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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grastuch bis grasweg (Bd. 8, Sp. 2008 bis 2011)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grastuch, n., ein leinentuch zum tragen geschnittenen grases. formen mit fugenvokal begegnen gelegentlich im 17. jh.: grase-tuch Kramer t.-it. 1 (1700) 557a; grase-tuch Ludwig t.-engl. (1716) 806; grasetücher Friedenberg abhandl. v. d. in Schlesien übl. rechten 2 (1741) 28. das wort ist mundartlich besonders im obd. und in einigen md. gegenden bezeugt; vgl. Schmeller-Fr. bair. 1, 1008; Fischer schwäb. 3, 801; Martin-Lienhart elsäss. 2, 649a; Stauf V. D. March nordmähr. ma. 47; rhein. wb. 2, 1361: es soll kain fraw oder dirn oder junkfraw grasen gen sein nachpawern oder iemant andern zu schaden ... beschäch das aber, so soll der hueter ... das grastuch nemen und sichel (1450) österr. weist. 9, 158, 8;

ich glaub, du haltst mich für ein narrn.
musz ich auff dich warten allein,
so bhalt ich halt das grasztuch dein
vnd auch deinen küpffern milchkrug,
seind mir vmb die acht patzen gnug
Jac. Ayrer dramen 2643 Keller;

der müller bedienet sich der weber-arbeit zu seinen beutel-tüchern. der bauer zu säe- und grasz-tüchern Marperger beschr. d. hanffs u. flachs (1710) 175; rothwangige mägde mit grastüchern folgten plaudernd M. Reich ausgew. w. (1894) 239; als meine leut dann das heu mit groszen grastüchern von der kuhwampe holten Watzlik pfarrer v. Dornloh (1930) 49. —
 
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grastürklein, n., eine auf die Türkeneinfälle bezugnehmende okkasionelle umschreibung für die heuschrecke: eben in diesem jahr, kam ein grosses heer kleiner hupffender gras-, heu- und korn-türcklein, nemlich die heuschrecken: welche nicht menschen, sondern das liebe getreide alles weggesebelt Valvasor hertzogth. Crain (1689) 4, 2, 374b.
 
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grasung, f. , abstraktbildung zu grasen, vb. (s. d.). älter im nd., seltener im hd. auch gräsung, gresung; mnd. daneben gresing.
1) der grasbestand, besonders der einer wiese oder weide: und is ock folg. sommers bösen gresungs halven dath qwick verstorven (1532) bei Schiller-Lübben mnd. wb. 2, 140b; an der andern seiten aber uber der Oder mit einer schonen awen unnd wiesen wax bekleidet, da der grasung und holtzung kein gebrech mit ist M. Quad teütscher nation herligkeit (1609) 236; die kühe werden ... auf die heyden und aufs freye feld, da grsung ist, getrieben viehbüchlein (1667) 24; nun hat der anfangende herbst fast überall nothdürfftige, an etlichen ohrten überflüszige gräsung Grüwel bienenkunst (1719) 73;

die erd aus nothzwang, wolle sie, und wolle nicht,
gebieret grasung, fett zu weiden mir das vieh
J. H. Voss antisymb. (1824) 2, 460;

(ein) tal, von mäszigen höhen eingefaszt, deren seitenwände nur mit niederm tannengebüsch und magerer grasung überkleidet waren (1847) Roon denkw. (1892) 1, 462.
2) wiese oder weideplatz, vorzugsweise im nd.; vgl. ager graminosus gräsung, weidefelt B. Faber thes. (1587) 364b;

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graserey et grserei, it. grasung graminatum, pascua verbosa, prata viridantia Stieler stammb. (1691) 695: ok schal de halue grasynghe, alze rur, gras, duwenwocke vnde holt ere brukelke eghedum blyuen (1404) bei Schiller-Lübben mnd. wb. 2, 140b; mit wischenn, mit acker, mit gresinge, mit weidenn (1406) ebda; acker, wisen, weiden, grsungen und holtzungen Henricpetri generalhist. (1577) 359; daneben hat er daselbst ... insonderheit viel und krfftige grasung oder wiesen Danckwerth Schlesw. u. Holstein (1652) 73a; ein pferd, welches auf der grasung oder grasweide gehalten wird Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 779; weshalb man das land nur zu grasungen nutzt, deren herrlich grünes ansehen in einem lande zwischen den wendezirkeln (der insel St. Helena) zu bewundern ist J. G. Forster s. schr. (1843) 2, 429. vgl. dt. rechtswb. 4, 1077.
3) grünfutter: wenn reuter und dragoner beurlaubet, und in ihren eigenen geschäften aus denen quartieren abwesend, kan weder vor servies, noch rauch-futter und grasung vor sie etwas gefordert werden (1713) Frauenholz entw. gesch. d. dt. heerwesens 4, 206; gestern sind einige verwalter mit vielen wagen und pferden aus der stad gelaszen worden, umb das futter und die grasung vor selbige in der stad und auf der insul zu menagiren (1715) Berliner geschrieb. zeitungen 36 Friedl.; (sie haben) häusung und gräsung für eine kuh (1782) Stolberg an Vosz 77; der klepper fand grasung Laube reisenov. 6 (1837) 80.
4) in mehr verbaler auffassung.
a) grasnutzung, das weiden des viehs:

