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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
graswolf bis graszach (Bd. 8, Sp. 2012 bis 2019)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) graswolf, m., neben andern bezeichnungen wie roggenwolf, kornwolf im volksglauben von einem teils helfend, teils schadend im saatfeld hausenden wolf. in der form grasewolf in einem für Magdeburg bezeugten kinderspiel: wir (die gänse) fürchten uns. vor wem denn? vorm grasewolf ... will den gänschen die kehl abschneiden Mannhardt roggenwolf u. roggenhund (1866) 47. —
 
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graswuchs, m., älter vereinzelt mit fugenvokal, s. Zincke unter 2. die bildung ersetzt seit dem 17. jh. das ungebräuchlich werdende graswachs (s. d.). 1) die natürliche grasbewachsung, der grasbestand eines bodens: ebenen sowohl als thäler prangen oft mit einem reichen, üppigen graswuchs, den die hand des landmannes leicht zu wiesen und auen umschaffen kann J. G. Forster s. schr. (1843) 4, 191; eine fuszspur war auf dem graswuchs der böschung nirgends zu erkennen gewesen R. Dehmel ges. w. (1906) 7, 58; der

[Bd. 8, Sp. 2013]


(hügel) trug hunderte von obstbäumen, unter denen dichter graswuchs grünte A. Winnig wunderb. welt (1938) 103. summarischer: von dem graswuchse Amerikas wird jetzt ein groszer theil von zahlreichen heerden verzehrt, welche wieder den feldern cultur geben Baer reden u. versch. aufs. (1864) 1, 220. 2) mehr verbal verstanden im hinblick auf das wachsen des grases: (die) einmättigen ... wiesen, welche wegen ihres ... langsamen grase-wuchses des jahrs nicht mehr als einmahl abgemähet werden können Zincke allg. öcon. lex. (1744) 979; es findet sich aber die gut machende erde vermengt an stellen, an wenigen, mit einer andern erde, vor welcher man sich zu hüten hat, dasz diese nicht auf den acker komme, weil diese allen kornwuchs bis auf den graswuchs, sogar den wuchs des unkrauts auf jahre schier erstickt Harms verm. aufs. u. kl. schr. (1853) 10. —
 
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graswüchsig, adj., graswuchs tragend: es wird immer einen groszen unterschied machen, ob das land seiner natur nach graswüchsig, und ob der acker rein oder unrein gehalten wird Thaer rat. landwirthsch. (1809) 1, 282; diese graswüchsigen moorstrecken ermöglichen eine weidenützung durch das vieh Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 151. —
 
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graswüchsigkeit, f., natürliche grasbewachsung: wie man den ertrag der weide nach der art und graswüchsigkeit des bodens nach den abgenommenen früchten und nach den weidejahren zu schätzen habe Thaer rat. landwirthsch. (1809) 1, 332; begünstigt wurde sie (die provinz) durch die fruchtbarkeit des bodens, starke niederschläge, welche eine grosze graswüchsigkeit hervorbrachten Ernsthausen erinn. (1894) 242.
 
