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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
göte bis gotenschappel (Bd. 8, Sp. 992 bis 996)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) göte, m. , patrinus, compater, pate; filiolus, männlicher täufling.
der überwiegende umlaut im mask. gegenüber der umlautlosigkeit im fem., die daneben im mask. auftretende form auf -in, sowie götel (s. d.) und schlieszlich die dem fem gote gegenüber spätere bezeugung (seit dem 12 jh.) lassen das mask. als ableitung vom fem. erscheinen, s. DWB gote, f.; göte also 'der zur gota gehörige'. der vokal ist ursprünglich kurz, der dental meist, wenn auch nicht ausschlieszlich, geminiert; die umgelauteten formen überwiegen von anfang an: göte Alexius A 162 Massmann; götte dt. volksbücher 231 Bachmann-Singer; göt (obd. 1433) Diefenbach gl. 417a; göt, götte (obd. 15./16. jh.) n. gl. 283a; götte Maaler teutsch spr. (1561) 188d; Frischlin nomencl. (1586) 201b; gött Schottel haubtspr. (1663) 155. nicht umgelautete formen sind nur in älteren belegen häufiger: got Wolfdieterich 1241, 3 (var.) Holtzmann; dt. volksbücher 137 Bachmann-Singer; gotte Schwabenspiegel 345 Wackernagel; goten, var. guten (g. sg.) Ottokar österr. reimchron. 70 388 Seemüller; gotte (obd. 15. jh.), gott (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 417a; gotte Aler dict. (1727) 1, 974; in jüngerer zeit erscheinen nicht umgelautete formen nur noch gelegentlich mundartlich: gott(e) Fischer schwäb. 3, 764; god, got Unger-Khull steir. 297. seit dem 16. jh. findet sich manchmal dentalerweichung: goden J. Agricola sprichw. (1534) 72b; gdi (bair.-oberpf. 1689) bei: Frommann dt. maa. 7, 243; göd (oberösterr.) ebda 2, 8; (oberbair. 19. jh.) K. Stieler ged. 1, 39 Reclam; Anzengruber ges. w. (1890) 8, 34, wohl verbunden mit vokaldehnung, die heute bair.-österr. maa., Lexer Kärnten 119, Schöpf Tirol 201, seltener alem. maa., bei Fischer schwäb. 3, 764, zeigen; daneben mundartlich diphthongierung: kärnt. göite Frommann dt. maa. 2, 347; goud Stauf v. d. March nordmähr. 46; geit Schröer beitr. z. dt. ma. d. ungr. bergl. 55; selten alem.: gäuti s. v. gotta Tobler Appenzell 230; alem. dagegen gelegentlich mit entrundetem vokal: getti Baumgartner Berner Seeland 36; Henzen Freiburger ma. 88; gede s. v. gotte Fischer

[Bd. 8, Sp. 993]


