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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grasschneiderin bis grassen (Bd. 8, Sp. 1999 bis 2000)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grasschneiderin, f. 1) soviel wie graserin (s. d.): ein graszschneiderin so begriffen wirdt, zu wandl zwelf pfening (17. jh.) österr. weist. 7, 137, 25; die zweite grasschneiderin schien weniger romantisch angelegt, sie zuckte die achseln Dincklage kurze erz. 215. 2) okkasionell von heuschrecken, insofern sie den gräsern schädlich sind: diese korn- und graszschneiderinnen stelleten sich ... eben um die zeit ein, da die neue frchte im felde stunden Valvasor hertzogth. Crain (1689) 4, 2, 260. —
 
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grasschnepfe, f., im älteren nhd. auch grasschnepf, m.; mit fugenvokal graseschnepfe Steinbach dt. wb. (1734) 2, 475; Popowitsch versuch (1780) 162. bezeichnung von schnepfenarten, nach deren aufenthalt im grase. für die (kleinere) moorschnepfe, gallinago gallinula L.: der (vogel gallinago, rusticula minor) wirt z teütsch ein herrschnpff, hrsneff, harschnpff, graszschnpff vnd schnpfflin genannt Heuszlin Gesners vogelb. (1557) 112a; rusticula minor, quae et gallinago ein grasschnepff oder wasserhünlein B. Faber thes. (1587) 703b. sonst für die (gröszere) heerschnepfe, gallinago caelestis Rchw.; vgl. grasschnepfe scolopax gallinago Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 207; Naumann vögel (1822) 8, 310; die heerschnepfe oder bekassine, auch ... gras- ... schnepfe genannt (gallinago caelestis) Brehm tierl. 6, 9 P.-L.: das feld wo ich nur mich und die einsame nächtliche grasschnepfe hörte Hermes Sophiens reise (1769) 2, 179. —
 
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grasschnur, f. 1) grasstreifen: wir stiegen eine stunde in gerader richtung o. über klippen und grasschnüre (1782) in: schweiz. id. 7, 156. 2) aus gras bestehende schnur: (pilger) kneteten kugeln von sand oder heiligen schlamm mit grasschnüren zusammen, um sie als opfer ... in das wasser ... zu senken Ritter erdkunde (1822) 3, 944. —
 
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grasschopf, m., soviel wie grasbusch, -büschel (s. d.): einzelne grasschöpfe und fingerbreite gesteins-abbrüche muszten dem eisen den nothdürftigsten halt gewähren Barth Kalkalpen (1874) 415; sie grub mit einem spaten die erde um, faszte manchmal mit der hand einen grasschopf, schlug ihm am spatenstiel die schwarze erde von der wurzel Rosegger schr. (1895) II 1, 421; der verstorbene Wuldauer begleitete sie (die tochter) auf diesem wege; er schritt behender als sie über die grasschöpfe in dem ufergrase Leppa d. holunderbaum (1947) 118.
 
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gräss(e), f., m., vgl. auch 2gräszling. 1) name des gründlings, gobio fluviatilis; wie gress(e) (s. d.) nebenform zu kresse (s. d.): grässe, f. gobbio Rädlein dt.-it.-frz. (1711) 405a; grasse, f. Askenasy Frankfurt 173; gräss, grässer, m. Martin-Lienhart elsäss. 1, 281b. 2) daneben vereinzelt für den ukelei, alburnus alburnus, im ersten jahr, vgl. dazu gräsing 1: agonen (sonst laugelen, in der jugend auch grass genannt) sind die schlechteste gattung weissfisch (Überlingen 1790) bei Fischer schwäb. 4, 730 s. v. kress(e) II.
 
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grassecht, n., s. DWB grassach.
 
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grassee, f., von dem Sargassomeer, vgl. DWB grasmeer: angesehen, fast keiner diese gras-see gesehen, der nicht ihrer nachmals meldung gethan Er. Francisci ost- u. westind. lust- u. statsgarten (1668) 66a.
 
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grässel, m., schimpfwort. es ist nicht sicher, ob die in annähernd gleicher bedeutung bezeugten formen grässel, grassel, grasel, gresel u. ä. (mit anderem suffix

