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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grabkammer bis grablampe (Bd. 8, Sp. 1614 bis 1616)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grabkammer, f., seltener grabeskammer. seit dem 17. jh. belegbar (s. u. 3). 1) im sinne von grab A 2 b für ein gemauertes grab, einen ausgemauerten grabraum, daneben auch, grab A 2 a entsprechend, für ein felsengrab; gewöhnlich wohl für das ganze einer solchen anlage, doch ist oft die abgrenzung gegen 2 undeutlich: wenn barbaren in gräbern schätze verbargen ..., so verbargen die Griechen auch in ihren grabkammern schöne weisheit Herder 20, 284 S.; ansehnliche etruskische grabeskammern archäol. ztg. 1, 135 Gerhard; nur für höhere ... waren ausgemauerte grabkammern W. Grimm kl. schr. 2, 322; die juden setzten ihre todten gern in grabkammern bei, welche aus dem lebendigen felsen gehauen waren Wetzer-Welte 5 (1888) 968. 2) in engerem sinne der innerste, für die aufnahme des sarges bestimmte raum der unter 1 gemeinten anlage oder (meist) eines gröszeren grabbaues im sinne von grab A 2 c: das haus war still wie das innere einer pyramide, der alte repräsentirte vortrefflich die mumie in der tiefsten dunkelsten grabkammer Raabe Abu Telfan (1870) 3, 195; die grabkammer (des mausoleums in Halikarnasz) umzog eine ionische säulenhalle Schönermark-Stüber hochbaulex. (1902) 486; die grabkammer (des megalithgrabes) ist ein mausoleum, das auch nach der beisetzung von ein oder 2 leichen zugänglich bleibt, und der hügel, der sie überdeckt Hoops reallex. 3, 210. 3) poetisierend auch allgemein für 'grab', auszerhalb der engeren sachlichen vorstellung von grab A 2; so schon im frühesten beleg:

bisz zur grabeskammer,
und bisz an den tod,
weiter musz kein jammer
Simon Dach 320 lit. ver.;

eben also (wie das spielen der kinder) ist unser zeitlich leben, wenn wir unsere personen wohl agiret haben, müssen wir endlich in unsere grabeskammern schlaffen gehen Wesenigk böse spielsieben (1702) 174; mit den schatten von toten, die leise vor sich hin sprachen, auf dem unermeszlichen wege nach der kleinen grabkammer, wo sie endlich, endlich würden schweigen können E. Wiechert missa sine nomine (1950) 359.
 
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grabkapelle, f., in verschiedenen anwendungen namentlich der archäologie oder kunstgeschichte. 1) als

[Bd. 8, Sp. 1615]


begräbnisstätte erbaute kapelle, begräbnisgruft vornehmer personen oder familien, grab A 2 b entsprechend: vorgestern ward die grabkapelle der kaiserlichen tante unseres gebieters eingeweiht Pückler briefw. u. tageb. (1873) 8, 57; lange verweilte ich in der von auszen so schmucklosen grabkapelle der Galla Placidia (in Ravenna) Gmelin Italienfahrten (1940) 39; Augsburg mit der 1509 begonnenen grabkapelle der Fugger Dehio gesch. d. dt. kunst 3 (1926) 208; die Pascarella besaszen keine eigene gruftkapelle und unterschieden sich auch dadurch von den groszen familien Neapels. solch eine grabkapelle war ... durchaus nicht zu verachten Werfel geschw. v. Neapel (1931) 197. 2) speziell die in der grabkirche (s. d. 2) über dem heiligen grab errichtete kapelle, vgl. DWB grab A 3 f: die grab- oder auferstehungskapelle (in der grabkirche zu Jerusalem) ..., die das hl. grab in sich schlieszt Wetzer-Welte 5 (1888) 973. 3) noch spezieller und in der entsprechung zu grab A 3 g von jenen kapellen katholischer kirchen, in denen, namentlich in der karzeit, grab und grablegung Christi bildlich dargestellt werden, vgl. Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 748; auch heilig(e)grabkapelle, s. Müller-Mothes ill. archäol. wb. (1877) 1, 485b; 488b. 4) 'die zur beisetzung eines heiligen ... oder zu anderen begräbnissen oder todtenmessen bestimmte seitenkapelle ... einer kirche' Müller-Mothes ill. archäol. wb. (1877) 1, 488b. 5) 'friedhofskapelle', die den begräbnisfeierlichkeiten dient: 'isoliert auf einem friedhof stehende runde oder polygone ... kapelle' Müller-Mothes ill. archäol. wb. (1877) 1, 488b; Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 748. —
 
