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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grassecht bis grassiech (Bd. 8, Sp. 1999 bis 2001)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grassecht, n., s. DWB grassach.
 
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grassee, f., von dem Sargassomeer, vgl. DWB grasmeer: angesehen, fast keiner diese gras-see gesehen, der nicht ihrer nachmals meldung gethan Er. Francisci ost- u. westind. lust- u. statsgarten (1668) 66a.
 
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grässel, m., schimpfwort. es ist nicht sicher, ob die in annähernd gleicher bedeutung bezeugten formen grässel, grassel, grasel, gresel u. ä. (mit anderem suffix

[Bd. 8, Sp. 2000]


gresling, s. u.) alle zum gleichen wort gehören. für die mögliche herleitung von österr. grasel (s. u.) aus ebenfalls im österr. beheimatetem 2gräslein (gräsel, grasel), n. (s. d.) 'acanthis linaria' spricht der neben anderen vogelnamen als schimpfwort auf eine person bezogene vogelname mhd. grezel bei Konrad v. Haslau (unter 2gräslein). für formen wie grässel usw. ist vielleicht zusammenhang mit grasz, adj., gräszlich, adj. (s. d.), aber kaum mit gräsen, vb. (s. d.) zu erwägen. als z. t. gutmütiges schimpfwort im sinne von 'schlingel, durchtriebener kerl, spitzbube' besonders im österr., vgl. Unger-Khull steir. 303b:

so du alter gresling (Petrus)!
schluegstu nit den jungling
in dem garten ab sein orr? (16. jh.) altdt. passionssp. aus Tirol 385 Wackernell;

wart, du grasel, ich fass dich bei den ohren! da erwischte der junge einen stiefelknecht und schleuderte ihn seinem vater unter die füsze Rosegger schr. (1895) I 11, 119. abgeschwächt: denn obgleich ech schun a older grasel ben, do esz mei olde doch noch rachtschoffen eifersechtig of mech Lowag ges. schr. (1902) 7, 77. auszerhalb des österr. auch anders akzentuiert. etwa im sinne von 'dummer kerl':

der witze ein kint, ist dir kunt waz man nenne ein gresel?
ich mein dich, esel,
geziert mit menschen ôren meisterlieder d. Kolmarer hs. 269 Bartsch.

'gräszlicher kerl', vgl.grassel 'mensch von häszlichem charakter' Frischbier pr. wb. 1, 251a: mit diesem stelzbein, das hinter jedem mädchen her ist! nein — das hätte ich doch nicht gedacht! ... von so einem alten grässel lassen sie sich beschwatzen? er verwaltet zwar mein kleines vermögen, aber ein grässel ist und bleibt er! Kretzer irrlichter u. gespenster (1892) 1, 106; grässle neben hämmerle, elzenbock name des teufels (1631) bei Birlinger d. spr. d. Rotweiler stadtrechtes 49b in: sitzungsber. d. bayer. akad. (1865) 2 anhang.
 
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grasseln, subst. plur., im österr. bezeichnung der masern und des scharlachs. der bei diesen krankheiten auftretenden hautrötung wegen nach dem rothänfling bzw. leinfink (s. 2gräslein) benannt; vgl. Höfler krankheitsnamenbuch (1899) 199b; Unger-Khull steir. 304a: wie die grasseln (schafblattern) sind gewest in deinem haus, dasz sich kein handwerker hingetraut hat Rosegger schr. (1895) III 4, 174; eines weisz ich, dasz ich die 'grasseln', d. h. die unechten blattern durchgemacht habe Scheicher erlebnisse (1907) 1, 236.
 
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grassen, m., (junger) sprosz von nadelholz, junges nadelbäumchen. selten (als -an- oder -ana-bildung) neben häufigerem grasz, n. (s. d.) und gretze(n), m., f., (maskuline -jan- und fem. -jôn-bildung; s. t. 4, 1, 6, sp. 203 s. v. gretz): wer da wolt abhacken inn der gmain ... grassen oder ander holtz (österr., um 1460) weist. (1840) 3, 698; grassen (eigentlich grassach) nadelholzgebüsch Buck flurnamenb. (1880) 89. auch als grosse, neben grotz(en) (t. 4, 1, 6, sp. 598): wer dasselbe holtz bestumelt an dem groszen (Passau) bei Schmeller-Fr. bair. 1, 1018. ebda 1008 in der form den grasen (acc. sing.) mehrfach in histor. nachweisen.
 