[Bd. 8, Sp. 2000]


gresling, s. u.) alle zum gleichen wort gehören. für die mögliche herleitung von österr. grasel (s. u.) aus ebenfalls im österr. beheimatetem 2gräslein (gräsel, grasel), n. (s. d.) 'acanthis linaria' spricht der neben anderen vogelnamen als schimpfwort auf eine person bezogene vogelname mhd. grezel bei Konrad v. Haslau (unter 2gräslein). für formen wie grässel usw. ist vielleicht zusammenhang mit grasz, adj., gräszlich, adj. (s. d.), aber kaum mit gräsen, vb. (s. d.) zu erwägen. als z. t. gutmütiges schimpfwort im sinne von 'schlingel, durchtriebener kerl, spitzbube' besonders im österr., vgl. Unger-Khull steir. 303b:

so du alter gresling (Petrus)!
schluegstu nit den jungling
in dem garten ab sein orr? (16. jh.) altdt. passionssp. aus Tirol 385 Wackernell;

wart, du grasel, ich fass dich bei den ohren! da erwischte der junge einen stiefelknecht und schleuderte ihn seinem vater unter die füsze Rosegger schr. (1895) I 11, 119. abgeschwächt: denn obgleich ech schun a older grasel ben, do esz mei olde doch noch rachtschoffen eifersechtig of mech Lowag ges. schr. (1902) 7, 77. auszerhalb des österr. auch anders akzentuiert. etwa im sinne von 'dummer kerl':

der witze ein kint, ist dir kunt waz man nenne ein gresel?
ich mein dich, esel,
geziert mit menschen ôren meisterlieder d. Kolmarer hs. 269 Bartsch.

'gräszlicher kerl', vgl.grassel 'mensch von häszlichem charakter' Frischbier pr. wb. 1, 251a: mit diesem stelzbein, das hinter jedem mädchen her ist! nein — das hätte ich doch nicht gedacht! ... von so einem alten grässel lassen sie sich beschwatzen? er verwaltet zwar mein kleines vermögen, aber ein grässel ist und bleibt er! Kretzer irrlichter u. gespenster (1892) 1, 106; grässle neben hämmerle, elzenbock name des teufels (1631) bei Birlinger d. spr. d. Rotweiler stadtrechtes 49b in: sitzungsber. d. bayer. akad. (1865) 2 anhang.
 
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grasseln, subst. plur., im österr. bezeichnung der masern und des scharlachs. der bei diesen krankheiten auftretenden hautrötung wegen nach dem rothänfling bzw. leinfink (s. 2gräslein) benannt; vgl. Höfler krankheitsnamenbuch (1899) 199b; Unger-Khull steir. 304a: wie die grasseln (schafblattern) sind gewest in deinem haus, dasz sich kein handwerker hingetraut hat Rosegger schr. (1895) III 4, 174; eines weisz ich, dasz ich die 'grasseln', d. h. die unechten blattern durchgemacht habe Scheicher erlebnisse (1907) 1, 236.
 
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grassen, m., (junger) sprosz von nadelholz, junges nadelbäumchen. selten (als -an- oder -ana-bildung) neben häufigerem grasz, n. (s. d.) und gretze(n), m., f., (maskuline -jan- und fem. -jôn-bildung; s. t. 4, 1, 6, sp. 203 s. v. gretz): wer da wolt abhacken inn der gmain ... grassen oder ander holtz (österr., um 1460) weist. (1840) 3, 698; grassen (eigentlich grassach) nadelholzgebüsch Buck flurnamenb. (1880) 89. auch als grosse, neben grotz(en) (t. 4, 1, 6, sp. 598): wer dasselbe holtz bestumelt an dem groszen (Passau) bei Schmeller-Fr. bair. 1, 1018. ebda 1008 in der form den grasen (acc. sing.) mehrfach in histor. nachweisen.
 
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grassen, vb., grässen, zu grasz, n. (s. d.) gebildet, soviel wie 'grasz, tannenzweige etc. abschlagen'; nur für das österr. sprachgebiet zu belegen. als nebenformen begegnen graussen österr. weist. 5, 115, 45 und gröszen ebda 6, 85, 8: es soll auch kainer nit grässen auf der gemain und sonderlich auf dem kaiserwalt weder zu strei des mistmachen oder zu dem kolwerken (kohlenbrennen) (1391) österr. weist. 6, 272, 40; deszgleichen soll und mag auch ein jeder gräszen, dürre wipfl abschlagen und prennholz haimbfüern, so vil ime der marktrichter erlaubt (1482; hs. 16. jh.) ebda 6, 81, 25; (1570) ebda 1, 179, 38; (1606) 6, 74, 1; 5; da denn diejenige, die ... in den jungen gehuen gegrasset, oder laub gestrffelt ... mit der ... von der herrschafft noch erkenneten straffe angesehen werden Döpler theatrum poenarum (1653) 141; graszen

[Bd. 8, Sp. 2001]


äste und zweige von nadelhölzern zur streu abhauen Unger-Khull steir. 304a; grassn (Ötztal) astwerk aushauen und sammeln Schatz wb. d. Tiroler maa. 1, 250. singulär: gras tannen- und fichtenreisig. daher das bedecken des kohlenmeilers ... mit diesem reisig grasen genannt wird Scheuchenstuel berg- u. hüttenspr. 107.

 

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