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graswurm, m. 1) raupe. vorwiegend im obd.; in älterer sprache meist mit fugenvokal; vgl. eruga crasauuurum (anf. 9. jhs.) ahd. gl. 1, 674, 15 St.-S.; eruca craseuurm (9. jh.) ebda 1, 431, 28; eruca craseuurm (9. jh.) ebda 1, 669, 1; eruca graseuurm (9. jh.) ebda 3, 452, 30; eruce graseuurm (9./10. jh.) ebda 1, 669, 2; erugo grasevurm (10./11. jh.) ebda 1, 442, 25; eruc grasavvurme (11. jh.), grasauurm (11. jh.) ebda 2, 252, 12; eruca grasauuorm (11. jh.) ebda 4, 231, 3; eruca (uermis) grasewrm (11./12. jh.), graswrm (13./14. jh.) ebda 3, 272, 59f.; doliuia eruca grasevvrm (anf. 12. jhs.) ebda 3, 315, 70 u. ö.; doliuia graswurm (obd. 15. jh.) Diefenbach nov. gl. 140a; bruchus ein graszwurm oder raup, inger Frisius dict. (1556) 165b; campe ein rup od graszwurm ebda 178a; centipeda ein gifftiger wurm gleych einem graszwurm, hat aber vil mer fssen ebda 209a; eruca graaszwurm ebda 482a; graszwurm campe, bruchus, raup, inger, centipeda, multipeda, eruca oniscus Maaler t. spraach (1561) 191c; grasswurm Widerhold (1669) 150a; graswurm eruca Steinbach dt. wb. (1734) 2, 1053; graswurm larva, eruca Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 207. noch mundartlich im obd., vgl. Seiler Basel 146a; Stalder schweiz. id. 1, 473; Fischer schwäb. 3, 801; vereinzelt im ostfries., vgl. Doornkaat-Koolman 1, 676a: der stichling ein grasswurm, so die ... augen ann weynrben verderbt Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 27b; die raupen oder graswürm Stumpf Schweizerchron. (1606) 753a; graswürmer allg. dt. bibl. (1765) 16, 547; die kunst, sich im rechten tempo lang und wieder kurz zu machen wie ein graswurm — das sind erhabene sachen, die jedem, der etwas gelten will, empfohlen werden müssen Zschokke s. ausg. schr. (1824) 13, 106; in einem jahr waren die käfer im gras, in einem andern die graswürmer im kabis Jer. Gotthelf ges. schr. (1855) 21, 4. 2) spulwurm, ascaris sesquipedalis; vgl. Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 781; Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 207; Campe 2 (1808) 444a. 3) für die gattung lampyris, den johanniskäfer; vgl. Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 207: de cicindela ... zindwurmle ..., grasswurm, gugle et feurcaefer Th. Moufet insectorum sive minimorum animalium theatrum (1634) 108; in manchen gegenden Deutschlands leuchtet ... nur das als graswurm ... bezeichnete weibchen (der leuchtkäfer) Brehm tierl. 9, 115 P.-L.
 
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graswürmlein, n., dim. zu graswurm (s. d. 1). raupe: volucra

[Bd. 8, Sp. 2014]


ein geschlcht eines graaszwrmlis, das die weynrben vornen abnagt Frisius dict. (1556) 1405a; Maaler t. spraach (1561) 191c. —
 
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graswurz, f., im älteren nhd. gleich graswurzel (s. d.), agriopyrum repens P. B.; vgl. Pritzel-Jessen volksnamen d. pflanzen 412: nim graszwurtzen, rusckenkrner ..., die siede in einer masz wasser auff halb, vnd trink darvon Wirsung artzneyb. (1588) 468b; (man soll) die graswurtzen darauf (nach dem mähen) (wann drres heisses wetter) fleissig wssern Hohberg georg. cur. (1682) 1, 126a. nach Fischer schwäb. 6, 2034 s. v. geugen für den schachtelhalm: von den wahlschlagern mit denen also genandten guiggen oder graswurtzen eingelegt, hierdurch ein grünen grasswasen erzigelt (1663) ebda.
 
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graswurzel, f. 1) als pflanzenname bezeichnung der gemeinen quecke, agriopyrum repens P. B.; vgl. grswurzel hundsgras Haltrich id. 71b; graswurzel triticum repens Schrader dt.-frz. 1 (1781) 570; Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 63; Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 146: (im september soll man) grunmath mhen zu anfang dieses monats im alten monden nach Egidi, strckt sich die gras-wurtzel Hohberg georg. cur. (1682) 1, 132a; die in den apotheken gebräuchliche gros und kleine graszwurzel allg. dt. bibl. (1765) 7, 2, 192. anders rothe graswurzel für carex arenaria L. bei Marzell 1, 833. 2) im plur. allgemeiner vom wurzelwerk des grases überhaupt: weil eine kleine portion dieses kräftigen düngers ... vermöge der gleich einem gewebe in einander laufenden graswurzeln eine menge pflanzen durchziehet allg. dt. bibl. (1765) 5, 1, 129; das ist ein 'brandbrennen', wie es in der gegend gebräuchlich, um das nutzlose gesträuche zu vertilgen, dadurch die baum- und graswurzeln des grundes zu tödten Rosegger schr. (1895) I 4, 297.
 
