auch für græte starke flexion des plurals voraussetzen musz, ist es mhd. und frühnhd. in vielen fällen unmöglich, die zugehörigkeit zu grat, m. bzw. graete, f. eindeutig zu bestimmen (vgl. dazu und überhaupt zur behandlung doppeldeutiger formen die bemerkung im kopf von 1grat). anscheinend bleibt aber græte in mhd. zeit noch ziemlich vereinzelt. häufiger erst tritt es auf in meist nd., seltener obd. quellen des späten 15. jhs. (s. u. DWB A 1 a). Luther scheint die ältere bildung vorzuziehen, vgl. z. b. 15, 36 W.; 28, 638; 30, 1, 168; 49, 350; 51, 104; br. 9, 362 u. ö., kennt aber auch gräte: die grethen und beine 33, 656; die grat (acc. sg.) 13, 314. — apokope des auslautenden -e ist in älterer sprache häufig, später besonders noch in obd., gelegentlich auch in nd. mundart. der dental erscheint auslautend (bei apokopierten formen) im älteren obd. manchmal als -d: gräd (obd. 1466) Diefenbach n. gl. 274b; Hulsius dict. (1618) 1, 141a, jünger in obd. und bes. nd. mundart: grád Schmeller-Fr. 1, 1016; graad Mensing 2, 460; grad Mi Mecklenb. 28b; Dähnert plattdt. wb. 159. inlautend begegnet -d- statt -t- in älterer zeit nur nd., später auch auf md. und obd. mundartboden, vgl. DWB grade Bauer-Collitz Waldeck 41a; Χreden rhein. wb. 2, 1363; grádn Schmeller-Fr. 1, 1016; grade Loritza Wien 53. daneben begegnet -tt- in gretten voc. rei numer. (Wittenberg 1558) H 3a; grätte Loritza a. a. o., -dt- in gradten Joh. Agricola sprichw. (1534) H 3a, ferner -th- bes. im 18. und frühen 19. jh. ausfall des inlautenden dentals in bes. nd. pluralischen mundartformen wie graen Strodtmann Osnabr. (1756) 75; gra'an Böning Oldenb. 40; gron, grahn Mensing 2, 460; grō.ə.nə rhein. wb. 2, 1363. schwankungen des vokals ergeben sich im rahmen des mundartlichen; für jüngere zeit ist die schreibung grete G. Köhler kriegswesen 3, 1 (1887) 12 auffallend. umlautlose formen sind im sg. wie im pl. für das ältere nd. charakteristisch, sie herrschen dort auch heute mundartlich noch vor, vgl. z. b. grad Mi Mecklenb. 28b; graad Mensing 2, 460, begegnen aber auch in den östl. mundarten des obd., vgl. z. b. grat

[Bd. 8, Sp. 2044]


Schöpf Tirol 207; grate Lexer kärnt. 122; Unger-Khull steir. 301a. — die flexion des wortes ist anfangs stark, seit etwa 1500 treten die schwachen pluralformen auf: der graden (gen. pl.) (1498) Reinke de vos 13 Prien; die grethen Luther 33, 656 W.; spinae gretten voc. rei numer. (1558) H 3a; die grathen stechen sehre C. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 376a; reine gräten L. Ercker beschreib. (1580) 10b u. ö. in älterer sprache ist gelegentlich auch schwache singularflexion bezeugt, nd. bereits im 15. jh.: nicht visch vppe de graden (nach ausweis der übrigen zeugnisse für diese feste redensart als acc. sg. zu fassen, s. u. A 1 c α, grat A 3 d) (1458) urk.-buch d. st. Lübeck 9, 621; jünger: unten an der graten Ch. Sorel v. d. leben der Francion (1662) 528. die in bair.-österr. maa. auftretende schw. nebenform die graten (neben die grat, die grate) geht wohl auf in den sg. eingedrungene pluralformen zurück: grádn Schmeller-Fr. 1, 1016; grâtún Schöpf Tirol 207; die gradún Castelli Wien 147; vgl. noch nit a graten (acc. sg.) Anzengruber ges. w. (1890) 10, 154.
A. wie 1grat A für etwas spitz und hart hervorstechendes, auch hier eigentlich-gegenständlich wie bildlich und redensartlich.
1) 'fischgräte'. so schon mhd., im lauf des 17. jhs. das ältere grat in dieser bedeutung verdrängend.
a) wan rüemen zimt rehte in der bîhte als græte in der kelen und als der fluoch bî dem segene Berthold v. Regensburg 1, 353, 9 Pf.; cromus grade, eyn wisches knoke i. ostpisis (aus os piscis) (nd. 1417; nd. 15. jh) Diefenbach n. gl. 121a; ospiscis grade (nd. 1425) Diefenbach gl. 402c; ospiscium gräd (obd. 1466) Diefenbach n. gl. 274b; enes visches grade de was em geuallen in den hals (Lübeck 1499) bei Schiller-Lübben 2, 137a;

