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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grassach bis grasschneiderin (Bd. 8, Sp. 1997 bis 1999)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grassach, n. , obd. kollektivbildung zu grasz, n. (s. d.), mit suffix ahd. -ahi (vgl. Henzen dt. wortbildung 140 f.), auch mit abschwächung des suffixvokals grassech, grassich sowie mit euphon. -t grassecht. auch mit umlaut: grässach bei Schatz wb. d. Tiroler maa. 1, 250, gressech bei Schmeller-Fr. 1, 1008. schwund des gutturals im suffix mehrfach nach antritt eines euphon. -t: grassat bei Fischer schwäb. 3, 800, grassad Castelli Wien 149, grasset Höfer etym. wb. 316 wohl in analogie zu adjektiven auf -acht, -echt, -icht (vgl. Henzen dt. wortbildung 202). nur vereinzelt auch das grassa J. Blau Böhmerw. hausindustrie 1, 217. ferner eine umgelautete seitenbildung grezenach (14. jh.) ahd. gl. 3, 327, 45 St.-S., die vielleicht von grassen, swm. (s. d., ebda auch gretze[n]) herzuleiten ist.das wort begegnet seit dem 13. jh. obd., vornehmlich bair.-österr.; modern mundartl. wird es nur noch für das bair.-österr. bezeugt; vgl. Schmeller-Fr. 1, 1008; Schöpf Tirol 207; Schatz 1, 250; Castelli Wien 149; Unger-Khull steir. 303b; Lexer Kärnten 121 f., wo die glossierung 'das gras, wie es auf einzelnen stellen der felsen wächst und dort mit lebensgefahr abgeschnitten wird' kaum zutreffend sein dürfte.
1) 'gezweig, grüne sprosse von nadelbäumen', vielfach als streu oder viehfutter verwendet:

bi einer wîle sul wir beide gên
und brechn grazzach unde varm:
anders fuoters bin ich arm
Wolfram v. Eschenbach Parzival 458, 17;

das grassat von den weyssen thannen esten (Württemberg 1571) bei Fischer schwäb. 3, 800; ain jedlicher hatt recht zu holzen prenholz, zaunholz, grassecht schneiten (1573) österr. weist. 6, 152, 30; won ainer ain paumb stimblt zu grassach, sol er zustimbln, das er fruchtbar bleibt (1623) ebda 1, 117, 1; niemand soll sich unterstechen küe, ochsen, schwein ... in der herrschaft ... wälder oder gründ zu treiben ... weder gras abschneiden, strää rechen, gräszich abzuhacken von den jungen püercken (1730) ebda 10, 206, 34; das grassa (die zweige des nadelholzes) dient kurzgeschnaitet als einstreu J. Blau Böhmerw. hausindustrie (1917) 1, 217.
2) 'dürres reisig': sarmentum grezenach (14. jh.) ahd. gl. 3, 327, 15 St.-S.; kainer im gericht soll die gewöhnlichen steeg, weeg und strassen ... nit mit grassach eben machen (16. jh.) österr. weist. 6, 240, 9.
3) vereinzelt als ortsbenennung (flurname?), soviel wie 'platz, wo grassach aufgestreut ist'?: welche grichtsleit

[Bd. 8, Sp. 1998]


... umbgefalnes vich haben, die solten sich deshalben bei dem (salvo honore) veldmezger (abdecker) auf dem grassach nagst bei dem schlosz Titmoning anmelden (17. jh.) österr. weist. 1, 91, 11.
 
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grassame(n), m., samenkörner der grasarten; vgl. DWB grassamen die bespelzten, trockenen, einsamigen schlieszfrüchte gewisser gramineen Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 766; übersäung mit frischem grassamen (zur bodenverbesserung) allg. dt. bibl., anh. zu bd. 53—86 (1771) 1393; wo sie (die schneeammern) von grassamen leben Oken allg. naturgesch. (1839) 7, 289; ich hatte die erde auflockern lassen und warf grassamen hinein, dasz er im künftigen frühlinge zum vorschein komme Stifter s. w. 2 (1904) 213; ein beinkleid ..., das von einem spaziergang her voll von grassamen hing H. Hesse kleine welt (1943) 255. redensartlich: op sinem dreck ka mer grassamen säje rhein. wb. 2, 1360. —
 
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grassämerei, f., kollektiv von grassamen (s. d.): sämereien fressen auch diese ammern ...: hafer ..., allerlei grassämereien Naumann vögel (1822) 4, 256; kartoffeln als vorfrucht der gerste, in welche man grassämereien bringen will Krünitz öcon. encycl. 239 (1857) 90.
 
