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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grasscheide bis grässel (Bd. 8, Sp. 1998 bis 1999)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grasscheide, f., der untere, den stengel röhrenförmig umschlieszende teil des grasblattes: eyn yeder halm (des roggens) ist ... mit scharpffen rorichten graszscheyden angezogen, an yedem knopff eyn besundere Bock kreütterb. (1539) 2, 20a; mit scharpfen rörrechten grasscheidenen und spitzigen kiemen (1566) bei Fischer schwäb. 6, 2064. —
 
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grasscherben, m., blumentopf; vgl. Klein provinzialwb. 159; Martin-Lienhart elsäss. 2, 432a; grasscherb Askenasy Frankfurt 212: 2 dutzent krasschürben (zur einfassung der rasenbeete) (Frankfurt 1687) bei K. Bräuer studien zur gesch. d. lebenshaltung zu Frankf. 2, 230; 3 dutzent grasscherben (Frankfurt 1691) ebda 231. —
 
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grasschneiden, n., substantivierte

[Bd. 8, Sp. 1999]


zusammenrückung der verbindung gras schneiden (s. DWB gras I B 2 c β αα): wegen des grasschneidens ..., so man jährlich getrieben hat, dadurch etlichen an seinen früchten merklicher schaden beschieht, ist deshalb vorgenommen ..., das niemand gras schneide ... bis es die gemeinde wieder öffentlich erlaubt (abschr. einer hs. d. 17. jhs.) österr. weist. 4, 195, 30; wo das grasschneiden (im walde) ... üblich, ... sieht man die traurigsten folgen allg. dt. bibl. (1765) 111, 478; aus den schulterblättern (des bären) macht man sicheln zum grasschneiden Oken allg. naturgesch. (1839) 7, 1675; die sache mit dem grasschneiden war wirklich eine grosze blamage gewesen Bröger d. ferienmühle (1936) 17. —
 
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grasschneiderin, f. 1) soviel wie graserin (s. d.): ein graszschneiderin so begriffen wirdt, zu wandl zwelf pfening (17. jh.) österr. weist. 7, 137, 25; die zweite grasschneiderin schien weniger romantisch angelegt, sie zuckte die achseln Dincklage kurze erz. 215. 2) okkasionell von heuschrecken, insofern sie den gräsern schädlich sind: diese korn- und graszschneiderinnen stelleten sich ... eben um die zeit ein, da die neue frchte im felde stunden Valvasor hertzogth. Crain (1689) 4, 2, 260. —
 
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grasschnepfe, f., im älteren nhd. auch grasschnepf, m.; mit fugenvokal graseschnepfe Steinbach dt. wb. (1734) 2, 475; Popowitsch versuch (1780) 162. bezeichnung von schnepfenarten, nach deren aufenthalt im grase. für die (kleinere) moorschnepfe, gallinago gallinula L.: der (vogel gallinago, rusticula minor) wirt z teütsch ein herrschnpff, hrsneff, harschnpff, graszschnpff vnd schnpfflin genannt Heuszlin Gesners vogelb. (1557) 112a; rusticula minor, quae et gallinago ein grasschnepff oder wasserhünlein B. Faber thes. (1587) 703b. sonst für die (gröszere) heerschnepfe, gallinago caelestis Rchw.; vgl. grasschnepfe scolopax gallinago Nemnich dt. wb. d. naturgesch. 207; Naumann vögel (1822) 8, 310; die heerschnepfe oder bekassine, auch ... gras- ... schnepfe genannt (gallinago caelestis) Brehm tierl. 6, 9 P.-L.: das feld wo ich nur mich und die einsame nächtliche grasschnepfe hörte Hermes Sophiens reise (1769) 2, 179. —
 
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grasschnur, f. 1) grasstreifen: wir stiegen eine stunde in gerader richtung o. über klippen und grasschnüre (1782) in: schweiz. id. 7, 156. 2) aus gras bestehende schnur: (pilger) kneteten kugeln von sand oder heiligen schlamm mit grasschnüren zusammen, um sie als opfer ... in das wasser ... zu senken Ritter erdkunde (1822) 3, 944. —
 
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grasschopf, m., soviel wie grasbusch, -büschel (s. d.): einzelne grasschöpfe und fingerbreite gesteins-abbrüche muszten dem eisen den nothdürftigsten halt gewähren Barth Kalkalpen (1874) 415; sie grub mit einem spaten die erde um, faszte manchmal mit der hand einen grasschopf, schlug ihm am spatenstiel die schwarze erde von der wurzel Rosegger schr. (1895) II 1, 421; der verstorbene Wuldauer begleitete sie (die tochter) auf diesem wege; er schritt behender als sie über die grasschöpfe in dem ufergrase Leppa d. holunderbaum (1947) 118.
 
