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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
götlein bis gott(e) (Bd. 8, Sp. 1016 bis 1144)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) götlein, n. , ursprünglich obd. diminutivbildung mit (i)lî(n)-suffix zu göte, m. und gote, f. (s. d.).
1) für den männl. (sehr selten) und weibl. paten sowie für den täufling beiderlei geschlechts (bei den älteren lexikographen ist es nicht immer sicher, ob das dim. oder die mask. bzw. fem. personalbildung s. v. götel, m. und götel, f. gemeint ist.): matrina godele (obd./nd. 13./14. jh.) Diefenbach gl. 351c; admater, paterna gttele (obd. 15. jh.) Diefenbach n. gl. 9a; 283a; matrina göttlin, filiolus gottel, filiola götli Ulmer voc. A 3; götlein Zehner

[Bd. 8, Sp. 1017]


nomencl. (1645) 304; göttlein Stieler stammbaum (1691) 686; göttlein, gottlin filiolus, got(t)la (-ö-) filiola hist. bei Schmeller-Fr. bair. 1, 962; götile für den männl., goutile für den weibl. paten und täufling Lexer Kärnten 119; götteli (-e-) nur für den täufling schweiz. id. 2, 527; göttele weibl. pate, täufling Martin-Lienhart elsäss. 1, 247; göttle(in), gedle weibl. pate, täufling beiderlei geschlechts Fischer schwäb. 3, 764. — eine diminutivbildung mit einfachem în-suffix für das patenkind kennt das schweizer.: goti, n. Hotzenköcherle ma. v. Mutten 167.
literarisch vor allem für den täufling: ein knäblein das was sein götlin Pauli schimpf u. ernst 1, 342 Bolte;

seind allgemach so hin gezettelt (getrottet)
all die gfattern sampt dem göttel
Fischart w. 2, 31 Hauffen;

diss stuck schenck ich deinem jungen sohn Conradt, meinem götlin Paracelsus chirurg. bücher u. schr. 781 Huser; sie ... beschenkte das gotteli schön Gotthelf s. w. 14, 275 Hunziker-Bl.
md. tritt -chen-suffix ein: götche, gät(t)che, getche, gôdche, vgl. Crecelius oberhess. 430; Kehrein Nassau 169; rhein. wb. 2, 1311; meist für den weibl. paten und täufling. vgl. auch göttchen s. v. göttlein Stieler stammb. (1691) 686; gödchen Schwan nouv. dict. 1 (1783) 774b s. v. gode: des herrn gevattern von Rothleben 2 kinder zur mesz verehret, als beiden gettichen ... fl. 3 (1643) bei Karl Bräuer studien 2, 108; ich bin beinah alle awend bei meiner fra geetche Malsz bürgercapitain (1821) 32.
2) gelegentlich in anderer bedeutung. überhaupt ein mädchen: mein göttel, da wär viel zu sagen Rosegger nixnutzig volk (1906) 175; gott(c)li 'betschwester' schweiz. id. 2, 525; gottele(in) 'patengeschenk' Fischer schwäb. 3, 765.
 
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götlingsschusz, s. goszlinger.
 
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götscheln, vb., 'plätschern', schallnachahmende bildung, vgl. DWB gautschen, DWB gäutschen 4, teil 4, 1, 1, sp. 1590: stringor ... das blosz vnnd ring anrüren oder anschlahen vnd götschlen desz wassers Frisius dict. (1556) 1247b; susurrare göttschlen wie ein bächle ebda; vgl. wassergötschlen, das lieblich vnd angenm gereüsch eines fliessenden bachs oder wassers Maaler teutsch spr. (1561) 486c; göttschel, götscheln, saussen wie ein bach Harsdörffer poet. trichter (1647) 2, 144; götschelen Kramer t.-ital. 1 (1700) 549b; götschlen 'plätschern, schwach anschlagen, wie aufgerührte flüssigkeit in einem geschirr, kleine wellen am ufer'. auch (transitiv) 'mit wasser spielen, darin plätschern, es schütteln' Staub-Tobler 2, 562; vgl. DWB götschen.
 
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götschen, vb., eine flüssigkeit plätschernd umrühren, vgl. DWB götscheln: nimm vier teil honigs, ein teil meersaltz ... lass es ... erwallen, als denn götsch vnd mischle es in zweyen gschirren vnder einander Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 25b.
 
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gott, m. , deus. herkunft und form.
ahd. cot, got, mhd. got, mnd. got, mnl., nl. god, as. god, ags. god, engl. god, afries. god, an. goð, guð, dän., schwed., norw. gud, got. guþ. das wort kann man geradezu als kennzeichen der germ. sprachen ansehen, wie es schon Jos. Just. Scaliger 1599 tat (Thomsen gesch. d. sprachwissenschaft [1927] 33).
die zahlreichen versuche, das germ. neutr. *guða- mit parallelen bildungen anderer idg. sprachen in verbindung zu bringen bzw. es auf seine idg. wurzel zurückzuführen, haben ein formal zwingendes und bedeutungsmäszig voll befriedigendes ergebnis bis heute nicht gezeitigt. einen überblick über die bisherigen bemühungen gibt Wimmer in: zs. f. kath. theol. 41, 625 ff., vgl. auch Feist et. wb. d. got. spr. 3227 f. zu den heute noch ernsthaft diskutierten deutungsversuchen gehören namentlich jene, die das wort als eine idg. partizipialbildung (mit -tó-) auffassen. am ersten scheint hier rückführung auf die idg. wurzel *ĝhau-'rufen', part. *ĝhu-to- 'angerufen' möglich, so dasz idg. *ĝhu-tó-m als 'das (durch zauberwort) angerufene oder berufene wesen'

[Bd. 8, Sp. 1018]


(so zuerst Osthoff morphol. unters. 4, 84; Bezzenberger beitr. 24, 191 ff.) zu interpretieren wäre, vgl. ai. part. hūtá- 'geladen, angerufen' und puru-hūtá-h 'viel angerufen' als beiname Indras in den Veden. auf den zusammenhang magischer sphäre und zauberischer berufung deuten u. a. lit. žavéti 'zaubern', lett. zavēt 'zaubern', dazu gall. gutuater für eine bestimmte klasse von priestern aus *ghutupətēr 'vater (meister) des anrufs (an gott)', vgl. Walde-Pokorny 1, 529 f.; Pokorny idg. etym. wb. 413; Kluge-Goetze 5275b. — erwähnung verdient noch die verknüpfung von *guða- als 'das, dem geopfert wird' mit der idg. wurzel *ĝheu- 'gieszen' in derim germ. allerdings nicht belegtenanwendung auf das trankopfer (Bury in: Bezzenb. beitr. 7, 99); dagegen ist es nicht angängig, mit Aufrecht in: Bezzenb. beitr. 20, 256 * guða- als 'gegossenes bild' zu fassen.
aus der umfangreichen literatur über die german. gottesbezeichnungen und über die einschmelzung von germ. *guða- in den christlichen gebrauch vgl. an jüngeren darlegungen namentlich M. Cahen le mot Dieu en vieux-scandinave (Paris 1921); G. L. Wiens d. frühchristl. gottesbezeichn. im german.-altdtsch. in: neue forschung nr. 25 (Berlin 1935); E. Luginbühl d. dt. kirchensprache (1936), wiss. beilage z. 80. programm der St.-Gallischen kantonsschule für 1936/37; Jan de Vries altgerman. religionsgesch. 2 (1937) § 137-142; W. Baetke 'guð' in altnord. eidesformeln in: PBB 70, 351-371.
im rückgriff auf das neutr. germ. *guða- (neutr. wie das wort für 'mensch' und 'tier', weil es masculina und feminina zusammenfaszt, s. W. Schulze kl. schr. 221) als bezeichnung des christengottes treffen sich alle germanischen stämme. mit dieser in den dienst der mission tretenden wahl wurde für den religiösen hauptbegriff die bis auf den heutigen tag gültige einheitlichkeit des germanischen sprachgebrauchs begründet. während die einzelphasen der aneignung von *guða- für den christlichen gebrauch im ost- und westgerm. nur in spuren oder gar nicht mehr greifbar sind, erlaubt die relativ junge, über zwei jahrhunderte ausgedehnte bekehrungsgeschichte im anord. sprachraum Skandinaviens beobachtungen, die wohl auch für die anderen germanischen dialekte bedingte gültigkeit besitzen. danach empfahl sich an. goð (guð), n., durch seine unspezifische bedeutung, deren ursprünglicher sinn kaum noch gefühlt wurde, durch seine feste verwurzelung im allgemeinen sprachgebrauch gegenüber seinen nur poetisch verwendeten synonymen und namentlich durch seine fähigkeit, trotz seines vorwiegend pluralischen gebrauchs als singularisches appellativum der bezeichnung einer einzelnen gottheit zu dienen. diese fähigkeit besasz unter den zahlreichen vorchristlich-anord. gottesbezeichnungen, wie den pluralia tantum regin, hopt, bǫnd, fjǫrg, véar u. a. als umschreibungen für die unpersönlich gedachten schicksalsmächte, allenfalls noch der an. pl. tívar 'götter', dessen idg. wurzel *deios sich in ai. dēváḥ, lat. deus namentlich auszergermanisch fortsetzt. er begegnet singularisch als eigenname des höchsten himmelsgottes, später des kriegsgottes an. Týr (vgl. ags. Tīw, ahd. Ziu) und daneben, wie goð, auch als singular. appellativ, jedoch nur in poetischer sprache. eine zu deutlich heidnische färbung mochte seiner aufnahme in den christlichen wortschatz im wege stehen, wie sich weiterhin etwa der göttername der Asen (an. áss, pl. æsir) wohl durch seine bindung an bestimmte kultformen in nordischer spätzeit für den christlichen gebrauch als ungeeignet erwies und die älteren ost- und westgerman. spuren des namens in niedere religiöse sphäre weisen. um das heidnische germ. *guða- in den einzelnen dialekten den christlichen missionszwecken gefügig zu machen, war der gebrauch des wortes als eines maskulinen singulars unerläszlich: nur so vermochte es den einen christlichen gott (in der art eines eigennamens, vgl. den ahd. acc. sg. gotan entsprechend der flexion der eigennamen) zu bezeichnen, und nur so grenzte es ihn von den zunächst weiterhin neutral und vorwiegend pluralisch gebrauchten formen des wortes zur bezeichnung der alten gottheiten eindeutig ab. das ausbleiben der maskulinen nominativendung in got. guþ, m., gen. gudis (geschrieben gþ, gþs,

[Bd. 8, Sp. 1019]


s. PBB 21, 562 ff.; Bezzenb. beitr. 24, 199; dagegen Traube nomina sacra 274), an. god (guð) läszt das ursprünglich neutrale genus ebenso erkennen wie die pluralformen got. guda, ags. godu (neben jüngerem maskul. pl. godas), an. goð, guð. nur in ahd. got, m., pl. gota, selbst der frühesten literarischen zeugnisse, sind die sicher auch hier vorauszusetzenden vorstufen infolge der stürmischen und gegen das heidnisch-religiöse vokabular unduldsamen missionierung nicht mehr erkennbar. erst nach seiner endgültigen christianisierung gibt auch der norden das alte neutrale geschlecht des wortes in den meisten gebieten auf und bildet in aschwed.-anorw. guðir einen maskul. pl. für die heidnischen götter, doch bewahrt das isländ., unter zusätzlicher inanspruchnahme eines wechsels im stammvokal, in goð, n., für den heidnischen gott neben guð, m., für den christlichen das alte neutrum z. t. noch heute. zur lautform:
dem ahd. lautstand entsprechend in den obd. quellen des 8.-10. jhs. vorwiegend mit anlautender tenuis, zunächst cot (Pa, K , Ra) ahd. gl. 1, 98, 2 St.-S.; cot (K) 1, 198, 36; cutum (Pa), cotum (K), cotom (Ra), coto (R) 1, 102, 2 u. ö., dann auf grund orthographischer neuerung kot (9. jh.) kl. ahd. sprachdenkm. 310, 22; 26 Steinm. u. o., nach Jac. Grimm gr. 21, 149 anm. nur zögernd angesichts der heiligkeit des namens. got daneben seit dem 9. jh., jüngeres kot statt got noch bei Notker im rahmen seines anlautgesetzes. mnd. anlautendes gh- für g- in ghod nicht selten, vgl. die nachweise aus mnd. urkunden des 13. und 14. jhs. bei Lasch mnd. gr. § 341, dazu ghodes (15. jh.) Theophilus 44 Petsch.
der stammvokal bewahrt qualitativ und quantitativ durchgehende festigkeit. die in obd. hss. des 12. jhs. nicht ganz seltene schreibung gôt (z. b. Benediktbeur. gl. u. beichte III 43; 104; 137 Steinmeyer; dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 138, 27 Diemer) deutet nicht auf dehnung des stammsilbenvokals, für die sonst keinerlei anzeichen vorliegen, sondern auf betonte kürze, vgl. Paul Sievers d. accente in ahd. u. as. hss. 39; 126. — die ahd. für abgot bezeugten -u-formen des plurals scheinen got nicht berührt zu haben; ein vereinzeltes cutum diuum (Pa) ahd. gl. 1, 103, 2 St.-S. ist wohl schreibfehler für cotum, s. PBB 67, 432. dagegen begegnet jünger im fränk. -u- statt -o- im stammvokal trotz Franck altfränk. gr. § 21, 5 gelegentlich auch bei got, vgl. DWB gut Williram 19, 3 var. der Trierer hs. nach PBB 67, 432, guth (: geboth) Rother 516 Frings (gut v. Bahder; guth de Vries). — der mnd. übergang von o zu a erscheint bei got, in den flektierten formen des wortes, vereinzelt schon im späten 14. jh., häufig seit dem 15. jh., vgl. die nachweise bei Lasch mnd. gr. § 89 und PBB 7, 50 f.; für spätere zeit gade (1544) bei Haltaus gl. 734; gadesz (Hamburg 1553) bei Schirmer kaufmannsspr. 118; gades Rotmann restitution 82 ndr. u. ö., s. auch unten jüngere nd. formen.
zur lautform und schreibung des dentals: über das verhältnis der westmd.-fränk. formen mit d statt t in ahd. zeit s. Braune ahd. gr. § 163 anm. 1, dazu noch godes heilegon (rhfrk. 10. jh.) kl. ahd. sprachdenkm. 329, 1 Steinmeyer. das gleiche gebiet hält bis tief ins mhd. inlautend weithin an den -d-formen fest, vgl. z. b. godis sun Annolied 52b Roediger; 583; 852 u. ö.; godes gewalt Upsalaer sündenkl. 9 Waag; godes Arnsteiner Marienleich 7 Waag u. o.; godes frunt hl. Elisabeth 2838 Rieger; 5600; di engele godis parad. anime 11, 11 Strauch; ferner godes licham (14. jh.) bei Uhland volksl. 639; vgl. 638; godis lichnam (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 212a; vereinzelt in einer unsicherheit verratenden schreibung: mit gotdes craft mittelfränk. bruchstücke 20 Kraus; daneben auch die sonst im auslaut (s. u.) begegnende schreibung -th-: zo gothe Rother 378 Frings; gothis 1201. auslautend herrscht, auch im westl. md., -t vor, doch zeigt sich, wie im ahd. (s. Braune a. a. o.), so auch später noch vereinzelt -d: god (westmd. 13. jh.) ahd. gl. 3, 379, 50 St.-S.; god grusz dich (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 509b. häufiger begegnet mhd., vornehmlich westmd., aber auch sonst -th statt -t im auslaut: goth dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 380, 22 Diemer (hs. österr.

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12. jh.) neben sonstigem got der gleichen quelle; goth Williram 19, 3 Seem., var. d. Ebersberger hs.; goth Rother 285 Frings; 360; guth 516 neben häufigerem got 1002; 1061; 1236 u. ö.; goth mittelfränk. legendar H 178 Kraus; goth (westmd. 13. jh.) ahd. gl. 3, 390, 1 St.-S.; jünger goth (schles. ? 1420) Diefenbach gl. 323a. in noch späterer zeit steht die schreibung vereinzelt bei Luther: unsern goth 9, 127 W.; gothe (dat. sg.) ebda.im mnd. gilt inlautend -d- statt hd. -t- fast ausnahmslos, einfach (godes, gode) oder geminiert, vgl. gotdes (Halberstadt 1377) bei Lasch mnd. gr. § 306, goddis (Hildesheim 1394; Quedlinburg 1403) in: PBB 7, 66 und jüngeres leider goddes Schottel friedenssieg 45 ndr., während ein gotes (Anhalt) bei Lasch a. a. o. § 313, gottes (Dortmund 1459) in: PBB 7, 73 isoliert stehen. im auslaut herrscht -t vor, auch -dt geschrieben: godt (Homb. 1314) in: PBB 7, 73; Tappius adag. (1545) a 4b (im unterschied zu mnl. nl. god, das bei diesem wort die sonst auch hier geltende auslautsverhärtung nicht durchführt, wozu Jac. Grimm gr. 21, 412 anm.). die gelegentliche mnd. schreibung god (11. jh. Werden) ahd. gl. 1, 789, 58 St.-S.; (Braunschw. 1345) bei Lasch a. a. o. § 305; (1412) bei Pardessus coll. de lois marit. 2, 458 u. ö. hat als etymologische zu gelten.
die schreibung des wortes mit einfacher konsonanz (-t statt heutigem -tt) gilt ahd. fast ausnahmslos, nur singulär cotto deorum (K) neben coto (Pa, Ra) ahd. gl. 1, 103, 3 St.-S. und neben cotum diuum (K) ebda 2, ferner (10. jh.) be gotta ebda 5, 518, 16, be gott 520, 6. auch im mhd. gilt einfacher dental, wie ihn die normalisierten texte durchgehend setzen. die vom 13.-16. jh. herrschenden übergangsverhältnisse scheinen folgendes bild zu bieten, wobei freilich das berücksichtigte material angesichts der uferlosen häufigkeit des wortgebrauchs kaum mehr als den wert einer stichprobe beanspruchen kann: gelegentlich bringen schon hss. des 13., verstärkt solche des 14. jhs., schreibungen mit -tt-, in den flektierten formen sehr viel häufiger als in den unflektierten oder apokopierten, immer aber neben der alten schreibung mit einfachem dental, die vorherrschend bleibt; vgl. etwa an frühen beispielen osterspiel von Muri (hs. anfang des 13. jhs.) in: Germ. 8, 289: gottes; 297: gotte (acc. pl.) neben got 287; 293; in der Wernigeroder hs. der weltchronik des Rudolf v. Ems (um 1300): gotte (dat. sg.) 11 659 Ehrism.; 11 666; gotte (n. pl.) 3241 neben gotis 11 661; 11 667 u. ö.; göte 3209; 3224 u. ö. unterschiedliche behandlung flektierter und unflektierter formen scheint in manchen hss. des späten 13. und des 14. jhs. bereits konsequent durchgeführt zu sein, so im Wasserburgischen kodex des Willehalm von Rudolf v. Ems (ende des 13. jhs.): gotte (dat. sg.) 608 Ehrism.; gottes 985; 2137; 2141; 3450 u. o. neben got 196; 354; 585 u. o., vgl. in engster nachbarschaft: got und gottes gebot 11 882; ähnlich liegen die dinge in der hs. A (1387) des St. Georgener pred., vgl.: ze gotte und in got 287 R.; in gotte und got in aller creature 185 sowie in den hss. der Tauler predigten des 14. jhs., vgl. die Vettersche ausgabe, doppelkonsonanz im wortauslaut darf für das 14. jh. wohl noch als ungewöhnlich gelten, doch vgl. Hartmann v. Aue armer Heinr. nach d. Straszburger hs. (14. jh.): gott 145 Gierach; 914; 925; 1317 neben got 254; 352; 384; 458; 608 u. ö.; Heinrich v. Neustadt Apollonius (hs. 14. jh.) sammer gott 10 254 Singer; gott 10 353 neben got 10 317; 10 350; 10 277 u. ö. im 15. jh. wird die vorherrschaft der schreibung mit einfachem -t, auch in den flektierten formen, noch nicht gebrochen. erst im 16. jh. kehrt sich das verhältnis eindeutig um. Luther schreibt in seiner bibel nur gott und gottes, gotte, götter, läszt aber sonst gelegentlich die alte schreibung gelten, vgl. etwa got 14, 443 W.; got geb 10, 3, 403; zu gote 1, 200; gotes volck 34, 1, 431; ähnliches gilt für H. Sachs, Murner u. a. innerhalb der für die doppelschreibung anfälligeren flektierten formen bewahrt einfaches -t- zähere dauer in den genitivischen kurzformen gots und gotz, vgl. z. b. gots urtayl Luther 10, 3, 187 W.; gotz fluch Zimmer. chron. 23, 123 B.; gotz Custos itinerar. (1600) c 1a. die alte schreibung begegnet noch im 17. jh.: hinter got Eyering prov. copia (1601) 2, 225; in gots furcht Petri d. Teutschen weiszh. (1605)

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g 8a. Weckherlin hat zwar durchgehend gottes, götter, aber stets got, auch in den späten drucken von 1641 u. 1648, vgl.got 1, 390 Fischer neben gottes seegen ebda; mein got 2, 33 neben gottes lob ebda. Rachel satyr. ged. setzt, vielleicht unter mundartlich nd. einflusz, got 50; 63; 75; 78; 82 u. ö. und gott 50; 119; 123 u. ö. in ständigem wechsel. spätere fälle wie um goteswillen Friedrich d. Gr. br. an Fredersdorf 199 Richter; du got der donner Klopstock oden 1, 10 M.-P. (fassung v. j. 1747; dafür 1767: gott) haben als regelwidrige verstösze zu gelten.
lautformen des wortes in der flexion:
im mnd. gelegentlich formen mit angehängtem -e im nom. (und acc., s. u.) sg., vgl. DWB gode, godde s. v. got Schiller-Lübben 2, 135. vielleicht von hier aus ein ganz vereinzeltes min gote (: gebote) väterbuch 9680 R. in angrenzendem md. gebiet.
der gen. sg. lautet spätahd., auch obd., gelegentlich gotis: gotis mageden (11.-12. jh.) kl. ahd. sprachdenkm. 336, 7 Steinm.; (12. jh.) 358, 45; 46; 47 u. o., dazu Braune ahd. gr. § 60. später, und noch bis ins ältere nhd., ist er als gotis, godis im md. reich bezeugt, oft noch in den früheren schriften Luthers, s. Diez Lutherwb. 149a. sporadisch dringen diese formen auch in die grenzgebiete des mnd. ein, s. die nachweise in PBB 7, 65 f.die zumal in der abhängigkeit von einem substantiv älternhd. äuszerst verbreitete synkopierte kurzform des genitivs scheint mhd. (obd.) um die wende vom 13. zum 14. jh. aufzukommen, zunächst wohl als metrisch bedingte form der gebundenen rede, z. b.:

gots heilikeit uf allen wegen
Rudolf v. Ems weltchron. 9869 (hs. um 1300) Ehrism.; vgl. 15 289,

gegen:

swa du gotis heilikeit ebda 15 258; vgl. 15 261.

schon im 14. jh. auch in ungebundener rede, vgl. gotz werk 213, 8; barmherzkeit gotz 219, 27 u. o. ganz überwiegend neben fällen wie den wunden gottes Tauler pred. 173, 9 Vetter (Engelberger hs., mitte d. 14. jhs.; in den Straszburger hss. [2. hälfte d. 14. jhs.] scheint das häufigkeitsverhältnis umgekehrt). im 15. und 16. jh. häufen sich die fälle auszerordentlich, zumal in den festen genitivverbindungen der fluch- und beteuerungsformeln (s. u. I J 5), in der schreibung gotz, auch gocz ([15. jh.] bei Brenner Bayerns maa. 2, 384; 439; [15. jh. obd.] Diefenbach n. gl. 127b; 300b; gocz marter [aus obd. gefärbter vorlage] bei Luther 34, 2, 90 W.) neben gots, gotts. Luther bedient sich der kurzform nicht selten, vgl. (bis 1528) Diez Lutherwb. 149a. auch das mnd. hat gelegentlich gods, gots Lasch mnd. gr. § 363 anm. 1; in der leefte godz J. Veghe 9, 18 Jostes. im jüngeren nhd. beschränkt sich die im ganzen seltene anwendung der genitivischen kurzform auf die auch in älterem gebrauch (und in der mundart, s. Fischer schwäb. 3, 763; Schmeller-Fr. bair. 1, 959) bevorzugte stellung vor dem beziehungswort: ein gotts lohn Wieland bei Merck 1, 83; gotts lohn! A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 306; gotts wunder! Eichendorff s. w. (1864) 1, 249; 4, 484; gotts tannenbaum! Heer könig d. Bernina (1904) 11.
ein ahd. dat. sg. auf -a bei got nur vereinzelt: goda endi mi de Heinrico 13 Steinmeyer. über die möglichkeit eines ahd. dat. sg. goto vgl. MSD 2, 449 und gkoto liebosta Georgslied 4 Steinm. (text d. hs.); demo almahtigen goto Benediktbeur. gl. u. beichte II 19 Steinmeyer; 24; 34. — schwund des -e der dativendung, sofern es sich nicht um blosze elision handelt (wie schon Otfrid an Ludw. 32; II 12, 10), ist bei got obd. bereits gegen ende des 11. jhs. und im 12. jh. nicht selten: demo almahtigen got Benediktbeur. gl. u. beichte II 21 Steinmeyer neben gote ebda 1; 11; 16 und goto 19; 24; got (dat. sg.) Wessobr. gl. u. beichte II 31 Steinm. neben uone gote ebda 53; got (dat. sg.) Benediktbeur. gl. u. beichte III 43; 58; 61; 65; 69; 74 Steinm. neben gote ebda 54; ähnlich die hochzeit 52; 345; 412; 515; 519; 707; 805 Waag neben einmal gote ebda 364 usw., doch hat die volle form gote im mhd. noch als die normale zu gelten.

[Bd. 8, Sp. 1022]


im frühnhd. setzt sich die endungslose form mehr und mehr durch, bei Luther hat sie in der bibel und auch sonst bereits das übergewicht. gotte bleibt aber auch in jüngerem gebrauch noch möglich, und zwar nicht nur aus metrischen rücksichten in gebundener rede oder (so Paul dt. gramm. 2, 8) in auszermonotheistischer anwendung, vgl. z. b.: dem grundgütigen gotte J. Prätorius philos. colus (1662) 21; stünde es darum gotte minder frey Lessing 13, 420 L.-M.; der groszen urquelle ... nämlich gotte E. M. Arndt schr. f. u. an s. lb. Deutschen (1845) 2, 346; (auch die mundart kennt gelegentlich noch die vollform des dativs, vgl. pa gotte, kighen gotte Schmeller cimbr. 125; med gode! Woeste westfäl. 82a).
ein ahd. acc. sg. cotan deum (8. jh.) ahd. gl. 1, 732, 53 St.-S.; vgl. 731, 60; 734, 27; Benediktinerregel in: kl. ahd. sprachdenkm. 200, 4; 211, 1; 205, 13 Steinm. u. ö. bezeugt, dasz das wort als eigenname behandelt wurde, vgl. M. Cahen le mot Dieu 37. in dem mnl. acc. gode (neben god) lebt diese form weiter, s. Franck mnl. gr. § 178, 5; Verwijs-Verdam 2, 2005; sie findet sich auch im mnd., vgl. die nachweise gode, godde, gadde s. v. got bei Schiller-Lübben 2, 135b und: de gode vorlevet (d. i. 'wer Christus überlebt') Tunnicius sprichw. nr. 351. von da aus scheint sie vereinzelt ins md. zu dringen: durch gote väterbuch 23 310 Reiss.; 25 303; ich bite gote ebda 23 272.
euphemistische verhüllungen und entstellungen des wortes gott im singular wie gocks, potz, kotz, goll, göll u. ä. s. u. I J 1 b β; 4 b und bes. 5.
der heute allein gültige plural götter steht am ende einer langen, mehrsträngigen entwicklung. wie das wort in der gesamten ahd. überlieferung von seinem ursprünglich neutralen geschlecht nichts bewahrt hat, so steht hier von vornherein den alten neutralen pluralformen got. guda, an. goð, ags. godu nur ein maskuliner plural gota gegenüber. zunächst lediglich in den fränkischen quellen des Isidor (13, 20; 21, 8 H.), des Weissenb. katechism. (72; 77 Steinmeyer), des Otfrid (III 22, 49) und des Tatian (134, 8) und nur in der bezeichnung der drei personen der trinität oder im anschlusz an Joh. 10, 34 f. (ps. 82, 6), erst seit Notker auch im obd., und in der anwendung auf heidnische gottheiten, z. b. gota Notker 1, 190, 13 P.; 247, 27; 248, 2; 697, 13; 714, 24; 2, 569, 11 u. ö. die beschränkung auf maskul. pluralbildung gilt auch für die ahd. komposita mit -got als zweitem kompositionsglied bis auf die von der bedeutung her nur bedingt als ausnahmen gültigen beiden glossen helligot für manes: (11. jh.) ahd. gl. 2, 653, 74 St.-S.; (11.-12. jh.) 4, 205, 10, s. PBB 67, 420 f., während die auffassung des irmingot Hildebrandsl. 30 Steinm. als neutr. n. pl. nur eine der vielen verschiedenen möglichkeiten bleibt, s. a. a. o. 423 f. das mhd. hält an diesem alten, unerweiterten plural als normaler und vorwiegend gebrauchter bildung fest, wobei sich freilich neben den n., acc. pl. gote, später auch gotte der maskul. a-klasse nach der mitte des 13. jhs. als göte, später auch götte ein plural der i-klasse stellt, vgl. z. b. göte Konrad v. Würzburg Silvester 322; 349; 1407; 2122; 2125 u. ö. Gereke (hs. 13. jh.); troj. krieg 17 632; 20 442 u. ö.; Rudolf v. Ems weltchron. 3209; 3224 (:gebote) Ehrism. (hs. um 1300). er scheint (bes. apokopiert, s. u.) im 15. jh. sogar die häufigste form zu sein und ist noch im 16. jh. unter den verschiedenen möglichkeiten die stärkste konkurrenzform. md. gelegentlich sind formen mit -d-, mnd. regelgerecht solche mit -d- oder -dd-: gode parad. anime 16, 25 Strauch; (nd. 14. jh.) städtechron. 1, 119; goden (d. pl.) (Köln 1499) ebda 13, 455; godde (nd. 1417) Diefenbach n. gl. 83b; gödde (nd. 1417) ebda 153a. neben gote wie göte stehen die apokopierten formen got und göt, gött, vgl. schon: vrmde got dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 158, 12 Diemer; ferner z. b. drî got Wolfram Willehalm 291, 21. weit häufiger göt, gött, besonders im 15. jh. und in der ersten hälfte des 16. jhs. im bildungsbereich all dieser formen zeigt der gen. pl. frühnhd. vereinzelt apokope: unser gött gefallen Arigo decameron 629 lit. ver.; der irdischen gött N. Manuel in: schweiz. id. 2, 507, und, dies schon mhd. (vgl. Weinhold mhd. gr. § 449), gelegentlichen übertritt in die schw. deklination: der götten Boner edelstein

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22, 21 Pf.; Niclas v. Wyle translat. 19; 28; 32; 226 K.; Sim. Grunau preusz. chron. 1, 3 Perlbach, der vereinzelt sogar auf den acc. pl. überzugreifen scheint: die weisen götten Fischart w. 1, 359 Hauffen.
noch in der zweiten hälfte des 16. jhs. fehlt es nicht an bezeugungen der alten pluralformen, bes. im schweizer. und in literarischen quellen des ostnd. raumes: gött (acc. pl.) (1560) in: schweiz. id. 2, 507; gött (n. pl.) (1587) ebda; jre götte Hennenberger beschreibg. d. landes zu Preussen (1584) 6a; die götte derselbe, preusz. landtaffel (1595) 14b; David preusz. chron. 1, 91. im übrigen tritt mit dem 17. jh. der jüngere plural götter die alleinherrschaft an. seine früheste bezeugung fällt in die erste hälfte des 12. jhs.: unsir gotir Milst. gen. 120, 11 Diemer (Wiener hs. dafür gote 86, 21); in den goteren Egipti ebda 153, 22. diese im 12. jh. noch ganz isolierten, im 13. jh. etwas zahlreicheren formen bezeugen den einflusz des ahd. neutr. abgot, das neben seinem im 9. jh. und vielfach später bezeugten neutr. a-plural abgot gleichzeitig (und auch später noch) in abgutir (Ja) ahd. gl. 2, 340, 8 St.-S. einen neutr. -er-plural aufweist. ein maskul. pl. abgota ist relativ jung (11. jh.) und nur durch unmittelbare gegenüberstellung zu gota hervorgerufen, vgl. im einzelnen hierzu und zum folgenden E. Karg-Gasterstädt got und abgot in: PBB 76, 420-433; dazu Gürtler z. gesch. d. dt. -er-plurale in: PBB 37, 412 ff.; 38, 67 ff.: für gott bes. 38, 132 f. sowenig das ahd. neutr. abgot als wahrscheinliche entlehnung aus dem got. adj. afgups seiner bildung nach zum substantiv got zu gehören scheint, so konnte es in jüngerer zeit den übertritt des maskul. pl. gote in den bildungsmäszig neutralen -er-plural immerhin vermitteln, zumal für abgot ein nebeneinander beider genera bis tief ins mhd. und ein mischgebrauch der alten -er-plurale und der für got ursprünglichen a- und i-plurale bei abgot bis in das frühe 16. jh. hinein (so bei Zwingli, Nazarei und vereinzelt bei Luther) möglich blieb, vgl. die nachweise in PBB 38, 132. gleichwohl bleibt im ganzen mhd. und noch im 15. jh. der neue pl. götter (und oft ohne umlautbezeichnung gotter) hinter den alten formen zurück, übrigens ohne dasz von der bedeutung her, etwa in einer unterscheidung götter = 'götzenbilder, abgötter' und göte = 'götter allgemein' die wahl der formen bestimmt zu sein scheint. nur ein spätfall deutet in diese richtung: die heiden an iren göttern, die doch nit gött sind (1587) in: schweiz. id. 2, 507. bemerkenswert aber, und wohl nur aus der analogie zu mhd. daz abgot, pl. diu abgot erklärbar, sind einige mhd. fälle, in denen der seiner bildung nach neutrale pl. göter auch grammatisch neutrales geschlecht anzunehmen scheint, vgl.: die (Apollo und Mahmet) sint diu göter mîn Ortnit 271, 3 Amelung (freilich neben al dîn göter 273, 4); al diu göter br. Philipp Marienleben 3403 Rückert. übertritt in schw. deklinationsform n ist beim pl götter nur vereinzelt und spät bezeugt: der grossen göttern Weckherlin 2, 323 Fischer. im d. pl. gelegentlicher abwurf der endung: von diesen götter (St. Gallen 1324) in: PBB 37, 541. jünger erscheint manchmal pleonastisches -e- in der dativendung: götteren Pauli schimpf u. ernst (1522) nr. 288; Spreng Ilias (1610) 69; 74.
für die vielfalt der pluralformen, hinsichtlich der bildung wie der lautform, ist im mhd. häufiger promiscue-gebrauch bezeichnend. so im nebeneinander umgelauteter und unumgelauteter formen: göte Rudolf v. Ems weltchron. 3209; 3224 Ehrism. neben gotte 3241, gote 3203; in zs. f. dt. alt. 1, 129 goter neben göter ebda; götter d. gr. Alexander 389; 454 Guth, göter 1429 u. o. neben gotern 1199; goter 2167, gottern 4318 (hs. v. j. 1397 mit einer für got sonst noch seltenen beschränkung auf den -er-plural). aber auch im nebeneinander der alten und der jüngeren pluralbildungen: goten (d. pl.) Ottokar österr. reimchron. 46 992; 47 885 u. ö. neben gotern 46 648, goter (n. pl.) 19 309; gote br. Philipp Marienleben 3383; 3459 u. ö. neben göter 3340; 3344; 3403. gleiches, wenn auch schon seltener, begegnet im 15. und 16. jh.: göt Steinhöwel Äsop 41 lit. ver., götten (d. pl.) 40 neben götter 75; gött Nazarei v. alten u. neuen gott 6 ndr., götten (d. pl.) 4 neben götter 4; 6; 7 u. ö., götten (d. pl.) Pauli schimpf u. ernst

