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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
grabgerät bis grabhaus (Bd. 8, Sp. 1608 bis 1612)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) grabgerät, n., das zum schmuck einer leiche und zur ausstattung eines grabes gehörige: denn er (Christus)

[Bd. 8, Sp. 1609]


verschlinget hie Lazari todt inn seinem leben, vnnd führt jhn ausz seiner höle oder hellen wider ans tagliecht, vnnd heisset die todtes bande aufflösen, vnnd die helle vnd grabgereth vnnd todtendecke wegthun Mathesius trostpred. (1579) M 6a;

bringt her die fackeln und das grabgeräthe,
die tücher bringt, und schmücket reich die bahre
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 339.

für 'grabbeigaben' in engerem sinne: es ist gar so angenehm unterrichtend, wenn sarkophagen, urnen und alle dazu gehörigen leichen- und grabgeräthe in ... columbarien aufgestellt sind Göthe I 34, 1, 78 W.
 
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grabgerät, n., werkzeug zum graben, zu graben, vb.: auch die, auf der brustwehr gepflantzte standart von Francisco Sarmiento, sampt allem schantz- und grab-geräthe zur beute darvon trugen M. Krämer leben u. tapffere thaten (1681) 166; Tubalkain erfand die kunst, das eisen in schippen, und anderes grabgeräthe zu formen Sonnenfels ges. schr. (1783) 2, 260.
 
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grabgerüst, n. 1) katafalk, s. DWB grab A 3 i: grabgerüste catafalco M. Kramer t.-ital. 1 (1700) 553b; Beil technol. wb. (1853) 1, 259. 2) was älteres umschrot (s. d.), 'der hölzerne schrein, womit in manchen gegenden die grabhügel umgeben werden und an dessen seiten geburts- und sterbejahr und tag etc. der darunter begrabenen person, sprüche aus der bibel, der leichentext etc. geschrieben stehen' Campe 2 (1808) 436b: als er näher trat, war seine theuerste Natalie am bunten grabgerüste niedergebrochen angelehnt Jean Paul w. 11/14, 491 Hempel.
 
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grabgesang, m. , vereinzelt grabegesang Herder 27, 161 S.; gräbergesang ders. 5, 278; grabesgesang Alexis ruhe (1852) 1, 72. seit dem 17. jh. belegbar, durchweg wie grablied (s. d.).
1) im leichenzug oder am grabe beim begräbnis angestimmter gesang, so vielleicht schon im frühesten nachweis: grabgesang, todtenlied un chant funebre Hulsius-Ravellus teutsch-frz.-it. (1616) 144a; cantio funebris Steinbach dt. wb. (1734) 2, 777:

sterbeglocken hallen,
und die grabgesänge heben an
Hölty ged. (1869) 60 Halm;

nachdem die gemeinde den gewohnten gottesdienst beendigt und mit einem choral beschlossen, scharte man sich drauszen um das grab, wo die ganze jugend, auszergewöhnlicherweise, einen sorgfältig eingeübten grabgesang mit gemäszigter stimme sang G. Keller ges. w. (1889) 2, 83; vgl. 9, 107.
2) im bereich eigentlichen gebrauchs, aber über 1 hinaus, weicht das wort gelegentlich in andere, nicht immer scharf zu trennende sonderbedeutungen aus, die aus der bindung an die situation des begräbnisses mehr oder minder gelöst sind. deutlicher treten diese gebrauchsweisen bei grablied (s. d.) hervor.
a) besonders 'totenlied' als 'lied auf einen verstorbenen', sowohl im sinne des klagegesangs wie des preisliedes: ein edel hertz, recht muth und sinn, war durch die gabe Christi drinn, wie unser grabegesang klinget Herberger trawerbinden (1617) 4, 264;

nim an (gott) disz sterbelied, nim an den grabgesang
(auf Christi leiden und tod)
Fleming dt. ged. 1, 27 lit. ver.;

grabgesang, todtenlied chant de gloire, gloriosus, illustris, magnificus Widerhold (1669) 179b; Seckendorfs grabgesang der Darthula (d. i. auf Darthula; aus Ossian) Herder 18, 459 S.; derselbe freund ... hörte auch einen trauer- oder grabgesang über das absterben des Tupaya J. G. Forster s. schr. (1843) 2, 366.
b) 'gesang eines sterbenden':

gleich jenen wonnereichen grabgesängen,
womit der süsze tod erklingt in schwänen?
E. M. Arndt w. 4, 37 R.-M.

[Bd. 8, Sp. 1610]


deutlicher unter der voraussetzung von 1:

sin (des nachtwächters) festleed bevt de strat hentlank,
as sung he sülm sin graffgesank
Klaus Groth quickborn (1854) 21.


c) 'düsteres lied, trauergesang':

Orpheus erlöst an Ades thoren
die schattenwelt — minutenlang.
du aber singst in sünderohren
der reue finstern grabgesang
Freiligrath ges. dicht. (1870) 4, 150.


