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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grasmückenei bis grasnarbe (Bd. 8, Sp. 1993 bis 1994)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grasmückenei, n.: wie sie ... ihn immer so weich auf den händen und fingern getragen, wie ein grasmückenei Jean Paul w. 27/29, 237 Hempel. von grasmücke 1 b α her, bildlich im hinblick auf männer, die fremde frauen und mädchen verführen: vnnd wa wolten wir alle solche geuchlieder (erotischen inhalts), darmit sich noch die buben jhrer graszmuckeneyer rhmen, in sinn fallen: mann kan ausz diesen genug absehen, wie inn sttten weder mgd noch frawen ... sicher sind Fischart Garg. 34 ndr.
 
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grasmückengezwitscher, n.: aus manchem strauche am wege klang noch finkenschlag und grasmückengezwitscher G. Ebers im schmiedefeuer (1895) 2, 29. —
 
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grasmückenkönig, m., scheltwort, vgl. unter grasmücke 1 b α: stegreiffhalter, roszbartrager, graszmuckenkönig, drittler, hurenkind Fischart groszmutter (1607) D 8b; wolst darumb nicht Kuntz heissen, weil man inn Sachssen den schweinen also locket ...? wolt ich darumb nicht Hans inn allen gassen sein, weil man im Niderland die graszmuckenknig Jan schilt? ders., Garg. 165 ndr.
 
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grasmückennest, n., im vers grasmucknest Rückert ges. poet. w. (1867) 2, 485: die innere (form des nestes des schilfrohrsängers) ist ... tiefer als bei irgend einem grasmückenneste Naumann vögel (1822) 2, 2, 663; ich hatte im gebüsch ... ein grasmückennest entdeckt Schubert selbstbiogr. 1 (1854) 125; Brehm tierl. 4, 102 P.-L.
 
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grasmücklein, n., dim. zu grasmücke (s. d. 1); vgl. curruca grasmücklein voc. rei num. (1552) E 6b: ein gauch leit seine eyer dem graszmückle yn sein nest Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 169;

die eyer sind dem vogel gleich, ...
kein eul die heckt kein blofusz aus,
kein phænix kein graszmcklein heckt
Eyering proverb. copia (1601) 2, 98.

mit bezug auf einen freigebigen menschen, den ein heuchler ausnutzt:

was das graszmücklein zu ist tragen,
frisst der guckug in seinen kragen
Hans Sachs 16, 485 lit. ver.


 
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grasmusch, f., eine besonders im luxemb., rhein. und nl. verbreitete, gelegentlich auch in literarischen gebrauch aufsteigende bezeichnung der grasmücke (s. d. 1). die mit dem mundartlichen grundwort musch, mösch u. ä. 'sperling' (s. teil 6, sp. 2595 u. 2730) gebildete zusammensetzung entspricht den im hd. für die grasmücke bezeugten bezeichnungen grasspatz, grassperling (s. d.): viscedula grasmusch (nd. 1420) Diefenbach gl. 233a; grasmuscho (latinisiert, dat. sing.) Turner avium praecipuarum historia (Köln 1544) D 6a; (curruca uel ficedula) graszmusch oder graszmuck R. Heuszlin Gesners vogelb. (1557) 66b; ficedula ... graszmusch, graszspatz Heyden Plinius (1565) 454;

sondern rohrsperling, vnd grasmusch,
vnd andere mehr im finstern busch,
jhr nest, vnd wohnstet so besungen,
das die stimmen gegn himmel klungen
Rollenhagen froschmeuseler (1595) C 5b;

grasmüsche Kramer hochniderteutsch (1719) 1, 106; sylvia cinerea grasemütsche Naumann vögel (1822) 2, 1, 464; grasmüsche (-meš, -ø-, --, -metš) rhein. wb. 2, 1360; grâsmösch luxemb. ma. 152b; grasmisch Kehrein Nassau 171; grasmusch, -mosch woordenb. d. nederl. taal 5, 593. gelegentlich im ostmd. verzeichnet: curruca grasemüsche Schwenckfeldt theriotroph. Sil. (1603) 255, freilich nicht

[Bd. 8, Sp. 1994]


mit eindeutigem hinweis auf schles. mundart wie für grasmücke ebda; grsemêtsche Kiessling Oberlausitz (1883) 40.
 
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grasnägelchen, n., soviel wie grasnelke (s. d.): grasnäg'lk'n (pl.) 'grasnelke' Kück Lüneburg 1, 606. —
 
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grasnäglein, n., bezeichnung der gartennelke, dianthus caryophyllus L.; vgl. graszngele Gesner erdgewächse (1542) 137; grasz nglin (plur.) Ryff confectbuch (1548) c 1b; grasz negelein Marperger kaufmann-magazin (1708) 79; Marzell wb. dt. pflanzennamen 2, 103. (vgl. das auf andere pflanzen bezogene grasnelke, das das gleiche grundwort nagel mit anderem suffix enthält): betonien und grasznegelen, so einerley natur seynd Wirsung artzneyb. (1588) 259; unsere gras-ngelein, die wir, mit sonderbarem fleisz, erziehen mssen, ... die darff man in Peru nur sen, zu allen jahrs-zeiten, so werden sie ohn weitere mhe ... glcklich erspriessen Er. Francisci lust. schaubühne (1698) 2, 215. vgl. schweiz. id. 4, 693, wo der name auch auf andere pflanzen, bes. nelkenarten bezogen wird.
 
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grasnägleinwurzwein, m.: ausz den kreuterweinen werden folgende, als zu der wassersucht taugentlich, gepriesen: haselwurtzwein, ... grasznegelenwurtzwein, ispenwein Wirsung artzneyb. (1588) 437. —
 
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grasnägleinzucker, m.: es würt aber die conseruen von grasznäglin oder graszblumen zucker in sonderheyt gelobt wider alles vergifft Ryff confectbuch (1548) 74a; grasznegelenzucker Wirsung artzneyb. (1588) 439. —
 
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grasnarbe, f., die durch geschlossenen pflanzenbestand gebildete gras- oder rasendecke. das wort dringt vom nd. her in die schriftsprache; vgl. grasnaare Stürenburg ostfries. 74b; grasnâre Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 676a; grasnarwe Woeste westf. 84b; grasnaar Böning Oldenburg 40; grāsnārwe Bauer-Collitz Waldeck 41a: die grasznarbe, wo sie zu haben ist, wird ihr (der heidenarbe) vorgezogen (zum düngen) Just. Möser Osnabr. gesch. 1 (1768) 125; rasen ..., der kaum höher als die grasnarbe unserer schaftriften ist Rossmässler d. wald (1863) 457; die zähne von wildschweinen ..., deren wir knaben einmal eine menge unter der grasnarbe hervorwühlten Storm s. w. (1899) 5, 4; noch immer deckte eine harte grasnarbe den hang Nabl steir. lebenswand. (1938) 177. —

 

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