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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
graswebe bis graswüchsigkeit (Bd. 8, Sp. 2010 bis 2013)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) graswebe, f., eine benennung des altweibersommers, der sommerfäden; vgl. Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 781; 155 (1832) 498; Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 207: weil nun aber das gantze feld, und das gesträuche, nicht aber sowohl die bäume, mit lauter subtilen und dicht in einander verknüpfften graszweben belegt war, so stund diese nebel-nässe in form lauter sehr kleiner runder küglichen an diesen

[Bd. 8, Sp. 2011]


dichten fäserlein höchst dichte ... aneinander slg. v. natur- u. medic.-gesch. (1717) 3, 208. —
 
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grasweg, m., älter vereinzelt graseweg (s. u.), ein mit gras bewachsener weg, besonders zwischen feldern und wiesen, viehtrift; vgl. Teuchert sprachreste der nl. siedlungen 472; rhein. wb. 2, 1361; Martin-Lienhart elsäss. 2, 801a: ein zweiteil 'ze dem grasweg' (als gewannname) (1337) veröff. a. d. archiv v. Freiburg i. Br. (1890) 1, 106; und zogen darnach auff der seiten durch einen graseweg, der mit wasser uberlauffen war hinein B. Faber Saxonia (1563) 295b; am ersten sollen alle grasweeg zum sunewenden geraumbt (abgemäht) sein (1636) österr. weist. 2, 165, 44; man kont einen auf diesem gras-weg im portal nicht eher sehen, als bis man wirklich davor stand Loen d. eerliche mann am hofe (1740) 394; es ritt sich sanft hier auf dem grasweg Auerbach schr. (1892) 3, 25; so wie die graswege jetzt hier unter hohen ahornhainen ... mit den vielfarbigen scharen der anemonen bevölkert waren Dauthendey gedankengut a. m. wanderjahren 2 (1913) 296. —
 
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grasweide, f., zugrunde liegt weide I B (teil 14, 1, 1, sp. 547 ff.). 1) am häufigsten für die weidefläche, den weideplatz; vgl. weide I B 3: ain grasweide und krautgarten an einander gelegen (1525) bei Fischer schwäb. 6, 2064; der erste theil des gartens sol die grasweid, der zweite den blumgarten haben Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 7, 220; die andern htten ihre pferde in die graszweide gejaget Buchholtz Herkules (1676) 2, 54; ein pferd, welches auf der grasung oder grasweide gehalten wird Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 779; das rind war von seiner grasweide unvermerkt auf das kleefeld gekommen Rosegger schr. (1895) III 3, 255. 2) mehr im hinblick auf den zur viehweide geeigneten grasbestand; vgl. weide I B 1 b; d; 2: herbifer mons ..., der gt graszweyden hat Frisius dict. (1556) 627a; grasweide gramina Stieler stammb. (1691) 2453;

so gibt der ort gar gut graszweid
zu der viehzucht ohn vnterscheidt,
vndt das viech ist auch von Budstatt
dahin zu bringen mit vorrath
Ayrer dramen 611 lit. ver.;

fettere grasweide soll sie (die schafe) keineswegs gedeihen machen Ritter erdkunde (1822) 3, 723. 3) die weidenutzung, viehtrift: in der Schweiz, in Baiern und andern gegenden Oberdeutschlands bis nach Hessen findet sich die wohl sehr alte benennung blueme, blumbesuch für grasweide zu der jahreszeit, wo der wald voll gras und blumen steht, im gegensatz zu der mastungsweide im herbst Jac. Grimm dt. rechtsalterth. 22, 42; auch die weide (grasweide, wonne und weide, blumbesuch) stand den Märkern zu Bernhardt gesch. d. waldeigentums (1872) 1, 94; neben der mast gehörte auch die grasweide, die sog. wonne und weide, der blumenbesuch, mit zu den wichtigsten waldnutzungen Schwappach hdb. d. forst- u. jagdgesch. (1886) 1, 169. —
 