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(1522) nr. 288 neben götteren ebda. noch Luther schwankt, zumindest bis etwa 1530, stark zwischen alter und jüngerer bildung, auch zwischen umgelauteten und umlautlosen formen. die bibel von 1545 hat nur noch götter, in früheren ausgaben begegnet daneben der n. pl. gotte: richter 10, 16 (Zerbst r hs. 1523) in: bibel 1, 8 W.; häufiger der d. pl. gotten: richter 10, 6 ebda 7; 10, 8 ebda 8; 2. Mose 12, 12 (varr. 1523-24) Bindseil; götten 2. Mose 12, 12 (varr. 1525-26) Bindseil; der n. pl. gotter: richter 10, 14 (Zerbster hs. 1523) in: bibel 1, 8 W.; s. auch Franke schriftspr. Luthers 2, 227. auszerhalb der bibel findet sich vereinzelt der n. pl. gotte: (1522) 10, 1, 1, 100 W. (jüngere varr.: gotter [1525]; götter [1530 ff.]); etwas häufiger gotter: (1530) 30, 2, 607; (1531) 34, 1, 499 W.
in den mundarten neigt der anlaut des wortes in teilen des westobd. zur tenuis, vgl. DWB kot Martin-Lienhart elsäss. 1, 244a; Meisinger Rappenau 75b; Lenz Handschuhsh. 28, in mittleren gebieten des md. und nd. zur halbvokalis: jott Jecht Mansfeld 44a; Trachsel Berlin 26. der stammvokal ist vorwiegend das hochsprachliche offene kurze -o-, zeigt aber daneben beträchtliche schwankungen, besonders im omd. und im nd.: dehnung in gôt Weinhold schles. 28; (Gradlitz) Knothe Nordböhm. 261, vokalsenkung zu -u- in gutt (Erzgebirge) Müller-Fraureuth obersächs. 1, 431a; gud Gerbet Vogtland 91 und vereinzelt nd. gud (in ausrufen) Mensing schlesw.-holst. 2, 440, diphthongierung in gout (Gabersdorf) Knothe Nordböhm. 261; gaut (schles. Niederland) in: zs. f. dt. phil. 3, 347, nd. in guot Bauer-Collitz Waldeck 42 und nordfries. guad (1749) in: PBB 45, 45, gûod (neben got als hd. lehnwort) Jensen nordfries. 167. den mnd. übergang von o zu a zeigen auch jüngere nd. formen: gatt Strodtmann Osnabrück (1756) 75; um gades willen Dähnert plattdt. wb. 156b. der auslautende dental erscheint md. oft, nd. fast immer als -d. vom plural des wortes macht die mundart begreiflicherweise nur spärlichen gebrauch. reste der alten pluralbildung: saint da mearar gott? hundart gotte Schmeller cimbr. 125; wiə vil sán' god? Schmeller-Fr. bair. 1, 959. im übrigen hat das obd. wie das md. götter: Fischer schwäb. 2, 763; gettar Bühler Davos 4, 56; geder rhein. wb. 2, 1313; gätter Müller-Fraureuth obersächs. 1, 431a. das nd. verzeichnet, soweit überhaupt, den plural goden (wie nl. goden) Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 654; nordfries. godden Schmidt-Petersen 52b. bedeutung und gebrauch.
der hauptanwendungsbereich des wortes gott ist der christliche (I). in seiner allgemeinen gültigkeit ist das wort hier, auszer in der frühzeit (s. u.), von keiner der sonst möglichen benennungen und umschreibungen ernsthaft angetastet worden. so festgelegt es aber gerade hier in den grundlinien seiner bedeutung ist und bleibt, so einzigartig ist die kraft, mit der sein begriffliches gewicht sich in der sprache niederschlägt. spürbar wird die kraft dieses wortes nicht nur in der fast unvergleichbaren häufigkeit seiner anwendung, der auch ein rückgang in jüngerer zeit (s. PBB 67, 420) keinen fühlbaren eintrag zu tun vermag, sondern eindrücklicher noch in der unübersehbaren fülle seiner sprachlichen bindungen, verknüpfungen und beziehungen sowie in der gewalt, mit der es den ganzen raum der sp ache auf allen stufen und in allen schichten jederzeit durchdringt. dabei hat der kaum übersehbare bestand geprägten formelgutes, besonders in älterer zeit, weithin als christlichabendländischer gemeinbesitz zu gelten, dem kirchliche sprachpraxis und ihre ausstrahlung in den literarischen raum die allgemeine verbreitung sichern. erst in der lösung aus dem festen gefüge seiner christlich-dogmatischen voraussetzungen und in der begrifflichen verflüchtigung (II) erlahmt die kraft des wortes hinsichtlich der vielfalt seiner sprachlichen beziehungen. aber noch in der anwendung auf gottheiten anderer religionen und im vergleichenden oder vermenschlichenden gebrauch (III) tritt neben das eigenständige dieses bereichs vielfach das geprägte gut christlichen sprachbrauchs.

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zur frühgeschichte des wortes im ahd., seiner reichweite und seiner begrenzung durch synonyme vgl. K. Guntermann herrschaftl. u. genossenschaftl. termini i. d. geistl. epik d. Westgermanen (diss. Kiel 1910); G. Ehrismann d. wörter für 'herr' im ahd. in: zs. f. dt. wortf. 7, 173-202; E. Luginbühl stud. zu Notkers übersetz.-kunst (diss. Zürich 1933) 15 ff.; 111 ff.; G. L. Wiens a. a. o., s. ob. sp. 1018; Th. Frings antike u. christent. a. d. wiege d. dt. spr. (1949) 22 ff.: bereits im ältesten deutschen schrifttum ist got die genaue entsprechung des gr. () θεό, lat. Deus im biblisch-monotheistischen sinne. feste beiwörter wie waltant, alwaltant, almahtîg, die schon durch das omnipotens des apostolikums nahegelegt waren, und komposita wie irmingot (Hild. 30) und as. thiodgod (Heliand 285; 789 u. ö.) suchten nicht nur einer verwechslung mit den alten gottheiten vorzubeugen, sondern unterstrichen gleichzeitig den umfassenden, jenseitig überweltlichen charakter des begriffs, gleichsam seine objektive seite. für die intimeren, unmittelbar persönlichen beziehungen zwischen mensch und gott jedoch blieb innerhalb der verwendung des ahd. wortes got ein raum ausgespart, der in der wiedergabe des lat. dominus (deus) die ganze frühzeit hindurch weniger von got (so aber z. t. im Tatian, vgl. 2, 3; 3, 9; 6, 1; 7, 2 u. ö.) als von der wörtergruppe frô, truhtîn und hêrro ausgefüllt wurde, die zugleich der benennung Christi diente (got in prägnanter verwendung für Christus blieb ausnahme, s. u. I B 3). frô 'herr' freilich, das in got. frauja, ags. fréa, as. frôho, frao, frô den dominus deus als den religiösen herrn bezeichnete, begegnet im ahd. nur noch für den weltlichen herrn und verrät lediglich in der verwendung der adj. frôno, frônisg den alten geistlichen gebrauch. um so entschiedener tritt das gemeinwestgerm. wort für den herrn der gefolgschaft, ahd. truhtîn (wie ags. dryhten), in den religiösen bezirk hinüber, wo es bis zur wende des 10. und 11. jhs. neben got seinen selbständigen anwendungsbereich als gottesbezeichnung behauptet, vor allem auch in der anrede gilt und epitheta wie guot, liob an sich zieht, die neben got ungebräuchlich sind. nur zögernd dringt anfangs ahd. hêrro aus der weltlichen in die religiöse sphäre ein, im unterschied übrigens zum as., das in Heliand und genesis mit frô, drohtin und hêrro gleichermaszen die göttlichen personen benennt; erst Notker setzt es in steigendem masze als bezeichnung gottes, indem er gleichzeitig das alte truhtîn zurückdrängt, das in seiner nachfolge mehr und mehr auf den individuellen gebrauch als eines göttlichen eigennamens eingeschränkt wird und sich in dieser verwendung noch bis ins höfische zu halten vermag. in der verdrängung des truhtîn durch hêrro, das von da ab mit gott als der jetzt den ganzen vorstellungsbereich beherrschenden und die fülle möglicher beziehungen umfassenden gottes- bezeichnung im gemeinschafts- und wechselverhältnis bleibt (s. u. I A 6 a), spiegelt sich der übergang aus dem germanischen gefolgschaftswesen in den mittelalterlichen lehnsstaat wider.
I. gott als der biblische gott der jüdischen bzw. der christlich gedeuteten alttestamentlichen und der christlich-neutestamentlichen offenbarungsreligion, für hebr. und im sinne eines appellativs wie für die als eigenname gebrauchte bezeichnung , für gr. () θεός (z. gebrauch bzw. nichtgebrauch des artikels im neuen testament und bereits in der klass, gräcität vgl. Kittel theol. wb. z. n. t. 3, 93), für lat. Deus der vu gata. gott ist name des höchsten, allmächtigen, personhaft gedachten wesens, das die welt geschaffen hat, regiert, erhält und erlöst. in der prägnanten verwendung entspricht dabei gott durchweg der ersten person der trinität, doch kann von den voraussetzungen des trinitarischen und christologischen dogmas aus die prägnante benennung gott auch Christus zukommen (s. u. DWB B). dem charakter seiner einzigkeit entsprechend und gemäsz seiner verwendung in der art eines eigennamens steht gott hier seit je artikellos, vgl. schon got. guþ auch gegenüber gr. ὁ θεός, und so auch in den übrigen german. sprachen. nur einige besondere gebrauchsweisen ziehen den bestimmten oder unbestimmten artikel an sich (s. u. DWB A 4; 9; C 1 b; 2; 4).

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A. in personaler benennung; ohne jeden zusatz, häufiger aber mit und neben anderen personhaften bezeichnungen, die als benennungen gottes dienen, oder mit sonstigen, meist nominalen erweiterungen. gerade die früheste bezeugungsschicht des wortes ist weithin durch dogmatisch begründete feste prägungen gekennzeichnet, die in frühkirchlicher praxis (apostolikum) vorgebildet und in ahd. katechismen, tauf- und glaubensformeln, beichten u. ä. für den missionarisch-katechetischen gebrauch der kirche bestimmt waren, vgl. etwa: truhtin got, cuning himilisger, got fater almahtiger (domine deus, rex coelestis, deus pater omnipotens) Weissenb. katech. 113 Steinm.; cot almahtico, du himil enti erda gauuorahtos Wessobrunner gebet 10 Steinm.; gilaubistu in got fater almahtigan? ih gilaubu frk. taufgelöbn. 6 Steinm.; ih gihu gote alamahtigen fater inti allen sinen sanctin ... allero minero sunteno Lorscher beichte 1 Steinm. die meisten hierher gehörigen prägungen bleiben dauernder bestand der religiös-christlichen sprache, nicht nur innerhalb der eigentlich dogmatischen und kirchlichen terminologie, sondern auch in vielfacher ausstrahlung auf den allgemeinen dem worte gott zugeordneten sprachgebrauch.
1) ohne weiteren zusatz oder mit bloszer interjektion (formelhaft ungewichtigere anwendung dieser art s. u. J 3).
a) nicht selten in der anrede und anrufung, wenn hier auch alte und junge sprache erweiterte gebrauchsweisen bevorzugen und im gebrauch der frühzeit truht în (s. ob. sp. 1025) vorherrs ht: got, thir eigenhaf ist, thaz io genathih bist rheinfränk. gebet 1 Steinm.; hore got mein geschrey, vnd merck auff mein gebet ps. 61, 2;

an gott.
ein stiller schauer deiner allgegenwart
erschüttert, gott! mich. sanfter erbebt mein herz
Klopstock oden 1, 70 M.-P.; vgl. 72;

höre mich! erhöre mich, gott!
Göthe I 11, 194 W.

als ach gott, o gott sehr häufig im beginn der protestantischen kirchenlieder d. 16. u. besonders d. 17. jhs., vgl. die register bei Ph. Wackernagel d. dt. kirchenl. (1864).
b) in der von festen nominal- oder verbalverbindungen freien verwendung bleibt im übrigen die zusatzlose benennung gott beschränkt:

ich diende eim der heizet got
Wolfram v. Eschenbach Parzival 447, 25;

vgl. 119, 17; welchs tags jr da von esset, so werden ewre augen auff gethan, vnd werdet sein wie gott, vnd wissen was gut vnd böse ist 1. Mose 3, 5; welche philosophiam und jura studieren. die werden dadurch weiter von gott abgeführt Lehmann floril. polit. (1640) 493; immer ist gott dem menschen jenseitig, neu, fern, fremd, überlegen, nie in seinem bereich, nie in seinem besitz, immer sagt wunder, wer gott sagt Karl Barth Römerbrief (1926) 96.
2) in trinitarischer sicht und von da her bestimmtem terminologischem gebrauch.
a) als umfassende bezeichnung der dreieinigkeit: gilaubistu einan got almahtigan in thrinisse inti in einisse? fränk. taufgelöbnis 9 Steinm.; wir sun gelouben daz ein got drie genemide sint, unde daz die genemede ein war got ist Lucidarius 2, 4 Heidlauf; vgl. 33, 11; 13;

drivaltig got, bhuet mich vor ewig sterben
Hugo v. Montfort 46 Wackernell;

daz diser segen werde vollebraht
in der heren namen drin
di ein warer got sin
Uhland volkslieder (1881) 636.

in pluralischem gebrauch nur in der dogmatischen verwahrung gegen polytheistisches miszverständnis: ni sindun zi chilaubanne, dhazs sii dhrii goda siin, so sama so dhea dhrii heida (personae) sindun, oh in dhem dhrim heidim scal man ziuuaare eina gotnissa beodan (non autem sicut trespersonae ita et tres dii credendi sun) Isidor 21, 8 Hench; 13, 20; noch könnens nicht zween götter sein, oder der son ein ander und frembder gott sein. denn das erste

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gebot leidets nicht, da es sagt: 'du solt nicht ander götter neben mir haben' Luther 54, 41 W.
b) in der getrennten benennung der drei göttlichen personen als gott vater, gott sohn, gott (heiliger) geist: so sama got fater, got sun, got heilago geist Weissenb. katech. 71 Steinm.;

got vater, got sun, got geist
ein war got unzuscheiden
Heinrich v. Hesler apokalypse 707 Helm;

vgl. 644; gott vater, gott sohn, gott heil. geist dio padre, dio figliuolo, dio spirito santo Kramer t.-ital. 1 (1700) 549b;

mit gott dem vater such' ich dich.
mit gott dem sohn find' ich dich,
mit got dem hlg. geist vertreib ich dich
(spruch gegen das hinken des viehs) bei
Fischer schwäb. 3, 1636:

rhein. wb. 2, 1323.
3) mit betonung des monotheistischen gesichtspunktes, besonders in der verbindung ein oder (ein) einiger gott, wobei gott aus der funktion des eigennamens in die des gattungsnamens hinüberwechselt: chihori dhu Israhel, druhtin got dhin ist eino got (audi Israhel, dominus deus tuus deus unus est) Isidor 13, 16 H.;

diu liute mit ainem ougen,
diu bezaihenent âne lougen
dî der ainen got pechennent himml. Jerusalem v. 255 Waag;

er aber sprach zu jm, was heissestu mich gut? niemand ist gut, denn der einige gott. wiltu aber zum leben eingehen, so halt die gebot Matth. 19, 17; Jak. 2, 19; ein gott, ein könig, ein pfarherr ... denn wenn jhr mehr ist, so verderben sie es gemeiniglich Petri d. Teutschen weiszh. (1605) V 3a. redensartlich: ik heff een rok un een gott: ich bin ein armer teufel Schütze holst. 2, 57.
4) alttestamentlichen ursprungs ist die zwischen eigenname und gattungsbegriff stehende verbindung (ein, der) gott der götter, aller götter gott u. ä., die innerhalb polytheistischer grundvorstellungen den unbedingten vorrang des biblisch-jüdischen gottes umschreibt, in der übernahme in den allgemein-christlichen sprachgebrauch aber eher monotheistisch zu verstehen ist. zur verbindung vgl. biblische wendungen wie herr aller herren, könig aller könige u. ä., auszerbiblisches buch der bücher u. ä.: cum apparuerit deus deorum in Syon so uffen uuarto got allero goto irscine Notker 2, 348, 22 P. (ps. 83, 9);

der engel furste Sabaoth
(er ist aller gte got)
ist in sines riches throne
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 1046 Singer;

dancket dem gott aller götter, denn seine güte weret ewiglich ps. 136, 2; Daniel 12, 36;

wie ist so grosz und schwer die last,
die du uns aufgeleget hast,
o aller götter gott!
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenlied 3, 396a;

confitemini deo deorum iehent is gote dero goto Notker 2, 570, 7 P. (ps. 135, 2); vgl. 49, 1;

liebe schwingt den seraphsflügel
wo der gott der götter wohnt
Hölderlin s. w. 1, 100 Hell.;

vgl. 37; 4, 165. in artikellosem gebrauch wie ein eigenname empfunden: zu Friedrich Wilhelm, als zu einem viel rechtern gott, weil gott der götter die beherrscher der erden selbst so nennet Lohenstein Arminius (1689) 1, zuschrifft b 1b.
5) der gen. gottes begegnet in stehenden bezeichnungen Christi, die den charakter des wortes gott als eines eigennamens (vgl. dazu ags. goding für filius dei in: zs. f. dt. alt. 70, 38) besonders fühlbar machen. vor allem gottes sohn, sohn gottes, neutestamentlichen ursprungs: anastodeins aiwaggeljons Jesuis Christaus sunaus gudis got. bibel Mark. 1, 1; gelobistu in Crist, godes suno? sächs. taufgelöbnis 7 Steinm.;

[Bd. 8, Sp. 1028]


dô gotes sun hien erde gie,
do versuohten in die juden ie
Walther v. d. Vogelweide 11, 18;

das du uns sagest, ob du seiest Christus, der son gottes Matth. 26, 63; vgl. Joh. 3, 18 u. o.;

well heut anhebt zu erlegen
gottes sohn das lösegeld
P. Gerhardt bei
Fischer-tümpel evang. kirchenl. 3, 302.

älter variierend: gotes barn (filius dei) Tatian 3, 7; vgl. Heliand 1164 u. o.;

und (sie) ouch begnade daz gotes kint,
daz an alle valsche list
ein getruwe gezuk ist
Heinrich v. Hesler apokalypse 862 Helm;

(15. jh.) in: zs. f. dt. alt. 1, 157. jünger so vereinzelt noch poetisch:

o mensch, beweyne deine sünd,
vmb welcher willen gottes kind
ein mensche muste werden
P. Gerhardt bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 3, 302.

auch andere verbindungen dieser art haben biblische wurzel: lamp gotes (agnus dei) Weissenburger katech. 114 Steinm.; sihe, das ist gottes lamb, welchs der welt sünde tregt Joh. 1, 29;

o lam godes vnschüldich
am stam des crützes geslachtet
Nic. Decius in:
Wackernagel kirchenl. 3, 568;

das sie nicht sehen das helle liecht des euangelij von der klarheit Christi, welcher ist das ebenbilde gottes 2. Kor. 4, 4; die schrifft nennet Christum nach der gottheit ein mal gottes son, ein mal gottes wort, item gottes bild und gleichnis Luther 17, 2, 313 W.
6) gott in appositionellen verbindungen, denen auch solche fälle zuzurechnen sind, in denen, wie bei herr gott, das bestimmende wort voransteht; seltener in kopulativer bindung.
a) am häufigsten in der verbindung mit herr und seinen nur älteren synonymen, wie ja, besonders unter bibelsprachlichem einflusz, herr bis heute auch die geläufigste selbständige entsprechung des wortes gott ist und das kompositum (der) herrgott (s. d.) den gebrauch des simplex gott, freilich nur in den tieferen sprachschichten, zumal in der mundart, überflügelt, vgl. die einschlägigen groszen mundartwbb. (den zur formel verflachten gebrauch im erstaunten oder ärgerlichen vokativischen ausruf herr gott! s. u. DWB J 3 d). über frô, truhtîn und hêrro als selbständige bezeichnungen gottes in der frühen sprache, ihr verhältnis, ihre zeitliche folge s. ob. sp. 1025. mhd. steht herr in der verbindung mit got nur in der vollform herre, nicht her, s. Grimm gramm. 21, 150 anm.
α) zufrühest in der wortfolge truhtîn oder (seit dem 11. jh.) herre got, die sich in der form herr gott neben dem schon mhd. (s. Lexer 1, 1259) bezeugten und stetig vordringenden kompositum herrgott bis in die neuzeit behauptet: domini dei truhtines cotes (Pa); druhtines kotes (K) ahd. gl. 1, 172, 29 St.-S.; Otfrid I 10, 3 u. o.; herro got almahtiger (11. jh.) kl. ahd. sprachdenkm. 139, 23 Steinmeyer; vgl. 348; 349; 360 u. ö.;

herre got, nû lêre mich
die rede der ich genieze
Hartmann v. Aue Iwein 5988; 5205.

biblisch vor allem in der anrede: darumb bistu auch gros geachtet herr gott 2. Samuel. 7, 22; ps. 86, 15; 88, 2 u. o.; unser herre gott ist ein guter goldschmidt, er kan aus einem gülden mehr denn hundert tausent schmiden Luther 19, 311 W.; wenn ein erdenklos sich hinsetzen und aus thon oder stein — mit unserm herrn gott in die wette menschen machen wollte Wieland s. w. (1794) 24, 231. fälle, in denen das erste glied der verbindung unflektiert bleibt, sind eigentlich für das kompositum in anspruch zu nehmen: (es) auch bei unserm herr gott also recht sein sollte Luther br. 8, 93 W.;

(Gretchen:) mein bruder! gott! was soll mir das!
(Valentin:) lasz unsern herr gott aus dem spasz
Göthe I 14, 189 W. (Faust 3733).

[Bd. 8, Sp. 1029]


selten und nur älternhd. mit dem bestimmten artikel: dorum der herre got bildet einen menschen von lietiger erd erste dt. bibel 3, 49 Kurr. u. o.
β) seit dem späteren ahd. und vereinzelt noch bis ins frühnhd. in der umgekehrten wortfolge got herre, die aber nicht kompositionsfähig ist und unter dem einflusz der Lutherbibel durch die appositionelle verbindung gott der herr abgelöst wird: got hêrro altostniederfrk. psalmenfragm. 67, 27 van Helten;

got herre, wie wol dû weist,
swer ez anders wære
Hartmann v. Aue Iwein 1392; 5205;

wie der teüffel gotz hern also gar ein grosser feint wer Arigo decameron 235 lit. ver.; zu der zeit, da gott der herr erden vnd himel machte 1. Mose 2, 4; 1. Petr. 3, 15 u. o.;

fallt gott dem herren wol in die ruht,
steht ab von ewern sünden bei
Weller dreiszigjähr. krieg (1855) 168;

alle gute geister loben gott den herrn! Göthe IV 27, 224 W.; vgl. C. F. Meyer s. w. 3, 425 Knaur. mundartlich omd. in der redensart als, wie, dasz gott (der) herr im sinne von 'als wollte er sagen, um anzudeuten' oder auch 'als ob er wer weisz was wäre', schlieszlich auch als ausdruck hohen grades, s. Müller-Fraureuth 1, 432; Albrecht Leipzig 124.
γ) gelegentlich kopulativ gott und herr:

du sage in als ez ist:
ze div hat mich gesant der da ist
got unde herre ivweren uordironen Milstäter exodus 127, 18 Diemer;

befilhe euch ... inn den schutz ... des allmächtigen herren und gotts Jac. Frey gartenges. 5 Bolte.
b) in der durch apostolikum und paternoster gewichtig festgelegten verbindung mit vater drückt sich, soweit es sich nicht um die benennung der ersten person der trinität im strengen sinne handelt (s. ob. 1 b), die vorstellung der vaterschaft gottes über Christus oder die der fürsorge gottes für die menschen aus. in älterem gebrauch gern in der dreigliedrigen reihung herr gott vater: dominus pars hereditatis meę ... truhten got fater ist teil mines erbes Notker 2, 41, 19 P. (ps. 15, 5);

got herre vater in himel vnd in erde jüng. Titurel 65, 2 Hahn;

wie gott der vater uns vergibt Luther br. 8, 44 W.; ich erinnere mich der groszen lieb gottes des vatters Schupp Corinna 53 ndr.; der glaubt, er sei mit gott vater per du Fischer schwäb. 3, 762.
c) gott (der) schöpfer, vgl. auch den prägnanten gebrauch des wortes schöpfer für gott teil 9, 1550: gilaubiu in got fater almahtigon, scepphion himiles enti erda Weissenb. katech. 47 Steinm.; gott der schepffer ist etwas höhers, denn orth, zeit vnd creatur Petri d. Teutschen weiszh. (1605) C 6a;

wie entzückst du, anschauung
der herlichen welt! gott schöpfer!
wie erhaben bist du, gott schöpfer!
Klopstock oden 1, 157 M.-P.;

ich will dich nicht zur rede stellen, gott schöpfer Schiller 3, 499 G.; demselbigen einigen waren gott vnnd schöpffer volksb. v. dr. Faust 7 ndr.
d) anderes gelegentlich:

frew ih mih in muate gote heilante
(... in deo salutari meo)
Otfrid I 7, 6;

vnd sprecht, hilff vns gott vnser heiland 1. chron. 17, 35; o meiner seele erbarme dich gott der erbarmer! Schiller 3, 502 G. vgl. auch:

wenn sie (die seele) zu gott, zu dem unendlichen
sich erheben will
Klopstock oden 2, 123, 15 M.-P.


7) gott in kennzeichnend benennender verbindung mit himmel, erde, höhe u. ä. durch genitivisches oder präpositionales attribut.

[Bd. 8, Sp. 1030]



a) (der) gott des himmels (und der erde):

der got tes himilis,
wâges unde luftes Ezzos gesang in:
Waag dt. ged. 3.

in der Lutherbibel ohne oder mit (so immer in den jüngeren revidierten ausgaben) bestimmtem artikel: that jnen gott des himels das meer auff Judith 5, 10; vnd die andern erschracken, vnd gaben ehre dem gott des himels offenb. 11, 13; vgl. Judith 5, 17; 6, 12; vnd schwere mir bey dem herrn dem gott des himels vnd der erden 1. Mose 24, 3; 7; Esra 5, 11 u. ö.;

gott des himmels vnd der erden,
vater, sohn vnd heilger geist
H. Albert in:
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 3, 48.


b) älter got von, vom, jünger gott im himmel:

da flegeter got uone himele
umbe di sculdigen menige dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 65, 9 Diemer;

daz des got von himele ruochen wolde Nibelungenlied 2132, 1 L.;

vgl. 2114, 1 u. ö.; liedersaal 1, 25, 78 Laszberg. noch in der Lutherbibel, mit und ohne artikel, doch setzen die neueren revidierten ausgaben dafür der gott des himmels (s.α): dancket dem gott von himel, denn seine güte weret ewiglich ps. 126, 26; Esra 7, 23; Dan. 2, 37. gott im himmel bis in jungen gebrauch: die priester ... rieffen gott im himel an 2. Makk. 3, 15; vgl. 15, 34;

gedult, die rache wacht vor euch,
und gott im himmel streitet
J. Chr. Günther s. w. 2, 296, 42 Krämer;

o gib mir, gott im himmel! dasz ich mich
der höh und liebe nicht überhebe
Göthe I 2, 86 W.

doch vgl. noch: guter gott von deinem himmel, alte kinder siehst du und junge kinder Göthe I 19, 41 W.
c) ähnlich in anderen, meist älteren verbindungen:

durch got dort in dem höchsten graud
Hermann v. Sachsenheim 93 Martin;

ach gott ins himmels throne (1607) bei
Soltau dt. histor. volksl. 2, 319;

ehre sey gott in der höhe, vnd friede auff erden, vnd den menschen ein wolgefallen Luk. 2, 14.
8) mit einem gott beigegebenen eigennamen strenggenommen nur in der alttestamentlich Lutherbiblischen verbindung gott Zebaoth, die in ihren älteren entsprechungen gemäsz dem deus exercituum und deus virtutum der vulgata noch nicht als eigenname gefaszt ist, vgl. Isidor 10, 18 H.; Murbacher hymnen 7, 8, 2; 26, 3, 2 Sievers; erste dt. bibel 7, 325; 9, 23 Kurr.: gott Zebaoth tröste vns, las leuchten dein andlitz, so genesen wir ps. 80, 8 u. ö.; meist als (der) herr (der) gott Zebaoth: vnd Dauid gieng vnd nam zu vnd der herr der gott Zebaoth war mit jm 2. Sam. 5, 10 u. o.
9) gott, mit und ohne bestimmten artikel, durch den genitiv eines personen- oder völkernamens im sinne der zugehörigkeit bestimmt, nach alttestamentlichem vorbild und mit anspielung auf die patriarchalische epoche der alttestamentlichen religion, in der auch andere götter als existent gedacht werden (s. u. III A 1): ih bim got Abrahâmes, got Isâkes, deus Jacob (ego sum deus Abraham deus Isaac deus Jacob) Tatian 127, 4; kelobot si truhten got Israhelis Notker 2, 152, 28 P. (ps. 40, 14); vgl. 458, 25 u. ö. das (der) gott Israel, (der) gott Jacob u. ä. in den frühdrucken der Lutherbibel ist in den revidierten ausgaben sinngemäsz durch (der) gott Israels, Jacobs ersetzt: und richtet daselbs einen alter zu, vnd rieff an den namen des starcken gottes Israel 1. Mos. 33, 20 u. o.; ich bin der gott Abraham, vnd der gott Isaac, vnd der gott Jacob Matth. 22, 32. gelegentlich auszerbiblisch: dasz er ... zum glauben an den einen gott Abrahams bekehrt sei O. Jahn Mozart (1856) 1, 326. in formaler angleichung, aber religionsgeschichtlicher einschränkung: (da) der gott Abrahams nach wie vor den sinnen freundlich erscheint, wenn uns

[Bd. 8, Sp. 1031]


der gott Mosis eine zeitlang mit grauen und abscheu erfüllt hat Göthe I 7, 180 W. auch sonst mit abhängigem persönlichem genitiv, ebenfalts biblischen ursprungs und von da her weiterlebend: gelobet sey der herr vnser veter gott, der solchs hat dem könige eingegeben, das er das haus gottes zu Jerusalem zieret Esra 7, 27;

herr, meiner väter gott, du bist mein lobgesang
J. Chr. Günther s. w. 2, 22, 6 Krämer;

gott unsrer väter und ihr ruhm
Hagedorn poet. w. (1800) 1, 13.

anders, auszerhalb eigentlicher benennung: gott aber ist nicht der todten, sondern der lebendigen gott Mark. 12, 27.
B. gott in der anwendung auf Christus.
1) zu der durch das trinitarische dogma festgelegten bezeichnung Christi als gott (s. ob. A 2 b) tritt, weniger als person - denn als gattungsbegriff, von anfang an die göttliche benennung Christi im sinne der christologischen zweinaturenlehre. älter vor allem in der verbindung wahrer gott (und wahrer mensch): ih glouba daz der gotes sun inphangen uuart fone demo heiligen keisti ... uuarer got unde warer mennisco (11. jh.) Wessobr. gl. u. b. in: kl. ahd. denkm. 135, 26 Steinm.; der wârer got unde wârer mensche ist und uns allen ze trôste unde ze heile geborn wart von mîner frouwen sant Marîen Berthold v. Regensburg 1, 206, 24 Pf.;

Christus Jesus, wahrer gott Endinger judenspiel 19 ndr.;

o wahrer mensch, o wahrer gott,
o helfer, voller hohn und spott
P. Gerhardt 42 Goedeke.

in begrifflichem spiel barocker lyrik:

(Christus im grab)
zwar ein entseelter mensch, doch auch ein wahrer gott,
dann were gott, als gott, vertorben vnd begraben,
die erde müszte bald den sterbekittel haben
Scultetus in: barocklyrik 3, 129 Cysarz;

der vater war in ihm, er war sein bild und wesen,
der ganzen gottheit glanz, von gott ein gott erlesen
P. Fleming dt. ged. 1, 16 lit. ver.;

verlassen von der welt vnd wegen ihr von gott.
von gott sich reisset gott (Christus am kreuz)
Zesen in: barocklyrik 2, 87 Cysarz.

auf Christus als die zweite person der trinität zielen auch appositionelte umschreibungen wie gott der mittler Klopstock oden 1, 46 M.-P., gott der erlöser ebda 14, gott der Messias ebda 87.
2) in einer reihe z. t. fester oder formelhafter anwendungen erreicht das wort gott als bezeichnung Christi nur scheinbare prägnanz, jedenfalls darf es hier nicht ohne weiteres als mit dem namen Christus oder Jesus auswechselbar genommen werden.
a) so namentlich dort, wo unter heilsgeschichtlichem aspekt die erscheinung Christi als menschwerdung gottes gesehen wird, wie dies für das neue testament (Joh. 1, 14) und die christliche dogmatik grundlegend ist:

ich bin komen an die stat
dâ got mennischlîchen trat
Walther v. d. Vogelweide 15, 5;

aller gtte got ist komen har
zelande, den ain magt gebar
Wernher Marienleben 4119 Päpke;

der armen trost ist, das gott selbst auff erden auch arm gewesen ist Petri d. Teutschen weiszh. (1605) A 7b;

sie (die beine des Jesuskindes) tragen gott der alle welt,
auff seinem kleinen finger hält (1676) in: barocklyrik 3, 107 Cysarz.

besonders alter heilsgeschichtlicher sprachgebrauch, der in der geistlichen lyrik des barock noch kräftig weiterlebt, läszt gott geboren werden, leiden oder sterben, auferstehen und gen himmel fahren und meint damit im eigentlichen sinne gott selbst, der (in Christus) mensch geworden ist:

[Bd. 8, Sp. 1032]


daz was got selbe,
der sînin munt zuo dînen (Marias) brustin bôt Mariensequenz a. Muri v. 45 Waag;

dô sprach der rîter grâ gevar
meint ir got den diu magt gebar?
Wolfram v. Eschenbach Parzival 448, 2;

vgl. 464, 26;

(Maria) die gott gebohren hat
Opitz in: barocklyrik 1, 145 Cysarz;

was für freude ward erwecket,
da gott in der krippen lag
v. Assig in: barocklyrik 2, 244 Cysarz;

bi demo holze, da der almahtigo got an ersterban wolda kl. ahd. sprachdenkm. 386, 4 Steinm.;

wâ wart ie hôher triwe schîn,
dan die got durch uns begienc,
den man durch uns anz kriuze hienc?
Wolfram v. Eschenbach Parzival 448, 11;

vgl. 448, 1; 464, 26; Rudolf v. Ems d. gute Gerhard 6275; 6374; bi des keysers (Tiberius) ziten wart got gemartelt und schreip Pilatus disem keyser Tyberio einen brief von den zeichen und wundern die got geton hette (Straszburg um 1400) städtechron. 8, 339; vgl. 9, 499; er (gott) muste vns gleich ein mensch werden, dasz es heissen könte, gott gestorben Dannhawer cat.-milch (1657) 5, 704;

o schmertz! das leben stirbt! o wunder! gott musz leiden!
Gryphius in: barocklyrik 2, 188 Cysarz;

der uns gesagen chunde
uon gotes urstende dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 275, 8 Diemer;

gott, der nach und vor
herrschet, fährt empor
Klaj in: barocklyrik 2, 126 Cysarz.


b) der anwendungsbereich a findet seinen niederschlag in einer reihe fester formeln, die die vokabeln gott und Christus leichter noch als unter a als auswechselbar erscheinen lassen. im schutze der formel hält sich dieser gebrauch z. t. bis in die moderne sprache.
α) gottes geburt:

Matheus buplicanus
der dihtote alsus,
der gte hirte,
uone gotes geburte dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 274, 27 Diemer.

besonders in der wendung vor, nach, von gottes (statt Christi) geburt, vgl. in früher zusammenrückung: dith is geschit na gozzeborde dsint iar, zveihundirt iar in deme zvei inde seszigsteme iare (1262) corp. altdt. originalurk. 1, 100, 11 Fr. Wilhelm; also Moyses starp, das was vor gotz gebürte 1400 und 72 jor (Straszburg um 1400) städtechron. 8, 265 u. o.; in dem jare da von gottes geburt warend zwölff hundert (vor 1572) Tschudi chron. Helv. (1734) 1, 149.
β) gottes mutter für Maria als mutter Christi, seit dem spätahd. und lange nur in dieser wortfolge, die im 17. jh. zum kompositum zusammenwächst (s. u.gottesmutter): do daz suert durhfuor dei heiligen innobeli (eingeweide) dere gotes muoter Notker 3, 44, 2 P.; kl. ahd. sprachdenkm. 358, 44 Steinm.;

(wir wollen) mit blôzen vüezen und in haerin hemden stân ...
vür daz bilde daz nâch gotes muoter ist getihtet Lohengrin 427 Rückert;

steht und hört für allen dingen
gottes mutter fröhlich singen
bei dem kripplein ihres sohns
P. Gerhardt 313 Goedeke;

'gottes und seiner mutter gnade zum grusz, ehrwürdiger herr' C. F. Meyer s. w. 4. 11 Knaur. jünger sonst in der wortfolge mutter gottes, die vereinzelt auch als kompositum muttergottes möglich ist, vgl. vor einem bunten schreine der muttergottes C. F. Meyer Jürg Jenatsch (1901) 38: so recht, ihr herren, so musz man die mutter gottes ehren (durch singen des ave Maria) Grimmelshausen simpl. schr. 3, 315 Kurz; die vorhersagung der mutter gottes

[Bd. 8, Sp. 1033]


über die grosze zukünftige ausdehnung des ordens Nitzsch dt. studien (1879) 8. volkssprachlich auch für ein Marienbild, s. teil 6, 2808. zu der hierher gehörigen vornhd. verbindung gotes brût als bezeichnung der Maria, einer heiligen, einer nonne oder auch der seele s. u. gottesbraut.
γ) in bezeichnungen des abendmahlssakraments und seiner elemente, namentlich der hostie, s. dazu noch unt. E 3 b γ; vor dem in der reformation aufkommenden abend- bzw. nachtmahl, in katholischem gebrauch auch jünger noch. vor allem gottes leichnam (und blut): ih neeroti ... den gotes lichinamen, sin heilic pluot, die toufa (11. jh.) Wessobrunner gl. u. b. in: kl. ahd. denkm. 143, 11 Steinm.;

so ge wir dar beide sampt,
horen da daz gotes ampt
unde nemen, ob ez dich dunket gut,
gotes licham und sin blut väterbuch 18 622 Reiss.; vgl. 18 670;

eucharistia godis lichnam (1420) Diefenbach gl. 212a; vgl. 506c s. v. sacrificium; 511a s. v. sanguis. dafür auch prägnantes gott: das sü (die heiden) z jungest cristen wurdent und sich liessent touffen und bihtetent ire sunde und enpfingent got vor allem volke (= das abendmahl) (Straszburg um 1400) städtechron. 8, 354; vgl. 9, 512; nachdem und er gebeichtet und das sacrament empfangen het ... da was ein frau auch darbei, die sprach: 'ach lieber sun, ir haben got empfangen' (1522) Pauli schimpf u. ernst 181 Öst.; (er hat) sich mit got versehen (das abendmahl genommen) (um 1600) bei Fischer schwäb. 3, 763;

drauf als der priester fromm sich neigt
und, zum altar gewandt,
den gott, den gegenwärtgen, zeigt,
in hocherhabner hand
Schiller 11, 253 G.;

rhein. wb. 2, 1323; Hentrich Nordwestthür. 94.
δ) nur älter in verbindungen, die auf Christi leben und leiden anspielen, vgl. dazu vor allem unter J 5:

(der priester) der an dem gotes galgen (dem kreuz)
mit ûff gerachten handen stêt
Heinrich v. Melk priesterl. v. 263 H.-K.;

nû suln wir fliehen hin ze gotes grabe
Walther v. d. Vogelweide 13, 18;

wir süllen gottes liden
in unsern herzen tragen (15. jh.)
Uhland volkslieder (1881) 689;

calix gotes martir (15. jh. obd.) Diefenbach gl. 90c; er (gott) müste uns gleich ein mensch werden, das es heissen kündte ... gottes marter, gottes blut, gottes tod Luther 50, 590 W.; Dannhawer cat.-milch (1657) 5, 704.
c) im gleichen dogmatischen zusammenhange der menschwerdung gottes eignet Christus das prädikat gott besonders in der anrede und gern mit den sonst zu A gehörigen erweiterungen und appositionellen verbindungen (s. ob. A 4; 6): truhtin suno einboraner heilanto Christ, truhtin got ... (domine fili unigenite Jesu Christe, domine deus) Weissenb. katech. 114 Steinm.;

do erschein in (den jüngern) unser herre got
an dem dritten tage, als er gehiez
Konrad v. Heimesfurt himmelf. Mariae in: zs. f. dt. alt. 8, 177, 442;

dat merkede men bi den falschen Jodden
de gott unsen heren deden vorraden
Uhland volkslieder (1881) 762;

(Jesu) mein artzt, heil, theil, licht und hort, mein gott über alle götter
B. Schmolck in: barocklyrik 3, 233 Cysarz.

biblisch und von dort her: Thomas antwortet, vnd sprach zu jm, mein herr und mein gott Joh. 20, 28;

Jesu, du mein herr und gott, mein erlöser, mein erretter
B. Schmolck in: barocklyrik 3, 233 Cysarz;

in die wunde deiner seite
legt ich meine hand nicht;
aber du bist mein herr, und mein gott
Klopstock oden 1, 128 M.-P.; vgl. 132.

[Bd. 8, Sp. 1034]



3) die voll prägnante verwendung des wortes gott als benennung für die irdische erscheinung des historischen Jesus Christus bleibt in der deutschen überlieferung beschränkt. auszer betracht zu bleiben hat hier der sprachgebrauch der mystik, insbesondere der mhd., in dem die vokabel gott, zumal im bereich der trinitarischen spekulation und der unio mystica, vielfach prägnant auf den präexistenten bzw. den erhöhten Christus, nicht aber eigentlich auf die historische gestalt Jesu Christi zielt, vgl. etwa: die ewige worheit unsers herren Jhesu Cristi het gesprochen: 'min joch daz ist ssse und min búrde ist lihte.' dis widersprechent alle natúrliche menschen ... und sprechent daz gottes joch bitter si Tauler pr. 25, 14 V. die eigentliche prägnanz greift das älteste deutsche schrifttum nur zaghaft auf (im gegensatz zur altnordischen überlieferung, in der goð, guð in missionarisch-kirchlicher verwendung vorwiegend Christus bezeichnet, vgl. M. Cahen le mot Dieu en vieux - scandinave 4; 7; 37). unter den wenigen in frage kommenden Heliandstellen mit einiger sicherheit nur:

gehôrdun mahtiges godes
lioflîca lêra (epische schluszzeile der bergpredigt) 1827 B.; vgl. noch 3646; 3666.

auch bei Otfrid nur vereinzelt:

erquam (erschrak) er ana baga (fürwahr) thera thikun gotes fraga
(Petrus über die wiederholte frage des auferstandenen [!]
Christus: hast du mich lieb?) V 15, 29; vgl. noch III 26, 8; IV 5, 47.

erst und nur in den geistlichen quellen des 11. und 12. jhs. ist gott sehr häufig in eigentlichstem sinne der historische Jesus Christus: des (kananäischen) uuibes, diu mit ira zaheren gotis fuoze duuuoch (pedes domini) (11 jh.) predigtstg. A 1, 23 Steinm. 157; vgl. 156;

sô lang och der (Petrus) gotis drî stunt virlouginôti summa theologiae v. 271 Waag;

got hiez si sitzzen (die jünger bei der fuszwaschung) die hochzeit v. 918 Waag; vgl. 716;

die he(i)ligen zwelf poten,
eines tages giengen si mit gote,
da sahen si ein blinden man dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 246, 19 Diemer;

vgl. 339, 13. jünger in vergleichbarer anwendung nur vereinzelt und ungewöhnlich: dem almehtigen gotte und siner mter Marien z lobe und eren (mitte 15. jh.) bei Schmoller Straszb. tucherzunft (1879) 60;

si spuwen got under daz antlit sîn,
sîn bart und hâr mit speichel wart umbhangen (meistersingerl.) in: zs. f. dt. alt. 45, 159 passim;

dy gulden port (in der stadtmauer Jerusalems), dar durch got am palmtag eingeriten ist (1476) in: archiv f. gesch. u. altertumskde v. Oberfranken 21 (1901) 3, 28; do got der herr spricht: wer mich bekennt ... (1529) bei Fischer schwäb. 3, 763; de gode vorlevet, nummer scht em gût (huic non succedit, Christi qui vicerit annos) Tunnicius sprichw. nr. 351 Hoffm.;

und gott, des vaters lust, ist bis in tod betrübt (Christus am kreuz)
Lohenstein in: barocklyrik 2, 223 Cysarz.

etwa noch:

er (Friedrich V.), der könig und christ, wählt dich zur führerin,
bald auf Golgatha gott zu sehen
Klopstock oden 1, 88 M.-P.

mundartlich: 'katholisch für Christus und das bild desselben; der gross gott im münster (ein groszes crucifix) (1529) schweiz. id. 2, 507; vgl. Hentrich Nordwestthür. 94.
es musz offenbleiben, wieweit hier und auch schon unter 2 über die oben angedeuteten bibeldogmatischen voraussetzungen hinaus eine neigung sich auswirkt, wie sie etwa der französischen chansondichtung eigentümlich ist, in der zur stützung des trinitätsdogmas die attribute gottes und Christi gern bewuszt vertauscht werden; vgl. dazu und zur gelegentlichen übernahme dieses verfahrens in deutsche übersetzung W. Liepe Elisabeth v. Nassau-Saarbrücken (1920) 252 f.

[Bd. 8, Sp. 1035]



C. ein erheblicher teil des zum worte gott gehörigen sprachlebens entfaltet sich in verbindungen und fügungen, die in meist anthropomorpher grundvorstellung das wesen und die eigenschaften gottes, sein verhältnis und sein verhalten zur welt und zum menschen, bestimmte weisen seines wirkens u. ä. umschreiben. bei vielen, wenn auch keineswegs bei allen dieser festgewordenen verbindungen handelt es sich um biblische, insbesondere Lutherbiblische lehnübersetzungen.
1) in substantivischen verbindungen sachlich-begrifflicher art.
a) gott vornehmlich als genitivus subjectivus oder possessivus in der abhängigkeit von substantiven, seit alters in einer groszen zahl fester, nhd. vielfach kompositionsfähiger fügungen.
in der wortfolge steht gottes schon ahd. meist, mhd. immer voran, s. auch PBB 23, 240 ff. erst im älteren nhd., vor allem in der Lutherbibel, wird die umgekehrte folge gleichberechtigt, während für die überkommene ältere wortstellung oft nicht sicher zu entscheiden ist, ob noch die eigentliche genitivverbindung oder bereits das aus ihr hervorgegangene kompositum vorliegt. die im druckbild der texte vorherrschende willkür bietet weder nach der einen noch nach der andern seite sicheren anhalt. man wird vom inhaltlichen her echtes kompositum in solchen fällen schon annehmen dürfen, in denen es sich um engbegrenzte, irgendwie spezialisierte bedeutung handelt, vom formalen aus oft dort, wo die genitivverbindung durch den artikel oder durch ein adjektivattribut bestimmt ist. in jüngerem gebrauch sind schreibungen wie ein gottes urthel Schiller 12, 228 G., ein gottes werk Cl. Brentano ges. schr. (1852) 2, 4 durchaus ungewöhnlich, s. Adelung umst. lehrgeb. d. dt. spr. (1782) 2, 252.
α) in der bezeichnung geistiger und sittlicher eigenschaften, die der vorstellung gottes im sinne seiner vollkommenheit unveräuszerlich zugehören: denn sie sahen, das die weisheit gottes in jm war, gericht zu halten 1. kön. 3, 28; Eph. 3, 10 u. ö. personifizierend:

selb diu gotes wîshait,
diu durch uns nam die menneschait vaterunser 1 Waag;

vgl. dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 4, 24 Diemer; 10, 2; darumb spricht die weisheit gottes, ich wil propheten vnd apostel zu jnen senden Lukas 11, 49. ihrem ursprung nach hellenistisch-neuplatonisch, wenn auch ins christliche übernommen und gedeutet (s. teuthonista 8, 7) sind ähnliche verbindungen in Notkers Boëthius wie fone gotes foresihte (de providentia) 1, 317, 13 P.; gotes forebechenneda (divina prenotio) 354, 12; dero eouuigun gotes uuizentheite (eternę prescientię) 318, 6 u. a.; die gottes warheit haben verwandelt in die lügen Römer 1, 25; wee allen denen, dye under dem schein und deckel der gewalt gottes warhait verachten Luther 17, 2, 499 W.; danne mih mer freuuen solta gotes reht (iustitia dei), diu nehein unreht ungeandot nelazzet? Notker 2, 158, 18 gl. P. (ps. 42, 2); 74, 26 (ps. 23, 3) u. ö. (gottes recht anders s. u. E 3 a θ γγ); ists aber also, das vnser vngerechtigkeit gottes gerechtigkeit preiset, was wollen wir sagen? Römer 3, 5; Luther 17, 2, 450 W.; vnd sie entsatzten sich alle vber der herrligkeit gottes Lukas 9, 43 u. o. gottes ehre im sinne eines ihm objektiv zugehörigen charakters, einer eigenschaft, von der gebräuchlicheren bedeutung 'verherrlichung, ehrung gottes' (s. u. DWB D 1 e) oft schwer zu trennen:

si rachen gotes êre.
des irwurfen si mere
denne di gten
da fore uirlorn heten dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 55. 3 Diemer;

die himel erzelen die ehre gottes, vnd die feste verkündiget seiner hende werck ps. 19, 2; Baruch 4, 37; der almechtigkeyt gottes d. peinl. gerichtsordnung kaiser Karls V. (1876) 91 Zoepfl; in der sich ihm (dem gläubigen christen) von selbst verstehenden voraussetzung der grösze und allmacht gottes Gutzkow ges. w. (1872) 6, 47.

[Bd. 8, Sp. 1036]



zum hochhöfischen sprachgebrauch gehören mhd. verbindungen wie gotes kunst (Parzival 123, 13), gotes vlîz (ebda 88, 16; 140, 5), (gotes) meisterschaft (Iwein 1688), gotes hövescheit (Erec 3461) u. ä. zur umschreibung göttlicher schöpfervollkommenheit, die am vollkommenen menschen der höfischen welt sichtbar wird.
β) andere verbindungen zielen in mehr dynamischem sinne auf göttlichen willen, göttliche kraft und ihre äuszerungen.
αα) gottes wille. allgemein als element göttlicher wirksamkeit:

unti (als) der godis willo was irgangin,
daz her ci Kolne ward mit lobe intfangin Annolied 583 Roediger;

Paulus beruffen zum apostel Jhesu Christi, durch den willen gottes, vnd bruder Sosthenes 1. Kor. 1, 1; Römer 1, 10 u. ö.; gottes wille hat kein warumb Lehmann floril. polit. (1662) 3, 130; unsere mutter ... hatte sich in den willen gottes ergeben Göthe I 25, 50 W. in redensartlichen wendungen der mundart bei Fischer schwäb. 3, 758. anders, sofern der wille gottes zugleich ein vom menschen zu leistendes darstellt: der mensche wirt verscht inwendig, wie er sich inwendig halten sol nach dem liebsten willen gotz Tauler pred. 194, 12 V. hier häufig in verbaler bindung:

so wer so wolle thenken, then gotes willon wirken (si quis voluerit voluntatem ejus facere)
Otfrid III 16, 15;

das jr solchen willen gottes thut von hertzen Eph. 6, 6; moralisch handeln und religiös handeln sind sonach aufs innigste vereinigt. man soll ... zugleich das gesetz und den willen gottes, jedes um sein selbst willen erfüllen Novalis schr. 2, 289 Minor.
ββ) gottes kraft:

erda bibinota, thiu gotes kraft sies notta
Otfrid IV 34, 1 u. ö.;

er sprach 'ist gotes kraft sô fier
daz si beidiu ors unde tier
unt die liut mac wîsen,
sîn kraft wil i'm prîsen'
Wolfram v. Eschenbach Parzival 452, 1:

auff das ewer glaube bestehe, nicht auff menschen weisheit, sondern auff gottes krafft 1. Kor. 2, 5;

wie gottes kraft der nachtentstammten hyder
durch diesen schlag zerschmettert hat die glieder
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 34.

in personifizierender umschreibung für gott: darumb von nu an wird des menschen son sitzen zur rechten hand der krafft gottes Lukas 22, 69; Hans Sachs 1, 308 lit. ver. als etwas dem menschen mitteilbares, in ihm wirksames: aber gottes krafft, das ist sein wort ynn uns, yhe mehr es unterdruckt wird, yhe höher es gehet Luther 17, 2, 152 W.
γγ) gottes macht:

mikil is thîn gilôbo an thea maht godes Heliand 3025 B. u. ö.;

euch, die jr aus gottes macht, durch den glauben bewaret werdet zur seligkeit 1. Petr. 1, 5.
δδ) gottes gewalt gliedert sich stärker aus, besonders in älterer sprache, vgl. s. v. gewalt, teil 4, 1, 3, 4922 f.; 4924; 4936; 5003 f.; 5005 f.; 5006 f. 'göttliche machtvollkommenheit' im sinne der potestas: vuanda in gotes keuualte (in manu domini) ist lex data Judeis diu uetus testamentum heizet Notker 2, 302, 12 P. (ps. 74, 12); die erde habet (= hält) nith wen der gotes gewalt, wen sie suebet in dem singewege (weltmeer) Lucidarius 8, 24 Heidlauf; göttliche gewalt, gottes gewalt potenza divina Rädlein (1711) 381a. formelhaft in gottes gewalt stehen, liegen:

mein leib und auch mein leben
steet alles inn gottes gewalt lieder d. Heidelb. hs. Pal. 343 162, 42 Kopp;

das alle creaturn ynn gottis gewalt stehen Luther 12, 443 W. spezieller für den zustand schwerer krankheit, des sterbens oder des todes, vgl. schon mhd.:

[Bd. 8, Sp. 1037]


ich wil mich alsus reine
antwürten in gotes gewalt.
ih fürhte, solte ich werden alt,
daz mich der werlte süeze
zuhte under füeze
Hartmann v. Aue armer Heinrich 699 G.;

das mitwoch nach Mathie kam sie nicht, wan sie in gotes gewalt lag (ca. 1450) bei Haltaus 744;

da ich jetz lag in gotts gewalt (d. h. im himmel war),
vnd starb in meine augen nein,
flux er sich auch zu todte grein
Hayneccius Hans Pfriem 27 ndr.;

er liegt in gottes gewalt in letzten zügen Rädlein (1711) 381a. in mehr dynamischem sinne von der in das weltgeschehen und menschenschicksal eingreifenden macht gottes: das itzunt allenthalben hieumb die hant und gewalt gots mit sterben der leut groz strafft (1484) in: privatbr. d. ma. 1, 264 Steinhausen; betrat in aber ein sturmbwint so hart, das die schiffleut die schiff in gottes gewalt musten geen laszen Wilwolt v. Schaumburg 197 lit. ver. im kompositum gottesgewalt (s. d.) auch prägnant für 'naturkatastrophe', vgl. mundartlich gottes gewalt 'wassersnot' Schröer darst. d. dt. maa. d. ungr. bergl. 244. vom frühnhd. bis ins späte 18. jh. verengert als rechtssprachlich und sonst gebrauchte bezeichnung der vis maior, im 19. jh. durch höhere gewalt abgelöst (s. u.gottesgewalt): das eur lieb denselben tag vff angeregte zeit eigener person gewisslich besuchen, vnd sich daran gar nichts, dann allein gottes gewalt vnd ehehaffte leibskranckheit verhindern wollen lassen (1540) bei Haltaus 742 (s. reichliche belege ebda und teil 4, 1, 3, 5005). vom gleichen ausgangspunkt her anders spezialisiert zur bedeutung 'schlagflusz', die volksmedizinisch vom 15. bis ins 18. jh. reich bezeugt ist, vgl. s. v. gewalt sp. 5006 f.; Höfler krankheitsnamenbuch 198b: adi 19. dez. 1547 am morgens umb 5 vr traf mich gottes gwalt bei Birlinger schwäb.-augsburg. wb. (1864) 200; wie man erkndigen soll, ob noch ein leben verhanden seye an denen, die von der gewalt gottes gerret seind Wirsung artzneybuch (1588) reg. 169c; synonym dazu gottes hand (s. u.η ββ).
εε) in ähnlichen verbindungen: neuuas danne gotes rat (consilium dei) bezzera danne mannis Notker 2, 355, 12 gl. P. (ps. 85, 5):

es ist bestimmt in gottes rath,
dasz man vom liebsten, was man hat,
musz scheiden
Feuchtersleben (um 1825) in: teil 8, 167;

das der engel aus gottes befehl auff eine nacht gieng durch gantz Egyptenland Luther 16, 237 W.; das Moses mit einer ruten, stecken oder stabe aus gottes geheis drein (in das meer) geschlagen hat derselbe 16, 267 W.; solches haben wir nicht selbs erdacht, sonder durch gottes offenbarung gesehen und gehort derselbe 14, 27 W.; gottes wege sind on wandel, des herrn rede sind durchleutert 2. Sam. 22, 31; ps. 18, 31; gottes wege sein wunderbar! und wie a een'n heimsucht, darf man nich murren Gerhart Hauptmann d. ges. w. (1942) 4, 255 (gottes weg in anderm sinne s. u. E 3 a θ δ δ; b γ); gottes fügung voluntas divina Stieler stammb. (1691) 577; (die befreiung des gefangenen) ist unsers verhoffens aus gots geschik bescheen Planitz ber. 396 Wülcker; dasz sie (solche betrachtungen) uns ... zu glauben verleiten, gottes gedanken seyen wie unsre gedanken Klopstock s. w. (1823) 11, 212.
γ) gottes tat, werk, wunder, ordnung u. ä. als stärker verdinglichte fügungen, die den verbindungen unter E 3 nahestehen, indem sie nicht nur das göttliche wirken selbst, sondern auch das ergebnis solchen wirkens bezeichnen, im bereich der schöpfung wie der heilsgeschichte:

(dasz wir) irkennen, so iz giscriban stat, thia wuntarlichun gotes dat
Otfrid V 12, 18;

wir hören sie (die jünger) mit vnsern zungen, die grossen thaten gottes reden apostelg. 2, 11; ps. 78, 7; kompt her, vnd sehet an die werck gottes, der so wünderlich ist mit

[Bd. 8, Sp. 1038]


seim thun vnter den menschen kindern ps. 66, 5; Joh. 9, 3 u. ö.;

siv (Maria) ist der ellenden trost,
gehgede der gotes wunder also groz dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 79, 18 Diemer;

gottes zceichen und wunder stellen sich, wie das widderspill drausz werden sall Luther 14, 244 W.; so doch die schrifft gottes zeugnis von jm selbs ist derselbe 50, 282 W.; denn dasselbige (irdische gut) ist allbereit gnugsam bestellet jnn der welt durch gottes ordnung derselbe 41, 92 W.; br. 10, 505 W.; wenn sie (die sonne) ein vernunfftige creatur wer, und solte nach jrem willen gehen, nicht nach unsers herr gottes schöpffung ... so möchte sie leiden, das alle lose buben nicht ein glentzlin von jr kriegten derselbe 41, 307 W. stärker konkretisiert: dennoch ist das weyb so wol eyn gottis werck als der man Luther 12, 104 W.; er hat aber doch auch herrliche, schattige gänge, in denen die französische kunst gottes werk unbeschnitzelt gelassen hat Nicolai reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 1, 180. älter gottes geschöpf 'einrichtung, ordnung' (anders s. u. E 1 c): das man gottes geschepffe (die ehe), werck, ordnung und segen solle verdampt, verflucht und fur die grosseste sunde halten? Luther 51, 528 W.; wider den satan, der der ehe als gottes geschepff feind ist Er. Alberus ehbüchl. (1539) G 1b.
δ) der christlichen gottesvorstellung entsprechend vor allem in solchen prägungen, die wesen und wirken gottes im blick auf die welt und den menschen als hilfreich, freundlich, gnädig kennzeichnen. der für die frühe deutsche wortgeschichte wichtigen entwicklung des zum sinnbereich der göttlichen gnade gehörenden wortschatzes kann hier (in den verbindungen gotes anst, ginâda, huldi, geba, gunst, guoti, armiherzida u. ä.) im einzelnen nicht nachgegangen werden, s. dazu Th. Frings Germania Romana (1932), bes. 17-25; derselbe, antike u. christent. a. d. wiege d. dt. spr. (1949) 12 f. und namentlich s. v. gnade, teil 4, 1, 5, 508 ff. mit sonstiger dort verzeichneter spezialliteratur.
αα) gottes hilfe: sino uuar der man ist der gotes helfa nesuohta (ecce homo qui non posuit deum adiutorem suum) Notker 2, 200, 31 P. (ps. 51, 9);

si truogenn künec sunder twâl
durch die gotes helfe für den grâl
Wolfram v. Eschenbach Parzival 480, 26;

das als durch gottes hilff geschach
Hans Sachs 1, 213 lit. ver.

seit alters in der bis heute gültigen formel mit gottes hilfe: die uuitiuun, die sih mit gotis helfa inziehint dere uuerltlichen vuunne (11. jh.) predigtsamml. B 3, 23 Steinm.; es wurde zwischen euch beyden mit gottes hilffe ein ehe beschlossen Warbeck d. schöne Magelone 20 Bolte; und wolte mit gottes hülf in kurzer zeit thun, was ich hiebevor in vielen jahren ... nit gethan hab Schupp schr. (1663) 4; nein, unsere kinder sollen mit gottes hülfe erst frische, gesunde und tüchtige hausfrauen werden Reuter w. 2, 203 Seelmann.
ββ) gottes liebe, ahd. mhd. gotes minna, minne als gen. subj. in älterer sprache hinter der gleichen verbindung im gen. obj. (s. u. DWB D 1 c) weit zurückstehend, während sich nhd. das verhältnis mehr und mehr umkehrt. nicht völlig eindeutig in sehr früher bezeugung: gotes minnî ist gagozan in unsere moutuuillun durah heilagan geist, der uns gageban uuarth (Römer 5, 5) Monsee-Wiener fragm. 29, 8 H.; vgl. 12; 17; so ist fore allen dingen daz zebedenchenne uuieo ferro unsih praht habet diu gotes minna unde uuieo hoho si reichet Notker 2, 434, 8 P. (ps. 103, 3); vgl. 3, 251, 1;

und getwungen mein fumf synn
da mich dew gotes mynn
mit hat geeret
Heinrich v. Burgus d. seele rat 4934 Rosenf.;

weder hohes noch tieffes noch keine andere creatur, mag vns scheiden von der liebe gottes, die in Christo Jhesu ist vnserm herrn Römer 8, 39; 2. Kor. 13, 13; ich bitte euch umb der liebe gottes willen, ihr wollet eure zeitliche und ewige wohlfahrt betrachten Schupp Corinna 18 ndr.;

[Bd. 8, Sp. 1039]


gottes liebe vergiszt kein stäubchen E. M. Arndt w. 1, 4 R.-M.
γγ) gottes gnade in den differenzierten, wenn auch oft schwer abgrenzbaren bedeutungen des beziehungswortes (und seiner frühen synonyma), die hier nur vergröbernd angedeutet werden können; s. im übrigen s. v. gnade, teil 4, 1, 5, 505 ff., bes. 511—529, zur frage des plurals gottes gnaden ebda 506 f. am breitesten in der anwendung auf gottes huld, geneigtheit, liebe und gütige fürsorge, ihre wirkungen und gaben im natürlichen und geistlichen bereich:

(das haus) thar ther liut io betota, ginada gotes thigita
(um gottes gnade flehte)
Otfrid III 4, 44;

und (ich) wil iemer varnde sîn,
mirn tuo noch gotes gnâde schîn
von wanne ich sî ode wer
Hartmann v. Aue Gregorius 1804; vgl. 136;

Paulus aber welet Silan, vnd zoch hin, der gnade gottes befolhen, von den brüdern apostelg. 15, 40; gottes genad erfület die welt schöne weise klugreden (1548) 5a. von charismatischen gaben: daz an imo offeno skine etelih gotes gnada, einuueder dero beruochunga ode des kechosis ode des uuissagtuomis ode etelichero gotes gebe Notker 3, 190, 29 P.; vnd dienet einander, ein jglicher mit der gabe, die er empfanget hat, als die guten haushalter der mancherley gnaden gottes 1. Petr. 4, 10. formelhaft:

von gotes genaden do vant er
die zwene wallende man
Gottfried v. Straszburg Tristan 3804 Ranke;

ein ehrliches eheweib, das jhren schwangern leib von gottes gnaden, und mit ehren trüge Moscherosch gesichte (1642) 2, 143; hast du auftrag? sagte der baron ... aus eigner macht und gewalt, versetzte Friedrich, auch von gottes gnaden, wenn ihr wollt Göthe I 23, 307 W.; hernach lies der bapst Clemens eine bulla ausgehen, ... darinne er grieff nach aller könige und fürsten geld ... aber es feilet im auch, durch gottes gnad Luther 50, 362 W.; Kramer t.-ital. 1 (1700) 549b. in engerem sinne von der göttlichen barmherzigkeit und sündenvergebung: confiteantur suam iniquitatem, gratiam dei iehen iro unrehtis unde gotis kenadon Notker 2, 251, 20 gl. P.; vgl. 275, 25;

weil wir sind brechlich allesammen,
mit gleichen sünden schwer beladen
und dürffen all der gottes gnaden
Hans Sachs 1, 295 lit. ver.;

die grosze indulgenz ... war die vergebung der sünden, so dasz man die gnade gottes wieder erlange Ranke s. w. (1867) 1, 207. oft schwer trennbar von dem zur christlichen rechtfertigungslehre gehörenden biblisch-theolog schen (paulinischen) gnadenbegriff: zu bezeugen das euangelium von der gnade gottes apostelg. 20, 24; vgl. 2. Kor. 6, 1; Kol. 1, 6; Titus 2, 11; ich fürchte nichts auf der welt, wenn ich die gnade gottes habe Göthe I 43, 286 W. mit betonung des gratuitätscharakters: unte sîe nechein gedinge nehânt an in selbon durh decheina iro uuoletât, neuuâre okkeret in gotes gnâdon Williram hohes lied 52, 40 Seem.; vgl. 106, 11;

on allen verdienst gar umb sunst
ausz lauter gottes gnad und gunst
Hans Sachs 1, 26 lit. ver.

im 16. jh. als segens- und gruszformel, in der umbildung neutestamentlichen vorbildes (vgl. z. b. 1. Kor. 1, 3; 2. Kor. 1, 2; Gal. 1, 3): gnade und friede gottes in Christo! Luther br. 8, 133 W.; gottes genad vnd alles gutes zuvor Ringwaldt evangelia (1581) A 2a.
δδ) zur formel von gottes gnaden in der verbindung mit herrschertiteln s. s. v. gnade II C 4, teil 4, 1, 5, 523 ff.; dt. rechtswb. 4, 1007.
εε) gottes güte vorwiegend in allgemeinem sinn von der liebenden fürsorge gottes für seine schöpfung und seine geschöpfe, s. DWB güte 3 a γ, teil 4, 1, 6, 1401:

wanta manag man in war giloubta thuruh inan thar,
thuruh theso dati in selben gotes guati
Otfrid IV 3, 12;

[Bd. 8, Sp. 1040]


Heinrich v. Melk er. a. d. tod 1008 H.-K.; ich aber werde bleiben, wie ein grüner olebawm, im hause gottes, verlasse mich auff gottes güte jmer vnd ewiglich ps. 52, 10;

so find ich (in der natur) gleich
ein herlichs reich
vol lauter gottes gühte
Rist himl. lieder (1652) 2, 120;

sie fühlte das bedürfnis, hier (bei einer armen sterbenden frau) helfend einzugreifen; mit dem bloszen hinweis auf gottes güte konnte man diese mutter nicht dahinfahren lassen Polenz Grabenhäger (1898) 1, 102. daneben in dem engeren sinne der den sünder rechtfertigenden, verzeihenden gnade: oder verachtestu den reichthum seiner güte, gedult vnd langmütigkeit? weissestu nicht, das dich gottes güte zur busse leitet? Römer 2, 4; vgl. 11, 22; um der güte gottes willen frage nicht mehr, warum ich gekommen Stifter s. w. 1 (1904) 289.
ζζ) gottes huld, gottes gunst. vornehmlich ahd. anst (wie auch miltida: Tatian 4, 18) hat den vollsinn der eigentlichen gratia, s. auch s. v. gunst B 2, teil 4, 1, 6, 1109: gratia kepandi anst anti huldi kotes (K) ahd. gl. 1, 200, 8 St.-S.; kl. ahd. denkm. 195, 8 Steinm.;

on allen verdienst gar umb sunst
ausz lauter gottes gnad und gunst
Hans Sachs 1, 26 lit. ver.

gottes huld besonders älter in der gleichen doppelbedeutung wie gottes güte: swaz ir wider gotis hulden habet getân Benediktbeurer gl. u. b. III, 39 Steinm.;

wie sol ich gotes hulde
gewinnen nâch der missetât
diu hie vor mir geschriben stât
Hartmann v. Aue Gregorius 1782; vgl. 3962 u. ö.;

daz dritte ist gotes hulde,
der zweier (êre und varnde guot) übergulde
Walther v. d. Vogelweide 8, 16;

minnes. frühling 181, 1 Kraus;

das ist allein die gottes huld
das sie hielten so grossen gedult
Murner badenfahrt 20 Martin.