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grabkirche, f., auch grabeskirche. 1) über dem grab eines heiligen oder sonst einer groszen persönlichkeit und zu ihren ehren errichtete kirche, in der form des zentralbaus; von der grabkapelle (s. d. 1) durch ihre grösze unterschieden, vgl. Müller-Mothes ill. archäol. wb. (1877) 1, 488b; Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 748: den gewohnheiten der ritterordenskirche im heiligen lande und der bestimmung als grabkirche würde dies (dasz die Elisabethkirche in Marburg ursprünglich als reiner zentralbau gedacht gewesen sei) wohl entsprechen Dehio gesch. d. dt. kunst 1 (1919) 294; (S. Francesco in Rimini ist) eine der echtesten renaissancestätten, die es gibt: die grabeskirche des tyrannen im alten sinne, der auch im tode noch von seinem humanistischen hofstaate begleitet sein will J. Schlosser präludien (1927) 273. die grenze zu grabkapelle (s. d. 1) kann flieszend sein: dasz das sogenannte zangenornament an der grabkirche Theoderichs des groszen ... nur in verschiedenen norwegischen variationen nachweisbar ist Scherer kl. schr. (1893) 1, 471. uneigentlich: aber der ganze glänzende und stille weltsaal wäre für mich das gotteshaus deines gedächtnisses, deine grabkirche G. Keller ges. w. (1889) 5, 353. 2) speziell die über dem vermuteten grab Christi erbaute (heilige) grab(es)kirche zu Jerusalem, s. Wetzer-Welte 5 (1888) 967; 974; 978 u. ö.: dieser mittelpunkt, sagt man, sei der ort des kreuzes Christi, an welchem auch in der h. grabkirche jene psalmworte eingegraben wurden Fr. L. Jahn w. 2 (1887) 859; und's wird ein trubel im atelier wie an der thür der grabeskirche (in Jerusalem) Raabe Abu Telfan (1870) 2, 25.
 
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grabklaue, f., die zum graben und wühlen geeignete klaue einiger tiere; vgl. DWB graben C 1: die beuteldachse haben ... grabklauen Oken allg. naturgesch. (1839) 7, 912.
 
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grabkleid, n. 1) 'totengewand, leichenkleid': der verstorbene Lazarus in seinen grabkleidern vnnd mit verhültem angesicht ... ausz seiner todtenkammer herfür gehet Mathesius trostpred. (1579) L 2b; Campe 2 (1808) 437a. 2) 'trauerkleid, begräbniskleid': da seh ich das ... mädchen ... mit dem schwarzsammtenen grabkleide H. Laube ges. schr. (1875) 8, 177. —
 
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grabkraut, n., daneben auch grabekraut, als name des wermut und verwandter pflanzen. für artemisia pontica L.: wir Teutschen nennen jn pontischen wermuth, welschen wermuth und grabkraut, dieweil man der todten gräber damit zieret Tabernämontanus kräuterb. (1588) 22b; Megiser thes.