schwäb. 3, 764; selten bair. ged s. v. gott Schmeller-Fr. 1, 962. im alem. überwiegt kürze des vokals und gemination des dentals wie im grundwort gote, f.
göte flektiert regelmäszig als n-stamm. daneben kennt das alem. als mask. personalbildung ein dim. gotti, götti, das im n. sg. nur bei erhaltung des auslautenden -i von dem n-stamm göte zu unterscheiden ist. vielleicht ist dieses diminutiv erst umgedeutet aus einer alten zugehörigkeitsbildung auf -īn, wie sie in lieber göttin min Wolfdietrich D 6, 182, 3 (var.) Jänicke; der ward göttin Th. Platter 66 Boos hervortritt. im übrigen ist auch sonst diminutiv- und zugehörigkeitsbedeutung nicht sicher zu scheiden: gotti voc. opt. 14b Wackernagel; götti Basler chron. 4, 371; göty ebda 7, 9; göti Pestalozzi s. w. 1, 84 Buchenau-Spr.; götti Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 28, 111 anm.; Gotthelf s. w. 4, 160 Hunziker-Bl.; vgl. götti schweiz. id. 2, 527; götte, götti Martin-Lienhart elsäss. 1, 246; Fischer schwäb. 3, 764 s. v. gotte. dazu die flexionsformen: d. sg. götte Hansjakob bauernblut 181; a. sg. götte ebda 180; götti Gotthelf s. w. 6, 33 Hunziker-Bl.; n. pl. göttene Gotthelf ebda 1, 15; pl. götti, göttenen schweiz. id. 2, 527. eine andere mask. personalbildung sieh s. v. götel, m.
göte, m. ist in mhd. und nhd. zeit im obd. heimisch neben gleichbedeutendem tot(t) (sieh s. v. dote teil 2, sp. 1312), das nach norden bis ins hess. hineinreicht (s. Vilmar Kurhessen 75 s. v. doede), während göte, m. im md. nur vereinzelt auftritt als köln. jǫt rhein. wb. 2, 1312 s. v. gote, im pl. goden Karlmeinet 209, 4 Keller und in der komposition gothpflichten Jac. Grimm an Wigand in: briefw. 154; es wird im md., nd. und nl. begrenzt durch pfetter, petter, pate, peet, die als nachkommen von lat. patrinus, pater aus einer älteren gall.-frk.-rhein. kirchensprache stammen (vgl. Frings Germania Romana 139) und die ihrerseits nach süden bis ins alem. vordringen. dagegen ist das fem. gote nicht nur im obd., sondern in mhd. zeit auch im rhein., mnd., mnl. heimisch, sieh oben s. v. gote, f.; es ersetzt hier das neben dem (zu lat. patrinus stimmenden) mask. pfetter usw. fehlende dt. fem. zu lat. matrina; es wird erst im nl. durch meter matrina (Verwijs-Verdam 4, 1516; woordenboek 9, 631) eingeschränkt und schlieszlich unter dem druck neuer bildungen (nl. doopmoeder, md. und nd. fem. bildungen zu pate, petter) auf das rhein. zurückgedrängt.
zur sache des pateninstituts (einrichtung; geistliche verwandtschaft zwischen dem täufling einerseits, den paten und dem taufenden priester anderseits, eheverbot bei geistlicher verwandtschaft; pflichten der paten; brauchtum) vgl. s. v. taufe realencycl. f. prot. theol. u. kirche 19, 447 Hauck, s. v. pate rel. in gesch. u. gegenw. 24, 1000, lex. f. theol. u. kirche 7, 1026 Buchberger, s. v. taufe ebda 9, 1018. — taufzeugen, seit dem 2. jh. erwähnt, seit dem 5. jh. zur ständigen einrichtung geworden, werden im 8./9. jh. gegenstand einschneidender bestimmungen; erst in der folgezeit scheinen sich die deutschen bezeichnungen eingebürgert zu haben. für die benennungen der taufzeugen besteht zunächst eine strenge scheidung zwischen gevatero 'compater' (bzw. gevatera 'commater'), d. h. dem taufzeugen in der beziehung zu den eltern des täuflings, und toto, göte, phetter(in) u. ä. 'patrinus, adpater' (bzw. tota, gota 'patrina, admater'), d. h. dem taufzeugen in der beziehung zum täufling; so schon im summ. Heinr. ahd. gl. 3, 68; 177 St.-S. (hier noch nicht das mask. göte, sondern nur das fem. gota, für das mask. stehen toto, phetterin), aber auch noch im Straszburger voc. (um 1500) A 3. mhd. götte greift gelegentlich auf den geltungsbereich von ahd. gevatero über (s. u. 2 b), das seinerseits seinen bedeutungsbereich erweitert (vgl. s. v. gevatter teil 4, 1, 3 sp. 4640).
1) die meisten und vor allem ältesten mhd. belege lassen eine ausgesprochen sakrale bedeutung des wortes erkennen, das ganz allgemein den träger der geistlichen vaterschaft meint; göte kann geradezu den taufenden geistlichen bezeichnen:

er (der papst Siricius) touftez kint mit sîner hant
unt wart sîn göte do genant Alexius A 162 Massmann;

[Bd. 8, Sp. 994]


bei den folgenden belegen ist es zwar unsicher, ob der geistliche täufer oder taufzeuge ist, aber es ist bezeichnend, dasz der göte in diesen fällen stets ein geistlicher ist: hât aber ein pfaff ein tochter, ein man nimptz wol ze ê, ist ech der pfaff nit göczi Schwabenspiegel 345, 96 Wackernagel; ein kind ..., des gtti was der bischoff von Bassel (15. jh.) Basler chron. 4, 371;

nû bat diu herzogin,
daz daz kindelîn
an eines goten stat
von Salzpurc bischolf Kuonrât
ûz der toufe solde heben
Ottokar österr. reimchron. 70 388 Seem.

auch in dem folgenden beleg liegt eine allgem. bezeichnung des geistlichen verwandtschaftsverhältnisses vor, und zwar in der doppelten beziehung auf den schutznatron St. Georg und auf den ritter Jörge als den paten Wolfdietrichs:

herre sant Jörge, du solt mir bî gestân, ...
du hüeb mich ûz der toufe, lieber göte mîn:
hilf mir gnædiclîchen, mac ez dîn wille gesîn Wolfdietrich D 6, 182, 3 Jänicke.

