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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grasrain bis grassämerei (Bd. 8, Sp. 1996 bis 1998)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grasrain, m., auch graserain, mit gras bewachsener grenzstreifen zwischen feldern: nicht fern vom wege auf einem schönen gras-rain lag mäuschen still ein kerl, als ob er schliefe Münchhausen reisen (1788) 85; unter düsterem gesträuch sieht man sie (die baumpieper) nicht nach nahrung suchen, wohl aber auf ... graserainen Naumann vögel (1822) 2, 2, 768. —
 
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grasrand, m., mit gras bewachsener randstreifen an künstlichen oder natürlichen anlagen u. dgl.: das weibchen (der grille) gräbt sich ... eine glatte höhle ..., meistens in den grasrändern der felder Oken allg. naturgesch. (1839) 5, 1529; an den grasrändern der steintreppe gaukelten zwei dunkle schmetterlinge Storm s. w. (1899) 2, 139; (der flusz) lag zwischen grasrändern wie erstickt oder ertrunken Binding erlebtes leben (1928) 53. —
 
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grasreche, f., grasrain (?): die sechst vnd recht brunell fint man im brachmonat vnd hewmonat, auch auf den graszrechen, neben den ckern Bock kreütterb. (1539) 1, 89a. —
 
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grasrecht, n., recht zur weidenutzung und der jemandem zustehende anteil an der gemeinweide selbst: welicher seine grasrecht nit völig zu beschlagen het, derselb soll das übrig einen andern nachtbern ... anbieten (1677) österr. weist. 2, 65, 13; welcher seine graszrecht nicht zu besözen het, der soll kain frembd vich ainnemmen, sonder seiner nachpern ainem, der übrigs hat, ain graszrecht lassen umb vier kreizer (1683) ebda 63, 6. anders, weidegeld (?): soll eine kuhe, wie bisher, mit zehen vierer zehend oder grasrechte aufgeschlagen werde und ebenso eine zeit- oder dreijährige kalbel (19. jh.) österr. weist. 3, 137, 30. —
 
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grasreich, adj., reichhaltigen grasbestand habend; vgl. locus prodigus multœ herbœ graaszreych, vast voll vnd überflüssig von kreüteren Frisius dict. (1556) 1065a: hat er unter wegen auff einer schnen graszreichen geblmten wisen ein adeliches tugentreiches und schnes jungkfrewlein ... angetroffen Federman sechs triumph (1578) vorr.; dero landschafft ... ist auch sonderlich grassreych Stumpf Schweizerchron. (1606) 4a; auch die heerden brüllen ihre freude von den grasreichen hügeln Sal. Gessner schr. (1777) 1, 65; jetzt hatte er die gewiszheit, das sumpfige stromufer in grasreiche wiesen verwandeln zu können Storm s. w. (1899) 1, 205; und eines tages führte die wanderung ihn durch eine grasreiche hügelgegend H. Hesse d. glasperlenspiel (1943) 2, 362.

[Bd. 8, Sp. 1997]


im zusammenhang eines bildes für ein einträgliches königreich: sein (Ludwigs XI. von Frankreich) reich wäre ein sehr fruchtbare und gras-reiche wiese, die er alle jahr schneiden liesse und so offt es ihm gefiele Er. Francisci lust. schaubühne (1698) 2, 942. —
 
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grasreichtum, m.: die schönsten wiesenflächen mit quellen und grasreichthum Ritter erdkunde (1822) 3, 96; dasz der grasreichtum Afrikas sich auch hier (in der wüste) nicht verleugnet Ratzel völkerkunde (1885) 3, 69. —
 
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grasrispe, f., der blütenstand des grases: (die tiere) nähren sich kärglich von der blühenden grasrispe A. v. Humboldt ansichten d. natur (1808) 1, 35; (die ährchen) sind länger oder kürzer gestielt und bilden eine grasrispe Schlechtendal flora v. Deutschl. (1880) 7, 4;

und sieh! da war es (ein kind) wieder, unweit ging's,
grasrispen hatt es in die hand gepflückt
Storm s. w. (1899) 8, 252.


 
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grasrupfen, n., substantivierte zusammenrückung von gras rupfen (s. unter gras I B 2 c β αα): soll angedeits grasropfen, schneiden und mäen ... bei vier gulden daraufgeschlagner pfantstraf abgestellt sein (1618) österr. weist. 3, 83, 39; zumahlen auch das grasropfen in alhieriger gemain sehr stark iberhant genomben (1741) ebda 3, 94, 33; würde ein nachbar den andern auf seinen gütern ... mit grasropfen oder laubhaken ... antreffen, hätte derselbe ... die beschädigung zu vergieten (1801) ebda 3, 233, 40.
 
