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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grassig bis grasstelle (Bd. 8, Sp. 2003 bis 2005)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grassig, grässig, adj., 'zornig, frech', weiterbildung des adj. grasz 'heftig, zornig' (s. d.). anscheinend vornehmlich auf das westl. md. beschränkt, älter vereinzelt bis ins elsäss. zurückreichend. daneben stehen nhd. gretzig (s. teil 4, 1, 6, sp. 204) und mnd. grettich (s. Schiller-Lübben 6, 144a), von swv. 1gretzen (s. teil 4, 1, 6, sp. 204), mnd. gretten 'reizen' (s. Schiller-Lübben 2, 145a) abgeleitet, welche ihrerseits faktitiv zu hd. grasz, bzw. nd. *grat, adj. gebildet sind. grassig, grässig ist gelegentlich im 16. jh. und in lebender mundart bezeugt: noch mcht weiter jm (Luther) uffgerupfft werden, daz hart gressig oder bissig verantworten und schreiben M. Zell christeliche verantw. (1523) f 1a; anders nuanciert: parasitator vel parastinator vel parstinator fauler grassiger bube (anf. 16. jhs.) Diefenbach gl. 412b; hess. ein grasziger mensch ein unwilliger Pfister nachtr. 83. Pfister a. a. o. macht den sehr gewagten versuch, ein bei Estor d. Teutschen rechtsgelahrth. 3 (1767) 1408 bezeugtes gräszig 'wohlschmeckend' mit hess. graszig 'widerlich schmeckend' zusammenzubringen und beide auf grund eines zu unrecht gegensätzlich verstandenen ahd. grazzo vehementer und

[Bd. 8, Sp. 2004]


grazlîcho subtiliter (vgl. s. v. grasz, adj.) von grasz her zu verstehen. auch ein rhein. grässig 'häufig weinend, schreiend, mürrisch, unzufrieden, zänkisch, frech' rhein. wb. 2, 1363 gehört etymologisch nicht hierher, sondern zu 1graszen (s. d. 1 b).
 
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grässing, m., 'tannensprosz, junges waldbäumchen', mit zugehörigkeitssuffix -ing zu grasz, n. (s. d.) gebildet. auch in den formen gressing (s. teil 4, 1, 6, sp. 197 s. v. 1greszling) und gröszing (ebda sp. 555 s. v. 1gröszling), vgl. ferner 1gräszling: item es solle kainer an dem Penzenpichl groszing (var.: gräszing) noch anders holz abschlagen (1694) österr. weist. 1, 146, 39; in so einem bauernwald stehen bäume aus verschiedenen generationen. die jüngsten, die 'grässinge', werden ... stehen gelassen Rosegger schr. (1895) II 11, 119.
 
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grassode, f., ein ausgestochenes, durch sein wurzelwerk zusammengehaltenes gras- oder rasenstück: bey wichtigen staudämmen ... wirft man, wenn die erde übers wasser beginnet zu kommen ..., an der äussern seite eine bis übers wasser ragende lage gras-soden allg. haushalt-lex. (1749) 1, 339; abgestochene grassoden von unbrauchbaren plätzen können durch ihre vermoderung einen trefflichen dünger geben Thaer rat. landwirthsch. (1809) 2, 212; die grassoden ... wurden stellenweis zum schutz gegen die nagenden wellen mit fester strohbestickung überzogen Storm s. w. (1899) 7, 233; das baumaterial (der häuser) sind steine und grassoden Reinerth haus u. hof d. Germanen (1937) 124. —
 
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grasspatz, m., eine bezeichnung der grasmücke (s. d. 1), bes. der schwarzköpfigen, sylvia atricapilla L.; vgl. DWB grassperling, DWB grasmusch: (diese vögel) werden allein im herbstmonde ficedul, das ist, grasz oder grauspatzen geheiszen, kurtz aber nach dem herbst nennet man sie melanchoryphos, das ist, mnchlin oder schwartzkpff Heyden Plinius (1565) 454; grasspatz motacilla atricapilla Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 207; sylvia atricapilla der mönch, ... schwarzkopf, schwarzköpfige oder schwanzplattige grasmücke, ... grasspatz Naumann vögel (1822) 2, 492. —
 