ei, ich begreife!
die erste grasung gibt die beste milch
Grillparzer s. w. 6, 198 Sauer.

in junger umschreibung eines berichts von 1514: dasz ihnen die grasung allein zustände d. dt. bauernkrieg, aktenbd. 110 Franz. so besonders von der versorgung und dem weidegang der truppenpferde; vgl. Alten hdb. f. heer u. fl. (1909) 4, 351: pabulatio gräsung B. Faber thes. (1587) 578b; grasung Steinbach dt. wb. (1734) 1, 635; grasung oder grünfütterung der reiterey allg. dt. bibl. (1765) 105, 2, 12.
b) von a her, auf grasung sein, stehen usw., in der militärischen terminologie von kavallerieeinheiten, die in ein ruhequartier gelegt und deren pferde längere zeit zur erholung auf der weide gehalten werden:

es war der junge reitersknecht,
er liegt auf grasung im hof
Erlach volkslieder d. Deutschen (1834) 1, 312;

die müllerin, welche hübsch und jung war, hatte bekanntschaft mit einem husaren-rittmeister, welcher hier auf grasung stand Klenke in: A. L. Karschin ged. (1792) 30; vom garten ab fuhren wir nach Holstein, um die pferde der cavallerie zu sehn, welche den sommer über daselbst auf grasung gewesen waren (1808) mon. Germ. päd. 40, 56; um ein liebesverhältnisz mit einem schönen jungen rittmeister, der in der nachbarschaft der mühle auf grasung lag, zu verheimlichen Chézy unvergessenes (1858) 1, 18. im vergleich, auf c hinweisend: ich gehe in einigen stunden nach Wiesbaden ab wohin man mich wie kranke pferde auf grasung schickt kaiser Wilhelm I. (1882) bei Paula v. Bülow aus verklungenen zeiten (1925) 164.
c) die wendung unter b kann auf erholungsreisen, besonders einen landaufenthalt von personen übertragen werden: es ist die zeit der villegiatura, und jedermann ist auf grasung (1839) Hensel familie Mendelssohn 2 (1879) 105; (die mädchen) sind auf grasung gewesen, sehen sie man. das ganze Prudent'sche mädelvolk Holtei erz. schr. (1861) 7, 165; Mira, ... die öfter von Berlin nach Langendamm kam — auf grasung, wie sie selbst es zu nennen pflegte — um ihrer kasse ... in der ländlichen stille etwas erholung zu gönnen, und um selbst für die neue winterkampagne kräfte zu sammeln Polenz Grabenhäger (1898) 1, 68. anders im hinblick auf lebensgewohnheiten;

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auch von 2 her beeinfluszt: jeder geht auf seine grasung. wenn jener sauren klee liebt, so wäre ich ja ein thor, ihn fortzureiszen, dasz er auf mein süszes kleefeld kommt. er (gott) gab uns verschiedenen geschmack Alexis ruhe (1852) 5, 175.
 
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grasvieh, n., im österr. sammelbezeichnung für rindvieh, das auf die weide getrieben wird; vgl. Unger-Khull steir. 303b: do das gras- und melchvich ... waiden sollen (um 1570) österr. weist. 5, 724, 12; welliche ausseren leit recht haben zu waiden auf die gemainen in dem gericht, die sollen kein grasvich innemben (1736) ebda 179, 17. —
 
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grasvogel, m., vogelname. besonders für die grasmücke (s. d.):

he (der seine frau ehebruch treiben läszt) is ghelykent unde ghestalt
deme grasfogel, de uthflucht in den walt;
de kuckuck nympt des war tolest,
he lecht eyn ey dan in syn nest.
so heft he vel ghewesen uth,
vromde eyer brdet he dan uth
Hans van Ghetelen dat narrenschyp 80 Brandes;

item (gibt es) noch ein gar kleine art der wald-lerchen, diese werden in Österreich grasvgel genennet Hohberg georg. cur. (1682) 2, 676. vgl. rhein. wb. 2, 1361; ebda auch als bezeichnung der grille gebucht. ferner: grasvogel papilio maera Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 207; rallus crex ebda.
 