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grasz, adj. , ahd. grazzo, adv., mhd. graz, zur germ. wz. *grēt-, grat- 'spitzig, scharf sein' (vgl. Falk-Torp 139), welche ihrerseits eine dentalerweiterung von *grē- zu idg. *gher- 'hervorstechen' ist (Walde-Pokorny 1, 606; Pokorny 440). ob ein ahd. subtiliter grazliihho (9. jh.) ahd. gl. 1, 161, 14 St.-S. (vgl. auch krazlihor ebda 243, 32) dazu berechtigt, der germ. wz. *grat- auch eine bedeutung 'dünn, fein' beizulegen, wie sie sonst nur noch in nasalerweiterungen derselben wz. angetroffen wird (vgl. an. grannr, norw. grand), bleibt angesichts der ganzen glossenstelle: prahtit grazliihho (für garrit subtiliter) sehr fraglich. das wort grasz ist nur im md. und westl. obd., mit ausnahme des schweizer., nachzuweisen. für das nd. vergleichen sich die faktitiven bildungen mnd. gretten, grotten, swv. 'reizen' Schiller-Lübben 2, 145a, wozu mnd. grettich, adj. 'wütend' ebda 6, 144a und mnd. gretter 'anreizer' ebda 2, 145b, ferner nl. greten 'zum zorn reizen' woordenb. 5, 680, welchen bildungen nhd. 1gretzen (vgl. t. 4, 1, 6, sp. 204) entspricht. mit grasz, adj., verwandt sind ferner grasz, n. (s. d.) und die zu diesem gehörigen bildungen. dagegen besteht zu gretig (t. 4, 1, 6, sp. 204), 2grätig (s. d.) wohl keine beziehung. länge des vokals ist für das adj. nicht belegt und auch für das mhd. stm. graz 'wut' (Lexer 1, 1075: graz, grâz) nicht anzunehmen; die reimbelege (bei Nikolaus v. Jeroschin 21 812 Strehlke, Hermann v. Damen 112, 34 Onnen [= MSH 3, 169a]) beweisen nichts, da beide dichter zwischen a und â im reim nicht scheiden. dagegen ist für das vb. mhd. grâzen die länge gesichert, doch ist fraglich, ob dieses nicht eher zu got. grētan zu stellen sei, s. 1graszen. — umlaut des vokals bleibt für grasz literarisch vereinzelt (vgl. Moscherosch gesichte [1650] 1, 303), ist mundartlich im westl. obd. jedoch häufiger anzutreffen. über das verhältnis zu gräszlich s. dort.das wort ist in der älteren sprache nur vereinzelt, ahd. für Otfrid, mhd. für Rudolf v. Ems (alem.) und Johann v. Frankenstein (schles.), im 15. jh. ebenfalls alem. und schles. bezeugt. vom 16. jh. ab erfährt es eine intensivere verbreitung. neben dem mit ihm volksetymologisch in zusammenhang gebrachten gräszlich scheint grasz sich im späten 18. und frühen 19. jh. gleichwertig zu behaupten; Schiller undauch in seiner spätzeit

[Bd. 8, Sp. 2015]