[Bd. 8, Sp. 1616]


pol. (1603) 1, 15c; Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 434. für artemisia absinthium L.: grabekraut (1600) Schwenckfeldt bei Marzell 1, 424. vgl. Perger namen d. pflanzen 1, 211. —
 
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grabkreuz, n., vereinzelt grabeskreuz Gutzkow br. a. Paris (1842) 2, 96. als bildung, so alt die damit bezeichnete sache ist, erst seit etwa 1840. 1) das nach alter christlicher begräbnissitte auf den gräbern stehende oder liegende kreuz aus stein, eisen oder holz, vgl. DWB grab A 3 b: in manchen gegenden macht man kronen davon (von den knopfbinsen) auf grabkreuze Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 438; dasz die eisernen kreuze, die hier häufig als grabkreuze gebraucht werden, mitunter abweichende ... formen haben (1843) Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 2, 165; sie zeigte ihm die früh heimgegangene gattin und ihr grabkreuz auf dem kleinen dorfkirchhof Raabe s. w. I 4, 379 Klemm; ob er ... ein guszeisernes grabkreuz, wie sie jetzt mode seien, bestellen solle Fontane ges. w. (1905) I 6, 404; die Franzosen sind tüchtige kerle und kriegen das eiserne kreuz, und wir kriegen ein grabkreuz Frenssen Jörn Uhl (1901) 271; die steinbildnerei ist ein wortkarges handwerk, gelten doch granit und marmor, vorzüglich zu grabkreuzen verarbeitet, als sinnbilder des schweigens Werfel Bernadette (1948) 68. ungewöhnlich: die sträusze werden in ganz Deutschland nicht so geschmackvoll gewunden, eine bäuerin trug sogar ein aus rosen geflochtenes grabkreuz Hebbel w. 10, 183 Werner. zur rolle des grabkreuzes im volksaberglauben vgl. hdwb. d. abergl. 3, 1106. 2) in der heraldik eine bestimmte form des wappenkreuzes: grabkreuz hat breite enden und ausrundung wie das tatzenkreuz, schwebt aber und hat, statt der geraden armenden, nach auszen gebogene abgrenzungslinien Siebmacher-Gritzner wappenb. B (1890) 38.
 
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grabkunst, f., auch grabeskunst, auf die künstlerische ausgestaltung der gräber bezogen, in archäologischem gebrauch: aus dieser erhabenen ... grabeskunst ..., die wir noch in ihren denkmahlen und mumien bewundern und anstaunen Fr. Schlegel s. w. (1846) 13, 178; in Franken und am Mittelrhein finden sich hervorragende zeugnisse der grabkunst Pinder kunst d. ersten bürgerzeit (1937) 188.
 
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grabkunst, f., zu graben, vb., E 1, 'ars sculptoria' Henisch thes. (1616) 1719.
 
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grablägerig, adj., im 17. jh. in analogie zu und in verbindung mit bettlägerig, aber in der bedeutung von diesem geschieden; grablägerig werden 'ins grab gelegt werden': mancher artzt, indehm er ... den patienten besucht, selber darüber bett- wo nicht gar grablägrig wird Butschky Pathmos (1677) 497; worauff dieselbe hohe fürstinn zum hefftigsten erschrocken, auch, etliche tage hernach, bett- und über wenig wochen auch gar grablägerig worden Francisci d. höll. Proteus (1691) 74. —
 
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grablampe, f., auch grabeslampe. 1) die nach antiker sitte den toten beigegebene oder in grabkammern brennende lampe, vgl. lucernae sepulchrales Sperander hdlex. (1727) 352b; Krünitz encycl. 59 (1793) 97: die alten Egipter (haben das öl) durch röhren, unter der erde hin, in ihre ewigbrennende grablampen geleitet Zesen Assenat (1670) 524; Passeri (hat) ... sie (die lampen) zuerst in tempellampen, hauslampen und grablampen abgetheilt Böttiger kl. schr. (1837) 3, 313 anm. 2) von 1 aus bildlich: für sie ist die liebe eine grabeslampe, die nicht leuchtet, nicht wärmt, nur die verwesung erkennen macht (1812) Therese Huber an Bötticher bei Geiger leben u. br. einer dt. frau (1901) 15; da leuchtete ... jene grabeslampe auf, die der schöpfer, wie man weisz, im lebendigen grabe der seele angezündet Görres ges. schr. (1854) 5, 305.

 

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