ηη) gottes erbarmen, barmherzigkeit nur in der engeren anwendung auf die befreiung des menschen aus not und sünde: fona cotes armiherzidv neonaldre farvvannan (de dei misericordia numquam disperare) Benediktinerregel 206, 10 Steinm.; die alten federn zeuht der sünder niht ab, denne er naig sich gegen mittem tag, dâ der sunnen hitz allermaist ist, daz ist gotes parmherzichait, wan got ist diu wâr sunne Konrad v. Megenberg buch d. nat. 205, 1 Pf.; so liegt es nu nicht an jemands wollen oder lauffen, sondern an gottes erbarmen Römer 9, 16; da mein vorrath (für das kind) auf war, macht' ichs wie Hagar, nahm das kind auf die schulter und ging auf gottes barmherzigkeit Lenz ges. schr. 1, 60 Tieck.
θθ) weniger gefestigt in anderen verbindungen, die im sinne der gütigen, freundlichen zuneigung eigenschaften und äuszerungen gottes umschreiben: edo nivveist danta kidult cotes ze hrivvvn dih zualeitit (an nescis quia pacientia dei ad poenitentiam te adducit) Benediktinerregel 195, 28 Steinm.;

unde (wir) biten unzubrochen
alle dise wochen
die hohen gotes truwe
daz er an uns vernuwe
sine wunder väterbuch 23 761 Reiss.;

Parzivâl sprach 'hêrre,
der gotes gruoz mir verre,
op mich ie baz gez me
swes ich von wirte næme'
Wolfram v. Eschenbach Parzival 486, 28;

d. teufels netz 5770 Barack;

und sölt ich leben nun ain jar,
ain jar auf diser erden,
so wölt ich beicht und busz empfahn
und gottes trost erwerben
Uhland volkslieder (1881) 595;

wenn nu die so hart angefochten werden, die ynn gottes schutz sind Luther 16, 434 W. zur verdinglichung neigend:

[Bd. 8, Sp. 1041]


dei mei salus cotes mines haili (Pa), kotes mines heli (K) ahd. gl. 1, 172, 31 St.-S.; wer danck opffert, der preiset mich, vnd da ist der weg, das ich jm zeige das heil gottes ps. 50, 23; apostelg. 28, 28 u. ö.
ιι) gottes segen, vgl. s. v. segen 7, teil 10, 105 f., segen 12, teil 10, 109 (in der Lutherbibel nur segen des herrn). mit noch leicht magischem charakter im älteren, bes. mhd. gebrauch, wo göttliche hilf und göttlicher schutz als unmittelbar wirkende kraft gedacht sind:

wan daz mich der gotes segen
vriste von des weteres nôt,
ich wær der wîle dicke tôt
Hartmann v. Aue Iwein 654; Gregorius 3110; 3744;

so gern in wunsch und grusz: benedictio domini super uos gotes segen si uber iuh (als segenswunsch) Notker 2, 560, 28 P. (ps. 128, 8);

guote naht geb iu der gotes segn
Wolfram v. Eschenbach Parzival 279, 26;

vgl. 494, 12;

nun fart hyn haim in gottes segn pfarrer v. Kalenberg 24, 470 ndr.;

gute nacht — gottes segen über mein mütterchen A. v. Droste-Hülshoff br. (1893) 18. sonst allgemeiner umschreibend für gottes fördernde hilfe, meist im natürlichen bereich: gottes segen nehrt, vnd nicht die arbeit Lehmann floril. polit. (1662) 1, 48. sprichwörtlich: an gottes segen ist alles angelegen (1710) bei Flaskamp hausinschr. d. st. Wiedenbrück 24. in verdinglichender anwendung auf bestimmte gaben und lebensgüter, die gott schenkt:

de fruw hefft ein kind gekregen,
welckes im ehestand is ein eddel gades segen
Lauremberg in: korr. d. ver. f. nd. spr. 15 (1891) 20a.

mit scherzhaft ironischem unterton: einen andern verwandten, welchem seine frau zwillinge in die wiege gelegt hatte und welcher über diesen segen gottes die hände zusammenschlug, ... schalt er E. M. Arndt w. 1, 39 R.-M.
κκ) gottes lohn: retributio dei lon cotes (Pa), lon kotes (K) ahd. gl. 166, 12 St.-S.;

erbarmet er sich über sî
dâ stüende gotes lôn bî
Hartmann v. Aue Iwein 4858.

jünger besonders da, wo ein lohn von seiten dessen, dem man gutes erweist, nicht zu erwarten ist: das es nicht ein gotts lohn verdienen heisse ... allen bettlern ... seine allmosen spenden Pape bettel- u. garteteuffel (1586) c 8b; als Klaus ... sich auf den weg machte und wieder um gottes lohn auf einem fuhrwerk an der Iller dahinglitt Dörfler d. notwender (1934) 20.
λλ) gottes gabe. zufrühest im sinne der eigentlich religiösen gratia und misericordia und als konkurrenzwort neben ahd. ginâda: inti gotes geba uuas in imo (dem Jesuskind) (et gratia dei erat in illo) Tatian 12, 1. so noch in der Lutherbibel: denn so an eines sünde viel gestorben sind, so ist viel mehr gottes gnade vnd gabe vielen reichlich widerfaren, durch Jhesum Christ, der der einige mensch, in gnaden war Römer 5, 15; vgl. Eph. 2, 8. speziell vom heiligen geist: do Symon der zouberrer die gotis gabe wolte kfen Lucidarius 34, 26 Heidlauf; das du verdampt werdest mit deinem gelde, das du meinest, gottes gabe (der heil. geist) werde durch geld erlangt apostelg. 8, 20. von bestimmten gnadengaben: oh in imu ist elliu folnissa gotes ghebono ioh gheistes (plenitudo diuinitatis et gratiarum) Isidor 40, 14 H. meist, und namentlich jünger, von göttlichen wohltaten, freundlichkeiten und geschenken im bereich des natürlichen lebens, oft gegenständlich und verdinglicht: die Sodomite unde Gomorrei cherton die gotis geba (den wein) in ubilen nuz (5. Mose 32, 32) Notker 3, 373, 32 P.; das bergwerck auch ein gnediger segen und gute gabe gottes ist Mathesius Sarepta (1571) inhaltsang. 1a; allein, das Davids (dichterische begabung) war eine sonderbahre gabe gottes Schupp Corinna 13 ndr.; es thäte noth, dasz man solchem verfluchten volk die

[Bd. 8, Sp. 1042]


gaben gottes (gaben der kunst) in spiritus aufhübe Göthe IV 27, 149 W. in der speziellen bedeutung 'kirchliche stiftung' in früher komposition, s. u. gottesgabe 1.
ε) δ gegenüber in verbindungen gegenteiligen sinnes, die aber, als zur vorstellung eines zürnenden, strafenden gottes gehörig, auch in ihrem frühen gebrauch nicht durchaus heidnischen ursprungs zu sein brauchen (so Jac. Grimm mythol. 41, 15; 3, 12). gerade die meisten der hier geläufigen verbindungen dürften vielmehr in biblischen, namentlich alttestamentlichen vorstellungen und wendungen eine stärkere wurzel haben.
αα) gottes zorn, vgl. s. v. zorn II, teil 16, 99ff. im gegensinn zur göttlichen gnade und barmherzigkeit innerhalb der biblisch-christlichen grundbegriffe: denn gottes zorn vom himel wird offenbart vber alles gottloses wesen vnd vngerechtigkeit der menschen, die die warheit in vngerechtigkeit auffhalten Römer 1, 18; vgl. Joh. 3, 36; aber die welt achtet nichts, weder gottes zorn noch barmherzigkeit Luther tischr. 3, 4 W.;

vergeblich wehrst du mir gebohrn,
wann ich nicht wär in gottes zorn
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 3, 328.

enger im blick auf die dem zorn entspringende strafe:

der sînem scolen nieht vergibet, ...
der laitet uber sich den gotes zorn vaterunser v. 167 Waag; vgl. 218;

da kam der zorn gottes vber sie, vnd erwürget die fürnemesten vnter jnen, vnd schlug darnider die besten in Israel ps. 78, 31;

schwerdt, das ducaten prägt,
und lügensaaten schlägt
mit gottes zorn
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 2, 50.

seltener: das wo uberkeyt strafft, die das schwerd tregt, odder die feynde beschedigen, das man solchs alles gottis rach heysse Luther 17, 2, 59 W. nur älter:

mich hât mit unminne
der gotes haz bestanden die klage 518 Lachm.;

mhd. häufig abgeschwächt in verwünschungsformeln, s. u. J 1 a κ.
ββ) gottes urteil, gericht, strafe. gottes urteil sowohl als göttliche gerichtsgewalt wie enger als verdammungsspruch und strafvollzug:

'wer ougta iu', quad, 'fillorane, fon nataron giborane,
thaz ir intfliahet heile themo gotes urdeile?'
Otfrid I 23, 38;

denckestu aber, o mensch, der du richtest die, so solches thun, vnd thust auch dasselbige, das du dem vrteil gottes entrinnen werdest? Römer 2, 3; (ich) gloubo denne daz rehtista gotes urteila Bamberger glaube 139, 17 Steinm.; vgl. 140, 16; ewr person leben und fürstlich wesen liessen wir ewrem gewissen und gottes urteil, so haben wir auch bis her euch solchen zwangk nie genomen, jhr habt jhn selbs lassen fallen Luther 30, 2, 342 W. speziell als ordal (s. u. gottesurteil): die sogenannten urtheile gottes sind ... beybehalten worden M. J. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 548. von hier aus:

denn aller ausgang (eines doppeldeutigen unterfangens) ist ein gottes urthel
Schiller 12, 228 G.;

jünger statt gottes urteil meist gottes gericht, in gleichem doppelsinn, s. auch s. v. gericht 18, teil 4, 1, 2, 3648f.:

wazzer unde fiur sint zuei starchiu gotes gerihte,
dei dere werlte allere sint offen cegesihte (12. jh.) in:
Meyer-Benfey mhd. übungsbuch 5;

das sie selbs sehen musten, wie sie durch gottes gerichte also zuplaget worden weish. Salomonis 16, 18; ich will es nicht einmal vor gottes gericht zu verantworten haben Lenz ges. schr. 1, 8 Tieck;

der erzspion verfolgt mich überall
wie die gerichte gottes
Schiller 5, 5 G

[Bd. 8, Sp. 1043]


auch ordal (s. u. gottesgericht): gottes gericht ... ist vor alters der vermeinte wunderbare beweiszthum durchs feuer oder wasser gewesen Jac. Döpler theatr. poen. (1693) 73; von den sogenannten gerichten gottes kömmt in den salischen gesetzen nur die probe des siedenden wassers (aenei) vor M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 311. gottes strafe: und ist hie kain wegerung die an der gotis straff vnd gesetz wolte eintrag thun Jac. Strausz christenl. unterricht (1523) a 2b; der abgehärmte, alternde, kranke könig, der sein unglück als strafe gottes fühlet Herder 12, 224 S. älter noch in anderen verbindungen:

mit Jûdâ, dem verflûchtem manne
in dem êwigem gotes panne
Heinrich v. Melk priesterl. v. 365 H.-K.;

auir gotis racha get ubir antichristum der huobit ist allere ubile Notker 3, 375, 27 P.;

(gott) macht ein end seiner (Israels) schinterey
durch Ehud, der durch gottes rach
zu tod diesen tyrannen stach
Hans Sachs 1, 223 lit. ver.

mhd. gotes slac in fester umschreibung für unglück aller art, vgl. s. v. schlag I 4 a, teil 9, 319:

nach mitter naht
uber di burc gi der gotes slac,
do wurten si irtrenket dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 17, 22 Diemer;

iwer prîs, sînhalp der gotes slac,
im (dem getöteten) freude hât enpfüeret
Wolfram v. Eschenbach Parzival 545, 6.


ζ) in abstrakten verbindungen ganz allgemeiner art wie gottes natur, sache u. ä.: dis sey gottes art und natur, das er denen helffen wolle, die an seinen son Jhesum Christum glauben Luther 16, 350 W.; vgl. 17, 2, 152;

die snd erlan nach gottes art
vnnd schencken auch das leben
Ringwaldt evangelia (1581) g 7a;

wie gottes weise ist, das er die buben blind machet, wenn sie sollen gestrafft werden Luther 50, 413 W.; hie sihet man, wie die blinde vernunfft tappet jnn gottes sachen und trost sucht ynn eigenen wercken derselbe 50, 230 W.; vgl. 12, 233.
η) gott, allgemein als wirkende person gedacht, begegnet in einer besonderen gruppe anschaulich-bildhafter verbindungen, in denen das anthropomorphe element gesteigert erscheint.
αα) gottes rechte eine durch bibel und apostolikum gestützte verbindung, vgl. ahd. gotes zeswa: (Christus) sizit az zesuun cotes fateres almahtikin (8. jh.) kl. ahd. sprachdenkm. 27, 13 Steinm.; vgl. 30, 52; 33, 103; als er aber vol heiliges geistes war, sahe er auff gen himel, vnd sahe die herrligkeit gottes, vnd Jhesum stehen zur rechten gottes apostelg. 7, 55; Römer 8, 34;

ihr werdet ihn sehen
sitzen zur rechte gottes, und kommen in wolken des himmels
Klopstock s. w. (1823) 4, 33 u. ö.


ββ) gottes hand in vielfacher beziehung und spezialisierung. namentlich umschreibend für die macht gottes in der schöpfung und in der hilfreichen oder strafenden lenkung der menschlichen geschicke:

duo diu vrône godis hant
diu spêhin werch gescuoph so manigvalt Annolied 21 Roediger;

so demütiget euch nu vnter die gewaltige hand gottes, das er euch erhöhe zu seiner zeit 1. Petr. 5, 6; die hand gottes war drüber gekommen Alexis Roland (1840) 1, 81. formelhaft: denn es stehet ynn gottes hand, nicht ynn yhrem willen, was sie vns thun oder wir leiden sollen Luther br. 8, 235 W.; an andern beyträgen (für die horen) ist nichts eingelaufen, und das siebente stück steht noch ganz in gottes allmächtiger hand Schiller br. 4, 171 Jonas. von Lukas 23, 46 aus, pluralisch: meine ... seele wird bald seyn in den händen gottes Schupp Corinna 58 ndr. auch soviel wie 'göttliche weisung':

verkennt nicht gottes hand,
die euch gewiesen, was sein heilger wille
Grillparzer s. w. 6, 94 Sauer.

[Bd. 8, Sp. 1044]


in verschiedenen konkretisierungen spezialisiert. besonders für den schlagflusz wie gottes gewalt (s. ob. C 1 a β δδ): den tropff, schlag, gottes gewalt oder gottes hand Wirsung artzneyb. (1588) 148b; tropf pro schlag, hand gottes apoplexia Steinbach dt. wb. (1734) 2, 869. anders: epfich, der zum gries und stein so fürtrefflich ist, das er die hand gottes genant wird (1568) bei Fischer schwäb. 3, 1106. mundartlich: 'de hand gottəs wurde früher der wacholderstrauch genannt, der an häusern herausstak, wo getränke verzapft wurden' rhein. wb. 2, 1321.
γγ) gottes finger. älter meist als umschreibung für göttliche machteinwirkung: so ich aber durch gottes finger die teufel austreibe, so kompt je das reich gottes zu euch Lukas 11, 20; es (das unglück) ist als gschehen durch gottes finger. der hat all dieng in seinem gwalt Jac. Ayrer dramen 719 Keller. jünger als bildrede im sinne von 'weisung, mahnung gottes': denn nur im elend erkennt man gottes hand und finger, der gute menschen zum guten leitet Göthe I 50, 200 W.; Rudolph Wagner ist ein haupt-glaubensmann und sieht den finger gottes in seinem rufe nach Göttingen Dahlmann in: briefw. zw. J. u. W. Grimm (1885) 1, 464.
δδ) gottes auge, auch gottes ohr, mund u. ä., von mehreren ansatzpunkten aus:

thanna thu scalt lôn nemen
fora godes ôgun Heliand 1564 B.; vgl. 1969; 1977;

Notker 1, 315, 8 P.; wer wolte vor gottes augen stehen unnd nicht erschrecken, so diser priester (der uns schützen soll) nicht vor gott stünde? Luther 17, 2, 471 W.;

wer gott-gesalbte rührt, rührt gottes augen an
Gryphius trauersp. 761, 94 Palm;

vgl.: god na den ogen tasten die verwägenheit weit treiben Dähnert plattdt. wb. 156; Mensing schlesw.-holst. 2, 442;

sîn gebet wirt verunrûchet,
wan ez ze gotes ôren nicht stîget
Heinrich v. Melk erinn. a. d. tod v. 97 H.-K.;

der mensch lebet nicht vom brot alleine, sondern von einem jglichen wort, das durch den mund gottes gehet Matth. 4, 4; verflucht war durch gottes mund die stunde, in der ich geboren wurde Th. Mann d. erwählte (1951) 218; das sie durch den odem gottes sind vmbkomen Hiob 4, 9; ich wil liber sein in gottes schosz, den bey vatter und mutter Luther 14, 383 W.;

und (dasz ich) auf einem sterne mit dir lebe,
und in gottes schoosze ruh
Hölty ged. 64 Halm;

als die welt im tiefsten grunde
lag an gottes ewger brust
Göthe I 6, 188 W.


εε) gottes antlitz, angesicht in bildhafter umschreibung für gott selbst, aus biblischer wurzel:

ir (der seligen im himmel) allermäiste wunne
daz ist gotes antlutze
Heinrich v. Melk erinn. a. d. tod v. 993 H.-K.;

vgl. 40; meine seele dürstet nach gott, nach dem lebendigen gott, wenn werde ich da hin komen, das ich gottes angesicht schawe ps. 42, 3; 1. Mose 3, 8; o! wenn da diese herrliche natur so starr vor mir steht wie ein lackirtes bildchen ... und der ganze kerl vor gottes angesicht steht wie ein versiegter brunnen, wie ein verlechter eimer Göthe I 19, 128 W.
ζζ) gottes stimme umschreibend für eine selbstbekundung gottes, eine göttliche weisung, einen besonderen göttlichen auftrag: gotes stimna hluda in Sinaberge quhedhenda Isidor 13, 14 H.;

diu gotes stimme sprach in zuo
daz sî des næhsten tages vruo
die Rômære zesamene bæten
Hartmann v. Aue Gregorius 3172;

wirstu der stim des herrn deines gottes gehorchen, vnd thun was recht ist fur jm, vnd zu ohren fassen seine gebot 2. Mose 15, 26; gottes stym (sagen sie) (die anhänger Münzers in der Schweiz) mustu selbst hören Luther 15,

[Bd. 8, Sp. 1045]


211 W.; freunds rath ist offt gottes stimm Lehmann floril. polit. (1662) 2, 618;

das herz ist gottes stimme, menschenwerk
ist aller klugheit künstliche berechnung
Schiller 12, 345 G.

sprichwörtlich: volcks-stimme, gottes stimme voce del popolo, voce di dio Kramer t.-ital. 2 (1702) 1207a.
b) seltener im umgekehrten syntaktischen verhältnis, wobei der abhängige genitiv als attribut einen grundzug im wesen oder wirken gottes umfassend bezeichnet, bibelsprachlichem gebrauch entnommen. oft steht hier neben gott der bestimmte oder unbestimmte artikel: deus pacis got des frides (9.-10 jh.) ahd. gl. 2, 319, 53 St.-S.; so wird gott der liebe und des friedens (rev.: der gott der ...) mit euch sein 2. Kor. 13, 11; Römer 15, 5 u. ö.;

wann du bist ein gott der wahrheit.
was du verheist, das gschicht alzeyt
Hans Sachs 1, 69 lit. ver.;

o gott der macht und herrlichkeit
Gellert s. schr. (1769) 2, 145;

gott der gnade, nimm die sünde von ihm Schiller 3, 502 G.
2) in der bestimmung durch adjektiva, meist attributiv, seltener prädikativ oder appositionell mit nachgestelltem substantiviertem adjektiv. in dem 1 entsprechenden anwendungsbereich, aber doch mit fühlbar anderer verteilung der akzente. einen erheblichen teil der festen verbindungen steuert auch hier die sprache der bibel bei.
auszerhalb der anrede und des prädikativen gebrauchs begegnet gott hier durchweg mit dem bestimmten artikel. die nicht seltene verbindung mit dem unbestimmten artikel wurzelt (wie ob. A 3) in der verwendung des wortes als gattungsbegriff und (wie unt. 4) in scheinbar polytheistischer grundvorstellung, bleibt aber im biblisch-christlichen rahmen, vgl. etwa:

wan er ist ein almehtic got
Konrad v. Würzburg Pantaleon 900;

denn du bist ein gnediger vnd barmhertziger gott Neh. 9, 31. nur in vereinzelt übertragenem gebrauch der mundart wird dieser rahmen gesprengt: de hät en goden gott agebett glück gehabt rhein. wb. 2, 1322; Leithäuser Barmen 14; Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 654.
a) das schwergewicht adjektivischer bestimmung liegt im ahd., fühlbarer noch im as. (Heliand), auf der kennzeichnung göttlicher machtfülle und hoheit (s. ob. sp. 1025), verlagert sich aber schon in mhd. höfischer zeit; doch reichen manche verbindungen bis in jungen gebrauch.
α) der allmächtige gott als geläufigste, durch die bibel und das omnipotens des apostolikums gleichermaszen gestützte formel, vgl. auch die verselbständigte substantivierung der allmächtige als christliche gottesbezeichnung:

enti do uuas der eino almahtico cot Wessobr. geb. 7 Steinm.;

vgl. 10 u. ö.; Heliand 476 B.;

und ein durchliuhtic himelbote,
der von dem almehtigen gote
wær in daz lant gesendet
Konrad v. Würzburg trojan. krieg 23 070;

wie wol der almehtig got wider uns in zoren (zorn) ist Arigo decameron 10, 38 Keller; vnd (Jakob) sprach zu Joseph: der allmechtige gott erschein mir zu Lus im lande Canaan, vnd segenet mich 1. Mose 48, 3 u. o.;

(das vieh) ... bleibt in seim berff,
wie es gott der allmechtig schff
Scheit Grobianus v. 4960 ndr.


β) andere epitheta gleicher bedeutung bleiben auf älteren gebrauch beschränkt: der waltende, allwaltende gott, namentlich als uualdand, alouualdo god im Heliand, vgl. 20; 98; 645; 861; 3937 u. o.:

welaga nu, waltant got, (quad Hiltibrant) wewurt skihit Hildebrandsl. 49 Steinm.;

o vader alweldiger got
der durch true gebot
din kint her nieder santes passional 3, 32 Hahn; 86, 41; 88, 48 Köpke.

[Bd. 8, Sp. 1046]


der rîche got der mächtige:

'ni scal that rîki god', quad he,
'uualdand uuillien' Heliand 3095 B.; vgl. 2611.

vornehmlich mhd.:

'rîcher got der guote,
wie sol ez mir nû ergân'
Hartmann v. Aue Iwein 5972;

Ulrich v. Zatzikhoven Lanzelot 7593. besonders appositionell nachgestellt:

der ie nâch sælden warp.
nû pflege sîn got der rîche
Walther v. d. Vogelweide 108, 3;

Nibelungenlied 1793, 3 L. vereinzelt nhd., im volkslied, wo also die bedeutung potens noch nachklingt:

ach reicher gott vom himmel,
wie bitter wird mir der tod! (1776)
Uhland volkslieder (1881) 129.


γ) in der verbindung mit mächtig, gewaltig, stark, grosz von längerer lebensdauer:

mehtiger got, dû bist sô lanc und bist sô breit
Walther v. d. Vogelweide 10, 1;

herr gott du bist der mechtige gott, der grosse thaten thut, vnd niemand kan dir widerstehen Judith 16, 16;

was kan vns kommen an für noth,
wen vns beysteht der gewaltig gott?
Petri d. Teutschen weiszh. (1605) F 5b;

der starcke gott der herr, der starcke gott der herr weis Josua 22, 22; 1. Mose 33, 20; vnd warten auff die selige hoffnung vnd erscheinung der herrligkeit des grossen gottes, vnd vnsers heilandes Jhesu Christi Titus 2, 13; Daniel 2, 45;

groszer gott, wir loben dich anfang e. kirchenliedes a. d. 18. jh., s.
Kosch dt. lit.-lex. 21, 750;

J. Chr. Günther s. w. 2, 136, 20 Krämer; 224, 1. auch in der reihung verwandter attribute: dero michelo got unde der mahtigo habet kebreitet kelouba ... in alla uuerlt Notker 2, 181, 17 gl. P. (ps. 47, 3); der allmächtige, grosze, starke gott! maler Müller w. (1811) 108.
δ) in einer A 7 entsprechenden attributiven kennzeichnung vor allem der höchste gott (deus altissimus), bibelsprachlichen ursprungs und unter polytheistischer voraussetzung, aber vorwiegend als absolute rangbezeichnung empfunden: ih haren ze demo hohesten gote (clamabo ad deum altissimum) Notker 2, 215, 13 P. (ps. 56, 3); der hohesto got (deus excelsus) 317, 5 (ps. 77, 35);

dem hosten gote bevilh' ich dich:
ein scheiden von dir riuwet mich minnesinger 1, 211b v. d. Hagen;

dis alles ist eben das buch des bunds, mit dem höhesten gotte gemacht Jesus Sirach 24, 32 u. ö.; womit sie und ire libe angehörige ich in den schuz des höchsten gottes ... befäle Bellin hochdt. rechtschr. (1657) )( 5b; dieselbige folgete allenthalben Paulo vnd vns nach, schrey vnd sprach, diese menschen sind knechte gottes des allerhöhesten, die euch den weg der seligkeit verkündigen apostelg. 16, 17;

wer gott dem allerhöchsten traut,
der hat auf keinen sand gebaut
G. Neumark bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 4, 311.

der oberste, der himmlische gott nhd. kaum noch üblich (doch s. ob. A 7 a gott des himmels):

diu vorhte des oberisten gotes
daz ist diu gebe zaller vorderest vaterunser v. 25 Waag;

die böse frau v. 217 Schroeder;

niist in kihuctin himiliskin gote muspilli 29 Steinm.;
Otfrid I 12, 9; IV 19, 47.


b) andere adjektivverbindungen kennzeichnen gott im sinne der echtheit, tatsächlichkeit und unwandelbarkeit seiner existenz.
α) der rechte, wahre gott in ausdrücklichem oder unausgesprochenem gegensatz zu falschen oder nicht existenten göttern (s. u. III A): das, welcher sich segnen

[Bd. 8, Sp. 1047]


wird auff erden, der wird sich in dem rechten gott segenen Jesaia 65, 16; der rechte gott deus verus Frisch teutschlat. wb. 2 (1741) 96b;

wâre got, ih lobin dih Ezzos gesang in:
Waag dt. ged. 3;

sîn flîz der wart groz
zuo dem wâren gote (von einem bekehrten heiden)
Ottokar österr. reimchron. 19 317 Seem.;

das ist aber das ewige leben, das sie dich, das du alleine warer gott bist, vnd den du gesand hast, Jhesum Christ, erkennen Joh. 17, 3; 1. Thess. 1, 9;

daher man alles klar und helle
darüber bey den göttern hört,
was man vom wahren gott darunten lehrt
(in einer christl. kapelle mit deckengemälden heidnischer götter)
Triller poet. betrachtg. (1746) 2, 22.


β) der ewige, der alte, der lebendige gott: der herr der ewige gott der die ende der erden geschaffen hat Jesaia 40, 28; Römer 16, 26 u. ö.; o almechtiger, ewiger, gutiger gott, jch bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine sunde Warbeck schöne Magelone 42 Bolte. der alte gott ohne biblisches vorbild:

er (Adam) nicht uermiden ne wolde,
daz ime der alde got uerbot könig Rother 4410 de Vries;

Wittenweiler d. ring 8574 Wieszner. bis heute sprichwörtlich (s. auch u. 3 b): der alt gott lebt noch S. Franck chron. zeytb. (1531) vorr. a; Eyering proverb. copia (1601) 1, 425; der alte gott lebet noch und lässet nicht zu schanden werden Immermann Münchh. (1841) 1, 17; Fischer schwäb. 3, 762; Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 654. in der beteuerung mit J 2 b kombiniert: so wahr der alte gott noch lebt, so hol ich mir auch mein recht Eichendorff s. w. (1864) 3, 321. mit eigenem ton vor religiöspatriotischem hintergrund:

und auch vom vaterland kunde gib:
obs noch das land der treuen lieb,
ob der alte gott noch in Deutschland wohnt,
und niemand mehr dem bösen front
H. Heine s. w. 2, 57 Elster;

E. M. Arndt w. 1, 39 R.-M. der lebendige gott als ausgesprochen biblische verbindung: thu bist Christ sun gotes lebentiges Tatian 90, 2; 190, 1; meine seele dürstet nach gott, nach dem lebendigen gott, wenn werde ich da hin komen, das ich gottes angesicht schawe? ps. 42, 3; 84, 3; Jes. 37, 17; Matth. 16, 16 u. ö.;

wann er sich gar verlassen thet
auff den war lebendigen got
Hans Sachs 1, 214 lit. ver.


c) in ethischer wertung verbindet sich gott vor allem mit heilig, gerecht, treu, wahrhaftig und fromm:

enti cot heilac Wessobrunner gebet 9 Steinm.;

ahd. sonst nicht, doch vgl. Heliand 161; 240; 1513 u. ö.; darumb du heiliger gott, dem allein gehöret alles was heilig ist, beware fort an dein haus 2. Makk. 14, 36; quoniam iustus dominus iustitias dilexit vuanda got rehter minnot dero menniscon reht Notker 2, 33, 5 P. (ps. 10, 8); las der gottlosen bosheit ein ende werden, vnd fördere die gerechten, denn du gerechter gott prüfest hertzen vnd nieren ps. 7, 10; gott der gerechte hat ursach genug Schupp Corinna 55 ndr. der treue gott in bibli chem und biblisch beeinflusztem gebrauch: also Paulus chit: ketriuuue ist got der unsih nilazzet ferror irsuochit uuerden danne uuir uirtragin mugin Notker 2, 107, 15 gl. (ps. 32, 4) P.; in deine hende befelh ich meinen geist, du hast mich erlöset herr du trewer gott ps. 31, 6; 1. Kor. 1, 9 u. ö.;

der treue gott dies jahr vermehre
was sie erquickt zu jeder zeit
Schiller 1, 4 G.;

es bleibe viel mehr also, das gott sey warhafftig, vnd alle menschen falsch Römer 3, 4; du hast eine schande begangen an der majestät des wahrhaftigen gottes dasz du dir die tugend die hände zu deinem bubenstück führen ...

[Bd. 8, Sp. 1048]


lieszest Schiller 3, 159 G. im kirchenlied der fromme gott 'der heilige, gnädige':

o gott, du frommer gott,
du brunnquell guter gaben
J. Heermann bei
Fischer-Tümpel 1, 308;

Paul Gerhardt ebda 3, 300 u. ö.; E. M. Arndt w. 4, 9 R.-M.
d) in der kennzeichnung der auf die welt und den menschen gerichteten gesinnung und wirksamkeit gottes.
α) der liebe gott als heute geläufigste verbindung (vgl. s. v. lieb 8 a, teil 6, 899) ist biblischem sprachgebrauch durchaus ungemäsz und auch der Lutherbibel fremd. ahd. (s. ob. sp. 1025) steht liobi nur neben truhtîn, nicht neben got (vgl. z. b. Otfrid L. 35; III 1, 31); erst das mhd., dann namentlich das ältere volkslied kennt die verbindung der liebe gott. im eigentlichen vollsinn des epithetons als 'gütig, gnädig, freundlich' nur selten: das der bete vor sy den libin got das her sy irloste Marco Polo 6, 29 Tscharner;

Printzel soll mit euch varen.
der liebe got musz euch pewaren,
der geb euch geluck und hail
Heinrich v. Neustadt Apollonius 4886 Singer;

dasz sie ... jhre seelen dem lieben getrewen gott zu trewen händen bevehlen sollen Sandrub kurzweil (1618) 137. schon früh mit der neigung zu formelhaftem gebrauch, wobei die aktive vorstellung 'liebreich, gütig' mehr oder minder zur passiven 'geliebt, teuer' hinüberwechselt: wer deutsch kan, der weis wol, welch ein hertzlich fein wort das ist: die liebe Maria, der lieb gott, der liebe keiser, der liebe fürst, der lieb man, das liebe kind Luther 30, 2, 638 W.;

sie liebet mir vor allen,
das red ich auf mein eid;
der liebe got sol ir walten! (1533)
Uhland volkslieder (1881) 64;

(1547) ebda 159 u. ö.;

liebster gott, wie wunderbahr
ist die führung deiner wege
J. Chr. Günther s. w. 2, 258, 1 Krämer.

schon im 17. jh. kann die verbindung alles gewicht einbüszen, um den heute allgemein gültigen ton des vertraulichunverbindlichen anzunehmen, der auch einer ironisierung fähig ist. in diesem gebrauch verliert das epith ton, bezeichnenderweise und im unterschied zu allen übrigen adjektivverbindungen mit gott, in der gesprochenen sprache den sprechton: ein kerle, der den lieben gott danken solte, weil er ihn zu einem mannsbilde erschaffen Chr. Weise erznarren 59 ndr.; der liebe gott könnte uns recht in verlegenheit setzen, wenn er uns die geheimnisse der natur sämmtlich offenbarte Göthe IV 29, 203 W.; der liebe gott hatte sich ins mittel gelegt Storm s. w. (1898) 1, 58. in scherzhaften redensarten: und du denkst, mein herr würde es so mit ansehen, dasz du ihm den lieben gott von der stube treibest (ihm seine ruhe störst)? Lessing 1, 312 L.-M.; beim lieben gott sein im arrestlokal Horn soldatenspr. (1899) 121. in der kindersprache und in der mundart, hier neben (der) herrgott, häufiger als das einfache gott und in zahlreichen redewendungen, s. schweiz. id. 2, 508; 521; Fischer schwäb. 3, 763; Dähnert plattdt. wb. 156; Kück Lüneburg 595.
β) in anderen, mehr oder weniger synonymen verbindungen. der gnädige gott im doppelsinne des freundlichgütigen wie des verzeihend-barmherzigen:

in doufe, the unsih reinot ther ginadigo got
Otfrid I 26, 9;

es verdreust gott sehr, wenn man jhn anders helt, als für einen gnedigen gott Petri d. Teutschen weiszh. (1605) C 4a. biblisch vor allem in der wunsch- und bittformel (s. auch J 1 a θ α α): vnd der zölner stund von ferne, wolte auch seine augen nicht auffheben gen himel, sondern schlug an seine brust, vnd sprach, gott sey mir sünder gnedig Luk. 18, 13; ps. 67, 2 u. ö.;

barmherziger gott, erkenn die not!
barmherziger gott, erkenn die not!
wir müssen sonst verderben also (1525)
Uhland volkslieder (1881) 395.