Göthe gebrauchen grasz unbedenklich, so dasz die von Adelung vers. 2 (1775) 780 vorgenommene (von Heynatz antibarb. 2 [1796] 73, nicht aber von Campe aufgegriffene) verweisung des wortes in 'niedere sprecharten' nicht verallgemeinert werden darf. auch ein veralten des wortes glauben Heynatz a. a. o. und Voigtel dt. orthogr. gramm. wb. (1793) 126a, kaum mit recht, schon vor 1800 feststellen zu sollen. erst seit der mitte des 19. jhs. wird grasz, durch die konkurrenz von krasz (s. DWB krass u. unten 3) ohnehin gefährdet, von gräszlich mehr und mehr verdrängt.nach ausweis der maa.-wbb. ist das wort auf obd. boden dem schweizer. und bair.-österr. fremd: nur Hügel Wien 70a bucht ein (hierher gehöriges?) subst. grasz 'stolz, hochmut'. unter den lebenden maa. kennen das wort grasz, oft in ziemlich abweichenden sonderbedeutungen, die Nordharzer ma. (vgl. Damköhler 64a), das thür. (vgl. Hertel 109; Liesenberg 147), das siebenbürg. (vgl. Kramer Bistritz 38), das schwäb. (vgl. Fischer 3, 800), das elsäss. (vgl. Martin-Lienhart 1, 281b) und lothr. (vgl. Follmann 214a). für das hess. vgl. s. v. graszig. bei rhein. grasz 'rauh, trocken im halse' rhein. wb. 2, 1362 dürfte es sich kaum um unser wort handeln.
1) der wurzelbedeutung 'scharf, spitz' noch verhältnismäszig nahe.
a) zufrühest, aber nicht über das ahd. hinaus, als ein intensitätsbegriff im sinne von 'eifrig, ernstlich, nachdrücklich', mit dem gradbegriff unter 3 in keinem zusammenhang:

iuan fiant minnot, so gibiutit druhtin got;
minnot io thie grazzo so wer soso iuih hazzo
Otfrid II 19, 16 Erdm.-Schr.;

ther wizod gibiutit grazzo, man sinan fiant hazzo,
joh iagilicher manno sinan friunt minno ebda 11.


b) 'heftig, zornig, wütend, wild', auf einen gemütszustand oder ein daraus entspringendes verhalten bezogen:

Esau der wart vil graz.
nu begunde grozen haz
und umbrderlichin nit
tragin von der selbin zit
Esau dem brdir sin
Rudolf v. Ems weltchron. 5896 Ehrismann;

er schickte bei tausend rüstiger hofeleute uf dise wagen, darumb ein grasz schlahen war Eschenlohr gesch. d. stadt Breslau 2, 188 J. G. Kunisch; ist aber die person zornig, als er sich dann zornig in der ersten red erzgt, so solman die wort schneller, lüter vnd grasser lesen Terenz deutsch (1499) 8a. auch auf eine andauernde feindliche gesinnung bezogen, soviel wie 'gram':

das L hat flusz on vnderlasz
das ist ein E im worden grasz
Gengenbach 6 Goedeke;

(die tiere sind einander) gramm vnd grasz, neydig vnd häszig Paracelsus op. (1616) 2, 326 Huser. jünger in spuren nachlebend:

er (Herakles) schlug den blaugeschuppten wächter,
der grasz den baum (der Hesperiden) umwand
J. H. Voss s. ged. (1802) 4, 194; vgl. 2, 187;

gräss 'wild, böse' Fischer schwäb. 3, 800. älter vereinzelt anders nuanciert: auidus grasz (15. jh. obd.) Diefenbach gl. 61a.
c) viel häufiger, in einer speziellen anwendung von b, aussehen, gesicht, gesichtsausdruck, blick, auch stimme eines lebewesens kennzeichnend, wobei zur bedeutung 'wütend, wild, drohend' das für 2 charakteristische und von dort her wirkende moment 'schrecken erregend' mehr oder minder hinzutritt; seit dem 16. jh., deutlich noch bis ins 19. jh. nachwirkend. in festen verbindungen und, besonders älter, neben synonymen begriffen wie zornig, grausam u. ä. grasz sehen, ansehen, starren: leüt ..., die auch durch daz gesycht einen bezauberen, vnd ... zu letst tödten, in sonderheit wenn sye zornig oder grassz sehen (iratis praecipue oculis) Eppendorf Plinius (1543) 7, 6; wie er (ein geist) aber letstlichen doch weichen muest, hat er den grafen grasz und scheuzlichen angesehen

[Bd. 8, Sp. 2016]


