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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
götel bis gotenschappel (Bd. 8, Sp. 995 bis 996)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) götel, f. , patin, weibl. täufling. fem. personalbildung (ahd. -ila) zu gote, f. (s. d.); seit dem späten mittelalter belegt: gttel (md. 15. jh.), goetel (obd. 16. jh.) Diefenbach gl. 135a; vgl. Jelinek mhd. wb. 328.
1) patin: und also betrbt ging es z seiner dotten oder gttel, die es aus der tauff gehebt hette Montanus schwankbücher 260 lit. ver.; also fiel die gttel in die lachen, vnd besudelt sich vnd das kind Eulenspiegel 5 ndr.; die frou godel Stephanie s. lustsp. (1771) 27; godl Nestroy ges. w. (1890) 2, 109. bei alem. schriftstellern auch mit erhaltenem endvokal: die göttle war auch eine bürin Hansjakob bauernblut (1896) 181. die mundartliche verbreitung entspricht der von gote, f., s. d., nur ist das alem. im gebrauch der fem. personalbildung zurückhaltend, während das bair.-österr. sie dem simplex vorzieht. kurzer vokal und geminierter dental bleiben alem. erhalten: göttel Martin-Lienhart 1, 247; bair.-österr. meist ohne umlaut, mit vokaldehnung bzw. diphthongierung: godl Unger-Khull steir. 297; Castelli ma. i. Österr. 145; Mareta österr. volksspr. 24; Schmeller-Fr. 1, 962; goutl Lexer Kärnten 119; aber pfälz. göthel, geddel Autenrieth 56; md. seltener belegt: goddel Estor hess. id. (1767) 1409; Bauer-Collitz Waldeck 146; sonst mit vokaldehnung: gotel Hofmann niederhess. wb. 109; jodel (-ø-) (vereinzelt) rhein. wb. 2, 1311 oder diphthongierung: giedel Gangler Luxemb. 180. — aus dem im md. und z. t. im alem. herrschenden nebeneinander von gote, götel, f., und pate, pfetter, m., u. ä. (vgl. s. v. göte, m. und gote, f.) erwachsen doppelformeln: er satte ouch uf, das men z kindetouffen sol nemen pfetter und göttel die do gevatter werdent (Straszburg, um 1400) städtechron. 9, 511; so vns der priester täuft denn gelobenn für vns vnszer gtlen vnd pfettren bisz wir z vernunfft kommen Keisersberg bilgerschafft (1512) 128b. vgl. auch Frisch t.-lat. 1, 363a.
2) weibl. täufling; gelegentlich auch allgem. 'mädchen': godl Schmeller-Fr., Mareta a. a. o., göttel Martin-Lienhart a. a. o. md. in dieser verwendung häufiger als in der von 1, vgl.gothel, göthel Crecelius oberhess. 430; gotel, gottel Vilmar Kurhessen 133; giedel Gangler a. a. o.: da es zeit war, das kalb abzustoszen, brachte sie kuh, kalb, henne und die sparbxe mit dem geld ihrer jungen gttel Grimmelshausen Simpl. (1684) 3, 178; um einmal die kleine 'godel' ... anzuschauen Rosegger schr. (1895) I 4, 88.