[Bd. 8, Sp. 1049]


gern in verbindung mit dem vorigen: denn der herr ewr gott ist gnedig vnd barmhertzig, vnd wird sein angesicht nicht von euch wenden, so jr euch zu jm bekeret 2. chron. 30, 9; der gnädige erbarmende gott hat auch der hohen häupter sinn und hertzen ... gelenkket Schottel friedenssieg 6 ndr.
der gute gott, im älteren ahd., sofern im sinne von 'hilfreich, freundlich', nur neben truhtîn (Otfrid L. 43; III 7, 1; V 23, 11; 79; 95 u. ö.), s ob. sp. 1025), neben got seit Notker und sehr geläufig im mhd. als got der guote: quam bonus Israhel deus der Israhelis got uuieo guot der ist. uuemo? his qui recto sunt corde dien die rehte sint in iro herzen Notker 2, 287, 14 P. (ps. 71, 1);

nû hilf mir, got der guote die hochzeit v. 1031 Waag; vgl. 994;

eiâ herre got der guote,
wer gît sô starke sinne
daz ich die s sêre minne
diu mir zem tôde ist gehaz?
Hartmann v. Aue Iwein 1610;

für die besserung der lieben mama sei dem guten gott herzlich gedankt (1790) Schiller br. 3, 83 Jonas. seltener zum ausdruck sittlicher vollkommenheit: also sterchet tisiu reda, got uuesen guot, taz an imo si folleglih kuot (deum bonum esse) Notker 1, 181, 29 P.; vgl. 213, 19. so in der einzigen biblischen bezeugung: aber Jhesus sprach zu jm, was heissestu mich gut? niemand ist gut, denn der einige gott (οὐδεὶς ἀγαθὸς εἰ μὴ εἷς ὁ θεός) Mark. 10, 18 (Luk. 18, 19; Matth. 19, 17).
gewisse verbindungen bleiben älterem gebrauch vorbehalten. namentlich der süsze gott (vgl. s. v. süsz II C 1 a, teil 10, 4, 1315 u. II D 1 sp. 1320), als 'der gnädige' oder 'der geliebte', besonders hochhöfischer sprache zugehörig, vgl. B. Schwartz d. gottesbild i. höf. dicht. (1933) 5; 22:

nû sî got der süeze
der iu vrouwen büeze
iuwer unwerdez lebn
Hartmann v. Aue Iwein 6409;

Rudolf v. Ems d. gute Gerhard 6580;

süezer got, du enscheide
die herzelieben von mir niet Tristan als mönch 2527 Paul.

im älteren nhd. nachklingend:

o wär ich da! o stünd ich schon,
ach süszer gott, für deinem thron
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 3, 399a;

daneben:

vil edeler, süezer, zarter got
Frauenlob 207, 1.


γ) gegensinnige verbindungen sind kaum fest geworden mit ausnahme der nur biblisch-alttestamentlichen formel ein eifriger gott 'ein eifersüchtiger': deus est emulator cot ist ellinari (8 jh.) ahd. gl. 1, 336, 75 St.-S.; denn der herr dein gott ist ein verzehrend fewr, vnd ein eiueriger gott 5. Mose 4, 24; 6, 15; 2. Mose 20, 5 u. ö. gelegentlich: gott ist wol barmhertzig, er ist aber auch zornig Petri d. Teutschen weiszh. (1605) C 8a; der folgende sommer gab eine nähere gelegenheit, den zornigen gott, von dem das alte testament so viel überliefert, unmittelbar kennen zu lernen Göthe I 26, 43 W.
3) aus der nicht annähernd auszuschöpfenden fülle verbaler verbindungen, in denen sich das dasein und wirken gottes ausdrückt, ist vieles sprachlich fest geworden. das meiste freilich drängt schon früh in die verwendung als kurze wunsch- oder beteuerungsformel, um sich dort unter modifizierung, spezialisierung oder entleerung des sinngehaltes schnell abzunutzen, s. u. J 1 a.
a) im hinblick auf gott als ein geistig und innerlich tätiges, fühlendes und empfindendes wesen:
α) gott weisz auf das umfassende, überlegene, dem menschen verborgene wissen gottes anspielend: alles des ubilis, daz got hie zi mir waiz ahd. sprachdenkm. 356, 50 Steinm.;

es wird mir doch auf erden,
weil die welt ist so weit,
ein feins brauns mägdlein werden,
gott weisz die rechte zeit (1588)
Uhland volkslieder (1881) 91;

[Bd. 8, Sp. 1050]


Gaddo: bin ich dein geliebter Gaddo? ich frage nicht umsonst. Francesco: ja! gott weisz es! Gerstenberg Ugolino 251 H.; gott mott et wete ... we wess, wat gott wess! wenn die ansichten geteilt sind rhein. wb. 2, 1318. früh zur parenthetischen kurzformel weisz gott oder gott weisz erstarrt und entleert, s. u. J 2 a.
β) gott will, gott tut:

div menege gesigete,
alsez got wolte dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 62, 26 Diemer; vgl. 76, 11;

heut wollt es gott, dasz ich noch drinnen war in seinem gemach ..., als er eintrat Th. Mann d. erwählte (1951) 209. meist formelhaftem gebrauch zuneigend: aber was gott im himel wil, das geschehe 1. Makk. 3, 60;

was gott will, das wird geschehn
Müllner dram. w. (1828) 1, 33;

es gehe mir nu, wie gott will Luther br. 8, 50 W. in ironisierender umschreibung für 'richtungslos, führungslos': Homer, Homeriden, rhapsoden und alle das confuse geschlecht haben so hin gesaalbadert wie gott gewollt Göthe IV 29, 90 W. die konditionalen formeln so, ob, wenn gott will, wills gott s. u. DWB J 2 c α, die wunschformel wolle gott (nicht) J 1 a ι αα;

was gott thut, das ist wohlgethan,
es bleibt gerecht sein wille
Sam. Rodigast bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 4, 379; vgl. 2, 62;

Fischer schwäb. 3, 755.
γ) in unpersönlichen verbalverbindungen, die ein gefallen oder miszfallen ausdrücken, steht gott im dativ: so iz gote liche (11. jh.) ahd. sprachdenkm. 168, 19 Steinm.;

ich wæn daz allez sîn (Walthers) gesanc,
beide kurz unde lanc,
si got niht sô wol gevallen
sô im daz ein (der eine papstspruch muoz missevallen
Thomasin v. Zirclaria d. wälsche gast 11221 Rückert;

das wird ohne zweifel gott gefällig sein Luther br. 8, 120 W.; und wenn es nicht gott gefallen hätte, mich erst nach erlittenem sturme wieder in disz land zu werfen Schubart leben 1 (1791) 168; Lenz ges. schr. 1, 92 Tieck. von hier aus in attributiver verwendung: ähnlich wie einst der prädestinationsglaube Calvins seine anhänger ... ruhelos vorwärts trieb zu gott wohlgefälligem handeln Fr. Meinecke Boyen (1896) 1, 82. wie es gott gefällt in gleicher ironisierung und ohne religiösen bezug wie oben wie gott will: man läszt das ... unwesen fortlaufen, wie es gott gefällt Thibaut bürgerl. recht (1814) 430.
b) die frage der existenz gottes berührend: uuannan chad er chumet taz ubel, ube got ist? unde ube er neist, uuannan daz kuot? Notker 1, 32, 21 P.; vgl. 47, 6;

es sei kain got, tt er tukkisch gedenken
Schede psalmen 39 ndr.;

aber ich sucht', und ich fand entschuldigung
für den feigen (den gottesleugner), der ist, und dem doch gott nicht ist
Klopstock oden 2, 62, 14 M.-P.

substantiviert: wie mir ... das dasein gottes zur unmittelbaren gewiszheit wurde A. Winnig heimkehr (1935) 400. die vorstellung, dasz gott lebt oder gestorben ist, begegnet in redensartlichen oder sprichwörtlichen wendungen: hierumb (um ihren toten sohn) stelleten sie sich dermassen mit heulen und zannen, raufften und schlugen sich selbs, als wer gott im himmel gestorben Kirchhof wendunmuth 1, 211 Ö.;

ich (ein verdammter in der hölle) wolt, dasz gott im himmel stürb,
darzu der engel schaar verdürb
Ringwaldt getreuer Eckart (1698) G 4a

gott lebt noch, s. auch der alte gott sp. 1047:

wann (denn) gott lebt noch ...
Hans Sachs 1, 219 lit. ver.;

was traurest du doch? gott lebet noch Scriver Gotthold (1679) 583. speziell in der redensart wie gott in Frankreich leben 'herrlich und in freuden', im schweiz. id. 1, 1310 erklärt als satirische anspielung auf die absetzung gottes

[Bd. 8, Sp. 1051]


durch den französischen konvent; vgl. schon: he is so glüklich as gott in Frankrich Schütze holst. id. (1800) 2, 56; aber sehen sie sich mal um hier, wie leben sie? wie gott in Frankreich Fontane ges. w. (1905) I 5, 137; Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 654.
c) in umschreibungen für die göttliche schöpfermacht mit bezug auf die welt und den menschen: 'in dhemu eristin chiteda got himil endi aerdha' Isidor 16, 1 H.; Otfrid II 1, 36;

got ez allez geshf,
also saget uns daz puch,
hymel unde erde
schf er werde
unde ellev dinc dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 6, 10 Diemer;

am anfang schuff gott himel und erden 1. Mose 1, 1; 'endi got chiscuof mannan anachiliihhan endi chiliihhan gote chifrumida dhen' Isidor 7, 17 H.;

got worhte ûz der erden
Adâmen den werden
Wolfram v. Eschenbach Parzival 463, 17;

das got den menschen vnd alle dinge beschaffen hat, sie allzumale gut beschaffen hat ackermann a. Böhmen 25, 6 Hübner;

gott hat den menschen gemacht
nach seinem bilde;
dann kam er selbst herab,
mensch, lieb und milde
Göthe I 3, 250 W.

in der redensart wie ihn gott erschaffen hat für 'nackt': vorige woche zeichnete man die menschen wie sie gott erschaffen hat, und diese woche will man sie ganz in stahl und eisen kleiden Göthe IV 8, 353 W. in der höfischen sprache des mhd. in einer groszen zahl anderer oder erweiterter wendungen, vgl. z. b.:

got was an einer süezen zuht,
do'r Parzivâlen worhte
Wolfram v. Eschenbach Parzival 148, 26;

s. im übrigen die mhd. wbb., dazu Jac. Grimm mythol. 41, 15; 20; 3, 11; B. Schwartz d. gottesbild i. höf. dicht. (1933) 29.
d) die mehrzahl verbaler verbindungen umschreibt die verschiedenen formen der aktiven und unmittelbaren beziehung gottes zu den menschen, meist im sinne der göttlichen freundlichkeit, güte und hilfe.
α) sofern gott im ganzen und im einzelnen das menschliche leben und geschick bestimmt. gott verhängt in der doppelbedeutung des 'zulassens' oder des 'anordnens', s. teil 12, 1, 524ff.:

odo imo (dem seligen) tod so gienge, thaz got io thaz gihenge,
thaz in themo riche iaman sar irsieche
Otfrid V 23, 249;

also kan ... der teuffel einem frommen christen nicht ein haar breit weiter schaden, als ihm gott verhängt hat Schupp schr. (1663) 162;

o söllich ubel das hat gott
gewiszlich uber uns verhengt
Hans Sachs 11, 101 lit. ver.;

wenn es dem lieben gott gefallen hat, das unglück über uns zu verhängen Lenz ges. schr. 1, 92 Tieck. in gleichem sinne: gott hat es also gefgt oder verhengt Frisius dict. (1556) 16a; gott hat es anders gefügt (dasz Schiller den vater überlebte) (1796) Schiller br. 5, 69 Jonas. des weiteren:

uil wole frote si got.
da gab er in himel brot dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 47, 16 Diemer;

hera santa mih godjoh mir selbo gibod,
ob hiu rat thuhti,thaz ih hier geuuhti kl. ahd. denkm. 85, 33 Steinm.;

Otfrid III 22, 55;

bist du's? dich sendet gott!
Grillparzer s. w. 6, 14 Sauer;

Bräsigen hat mir gott geschickt Fr. Reuter w. 2, 223 Seelmann.

[Bd. 8, Sp. 1052]



β) gott als der gebende. die verbindung mit geben ist in ihrer anwendung seit alters unbegrenzt (s. auch teil 4, 1 4, 1707 f.), wie auch die wunschformel gebe gott, gott gebe sich vielfach verzweigt, s. u. J 1 a ζ: so fram so mir got geuuizci indi mahd furgibit, so haldih thesan minan bruodher, soso man mit rehtu sinan bruodher scal (842) Straszb. eide 20 Steinm. 82;

nû gap im got der guote, ...
daz im ein garzûn widerstiez,
der einen guoten bogen truoc
Hartmann v. Aue Iwein 3261;

ich pin mit dir hie und dort,
got hat mich dir gegeben fastnachtspiele 620, 10 Keller;

bisz dasz im got würt geben
die ewig freud und sälikheit
Uhland volkslieder (1881) 383;

gott der herr nahm wieder, was er gab
Müllner dram. w. (1828) 1, 8.

formelhaft:

unde welle uns got die gnade geben,
daz wir den sich an in genemen dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 150, 5 Diemer;

gott gebe seine gnade dazu (1537) Luther br. 8, 115 W. daneben:

des uns got gerne wil geweren dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 277, 25 Diemer;

gott beschert uber nacht Eyering proverb. copia (1601) 2, 680; wann uns gott gesundheit und frieden verleyhen wird Riemer polit. maulaffe (1679) vorr. bis ins 16. jh. häufig (s. u. DWB J 1 a ε und teil 1, 1487):

got hât dich, sun, berâten fünf werder kinde
Wolfram v. Eschenbach Titurel 9, 1;

das es (eine geldsumme) villeicht nymer geloszt wurd, got beriet dann die herschaft vast uberiges geldes (1480) in: dt. rechtswb. 4, 1010; und theilt im miltiglich, wes sie got beraten het hertzog Aymont (1535) B 2.
γ) gott als der helfende und behütende: cote helfantemv (deo auxiliante) (um 810) kl. ahd. denkm. 196, 23 Steinm.; Otfrid V 25, 7; so vil dir gott hilfft Frisius dict. (1556) 923b; gott hilfft dem fleisz vnd nicht Hansz Vnfleisz Lehmann floril. polit. (1662) 1, 220; dominus custodiet te ... got pehuotet dih Notker 2, 549, 21 P. (ps. 120, 5);

wöll mir in got behüten,
ja des ich warten bin
Uhland volkslieder (1881) 147;

sie (die boten) bat diu marcgrâvinne got von himele bewarn Nibelungenlied 1366, 4 L.;

beware mich gott, denn ich traw auff dich ps. 16, 1;

wer nur den lieben gott läst walten
und hoffet auf ihn allezeit,
der wird ihn wunderlich erhalten
in aller noht und traurigkeit
Georg Neumark bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 4, 311;

die rosse rucken sich,
nun mag der fahrt gott walten!
Rückert ges. poet. w. (1867) 2, 11;

wande got mit ir ware dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 171, 17 Diemer;

wist ir nit, das got mit uns ist?
Hans Sachs 1, 215 lit. ver.

elliptisch: gott mit uns war das wort der Schweden; das der kaiserlichen: Jesus Maria Schiller 8, 288 G. daneben; ist gott für vns, wer mag wider vns sein? Römer 8, 31;

ist gott für mich, so trete
gleich alles wider mich
Paul Gerhardt ged. 229 Goedeke.


δ) von einer besonderen hinwendung gottes zum menschen. vor allem in der verbindung mit segnen, s. ob. gottes segen 1 a διι und teil 10, 123 f.: benedixit te deus in eternum ... segenota dih got in euua Notker 2, 168, 20 P.; der herr dein gott wird dich segenen in alle deinem einkomen, und in allen wercken deiner hende 5. Mose 16, 15 u. ö.; dasz wieder streit und zweifel entstehen kann über die entscheidung, gehört zu den wohlthaten, womit

[Bd. 8, Sp. 1053]


uns gott jetzt gesegnet hat Savigny v. beruf uns. zeit (1814) 3. des weiteren:

uuio sie avur got thar drosta
Otfrid an Hartmut 87;

gott betrübt niemandt so hoch, er tröstet ihn wider, ist er sonst ein christen Petri d. Teutschen weiszh. (1605) C 6a;

in herzen si iz (das gebet) scono, thaz iu es got gilono
Otfrid II 21, 5;

getrewen dienst belonet gott Eyering proverb. copia (1601) 2, 666; also hat gott die welt geliebet, das er seinen eingeboren son gab Joh. 3, 16;

gott liebt dich ser on alle masz
und hat dich auserwelet
Uhland volkslieder (1881) 632;

gott will ich lassen sorgen,
dem ich mich zugesagt
Paul Gerhardt ged. 231 Goedeke;

gott vergisset vnser nicht, nur das wir seiner auch nicht vergessen Petri d. Teutschen weiszh. (1605) D 3a; gott verlaszt die seinen nit schöne weise klugreden (1548) 31b; darumb erhöret mich gott, vnd merckt auff mein flehen ps. 66, 9;

daz sich got durch sie gerhte zerbarmen
uber siv uil armen dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 172, 16 Diemer;

gott tet sich ir erbarmen
in sölcher groszen not
Uhland volkslieder (1881) 126;

ich uirgibe allen, die mir ie gitatin, daz mir got alle mine schulde uirgebe ahd. sprachdenkm. 353, 22 Steinmeyer;

du bist ein frommer gott,
der sünde vergiebet
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 3, 300;

(Valentin:) und wenn dir denn auch gott verzeiht,
auf erden (sollst du) sein vermaledeit
Göthe I 14, 190 W.

der Lutherbibel entstammt die verbindung gott sucht heim 'nimmt sich gnädig an', die auch in gegenteiligem sinne begegnet (s. u.ε): es ist ein grosser prophet vnter vns auffgestanden, vnd gott hat sein volck heim gesucht Luk. 7, 16; vgl. apostelg. 15, 14 u. ö. im älteren sprichwort, häufig bei Luther: gott grüszt die menschen, sie wissen es ihm aber nicht zu danken, s. teil 4, 1, 6, 1013; in umgekehrter beziehung s. u. D 2 b δ; dazu: wenn gott einen grüsset, soll man jhm dancken Lehmann floril. polit. (1662) 1, 283; Binder sprichwörtersch. 78. in obszönem sinne: der mann sprach (zu seiner frau) unbedacht: ... soll ich dir (gott helff uns) gott grüssens machen? Schumann nachtbüchl. 17, 30 Bolte.
ε) gegenteilig von der gebietenden, richtenden, strafenden oder sonst feindlichen funktion gottes:

iuan fiant minnot, so gibiutit druhtin got
Otfrid II 19, 15;

vnd Noah thet alles was jm gott gebot 1. Mose 6, 22 u. ö. in der fügung gott gebietet über jmd. vom mhd. bis noch ins 19. jh. als verhüllende umschreibung für 'sterben lassen': wenn got über mich gepäutet, also das ich von tods wegen abgangen bin (Nürnb. 1406) städtechron. 1, 206; weitere belege s. teil 4, 1, 4, 1756f.;

dâ rihtit got rehte
dem herren joch dem chnehte die hochzeit v. 734 Waag;

da dacht ich in meinem hertzen, gott mus richten den gerechten vnd gottlosen, denn es hat alles furnemen seine zeit, vnd alle werck pred. Salomo 3, 17; Römer 2, 16;

du, mein gott, wirst gnädig richten
und ein herz nicht ganz vernichten,
das in angst und reue schlägt
Grillparzer s. w. 4, 76 Sauer.

gott straft in nuancierter anwendung, s. teil 10, 3, 707ff.:

doch straffet gott sein übelthat
Hans Sachs 1, 222 lit. ver.;

[Bd. 8, Sp. 1054]


sihe, selig ist der mensch, den gott straffet, darumb weger dich der züchtigung des allmechtigen nicht Hiob 5, 17; dafür wird gott mich nicht strafen Schiller 1, 55 G.; das land murret, gott zürnet Herder 5, 366 S. aus der Lutherbibel gott sucht heim 'straft' (anders s. ob. δ): ein eiveriger gott, der da heimsucht der veter missethat an den kindern 2. Mose 50, 5; ich sterbe, und vergeb es der hand, durch die mich gott heimsucht Lessing in: teil 4, 2, 858. biblisch auch gott versucht 'stellt auf die probe': nach diesen geschichten, versuchte gott Abraham (durch Isaaks opferung) 1. Mose 22, 1; gott ... vielleicht sie hiermit versucht und ihren festen glauben ... probirte Grimmelshausen 2, 622 Keller. die vorstellung, dasz gott einen menschen vergiszt, dient im mhd. als stehende wendung zur bezeichnung eines unglücklichen:

wie gar iuwer got vergaz,
daz ich iuch brâhte her in!
Hartmann v. Aue Iwein 6254;

vgl. Jac. Grimm mythol. 41, 18; 3, 14 mit zahlreichen weiteren nachweisen. dazu die jüngere, ihres religiösen bezugs entleerte redensart von gott verlassen sein: und wenn ich nicht ganz von gott verlassen bin, wie Carl Heyne zu reden pflegt, das ist, wenn mir meine eignen geisteskräfte nicht fehlen (1786) J. G. Forster briefw. (1877) 264. hierher anders, im neutraleren sinne einer göttlichen aussonderung, an 1. Mose 4, 15 anknüpfend: für sie war er einer, den gott gezeichnet hatte, wie er früher die wahnsinnigen, die heiligen und die bettler gezeichnet hatte ... ihnen hatte man nichts nachzutragen, weil man nicht wuszte, was gott mit ihnen vorhatte E. Wiechert missa sine nomine 227; hön (hüte) dich för dem, der va gott gezeəchent (es) rhein. wb. 2, 1323; Mensing schlesw.-holst. 2, 441.
e) zu einer besonderen, C 1 a ζ entsprechenden gruppe schlieszen sich stärker anthropomorphe verbindungen zusammen, in denen gott hört, sieht, spricht u. ä., s. dazu Jac. Grimm mythol. 41, 15; 3, 14, der hier heidnische vorstellungen zugrundelegt; doch dürfte biblisches vorbild mindestens gleich starken einflusz ausüben:

in herzen betot harto kurzero worto
joh lutoro thare, thaz iz got gihore
Otfrid II 21, 18;

got möhte in (den harfengesang) gerne hœren
in sinen himelkœren
Gottfried v. Straszburg Tristan 7645 R.;

meinstu, das gott sein (des heuchlers) schreien hören wird, wenn die angst vber jn kompt? Hiob 27, 9; Joh. 9, 31 u. ö.; mancher mönch liebet sein kloster, weil er denkt, gott höre und sehe in der welt nichts so gerne, als wie er seine horas singt Zimmermann über d. einsamk. (1784) 1, 13; vnd gott sahe, das das liecht gut war 1. Mose 1, 4; sündige nicht, gott sihets Petri d. Teutschen weiszh. (1605) f 2a. ältere vorstellung, namentlich der höfischen zeit, kennt gott in der rolle des zuschauers, seltener des zuhörers (s. ob. Tristan 7645), vgl. im mhd. formelhaftes:

hie huop sich ein strîten
daz got mit êren möhte sehn
Hartmann v. Aue Iwein 1021; 3046;

weitere nachweise bei Jac. Grimm a. a. o., die den höfischen gott auch an anderen werten und formen der höfischen sphäre beteiligt zeigen. in einer älteren bedeutung von sehen 'gnädig ansehen, segnen' wurzelt die bereits ahd. und vielfach mhd. bezeugte formel gesah in got 'beatus qui, wohl ihm, dasz ...', in der das präs. durch das präteritum vertreten wird, s. Jac. Grimm gramm. 4 (1898) 205: kesah in got, ter dir lonot nah temo lone beatus qui ... Notker 2, 574, 1 P.; vgl. 572, 7; 567, 17; 558, 11; dazu die zahlreichen mhd. nachweise mhd. wb. 1, 555b; 2, 2, 277b; Jac. Grimm a. a. o. seltener in der form eines wunsches:

alsus trôstens mînen muot,
er und mîn juncvrouwe.
dâz sî got iemer schouwe!
Hartmann v. Aue Iwein 794.

die vorstellung, dasz gott spricht, redet, ist im formelschatz biblischen, namentlich alttestamentlichen sprachgebrauchs

[Bd. 8, Sp. 1055]


fest verankert; sie umschreibt eine form der göttlichen offenbarung oder eine kundgebung des göttlichen willens:

got sprah ze Moyse:
stoz dine hant in dinen pusem dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 35, 18 Diemer;

vnd gott sprach, es werde liecht, vnd es ward liecht 1. Mosc 1, 3; 3, 9; Jes. 17, 6; Luk. 12, 20 u. o.; da redet gott mit Noah, vnd sprach 1. Mose 8, 15; 17, 3; ps. 62, 12; Ebr. 1, 1 u. o.; 's unservater und dänn 's gott redet lernen (= die 10 gebote) schweiz. id. 2, 510. in uneigentlichem sinne: wenn gott redet, so sol jederman schweigen Petri d. Teutschen weiszh. (1605) g 1a.
f) prädikative wendungen mit substantivischem prädikatsnomen umschreiben in hervorhebendem sinne eine bestimmte wesentliche eigenschaft gottes oder einen bezeichnenden zug seines wirkens: uuanda ... got saligheit ist, ter kot kuuinnet, ter ist salig (... beatitudo uero ipsa est diuinitas ...) Notker 1, 190, 4 P.; vgl. 212, 26; 213, 7;

sît getriwe ân allez wenken,
sît got selbe ein triuwe ist
Wolfram v. Eschenbach Parzival 462, 18;

vgl. 25; gott ist die liebe; und wer in der liebe bleibt, der bleibt in gott, und gott in ihm 1. Joh. 4, 16; da declamierte pater Cochem aus Eckhartshausen's 'gott ist die reinste liebe' Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 12. anders, auf die wesenheit gottes zielend (s. auch gottes geist unt. E 3 a α): gott ist ein geist, vnd die jn anbeten, die müssen jn im geist vnd in der warheit anbeten Joh. 4, 24; dieweil gott ein geist ist, so ruhet er nicht Agricola sprichw. (1534) 181b.
4) gott mit bestimmten oder unbestimmtem artikel und folgendem relativsatz, der über wesen oder wirken gottes etwas bestimmtes aussagt. der bei dieser aussageform vorauszusetzende vergleich mit anderen göttern bleibt eine blosze fiktion: ze demo gote, der siu uuerden hiez, ter iro allero causa ist (lli causę, quę dedit esse) Notker 1, 293, 1 P.; der got der nie deheine lügen getete Berthold v. Regensburg 1, 234, 28 Pf.; vgl. 1, 53, 7. nicht selten auch biblisch: vnd (er) hat den gott faren lassen, der jn gemacht hat 5. Mose 32, 15; ps. 25, 5; apostelg. 4, 24 u. ö.;

der gott, der eisen wachsen liesz,
der wollte keine knechte
E. M. Arndt lieder f. Teutsche (1813) 81;

wir haben einen gott, der es besser machen kann, weder wir gedenken, und mehr gibt, weder wir vorstehen (1537) Luther br. 8, 109 W. auch so einigemal biblisch: wir haben einen gott der da hilfft ps. 68, 21; ps. 5, 5; 1. Sam. 2, 3; weil du nicht glaubst, dasz es einen gott gibt, der den menschen bei namen rufen kann W. Kramp d. fischer v. Lissau (1947) 48.
D. ein anderer kreis fester verbindungen substantivischer oder verbaler art umschreibt, in umgekehrter blickrichtung wie unter C, die stellung des menschen zu gott oder die äuszerungen des menschlichen verhaltens gott gegenüber.
1) neben substantiven erscheint das wort gott hier vorwiegend als abhängiger gen. objectivus, daneben auch in präpositionalem anschlusz (s. u.g). für die wortfolge in den genitivischen verbindungen und für den typus mit gottes an erster stelle als den sproszbezirk einiger der gewichtigsten gott-komposita, der im nhd. die eigentlichen genitivverbindungen mehr und mehr zurückdrängt, gilt das unter C 1 a bemerkte.
a) gottes dienst 'erfüllung des göttlichen willens, gott wohlgefälliges werk oder leben', dem meist kultisch-sakralen und mehr dinglichen sinn der gleichen verbindung gegenüber (s. u. DWB E 3 b α) allgemeiner, umfassender und innerlicher (s. auch gott dienen unten 2 a α u. gottesdienst):

nu birun wir gihursgte zi gotes thionoste,
wir wizun, waz ther scado was, thaz wir got minnon thes thiu baz
Otfrid II 6, 55;

Annolied 562 Roediger; (die bibel) nennet die rache, so durch die brickeit geschicht, gottes dienst Luther 26,

[Bd. 8, Sp. 1056]


229 W.; aller gottes dienst stehet in gehorsam Petri d. Teutschen weiszh. (1605) h 7a.
b) gottes furcht (s. u. DWB gottesfurcht). im eigentlichen sinne der furcht vor gottes zorn und gericht: non est timor dei ante oculos eorum gotes forhta nist in fore ougen Notker 2, 37, 30 P. (ps. 13, 3); vnd es kam die furcht gottes vber die stedte die vmb sie her lagen, das sie den sönen Jacob nicht nachiageten 1. Mose 35, 5; 2. chron. 20, 29. jünger nach biblischem vorbild meist für die grundhaltung rechter frömmigkeit, neben der furcht die ehrfurcht und die erfüllung des göttlichen willens einschlieszend: lasset vns ... fort faren mit der heiligung, in der furcht gottes 2. Kor. 7, 1; Eph. 5, 21; die zehen gebot, dadurch die leute zu gottes forcht vermanet werden Luther 26, 230 W.;

ein wacker hertz vnd ernster muth,
hat gottes furcht in guter hut
Petri d. Teutschen weiszh. (1605) C 1a;

vgl. DWB A 1b.
c) gottes liebe, älter gotes minne 'liebe zu gott'. im jüngeren nhd. kaum noch so, in früher sprache aber weit häufiger als die gleiche verbindung im gen. subj. mit der umgekehrten beziehung (s. ob. C 1 a δ ββ): zi gotes minniu endi zi rehtnissa uuerchum (ad amorem dei et operationem iustitię) Isidor 29, 15 H.; Otfrid V 12, 72; 25, 8;

sîn swert und rîterlîchez lebn
hete Trevrizent ergebn
an die süezen gotes minne
Wolfram v. Eschenbach Parzival 823, 21;

ein vil groz vater was Pastor,
wan er ie daz herze enpor
an die gotes liebe truc väterbuch 19 535 Reiss.;

wer aber sein wort helt, in solchem ist warlich die liebe gottes volkomen, daran erkennen wir, das wir in jm sind 1. Joh. 2, 5; 5, 42;

entschlafen sind nun wilde triebe,
mit jedem ungestümen thun;
es reget sich die menschenliebe,
die liebe gottes regt sich nun
Göthe I 14, 61 W.


d) gottes lob: in laudem dei in lope cotes (Pa), in lop kotes (K) ahd. gl. 1, 168, 38 St.-S.;

das si an dem gotes lob
prynnen in der mynn
und schreien all darynn ...
sanctus, sanctus, sanctus väterbuch 41 394 Reiss.;

wann alle geweichten zu nichten anders, dann z dem lob gots verordnet sind teütscher nation nodturfft (1523) B 2b;

auf zum dank,
zum lobe gottes voll gefühl
Cramer s. ged. (1781) 1, 3.

von hier aus auch präpositional: dieses ergnis wollen e. f. g. gott zu lob wegknemen Luther br. 11, 127 W.
e) gottes ehre 'verherrlichung', von der gleichen verbindung unter C 1 a α nicht immer sicher zu trennen:

sô wuohs diu gotes êre
vil harte stärclîche
in rœmischem rîche
Hartmann v. Aue Gregorius 3828;

daz gotes êren töhte
und dâ mite er sich möhte
gelieben den liuten ders., armer Heinrich 15;

durch diser fleisz regiert der aberglaub vnd bleibt die wore gottes eer auszgeschlossen (vera exulet pietas) Hutten opera 1, 416 B. hierher wohl auch mhd. gotes êre sprechen als umschreibung für 'gottesdienst halten':

swâ kirchen ode münster stuont,
dâ man gotes êre sprach,
kein ouge mich dâ nie gesach
Wolfram v. Eschenbach Parzival 461, 5.

meist präpositional, älter durch die gotes êre, jünger zur ehre gottes, zu gottes ehre:

selbe vert er dar ûz (gibt seinen besitz auf)
durh di gotes êre
Hartmann rede v. glauben 3202 v. d. Leyen;

[Bd. 8, Sp. 1057]


die krankheit ist nicht zum tode, sondern zur ehre gottes Joh. 11, 4 u. ö.; eben so sehr und auf gleiche weise hinderte (die anatomische forschung, akk.) die fromme denkart, da man jedes einzelne zur ehre gottes unmittelbar verbrauchen wollte Göthe II 8, 9 W. formelhaft: zu gottes lob und ehre Luther br. 8, 114 W.; wie ich immer bereit bin, zu lob und ehre gottes, auch zu nutz und vortheil meines nächsten mich thätig finden zu lassen Göthe I 43, 58 W. älter auch speziell, in umschreibungen für kirchliche stiftungen: acht acker holtzes etc. zugebrauchen vnd an gottes dienste vnd ehre zu wenden (1390) bei Haltaus gl. 739; soll kain haab, die einmal zu der eer gottes gemacht und geordnet ist, zu pfanndt gelegt werden (1573) in: dt. rechtswb. 4, 1009.
f) in mehr gelegentlichen verbindungen, älter auch in solchen, die später nur mit präpositionalem anschlusz (s. u.g) möglich sind: thô anuurtita ther heilant, quad in: habêt gotes giloubon (habete fidem dei) Tatian 121, 3; pe diu habet er hina geuuorfen den skilt, daz chit tes muotes festi unde gotes zuuersihte (i. robur dominicę protectionis) Notker 1, 22, 31 P.; der mac in die einikeit gotes niht enpfangen werden meister Eckhart in: dt. mystiker 2, 525, 30 Pf.; wie reine gottfurchtige und christliche gewissen haben sie da; die zuvor nach keynem mord noch gotts gehorsam gefragt hetten Luther 19, 220 W.; denn ich habe lust an der liebe, vnd nicht am opffer, vnd am erkentnis gottes, vnd nicht am brandopffer Hosea 6, 6; 2. Kor. 10, 5 u. ö.;

der baum des erkenntnisses gottes
wuchs, und breitet über die völkerheere der erde
lebenschattend sich aus
Klopstock s. w. (1823) 6, 192 (Messias 19, 543);

siehe diesen mann voll kraft und gefühl gottes Herder 5, 480 S. auch von einer negativen haltung des menschen gott gegenüber: an aller gotis uirlouginide ahd. sprachdenkm. 143, 39 Steinmeyer; odium dei haz cotes (10. jh.) ahd. gl. 2, 321, 51 St.-S.; das erst ist die letzung gotz, die sünd die do tht der mensch der ein anderen vnbillich letzt, wann nyeman mag ein andern vnbillich schedigen on sünd und letzung gotz Keisersberg bilgersch. (1512) B 6a.
g) präpositionale verbindungen mit den gleichen oder auch anderen substantiven sind im ganzen länger lebensfähig als die genitivischen, auf komposition dringenden: petitio mea deus petungā in kot (K) ahd. gl. 1, 245, 31 St.-S. besonders: vnd hettind nit so ein starcken glouben in got, das sy allein jm vertruwten Zwingli v. freih. d. speisen 16 ndr.; nicht abermal grund legen von busse der todten wercke, vom glauben an gott Ebr. 6, 1; so (vorurteil) ... nennt der atheist den glauben an gott M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 23; denn das ist die liebe zu gotte, das wir seine gebot halten, vnd seine gebot sind nicht schwer 1. Joh. 5, 3; thue es (das gute) darum, weil es gottes wille ist, aus liebe zu gott Lichtenberg aphorismen 5, 44 lit.-denkm.; di sêle hât danne di einunge mit gote, di di sêle mit dem lîbe habet dt. myst. 1, 179 Pf.; ich habe wahres festes vertrauen auf gott (1778) Caroline 1, 3 Waitz; ich habe noch keinen gekannt, der über die furcht vor gott erhaben zu seyn vorgab Hölty in: teil 4, 1, 4, 691.
2) gott als dativ-, akkusativ- oder präpositionalobjekt in der bindung an verben; der kreis der beziehungen ist gröszer als unter 1.
a) zur umschreibung einer positiven grundhaltung des menschen zu gott.
α) gott dienen u. ä. 'den göttlichen willen erfüllen, sich im leben, denken und handeln gott ergeben':

thaz sie sint guate thegana,
ouh gote thiononti alle
Otfrid I 1, 112; Ludwigslied 2 Steinm.;

ir künd nicht gott dienen, vnd dem mammon Matth. 6, 24 u. ö.; gott dienen mit seel und leib Eyering proverb. copia (1601) 2, 680. daneben in engerem, mehr dinglichem sinne von priesterlichem, kultischem dienst und bestimmten

[Bd. 8, Sp. 1058]


geistlichen übungen (s.gottes dienst unten E 3 b α), alttestamentlich auch in der abgrenzung gegen den götzendienst:

joh thionota iogilicho thar gote driulicho
(Anna im tempel: jejuniis et obsecrationibus serviens nocte ac die)
Otfrid I 16, 10;

dô man dô gote gediende (nach der messe) Nibelungenlied 1806, 1 L.;

vgl. Kudrun 1671, 4; vnd stelleten die priester in jre ordnung, vnd die leviten in jre hut, zu dienen gott der in Israel ist, wie es geschrieben stehet im buch Mose Esra 6, 18. ähnlich gott gehorsam sein, gehorchen:

uone deme wart geborn Abraham.
gote was er gehôrsam dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 15, 28 Diemer;

man muss gott mehr gehorchen, denn den menschen apostelg. 5, 29; 4, 19;

ein mensch, der gott gehorcht, erwählt das beste theil
Gellert s. schr. (1769) 2, 180.