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graswiese, f., wiese, vor allem eine solche mit möglichst reinem grasbestand: also auch ... schne graswiesen zu zeugen: nimmt man des obigen, gestossenen salpeters Hohberg georg. cur. (1682) 2, 32; ad 1) könnte man kraut- und graswiesen, selbst moorwiesen unterscheiden Ratzeburg standortgewächse (1859) 347; die viehzucht, begünstigt durch die schönen und reichlichen graswiesen an den stromufern der Petschora ..., ist in trefflichem gedeihen bei Nehring tundren u. steppen (1890) 41. —
 
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graswiesenmahd, f.: wann einer ain graserin in graswismädten begreift, so soll ihr sichl und das tuech genohmen ... werden (1585) österr. weist. 8, 273, 29. —
 
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graswirtschaft, f., weidewirtschaft: wenn es wahr ist, dasz der mensch sich die erde durch den pflug unterwarf, so ist es nicht weniger wahr, dasz der pflug seinerseits ihn an die erde fesselte, und so ging der kulturzustand aus der ... graswirthschaft in die gras-feldwirthschaft über Schwerz prakt. ackerbau (1882) 909; als ein viertes system kann man allerdings noch die weide- und graswirtschaft betrachten, bei welchem die der landwirtschaftlichen benutzung unterliegende fläche zum weit überwiegenden teil der

[Bd. 8, Sp. 2012]


grasnutzung dient hdwb. d. staatswiss. 31, 35. —
 
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graswitwe, f., mädchen, das ein uneheliches kind hat. im dt. sprachgebiet literarisch nur im älteren nd. bezeugt: (mädchen,) de ehr ehren krentzlin unnd jungfruwen blmlin vorschantzet unnd vorschertzet ... itt sin ock underwilen solchen graszwedewen thor ewigen schande leder unnd ditmersche gesenge nagedichtet (1598) Neocorus chron. d. landes Dithmarschen 1, 97 Dahlmann. offenbar im anschlusz an dieses zeugnis in lexikalischer tradition: graswittwe 'im niedersächsischen eine scherzhafte benennung einer geschwächten weibesperson' Adelung versuch 2 (1775) 780; Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 781; Schütze holstein. id. 2, 63; Höfer etym. wb. 3, 196 s. v. strohwitwe u. a. in gleicher bedeutung engl. grasswidow (zuerst 1528 und bis zum ende des 18. jhs. bezeugt) Murray engl. dict. 4, 2 (1901) 367c. das nd.-engl. wort steht in korrespondenz mit ähnlichen zusammensetzungen der bedeutung 'frau, deren mann (zeitweilig) abwesend ist': nl. haeckweduwe Chr. Plantin thes. theut. ling. (1573) V 1d; dt. strohwitwe (s. d.) (seit 1715; dt. strohwitwer [s. d.] seit 1702); dän. straaenke (seit etwa 1700) ordb. over d. danske sprog 22 (1944) 231; ferner, wohl als übersetzungen des nd. graswitwe, dän. græsenke (seit etwa 1700) ebda 7 (1925) 240; schwed. gräsänka (seit 1738) ordb. över svenska sprket 10 (1929) 1184. die gleiche bedeutung haben in jüngerem gebrauch auch engl. grasswidow (vgl. Murray a. a. o.) und nl. grasweduwe (vgl. woordenb. d. nederl. taal 5, 597) angenommen. dagegen erscheinen einige bildungen aus der wortgruppe mit neutraler bedeutung in jüngerem gebrauch auch in pejorativer bedeutung wie die an mnd. graszwedewe anschlieszende wortgruppe, so schwed. gräsänka dialekt. auch als 'liederliches mädchen' und 'braut, deren bräutigam gestorben ist' (vgl. ordb. över svenska sprket a. a. o.), nl. haagweduwe in Südholland als 'uneheliche mutter' (vgl. woordenb. 5, 1343), gleichbedeutend mit nl. stoppelweduwe (ebda 15, 1956), und als ältester beleg der ganzen wortgruppe hat (aber mit anderem grundwort!) strobrute (akk. plur.) (1399) urkundenb. d. st. Chemnitz II 6, 56 Ermisch die bedeutung 'bräute, welche die jungfernschaft verloren haben'. die begriffliche grundlage dieser ganzen kompositionsgruppe dürfte in einer anspielung auf geschlechtliche beziehungen liegen, die das bestimmungswort der betreffenden bildungen andeutet; mit sicherheit umschreibt in der wortgruppe mit pejorativer bedeutung gras die dem auszerehelichen beilager dienende lagerstätte, auf der das mädchen als witwe in einem speziellen sinne verlassen wurde, und stroh in mhd. strobrute dürfte demgemäsz ebenfalls auf die lagerstätte zu beziehen sein. der übergang zur gruppe mit neutraler bedeutung mit nl. haeckweduwe (1573) als frühestem zeugnis ist dagegen nicht sicher zu klären; die erklärungsversuche für dieses wort (zu mnl. haeck 'heuhaufe', so zs. f. dt. wortf. 4 [1903] 305f., vgl. Verwijs-Verdam 3, 31 s. v. hake; zu nl. haag 'dichtes gehege' in einer übertragenen beziehung auf unerlaubtes, heimliches, so woordenb. 5, 1343; oder zu nl. haken 'heftig begehren', so Kluge-Götze etymol. wb. 15774b s. v. strohwitwe) greifen alle auf eine pejorative bedeutung zurück. im übrigen sieh das ebenfalls hierher gehörige strohwitwe. —
 