3) im anschlusz an 1 in bildlichem und uneigentlichem gebrauch. meist von einer uneigentlichen bedeutung des grundwortes aus, wobei die nähe zu 1 besonders fühlbar bleibt:

von dem dome schwer und bang
tönt die glocke grabgesang
Schiller 11, 313 G.;

es war ein krachen in nah und ferne, als entwurzle der sturm tausend stämme, und das war der grabgesang des waldes um den todten baum Rosegger schr. (1895) II 10, 371. so auch im vergleich: wie dumpfes glockenläuten, wie grabgesang tönten ihm noch immer die letzten worte Oldenburgs Spielhagen s. w. (1877) 1, 250. mit bildlicher oder uneigentlicher bedeutung des bestimmungswortes. zu grab B:

o komm Immanuel!
in meine kerkerhöhl; ...
mein weihnachtslied ist grabgesang (im kerker gedichtet)
Schubart s. ged. (1825) 1, 90.

zu grab C in dessen allgemeiner bedeutung 'tod, ende, untergang': wälder und winde sangen grabgesang und prophezeihten allem, was da lebt, den unausbleiblichen tod Tieck schr. (1828) 6, 228; es (Kellers dichtung 'der apotheker von Chamounix') ist eine art grabgesang für die Heinesche willkür und polissonnerie (1860) G. Keller br. u. tageb. 2, 504 Ermat.
 
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grabgeschäft, n., die tätigkeit des grabens. 1) zu graben, vb., C 1: das eigentliche grabgeschäft wird (vom präriehund) durch die vorderfüsze besorgt Brehm tierl. (1890) 2, 440 P.-L. 2) übertragen zu graben B 3 b: ich habe mich bestrebt, den tiefen, weiten inhalt, den der dichter in die konkrete person seines Faust ... versenkt hat, herauszugraben. ... liest man mir darüber ... hinweg, ... weil man zum voraus beschlossen hat, solches grabgeschäft als lächerliches unternehmen zu verurtheilen, so mag man das buch nur ganz liegen lassen Vischer altes u. neues (1881) 2, 117.
 
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grabgeschrift, f., n., im 16. und frühen 17. jh. neben grabschrift (s. d.): epitaphium: est suprascriptio lapidum tumulorum: ein grabgeschrift gemma gemm. (1508) i 1d; Henisch (1616) 1722; die latinischen grabgeschrifften, so jnen oder den jren gemacht würden, gebresten hetten, dasz nit, für ein vesten oder strengen, ein wolgeborner vff ein grabstein gehouwen würd Wimpfeling Teutschland C 3a Moscherosch; Padua hat vor alten zeiten Antenorea geheissen von Antenore ..., des ... grabgeschrifft noch zu Padua gezeigt wird Seb. Münster cosmogr. (1550) 220. —
 
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grabgestalt, f., vereinzelt grabesgestalt (s. u.). occasionellen gebrauchs in verschiedenen bedeutungen. 1) die gestalt eines begrabenen toten:

aus dem hügel wo er sitzet,
richtet vor ihm eine blasse
grabgestalt sich auf, ...
wickelt nun das antlitz langsam
aus der weiszen tücher falten
Rückert ges. poet. w. (1867) 3, 20.

2) von menschen, die für das grab, den tod reif sind: übertünchte grabgestalten; elegant wie hölzerne modekupfermodelle und doch vielleicht bald dem tode geweiht Gutzkow ges. w. (1872) 7, 456. 3) grabmalfigur: in St. Stephan zeugen noch die grabgestalten Rudolfs und Katharinas von dem wettstreit des hofes mit Prag Pinder kunst d. ersten bürgerz. (1937) 113. 4) knochengerüst, skelett, als die eine verwesung im grabe überdauernde gestalt des menschen:

[Bd. 8, Sp. 1611]


allein auch er erblickte gerippe ...
weiszer ward das schreckensgefild (die hölle) bis hin, wo kein auge
mehr von einander vermochte die grabgestalten zu sondern
Klopstock s. w. (1854) 3, 30;

er studierte (bei einer röntgendurchleuchtung) die flecke, linien ... im inneren brustraum, während auch sein mitspäher nicht müde wurde, Joachims grabesgestalt und totenbein zu betrachten, dies kahle gerüst und spindeldürre memento Th. Mann zauberberg (1926) 288. 5) in unscharfer bildvorstellung: und im süden ragte die grabgestalt des 4000 fusz hohen monte Nanos breit empor Roszmäszler mein leben (1874) 73. —
 
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grabgewand, n. 1) als 'hülle, tuch über einem sarg' nach Jelinek mhd. wb. 328: grabgewant in böhm. urkunden des 15. jhs. 2) das gewand des begrabenen oder zu begrabenden toten:

in sarg und grabgewand
wird sie nun eingelegt
Herder 25, 278 S.;

blut flosz ihm (dem erschlagenen) durch das grabgewand
Hölty ged. (1869) 185;

dann wird ein jeder leichnam von treuen dieners hand
gewaschen und gekleidet in weiszes grabgewand
Uhland ged. (1898) 1, 286;

indem sie selber (die sterbende groszmutter), das ende fühlend, sich ihr dunkles grabgewand anlegte Carossa d. arzt Gion (1931) 126. 3) in der bedeutung 2 bildlich gewendet, besonders in naturhaftem bereich:

sie sinkt, die nacht! sie sinkt auf mohn und flieder,
im grabgewand, von leichenduft umschwebt
Sophie Mereau ged. (1800) 1, 37;