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grasvoll, adj. 1) an gras fruchtbar, dicht mit gras bewachsen: der hitzige, viehspeisende ..., grasichte, graszvolle ..., lustige junius Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 930; der blick auf eine sammlung von ... wäldern mit grasvollen zwischenräumen Hirschfeld theorie d. gartenkunst (1779) 5, 125. 2) verstärktes voll, dicht voll; s. rhein. wb. 2, 1361.
 
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graswachs, m., vorwiegend im älteren nhd., soviel wie graswuchs (s. d. 1): vnser gut ... mit allen vnd iczlichin czugehörungen ..., mit graze vnd grazewachs, mit heiden welden posschen (1422) cod. dipl. Siles. 1, 113; finden sich auch weiters vil herrliche nutzbarkeiten, als das man fürs erst das vieh kan inn solchem wäldlin inn gutem schatten weiden, und zu jeder zeit schönen graszwachs haben und zeugen Sebiz vom feldbau (1580) 547; der apricosen-baum will ein gut wohlgebautes land haben, welches fleissig gehacket und vom grasz-wachs befreyet ist Hohberg georg. cur. 3, 1 (1715) 339b; der gröste teil dieser berge wird zur beförderung der hier sehr beträchtlichen viehzucht zum graswachse gebraucht Afsprung reise durch einige cantone d. eidgenossensch. (1784) 77; (die) regierung, die das ganz unerhörte miszverhältnis des graswachses gegen das ackerfeld in hiesiger gegend anerkante Pestalozzi s. w. 10, 37 Buchenau-Spr.
 
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graswald, m. 1) poetisch von einem hohen und dichten grasbestand; vgl. gras-kompositionstypen 1 b: er liebte ... alles, die wolke und den gras-wald der goldnen würmchen, und er bog ihn aus einander, um ihren aufenthalt zu sehen Jean Paul w. 20/23, 240 Hempel; vieh, ... das übersatt und schnaubend in dem wie von einem goldregen überzitterten graswalde lag A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. 2 (1878) 321. 2) von einer savanne: ebensowohl als in rohr- und gestrüppreichen graswäldern begegnet man dem tiger in groszen, hochstämmigen waldungen bis zu einer gewissen höhe über dem meeresspiegel Brehm tierl. 1, 393 P.-L.
 
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graswasen, m., grasfläche oder grasstück: ein rebgarthen stosst oben an besagten D.s graswasen (1684) bei Fischer schwäb. 3, 801; als nun der mord-brenner auff den 6. tag zum ort kommen, sahe er den unter einen grasz-wassen gelegten beutel, mit einer angehenckten schnur Dexelius hist. lustgarten (1701) 342. —
 
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graswebe, f., eine benennung des altweibersommers, der sommerfäden; vgl. Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 781; 155 (1832) 498; Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 207: weil nun aber das gantze feld, und das gesträuche, nicht aber sowohl die bäume, mit lauter subtilen und dicht in einander verknüpfften graszweben belegt war, so stund diese nebel-nässe in form lauter sehr kleiner runder küglichen an diesen

[Bd. 8, Sp. 2011]


dichten fäserlein höchst dichte ... aneinander slg. v. natur- u. medic.-gesch. (1717) 3, 208. —
 
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grasweg, m., älter vereinzelt graseweg (s. u.), ein mit gras bewachsener weg, besonders zwischen feldern und wiesen, viehtrift; vgl. Teuchert sprachreste der nl. siedlungen 472; rhein. wb. 2, 1361; Martin-Lienhart elsäss. 2, 801a: ein zweiteil 'ze dem grasweg' (als gewannname) (1337) veröff. a. d. archiv v. Freiburg i. Br. (1890) 1, 106; und zogen darnach auff der seiten durch einen graseweg, der mit wasser uberlauffen war hinein B. Faber Saxonia (1563) 295b; am ersten sollen alle grasweeg zum sunewenden geraumbt (abgemäht) sein (1636) österr. weist. 2, 165, 44; man kont einen auf diesem gras-weg im portal nicht eher sehen, als bis man wirklich davor stand Loen d. eerliche mann am hofe (1740) 394; es ritt sich sanft hier auf dem grasweg Auerbach schr. (1892) 3, 25; so wie die graswege jetzt hier unter hohen ahornhainen ... mit den vielfarbigen scharen der anemonen bevölkert waren Dauthendey gedankengut a. m. wanderjahren 2 (1913) 296. —

 

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