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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grassteppe bis grastragen (Bd. 8, Sp. 2005 bis 2008)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grassteppe, f.: von den grassteppen des Apure und La Plata-stromes A. v. Humboldt ansichten d. natur (1808) 1, 12; die echten prärien aber sind ... eine der einförmigsten grassteppen der welt Ratzel völkerkunde (1885) 2, 532; um uns breitet sich die grassteppe aus Sven Hedin die seidenstrasze (1938) 42. —
 
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grasstoppel, f., nur im plur. gebräuchlich; grashalmenreste, -abfall; vgl. Ludwig t.-engl. (1716) 806; Schrader dt.-frz. 1 (1781) 570; Schwan nouv. dict. 1 (1783) 785b. auch mit stopfel (s. d.) als grundwort, vgl. Stieler stammb. (1691) 924; gras-stopfeln, m. Kramer t.-ital. 1 (1700) 556c: die materialien, woraus das nest verfertigt ist, sind ... ziemlich grobe grasstoppeln Naumann vögel (1822) 2, 2, 663; grobe pflanzenstengel ..., grasstoppeln ... bilden die grundlage (beim drosselnest) Brehm tierl. 4, 90 P.-L.
 
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grasstreifen, m., vereinzelt grasstreif Barth Kalkalpen (1874) 144; ein langgestrecktes, schmales stück grasbewachsenen bodens: der schade, welchen das vieh anrichtet, was ... auf den rainen und grasstreifen gehütet wird, ist mannigfaltig Just. Möser s. w. (1842) 3, 212; reuig kehrt man auf den breischlammstreifen zurück, der einst eine strasze war, wenn man sich erkühnte einen grasstreifen zwischen den äckern für widerstandsfähiger anzusehen Binding aus dem kriege (1925) 45. —
 
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grasstück, n., gras-, rasenplatz oder teil eines solchen: verdeckte gänge, geräumige säle, lange mit zimmern besetzte

[Bd. 8, Sp. 2006]


hallen, wechseln labyrinthisch mit grünen schattigten lauben, hecken, grasstücken und fruchtgärten ab Hirschfeld theorie d. gartenkunst (1779) 5, 109; wer diese (dünge-)wirkung (der malzkeime) noch nicht kennt, der bestreue nur einmal ein grasstück damit Stoeckhardt chem. feldpred. f. dt. landw. (1851) 1, 203; und nach kurzer zeit sah das grasstück, das Georg bearbeitete, wie ein fuszballfeld aus, vor dem tor und nach dem spiel Bröger d. ferienmühle (1936) 17. —
 
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grasstücklein, n.: (der ort Hillspach) gefelt aus etlichen wenigen gras- und gartenstücklein dem teutschherrischen verwalter jahrlichs 50 kreuzer (1665) badische weist. 1, 1, 50. —
 
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grasstumpf, m. 1) der nach dem abweiden oder abschneiden stehengebliebene teil eines grasbusches, vgl. DWB stumpf, m. B 1: vor mir lag eine weithin ebene fläche mit abgeweideten grasstumpfen und einzelnen verkümmerten gesträuchen Anzengruber ges. w. (1890) 4, 194. 2) 'kleine sichel zum grasen an rainen und böschungen' Spiesz Henneberg 83; Sartorius Würzburg 49. auch zum reinigen des jungen getreides vom unkraut, vgl. Schmeller-Fr. bair. 1, 1008. vgl. DWB stumpf, m. F 7.
 
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grasteppich, m., dicht mit gras bewachsene fläche, meist in gewählter sprache: er hätte mit dieser Laura gern auf dem schönen blumenvollen grasteppich unter pfirsichblüthen sich hingelegt Gleim briefw. 1, 156 Körte; viele berge sind bis zur spitze von einem grünen grasteppich oder von dichtem laubholze verhüllt Hassert reise durch Montenegro (1893) 80; weich schmiegte sich der schatten der beiden damen ... an den weichen grasteppich unter und zu ihren füszen W. Raabe s. w. II 2, 325 Klemm.
 