in teilen der Schweiz wird heute noch der pfarrer von seinen täuflingen herr götti genannt, vgl. Tschumpert bündner. id. 620; schweiz. id. 2, 527. nur dem äuszeren anschein nach gehört ein jüngerer beleg hierher, der aber sicher zu 2 zu stellen ist: da begegnete ihm der liebe gott, und sagte: ich will der gtt deines kindes werden, und will einen doctor der heiligen schrift aus ihm machen, und er soll ein heiliger werden im himmel Aurbacher ein volksbüchlein (1835) 167.
2) der männliche taufzeuge, in kath. gebieten auch der firmpate (vgl. die ma.-wbb.); nach den literarischen belegen lassen sich beide gebrauchsweisen nicht trennen, zumal in vielen fällen die gleiche person tauf- und firmpate ist.
a) in beziehung auf den täufling; zunächst nur vereinzelt belegt, setzt sich göte in dieser verwendung schnell durch:

do gewan er im ze götenden grâven Wülfîn
unde ouch von Galitzenein edel marcgrâvîn
und den ritter Jörgen,gar ein biderben man Wolfdietrich B 173, 1 Jänicke;

ein frommer liebhabender der warheit Egidius Meier ... ward gttin Th. Platter 66 Boos;

unser gtte by dem touff
lernendt offt den narren louff
die selben kindly, die sy heben
Murner narrenbeschwörung 17 ndr.;

da sprach er z seiner mter, liebe mter gang z den götten, sie sein ietz in rat bei einander, bit sie für mich, das sie mir genedig seien Pauli schimpf u. ernst 188 lit. ver.; der vetter geht, wenn er götti sein musz J. Gotthelf s. w. 4, 160 Hunziker-Bl.; die firmung ist zu einer willkommenen gelegenheit geworden, von einem tunlichst reichen göden sich beschenken zu lassen J. Scheicher erlebn. (1907) 1, 153.
b) so wie gevatter schon mhd. in den geltungsbereich von göte eingreift (sieh s. v. gevatter I 1 b u. c, teil 4, 1, 3, sp. 4644), so wird göte in nhd. zeit auch für den taufzeugen in der beziehung zu den eltern des täuflings verwendet: der wirt und der landjäger sind wie zwei finger an einer hand, einer ist des andern götti, da schickt es sich begreiflich nicht wohl, den gevattersmann zu verklagen J. Gotthelf s. w. 14, 35 Hunziker-Bl. bezeichnend für diese mischung der bedeutungssphären sind doppelformeln: sie hat diesz bbenstück jres mannes jrem gefattern oder goden, so jr das kind ausz der tauff gehebt, gesagt Seb. Franck sprichw. (1541) 2, 78b; Gottlieb der ritter ward selbs gtti oder pfetter Wickram w. 2, 8 Bolte.
3) der täufling männlichen geschlechts:

daz sie dester gerner züge den lieben göten sin Wolfdieterich 223, 4 Holtzmann;

und nam syn götti, des graffen sun, und wollt in han fur syn eygen kynd (15. jh.) dt. volksbücher 118, 14 Bachmann-Singer; grosz geht's her, wenn eine ... gutmüthige muhme kommt, oder gar die gevatterin, um einmal ...

[Bd. 8, Sp. 995]


den kleinen 'göden' anzuschauen Rosegger schr. (1895) I 4, 88. nhd. tritt dafür häufiger die diminutivform ein, vgl. s. v. götlein.
4) übertragen auf männliche personen überhaupt, meist pejorativ: götte s. v. obtusus ingenio Schöpper synon. 8a Schulte-K.; mundartl. 'kerl, gesell, kumpan' s. v. götti 5 schweiz. id. 2, 531; 'ungeschickter mensch, lump, lausbub ...' Martin-Lienhart elsäss. 1, 246; in der gaunersprache 'genosse', 'gauner' Avé-Lallemant gaunerthum (1858) 4, 545.
5) zu göte, m. bildet das mhd. ein kollektivum götide, n., das sowohl die gesamtheit der paten eines täuflings bzw. der patenkinder eines paten bezeichnet als auch (seltener) den einzelnen paten bzw. das patenkind ohne rücksicht auf das geschlecht: dv zwelftiv (sünde) heizit vnkivschekeit began mit ... goetiden bîhtebuoch 35 Oberlin; unnd sünst weder frau noch man sullen chainem gotteit mer geben dann zwelf pfenning stadtrecht v. München (14. jh.) art. 429 Auer; vgl. gottat, gotteit Schmeller-Fr. bair. 1, 962 s. v. gott; das schweiz. bewahrt diese bildung: dagegen sei sie (die mutter) aber auch gut gege de kindbettere und gege de göttertene Gotthelf s. w. erg.-bd. 2, 67 Hunziker-Bl.; vgl. götterti, göttelti, götteti schweiz. id. 2, 527 s. v. gotte.
 