Zimmer. chron. 24, 83 Barack; (in der kampfpause) lehnete sich Anaxius auff seinen degen, vnd sahe die Zelmana (eine Amazone, mit der er kämpft) gantz grasz vnd grausam an Opitz Sidneys Arcadia (1638) 686;

was starrst du (ein gespenst) so grasz nach mir,
dasz das herz im männerbusen
sich mit bangem grausen wendet
Grillparzer s. w. 4, 24 Sauer;

gras gräszlich, entsetzlich. net sich esi (so) gras Haltrich siebenb.-sächs. volksspr. 30b. grasz aussehen: vnd befande, dasz er sehr zornig vnnd grasz aussahe Bastel v. d. Sohle don Kichotte (1648) 172; und sein geberde verstellet sich, er sahe zornig vnd grasz ausz (zu 1. Mos. 4, 5) Nürnberger biblia (1662);

es kann nicht anders seyn, du mordetest ihn mir;
so sieht ein mörder aus; so grasz, so stier
(so should a murderer look, so dead, so grim) Shakespeare (1797) 1, 231.

grasses (an)gesicht:

der Julius, der einher tritt
im harnisch, nach der kriegsleut sitt,
erschrecklich von har, und von bart,
mit grassem gsicht, uff mördrisch art
Zach. Müntzer bepstl. gesch. (1566) 700;

(sie) sahe derwegen die Gynecia mit so grassem gesicht an, als ob sie sich sehr beleidigt befinde Opitz Sidneys Arcadia (1638) 238; vgl. 875. jünger in freieren fügungen, aber auf gleicher linie: den Juden sieht der grasse teufel zun augen heraus, aber Stephani angesicht ist lustig und lieblich, wie eines engels angesicht Otho evang. kranckentrost (1641) 1138;

lichthehr erschien der reiter rechts
mit mildem frühlingsangesicht;
grasz, dunkelgelb der linke ritter
schosz blitz vom aug', wie ungewitter (der teufel)
Bürger s. w. 70a Bohtz;

und über ihrer blicke grassem feuer,
dem rachendampf, der zähne weiszem zaum,
fährst du, erhaben lächelnd, göttin
Immermann w. 13, 132 Hempel.

vereinzelt:

und (satan) erhub in solcher wut, eifer, raserey und grimme,
seine mehr als donnernde dumpflgt-brüllend grasse stimme
Triller poet. betr. (1750) 1, 639;

mundartlich leicht nuanciert: gräss finster, schrecklich: e grässer blick; gräss luejen Martin-Lienhart elsäss. 1, 281b; Follmann lothr. 214a; gràs düster, finster, vom blicke des menschen Kramer Bistritzer dial. 38.
d) in den gleichen oder ähnlichen beziehungen wie unter c, aber als 'wild, starr, stier, grell' nicht den affekt des zorns, der wut, sondern andere affektbestimmte zustände, wie angst, verzweiflung, wahnsinn, voraussetzend. im ersten beleg freilich in der milderen, sonst kaum begegnenden bedeutung 'trotzig, selbstbewuszt': ein grassz vnnd etwas trutziges angesicht, und stelt sich etwas prchtisch und stoltz, jedoch mit freündtlichem vnnd sänfftiglichem honlächlen (von Mohammed) Höniger sarracen. gesch. (1580) 7; mit graszem angesicht, verkehrten augen (von einem, der rache nehmen will, aber sich ängstlich stellt, weil er ohne waffen ist) buch d. liebe (1587) 187c; sehen sie mit den augen stürmig vnd grass die leuth an ... ist ein zeichen der taubsucht Paracelsus chir. (1618) 12. so namentlich in der sprache des jungen Schiller und von da her literarisch weiterwirkend, wobei freilich auch mit einwirkung von 2 b und 3 zu rechnen ist, gelegentlich auch die vorstellung vom 'weiszen' des auges (s.e) hineinzukreuzen scheint, so dasz der wortgebrauch hier etwas ausgesprochen komplexes bekommt: Franz ihm (dem diener) grasz nachstierend (szen. bemerkung; Franz vor dem selbstmord) Schiller 3, 189 G.; die augen grasz in einen winkel geworfen (szen. bemerkung) ders. 3, 455; zitiert bei W. Raabe s. w. I 5, 277 Klemm;

bleifarb steht,
verstört, die wimper grasz emporgeschlagen
der bursche da; ...
nur das ist klar, er starrt der welt vergessen
in einen abgrund, den er zagt zu messen
Geibel ges. w. (1883) 2, 277;