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grasteufel, m. , ein als häszlich und schrecklich vorgestelltes zwerghaftes wesen der niederen mythologie.
1) in eigentlicher anwendung: als Galaor sich von dem zwerg also verfolgt sahe, sagt er zu sich selbs: ich wil diesen graszteufel vmbringen, wo ich jhn erreich, oder wil darüber sterben Amadis 1, 133 Keller; bchsen vnd hfen, wie wir sie heut in den apotheken stehen sehen, von aussen bemalet mit ... erschrecklichen hw- vnnd graszteuffeln, wie sie ausz Pandore bchs fligen Fischart Garg. 17 ndr.; ebda 45; wenn nun das kothige geschmiere an der kinder stirn eine hlffe wieder neid und zauberey seyn soll, so kan es wohl auff keine andere weise seyn, als wenn die zauberer und der satan solche beschmutzte kinder vor junge grase-teuffel ansehen, und dencken, weil sie ohne dem in ihre koth-zunfft gehreten, so htten sie nicht nthig, ihren zunfft-genossen schaden zu thun J. G. Schmidt rockenphilos. (1706) 1, 364; satyr faun bacchant oder grasteufel — so heiszen diese waldkavaliere wohl in deutscher übersetzung Fr. Arndt bei E. M. Arndt schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 1, 60. ähnlich von einer vom teufel besessenen person: er hab auch vorm thor gesehen, dass die eine besessene, welche den klopfteuffel gehabt, angefangen zu lachen, vnd zu ihrer mittgefährden gesagt, du grasteuffel itzo ist hexenfleisch da, der teuffel sitzt dir itzo in den füssen (1658) bei Vilmar Kurhessen 410.
2) vergleichend oder prägnant auf menschen bezogen.
a) im vergleich von einem häszlichen, schreckenerregenden oder verkommen aussehenden menschen; vgl. süht ut as'n grasdüwel Mi Mecklenb. 28b: der capiteyn aber oder oberste ... hat (bei einem fest in Guinea) viel junge gesellen mit schilden vnd wurffpfeilen neben jhm, welche vnter jhrem angesicht, vnd am gantzen leibe, mit rother vnd gelber erden angestrichen seyn, vnnd auszsehen wie die grasz teuffel Hulsius schiffahrt 7 (1606) 159; erinnern sich königliche hoheit der worte des groszen königs, als general Lehwald ihm seine dreimal geschlagenen regimenter in parade vorführte? 'propre leute', hiesz es. 'da seh er meine, sehen aus wie die grasdeibel, aber beiszen' Fontane ges. w. (1905) I 3, 225; seit drei tagen ungewaschen, sehen wir wie zwei richtige grasteufel aus Bröger d. unbek. soldat (1917) 27.

[Bd. 8, Sp. 2007]