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grassperling, m., eine bezeichnung der grasmücke (s. d. 1); vgl. häufigeres grasspatz und grasmusch: grassperling Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 781; Voigtel wb. (1793) 2, 126b; Campe 2 (1808) 443b s. v. grasmücke. —
 
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grasspier, n., grashalm; im nd. und rhein., vgl. rhein. wb. 2, 1360; grāsšpeīr Bauer-Collitz Waldeck 41a: wo mannich grasspyr up der êrden, so mannich perikel is in der bôlschap Tunnicius sprichw. 94 Hoffmann.dazu das im hd. bezeugte dim. grasspierlein, n.: hetten die richter die tantzpltze der hexen auch nehest folgends tags nach gehaltenen tntzen besehen, wurden sie kein fuszstapffen da gesehen, noch einig grasz spierlein da zertretten gemerckt haben (1597) Lercheimer christl. bedencken 134 Binz.
 
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grasspitze, f., meist im plur. gebräuchlich; mit genitivfuge grasesspitzen Kosegarten rhapsodien (1790) 2, 102. das obere ende eines grashalmes oder -blattes: hart stro ... soll er (der esel) zum futter bekommen, oder auff dürren angern die überbliebene graszspitzen abnagen Kirchhof wendunmuth 3, 250 lit. ver.; und wurden ... auf eine weide getrieben, worauf nur wenige grasspitzen hervorstechen Sonnenfels ges. schr. (1783) 2, 177; so verbessert ein ochs die weide, indem sie ein pferd verschlechtert; denn dieses mäht sein futter bis an die wurzel hinweg, da jener, vermöge seines mauls, nur die obersten grasspitzen abrupft Jean Paul w. 40, 40 Hempel; das reh konnte (im winter) nicht mehr in Bertrams garten unter der bluthasel ruhn und schmackhafte grasspitzen rupfen Schnack d. orgel d. himmels (1927) 143. besonders von den frischen trieben des grases: hier guckten die grasspitzen schon unterm schnee hervor Bräker s. schr. (1789) 1, 54; (sie) sah nach der wiese hinab, auf welche einige rehe herausgetreten waren, die ersten grasspitzen des frühlings aufzusuchen H. Laube ges. schr. (1875) 2, 174; die wiesen mit jungen grasspitzen übersät kriegsbr. gefallener studenten (1928) 196. jede grasspitze 'jede kleinigkeit': er lief ... zu einem

[Bd. 8, Sp. 2005]


landschaftsgemälde, worin er jede grasspitze betastete und befragte Jean Paul w. 1, 44 Hempel; ähnlich ebda 197. —
 
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grasspur, f. 1) eine auf einer grasfläche getretene spur: er ... folgte in dem weiten weglosen steppenlande der grasspur der räuber Ritter erdkunde (1822) 2, 510; zuletzt schlug der führer einen fuszpfad ein, welchen grasspuren kaum merklich bezeichneten Kürnberger nov. (1861) 3, 130. 2) rückstände von gras auf gegenständen, soviel wie grasfleck 2: allerhand erd- und grasspuren von dem lichtgrauen überrocke ... zu tilgen Immermann w. 1, 85 Hempel; (Gabriele) setzt sich ins gras, ohne rücksicht auf das helle kleid, das morgen grasspuren zeigen wird Bauer d. haus am fohlenmarkt (1936) 88. —
 
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grasstab, m., 'an einigen orten, z. b. zu Görar im stifte Corvey, eine benennung des feldgerichtes, welches in feldschäden, gränzsachen u. s. f. erkennet' Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 781; vgl. grasgericht: judicium in Huxaria (Höxter), quod vulgari nomine ein grasz-stab appellatur (1326) in: dt. rechtswb. 4, 1077. —
 
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grasstand, m., vom grünen zustand des jungen getreides, von gras I A 1 b her: es geht der menschheit, wie dem getreide auf den allzufetten äckern; es lagert sich schon im grasstande Jung-Stilling s. schr. (1835) 4, 353. —
 
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grasstelle, f., kleines, mit gras bewachsenes stück boden: die steilern felsabstürze haben nur hie und da grasstellen Ritter erdkunde (1822) 3, 1031; wir standen vor einer grasstelle, wo die hohen, äuszerst dünnen schäftchen aus derselben emporstanden Stifter s. w. 2 (1904) 290. —

 

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