[Bd. 8, Sp. 2017]


lacht grasz auf (szen. bemerkung) Schiller 3, 34 G.; offensichtlich von 3 'krasz' her mitbestimmt: und die farbe seiner haut war von einer gelben mulattenschwärze, woraus das weisze eines schielenden auges bisz zum grassen hervortrat ders., a. a. o. 4, 74; hierher wohl auch: freylich ist auch das auge zu grasz. doch ist die gepackte stirne, der parallele rücken der nase ... ganz trefflich (über einen kopf nach Raphael) Göthe I 37, 338 W.
e) nur älter vereinzelt auch in rein sachlicher bezeichnung sehr farbheller augen, wenn nicht auf das 'weisze' des auges zielend (vgl. dazu auch ob. d): etliche haben schwartze augen, die anderen braune. eins theyls rote. ettliche scharpfflyechte grasse augen, mit gryengelen rynglinen vmbgeben (aliis nigri, aliis ravi, aliis glauci coloris orbibus circumdatis) Eppendorff Plinius (1543) 11, 207; vgl. dazu: scharpffe, gryengelbe, lyechtgrasze augen ebda 206.
2) unter einwirkung des auf grasz 'heftig, wütend' bezogenen und zu gräszlich (s. d.) lautlich umgedeuteten mnd. greselik 'grauen erregend' vollzieht sich auch für grasz ein bedeutungswandel von 'wütend' zu 'schrecken, grauen erregend' bzw. 'schrecklich, furchtbar'.
a) grasz als das an einem gegenstand oder vorgang haftende merkmal des grauenvollen, gräszlichen, abscheulichen und zugleich, unter anderem aspekt, die im sinne von 'mit schrecken, mit abscheu erfüllend' ausgelöste psychologische wirkung; seit dem 17. jh. nachweisbar:

wer bistu, grasses vngethm (die personifizierte furcht)
Lohenstein Arminius (1689) 2, 1568a;

so ward für dieszmal auch aus ihrer (der sonne) purpur-röte,
nachdem der tag verschwand, ein grasser blut-comete poesie d. Nieders. (1721) 1, 47 Weichmann;

welch grasses angstgetöhn benebelt mein gehör
Drollinger ged. (1743) 127;

der kranke sasz noch ebenso im bette, wie ihn der doktor in der nacht gesehen; nur schienen beim tageslicht seine züge noch grasser, der ausdruck seiner augen, die schon zu erstarren anfingen, noch schauerlicher Hauff s. w. (1890) 3, 2, 201;

doch jeder preist des jünglings heldenmuth
mit grassen flüchen
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 215.

gelegentlich ist die grenze zu dem rein objektiven gebrauch b schwer zu ziehen: von allen den thorheiten (der mystik), durch welche, stufenweis', der in seinem irdischen wesen befangene mensch sich der gottheit unmittelbar anzunähern und sich zuletzt mit ihr zu vereinigen gedenkt; da denn doch zuletzt nur widernatürliche und widergeistige, grasse gestalten zum vorscheine kommen (1819) Göthe I 7, 66 W.;

wer mir den rücken kehrt, gleich liegt ihm schlapp
hals, kopf und schopf hinschlotternd grasz im nacken ders., a. a. o. 15, 266;

tief im busen eingetrieben,
wo er (ein dolch) grasz zusammenhielt
den durchnäszten braunen mantel
Grillparzer s. w. 7, 165 Sauer; vgl. 174;

substantiviert: in diesen letzten theilen des gedichtes geht die ganze behandlung aufs grasse und furchtbare aus bis ins ekle; sie will zerknirschen, buszfertig machen und zahm durch schrecknisz und drohung Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 2, 128. gemildert soviel wie 'unlust, widerwillen erregend': so kalt, so grasz liegt alles vor mir — als wär die welt nichts Göthe I 11, 184 W.;

o, das (leben ohne den geliebten) sieht mich grasz
und elend an
Immermann w. 16, 416 Hempel.