b) prägnant von personen.
α) von einem furcht, schrecken oder abscheu erregenden menschen: (dasz sich die frau) gegen dem man in aller freuntlichkeyt vnd vnderthenigkeyt erzeyge vnd ergebe ... was? dem man? ich hab mit eynem jungen grasteufel zuschaffen Fischart w. 3, 327 Hauffen; der pfarrer beschreibt den procesz (der teufelsaustreibung) also: zu erst haben dise zwen jesuiter des papsts ordenliche vnd bestellte, wider die landfahrende vnd hungerige grasteufel, bettelugt, sich verfaszt gemacht mit ettlichen stucken, deren sie bedrfft, vnd haben drauff ein prob gethon S. Huber erklär. d. grossen abentheurl. abentheurs (1590) 17; die Türken, die man ... als lebendige grasteufel schilderte, sind ... elende memmen (1789) bei Fischer schwäb. 3, 801; wir (Deutsche) sind ganz fürchterliche grasteufel, wir sind so berühmt geworden, dasz die anderen vor neid mit steinen werfen (1871) G. Freytag an Stosch 75 Helmoldt; habt ihr noch niemals so einen fuchshaarigen grasteufel vor euch gesehen, wie ich einer bin? Rosegger schr. (1895) I 13, 78.
β) im mundartlichen und von da her auch in literarischem gebrauch umgedeutet auf einen jungen und unreifen, auch lebhaften und unternehmungslustigen menschen (vgl. etwa gras-kompositionstypen 5 und bes. DWB grasaffe). so wohl schon: kennete ich den jungen grasz-teufel, so wolte ihr eine antwort geben, die gar übel klingen würde d. verliebte u. galante student (1741) 136. bes. im bayr.-österr., z. t. fast liebkosend; vgl. Hügel Wien 70a; Schuster altwienerisch (1950) 71: schau, du grasteufel! du hast 's not, af lottereien z'denken, sagte der Sternsteinhofer (zu seinem sohn) Anzengruber ges. w. (1890) 1, 183; Burgerl kniff die lippen ein und sah mit verschmitzt lachenden augen auf. 'schau einer! du grasteufel, beginn' du schon 's reden mit dö augen! damit hat's noch weil'!' schalt der alte (der groszvater der Burgerl) ebda 2, 262; dö grasteufeln (die jungen mägde) macheten unsern herrgott selbst zum kuppler (indem sie der jungen burschen wegen zur kirche gehen) ebda 6, 109; er brachte es zu einem alter, das ihn berechtigte, uns ... per grüne grasteufel ... zu traktieren M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 2, 311; vater vertrug es nicht, wenn ein junger grasteufel sich über das lustig machen wollte, was er als von den vätern überkommen ansah Scheicher erlebnisse (1907) 1, 271. aber auch sonst; vgl. 'junger unvergohrener, läppischer bursche' Fischer schwäb. 3, 801; scherzhaft 'für ein kleines, unruhig hin und her kriechendes kind' Vilmar Kurhessen 411.
γ) anders vom ungebildeten bauern und dorfbewohner, im gegensatz zum feineren städter: die Berliner autochthonen stehen mindestens so naiv zum landleben, zu frischer butter und fingerdickem rahm, wie die elementaren grasteufel in Westpreuszen und Polen zur literatur und residenz B. Goltz typen d. gesellsch. (1860) 2, 115; auch ich halte die stuben-gelehrten, trotz ihrer gelehrten teufeleien und narrheiten, für spiritueller und edler, als die grasteufel auf dem dorf ders., hinter d. feigenblättern (1862) 1, 84. —
 
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grasteuflein, n., vgl. DWB grasteufel 1: daz wir in der nacht daruor (bevor die kaufleute zum einkaufen kommen) solches hauszgttlin horten die sck die stiegen abwerffen, wie es morgen in der warheit geschahe ... dasz aber diese kleine graszteuffelin solches zuvor wissen mgen, desz sol sich niemand hoch verwundern Fuglinus de praestigiis daemon. (1586) 63b; S. Huber wider G. Scherers bettlermantel (1592) 58.
 
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grastorf, m. 1) grassode, -busch; vgl. cespes ein wrase, grasztorpff Orsäus nomencl. method. (1623) 191; grastorf Woeste westf. 84b; grastuorf Köppen plattdt. ma. in Dortmund 24; grasetorf Block Eilsdorf 65; Damköhler Nordharz 64a: selbst die schnell wachsenden stammloden (baumschöszlinge) ... leiden durch die in dem dicken grastorfe sich aufhaltenden mäuse ... oft vielen schaden Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 729; das ufer des ... flusses ist ... mit grastorf und dorngebüsch bewachsen Ritter erdkunde (1822) 3, 696. 2) als vermoderungsprodukt

[Bd. 8, Sp. 2008]


von graspflanzen für eine torfart: je nach der art der verschiedenen pflanzen, welche durch ihre vermoderung an der bildung des torfs vorwiegend betheiligt sind, bezeichnet man den selben als moos-, heide-, schilf-, holz-, gras-torf Muspratt chemie (1888) 4, 396. —
 
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grastragen, n., substantivierte zusammenrückung der verbindung gras tragen, s. DWB gras I B 2 c β αα; grasnutzung durch mähen oder schneiden: wann man viel wiesen hat, ... kan man sie auch in vier gleiche plätze austheilen, drey theil zum gras-tragen behalten und den vierdten theil umackern Hohberg georg. cur. (1682) 2, 26b; das grastragen ist von fruhjahr an bis Partholome ab gemeinen theil verbothen und, wo das hornvieh gehen kann, allzeit verbothen (1805) österr. weist. 4, 162. —

 

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