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götel, m., pate, männlicher täufling. mask. personalbildung zu gote, f. oder zu göte, m. (s. d.). im alem. selten: goettel Straszburger voc. (um 1500) A 3; häufiger bair.-österr.: götl Lexer Kärnten 119; göttel, gedl Schmeller-Fr. 1, 962 s. v. gott; für das pfälzische: gthel Klein provinzialwb. (1792) 1, 155 s. v. gth.
 
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götel, f. , patin, weibl. täufling. fem. personalbildung (ahd. -ila) zu gote, f. (s. d.); seit dem späten mittelalter belegt: gttel (md. 15. jh.), goetel (obd. 16. jh.) Diefenbach gl. 135a; vgl. Jelinek mhd. wb. 328.
1) patin: und also betrbt ging es z seiner dotten oder gttel, die es aus der tauff gehebt hette Montanus schwankbücher 260 lit. ver.; also fiel die gttel in die lachen, vnd besudelt sich vnd das kind Eulenspiegel 5 ndr.; die frou godel Stephanie s. lustsp. (1771) 27; godl Nestroy ges. w. (1890) 2, 109. bei alem. schriftstellern auch mit erhaltenem endvokal: die göttle war auch eine bürin Hansjakob bauernblut (1896) 181. die mundartliche verbreitung entspricht der von gote, f., s. d., nur ist das alem. im gebrauch der fem. personalbildung zurückhaltend, während das bair.-österr. sie dem simplex vorzieht. kurzer vokal und geminierter dental bleiben alem. erhalten: göttel Martin-Lienhart 1, 247; bair.-österr. meist ohne umlaut, mit vokaldehnung bzw. diphthongierung: godl Unger-Khull steir. 297; Castelli ma. i. Österr. 145; Mareta österr. volksspr. 24; Schmeller-Fr. 1, 962; goutl Lexer Kärnten 119; aber pfälz. göthel, geddel Autenrieth 56; md. seltener belegt: goddel Estor hess. id. (1767) 1409; Bauer-Collitz Waldeck 146; sonst mit vokaldehnung: gotel Hofmann niederhess. wb. 109; jodel (-ø-) (vereinzelt) rhein. wb. 2, 1311 oder diphthongierung: giedel Gangler Luxemb. 180. — aus dem im md. und z. t. im alem. herrschenden nebeneinander von gote, götel, f., und pate, pfetter, m., u. ä. (vgl. s. v. göte, m. und gote, f.) erwachsen doppelformeln: er satte ouch uf, das men z kindetouffen sol nemen pfetter und göttel die do gevatter werdent (Straszburg, um 1400) städtechron. 9, 511; so vns der priester täuft denn gelobenn für vns vnszer gtlen vnd pfettren bisz wir z vernunfft kommen Keisersberg bilgerschafft (1512) 128b. vgl. auch Frisch t.-lat. 1, 363a.
2) weibl. täufling; gelegentlich auch allgem. 'mädchen': godl Schmeller-Fr., Mareta a. a. o., göttel Martin-Lienhart a. a. o. md. in dieser verwendung häufiger als in der von 1, vgl.gothel, göthel Crecelius oberhess. 430; gotel, gottel Vilmar Kurhessen 133; giedel Gangler a. a. o.: da es zeit war, das kalb abzustoszen, brachte sie kuh, kalb, henne und die sparbxe mit dem geld ihrer jungen gttel Grimmelshausen Simpl. (1684) 3, 178; um einmal die kleine 'godel' ... anzuschauen Rosegger schr. (1895) I 4, 88.