b) als 'schrecklich, fürchterlich, entsetzlich' objektiv und ohne das unter a mitgegebene moment subjektiver wirkung. nur in jüngerem gebrauch und in schwer bestimmbarem grade wohl schon von 3 'krasz' her berührt:

gott sandte seinen rohen kindern
gesetz und ordnung, wissenschaft und kunst,
begabte die mit aller himmelsgunst,
der erde grasses los zu mindern (1816)
Göthe I, 3, 172 W.;

[Bd. 8, Sp. 2018]


ihr habt gehandelt, wohl! das thor geht auf,
und eine grasse zeit hält ihren einzug
Grillparzer s. w. 9, 74 Sauer;

vor dem ihrigen (d. i. vor ihrem patriotismus) graut mir, weil es die noch edle, noch unschuldige vorform ist von etwas schrecklichem, das sich eines tages unter den Deutschen zu den grassesten narrheiten manifestieren wird Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 187. speziell zur objektiven kennzeichnung seelischer zustände, des schreckens, des grauens u. ä., hier einer blosz steigernden funktion besonders nahe:

wie, wenn der hirt
im waldgebirg auf einen drachen trifft,
und, grasz und grausend durch den ganzen leib,
zusammen schrickt
Bürger s. w. 151 Bohtz;

im geflimmer sanfter sterne zuke
dir des kindes grasser sterbeblick
Schiller 1, 229 G.;

todt lag es (das kind) da, und ich neben ihm in wütender grasser verzweiflung der junge Göthe 3, 643 Morris (im druck v. 1776: groszer);

woher auf einmal das grasse erschrecken?
Eb. König Thedel v. Wallmoden 245.

im thüringischen und in einigen seiner randmundarten vielleicht von hier aus zu einer bedeutung 'grau, bleich, abgehärmt (aussehend)' entwickelt: gras, flekt. grasse, von der gesichtsfarbe kranker menschen: blasz, grau Damköhler Nordharzer wb. 64a; Liesenberg Stieger ma. 147; Hertel Thüringen 109.
3) in der nähe des unverwandten, aus lat. crassus entlehnten krasz (s. DWB krass), und vielfach mit diesem wort verwechselt bzw. gleichgesetzt, dient grasz 'zur bezeichnung eines jeden hohen oder übertriebenen grades' Adelung vers. 2 (1775) 780. seit dem späten 18. jh. belegbar, doch deutet sich, noch vor dem aufkommen von krasz, ein grad- und mengenbegriff, wie er dem wort von 1 her nicht fernlag und wie ihn auch gräszlich (s. d. 3 b) annimmt, vereinzelt schon früher an: denn zum msziggang gehören entweder grasse zinsen, oder hohe galgen Jak. Döpler theatrum poenarum (1693) 705. zur vermischung mit krasz vgl.: mit unter aber gebraucht man grasz auch für grob. eine grasse antwort, ein grasser begriff oder eine grasse vorstellung. der gelehrte theil Niederdeutschlands spricht im letzten fall lieber krasz, doch so, dasz man dabei anerkennt, das wort sei nicht deutsch, sondern lateinisch Heynatz antibarb. 2 (1796) 73. in der kennzeichnung äuszerster erscheinungen, extremer zustände, soviel wie 'grob, grell, schlimm, stark': zu einer guten kopie der natur gehört beides, eine edelmüthige kühnheit, ihr mark auszusaugen, und ihre schwungkraft zu erreichen, aber zugleich auch eine schüchterne blödigkeit, um die grassen züge, die sie sich in groszen wandstücken erlaubt, bei miniaturgemälden zu mildern (1782) Schiller 2, 344 G.; in meinen augen knüpft sich bey Lavatern der höchste menschenverstand, und der grasseste aberglauben durch das feinste und unauflöslichste band zusammen (1782) Göthe IV 5, 301 W.; wie ein stabloses rohr der wüste beugt mich der sturm und grasser schmerz Kosegarten bei Campe 2 (1808) 444a; weil man ihm (dem könig) das leben der studenten ... mit gar zu grassen farben geschildert hat Laukhard leben (1791) 5, 54;