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grassen, vb., grässen, zu grasz, n. (s. d.) gebildet, soviel wie 'grasz, tannenzweige etc. abschlagen'; nur für das österr. sprachgebiet zu belegen. als nebenformen begegnen graussen österr. weist. 5, 115, 45 und gröszen ebda 6, 85, 8: es soll auch kainer nit grässen auf der gemain und sonderlich auf dem kaiserwalt weder zu strei des mistmachen oder zu dem kolwerken (kohlenbrennen) (1391) österr. weist. 6, 272, 40; deszgleichen soll und mag auch ein jeder gräszen, dürre wipfl abschlagen und prennholz haimbfüern, so vil ime der marktrichter erlaubt (1482; hs. 16. jh.) ebda 6, 81, 25; (1570) ebda 1, 179, 38; (1606) 6, 74, 1; 5; da denn diejenige, die ... in den jungen gehuen gegrasset, oder laub gestrffelt ... mit der ... von der herrschafft noch erkenneten straffe angesehen werden Döpler theatrum poenarum (1653) 141; graszen

[Bd. 8, Sp. 2001]


äste und zweige von nadelhölzern zur streu abhauen Unger-Khull steir. 304a; grassn (Ötztal) astwerk aushauen und sammeln Schatz wb. d. Tiroler maa. 1, 250. singulär: gras tannen- und fichtenreisig. daher das bedecken des kohlenmeilers ... mit diesem reisig grasen genannt wird Scheuchenstuel berg- u. hüttenspr. 107.
 
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grassense, f., zum grasmähen verwendete sense, im unterschied zu der schwereren, anders geformten getreidesense; vgl. Noel Chomel öcon.-physic. lex. (1750) 8, 1201; Jacobsson technol. wb. (1781) 2, 147b. sehr häufig mit fugenvokal grasesense u. ä. (s. unt. und Noel Chomel; Jacobsson a. a. o.). mit älterer form des grundworts grasz segessen (dat. sg.) W. Hartmann Augspurg. chron. (1595) 18; grass-segessen (17. jh.) bei Fischer schwäb. 6, 2064. mundartlich grâseseisse Damköhler Nordharz 64b; grassēsz' l Kück Lüneburg 1, 606: fenaria gras sense (1470) Diefenbach gl. 229c; ein pflug uff einen tag wird angeschlagen umb fl. eine grasesense umb drei groschen haushaltung in vorwerken 41; man pflegt auch den todt mit einer grase sentzen zu mahlen Suevus kreuterb. (1587) 10b; (beim verkauf verbleiben auf dem gut) 2 grasesendzen (1615) cod. dipl. Silesiae 4, 232; eine grassense, also ohne biegel oder sogenante zähne Anton gesch. d. teutschen landwirthsch. (1799) 1, 98; man bringt den klee ab entweder mit der grassense ... oder mit der grasmähmaschine Schwerz prakt. ackerbau (1882) 449; er zog die blanke grassense hastig durch den lagernden roggen Mechow vorsommer (1933) 297.
 
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grasset, n., s. DWB grassach.
 
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grasseuche, f., 'durchfall (des viehs) infolge unvermittelten übergangs von der winterfütterung zur weide' Martiny wb. d. milchwirtsch. (1907) 47; vgl. grassieche. —
 
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grassichel, f.; vgl. fenaria graszekel (nd. 1417), grassichel (obd. 15. jh.), grasz sichel (obd. 1502) Diefenbach nov. gl. 170a; feneca grasz sichel (md. 1440) ders., gl. 229c; fenera graszsichel (Nürnberg 1482), gras sekele (nd. 15. jh.) ebda; grassichel falcinola da segar l'erbe Jagemann dt.-it. (1799) 541. häufig mit fugenvokal, vgl. grase sichel (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 229c s. v. fenaria; grase-sichel A. Beier v. handwerckszeuge (1691) 99; Kramer t.-ital. 1 (1700) 557a; Ludwig t.-engl. (1716) 806: hatte eine in ihrem leben ... geschwind ein last grasz grasen knnen, so war ein hbsche grasz-sichel daran (auf dem grabstein) gegraben grillenvertreiber (1670) 159; grasen, heisset das gras von ... grase-plätzen ... mit der gras-sichel abbringen Zincke allg. öcon. lex. (1744) 981; alsdann hob er eine grassichel neben dem blumengärtchen auf Jean Paul w. 3, 155 Hempel. übertragen im anschlusz an das bild vom tod als mäher: nach dem erquickenden perl-thau, musz unsre lebens-wiese doch endlich die gras-sichel fühlen, und ihr grünes röcklein fallen lassen Er. Francisi wol d. ewigkeit (1717) 196. —
 
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grassiech, adj., krank vom grasfutter, in beziehung auf rindvieh; vgl. grassiech 'an durchfall leidend, vom vieh, wenn es im frühling blätter der herbstzeitlose gefressen hat' schweiz. id. 7, 198: so ein rindt graszsiech ist und blut harnet Tabernämontanus neuw kreuterb. 1 (1588) 769. — dazu grassieche, f.: grassiechi 'durchfall des rindviehs' schweiz. id. 7, 199.

 

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