β) gott fürchten. seltener im eigentlichen sinne des angst habens vor dem gericht gottes:

'wazamo manno (verstoszener) thu nu bist, thaz thu thoh got ni forahtist'
(Luk. 23, 40: neque tu times deum)
Otfrid IV 31, 7;

das syg üch äben gseit kurtzumb,
fürchtend jr doch nit gott darumb,
das jr mit üwerm wüsten suffen
vwer wyb vnd kind schlahend zhuffen
H. Manuel weinspiel 3849 ndr.

nur in diesem sinne reflexiv und in präpositionaler form: vnd du fürchtest dich auch nicht für gott? der du doch in gleicher verdamnis bist Luk. 23, 40; Micha 7, 17. umfassender und positiver bezeichnet, nach biblischem vorgang, die wendung gott fürchten die grundhaltung rechter frömmigkeit und gottesverehrung, vgl., wenn auch aus der religiösen sicht der aufklärung heraus: so fürchtet der tugendhafte gott, ohne sich vor ihm zu fürchten Kant w. (1838) 7, 111 Hartenstein; beati omnes qui timent dominum salig sint alle die got furhtent Notker 2, 558, 20 P. (ps. 127, 1); ebda 71, 4 (ps. 21, 24); das du den herrn deinen gott fürchtest, das du in alle seinen wegen wandelst 5. Mose 10, 12; 17, 19 u. ö. doch bleibt auch hier der ursprüngliche sinn spürbar: ich fürchte gott, und weiss von keiner andern furcht Lavater physiogn. fragm. (1775) 1, 113; wir Deutsche fürchten gott; aber sonst nichts in der welt Bismarck pol. reden 12, 477 Kohl; ein richtiger arzt, ... kann alles, macht alles, fürchtet gott und sonst nichts in der welt Feuchtwanger geschw. Oppermann (1948) 77.
γ) gott lieben, älter minnen:

thaz sie sculun thuruh notminnon got, so er gibot
Otfrid V 12, 70;

minne got, sô maht dû frô belîben
Walther v. d. Vogelweide 37, 29; 36, 18;

Jhesus aber sprach zu jm, du solt lieben gott deinen herrn, von gantzem herzen, von gantzer seelen, von gantzem gemüte Matth. 22, 37 u. ö.; ich liebe gott und meinen nächsten Lenz ges. schr. 2, 327 Tieck. gern in der verbindung mit β, in der sich die doppelseitigkeit christlicher frömmigkeit ausdrückt: die, die got furhtent unte minnent (11. jh.) kl. ahd. denkm. 171, 17 Steinm.; das du den herrn deinen gott fürchtest ... vnd liebest jn 5. Mose 10, 12; arme elende brüder, die gott können (kennen), fürchten unnd lieben, seindt reicher, denn gottlose reiche kinder Henisch (1616) 1296, 50.
δ) gott glauben, in, an, zu gott glauben, s. auch s. v. glauben I A 1, teil 4, 1, 4, 7822 ff. als umfassende bezeichnung für die christliche grundhaltung zuversichtlichen vertrauens und gottesfürchtigen lebens, das fürwahrhalten der existenz des christlichen gottes einschlieszend. gott (dat.) glauben, vornehmlich älternhd., früher und später nur vereinzelt:

thoh ni sprachun sie in war, thaz sie giloubtin gote sar
Otfrid III 26, 9;

[Bd. 8, Sp. 1059]


vgl.: sunder die enpfohent diser edelre fruht allermeist, die ... uf z gotte gont ... und lossent nút abe und truwent und geloubent ime in habende und in darbende Tauler pred. 129, 12 V.;

gott gläub ich was ich gläub; ich gläub es menschen nicht
Logau sinnged. 617 Eitner.

in der für den rechtfertigungsbegriff der reformation wichtigen biblischen kernstelle: Abraham hat gott gegleubet, vnd das ist jm zur gerechtigkeit gerechnet Römer 4, 3; Gal. 3, 6; 'er glaubte gott'. das ist Abrahams gottesgerechtigkeit Karl Barth Römerbrief (51926) 99. präpositionaler anschlusz mit in namentlich ahd., kaum über das ältere nhd. hinaus: gilaubistu in got fater almahtigan? ih gilaubu (9. jh.) kl. ahd. denkm. 23, 6 Steinm.; vgl. 27, 8; 30, 47 u. ö., Otfrid IV 15, 4; V 16, 28; ynn gott glewben sey: mit lieb und gutten wercken gotte nach folgen Luther 11, 453; 10, 2, 389 W. die heute fast allein gültige wendung an gott glauben seit dem spätahd.: ih glouba fasto an got almahtigen (11. jh.) kl. ahd. denkm. 135, 9 Steinm. u. o.;

der sprach 'ir sult gelouben,
iwerr sêle den tiuvel rouben,
an den hôhsten got al eine'
Wolfram v. Eschenbach Parzival 817, 11;

das sie nicht gleubten an gott, vnd hoffeten nicht auff seine hülffe ps. 78, 22; Joh. 14, 1; 1. Petr. 1, 21;

(Marg.:) glaubst du an gott?
(Faust:) mein liebchen, wer darf sagen:
ich glaub an gott?
Göthe I 14, 173 W.

in scherzhafter redensart: ich wollt sie lehren an gott glauben (ich würde sie gehörig verprügeln) Fischart Garg. 399 ndr. in der verbindung mit zu selten: und glaubt mit ganczem herczen zu gott Luther 10, 3, 349 W.; Klopstock Messias (1780) 310.
ε) (auf) gott trauen, vertrauen u. ä.:

undi suli wir goti vili wol gitrûwin summa theologiae v. 266 Waag;

sey from vnd beth, vertrau gott,
so findstu hilff in aller noth
Luther tischr. 5, 378 W.;

zu schiffen in dem wüthgen see! das heiszt
nicht gott vertrauen! das heiszt gott versuchen
Schiller 14, 340 G.;

der auff gott vertrawet, der wol bawet
Lehmann floril. polit. (1662) 1, 71;

lasz uns auf gott vertrauen und unsre ... tochter ... durch die weite welt suchen Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 157. auf, seltener zu gott hoffen, dafür älter: uuanda er chuninch uuesenter an got kedinget (quoniam rex sperat in domino) Notker 2, 64, 18 P. u. o.; denn dahin erbeiten wir auch, vnd werden geschmecht, das wir auff den lebendigen gott gehoffet haben 1. Tim. 4, 10 u. o.; wir hoffen aber zu gott, das der herr ... werde sich vnser balde erbarmen 2. Makkab. 2, 17; ich hoffe nichts von ihm, ich hoffe zu gott: er wird ihn retten Klopstock s. w. (1823) 9, 14; so bis heute in erbaulicher sprache.
ζ) gott vor augen, (und) im herzen haben 'gottes eingedenk sein':

swelch man sich alle tage
begên muoz von bejage, ...
der solde got vor ougen hân
Hartmann v. Aue Gregorius 2862;

denn stoltze setzen sich wider mich, vnd trötzige stehen mir nach meiner seele, vnd haben gott nicht fur augen ps. 54, 5; ich habe gott immer vor augen, ich erkenne seine allmacht, ich fürchte seinen zorn (1770) Mozart briefe 1, 97 Schied.; vnd dein lebenlang hab gott fur augen vnd im hertzen Tobias 4, 6; disem (sterbenden) gab man das heilig sacrament, da schrei man etlichen (verwundeten) zu, got im herzen zu haben, so giengen ainem tail die selen aus Wilwolt v. Schaumburg 81 lit. ver. elliptisch:

als du noch voll unschuld
hier zum altare tratst, ...
halb kinderspiele,
halb gott im herzen
Göthe I 14, 192 W.;

[Bd. 8, Sp. 1060]


rhein. wb. 2, 1322, 20. ohne religiösen bezug: 'do hoste gott im herze' heiszt soviel wie: da tust du nicht mehr wie recht, da hast du einen vernünftigen gedanken Reuting Höchst 19.
b) in verbindungen, die eine besondere hinwendung des menschen zu gott zum ausdruck bringen. wie unter C 3, so erstarrt auch hier ein teil der verbindungen zu festen formeln und redensarten, die sich vom ernsthaft religiösen gebrauch bis zur ironisierung oder sinnentleerung hin nuancieren, s. diese unten J 1 b.
α) gott loben u. ä.: thô sliumo uuard thâr mit themo engile menigî himilisches heres got lobôntiu Tatian 6, 3; vgl. 7, 5;

sî sprach 'daz ich iuch alsô bî
vunden hân, des lob ich gott'
Hartmann v. Aue Iwein 7955; vgl. 2564;

vnd Dauid sprach zur gantzen gemeine, lobet den herrn ewrn gott 1. chron. 30, 20 u. o.;

und wahrt das feuer und das licht,
dasz dieser stadt kein leid geschieht
und lobet gott den herren!
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 106;

dasz wir alle sollen ... preisen gott (1537) Luther br. 8, 44 W.
β) gott ehren:

des sî got iemer gêret
Hartmann v. Aue Iwein 6798;

ehr gott für allen dingen,
so mag dir nichts miszlingen
Petri d. Teutschen weiszh. (1605) S 3b.

biblisch vor allem gott die ehre geben: denn ich wil den namen des herrn preisen, gebt vnserm gott allein die ehre 5. Mose 32, 3; Jer. 13, 16; Joh. 9, 24 u. o.; und zuletzt, dasz ich es sage, um gott und der wahrheit die ehre zu geben Stifter s. w. 3 (1911) 283.
γ) gott danken:

thes scal er gote thankon
Otfrid an Ludwig 25; vgl. 30;

da danckte ich gott, dasz ich gelegenheit hatte, in mein vaterland zu kommen Weise erznarren 38 ndr.;

ergehts euch wohl, so denkt an mich,
und danket gott so warm, als ich
für diesen trunk euch danke
Göthe I 1, 163 W.

mit pharisäisch selbstgerechtem unterton: ich dancke dir gott, das ich nicht bin wie die andern leute, reuber, vngerechte, ehebrecher, oder auch wie dieser zölner Luk. 18, 11. von da aus: indesz sie die gerichtspersonen für eine freche dirne erkannten, und die gegenwärtigen bürger gott dankten, dasz dergleichen fälle in ihren familien ... nicht vorgekommen ... waren Göthe I 21, 74 W. als religiös entleerte wendung wie formelhaftes gott sei dank unter J 1 b α γ γ: lebe wohl, kamerad, und danke gott, dasz ich dir vor und nicht nach tische geschrieben habe, denn was würd in der weinlaune geworden sein, da es schon nüchtern so toll ist! Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 110.
δ) von beschränkter geltung in der verbindung gott grüszen 'ihm freundlich entgegenkommen', umgekehrt wie ob. C 3 d δ ende und wie dort bei Luther und im sprichwort des 16.-18. jhs., mundartlich noch bei Mensing 2, 441: hie adagium verum est 'got begegnet uns, wen wir in khunden grusen' Luther 14, 443 W.; weitere nachweise s. teil 4, 1, 6, 1014.
ε) gott anbeten, zu gott beten. ahd. got betôn, dafür später gott anbeten adorare, venerari: uuir iahen an einen got unde beteton einen got Notker 2, 208, 29 P.; 407, 9; kl. ahd. denkm. 173, 1 Steinm.; es stehet geschrieben, du solt anbeten gott deinen herrn, vnd jm allein dienen Matth. 4, 10 u. ö. zu gott beten orare, rogare, die verschiedenen formen des gebets umfassend, seit dem spätahd.:

si bedditin ci gote in crûcestal
(mit ausgebreiteten armen) Annolied 838 Roediger;

(Cornelius) gab dem volck viel almosen, vnd betet jmer zu gott apostelg. 10, 2 u. ö.

[Bd. 8, Sp. 1061]



ζ) in mehrfachen wendungen zur umschreibung des bittenden betens: thes sculun uuir got simbles bitten, thaz sin uuilleo uuerdhe samalih in erdhu in mannom, soso her ist in himile in engilom Weissenb. katech. 14 Steinm.; gott hab ich viel gebeten, er möge nicht ansehen meine schuld Th. Mann d. erwählte (1951) 216; grosze gedanken und ein reines herz, das ists was wir uns von gott erbitten sollten Göthe I 24, 180 W.;

biginnent thanne wuafanjoh zi gote ruafan
Otfrid V 6, 47;

da rüfft das gantze Israel
zu gott umb hilff in seiner quel
Hans Sachs 1, 212 lit. ver.;

der wec wart vinster unde tief,
daz sî got ane rief
daz er ir nôt bedæhte
Hartmann v. Aue Iwein 5792;

brauchst gott nicht anzurufen, bist schon bewahrt M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 23; wie der hirsch schreiet nach frischem wasser, so schreiet meine seele gott zu dir ps. 42, 2 u. ö.;

und würgt den schwarzen blau und grün,
der hätte schier nach gott geschrien
Mörike ges. schr. 1, 197 Göschen.


η) etwas gott klagen als dem höchsten richter und lenker, mit früher neigung zu formelhaftem gebrauch:

do Moyses der gte man
hine widere uf den berch chom,
wi harter gote chlagete,
was er irliten habete dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 55, 7 Diemer;

namentlich mhd.:

nû clag ich gote mîn ungemach,
daz ich nû niht ersterben mac
Hartmann v. Aue Iwein 1890; 1348; 3976;

Walther v. d. Vogelweide 9, 38; das ist alles, gott clag ichs, war worden und alles gerad ergangen, als ich weysgesagt Luther 18, 439 W. jünger noch in der wendung gott seis geklagt, s. u. DWB J 1 b β.
θ) jmd. oder etwas gott befehlen, ergeben seinem schutz anheimgeben:

do grzte in dev gte
mit trurigeme mte.
si beualch in gote
mit deme inneren gebete dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 24, 16 Diemer;

alle dein anfang und end,
befehl gott in seine hend
Petri d. Teutschen weiszh. (1605) H 5b.

speziell angesichts des todes:

got und sant Michêle
enphalch si die sêle
(eine zum tode verurteilte)
Ottokar österr. reimchron. 19 257 Seem.;

deck jhn (den pestkranken) wol zu, dasz er wol schwitze, so genieszt er: mag er aber den schweisz nicht leiden, so befihle jn gott Gäbelkover artzneyb. (1595) 2, 195. ähnlich: als er befunden, das sie gott ergeben (verstorben war), hat er sie ehrlichen gehn Creutzennach fuhren lassen (1481) Flersheimer chron. 53, 16 Waltz. die gleichen verbindungen auch reflexiv: jetzt war die noth am höchsten, ein jeder befahl sich gott Eichendorff s. w. (1864) 3, 258; er wil sich ledigen von disen schulden, und sich dapfferlich und gentzlich got ergeben Keisersberg bilgersch. (1512) C 1b. älter auch in engerem sinne:

morgen dô ez tac wart ...
zem êrsten dêr sich gote ergap
(verrichtete seine morgenandacht)
Ulrich v. Zatzikhoven Lanzelot 1907;

sich gote ergeben in ein kloster treten (13. jh.) dipl. miscell. seculi XIII 25 Chmel.
ι) (sich) zu gott kehren, bekehren als durchaus biblische wendung:

sih kerta er zi gote ana wank
Otfrid an Hartmut 61;

[Bd. 8, Sp. 1062]


wenn er sie erwűrget, suchten sie jn, vnd kereten sich früe zu gott ps. 78, 34; Hosea 5, 4; das jr euch bekeren solt, von diesen falschen (göttern), zu dem lebendigen gott apostelg. 14, 15 u. o. ähnlich: bald mit gebet, bald mit gespräch, wendete ich mich zu gott Göthe I 43, 359 W. die nur ältere verbindung (sich) zu gott richten scheint auf die situation eines zum tode verurteilten eingeschränkt: rihte dich z gotte: du wurst am dirten tage erhenket (Straszburg 1400) städtechron. 8, 257; schicket man nach den briestern, saget den (zum tode verurteilten) pauren, sy söllten beichten und zu got richten qu. z. gesch. d. bauernkrieges in Oberschwaben 1, 107 Baumann.
κ) speziell in der verbindung mit schwören, einen eid tun u. ä., in der gott als höchster zeuge und richter angerufen wird. zur anrufung der götter in der heidnisch germanischen schwurpraxis s. Jac. Grimm rechtsaltert. 894 f., vgl. auch die schwur- und beteuerungsformeln unter J 1 a δ ζζ; ηη; 2 b; 4 b; 5. die christlich geläufigste verbindung bei gott schwören ist biblischen ursprungs: 'duo dhina hant undar miin dheoh, endi suueri bi himilischin gote' (iura per deum celi) (1. Mos. 24, 3) Isidor 33, 7 H.; (10. jh.) ahd. gl. 1, 710, 16 St.-S. zu Matth. 5, 33;

des swuor ouch bî got
von Fullenstein her Herbot
Ottokar österr. reimchron. 16 015 Seem.;

so schwere mir nu bey gott, das du mir, noch meinen kindern, noch meinen neffen, kein vntrewe erzeigen wollest 1. Mose 21, 23; 1. Sam. 30, 15 u. ö.; schwöre bei gott! bei dem fürchterlich wahren! schriebst du diesen brief? Schiller 3, 484 G. gelegentlich in anderer präpositionalverbindung und synonymen wendungen: jch verheisse vnd schwere euch hie vor gotte, meinem schopffer, das mein meynung vnd gemutte nichs anders jst dan zucht vnd ehre Warbeck d. schöne Magelone 23 Bolte; unser hoffrichter und die beysitzer, sollen geloben und schweren zu gott hofgerichtsordnung Friderichs pfalzgraf bei Rhein (1573) 42; (sie) schwuren auf gott und ehre maler Müller w. (1811) 1, 358; zum dritten soll der schultheiz sampt den zwlffern dem oberst ein eyd thun, zu gott vnd dem heiligen euangelio Fronsperger kriegsb. 1 (1578) a 1b. in schwurähnlicher beteuerung: ich rufe aber gott an zum zeugen auf meine seele, dasz ich euch verschont habe 2. Kor. 1, 23 (vgl. biblisches gott ist [der, mein] zeuge 1. Mose 31, 50; weish. Sal. 1, 6; Phil. 1, 8; 1. Thess. 2, 5); so ers bey gott zügt Frisius dict. (1556) 407.
c) andere verbindungen umschreiben allgemein die möglichkeit einer persönlichen, geistigen oder seelischen beziehung zu gott.
α) gott suchen, finden, haben u. ä.: ibu ist farstantanti edo suahhanti cotan (si est intellegens aut requirens deum) (9. jh.) kl. ahd. denkm. 212, 32 Steinm.; die elenden stehen vnd frewen sich, vnd die gott suchen, den wird das hertz leben ps. 69, 33; Esra 4, 2; Ebr. 11, 6 u. ö.; ich kam nie leer zurück, wenn ich unter druck und noth gott gesucht hatte Göthe I 22, 305 W. jünger daneben weniger im streng christlichen, eher in dem nach II weisenden sinne (s. auch gottsucher): gefühle, welche allen edel gearteten und gott suchenden menschen gemein sind Fr. Schlegel s. w. (1846) 1, 6; ube er ze gote, fone demo er cham, uuidere funden chan Notker 1, 139, 21 P.; denn auch sie wol jrren können, wenn sie gott suchen vnd gerne funden weish. Salom. 13, 6; uuelih kuot nehabent, die got habent, der al guot kibet? Notker 2, 114, 5 P.; 93, 27; 138, 4; gott haben ist alles haben, was man gut nennen kan Petri d. Teutschen weiszh. (1605) C 6b; ob Abraham 'gott hat'? nein niemals, aber gott hat ihn Karl Barth Römerbrief (51926) 99. keinen gott haben soviel wie 'gott nicht haben':

wer sagt, das er ohn sünden sey,
der hat keinen gott das glaub nur frey
Petri d. Teutschen weiszh. (1605) G 6b;

Kramer t.-ital. 1 (1700) 550a. gottes sein sein eigentum sein, ihm gehören: darumb bin ich nit dyn, aber ich will gottes syn Keisersberg bilgersch. (1512) b 4d. hierher,

[Bd. 8, Sp. 1063]


aber in christlichem sprachgebrauch selten: also sol ein christ geschaffen sein ... innerlich gottes vol, ausserhalb nicht anders dan andere menschen Eberlin v. Günzburg s. schr. 2, 49 ndr.
β) gott erkennen, schauen u. ä., aber nicht in der eigentlich spekulativen anwendung von gott II:

wir warun umbitherbejoh harto filu dumbe,
so thie sar got nirknaent
Otfrid IV 5, 16; vgl. 26;

sol diu sêle got erkennen, sô muoz si ouch ir selber vergezzen unde muoz sich selber verlieren; want als si sich selber siht und erkennet, sô siht noch erkennet si got niht meister Eckhart in: dt. mystiker 2, 222, 37 Pf.; nu jr aber gott erkand habt (ja viel mehr von gott erkand seid), wie wendet jr euch denn vmb Gal. 4, 9; gott erkennen conoscere (dio) Kramer t.-ital. 1 (1700) 549c. gott sehen, schauen umschreibt den zustand des frommen im paradies:

wie möcht in immer wirs geschehen
die got nimmer sulen gesehen
Heinrich v. Melk erinn. a. d. tod v. 926 H.-K.;

selig sind die reines hertzen sind, denn sie werden gott schauen Matth. 5, 8;

uns, die wir voll höchster freuden gott den brunn der wollust sehn (im paradies)
Gryphius trauersp. 717 Palm.


d) aus der vielzahl solcher verbalverbindungen, die eine ungebührliche, widerstrebende, feindliche oder gleichgültige haltung des menschen zu gott umschreiben, ist folgendes, z. t. nach biblischem vorbild, mehr oder minder fest geworden: gott versuchen seine geduld und güte ungebührlich auf die probe stellen:

ziu (weshalb) scal ih iowannegotes koron thanne
(non temptabis dominum deum tuum)
Otfrid II 4, 78;
Notker 1, 224, 11 P.;

da sprach Jhesus zu jm, widerumb stehet auch geschrieben, du solt gott deinen herrn nicht versuchen Matth. 4, 7 u. ö.; man müsse gott nicht weiter versuchen, nicht immer wunder erwarten Ranke s. w. (1867) 4, 380. weiterhin: wie solt ich denn nu ein solch gros vbel thun, vnd wider gott sündigen? 1. Mose 39, 9;

frouwe Ênîte zurnte vaste an got
Hartmann v. Aue Erec 5774;

zurnet noch murret er nicht wider gott, das er jn hatte lassen blind werden Tob. 2, 13;

geduld! geduld! wenns herz auch bricht,
mit gott im himmel hadre nicht
Bürger s. w. 15b Bohtz;

blasphemare got schelten (15. jh.) bei Schmeller-Fr. bair. 2, 416; da zureis der hohepriester seine kleider, vnd sprach, er hat gott gelestert, was dürffen wir weiter zeugnis? Matth. 26, 65; 9, 3 u. ö.;

Marforius fand allen sachen mängel,
er lästerte gott, engel und erzengel
E. v. Kleist s. w. (1771) 1, 109;

niht verzwîvelt an gote
Hartmann v. Aue Gregorius 2698;

jch bin z euch kommen, euch ein gesicht z eroffnen, ... euch z erfrewen, damit jr muget jn hoffnung leben; dan kein mensch soll verzweyfeln an gott Warbeck d. schöne Magelone 69 B.;

und (damit) wir nicht, als die gott vergessn,
ein kranckheit doran mügen essn
Ringwaldt christl. warnung n 2a;

suer gotes so uerlaugenot,
daz er sineme eben christene tut den tot,
der hat sihc selben erslagen dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 348, 16 Diemer;

Judas 4; sie machten nicht viel wesens mit fluchen, schwören und gott verläugnen Moscherosch gesichte (1650) 2, 31. übertragen: ich sagte, dasz sie ... ursache wäre, dasz er nochmals gott verläugnete (seine kunst verriete) Göthe I 43, 58 W. auf anderer ebene die seit dem

[Bd. 8, Sp. 1064]


späten 18. jh. belegbare redensart (den lieben, frommen) gott einen guten mann sein lassen, nicht nur zur umschreibung religiöser indifferenz, sondern auch unbekümmerter gleichgültigkeit überhaupt, s. Schwan nouv. dict. (1783) 1, 778b; in etwas anderer form schon früher:

wie mancher ist ein narr ...
läst gott den besten mann und fünfe grade seyn
J. Chr. Günther s. w. 3, 157, 16 Krämer;

aber du läszt gott einen guten mann seyn, und läszt dir das liebe, reiche mädchen da von dem hungrigen teufel weghaschen Stephanie sämtl. singspiele (1792) 146; du bist also ... ein fröhlicher geselle, der gedankenlos umherschwärmt, gott, wie man im sprichwort sagt, einen guten mann sein läszt, und nicht auf morgen denkt, wenn er heute nur noch spasz machen kann Tieck novellenkranz 4 (1835) 169. mundartlich weit verbreitet, s. z. b. Schütze holst. 2, 55; Albrecht Leipzig 124; Christa Trier 100; Meisinger Rappenau 75 u. o.
E. in einer groszen gruppe fester, meist schon sehr früh bezeugter prägungen drückt sich ein personen oder dinge betreffendes verhältnis besonderer zugehörigkeit und beziehung zu gott aus. über die wortfolge der meist genitivischen verbindungen und ihre durchgehende neigung zu fester kompositionsbildung vgl. das unter C 1 a gesagte.
1) neben personen, deren verhältnis zu gott als ein besonders enges und nahes gedacht ist, in der syntaktischen form des possessiven genitivs. im frühen gebrauch zumal der geistlichen texte äuszerst vielfältig, in einigen verbindungen, besonders unter biblischem einflusz, bis in die neuere zeit, wenn auch mit gelegentlicher neigung zur abschwächung oder ironisierung. der kreis so bezeichneter und ausgezeichneter personen umfaszt in engerem sinne bestimmte, durch frömmigkeit oder göttlichen auftrag herausgehobene, Maria, die patriarchen, propheten und apostel, die heiligen, die priester u. ä., daneben aber auch die frommen und gläubigen überhaupt, wobei sich die einzelnen verbindungen in ihrer anwendung weithin überschneiden.
a) neben an sich eindeutigen bezeichnungen in lediglich verstärkendem sinne, vgl. in alten beichtformeln reihungen wie: so gi ich dem almahtigen gote unde minere urouun sante Mariin, minemo herren s. Michaele unde allen gotes engelen, minemo herren s. Johanne unde allen gotes wissagen, minemo herren s. Petre unde allen gotes boton, minemo herren s. Georien unde allen gotes martereren, minemo herren s. Martin ... unde allen gotis bihteren, minere urouun s. Margareten unde allen gotis mageden unde disin heiligon unde allen gotes heiligon (11.-12. jh.) kl. ahd. denkm. 336 Steinm.; vgl. 347 u. ö. besonders:
am häufigsten in der (wie engel des herrn) biblischen verbindung gottes engel: dher angil gotes (lat. vorlage nur angelus) Isidor 25, 19 H.; vnd der engel gottes sprach zu mir im traum, Jacob, und ich antwortet, hie bin ich 1. Mose 31, 11; Joh. 1, 51 u. o.;

lebt wohl, ihr edles frauenbild, und heil
und glück und gottes engel sein mit euch
Tieck schr. (1828) 1, 97.


gottes heilige: ich gloubo ... gemeinsami aller gotis heiligon (11. jh.) kl. ahd. denkm. 139, 11 Steinm.;

mijn man is al inder kerken,
hi bidt gods heilighen an
Uhland volkslieder (1881) 569.

gottes priester, älter êwarto:

ther gotes ewarto (Zacharias)
Otfrid I 4, 23; kl. ahd. denkm. 314, 3 Steinm.;

der gotes prister lobesam
nam die bruder hin bi sit väterbuch 11 024 Reiss.

in reformatorischer polemik gegen den katholischen begriff des priesters: also fern, das sie (die priester) sich nicht 'gottis priester' heyssen Luther 12, 316 W. jünger vereinzelt, uneigentlich: mensch, mann, weib, vater, mutter, sohn, erbe, priester gottes, regent und hausvater, für alle jahrtausend soll er (der mensch) da gebildet werden! Herder 5, 481 S.

[Bd. 8, Sp. 1065]



b) die mehrzahl derartiger verbindungen empfängt dagegen durch den genitiv gottes erst nähere bestimmung und abgrenzung.
α) gottes bote in schwankender anwendung den engel, den priester, den apostel oder allgemein jeden in besonderem auftrag gottes handelnden menschen bezeichnend, s. auch unt. gottesbote:

thar gisah er stantan gotes boton sconan (den engel)
Otfrid I 4, 21; vgl. 57; 59 u. o.;

väterbuch 26 108 Reiss.; ih gihun gode almahdigen unde allen godes engilon unde allen godes heilegon unde dir godes boden (dem priester) (10. jh.) kl. ahd. denkm. 329, 1 Steinm. u. ö.;

durch daz schreib der gotes bote (Johannes)
sin buch so tunkel von gote
Heinrich v. Hesler apokalypse 775 Helm;

dise zwen gottes botten sind Martinus Luther vnd Vlrich von Hutten Eberlin v. Günzburg 1, 4 ndr.
β) gottes knecht in ähnlicher anwendungsbreite: ente di (dir) gotes scalche (dem priester) (9. jh.) kl. ahd. denkm. 316, 2 Steinm.; vgl. 15. jünger wohl spontan: ohne heilige fürbitten ... der knechte gottes (der priester) Gerstenberg Ugolino 259 H.; Bürger s. w. 66a Bohtz; gotes scalch (papst Gregorius) kaiserchron. 6051 Schr.;

daz trugenliche unheil
irkante wol der gotes kneht (ein heiliger) väterbuch 5101 Reiss. u. o.

biblisch speziell von Moses, daneben von propheten und aposteln: wie Mose der knecht gottes geboten hatte 1. chron. 7, 49; 2. chron. 24, 9; offbg. Joh. 15, 3; Dan. 6, 20; Titus 1, 1; Jak. 1, 1. sonst allgemein von den in gottes dienst stehenden gläubigen, älter insbesondere auch den glaubenskämpfern (s.gottes held u. ä. unt. δ):

alsô ma ger (der reuige mensch) werden gotes chneht vom rechte 66 Waag;

den edelen gottes knechten,
die umb das recht solten fechten schausp. d. mittelalters 1, 144 Mone;

Stricker Karl 710; nu jr aber seid von der sünde frey, vnd gottes knechte worden Römer 6, 22; offbg. Joh. 7, 3;

durch jhn (gott) setzen urtheil vnd recht
die rathsherren als gottes knecht bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 3, 237.


γ) ebenso gottes diener:

und (wer) gotis diner obil gedenkit
und uf geistliche luthe tribit spod
Joh. Rothe rittersp. 3334 Neumann;

denn sie (die regierenden) sind gottes diener Römer 13, 6; ihr diener gottes des allerhöchsten, jhr wollet doch alle vornehme und reiche huren ... ermahnen, dasz sie bey zeiten in ihr gewissen gehn Schupp Corinna 57 ndr. gottes dienerin, magd u. ä. vornehmlich älter:

nu stunt ouch bi der wende
ein juncfrouwe, ein gotes maget väterbuch 7997 Reiss.;

habe wir denselben gotis dirnen disen brif daruber geben (Weimar 1320) Diefenbach-Wülcker 631;

ich will jetzt in ein kloster gehn,
will gottes dienerin seyn
Herder 25, 133 S.

vereinzelt scheint, vielleicht unter dem einflusz von H 2, auszerreligiöser gebrauch möglich:

schaid ich mich mit dem leibe,
so bleibt doch mein junges herz stetigs bey ir,
alde du gotes megetlein (die geliebte) (16. jh.) lieder d. Heidelberger hs. Pal. 343 162, 55 Kopp.