G. Keller ges. w. (1889) 9, 113. anders, die vorstellung 'ende, untergang' umschreibend: die antike kunst ... ging in den byzantinischen teppichstickereien unter. ihre windeln wurden ihr grabgewand L. Bucher bilder aus d. fremde (1862) 1, 308. —
 
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grabgewölbe, n., vereinzelt gräbergewölbe Schubert reise i. d. Morgenland (1838) 1, 502; seit dem späten 17. jh. belegbar. 1) in eigentlichem sinne, grab A 2 b entsprechend, 'gemauertes grab, gebaute, auch wohl natürliche gruft', oft für mehrere särge bestimmt: in etlichen grabgewölben seind über den särgen in die mauer etliche sinbilder gehauen O. Dapper Africa (1671) 93a; in grabgewölber, in brunnen, in unterirrdische hölen Herder 15, 173 S.;

das grabgewölbe klaffte auf, es ächzte
die pforte, die sich lange nicht mehr drehte
Hebbel w. 7, 168 Werner.

vorzüglich von den grabstätten der kaiser, könige oder der vornehmen geschlechter:

graf Otto mit gepräng und pracht
ins grabgewölbe wird gebracht
Stolberg ges. w. (1820) 5, 246;

grosze freskogemälde an den wänden zeigen ..., wie Otto III. den kaiser im grabgewölbe gesehen Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 6, 239; mitten auf diesem unterbau erhebt sich das zweite stockwerk, das eigentliche grabgewölbe, in welchem der sarkophag mit dem leichnam ruhen sollte Herman Grimm Michelangelo (1890) 1, 233. auch von einer gruft im kirchengebäude: im grabgewölbe unter der kapelle O. Ludwig ges. schr. (1891) 3, 726; Storm s. w. (1899) 2, 263. uneigentlich:

doch mag der grosse himmelsbogen
vor diesen held das grabgewölbe seyn
Lohenstein Arminius (1689) 2, 1633a.

im zusammenhang eines vergleichs: das einförmige ewige gerassel des wagens schallte an den steinwänden weit in die stille nacht, als führen wir in ein groszes grabgewölbe hinein Eichendorff s. w. (1864) 3, 47. 2) vereinzelt poetisch für ein gewöhnliches (offenes) erdgrab:

wie's hinein ins grabgewölbe grauset! ...
horch! der sarg versinkt mit dumpflgem geschwanke,
wimmernd schnurrt das todenseil empor!
Schiller 1, 108 G.;

es schien, das grabgewölb wünscht er zu sehen,
das dein (des kurfürsten) gebot ihm (dem prinzen v. Homburg)
dort eröffnen liesz
H. v. Kleist w. 3, 119 E. Schmidt (vgl. dazu 101, v. 1366).

[Bd. 8, Sp. 1612]


3) in bildlicher übertragung:

der ganze erdball scheint ein weites grabgewölbe
Falk satiren (1800) 1, 37;

luft, luft! — hervor aus diesen grabgewölben
der dumpfen wohnung an das wehn der nacht dt. museum (1812) 1, 238 Fr. Schlegel.


 
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grabhaue, f., soviel wie haue teil 4, 2, sp. 573; vgl.grabehaue rutrum Stieler stammb. (1691) 788; grab-hau Aler dict. (1727) 1, 975b; der eine junge trug eine grabhaue Jean Paul w. 48, 347 Hempel.
 
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grabhaus, n., vereinzelt gräberhaus Ritter erdk. (1822) teil 14, 722. ahd. grabehûs, ags. græfhûs Grein-Köhler 273. 1) meist in dem engeren sinne von grab A 2 a—c: ir zimbrit grabir forasagono enti sconit reht uuisigero grapehus qui aedificatis sepulchra prophetarum et ornatis monumenta iustorum Monseer fragm. 18, 8 Hench; das pohlnische kirchel vor Brieg wäre zur zeit des westphälischen friedens nur ein grabhaus gewesen Köhler schles. kernchron. (1710) 571; die dritte (form von grabdenkmalen) ... erbaute grabhäuser mit gewölbdecken Ritter erdk. (1822) teil 19, 401; nach Potsdam fahren und in die friedenskirche gehen, wo kaiser Friedrich zu bauen Fontane ges. w. (1905) I 9, 365. 2) poetisierend liegt, und wo sie jetzt eben anfangen, ihm ein grabhaus für einfaches grab:

nimm mein gebet und diese bange klage,
den willen in dein stilles grabeshaus (an einen verstorbenen)
Herloszsohn scherben (1838) 5.

 

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