(er) tadelt mich, dasz ich nicht schläfrig im zimmer sitze und brüte,
sondern die freie natur suche, wie kinder die brust.
freund, das find' ich doch grasz!
Hebbel w. 6, 365 Werner;

es passiert ihm, dasz er den Tigris nicht vom Euphrat unterscheiden kann ..., um nur ein grasses beispiel anzuführen Pauly-Wissowa real-encycl. 4 (1901) 1879; in grassem gegensatz ebda; sie haben es verstanden, mein lieber, einem grassen wort ('schmarutzertum'), das mir entschlüpfte, eine hohe, majestätische deutung zu geben Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 134. selten adverbial: da ich jetzt viele von seinen autos sacramentales

[Bd. 8, Sp. 2019]


gelesen habe, von denen viele grosz und hochpoetisch, manche willkürlich und einige ... oft grasz allegorisch oder kindisch sind Solger nachgel. schr. (1826) 1, 683.
 
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grasz, n., 'fichten- und tannensprossen oder zweige, die zu viehfutter oder streu kleingehackt werden' Schmeller-Fr. bair. 1, 1008; 'dünne äste, reisig als abfallholz' Schatz wb. d. Tiroler maa. 1, 250. mhd. graz, als stn. (a-klasse) zur germ. wz. *grat- 'spitzig, scharf sein' (vgl. Falk-Torp 139) gebildet, wie gleich- oder ähnlichbedeutendes grassen, m. (s. d.), gretze(n), swm., swf., vgl. s. v. gretz, m., t. 4, 1, 6, sp. 203). im ablaut damit könnte grotz(en), m., f., 'wipfelsprosse' t. 4, 1, 6, sp. 598 stehen (aber nicht kris, n., 'reisig' trotz t. 5, sp. 2330). eine schreibung gras Scheuchenstuel id. d. österr. berg- u. hüttenspr. 107 bleibt singulär. gleichfalls vereinzelt ist ein -er-plural gräszer, den Unger-Khull 304a für Rosegger nachweist.das wort ist vor allem österr. und da namentlich steir.-kärnt. bezeugt. ableitungen (vgl. s. v. grassach, grassen, grässing, 1gräszling, ferner grässle österr. weist. 2, 49, 11) und verwandte wörter (vgl. ob.) sind gelegentlich auch in anderen obd. maa. anzutreffen. seit dem 17. jh. begegnet die nebenform gräsz, deren umlaut unter einflusz von grässen, vb. (s. DWB grassen) entstanden sein wird:

nu brechen die wîl îwîn graz.
ich wæn dîn ors dicke gaz
ze Munsalvæsche baz dan hie
Wolfram v. Eschenbach Parzival 485, 13, wofür 486, 7 îwîn loup;

Jacl ... hatt recht grasz schneiten, zaunholz und prenholz zu nemen (1573) österr. weist. 6, 152, 39; mit dem grässen solle es also gehalten werden, das sie die stämb nit gar bloss sondern mit bescheidenheit grässen; sie sollen auch solches gräss nit verligen oder auszreisen lassen, noch viel weniger verkaufen (1606) österr. weist. 6, 74, 1; wann auch einer dem andern auf seinem grunt und boden ... ohne ... bewilligung ain oder mehr feichten abstimblet, dasz gräss haimblichen führet, zue streu gebrauchet, von iedem gewaxenen stamb 72 D (busze) (17. jh.) ebda 7, 346, 24; die zwei jungen mägde waren vorhanden, um die herabgefallenen äste (das grasz) in büschel zusammenzulegen Rosegger schr. (1895) I 3, 102. vgl. ferner Unger-Khull steir. 303b; Castelli Wien 149.
 
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graszach, n., s. DWB grassach.

 

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