do Ysegrym der graden nicht en mochte,
der suluen he em eyn weynich brochte (1498) Reinke de vos 197 Prien; vgl. 4412;

reichtumb seindt die grethen und beine, so von der herren tische uberbleibenn Luther 33, 656 W.; da der krebs sihet die beine vnd gradten der gefressenen fische Joh. Agricola sprichw. (1534) H 3a;

da fengt er (der geizige) ernstlich an zu schaben und zu kratzen,
er gibt die graden nicht den hunden oder katzen
Rachel sat. ged. 44 ndr.;

das geschuppte silber-stück deckt gall und gräten in den fischen Abr. a s. Clara etw. f. alle 2 (1711) 226; haben sie etwa eine gräte im halse stecken? Gottsched dt. schaub. (1740) 6, 303; als nun ... von den heringen ein paar traurige gräten und von der bewunderungswürdigen speckstippe gar nichts mehr da war Seidel Leberecht Hühnchen (1899) 34. in kollektivem sg.: pesce senza ossa fisch, der keinen grd hat Hulsius dict. (1618) 2, 291b; sich treu zu bleiben, zum eigenen wesen zu stehen, wie die forelle zu ihrer gräte A. Zweig einsetzg. e. königs (1950) 177.
b) entsprechend der älteren beurteilung des wal 'fischs' von den knochen dieses tieres: (die einwohner am Kap der Guten Hoffnung) leben ... von den groszen todten durch sturm an den strand geschlagenen wall-fischen, darauff liegen sie, mann weib und kinder, und nagen wie hunde von den gräten das fleisch Andersen orient. reisebeschr. (1696) 4b Olearius; die Grönländer nähren sich von dem fleische und dem öhle der fische; sie ... bauen sich von ihren gräten hütten (kann sachlich nur die knochen der wale meinen) (1769) allg. dt. bibl. (1765) 10, 2, 179.
c) im engen anschlusz an a häufig redensartlich, sprichwörtlich und bildlich.
α) die unter grat A 1 d α häufige redensart nicht fisch bis auf den grat sein 'nicht echt sein' klingt bei gräte nur nach: he en is nicht visch vppe de graden, dat merke ik vthe sinen vorgifftigen scrifften (1458) urkdb. d. stadt Lübeck 9, 621; he is nich rein an de graden 'er ist krank', aber auch 'er ist moralisch nicht einwandfrei' oder 'ersteht

[Bd. 8, Sp. 2045]


in schlechtem ruf' Mensing schlesw.-holst. 2, 460; vgl.rood (of niet zuiver) op de graat woordenboek 5 (1900) 525.
β) in wendungen wie keine, nicht eine gräte fangen, sehen u. ä. steht gräte als pars pro toto für den ganzen fisch; dabei bleibt der zusammenhang mit der vorstellung des fischfangs noch enger als in dem entsprechenden gebrauch unter grat A 1 d β: von selbiger zeit an (da der oft bestohlene teichbesitzer seinen knecht als gespenst verkleidet am teich spuken liesz) sey ihm nicht eine grte mehr entwendet worden Joh. Riemer polit. colica (1681) 224;