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grassaten,
 
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-um, -im, in der studentensprache heimisch in der verbindung grassaten (u. ä.) gehen, fahren, umherschweifen, sich herumtreiben; vgl. DWB grassaten gehen to revel, to go catterwauling Ludwig t.-engl. (1716) 806; grassaten fahren kreuz- und querfahrten machen Sallmann neue beitr. z. dt. ma. in Estland (1880) 47. neben grassaten, mit abgeschwächter endung aus grassatum, dem supinum des lat. grassari, steht die pseudo-lat. adverbialform grassatim. häufiger als diese auf lat. grassari zurückgehenden formen sind die gleichbedeutenden, dem macaronischen latein angehörenden bildungen gassatim, -um, -en (s. gassatim teil 4, 1, 1, sp. 1434); vgl. auch grassieren 1: wie die unrhigen studenten, die aus frwitz auffn abendt auff der strassen gehen, da denn der teuffel auch grassatum gehet B. Satler drey predigten (1589) M 3a; disciplina gehet in der schule gar schwach zu, sintemal die schüler saufen, fressen, grassatim gehen (Soest 1601) bei S. Nyström d. dt. schulterminologie (diss. Helsingfors 1915) 224; auf den gassen bey abend- oder nacht-zeiten grassaten zu gehen (Hamburg 1652) ebda; gabs nicht zu Salomons zeit nrrische milch-brtle, die in der dmmerung grassaten giengen, eine gassen auf, die andere nieder lieffen? Paullini zeitkürtzende erbauliche lust (1695) 13; zur verhuetung aller disordre sonderlich des nachts graszaten gehen mit oder ohne spilleut, welche auf den gaszen ertappet, in arrest zu bringen (1702) in: dt. rechtswb. 4, 1076. —
 
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grassatengänger, m., zu grassaten (s. d.): (Bacchus) hat den nahmen vom βακχεῖν, d. i. garstig schreyen, wie die fastnacht-brder, und grassatengnger pflegen zu thun, zu blcken und zu brllen Grüwel bienenkunst (1719) 301.
 
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grassation, f., aus lat. grassatio, gebraucht als abstraktbildung zu grassieren (s. d. 2 b), im hinblick auf eine epidemie: und wurde man sogar gedrungen, dieser grassation (der blattern) wegen, in Peterwardein ein absonderliches hospital vor die überhand nehmenden krancken auffzurichten slg. v. natur- u. medic.-gesch. (1717) 1, 138. vgl. blattern-grassation ebda 137.
 
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grasscheide, f., der untere, den stengel röhrenförmig umschlieszende teil des grasblattes: eyn yeder halm (des roggens) ist ... mit scharpffen rorichten graszscheyden angezogen, an yedem knopff eyn besundere Bock kreütterb. (1539) 2, 20a; mit scharpfen rörrechten grasscheidenen und spitzigen kiemen (1566) bei Fischer schwäb. 6, 2064. —
 
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grasscherben, m., blumentopf; vgl. Klein provinzialwb. 159; Martin-Lienhart elsäss. 2, 432a; grasscherb Askenasy Frankfurt 212: 2 dutzent krasschürben (zur einfassung der rasenbeete) (Frankfurt 1687) bei K. Bräuer studien zur gesch. d. lebenshaltung zu Frankf. 2, 230; 3 dutzent grasscherben (Frankfurt 1691) ebda 231. —
 
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grasschneiden, n., substantivierte

[Bd. 8, Sp. 1999]


zusammenrückung der verbindung gras schneiden (s. DWB gras I B 2 c β αα): wegen des grasschneidens ..., so man jährlich getrieben hat, dadurch etlichen an seinen früchten merklicher schaden beschieht, ist deshalb vorgenommen ..., das niemand gras schneide ... bis es die gemeinde wieder öffentlich erlaubt (abschr. einer hs. d. 17. jhs.) österr. weist. 4, 195, 30; wo das grasschneiden (im walde) ... üblich, ... sieht man die traurigsten folgen allg. dt. bibl. (1765) 111, 478; aus den schulterblättern (des bären) macht man sicheln zum grasschneiden Oken allg. naturgesch. (1839) 7, 1675; die sache mit dem grasschneiden war wirklich eine grosze blamage gewesen Bröger d. ferienmühle (1936) 17. —
 
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grasschneiderin, f. 1) soviel wie graserin (s. d.): ein graszschneiderin so begriffen wirdt, zu wandl zwelf pfening (17. jh.) österr. weist. 7, 137, 25; die zweite grasschneiderin schien weniger romantisch angelegt, sie zuckte die achseln Dincklage kurze erz. 215. 2) okkasionell von heuschrecken, insofern sie den gräsern schädlich sind: diese korn- und graszschneiderinnen stelleten sich ... eben um die zeit ein, da die neue frchte im felde stunden Valvasor hertzogth. Crain (1689) 4, 2, 260. —

 

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