[Bd. 8, Sp. 996]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) götel-, goten, - komposita (mit götel, m., götel, f., göte, m., gote, f. als erstem glied). die kompositionsbildungen sind mundartlich sehr verschiedenartig; im einzelfall ist es oft unklar, ob die bildung mit dem mask. oder dem fem. des bestimmungswortes erfolgt, bei zusammensetzungen mit götel ist auszerdem das dim. (sieh s. v. götlein) in betracht zu ziehen; ebenso unsicher ist es oft, ob das bestimmungswort in der bedeutung 'pate' ('patin') oder 'patenkind' kompositionsbildend wird. mit sicherheit sind nur zwei kompositionsgruppen zu unterscheiden: mit götel- und mit göte- bzw. gote-. göte, gote erscheinen als erstes kompositionsglied meist in flektierter form göten-, goten-, gelegentliche zusammensetzungen mit der stammform haben gewöhnlich solche mit flektiertem ersten glied neben sich und werden daher unter diesen angesetzt; gelegentlich dürfte übrigens scheinbar unflektiertes erstes glied nur das ergebnis mundartlicher veränderungen der flexionsform sein. götelanzug, m., die kleider der patin: sie kommt als ... 'godl' (pathin). hat einmal einer so einen godlanzug untersucht, hat er von auszen nach innen neun röcke gezählt und ist dem anstande noch nicht zu nahe gekommen Rosegger schr. (1895) II 5, 151. — götelarm, m., zu götel, f.: der junge wird in die mildreiche verwahrnisz der godlarme gebettet und zur kirche getragen Rosegger schr. (1895) II 5, 152. — götelgeld, n., geldgeschenk und überhaupt geschenk der paten: zu einem federhalter, ... auch zu einem schaupfennig vnnd gttelgelt, hett er ein gantze guldene platten Fischart Garg. 181 ndr.; meiner meuder groszmeuder hat auf eine zeit einer andern frauen ein kind gehebt und ihr zum gttelgeld eine stattliche leghenne ... verehrt Grimmelshausen Simpl. (1684) 3, 177. vgl.götchengeschenk. — götelkind, -kindlein, n., patenkind: es kost disz gttelkindlein manchen feinen Abbezeller chnaben vnnd manch weydlichen pfettern: so gehts, wan bauren der edelleut geuattern wllen sein Fischart Garg. 167. ndr.; so holt das göttlekind beides bei den taufpaten Hansjakob bauernblut (1896) 179. — götelpelz, m., von den paten geschenktes kleidungsstück: wie auch in andern darauff gefolgten gaben, gttelbeltzen, rcken und kleidungen wider unser und unserer vorfahren ordnungen, dergestalt gehandlet worden d. st. Straszburg policeyordn. (1628) 31; nun wird es sich auch sonder vieles kopfbrechen erraten lassen, das ein godelpelz, ein gdelrock nichts anders bedeute, als einen pelz, einen rock, welcher von den gevattern der kindbetterin geschenkt wird E. C. Reichard Matth. u. Veit Conr. Schwarz (1786) 122. vgl. Fischart Garg. 115 ndr.götelpfennig, m., soviel wie götelgeld: wann nicht weniger die tauff vnnd gdelpfenning zu hohem werth auffgestiegen d. st. Straszburg policeyordn. (1628) 31. — götelrock, m., s. DWB götelpelz. — goten-, götengeld, n., (geld-)geschenk der paten. in übertragenem gebrauch in satirischer dichtung:

(die Union spricht:) gestanden seind bei meiner tauf
vornehme reichsstädt auf ein hauf,
bekam von ihn gut godengeld
der gewohnheit nach in dieser welt (1621) dreiszigjähr. krieg 132 Opel-Cohn.

götenhemd, n., taufkleid oder hemd überhaupt, das der pate (die patin) dem patenkind schenkt; vgl. Unger-Khull steir. 298; schweiz. id. 2, 1299 s. v. hemd. — goten-, gottenkrone, f., ein kranz oder ein stirnband, das die paten dem patenkind schenken; auch ein bauernkranz überhaupt: seine goldzopfen wallten um und über seine gleissende gotten-crone Pestalozzi s. w. 3, 125 Buchenau-Spr.gotenpflicht, f., patenpflicht; in der form gothpflicht: an paten und gothpflichten will ichs nicht fehlen laszen, was an mir steht (1813) Jac. Grimm an Wigand in: briefwechsel (1881) 154. — gotenschappel, -schäppeli, n., soviel wie gotenkrone (s. d.): aber als sie ihm daheim das gotten-schäppeli (ein breiter grosser bauernkranz) auf den kopf legen ... wollte, bat sie das kind ... Pestalozzi s. w. 3, 125 Buchenau-Spr.; 'gotten-schäppeli' ist ein groszes, breites glänzendes stirnband, mit dem sich die bauerntöchter bey hochzeits- und

[Bd. 8, Sp. 997]


taufanlässen schmückten ebda 3, 321. — zu diesen und weiteren zusammensetzungen wie götelbrief, -kissen, goten-, götleute, gotenlöffel vgl. die ma.-wbb.

 

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