'du lieber gott! die ganze nacht
in frost und nässe durchgewacht,
und keine gräthe noch gefangen!' (worte eines fischers)
Wieland s. w. (1794) 18, 221;

wenn's mir nachgeht, sollst du keine gräte davon (von den gefangenen fischen) zu sehn kriegen Göthe I 12, 108 W.; IV 28, 50; es war nix mit'n fischen, nit a graten g'fangen, frau Käsmeier, nit a graten Anzengruber ges. w. (1890) 10. 154.
γ) in dem bei mhd. grât (s. DWB grat A 1 d γ) sehr verbreiteten bildgebrauch, der unter der fischgräte etwas verderbliches oder verfälschendes versteht:

ist cluoc ein lop, sô cluoge alsô, daz dâ iht græte stecke bî
Reinmar v. Zweter 123, 6 Roethe.


δ) im übrigen wurzeln in der vorstellung, dasz die gräte im fisch etwas lästiges, unangenehmes, störendes darstellt, das sprichwort kein fisch ohne gräte(n) und andere, z. t. lockerer gefügte wendungen:

die leut nicht ohn gebrechen sind,
wie man kein fisch ohn graden find
Petri d. Teutschen weiszh. (1605) Q 7b;

ohne grd kein fisch man find,
ohne mangel die leut nicht sind
Lehman floril. polit. (1662) 3, 276.

die wendung nicht fisch bis auf die gräte variierend und umdeutend: se is nig fisch ane grade sie hat neben der guten seite auch eine schlechte Dähnert plattdt. wb. 159a. ferner:

dieser hechte wir essen nicht,
die gräten stechen sehre
(mit bezug auf einen nicht zu bezwingenden gegner) (1572)
Erlach volksl. (1834) 2, 344;

gräten biegen sich wol, aber sie stechen auch Wander dt. sprichw.-lex. 2, 128; s hōt wull gräta drinne? — s hot an krēt im trumpf (Hirschberg) K. Rother schles. sprichw. 431b; die herren haben sich, wie es scheint, die sache gar leicht vorgestellt, hintennach aber gefunden, dasz es seine gräten hat Görres ges. br. (1858) 3, 117; je kleiner fisch, je weniger gräte J. Hoffmann polit. Jesus Syrach (1740) 37. in freier übertragung: wenn ihnen das gerichte nur mundet, und die vielen gräten von noten und citaten nicht die eszluszt rauben Görres ges. br. (1858) 2, 587.
ε) offenbar aus dem nl. stammt eine im nd. weit verbreitete redensart von den gräten fallen 'sehr mager sein' mit ihren varianten, die von 'fischgräte', nicht aber von einer (trotz der bedeutung 'rückgrat') weder bei grat noch bei gräte auftretenden allgemeinen bedeutung 'knochen' herzuleiten ist; die vorstellung des grätengerüstes ist hier scherzhaft auf das menschliche knochengerüst übertragen, vgl. dazu woordenboek 5, 525 s. v. graat 1 d van de graat vallen. zufrühest in einer übersetzung von Jer. de Deckers (†1666) 'lof der geldzucht':

bisz dasz ihr (frauen) stinckt und hinckt, und von den
grten fallt (en wechvalt van den graet)
J. G. v. Perlensee (1709) lob der geldsucht 785;

he wil van den graden vallen (de macilento) (anf. 18. jhs. Bremen) bei Schiller-Lübben 2, 137a; Danneil altmärk. ma. 69b; rhein. wb. 2, 1363; he hangt man eben bi de graden tosamen oder höllt bloots noch bi de graden tohoop 'er ist sehr elend, krank, mager'; auch übertr. he hangt bi de graden 'ist nahe vorm wirtschaftlichen zusammenbruch' Mensing schlesw.-holst. 2, 460; Dähnert