δ) die mhd., z. t. schon ahd. äuszerst häufigen verbindungen gotes degen, helt, riter, kempfe, wîgant u. ä. (s. die nachweise der wbb.) leben nhd. nur als komposita weiter, im älternhd. und mit archaisierendem oder romantisierendem unterton besonders im 19. jh. (s. u. DWB gottesheld, -ritter, -streiter u. komp. typ I D 1). sie bezeichnen nicht nur den in eigentlichem sinne christlichen kämpfer namentlich

[Bd. 8, Sp. 1066]


des kreuzzugszeitalters, sondern darüber hinaus biblische gestalten, die märtyrer, heiligen, geistlichen und überhaupt die gläubigen als die in der militia Christi stehenden.
ε) ähnliches gilt von der vornehmlich zu ob. B 2 b β gehörenden verbindung gotes brût als bezeichnung der Maria, einer heiligen, einer nonne oder auch der seele (s. u. gottesbraut).
ζ) die wendung gottes freund hält sich als einzige aus einer geschlossenen gruppe ahd. mhd. synonymer verbindungen meist mit substantiviertem adj. wie der gotes trût, der gotes werde, holde, liebe u. a., die ahd. und frühmhd. auch in der form dativischer verbindung auftreten, vgl. die nachweise der vornhd. wbb. einzelnes klingt in nhd. komposition nach:

tretet her, ihr gottes-lieben,
wie ihr auch, wie ich, ans holtz
durch die liebe seid getrieben
G. Arnold d. geheimnisz d. göttl. sophia (1700) 2, 6;

nun will ich (könig Ludwig), dasz mir folgen
alle gottesholden
(nach dem ahd. Ludwigslied: alle godes holdon)
Herder 16, 199 S.;

Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 4, 208. die nhd. ebenfalls vorwiegend als kompositum (s. u. gottesfreund) geläufige verbindung gottes freund ist biblisch gestützt: da (im himmel) ist der gotes friundo sundergebiuwe kl. ahd. denkm. 153, 30 Steinm.; ein heimlich vrunt gotis der hate zu einer zît inphangen gotis lîcham, und bat unsen herren dt. mystiker 1, 4, 18 Pf.; Abraham hat gott gegleubet, vnd ist jm zur gerechtigkeit gerechnet, vnd ist ein freund gottes geheissen Jak. 2, 23; vgl. Judith 8, 19;

ein held war Josaphat der neund,
ein künig Juda, gottes freund
Hans Sachs 1, 216 lit. ver.


η) gottes mann in vielfacher anwendung. ahd. gotes man im 9.-11. jh. als bezeichnung des priesters in md. und nd. quellen, s. teuthonista 8, 39: elliu in luttero bigihti trohtine gote almahtige ente sinen heilegun ente di (dir) gotes man biiah (9. jh.) kl. ahd. denkm. 317, 33 Steinm.; 318, 2; 323, 2 u. ö. in beichttexten. sonst in spezieller benennung von heiligen, märtyrern, geistlichen und kirchlichen führern:

thie gotes man (heilige u. märtyrer)
Otfrid IV 5, 56;

Antonius, der gotes man,
Pauli roc nam zu sich väterbuch 2094 Reiss.;

Lutherum, den teuern mann gottes Hennenberger preusz. landtaffel (1595) 487; zu dem tanz des mannes gottes (David) vor der bundeslade her Claudius bei Herder 12, 252 S.; er (Totila) wollte aber versuchen, ob der mann gottes (der heilige Benedikt) die gabe der weissagung wirklich hätte br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 19. alttestamentlich als fester beiname des Mose: dis ist der segen, da mit Mose der man gottes die kinder Israel vor seinem tod segenet 5. Mose 33, 1; Josua 14, 6; ps. 90, 1 u. ö. daneben als terminologische bezeichnung für die vorläufer der schriftpropheten an zahllosen stellen: es kam aber gottes wort zu Semaja dem man gottes, vnd sprach 1. kön. 12, 22; 1. Sam. 9, 6; 2. kön. 1, 9 u. o. auch allgemein für den frommen, gläubigen menschen, nur älter:

so zimit gotes manne (dem frommen)
Otfrid III 2, 15;

d. hochzeit v. 802 Waag. nur jünger, in der wortfolge mann gottes, als ironisierende benennung von geistlichen oder auch von personen mit betont frommem gehabe: was mir jetzt wieder dieser herrliche mann gottes (graf Arco) neues erzählte Mozart in: O. Jahn Mozart (1856) 3, 21; 'glaubt der herr baron, dasz der sohn gottes lügt? er zeigte mir' — 'na j-ja, schon gut. aber das war doch nur ein traum, sie mann gottes?' (von einem frommen handwerker) W. Kramp d. fischer v. Lissau (1947) 35; schweiz. id. 2, 508. mundartlich noch anders: mann gottəs anrede jedes unbekannten mannes geringen standes rhein. wb. 2, 1321.
θ) neben gottes mann ist gottes mensch wenig entwickelt, doch vgl.: dô quam ên cristen ûp den kerkhof

[Bd. 8, Sp. 1067]


gânde, den rêp dô de jode unde sprak: ô minsche godes, hale mî den kerkheren van dosser kerken (15. jh.) in: Germania 10, 286, 17. vereinzelt neutestamentlich für den gläubigen: aber du gottes mensch fleuch solches, jage aber nach der gerechtigkeit, der gottseligkeit 1. Timoth. 4, 11; 3, 17. durch weitere belege nicht zu stützen: gottes mensch aber pfleget man zu nennen, der blödes sinnes und ohn verstand ist Schottel haubtspr. (1663) 289.
ι) gottes kind, meist pluralisch gottes kinder, gemäsz der von Christus verkündeten anschauung von gott als dem vater ganz aus biblisch-christlichem sprachgebrauch erwachsen, aber in vielfach getönter anwendung. die genuin neutestamentliche lehre von der gotteskindschaft des menschen klingt schon in der sprache des alten testamentes vor: ir seid kinder des herrn ewres gottes, ir solt euch nicht mal stechen, noch kalh scheren vber den augen, vber einem todten 5. Mose 14, 1; Hosea 2, 1; weish. Salom. 5, 5; 12, 7. neutestamentlich für die im glauben an Christus und in seiner nachfolge stehenden, aus den kindern der welt herausgehobenen gläubigen: selig sind die friedfertigen, denn sie werden gottes kinder heissen Matth. 5, 9; auff das jr seid on taddel, vnd lauter, vnd gottes kinder, vnstrefflich, mitten vnter dem vnschlachtigem vnd verkereten geschlecht, vnter welchem jr scheinet als liechter in der welt Phil. 2, 15; Joh. 1, 12; Gal. 3, 26; Römer 8, 16 u. ö. von da her seit alters im allgemein christlichen sprachgebrauch:

giereta er (Christus) se in then sind (in der weise), thaz sie (die gläubigen) warin gotes kind (Joh. 1, 12)
Otfrid II 2, 28; 19, 19;

sît die wîsen alle heizent gotes kint ...
und der Werlde holden alle tôren sin
Neidhart v. Reuental 88, 2 Wieszner;

das (gottes wort, taufe u. sakrament) ist der rechte schatz, der uns alles guts und ewige seligkeit bringet, gottes kinder machet und der lieben engel gesellen, die auff uns warten und uns dienen Luther 45, 625 W.; 10, 1, 1, 331; 11, 158. von hier aus uneigentlich:

diesz wird euch kindern gottes taugen,
erbaut euch (am gedicht) und ergetzt die augen!
(im gegensatz zu den 'philistern', die mit gedichten nichts anfangen können)
Göthe I 3, 169, 12 W.

daneben noch enger und im sinn der obigen verbindungen für glaubenskämpfer, märtyrer, heilige und durch besondere frömmigkeit ausgezeichnete menschen, vornehmlich in älterer sprache:

uz den gotes kinden
geuielen ahtzec unt sibene,
di urouwent sich iemir da zehimile
pfaffe Konrad Rolandslied 161, 11 Gr.;

Stricker Karl 10773 Bartsch;

gebartet unde geharet,
also diu waren gotes kint
und wallære dicke sint
Gottfried v. Straszburg Tristan 2627 Ranke.

gelegentlich auch in jungem gebrauch:

kind gottes, wie soll kenntlich mir
dein herzgeliebter seyn
(eine pilgerin ist angeredet)
Bürger s. w. 46b Bohtz.

prägnant für geistliche und mönche:

du bist vil wol geschaffen
ze einem gotes kinde
und ze kôrgesinde:
diu kutte gestuont nie manne baz
Hartmann v. Aue Gregorius 1555; 1527;

Hugo v. Trimberg d. renner 18 012 Ehrism. umgangssprache und mundart ironisieren die wendung in ähnlicher weise wie oben unter mann gottes: weil die frau, wenn sie zu jemand sagen will: aber du esel oder mondkalb! den ausdruck hat z. b. aber, kind gottes! du siehst ja wieder wie ein schwein aus? Gutzkow ges. w. (1872) 3, 187; kenk goddes! = was tust du! Elberf. ma. 62; schweiz. id. 2. 508. singulär und willkürlich bleibt die sonst der bezeichnung Christi (s. oben A 5) vorbehaltene verbindung gottes sohn

[Bd. 8, Sp. 1068]


in der anwendung auf menschen: daz ander (der früchte des geistes) ist: er (der gläubige) wirt gotes sun von gnâden meister Eckhart in: dt. mystiker 2, 482, 1 Pf.; da die vorsteher des krankenhauses, auf die frage des güterhändlers: ob es dem jungen (einem findling) wohl erlaubt wäre, einzusteigen? lächelten und versicherten, dasz er gottes sohn wäre und niemand ihn vermissen würde H. v. Kleist w. 3, 359 E. Schmidt.
κ) gottes volk, älter auch gotes liut nach biblischer, besonders alttestamentlicher auffassung prägnant für das jüdische volk als das auserwählte:

den flch uirbot er ime uber lt
uber daz here unde uber daz libe gotes livt dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 75, 10 Diemer;

wann die Juden sprachen: wir sein daz volck gotz erste dt. bibel 2, 6 (vorr. z. Römerbrief) Kurr.; warumb hastu ein solches gedacht wider gottes volck, das der könig ein solches geredt hat 2. Sam. 14, 13; bey den alten heyden fande man so wol solche exempla, als bey dem auszerwehlten volck gottes Grimmelshausen Simpl. 13 Scholte. von hier aus schon neutestamentlich in der übertragung auf die gemeinschaft der Christusgläubigen: die jr weiland nicht ein volck waret, nu aber gottes volck seid, vnd weiland nicht in gnaden waret, nu aber in gnaden seid 1. Petr. 2, 10; Ebr. 4, 9; das ist das heubtstück in dieser historien, das, die gottes volck sein wollen, müssen verfolgung leiden Luther 16, 75 W.; 30, 2, 533.
λ) gottes (aus)erwählte die in ausgezeichnetem sinne gläubigen:

die wandelunge die zu get
an den gotes irwelten,
die den lib hie quelten
Heinrich v. Hesler apokalypse 15 263 Helm; vgl. 9589;

wer wil die ausserweleten gottes beschüldigen? gott ist hie, der da gerecht machet Römer 8, 33; Kol. 3, 12; Titus 1, 1.
μ) mehr gelegentliche verbindungen, auch solche bildhafter art, umschreiben das verhältnis zwischen gott und mensch in ähnlichem sinne wie oben, biblisch und bibelsprachlich: sind wir denn kinder, so sind wir auch erben, nemlich, gottes erben, vnd miterben Christi Röm. 8, 17; denn wir sind gottes gehülffen, ir seid gottes ackerwerck, vnd gottes gebew 1. Kor. 3, 9; Luther 17, 2, 192 W.; wer Mosen ... verachtet, der da gottes wort füret und gottes zeuge ist, der verachtet gott selbs derselbe 16, 61 W.; das weyb ist auch gottis rusttzeug odder wercktzeug ... solche werck (kindergebären, hauswartung) soll das weyb thun. darumb ist es gottis zeug und gefesz derselbe 12, 346 W.
c) weitergefaszt in der allgemeinen benennung und kennzeichnung des menschen als gottes geschöpf, kreatur, bild, ebenbild u. ä.: gotes chiscaftim (creaturis) Isidor 29, 1 H. auch auf geschaffenes überhaupt ausgedehnt:

es sint die warmen bad, ich sprich,
geschöpf gottes gantz wunderlich fastnachtsp. 1253 Keller;

(gottes geschöpf in anderm sinne s. oben C 1 a γ); den werden menschen, gotes aller liebste creature ackermann a. Böhmen 25, 2 Hübner (gotes werkstuck ebda 22);

erzürnt den schöpfer nicht als gottes creatur
J. Chr. Günther s. w. 5, 14 Krämer.

zumal in dieser verbindung über den menschen hinaus auch die tiere oder andere geschaffene wesen und dinge bezeichnend: denn alle creatur gottes ist gut, vnd nichts verwerfflich, das mit dancksagung empfangen wird (πᾶν κτίσμα θεοῦ) 1. Timoth. 4, 4; so denn nu gold und silber, eisen und kupffer gottes gute creaturen sein Mathesius Sarepta (1571) 6a; vnd gott schuff den menschen jm zum bilde, zum bilde gottes schuff er jn 1. Mose 1, 27; 1. Kor. 11, 7. die biblisch nur Christus zukommende bezeichnung ebenbild gottes (s. oben A 5) benennt jünger auch den menschen:

(nach Manes und Marcion wäre bei weibern nicht) die mindste spur
von gottes ebenbild und seiner kraft zu finden
J. Chr. Günther s. w. 5, 10, 8 Krämer;

[Bd. 8, Sp. 1069]


vgl. 6, 196, 51; wirst du doch immer aufs neue hervorgebracht, herrlich ebenbild gottes! rief er aus Göthe I 25, 1, 298 W.
d) gottes armer, mit eigener entwicklung, s. u. H 2.
2) gott mit vorgesetztem possessivpronomen drückt innerhalb des christlichen sprachgebrauchs, nach biblischem vorbild, das verhältnis enger zugehörigkeit, persönlicher bindung und besonderen vertrauens aus: ich habe mich müde geschrien, mein halsz ist heisch, das gesicht vergehet mir, das ich so lange mus harren auff meinen gott ps. 69, 4; 1. Kön. 17, 20 u. ö.;

mein gott, gedencke nicht der sünden meiner noth
J. Chr. Günther s. w. 3, 71 Krämer u. ö.;

sein (Jehovas) wort ist ewig, wie sein nahmen ...
ich (der dichter) glaube meinem gott
Hölderlin s. w. 1, 31, 119 Hell.

hinter der festen alttestamentlichen wendung ich bin der herr, dein gott und der herr, unser (euer, ihr) gott steht dagegen oft noch die vorstellung des für das jüdische volk alleingültigen gottes, welche die existenz anderer götter nicht unbedingt ausschlieszt (s. u. III A 1): ich bin der herr, dein gott, der ich dich aus Egyptenland, aus dem diensthause gefürt habe 2. Mose 20, 2; ps. 81, 11; Jes. 43, 3 u. o.; sie sprachen, der Ebreer gott hat vns geruffen, so las vns nu hin ziehen drey tagereise in die wüsten, vnd dem herrn vnserm gott opffern, das vns nicht widerfare pestilentz oder schwert 2. Mose 5, 3; 5. Mose 1, 6 u. ö.
3) eine grosze zahl unpersönlicher substantiva wird, teils durch den attributiven, teils durch den possessiven genitiv, als von gott stammend oder zu gott gehörig gekennzeichnet.
a) so in biblisch-christlicher terminologie von bestimmten erscheinungsformen der göttlichen offenbarung, kundgebungen des göttlichen willens und gegebenheiten der christlichen lehre.
α) gottes geist, s. auch s. v. geist, teil 4, 1, 2, 2641 ff.
αα) selten als gott, sofern er seinem wesen nach geist ist, vgl. oben DWB C 3 f ende:

mit waru wilit ther gotes geist, thaz man inan beto meist
Otfrid II 14, 72.


ββ) alttestamentlich als umschreibung der schöpferischen göttlichen kraft: 'endi gotes gheist suueiboda oba uuazsserum' (et spiritus dei ferebatur super aquas) Isidor 16, 2 H.; 1. Mose 1, 2; Hiob 33, 4. vor allem als eine von ihrem träger losgelöste, dem menschen mitteilbare magische kraft, die ihren empfänger zu gesichten, prophetischer rede u. ä. befähigt: sihe, da kam jm ein propheten hauffe entgegen, vnd der geist gottes geriet vber jn, das er vnter jnen weissaget 1. Sam. 10, 10; 19, 23; 1. Mose 41, 38; Hes. 11, 24 u. ö.
γγ) in neutestamentlichem und von da aus allgemein christlichem gebrauch dasselbe wie heiliger geist, die dritte person der trinität (s. oben A 2 b), sofern sie als ausstrahlende, im geist des gläubigen und in der gemeinschaft der gläubigen wirkende kraft gedacht ist. älter auch als gotes âtum im obd. (s. PBB 43, 407 ff.), entsprechend der auch in geist nachwirkenden ursprünglichen mehrdeutigkeit von (hebr. gr. πνεῦμα) lat. spiritus:

ther gotes geist, ther mo (Simeon) anawas, ther gihiaz imo thaz
(et spiritus sanctus erat in eo)
Otfrid I 15, 5; 25, 23; 26, 8; II 12, 35;

der gotes âtem was in imo (Christus) Ezzos gesang v. 198 Waag;

der süeze gotes geist ûz dînem (Marias) edeln herzen blüete
Walther v. d. Vogelweide 36, 24 K.;

vnd er sach den geyst gotz nyder steigen als ein taub vnd kument auf in erste dt. bibel 1, 14 Kurr.; Matth. 3, 16; denn welche der geist gottes treibet, die sind gottes kinder Römer 8, 14; 1. Kor. 2, 14 u. ö.;

gotts geist ist aber nit verschlossen
und nur gen Rom hinein gestoszen
Fischart s. dicht. 2, 52 Kurz;

die diener der kirche, die von gottes geist erfüllt, von ihm zu seinem werke ausersehen waren Dietr. Schäfer dt. gesch. (1919) 1, 191. von hier aus weiter und unbestimmter:

[Bd. 8, Sp. 1070]


die frische luft des freien feldes ist der eigentliche ort, wo wir hin gehören, es ist als ob der geist gottes dort den menschen unmittelbar anwehte Göthe bei Eckermann gespr. m. Göthe 3, 164.
β) gottes name, s. auch s. v. name, teil 7, 330 f.; 333; 335.
αα) in eigentlichem sinne die gott zukommende oder zugeteilte benennung, gott sofern man ihn nennt und sich auf ihn beruft: vnd wil auff jn schreiben den namen meines gottes offenb. Joh. 3, 12; Robert Boyle sprach den namen gottes niemals anders, als mit einer so tiefen ehrfurcht aus, dasz er nicht anders konnte, als nach der aussprechung desselben eine weile stillschweigen Klopstock s. w. (1823) 11, 213; wenn wir aber das bildnis umgingen einmal und siebenmal ... und legten ein blättchen in seinen toten mund, ein blättchen mit gottes namen Th. Mann Joseph u. s. brüder (1948) 1, 728. formelhaft an verben gebunden, besonders solche des anrufens und aussagens, vornehmlich biblisch und mehr oder minder im übergang zu ββ: giuuihit si namo thin. gotes namo ist simbles (= semper) giuuihit Weissenb. katech. 6 Steinm.; ich wil den namen gottes loben mit einem lied ps. 69, 31; Jes. 24, 15; Joel 2, 26 u. ö.; du solt den namen des herrn deines gottes nicht misbrauchen, denn der herr wird den nicht vngestrafft lassen, der seinen namen misbraucht 2. Mose 20, 7; Römer 2, 24.
ββ) umschreibend für gott selber und als kennwort seiner herrlichkeit, grösze und ehre, in älterem, biblisch begründetem gebrauch, doch vgl. auch die mhd. wendung manes, wîbes name für man, wîp in: mhd. wb. 2, 1, 306b: propter nomen domini dei nostri quesiui bona tibi vmbe gotes namen forderota ih din guot Notker 2, 551, 32 P. (ps. 121, 9);

und sprich: 'mein frewnt, darumb nicht schilt, ...
und lazz sein walten gotes nam'
Suchenwirt 44, 93 Bobertag;

väterbuch 30 466 Reiss.; der name des gottes Jakob schütze dich ps. 20, 2; vgl. 8.
γ) geläufig in der präpositionalen form in gottes namen, im namen gottes, deren unmittelbar religiöser gehalt sich später weithin abnutzt (s. u. DWB J 6 a).
αα) als formel der berufung auf gott, in der sich bitte oder erwartung göttlicher zustimmung und göttlichen schutzes ausdrückt, in verbaler bindung: vnnd nam vrlob ... vnnd sas in dem namen gottes in die galleen vnd fr gen Alexandriam (1509) Fortunatus 78 ndr.; nimm Ottilien, lasz mir den hauptmann, und in gottes namen sei der versuch gemacht! Göthe I 20, 19, 22 W. besonders bestimmten situationen formelhaft zugeordnet:

in godes namen ende vreden,
also beginnen wir deser reden
Heinrich v. Veldeke Servatius 1;

nun weiter heb ich in gottes namen, das es wol gerat, das werk an (das buch) Aventin s. w. 4, 16, 25 bayer. akad.;

si stiezen an und vuoren dan;
mit hoher stimme huobens an
und sungen eines unde zwir:
'in gotes namen varen wir'
Gottfried v. Straszburg Tristan 11 535 Ranke;

Wackernagel kirchenl. 2, 515; far ich dahin im namen gots und gesegen got alle welt (ein sterbender) (1517) bei Fischer schwäb. 3, 515;

leget euch in gottes namen nieder
P. Fleming dt. ged. 100 lit. ver.;

so sangen sie noch: nun ruhen alle wälder, machten die laden zu ... und legten sich in gottes namen zur ruhe O. Ludwig ges. schr. 2, 416 Schm.-St.
ββ) in diesem sinne häufig elliptisch, mit vollem religiösen gewicht, dem freilich auch abergläubisches zugrundeliegen kann, vgl. hwb. d. abergl. 3, 992: in gotes namen amen (schlusz eines wurmsegens, 12. jh.) kl. ahd. denkm. 374, 7 Steinm.; schweiz. id. 2, 509; in gottes namen. amen (1293, beginn einer Ulmer urkunde) bei Fischer schwäb. 3, 757; Limburger chron. 120 Wyss; vgl. 123; 124 u. ö.

[Bd. 8, Sp. 1071]


soviel wie 'mit gott, mit gottes hilfe'; wolan in gottes namen, sagt der könig, der wölle euch seine gnad darzu verleihen (zur ritterschaft) Amadis 57 Keller; ein yedtlicher soll alle zeit sein handel im namen gottes anfahen, vnd den in gedechtnus haben, anrüffen, vnd zu öberst setzen; ... also zu öberst, im anfang in namen gottes, oder Jesus, oder laus deo, got sey lobe etc. darnach die jarzal (1549) bei Schirmfr wb. d. dt. kaufmannsspr. 118; in gottes nahmen deo auspice Aler dict. 1446a; mundartlich im obd. lebendig als grusz, abschiedsformel, zuruf bei der arbeit u. ä., s. schweiz. id. 2, 508 f.; Fischer schwäb. 3, 757; Martin-Lienhart elsäss. 1, 245b.
γγ) objektiviert und von der voraussetzung gelöst, dasz gott bei seinem namen genannt wird, soviel wie 'in gottes auftrag, in göttlicher vollmacht, an gottes statt':

giwihit si er filu fram, want er in gotes namen quam
(bei Christi einzug in Jerusalem)
(qui venit in nomine domini)
Otfrid IV 4, 47; Heliand 2079 B.;

dieser ist des todes nicht schüldig, denn er hat zu vns geredt, im namen des herrn vnsers gottes Jer. 26, 16; Esra 5, 1; 2. chron. 33, 18;

der pfarrer sprach: mein lieber mann,
ich hab mein ambt mit fleisz gethan.
und hab euch beyd in gottes namen,
mit meinen händen geben zsammen
Sandrub hist. u. poet. kurzweil 10, 15 ndr.;

und nehm euch in des reiches eid und pflicht,
im namen gottes und durch meine macht
Grillparzer s. w. 6, 97 Sauer.


δδ) von ββ wie von γγ aus im älteren sprichwort sarkastisch: das der name gottes mus der schanddeckel sein, darunter alle unglck angericht werden, wie man auch sagt: ynn gottes namen hebt sich alles unglck an Luther 24, 164 W.; in gottes namen schlg der bawr sein knecht zu tod schöne weise klugreden (1548) 5a; vgl. Frommann dt. maa. 7, 500 u. das walte gott unter J 1 a ι ββ. von da aus: so hörte und sahe ich auch in gottes nahmen sündigen, welches wol zu erbarmen ist; von den kriegern wurde es am meisten practicirt, wenn sie nemlich sagten: wir wollen in gottes nahmen auff parthey, plündern, mitnemmen, todtschiessen, nidermachen Grimmelshausen Simpl. 73 Scholte.
δ) gottes wort, s. DWB wort I C, teil 14, 2, 1492 ff., gelegentlich in anderen synonymen verbindungen (s. u. ββ).
αα) als ein bestimmtes einzelnes, gott zugeschriebenes wort: es stehet geschrieben, der mensch lebt nicht allein vom brot, sondern von einem iglichen wort gottes Lukas 4, 4. so auch pluralisch: vnd er sprach zu mir, schreibe, selig sind die zum abendmal des lambs beruffen sind. vnd er sprach zu mir, dis sind warhafftige wort gottes offenb. Joh. 19, 9. das einzelne bibelwort: ein wort gottes ist gröszer denn drey welt Petri d. Teutschen weiszh. (1605) C 1b. das dem sakrament (als zeichen) beigegebene einsetzungswort: brod und weyn ynn gottes wort gefasset und daran gebunden Luther 30, 1, 223 W. von einem bestimmten göttlichen wortauftrag, besonders alttestamentlich: vnd Ehud sprach, ich hab gottes wort an dich, da stund er auff von seinem stuel richter 3, 20; 1. chron. 18, 3 u. ö. als 'göttliches gebot':

duo sich Lucifer duo ce ubile gevieng
unt Adâm diu godis wort ubirgieng Annolied 40 Roediger;

(die bilderstürmer) rhümen sich noch, sie reissen die bilde um nach gottes befelh und wort Luther 16, 444 W.
ββ) meist kollektiv für die im biblischen zeugnis niedergelegte offenbarung und botschaft gottes an die menschheit, insbesondere das evangelium: thaz sie gihortin gotes uuort (ut audirent verbum dei) Tatian 19, 4 (Luk. 5, 1); vgl. 58, 2;

man sal di ruwe lieben,
daz gotes wort in schieben (hineinschieben)
den harten, die vorsteinet sint
unde an gote wurden blint
Heinrich v. Hesler apokalypse 2040 Helm;

das hew verdorret, die blume verwelckt, aber das wort unsers gottes bleibet ewiglich Jesaia 40, 8; mögen wir

[Bd. 8, Sp. 1072]


... unser leben nach gottes wort und befehl anstellen Schupp Corinna 56 ndr. neutestamentlich evangelium gottes: Paulus ein knecht Jhesu Christi, beruffen zum apostel, ausgesondert zu predigen das euangelium gottes Römer 1, 1; 2. Kor. 11, 7 u. ö. ähnlich: wie wol wir iczt ausz gottes gnade haben die do gottis lehr predigen Luther 14, 356 W. besonders frühmhd. gotes lêre für das evangelium, die christlich-kirchliche lehre, das göttliche gesetz, auch das christentum überhaupt, vgl. Tundalus 13 Kraus; dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 50, 28 Diemer, dt. pred. 2, 109 Grieshaber; Milst. exod. 139, 29 Diemer; kaiserchron. 6367 Schr.; 7924; 8038 u. ö.
γγ) in speziellen bedeutungen. für liturgie und predigt im gottesdienst:

der genadege sente Servas,
de ein geware biscop was ...
ende godes wort scone sprac
Heinrich v. Veldeke Servatius 166 Frings-Schieb;

also morgens nach angehörtem wort gottes, wapnet sich Galaor Amadis 124 Keller. prägnant für die bibel:

wie sie (die kinder) in gottes wort studirn
Hans Sachs 1, 53 lit. ver.;

ich bin schon heut früh munter gewesen
und habe in gottes wort gelesen
Tieck schr. (1828) 2, 330.

in scherzhafter personifizierung gottes wort vom lande 'landprediger', s. Bauer-Collitz Waldeck 146; nd. korrespondenzbl. 15 (1891) 21a. prägnant für die reformation: (wir haben) unsere gelehrte und geistlichen zum teil, so dem wort gotts zugetan, bei einander gehabt (1537) Luther br. 8, 71 W.; 20.
ε) gottes friede.
αα) nicht so sehr als eine gott zugehörende eigenschaft, eher als eine dem frommen mitteilbare äuszere oder innere gabe:

in dem gotes fride du var.
der heilic geist dich bewar (12. jh.) denkm. dt. poesie u. prosa 186 Müllenhoff-Scherer;

vnd der friede gottes regiere in ewren hertzen, zu welchem jr auch beruffen seid, in einem leibe, vnd seid danckbar Kol. 3, 15; Phil. 4, 7 u. ö.;

engelharfen hallen
frieden gottes in ihr krankes herz
Matthisson schr. (1825) 1, 3.


ββ) spezieller und objektiviert (s. auch unt. gottesfriede), als deutsche entsprechung der treuga dei, die im cluniazensischen Frankreich des 11. jhs. entstand und zur sicherung des öffentlichen landfriedens ein fehdeverbot an kirchlichen festtagen und in der zweiten wochenhälfte aussprach, vgl. dt. rechtswb. 4, 1015:

er (der könig) gebôt ainen gotes fride:
nâch dem scâchroube retailte man die wide,
nâch dem morde daz rat kaiserchronik 15 140 Schr.;

vnde ist kein vride gesworen, er sol den gotes vride sweren (ca. 1275) Schwabensp. 180 Laszberg. und sonst in rechtsprachlichem gebrauch: wie der stadt-vogt in Bresslau bey den stadtgerichten daselbst ding heget: so gebiete ich diesem dinge gottes fried, der erbaren herren rathmannen vnd schoppen fried, vnsers allergn. herrn des königs zu Böhmen fried vnd allen denen, so fried lieb vnd vnfried leid ist bei Haltaus gloss. 741; weitere belege ebda u. dt. rechtswb. a. a. o.
ζ) gottes reich für neutestamentliches, im alten testament als verbindung vereinzelt (weish. Sal. 10, 10) vorgebildetes βασιλεία τοῦ) θεοῦ, regnum dei (neben gleichbedeutendem βασιλεία τῶν οὐρανῶν, regnum coelorum, s. oben himmelreich). als feste bezeichnung für den der gegenwärtigen weltordnung entgegengesetzten künftigen aeon, dessen anbruch mit der erscheinung Christi zugleich auch schon als innerweltliche, im frommen und in der gemeinschaft der gläubigen verwirklichte ordnung vorgestellt wird: quaeme richi thin. richi gotes ist simbles endi eogihuuar: thes bittem uuir thoh, thanne uuir thiz quedem, thaz

[Bd. 8, Sp. 1073]


gotes richi si in uns kl. ahd. denkm. 29 Steinm.; 159; 169; Notker 2, 4, 13 P.; vgl. 57, 9; 548, 18 u. ö.;

du ensihest mich hinnen vurder niht
untz in dem gotes riche,
da sehe wir uns vroliche väterbuch 11 935 Reiss.;

nach dem aber Johannes vberantwortet ward, kam Jhesus in Galilea, vnd prediget das euangelium vom reich gottes Markus 1, 14; Joh. 3, 3 u. o.; aber in der christenheit, do vater, son, heiliger geist bey uns leret und sacrament gibt, das ist gottes reich Luther 49, 311 W.; vgl. 14, 72; 15, 724; 41, 154;

vor allem suchet gottes reich
und zwar noch auf der erden
(nach Matth. 6, 33)
J. Chr. Günther s. w. 2, 293 Krämer; vgl. 263.

in erweitertem, nicht eigentlich biblischem sinne: aber kein ding im ganzen reiche gottes kann ich mich doch überreden! ist allein mittel — alles mittel und zweck zugleich, und so gewisz auch diese jahrhunderte Herder 5, 527 S.
η) gottes stuhl, thron in bildhafter umschreibung für den himmel als göttlichen herrschaftssitz, auch mit anspielung auf die richterliche funktion gottes. in der ersten verbindung vornehmlich biblisch: tronus dei gotes stuol Notker 2, 159, 11 gl. P.; ich aber sage euch, das jr aller ding nicht schweren solt, weder bey dem himmel, denn es ist gottes stuel Matth. 5, 34; 23, 22; vnd in jrem munde ist kein falsches funden, denn sie sind vnstrefflich für dem stuel gottes offenb. Joh. 14, 5 u. ö.; noch sol er (Christus) dennoch heissen gott gleich und sitzen inn gottes stuel Luther 41, 154 W.;

wer alles nach seinem kopff will regieren,
der setzt sich neben gottes stul
Lehmann floril. polit. (1662) 2, 671;

du solt sitzen ûf gotes trône
bruder Philipp Marienleben 1581;

darumb, das sich dein hertz erhebt, vnd spricht, ich bin gott, ich sitze im thron gottes, mitten auff dem meer Hes. 28, 2.
θ) in verbindungen, die den im göttlichen gesetz und recht niedergelegten und objektivierten willen gottes umschreiben, vorwiegend älteren gebrauchs.
αα) gottes gesetz, älter dafür gotes êwa, ê (anders s. unt. b γ), zusammenfassend für die summe der einzelgebote: sô iz giscriban ist in gotes êuuu (sicut scriptum est in lege domini) Tatian 7, 2 (Luk. 2, 23); hierher, wenn nicht zu b γ:

nicht achten auf dew gotes ee,
zuder peichte nicht gahen
Heinrich v. Burgus d. seele rat 3452 Rosenf.;

denn gottis gesetz wird niemand fur den andern erfullen mgen, eyn iglicher wirds mssen fur sich selbs erfullen (1525) Luther 17, 2, 100 W. bibelsprachlich vor allem das mosaische gesetz: vnd sie kamen das sie schwuren, vnd sich mit eide verpflichten zu wandeln im gesetz gottes, das durch Mose den knecht gottes gegeben ist Nehemia 10, 29; ps. 37, 31; Röm. 7, 22; 25; 8, 7.
ββ) gottes gebot. älter auch in zusammenfassendem sinn wie gottes gesetz:

in gotes gibotes suazi laz gangan thine fuazi
Otfrid I 1, 47;

stelen, ehebrechen und alle offentliche laster widder gottis gepot Luther 15, 752 W. auszerhalb des eigentlichen sittengesetzes, soviel wie 'göttliche ordnung' im natürlichen und menschlichen bereich:

sît man in (den himmel) zergänclich siht,
als ez gebiutet gotes gebot
Rudolf v. Ems Barlaam 237, 39;

und wolt also abermal ein frei gesell sein, gottes gebot aufheben, und keine oberkeit (gewalt über mir) haben Luther 4, 410a in: teil 4, 1, 1, 1809. singularisch sonst auf ein bestimmtes einzelgebot zielend:

der ouch vroun Êven verriet,
dô sî von gotes gebote schiet
Hartmann v. Aue Gregorius 1962;

[Bd. 8, Sp. 1074]


Freidank bescheidenheit 174, 25; so ist auch kein menschlich gebott ber gottes gebott Luther 10, 3, 373 W.; rein und streng nach gottes gebot sollte der priester sein leben führen D. Schäfer dt. gesch. (1919) 1, 191. im plural zusammenfassend für das göttliche gesetz:

uil wol si di erten,
dev gotes gebot si behilten dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 68, 21 Diemer;

welcher pfaff sich vnerlich halt yn siner leer oder yn offentlicher vbertrttung der gots gebot, so soll man yn ... vervrteilen Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 111 ndr.
γγ) gottes recht in vielfacher verzweigung (noch anders s. u. b γ). biblisch wie gottes gesetz: das ich richte zwisschen einem jglichen vnd seinem nehesten, und zeige jnen gottes recht und seine gesetz 2. Mose 18, 16; Jes. 58, 2; 1. Makk. 1, 51. älter auch soviel wie der rechtsanspruch gottes, die sittliche leistung, auf die gott anspruch hat; so schon ahd., wo die wendung freilich mit der vorstellung von der iustitia dei eng zusammengehört (s. oben Notker 2, 158, 18 P.; 74, 26 unter C 1 a): ich habe gisundôt ... an demo uirwazzinen merselie des gotis rehtis kl. ahd. denkm. 143, 38 Steinm.; 165, 20; 169, 22;

Witege unde Heime die brâchen gotes reht Alpharts tod 14, 1 Martin; vgl. 279, 2.

hierher wohl auch Oswald v. Wolkenstein 106, 47 Schatz (entgegen der üblichen übersetzung 'gottesfrieden'). als das von gott stammende, das 'natürliche' recht, auch im unterschied zu einer rechtssatzung anderen ursprungs, s. unt. G 5, ferner gottesrecht und dt. rechtswb. 4, 1032 f.: daz man dem chnechte puezze als dem herren oder dem aigen als dem vreien, daz ist weder gotes reht noch lantreht in: dt. rechtswb. 4, 1032; dat cromme veen ... van godes recht den cloester ... toehoert (1487) ebda 1033; weltlich recht folge nach gottes recht Graf-Dietherr dt. rechtssprichwörter 1. als 'gottesgericht, gottesurteil' mehrfach mnd. belegbar: welk man dat recht up driuen wil myd eneme godes rechte (Dithmarschen 1447) in: dt. rechtswb. 4, 1033, woselbst weitere nachweise.
δδ) umschreibend in der wendung gottes weg für die sittlichen forderungen gottes (anders s. u. b γ und oben C 1 a β εε): quia custodiui uias domini nec impie gessi a deo meo uuanda ih gotes uuega behuota unde ih ubelo neteta fone imo zihendo Notker 2, 51, 24 P.; werestu auff gottes wege blieben, du hettest wol jmerdar im friede gewonet Baruch 3, 13; Matth. 22, 16 (vgl. Heliand 3805 B.);

sing, bet und geh auf gottes wegen,
verricht das deine nur getreu
G. Neumark bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 4, 311.