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graswolf, m., neben andern bezeichnungen wie roggenwolf, kornwolf im volksglauben von einem teils helfend, teils schadend im saatfeld hausenden wolf. in der form grasewolf in einem für Magdeburg bezeugten kinderspiel: wir (die gänse) fürchten uns. vor wem denn? vorm grasewolf ... will den gänschen die kehl abschneiden Mannhardt roggenwolf u. roggenhund (1866) 47. —
 
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graswuchs, m., älter vereinzelt mit fugenvokal, s. Zincke unter 2. die bildung ersetzt seit dem 17. jh. das ungebräuchlich werdende graswachs (s. d.). 1) die natürliche grasbewachsung, der grasbestand eines bodens: ebenen sowohl als thäler prangen oft mit einem reichen, üppigen graswuchs, den die hand des landmannes leicht zu wiesen und auen umschaffen kann J. G. Forster s. schr. (1843) 4, 191; eine fuszspur war auf dem graswuchs der böschung nirgends zu erkennen gewesen R. Dehmel ges. w. (1906) 7, 58; der

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(hügel) trug hunderte von obstbäumen, unter denen dichter graswuchs grünte A. Winnig wunderb. welt (1938) 103. summarischer: von dem graswuchse Amerikas wird jetzt ein groszer theil von zahlreichen heerden verzehrt, welche wieder den feldern cultur geben Baer reden u. versch. aufs. (1864) 1, 220. 2) mehr verbal verstanden im hinblick auf das wachsen des grases: (die) einmättigen ... wiesen, welche wegen ihres ... langsamen grase-wuchses des jahrs nicht mehr als einmahl abgemähet werden können Zincke allg. öcon. lex. (1744) 979; es findet sich aber die gut machende erde vermengt an stellen, an wenigen, mit einer andern erde, vor welcher man sich zu hüten hat, dasz diese nicht auf den acker komme, weil diese allen kornwuchs bis auf den graswuchs, sogar den wuchs des unkrauts auf jahre schier erstickt Harms verm. aufs. u. kl. schr. (1853) 10. —
 
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graswüchsig, adj., graswuchs tragend: es wird immer einen groszen unterschied machen, ob das land seiner natur nach graswüchsig, und ob der acker rein oder unrein gehalten wird Thaer rat. landwirthsch. (1809) 1, 282; diese graswüchsigen moorstrecken ermöglichen eine weidenützung durch das vieh Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 151. —
 
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graswüchsigkeit, f., natürliche grasbewachsung: wie man den ertrag der weide nach der art und graswüchsigkeit des bodens nach den abgenommenen früchten und nach den weidejahren zu schätzen habe Thaer rat. landwirthsch. (1809) 1, 332; begünstigt wurde sie (die provinz) durch die fruchtbarkeit des bodens, starke niederschläge, welche eine grosze graswüchsigkeit hervorbrachten Ernsthausen erinn. (1894) 242.

 

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