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gräss(e), f., m., vgl. auch 2gräszling. 1) name des gründlings, gobio fluviatilis; wie gress(e) (s. d.) nebenform zu kresse (s. d.): grässe, f. gobbio Rädlein dt.-it.-frz. (1711) 405a; grasse, f. Askenasy Frankfurt 173; gräss, grässer, m. Martin-Lienhart elsäss. 1, 281b. 2) daneben vereinzelt für den ukelei, alburnus alburnus, im ersten jahr, vgl. dazu gräsing 1: agonen (sonst laugelen, in der jugend auch grass genannt) sind die schlechteste gattung weissfisch (Überlingen 1790) bei Fischer schwäb. 4, 730 s. v. kress(e) II.
 
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grassecht, n., s. DWB grassach.
 
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grassee, f., von dem Sargassomeer, vgl. DWB grasmeer: angesehen, fast keiner diese gras-see gesehen, der nicht ihrer nachmals meldung gethan Er. Francisci ost- u. westind. lust- u. statsgarten (1668) 66a.
 
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grässel, m., schimpfwort. es ist nicht sicher, ob die in annähernd gleicher bedeutung bezeugten formen grässel, grassel, grasel, gresel u. ä. (mit anderem suffix

[Bd. 8, Sp. 2000]


gresling, s. u.) alle zum gleichen wort gehören. für die mögliche herleitung von österr. grasel (s. u.) aus ebenfalls im österr. beheimatetem 2gräslein (gräsel, grasel), n. (s. d.) 'acanthis linaria' spricht der neben anderen vogelnamen als schimpfwort auf eine person bezogene vogelname mhd. grezel bei Konrad v. Haslau (unter 2gräslein). für formen wie grässel usw. ist vielleicht zusammenhang mit grasz, adj., gräszlich, adj. (s. d.), aber kaum mit gräsen, vb. (s. d.) zu erwägen. als z. t. gutmütiges schimpfwort im sinne von 'schlingel, durchtriebener kerl, spitzbube' besonders im österr., vgl. Unger-Khull steir. 303b:

so du alter gresling (Petrus)!
schluegstu nit den jungling
in dem garten ab sein orr? (16. jh.) altdt. passionssp. aus Tirol 385 Wackernell;

wart, du grasel, ich fass dich bei den ohren! da erwischte der junge einen stiefelknecht und schleuderte ihn seinem vater unter die füsze Rosegger schr. (1895) I 11, 119. abgeschwächt: denn obgleich ech schun a older grasel ben, do esz mei olde doch noch rachtschoffen eifersechtig of mech Lowag ges. schr. (1902) 7, 77. auszerhalb des österr. auch anders akzentuiert. etwa im sinne von 'dummer kerl':

der witze ein kint, ist dir kunt waz man nenne ein gresel?
ich mein dich, esel,
geziert mit menschen ôren meisterlieder d. Kolmarer hs. 269 Bartsch.

'gräszlicher kerl', vgl.grassel 'mensch von häszlichem charakter' Frischbier pr. wb. 1, 251a: mit diesem stelzbein, das hinter jedem mädchen her ist! nein — das hätte ich doch nicht gedacht! ... von so einem alten grässel lassen sie sich beschwatzen? er verwaltet zwar mein kleines vermögen, aber ein grässel ist und bleibt er! Kretzer irrlichter u. gespenster (1892) 1, 106; grässle neben hämmerle, elzenbock name des teufels (1631) bei Birlinger d. spr. d. Rotweiler stadtrechtes 49b in: sitzungsber. d. bayer. akad. (1865) 2 anhang.

 

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