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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grabgeschäft bis grabhüter (Bd. 8, Sp. 1610 bis 1613)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grabgeschäft, n., die tätigkeit des grabens. 1) zu graben, vb., C 1: das eigentliche grabgeschäft wird (vom präriehund) durch die vorderfüsze besorgt Brehm tierl. (1890) 2, 440 P.-L. 2) übertragen zu graben B 3 b: ich habe mich bestrebt, den tiefen, weiten inhalt, den der dichter in die konkrete person seines Faust ... versenkt hat, herauszugraben. ... liest man mir darüber ... hinweg, ... weil man zum voraus beschlossen hat, solches grabgeschäft als lächerliches unternehmen zu verurtheilen, so mag man das buch nur ganz liegen lassen Vischer altes u. neues (1881) 2, 117.
 
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grabgeschrift, f., n., im 16. und frühen 17. jh. neben grabschrift (s. d.): epitaphium: est suprascriptio lapidum tumulorum: ein grabgeschrift gemma gemm. (1508) i 1d; Henisch (1616) 1722; die latinischen grabgeschrifften, so jnen oder den jren gemacht würden, gebresten hetten, dasz nit, für ein vesten oder strengen, ein wolgeborner vff ein grabstein gehouwen würd Wimpfeling Teutschland C 3a Moscherosch; Padua hat vor alten zeiten Antenorea geheissen von Antenore ..., des ... grabgeschrifft noch zu Padua gezeigt wird Seb. Münster cosmogr. (1550) 220. —
 
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grabgestalt, f., vereinzelt grabesgestalt (s. u.). occasionellen gebrauchs in verschiedenen bedeutungen. 1) die gestalt eines begrabenen toten:

aus dem hügel wo er sitzet,
richtet vor ihm eine blasse
grabgestalt sich auf, ...
wickelt nun das antlitz langsam
aus der weiszen tücher falten
Rückert ges. poet. w. (1867) 3, 20.

2) von menschen, die für das grab, den tod reif sind: übertünchte grabgestalten; elegant wie hölzerne modekupfermodelle und doch vielleicht bald dem tode geweiht Gutzkow ges. w. (1872) 7, 456. 3) grabmalfigur: in St. Stephan zeugen noch die grabgestalten Rudolfs und Katharinas von dem wettstreit des hofes mit Prag Pinder kunst d. ersten bürgerz. (1937) 113. 4) knochengerüst, skelett, als die eine verwesung im grabe überdauernde gestalt des menschen:

[Bd. 8, Sp. 1611]


allein auch er erblickte gerippe ...
weiszer ward das schreckensgefild (die hölle) bis hin, wo kein auge
mehr von einander vermochte die grabgestalten zu sondern
Klopstock s. w. (1854) 3, 30;

er studierte (bei einer röntgendurchleuchtung) die flecke, linien ... im inneren brustraum, während auch sein mitspäher nicht müde wurde, Joachims grabesgestalt und totenbein zu betrachten, dies kahle gerüst und spindeldürre memento Th. Mann zauberberg (1926) 288. 5) in unscharfer bildvorstellung: und im süden ragte die grabgestalt des 4000 fusz hohen monte Nanos breit empor Roszmäszler mein leben (1874) 73. —
 
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grabgewand, n. 1) als 'hülle, tuch über einem sarg' nach Jelinek mhd. wb. 328: grabgewant in böhm. urkunden des 15. jhs. 2) das gewand des begrabenen oder zu begrabenden toten:

in sarg und grabgewand
wird sie nun eingelegt
Herder 25, 278 S.;

blut flosz ihm (dem erschlagenen) durch das grabgewand
Hölty ged. (1869) 185;

dann wird ein jeder leichnam von treuen dieners hand
gewaschen und gekleidet in weiszes grabgewand
Uhland ged. (1898) 1, 286;

indem sie selber (die sterbende groszmutter), das ende fühlend, sich ihr dunkles grabgewand anlegte Carossa d. arzt Gion (1931) 126. 3) in der bedeutung 2 bildlich gewendet, besonders in naturhaftem bereich:

sie sinkt, die nacht! sie sinkt auf mohn und flieder,
im grabgewand, von leichenduft umschwebt
Sophie Mereau ged. (1800) 1, 37;