[Bd. 8, Sp. 2046]


plattdt. wb. 159a. vereinzelt auf sachliches übertragen: graf Strachwitz ... hatte glücklich ein paar mächtige bauernpferde und einen nur dürftig in seinen gräten hängenden wagen requirirt Wachenhusen tageb. v. österr. kriegsschaupl. (1866) 214.
2) die bei dem älteren wort grat (s. d. A 2) noch einigermaszen feste bedeutung 'stachel, dorn, spitze' tritt bei gräte zurück. namentlich ostobd. maa. verzeichnen für gräte 'granne', auch 'spreu', vgl. Schmeller-Fr. 1, 1016; Lexer kärnt. 122; Unger-Khull steir. 301a; Fischer schwäb. 3, 803; daneben ferner grat, f., n. 'hervorstechende spitze an disteln und anderen pflanzen' Neubauer Egerländ. ma. 64b. literarisch nur vereinzelt: die ameisz beisset vnd zwicket mit jren negeln das grede ab von dem körnlein Georg Maier hist. lustgarten (1625) 1, 218 (ebda 215: das spitzlein); nimmt man den ... getraideähren die ... graten, so gedeihen die körner nicht allg. dt. bibl. (1765) 106, 206.
3) 'rückgrat'. zur herleitung der benennung s. DWB grat A 3.
a) beim menschen: wie nemlich Raymond wein holen lassen, und selbigen den rückgraden herab auszgeschüttet habe an diesem schönen bloszen leibe, und allen anderen befohlen, dasz sie kommen und an der graten, als aus einer quellen trincken solten Ch. Sorel v. d. leben d. Francion (1662) 528. wohl kaum noch lebendigem sprachgebrauch gemäsz: so wird ... die gräthe genannt ... in der anatomie ... die spitzigen hintern fortsätze der wirbelbeine, welche eigentlich den rückgrath ausmachen Krünitz encycl. 19 (1780) 693; danach noch bei Adelung und Campe s. v. gräthe bzw. gräte.
b) beim pferd, nur in lexikalischen nachweisen des 16. und 17. jhs.: postilena das hinder grt, bg am sattel Dasypodius dict. (1537) Y 3b; grd, der sattel vorn oder hinden groppiera del cauallo (was im ital. teil übersetzt wird mit 'schwantzriemen') Hulsius dict. (1618) 1, 141a.
c) beim fisch vom rückgrat als der einzigen gräte oder der hauptgräte, mit oben 1 a gekreuzt: einige fische haben nur eine gräte quidam piscium dorsualem spinam tantum habent Steinbach dt. wb. (1734) 1, 635; nur die gräte des rückgrates spuckte sie vor sich hin Cl. Viebig d. schlafende heer (1904) 2, 407.
d) nur selten in der dem sehr verbreiteten gebrauch grat A 3 d entsprechenden redensart bis auf die gräte schinden, aussaugen: seynds denn etwan Juden die arme leute aussaugen bisz auf die gräte kipper und wipper (1621) A 3a; dardorch wert de arme man geschindet bet up de grade (protest. glosse zu Reinke de vos 100) bei Schiller-Lübben 2, 137a. in freierer pluralischer fassung: wenn sie mich die reichhaltige tiefe jener (ihrer körperlichen reize) nur errathen liesz, so enthüllte sie mir hingegen diese (ihre mission, ihren auftrag), wie sie sich selbst ausdrückte, bis auf die gräten Thümmel reise (1791) 3, 467,
B. von schmal oder scharfkantig verlaufenden gebilden. wie grat B und an einzelnen stellen über dessen anwendungsbereich hinausgreifend, im ganzen aber weniger ausgeprägt.
1) in der bedeutung 'schmale kammlinie eines berges oder felsen' literarisch anscheinend auf die erste hälfte des 19. jhs. beschränkt (doch verzeichnen auch Adelung und Campe die bedeutung nur unter grath bzw. grat, nicht unter gräthe bzw. gräte): gräten heiszen in der Schweiz die hohen ... spitzig ansteigenden berggipfel Zappe mineral. handlex. (1817) 1, 451; von da führt eine ziemlich gerad fortlaufende gräte, mit sehr schroffen abhängen zu beiden seiten, bis zum gipfel Ritter erdk. (1822) teil 10, 505; so lieszen wir uns denn abermals ... ans land setzen, stiegen über die scharfen gräten der felsen hinüber und giengen dann in der schlucht am gieszbachbette hinan G. H. v. Schubert Morgenland (1838) 1, 434; hebungen ..., in denen kleine theile des bodens ... ihr niveau um mehrere fusz bleibend verändern und dachförmige gräten oder flache erhöhungen bilden A. v. Humboldt kosmos (1845) 1, 310; vielleicht noch hierher: finster, fast schwarz erscheint der fels, scharfzackig seine gräte Barth Kalkalpen (1874) 84 (i. d.