ι) in bezeichnungen für die christliche kirche und gemeinde: gilaubistu heilaga gotes chirichun? (9. jh.) ahd. sprachdenkm. 23 Steinmeyer; seyt on schaden den Juden vnd den heiden vnd der kirchen gotz erste dt. bibel 2, 88 Kurr.; so habt nu acht auff euch selbs, vnd auff die gantze herd, vnter welche euch der heilige geist gesetzt hat zu bischouen, zu weiden die gemeine gottes, welche er durch sein eigen blut erworben hat apostelg. 20, 28; Gal. 1, 13 u. o. bildlich von b β her: ecclesia diu ist daz gotes hus Notker 2, 82, 21 P.; vgl. 173, 10; denn es ist zeit, das anfahe das gerichte an dem hause gottes 1. Petrus 4, 17; wisset jr nicht, das jr gottes tempel seid, vnd der geist gottes in euch wonet? 1. Kor. 3, 16.
b) in dem mehr dinglichen bereich des gottesdienstlichsakralen lebens und der kirchlichen praxis.
α) gottes dienst in engerem, gegenständlicherem sinne als oben unter D 1 a, zusammenfassend für regeln und ordnungen des kirchlichen lebens, geistliche übungen, kultische verrichtungen u. ä. (s. u. gottesdienst):

deta si tho then githanc zi gotes thionoste ana wanc
joh thionota iogilicho thar gote driulicho
(jejuniis et obsecrationibus serviens nocte ac die)
Otfrid I 16, 9;

kl. ahd. denkm. 143, 13 Steinm.; 146, 27; in dem hêiligen ewangelio daz man huto lîset an gottes dîenste altdt. leseb. (1839) 299, 30 Wackernagel; do wart erslagen eyn

[Bd. 8, Sp. 1075]


prister in dem dorff Solczbich bie Kappelndorff, do wart nedder geleget gotis dinst dry wochen jn der probistie vnsser lieben frowen zu Erffort Stolle thüring. chron. 54 lit. ver.; so vor etlich hundert iaren künig, fürsten ... richlich gaben z gots dienst ... geben haben Nazarei v. alt. u. neuen gott 2 Kück. schon als kompositum empfunden: es werden dahero die soldaten in denen kriegsarticuln christlicher potentaten dahin angewiesen, wie sie gott vor augen haben, den gottes dienst fleiszig abwarten Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 96.
β) gottes haus, gottes tempel. ahd. für den jüdischen tempel der bibel:

gistuantun in thera nahithes gotes huses wihi
Otfrid III 22, 1 u. ö.; Heliand 460 u. o.

so auch jünger noch: wie er (David) in der zyt des oberesten priesters Abiathar in das husz gottes gangen ist Zwingli v. freiheit d. speisen 12 ndr. in gleich speziellem sinne gottes tempel: ingangenti in gotes tempal (ingressus in templum domini) Tatian 2, 3. so in der Lutherbibel: vnd Jhesus gieng zum tempel gottes hin ein, vnd treib eraus alle verkeuffer vnd keuffer im tempel. vnd sties vmb der wechsler tische, vnd die stüele der taubenkremer Matth. 21, 12; 27, 40 u. ö. von hier aus übertragen: wer, der uns den tempel gottes herstelle, wie er in seinem fortgebäude ist, durch alle jahrhunderte hindurch! Herder 5, 566 S. gottes haus in der anwendung auf das christliche kirchengebäude nur selten neben dem schon früh gefestigten kompositum:

und (sie) truogin (das kind) suoze, als ir gezam,
mit ir zem gotes huse also
Gottfried v. Straszburg Tristan 1963 R.;

was muss herr Allerich doch wol verrichtet haben,
dass man ihn nach dem tod in gottes haus vergraben?
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 43.

älter neben 'kirche' auch 'kloster':

daz (sein gut) gibit er an dî gotis hûs,
selbe vert er dar ûz
der arme Hartmann rede v. glauben 3200 v. d. Leyen.

selten gottes kirche für einfaches kirche:

als sich der priester reyh in gottes-kirchen drang
Gryphius trauersp. 113 Palm.


γ) in bestimmten, halb terminologischen verbindungen von kultisch-sakralen geräten, sakramentalen einrichtungen, kirchlichen handlungen, nur z. t. bis in jungen gebrauch. gottes tisch für 'altar':

do brahten si mit sinne
daz opfer zu dem chinde,
zua tuben (tauben) uf den gotes tiske dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 236, 27 Diemer;

mit blut, das in der kirch auf gottes tisch vergossen!
Gryphius trauersp. 118 Palm;

es heiszt, sie (die könige) nehmen die krone von gottes tisch G. Keller ges. w. (1889) 3, 279. vielleicht von gott als prägnanter benennung Christi aus (s. ob. B 2 b γ) in der bezeichnung des abendmahlsakraments, in der wendung zu gottes tisch gehen (neben tisch des herrn, vgl 1. Kor. 10, 21), s. auch s. v. tisch sp. 510 f.: aber grosse schwere sünd ist es zu gotz tisch gon on geweschen hend J. Pauli Keisersbergs narrensch. (1516) 108a; Murner prosaschr. geg. d. reform. 72 Pfeiffer-Belli;

(sie) wird bald zu gottes tisch gehn
Lenz ged. 155 Weinhold;

korrespondenzbl. f. nd. spr. 15 (1891) 21a. ebenso als gottes rechte (anders s. oben a θ γγ) für die sakramente, zumal die sterbesakramente, nur älter, vgl. s. v. recht sp. 366, dazu unt. gottesrecht, gottesehe und dt. rechtswb. 4, 1033 f.: das er (der pfarrer) zu serre het zu arbaiten, zu der capellen zu Feucht vnd den leuten vor zu sein mit gotes rechten (1366 bei Nürnberg) mon. Zoller. 4, 79 Stillfried; den fand er in schwerer krankheit und das im alle gots recht getan waren, ligende Wilwolt v. Schaumburg 92 lit. ver. gottes amt 'gottesdienst, messe', nur älter: ih gihu ... ubermuodi, geili, slafheiti, tragi

[Bd. 8, Sp. 1076]


gotes ambahtes (9. jh.) kl. ahd. denkm. 323, 7 Steinm.; 318, 10;

dô ich unz an ein ende
vernam daz gotes ambet hie
Rudolf v. Ems d. gute Gerhard 1895;

väterbuch 24 250 Reiss.; als kompositum gotsämbter in dieser bedeutung noch bei Aventin bayer. chron. 1, 637, 13 L. gottes fahrt 'wallfahrt':

gienc dâ rittr und knappen mêr
mit zühten ûf der gotes vart
Wolfram v. Eschenbach Parzival 446, 29;

daneben für 'kreuzzug':

dô Liupolt spart ûf gotes vart, ûf künftige êre
Walther v. d. Vogelweide 36, 1.

von da aus romantisierend:

wer gottes fahrt gewagt,
trägt still sein kreuz
J. V. v. Scheffel ges. w. (1907) 6, 43 (Biterolf: im lager von Akkon).

gottes weg 'wallfahrt' (anders s. oben a θ δδ): ziehen ûf gotes wec als gen Rôme d. alte stadt- u. bergrecht v. Schemnitz art. 2 Wenzel. nur vereinzelt in der bedeutung 'beichte' belegbar: der mord ist durch gottes weg, nemblich durch die beicht herfürkommen J. Pauli bei Haltaus gloss. 744.
c) allgemeiner in der beziehung auf objektive gröszen, die damit den göttlichen macht- und eigentumsbereich symbolisieren; in einer reihe fester, z. t. alter prägungen wie gottes erde, gottes welt, gottes himmel u. ä., in denen gottes nicht, wie unter dem hier nicht fernliegenden gebrauch H, blosz verstärkende bedeutung hat. namentlich in umschreibungen für die 'welt':

wo es nicht ist erger hie (im himmel) bestelt,
denn auff gotts erd in jener welt
Hayneccius Hans Pfriem 30, 676 ndr.;

und es sei so still und einsam gewesen, wie sie garnicht gedacht, dasz gottes erde sein könne Fontane ges. w. (1905) I 5, 52; der bravste junge ..., den gottes erdboden trüge Göthe I 22, 30 W.;

ganz froh ich durch die bergstrasz ging,
und sah mich ganz vergnüget um
in gottes welt, dem heiligthum
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 2, 3;

auf des lieben gottes weiter welt Fr. L. Schröder dram. w. (1831) 1, 3. vgl. mundartlich in fluchartigem ausruf: gotts welt! Frischbier pr. wb. 1, 247. früh als gottes garten (s. u. DWB gottesgarten), mit gefühlshaltigem unterton:

du zarter gotes garte (die welt), in dem got wunder wunders hat
gewundert und erbuwen manik tiure wundersat
Friedrich v. Sunenburg in: minnesinger 2, 357a v. d. Hagen.

zugrunde liegt die gleichlautende biblische wendung in der bedeutung 'paradies, garten Eden': vnd war jm kein cederbawm gleich, in gottes garten Hesekiel 31, 8; s. dazu auch 1. Mose 13 10; Jes. 51, 3; als du (Adam) zuerst in gottes garten auferwachtest maler Müller w (1811) 1, 10. gottes boden in engerem, aber oft emphatisch gesteigertem sinne für 'erdboden', an die vorstellung bloszer verstärkung (s. u. DWB H) rührend: es sind männer, werth gottes boden zu betreten Göthe I 8, 267 W.; 115; Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 33. namentlich: darnach ... nahm er (der erzürnte papst) das buch und warfs wider gottes boden Luther tischr. 4, 289 W.; nimmt er (Siegfried) denselben beym kragen, und wirfft ihn wider gottes boden volksb. v. geh. Siegfried 63 ndr. sprichwörtlich fest: gottes wasser über gottes boden (oder häufiger gottes land) laufen lassen 'sich um etwas nicht kümmern, gleichgültig sein': lasz gots wasser über gots land lauffen schöne weise klugreden (1548) 46a; Aler dict. (1727) 1, 969b; doch ich stosz mich nicht daran und lasse gottes wasser über gottes boden laufen (1798) bei Hüffer rhein.-westph. zustände 112. vielfach mundartlich, vgl. Strodtmann Osnabrück 75; Lüpkes seemannsspr. 22; 130; 140; rhein. wb. 2, 1321, 22. geläufig unter gottes freiem himmel: da stand ich nun unter gottes freiem himmel wieder auf dem stillen platze

[Bd. 8, Sp. 1077]


mutterseelenallein, wie ich gestern angekommen war Eichendorff s. w. (1864) 3, 82; Riehl d. dt. arbeit (1861) 263. gottes sonne:

o der sonne gottes! und solche sonnen,
wie diese, die jetzo gegen uns strahlt,
hiesz er, gleich dem schaum auf den wogen tausendmal tausend
werden in der welten ozeane
Klopstock oden 2, 51, 25 M.-P.;

getrost! es ist der schmerzen werth, disz leben,
so lang uns armen gottes sonne scheint
Hölderlin s. w. 1, 175 Hell.

dem blosz verstärkenden gebrauch H näher: musten das schiff nur treiben lassen, wohin es gottes wetter haben wollte Andersen oriental. reisen (1696) 92; 17. jh. in: dt. rechtswb. 4, 1036;

das musz wie gott's gewitter durch die wälder
thalnieder, berghinauf mit schnaufen gehn
Tieck schr. (1828) 2, 241.


d) einigen für redensartlichen und sprichwörtlichen gebrauch bezeichnenden verbindungen speziellerer art liegt bildliche vorstellung zugrunde, z. b.: in gottes kanzlei steigen scrutari divina bei Fischer schwäb. 3, 757; wollet ihr nicht ... in gottes kanzlei steigen und vorsehung spielen? Auerbach ebda. ähnlich: ihr ... wollet zu gott in seine rathstube sehen, lieber, wer hat euch das befohlen? Scriver Gotthold (1679) 388. in anderm sinne: gots mül steht oft lang stil Seb. Franck in teil 6, sp. 2638; das gottes mühlen langsam, aber sehr klein zu mahlen pflegen Butschky Pathmos (1677) 75; vgl. Kück Lüneburg 595.
F. mit vorgesetzter präposition, soweit dieser gewissermaszen eine selbständige funktion zukommt, erscheint das wort je nach dem zusammenhang in verschiedenster beziehung, aber in jeweiliger bestimmtheit.
1) mit gott.
a) mit gott etwas tun mit seiner hilfe, unter seinem schutz und beistand:

wanta allaz, thaz sies thenkent,sie iz al mit gote wirkent
Otfrid I 1, 105; vgl. 54;

mit gott wöllen wir thaten thun, er wird vnser feinde vntertretten ps. 60, 14. formelhaft: ade! gee mit got! (15. jh.) in: Brenner Bayerns maa. 2, 443;

erst, wenn fruchtlos, zieh mit gott
Grillparzer s. w. 7, 131 Sauer.

so ironisch gewendet:

geht, geht mit gott madame. wir fürchten uns
vor keinem teufel mehr, sobald ihr weg seid
Schiller 13, 232 G.

in der elliptischen verbindung mit gott für könig und vaterland s. unt. G 4, als kurzformel mit gott unt. J 4 c. auch 'im blick auf gott, in verbindung mit ihm, in seinem namen';

mit got so wöln wir heben an
z allen unsern dingen
Wackernagel kirchenlied 2, nr. 1289, 1;

drum, liebe nachbarn, hab ich mich mit gott
entschlossen, weil ichs heute noch vermag,
die töchter zu versorgen
Schiller 13, 172 G.

älter etwas geschieht mit gott in übereinstimmung mit göttlichem gesetz und ohne sünde, s. auch mit gott und mit recht unter G 5: der ... urteilete, das sich die bredigere nüt möhtend mit gotte (d. i. ohne unrecht zu tun) verbinden z den dingen die men an sü gefordert hette (Straszburg um 1400) städtechron. 9, 734; so vil mit gott vnd gewissen gescheen kan (1530) bei Haltaus gloss. 734; Petri d. Teutschen weiszh. (1605) K 6b; vgl. noch mundartlich: et es äwer och, as wenn et net met gott wär als ob ein fluch darüber wäre rhein. wb. 2, 1323, 27.
b) älter auch wie jüngeres bei gott (s. u. 4): bithiu uuanta nist unôdi mit gote (apud deum) iogiuuelîh uuort Tatian 3, 8 (Luk. 1, 37);

waz freuden richer freuden jar
hant die do mit gote sint.
ey, sie gewnschten gotes kint!
Heinrich v. Neustadt gottes zukunft 7693 Singer.

[Bd. 8, Sp. 1078]



2) ohne gott im gegensinne zu 1 a:

der lîp vertwelt ânez prôt,
same tuot diu sêle âne got vaterunser v. 142 Waag;

besser ohn mann, denn ohn gott leben Petri d. Teutschen weiszh. (1605) K 7a; Kramer t.-ital. 1 (1700) 550a; er (der feldprediger) sagt auch noch, dasz einige in ihrer letzten stunde jeden beistand von seiner seite ablehnten und ohne gott gestorben sind R. Hoffmann d. dt. soldat (1937) 240.
3) vor gott. namentlich im hinblick auf die richterliche funktion gottes. vor gott vor gottes gewalt und gericht:

thaz sulih urlosifora gote unsih firwasi (vertrete)
Otfrid II 6, 54;

d. hochzeit v. 705 Waag; demütiget euch für gott, so wird er euch erhöhen Jakobus 4, 10; 2. chron. 34, 27; er (der kommandierende einer armee) trägt eine ganz andere verantwortung vor gott und seinem gewissen für das leben von tausenden seiner leute und das wohl des staates Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 7, 48. vor gott im urteil gottes (s. auch vor gott und der welt unter G 2 b): siu (Zacharias u. Elisabeth) uuârun rehtiu beidu fora gote (iusti ambo ante deum) Tatian 2, 2; dasz wir allein durch den glauben gerecht würden für gott Luther br. 8, 81 W. fast wie eine beteuerung: es ist vor gott nüd recht. ich chann's vor gott bitüren schweiz. id. 2, 510.
4) bei gott (in verbindung mit verben des schwörens oder als beteuerungsformel s. oben D 2 b κ, unt. J 4 b).
a) in eigentlich lokaler bedeutung in der verbindung bei gott sein 'gestorben sein':

ich sag es mit warheyt vnd spott,
ich wlt du grawbart werest bei gott schöne weise klugreden (1548) 119a;

he is bi god den herrn 'gestorben' Mensing schlesw.-holst. 2, 440. sonst mehr in kausale funktion hinüberwechselnd: fürchte dich nicht Maria, du hast gnade bey gott funden Luk. 1, 30; 2, 52; 1. Petr. 2, 20; apostelgesch. 7, 46; bey gott ist rath und that, krafft vnd stercke Petri d. Teutschen weiszh. (1605) A 4a.
b) bei gott wie oben 3 a 'im urteil gottes': kinder stehen am besten bei gott Luther tischr. 1, 18, 8 W.; auffsehen gen himmel macht werth bey gott Petri d. Teutschen weiszh. (1605) A 3b.
5) in gott, durchweg in abstrakter beziehung.
a) mit noch fühlbar lokaler ausgangsvorstellung zum kausalen neigend: fone diu ist note in gote uuariu saligheit Notker 1, 182, 23 P.; denn wir sind auch noch fleisch und blut, drumb können wir uns nicht so gar verlassen und trotzen auff unsern ewigen unvergenglichen schatz jnn gotte Luther 36, 598 W.; je mehr vnfried in der welt, je mehr fried in gott Petri d. Teutschen weiszh. (1605) D 5b.
b) in rein instrumentaler oder kausaler bedeutung ein durch oder mit vertretend:

gewalt, vorhte, tôt noch drô
moht ir (der bibel) wort verdrücken niht,
daz man in gote wahsen siht
Rudolf v. Ems Barlaam 328, 18 Pf.;

nu hebet er an seyn begirde unnd vorlangen nach dem leben, das yn gotte ist Luther 1, 200 W.;

gib dich zufrieden und sei stille
in dem gotte deines lebens
Paul Gerhardt 274 Goedeke;

seit er sich seinen Johann ohne land als vormund gesetzt hat, ist er in seinem gott vergnügt br. von u. an Herwegh 219 Marcel Herwegh; Mensing schlesw.-holst. 2, 442. mhd. für um gotes willen:

dô ir der rehten wârheit
alsô vil wart vür geleit,
sî volgte ir râte und ir bete
alsô daz sîz in gote tete
Hartmann v. Aue Gregorius 2227; vgl. 1764

[Bd. 8, Sp. 1079]


instrumental-kausale vorstellungen stehen auch hinter älterem gebrauch, der eine einzelperson oder eine gemeinschaft von menschen durch die formel in gott terminiert: o geloubigin liute, ir der pruodere unte swestere in gote genennet pird (qui fratres et sorores in Christo vocamini) (12. jh.) St. Galler gl. u. beichte II, 1 Steinm.;

siht man dich iender bî dir hân
iht bruoder und gesellen ... ?
'jâ' sprach er, 'ich hân zwêne dort
die mîne bruoder sint in gote'
Konrad v. Würzburg Pantaleon 1737 Gereke;

nachdem jr aller liebsten in gott ... das euangelium ... so durstig gehört (anrede an alle frommen christen zu Zürich) Zwingli v. freiheit d. speisen 3 ndr.; der irwirdige in gote vater und here here Johannes, bisschoff der kirchen czu Pomezan (1413) handelsrechn. d. dt. ordens 290, 13 Sattler; der hochwürdige, in gott andächtige, groszachtbahre und hochgelahrte herr, hr. Gottfried Fuchsius ... pastor und scholarcha J. Chr. Günther s. w. 4, 10 Krämer. archaisierend, aber in dem spezielleren sinne 'geistlicher vater': darin hatte nach menschlichem ermessen sein vater in gott (der abt, der Gregorius erzieht) vollkommen recht Th. Mann d. erwählte (1951) 142.
c) bis in jungen gebrauch in verbindung mit verben, die das sterben oder gestorbensein in christlicher formel umschreiben: darnach doctor Reuchlens halbenn, der negst yn got verscheiden (nuper vita defuncti) Hutten opera omnia 2, 185 Böcking; anno 1613 den 30. aprilis ist der woleddel und veste Otto de Wendt zum Woestebrinck in gott saliglich entschlaffen bei Flaskamp hausinschr. d. st. Wiedenbrück 41. namentlich: mit diesem guten, redlichen, nun in gott ruhendem mann Kirchhof wendunmuth 2, 133 Ö.; neben ... unserem zur zeit in gott ruhenden herrn bäckermeister M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 153.
6) durch, um gott; durch, um gottes willen (als ausruf in elliptischer und häufig abgeschwächter anwendung s. u. J 4 a).
durch gott vornhd. vorwiegend, aber dann kaum bis über das 16. jh. hinaus, um gott vornhd. gelegentlich, z. b. umbe got himml. Jerusalem 285 Waag; Hartmann v. Aue Erec 8894, später nur archaisierend (s. u. DWB J 4 a). durch gottes willen: Williram 52, 22 Seem. und noch im 16. jh., mundartlich bis heute, s. Schmeller-Fr. bair. 1, 959; Fischer schwäb. 3, 758. das jetzt schriftsprachlich allein gültige um gottes willen seit dem 15. und 16. jh.
a) allgemein 'mit rücksicht auf gott, gott zuliebe':

ir ni thultut thuruh got,thaz ih giangi nachot
Otfrid V 20, 75; 76;

swer durch got wirt gemartelet Lucidarius 56, 3 Heidlauf;

denn eine gansz, die mgt ir essen,
und thnt durch got des gouchs vergessen!
Murner geuchmat 3175 Fuchs; 3869 u. ö.;

suer ouh durh gotes uuillon dirro uuerlt arbeite muode ist Williram hohes lied 52, 22 Seem.; und wasz er auch busze lesset, die sole er durch gotts willen lassen (1384) weisth. 6, 20; allein sey du ein rechter christ, der einfeltiges hertzens umb gottes willen leide Luther 51, 412 W.; der religiöse ist sittlich um gottes willen Riehl d. dt. arbeit (1861) 16. formelhaft in der verbindung mit bitten, 'mit berufung auf gott bitten':

nû wil ich iuch durch got biten
daz ir ruochet mir vergebn
Hartmann v. Aue Iwein 8126;

(er) bate mit gefalten händen und umb gottes willen, seiner zu schonen Kirchhof wendunmuth 2, 373 Ö.; in den lichten zwischenräumen bat er mich um gottes willen ihn nicht zu verstoszen E. T. A. Hoffmann s. w. 2, 106 Gr.; verstärkt: ins henkers nahmen — ich sage — ich bitte sie um gottes Christi willen — gold! Schiller 3, 491 G.
b) seit alters speziell durch gott, um gottes willen etwas tun, besonders etwas geben oder (almosen) erbitten 'aus

[Bd. 8, Sp. 1080]


barmherzigkeit, umsonst, gratis, in der hoffnung auf göttlichen lohn', vgl. dazu dt. rechtswb. 4, 1008:

mit sô getânem entsagen (ablehnen)
gebent si minner noch mêre (die hartherzigen),
durch got noch durch êre
Heinrich v. Melk priesterleben v. 88 H.-K.;

daz selbe eigen hat siu geben durh got und durh ir sele ze einem ... almsen (1275) bei Fischer schwäb. 3, 762; vor der stat lag ein kranck mensch ... den frt ich vmb gots willen für daz thor (1515) Eulenspiegel 137 ndr.; ihr sollet mirs nicht um gottes willen thun (non melo farete già per nulla; io vene ricompensarò) Kramer t.-ital. 1 (1700) 550a; ich komme mir vor, wie jener arzt, mein freund, dem alle curen gelangen, die er um gottes willen an armen that Göthe I 20, 194 W.; vor der auswahl von jungen leuten, die eltern und angehörige 'um gottes willen' der verwaltung zu gebote stellen, kann sich diese kaum retten Gutzkow ges. w. (1872) 11, 220. mundartlich nuanciert: wer (ein armer o. ä.) nur ungern irgendwo gelitten ist, ist um (durch) gottes willen da Fischer schwäb. 3, 758; maə~st, i stê gràd də' góds willn dà? (um nichts) Schmeller-Fr. bair. 1, 959.
7) von gott, besonders in den verbindungen von gott sein, von gott kommen. in sachlicher anwendung:

quad, allaz thaz gizamifon selben gote quami
Otfrid I 8, 23; 12, 8 u. ö.;

furste was er Beniamin,
uone gote heter gten sin dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 78, 3 Diemer;

ein ieglich sel die sey undertenig den ... obersten gewelten. wann der gewalt ist nit neuer von got erste dt. bibel 2, 50 Kurr.; alle macht kömmt von gott Graf-Dietherr dt. rechtssprichw. 486. in der gruszformel der paulinischen briefe: gnade sey mit euch vnd friede, von gott vnserm vater, vnd dem herrn Jhesu Christo Römer 1, 7; 1. Kor. 1, 3; 2. Kor. 1, 2 usw.; verkürzt: gnad vnd fride von gott Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, vorr. 1. in persönlicher anwendung jmd. ist, kommt von gott ist göttlicher abkunft oder art, kommt in göttlicher vollmacht u. ä.:

ther fon gote ist, wizit thaz, ther horit wort sinaz (qui est ex deo)
Otfrid III 18, 7;

bist du von gott, so zeige dich am licht
Tieck schr. (1828) 2, 243.


8) aus gott, wie 7, aber ungebräuchlicher: ist der rat oder das werck aus den menschen, so wirds vntergehen. ists aber aus gott, so könnet jrs nicht dempffen apostelg. 5, 39; wer auss der warheit oder auss gott ist, der hört gotts wort Petri d. Teutschen weiszh. (1605) G 2a.
9) zu gott.
a) in verbalverbindungen, die eine bewegung, ein gerichtetsein zu gott hin umschreiben:

daz ist geist der gte,
der zuntet unser gemte,
daz iz uf z gote get dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 276, 24 Diemer;

meine seele ist stille zu gott, der mir hilfft ps. 62, 2; das unschuldig blut schreit zu gott Eyering prov. copia (1601) 1, 346.
b) speziell zu gott eingehen 'sterben' in christlicher redeweise:

wir gehn zu gott ins leben ein
Gryphius trauersp. 227 Palm;

ich gehe durch den todesschlaf
zu gott ein als soldat und brav
Göthe I 14, 191 W.


10) in anderen, selteneren präpositionalverbindungen auf redensartlichen gebrauch beschränkt.
a) vor gott und nach gott oder hinter gott und vor gott bitten 'inständig, dringend bitten', in älterem, mundartlich erhaltenem gebrauch: sie, die drey, battens vor gott und nach gott, sie solten sie nicht streychen Schumann nachtbüchl. 296 Bolte; der mann aber bat die exequirer vor gott und nach gott Grimmelshausen 2, 408 Keller; hinter gott und vor gott bitten pregare istantemente

[Bd. 8, Sp. 1081]


Jagemann dt.-ital. (1799) 536. variiert: der kranke ... bat durch gott und nach gott, dasz doch der pfarrer wolte zu ihm kommen Otho evang. krankentrost (1671) 1331. mundartlich bei Schmeller-Fr. bair. 1, 959; Martin-Lienhart elsäss. 1, 244a; Fischer schwäb. 3, 762; Albrecht Leipzig 124.
b) drei meilen hinter gott denken 'sehr alt sein', nur älter: er denkt drei meil hinder got Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 29b; Eyering prov. copia (1601) 2, 225.
G. gott in typischer gegenüberstellung zu anderen personen, mächten und werten. ein teil dieser meist zweigliedrigen, vor allem in sprichwort und redensart lebenden figuren kann sowohl kopulativ zusammenschlieszende als auch antithetisch trennende bedeutung haben.
1) gott und der teufel, satan.
a) antithetisch, zur kennzeichnung der grundmächte des guten und des bösen: das gute von gott, das böss vom teuffel Petri d. Teutschen weiszh. (1605) M 3a;

heint, als die dunckeln schatten
mich gantz ümbgeben hatten,
hat sathan mein begehret,
gott aber hats gewehret
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 3, 297;

ach leider hat er gott auf der zunge und den teufel im herzen Klinger w. (1809) 11, 228. in mundartlichen wendungen und sprichwörtern, vgl. z. b. Fischer schwäb. 2, 168 f.
b) vereinzelt unter der antithetischen voraussetzung auch in umfassend zusammenschlieszender bedeutung:

do begunden sî vor zorne toben.
und got noch den tiuvel loben
Hartmann v. Aue Iwein 1272; vgl. 4635;

de kihrt sik nich an gott orer düwel korr. d. ver. f. nd. spr. 15 (1891) 26a; Kück Lüneburg 595.
2) gott und (die) welt.
a) in gegensätzlicher sicht entsprechend christlichem dualismus:

swer zwein herren dienen sol
die sô gar undr in beiden
des muotes sint gescheiden
als diu werlt unde got (
Hartmann v. Aue) zweites büchl. 197 Haupt;

die wält für got, den antichrist für Christum, Barrabam für Jesum Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 4 ndr. wie unter b meint welt hier gelegentlich die menschen: gottes freünd, vnd aller welt feind Tappius adag. cent. sept. (1545) N 3a.
b) in verbindendem zusammenschlusz, auszerhalb wertender unterscheidung; welt steht hier durchweg für 'die menschen'. die höfische epik faszt in der verbindung got und (diu) werlt die höfische gesamtordnung zusammen:

verlegeniu müezekheit
ist gote und der werlte leit
Hartmann v. Aue Iwein 7172 u. o.;

die beide ein triuwe unde ein lip
got unde der werlde waren,
des si guot bilde baren
beidiu der werlde unde gote
Gottfried v. Straszburg Tristan 1803; vgl. 8011; 8013; 15 672 u. ö.

später namentlich so, dasz gott und welt als die beiden groszen urteilenden instanzen empfunden werden, doch vgl. schon ags. for gode and for worulde (10. jh.) bei Liebermann ags. ges. 130: im vor gott und der welt ... unrecht geschicht Arigo decameron 307 lit. ver.;

da ein von gott und welt so werthgeschäztes kind
mich unversehnen gast auf ewig lieb gewinnt
J. Chr. Günther s. w. 1, 253, 35 Krämer;

ich verdiente so viel ... als ich nur brauchte, und könnte dabei vor gott und der welt bestehen Göthe I 43, 154 W.; dort schlosz er hochbetagt, in frieden mit gott und mit der welt, sein dasein M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 4.
c) von b aus abgeschliffen zur bedeutung 'jedermann' oder 'alles' bzw. 'alles mögliche': er ist gott, vnd aller welt schuldig Tappius adag. cent. septem (1545) H 1a; so bin

[Bd. 8, Sp. 1082]


ich von gott und aller welt verlassen Schupp Corinna 48 ndr.; von angegeistetem schwatzen über gott und die welt J. V. v. Scheffel ges. w. (1907) 2, 197. in der mundart beliebt, s. Fischer schwäb. 3, 756; Hügel Wien 69; luxemb. 150b; rhein. wb. 2, 1323; Kück Lüneburg 595.
3) gott und mensch.
a) trennend, von der bloszen unterscheidung bis zur betonten entgegensetzung: huueo got uuard man chiuuordan (deus homo factus est) (800) Isidor 21, 16 H. (s. oben B 1); e kedahtastu nah mennisken, nu nah gote kl. ahd. denkm. 156 Steinm.; was nu gott zusamen gefüget hat, das sol der mensch nicht scheiden Matth. 19, 6; vgl.