G. Keller ges. w. (1889) 9, 113. anders, die vorstellung 'ende, untergang' umschreibend: die antike kunst ... ging in den byzantinischen teppichstickereien unter. ihre windeln wurden ihr grabgewand L. Bucher bilder aus d. fremde (1862) 1, 308. —
 
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grabgewölbe, n., vereinzelt gräbergewölbe Schubert reise i. d. Morgenland (1838) 1, 502; seit dem späten 17. jh. belegbar. 1) in eigentlichem sinne, grab A 2 b entsprechend, 'gemauertes grab, gebaute, auch wohl natürliche gruft', oft für mehrere särge bestimmt: in etlichen grabgewölben seind über den särgen in die mauer etliche sinbilder gehauen O. Dapper Africa (1671) 93a; in grabgewölber, in brunnen, in unterirrdische hölen Herder 15, 173 S.;

das grabgewölbe klaffte auf, es ächzte
die pforte, die sich lange nicht mehr drehte
Hebbel w. 7, 168 Werner.

vorzüglich von den grabstätten der kaiser, könige oder der vornehmen geschlechter:

graf Otto mit gepräng und pracht
ins grabgewölbe wird gebracht
Stolberg ges. w. (1820) 5, 246;

grosze freskogemälde an den wänden zeigen ..., wie Otto III. den kaiser im grabgewölbe gesehen Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 239; mitten auf diesem unterbau erhebt sich das zweite stockwerk, das eigentliche grabgewölbe, in welchem der sarkophag mit dem leichnam ruhen sollte Herman Grimm Michelangelo (1890) 1, 233. auch von einer gruft im kirchengebäude: im grabgewölbe unter der kapelle O. Ludwig ges. schr. (1891) 3, 726; Storm s. w. (1899) 2, 263. uneigentlich:

doch mag der grosse himmelsbogen
vor diesen held das grabgewölbe seyn
Lohenstein Arminius (1689) 2, 1633a.

im zusammenhang eines vergleichs: das einförmige ewige gerassel des wagens schallte an den steinwänden weit in die stille nacht, als führen wir in ein groszes grabgewölbe hinein Eichendorff s. w. (1864) 3, 47. 2) vereinzelt poetisch für ein gewöhnliches (offenes) erdgrab:

wie's hinein ins grabgewölbe grauset! ...
horch! der sarg versinkt mit dumpflgem geschwanke,
wimmernd schnurrt das todenseil empor!
Schiller 1, 108 G.;

es schien, das grabgewölb wünscht er zu sehen,
das dein (des kurfürsten) gebot ihm (dem prinzen v. Homburg)
dort eröffnen liesz
H. v. Kleist w. 3, 119 E. Schmidt (vgl. dazu 101, v. 1366).

[Bd. 8, Sp. 1612]


3) in bildlicher übertragung:

der ganze erdball scheint ein weites grabgewölbe
Falk satiren (1800) 1, 37;

luft, luft! — hervor aus diesen grabgewölben
der dumpfen wohnung an das wehn der nacht dt. museum (1812) 1, 238 Fr. Schlegel.


 
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grabhaue, f., soviel wie haue teil 4, 2, sp. 573; vgl.grabehaue rutrum Stieler stammb. (1691) 788; grab-hau Aler dict. (1727) 1, 975b; der eine junge trug eine grabhaue Jean Paul w. 48, 347 Hempel.
 
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grabhaus, n., vereinzelt gräberhaus Ritter erdk. (1822) teil 14, 722. ahd. grabehûs, ags. græfhûs Grein-Köhler 273. 1) meist in dem engeren sinne von grab A 2 a—c: ir zimbrit grabir forasagono enti sconit reht uuisigero grapehus qui aedificatis sepulchra prophetarum et ornatis monumenta iustorum Monseer fragm. 18, 8 Hench; das pohlnische kirchel vor Brieg wäre zur zeit des westphälischen friedens nur ein grabhaus gewesen Köhler schles. kernchron. (1710) 571; die dritte (form von grabdenkmalen) ... erbaute grabhäuser mit gewölbdecken Ritter erdk. (1822) teil 19, 401; nach Potsdam fahren und in die friedenskirche gehen, wo kaiser Friedrich zu bauen Fontane ges. w. (1905) I 9, 365. 2) poetisierend liegt, und wo sie jetzt eben anfangen, ihm ein grabhaus für einfaches grab:

nimm mein gebet und diese bange klage,
den willen in dein stilles grabeshaus (an einen verstorbenen)
Herloszsohn scherben (1838) 5.