[Bd. 8, Sp. 2047]


gleichen quelle an zahllosen stellen grat, m.; im pl. grate, z. b. 73; 217; 259; 488). mundartlich nur aus dem östl. obd.: grâte Lexer kärnt. 122; vgl. DWB auf də grád furt ge~ s. v. grät, grat, f. bei Schmeller-Fr. 1, 1016. bei einem älteren, für die bedeutung 'berggrat' in anspruch genommenen schwäb. beleg ist die richtigkeit der interpretation nicht nachprüfbar: Sebastian sprach da sein gebet vnd gieng vff den gräde M. J. Chr. v. Schmid schwäb. wb. (1831) 240.
2) für kanten- und kammförmige gebilde anderer art.
a) nur vereinzelt im sinne von grat B 2 a für kammartige, scharf schneidende organe am tierkörper: und erkennen an der besonders dargestellten spitze desselben (des legbohrers der holzwespe) ... die beiden gräten (in der art gezähnter messerklingen) Brehm tierl. 9, 211 P.-L.
b) in der fachsprache der anatomie, grat B 2 b gegenüber verhältnismäszig stark entwickelt, vom frühen 18. bis zur mitte des 19. jhs.
α) in direkter benennung bestimmter knochen bzw. knochenteile. über das verhältnis zu A 3 'rückgrat' s. unter grat B 2 b α. für die spina scapulae: das schulterblatt; ... es ist an ihm zu bemerken die gräte (spina scapulae) Blancard arzneiwb. (1788) 2, 143b; auf der hintern fläche (des schulterblatts) erhebt sich von der basis bis an den hals hin die gräte (spina scapulae) Sömmerring menschl. körper (1839) 2, 155; vgl. 4, 558; für die spina tibiae (modern fachsprachlich aber crista anterior): gräte des schien-beins, siehe schien-bein Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1307; schien-beins-gräte, lat. spina tibiae, ist der vordere und ziemlich scharfe theil des schien-beines ebda 8, 790. für beide knochen noch Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 693; Campe 2 (1808) 444. gräte auch für den oberen scharfrandigen knochenteil der nase. so wohl schon: zu den äuszerlichen (teilen der nase) werden gerechnet der rücken, die wurtzel, gräte, die kugel und flügel H. v. Fleming teutscher soldat (1726) 350; so wird der scharfe obere theil der nase von einigen die gräthe genannt Adelung vers. 2 (1775) 781.
β) nur vereinzelt wie unter grat B 2 b β für kantige formen, wie sie allgemein an knochen auftreten: einzelne knochen sind beym weiblichen geschlechte viel zarter, ... haben weniger scharfe ränder, gräthen und hervorstehende ecken Lavater physiogn. fragm. (1775) 2, 158.
c) entsprechend häufigerem grat (s. d. B 2 d β) als 'dachkante' nur vereinzelt: 'gräte, im bauwesen, scharfe, feine, spitzwinkelige kante, insbesondere ausspringende kante zweier zusammenstoszenden dachflächen, sofern sie nicht horizontale lage hat, in welchem falle sie first heiszt' Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 753.
d) im 18. und 19. jh. als terminus im befestigungsbau: 'gräte des glacis, arrête de glacis, heiszt die zusammenstoszung der abdachung des glacis. sie sind erhoben, oder eingebogen, nachdem der winkel entweder aus- oder eingehend ist' Eggers kriegslex. (1757) 1, 1094; Krünitz encycl. 19 (1780) 693. anders: 'gräte ... kamm einer brustwehr' Mothes ill. baulex. (1881) 2, 519.
e) fachsprachlich auch im waffen- und rüstungswesen, vgl. eine ähnliche anwendung unter grat B 2 f: 'gräte ... nennt man die linie, welche die brustplatte (am kürasz) in der mitte von oben nach unten theilt' Demmin kriegswaffen (1869) 330; dazu als kompositum grätenkürasz E. v. Handel-Mazzetti in: dt. rundschau 155, 11; die spieszeisen haben in den zeichnungen die form eines langgestreckten blattes mit kaum markirter grete G. Köhler entwicklg. d. kriegswesens 3, 1 (1887) 12 (oder entsprechend dem für gräte sonst nicht belegbaren botanischen gebrauch unter grat B 3 b?).
3) grat B 3 entsprechende anwendungen im sinne von 'schmale, fortlaufende erhöhung, schmaler streifen' begegnen nur in unsicheren spuren.
a) als ausdruck der zeugweber: 'gräte nennen die zeugwürker das wahrzeichen im gewürcke, dasz es ihres handwercks eigene arbeit sey' Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1307; von da her noch bei Krünitz encycl. 19 (1780)