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grassach, n. , obd. kollektivbildung zu grasz, n. (s. d.), mit suffix ahd. -ahi (vgl. Henzen dt. wortbildung 140 f.), auch mit abschwächung des suffixvokals grassech, grassich sowie mit euphon. -t grassecht. auch mit umlaut: grässach bei Schatz wb. d. Tiroler maa. 1, 250, gressech bei Schmeller-Fr. 1, 1008. schwund des gutturals im suffix mehrfach nach antritt eines euphon. -t: grassat bei Fischer schwäb. 3, 800, grassad Castelli Wien 149, grasset Höfer etym. wb. 316 wohl in analogie zu adjektiven auf -acht, -echt, -icht (vgl. Henzen dt. wortbildung 202). nur vereinzelt auch das grassa J. Blau Böhmerw. hausindustrie 1, 217. ferner eine umgelautete seitenbildung grezenach (14. jh.) ahd. gl. 3, 327, 45 St.-S., die vielleicht von grassen, swm. (s. d., ebda auch gretze[n]) herzuleiten ist.das wort begegnet seit dem 13. jh. obd., vornehmlich bair.-österr.; modern mundartl. wird es nur noch für das bair.-österr. bezeugt; vgl. Schmeller-Fr. 1, 1008; Schöpf Tirol 207; Schatz 1, 250; Castelli Wien 149; Unger-Khull steir. 303b; Lexer Kärnten 121 f., wo die glossierung 'das gras, wie es auf einzelnen stellen der felsen wächst und dort mit lebensgefahr abgeschnitten wird' kaum zutreffend sein dürfte.
1) 'gezweig, grüne sprosse von nadelbäumen', vielfach als streu oder viehfutter verwendet:

bi einer wîle sul wir beide gên
und brechn grazzach unde varm:
anders fuoters bin ich arm
Wolfram v. Eschenbach Parzival 458, 17;

das grassat von den weyssen thannen esten (Württemberg 1571) bei Fischer schwäb. 3, 800; ain jedlicher hatt recht zu holzen prenholz, zaunholz, grassecht schneiten (1573) österr. weist. 6, 152, 30; won ainer ain paumb stimblt zu grassach, sol er zustimbln, das er fruchtbar bleibt (1623) ebda 1, 117, 1; niemand soll sich unterstechen küe, ochsen, schwein ... in der herrschaft ... wälder oder gründ zu treiben ... weder gras abschneiden, strää rechen, gräszich abzuhacken von den jungen püercken (1730) ebda 10, 206, 34; das grassa (die zweige des nadelholzes) dient kurzgeschnaitet als einstreu J. Blau Böhmerw. hausindustrie (1917) 1, 217.
2) 'dürres reisig': sarmentum grezenach (14. jh.) ahd. gl. 3, 327, 15 St.-S.; kainer im gericht soll die gewöhnlichen steeg, weeg und strassen ... nit mit grassach eben machen (16. jh.) österr. weist. 6, 240, 9.
3) vereinzelt als ortsbenennung (flurname?), soviel wie 'platz, wo grassach aufgestreut ist'?: welche grichtsleit

[Bd. 8, Sp. 1998]


... umbgefalnes vich haben, die solten sich deshalben bei dem (salvo honore) veldmezger (abdecker) auf dem grassach nagst bei dem schlosz Titmoning anmelden (17. jh.) österr. weist. 1, 91, 11.
 
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grassame(n), m., samenkörner der grasarten; vgl. DWB grassamen die bespelzten, trockenen, einsamigen schlieszfrüchte gewisser gramineen Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 766; übersäung mit frischem grassamen (zur bodenverbesserung) allg. dt. bibl., anh. zu bd. 53—86 (1771) 1393; wo sie (die schneeammern) von grassamen leben Oken allg. naturgesch. (1839) 7, 289; ich hatte die erde auflockern lassen und warf grassamen hinein, dasz er im künftigen frühlinge zum vorschein komme Stifter s. w. 2 (1904) 213; ein beinkleid ..., das von einem spaziergang her voll von grassamen hing H. Hesse kleine welt (1943) 255. redensartlich: op sinem dreck ka mer grassamen säje rhein. wb. 2, 1360. —
 
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grassämerei, f., kollektiv von grassamen (s. d.): sämereien fressen auch diese ammern ...: hafer ..., allerlei grassämereien Naumann vögel (1822) 4, 256; kartoffeln als vorfrucht der gerste, in welche man grassämereien bringen will Krünitz öcon. encycl. 239 (1857) 90.

 

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