 
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grabhöhle, f., s. DWB grabeshöhle.
 
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grabholz, n., ein primitives hölzernes gerät zum graben: das gewöhnliche grabholz ist ein 60—65 cm langer, glatter ... stock Steinen naturvölker Zentralbrasiliens (1894) 284.
 
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grabhügel, m. , häufig auch grabeshügel, vereinzelt gräberhügel Denis lieder Sineds (1772) 184. seit der mitte des 17. jhs.
1) der über einem einzelnen erdgrab aufgeworfene hügel, wie er der normalen jüngeren bestattungssitte entspricht; mit deutlich gegenständlicher vorstellung, vgl. DWB grab A 3 a:

so bald Aurora nun beym zügel,
die sonn' einführt vnd eilte fort,
hat man nur einen grabeshügel
gemercket an dem selben orth Königsberger dichterkreis 173 ndr.;

wenn der mensch im grabe liegt, und der grabhügel ihm errichtet ist; so ist sein loosz entschieden Claudius s. w. (1775) 4, 5; an der kirchhofmauer dieses wohlthätigen klosters thürmt sich der grabhügel dieses vortrefflichen mannes Schubart ästhetik (1806) 153; finde ich auch keine lebende mutter mehr, ... so möchte ich doch den grabhügel wissen, unter dem ihr leichnam ruht Brunner erz. u. schr. (1864) 2, 69; die grabhügel der niederen leute werden, wie es scheint, sogar wieder eingeebnet Steub drei sommer in Tirol (1895) 2, 263; der Huber ging nach einem frischaufgeworfenen grabhügel, nahm den hut ab, faltete die hände und betete ein vaterunser Anzengruber ges. w. (1890) 3, 35. grab A 3 b und c entsprechend auf die ausstattung des grabhügels bezogen: der grabeshügel wurde mit rasen belegt Musäus volksmärchen 3, 110 Hempel; auf den schwarzen kreuzen, womit jeder grabhügel bezeichnet war, las ich einige namen J. G. Jacobi s. w. (1807) 1, 194; die sonne schien auf den leeren platz und auf seinen frischen grabhügel, aus dem bereits spitzen von gräsern hervorsahen Stifter s. w. 3 (1911) 114. mit deutlicher verbaler ortsbeziehung: der trauernde, der mit niedergesenktem blick an dem grabhügel seines freundes dasitzt Engel schr. (1801) 8, 327; sie stieg über manchen grabhügel weg, den sie kannte W. Hauff s. w. (1890) 4, 285; sobald ihn die hinterbliebenen nicht mehr sehen konnten, setzte er abkürzend in ein paar sprüngen über verschneite grabhügel und lief bergab Kluge Kortüm (1938) 76. sentenzartig: der grabhügel ist der höchste berg auf erden Raupach dram. w. ernster gattung (1835) 15, 369.

[Bd. 8, Sp. 1613]



2) insofern grabhügel den einzig sichtbaren teil eines grabes bezeichnet, steht das wort gern als pars pro toto für das grab in seiner gesamtheit, wobei das gegenständliche nur noch eine sekundäre rolle spielt: welch ein stilles, einfältiges, starkes genie, das sich an ihm (Ossian) wecke, zu seinem grabhügel wallfahrte und die reste seiner laute sammle Herder 5, 329 S.; wenn ich einst zu euch komme, kan ich nur seinen grabhügel besuchen (1785) Caroline br. 1, 28 Waitz; auch du, William, wirst einst nach mir in den wind seufzen, und meinen grabhügel fragen, ob ich dir ... vergeben habe Tieck schr. (1828) 6, 330;

seelig ihr
betrübten, welche ihr an grabeshügeln um
verlorne weinet
Grabbe w. 1, 52 Bl.