[Bd. 8, Sp. 996]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) götel-, goten, - komposita (mit götel, m., götel, f., göte, m., gote, f. als erstem glied). die kompositionsbildungen sind mundartlich sehr verschiedenartig; im einzelfall ist es oft unklar, ob die bildung mit dem mask. oder dem fem. des bestimmungswortes erfolgt, bei zusammensetzungen mit götel ist auszerdem das dim. (sieh s. v. götlein) in betracht zu ziehen; ebenso unsicher ist es oft, ob das bestimmungswort in der bedeutung 'pate' ('patin') oder 'patenkind' kompositionsbildend wird. mit sicherheit sind nur zwei kompositionsgruppen zu unterscheiden: mit götel- und mit göte- bzw. gote-. göte, gote erscheinen als erstes kompositionsglied meist in flektierter form göten-, goten-, gelegentliche zusammensetzungen mit der stammform haben gewöhnlich solche mit flektiertem ersten glied neben sich und werden daher unter diesen angesetzt; gelegentlich dürfte übrigens scheinbar unflektiertes erstes glied nur das ergebnis mundartlicher veränderungen der flexionsform sein. götelanzug, m., die kleider der patin: sie kommt als ... 'godl' (pathin). hat einmal einer so einen godlanzug untersucht, hat er von auszen nach innen neun röcke gezählt und ist dem anstande noch nicht zu nahe gekommen Rosegger schr. (1895) II 5, 151. — götelarm, m., zu götel, f.: der junge wird in die mildreiche verwahrnisz der godlarme gebettet und zur kirche getragen Rosegger schr. (1895) II 5, 152. — götelgeld, n., geldgeschenk und überhaupt geschenk der paten: zu einem federhalter, ... auch zu einem schaupfennig vnnd gttelgelt, hett er ein gantze guldene platten Fischart Garg. 181 ndr.; meiner meuder groszmeuder hat auf eine zeit einer andern frauen ein kind gehebt und ihr zum gttelgeld eine stattliche leghenne ... verehrt Grimmelshausen Simpl. (1684) 3, 177. vgl.götchengeschenk. — götelkind, -kindlein, n., patenkind: es kost disz gttelkindlein manchen feinen Abbezeller chnaben vnnd manch weydlichen pfettern: so gehts, wan bauren der edelleut geuattern wllen sein Fischart Garg. 167. ndr.; so holt das göttlekind beides bei den taufpaten Hansjakob bauernblut (1896) 179. — götelpelz, m., von den paten geschenktes kleidungsstück: wie auch in andern darauff gefolgten gaben, gttelbeltzen, rcken und kleidungen wider unser und unserer vorfahren ordnungen, dergestalt gehandlet worden d. st. Straszburg policeyordn. (1628) 31; nun wird es sich auch sonder vieles kopfbrechen erraten lassen, das ein godelpelz, ein gdelrock nichts anders bedeute, als einen pelz, einen rock, welcher von den gevattern der kindbetterin geschenkt wird E. C. Reichard Matth. u. Veit Conr. Schwarz (1786) 122. vgl. Fischart Garg. 115 ndr.götelpfennig, m., soviel wie götelgeld: wann nicht weniger die tauff vnnd gdelpfenning zu hohem werth auffgestiegen d. st. Straszburg policeyordn. (1628) 31. — götelrock, m., s. DWB götelpelz. — goten-, götengeld, n., (geld-)geschenk der paten. in übertragenem gebrauch in satirischer dichtung:

(die Union spricht:) gestanden seind bei meiner tauf
vornehme reichsstädt auf ein hauf,
bekam von ihn gut godengeld
der gewohnheit nach in dieser welt (1621) dreiszigjähr. krieg 132 Opel-Cohn.

götenhemd, n., taufkleid oder hemd überhaupt, das der pate (die patin) dem patenkind schenkt; vgl. Unger-Khull steir. 298; schweiz. id. 2, 1299 s. v. hemd. — goten-, gottenkrone, f., ein kranz oder ein stirnband, das die paten dem patenkind schenken; auch ein bauernkranz überhaupt: seine goldzopfen wallten um und über seine gleissende gotten-crone Pestalozzi s. w. 3, 125 Buchenau-Spr.gotenpflicht, f., patenpflicht; in der form gothpflicht: an paten und gothpflichten will ichs nicht fehlen laszen, was an mir steht (1813) Jac. Grimm an Wigand in: briefwechsel (1881) 154. — gotenschappel, -schäppeli, n., soviel wie gotenkrone (s. d.): aber als sie ihm daheim das gotten-schäppeli (ein breiter grosser bauernkranz) auf den kopf legen ... wollte, bat sie das kind ... Pestalozzi s. w. 3, 125 Buchenau-Spr.; 'gotten-schäppeli' ist ein groszes, breites glänzendes stirnband, mit dem sich die bauerntöchter bey hochzeits- und

[Bd. 8, Sp. 997]


taufanlässen schmückten ebda 3, 321. — zu diesen und weiteren zusammensetzungen wie götelbrief, -kissen, goten-, götleute, gotenlöffel vgl. die ma.-wbb.

 

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