[Bd. 8, Sp. 2048]


694 u. Jacobsson technol. wb. 2 (1782) 147b. wenn hier überhaupt zutreffend glossiert ist, bleiben ausgangsvorstellung und beziehung zu den unter grat B 3 a begegnenden webtechnischen ausdrücken unklar.
b) vereinzelt in einer grat B 3 b 'blattrippe' vergleichbaren anwendung von den fäden der bohnen: gleichsam wie man mit den bonen-schelfen, phaseoli genant, umgehet, wan man selbige von jhren gräthen reiniget Grimmelshausen Simplic. continuatio 99 Scholte (oder zu grat, m?).
c) entsprechend grat B 3 c nur vereinzelt in obd. flurnamen: gräte, f. Heiszgräte, Altgrätin fortlaufende erhöhung in einem acker, kiesbank, gew. alte (Römer) strasze Buck flurnamenb. (1888) 89; vgl. Fischer schwäb. 3, 1397 s. v. heiszgräte u. heiszgrätig.
 
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gräte, grätt, f., 'ein geschwür, namentlich bei pferden'. ein in seiner herkunft nicht ganz durchsichtiges wort, das zuerst im 17., dann besonders im ausgehenden 18. jh. belegbar wird. dagegen, dasz es sich um eine volksetymologisch gestützte neben form zu kröte (vgl. t. 5, sp. 2419 s. v. kröte 5) handelt, spricht bedeutungsgleiches älter. frz. arête (vgl. Littré 1, 190b; Wartburg frz. etym. wb. 1, 139a), so dasz dieses 2gräte vielleicht nur eine spezielle bedeutung (lehnübersetzung nach dem frz.) von 1gräte ist: (von pferden) diese vieh-hirten-salb ist nicht nur für die räudigkeit, sondern auch für die wasser, wartzen, geifferige wunden, grätt, mulles traversieres, und andere zuständ gut Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715) 2, 188a; figürlich wird auch ein flaches geschwür an den hinterfüszen der pferde ..., die gräthe genannt, weil die haare über der sehne wie gräthen aufgebürstet stehen Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 694; gräte ... les arêtes, ulcêre qui vient aux pieds de derrière d'un cheval Schwan nouv. dict. (1783) 1, 768a; Voigtel wb. (1793) 2, 127a.

 

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