3) in antiker, heroisierter sphäre, auf das grab mythischer helden bezogen: ahndungsvoll wächst auf Eteokles grabhügel ein granatbaum Göthe I 49, 80 W.; an dem grabhügel Hektors Mommsen röm. gesch. (1894) 5, 300. im vergleich: (Herders gedenkschrift für Winckelmann) sei wie ein einsamer grabhügel, dem andenken eines helden heilig Herder 8, 440 S.
4) 'hügelgrab, grab in der form eines hügels', von den vor- und frühgeschichtlichen gräbern dieser art, insbesondere den für einzelne oder mehrere tote bestimmten hünengräbern; meist fremdsprachlichen gebrauchs; vgl. Campe 2 (1808) 437a; Mothes ill. baulex. (1882) 2, 504: dasz an. 1692 in dem fürstlichen köthenischen antheile bey abtragung eines grabhügels bey dem dorfe Wulfen einige todten töpfe gefunden Fleming vollk. soldat (1726) 372; man findet in den preuszischen und anderer völker geschichten keine nachrichten von grabhügeln ganzer familien anmuth. gelehrsamk. 1, 413 Gottsched; mit der zeit fing man an, den vornehmern (Nordgermanen) prächtigere grabhügel aufzuwerfen: man richtete nicht blos grosze ausgehauene steine mit runischen inschriften auf, sondern schlosz auch auszer den steinen, die um basis und spitze herumgingen, das ganze in einen viereckigen platz ein Gerstenberg schlesw. lit.-br. 250 lit.-denkm.; (ich) vermelde, dasz man den Romstädter grabhügel wieder zugeschüttet, um aufs frühjahr die ausgrabung mit etwas mehr methode wieder anzugreifen Göthe IV 24, 168 W.; vgl. 25, 229; in Nordamerika dagegen bestehen sie (baureste) in kegelförmigen grabhügeln Peschel völkerk. (1874) 454; doch wurden auch grosze grabhügel neu errichtet, wie die königsgräber von Upsala, die sich über der verbrennungsstätte der toten erhoben Hoops reallex. (1913) 4, 338.
5) in vergleichend-bildlicher und uneigentlicher anwendung. besonders in der entsprechung zu grab B 1:

unter ihr (der sonne) werden zu staub
alle thronen, moder die himmelaufschimmernden städte;
ach! die erde ist selbst
grabeshügel geworden. sie aber bleibt in der höhe,
lächelt der mörderin zeit
Schiller 1, 215 G.;

H. v. Kleist w. 1, 169 E. Schmidt;

der wogenthurm wird uns zum grabeshügel
E. M. Arndt w. (1892) 4, 279 R.-M.;

gerade unten in der tiefe liegt das alte Vindonissa, der grabhügel einer alten Römerstadt Görres ges. br. (1858) 1, 189. wie unter grab B 2: die ... erinnerungen, die auf dem grabhügel unserer jugendlichen ideale ... aufsprissen, sind ... die blumen, womit die welterfahrung ihre ... opfer bekränzt Brinckmann filosof. ansichten (1806) 324; du ... erfülltest mein inneres so ganz und gar, dasz ich glaubte, du würdest ... aufsteigen aus dem grabhügel verlorner hoffnungen E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 28 Gr. uneigentlich: du süszes grab, deine lippen sind todtenglocken, deine stimme ist mein grabgeläute, deine brust mein grabhügel Büchner nachgel. schr. (1850) 56. —
 
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grabhüter, m., auch grabeshüter. von den bewachern des grabes Christi:

die grabhüter, wie obgemelt,
heuchelten und namen das geldt (von den pharisäern)
Hans Sachs 15, 384 lit. ver.;

[Bd. 8, Sp. 1614]


Schmolck s. trost- u. geistr. schr. (1740) 2, 328. in antiker gräbersymbolik: um einen baum gewunden ist die schlange ... auch grabeshüter Gerhard akad. abhandl. (1866) 2, 35 anm. 2. und sonst: an den vier ecken (eines grabmalentwurfs) ... hüteten vier mächtige gestalten das grab ... die aber (in einem abgeänderten entwurf) nicht mehr grabhüter, sondern sterbende und kämpfende krieger waren Runkel Böcklin-memoiren (1910) 99.

 

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