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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gossenrecht bis goszlinger (Bd. 8, Sp. 983 bis 984)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -recht, n.: das gossenrecht ist in Göttingen ein uraltes herkommen, welches von den studirenden auf das genaueste beobachtet wird und dessen verletzung fast unfehlbar ... ein duell nach sich zieht. vermöge desselben kann derjenige, welcher auf den trottoirs ... die gosse zu seiner linken hat, verlangen, dasz die begegnenden ihm ausweichen (1835) A. Jäger Felix Schnabels universitätsjahre 449 Bierbaum; ja diese brauchten dem hagestolze nicht einmal aus dem wege zu gehen, und käme er ihnen in Göttingen entgegen, und hätte das gossenrecht J. Weitzel verm. schr. (1820) 1, 151; das nennt man das gossenrecht; wer die strasze links von seinem weg hat, darf behaupten, der andere musz weichen Strobl der wilde Bismarck (1915) 108. —
 
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-rohr, n., fallrohr einer dachrinne: das am hause niederführende gossenrohr ... löste sich aus der dachrinne Fontane ges. w. (1905) I 1, 492. —
 
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-sohle, f., sohle einer straszengosse: zunächst (wird) ... der rücken der strasze ... und die gossensohle ... abgesteckt Mothes ill. baulex. 3 (1883) 539 s. v. pflaster.
 
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-stein, m., rinnstein (vgl. goszstein): diese auspflasterung der gosse besteht meist aus zwei steinen, gossensteinen, rinnsteinen ... deren sohle dann die fuge bildet Mothes ill baulex. 3 (1883) 539a; guotenstein gossenstein, rinnstein Bauer-Collitz Waldeck 42b. —
 
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-stück, n., prismatischer roheisenblock, massel. zu gleichbed. 3 gose, gosse: man hat auf mehreren eisenhütten, z. b. am Harz, die methode eingeführt, das roheisen in sogenannte gossenstücke ... laufen zu lassen, wozu die leisten in dem hüttensande gemacht werden Blumhof eisenhüttenkunde (1817) 2, 207 s. v. gans.
 
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-wasser, n.: der himmel spiegelt sich auch in einer schaumblase des gossen-wassers B. Goltz zur physiognomie (1859) 177.
 
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gost, m., 'russischer kaufmann', s. 2gose.
 
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gost, göst, adj., 'nicht milchgebend, unfruchtbar', s. DWB güst teil 4, 1, 6, sp. 1205.
 
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gosz, m. (n.), verbalnomen zu gieszen (vgl. DWB gosz 'trichter' s. v. 2gosse). neben dem verbalabstraktum gusz

[Bd. 8, Sp. 984]


steht ahd. mhd. schwach bezeugtes goz oder (und) gôz (urspr. ist für das m. gôz, für das n. goz wahrscheinlicher), als masc. 'regengusz', Lexer mhd. wb. 1, 1063, als neutr. in den konkret-speziellen bedeutungen 'gegossener gegenstand, gegossenes bildwerk': fusile goz (12. jh.) ahd. gl. 3, 695, 36 St.-S.; Lexer a. a. o.; ferner 'gegossene füllungsteile eines gewölbes' (zur sache vgl. Mothes ill. bau-lex. [1881] 2, 549b 'guszgewölbe'):

die hœhe deist der hohe muot,
der sich uf in diu wolken tuot;
dem ist ouch nihtes ze vil,
die wile er sich gehaben wil
hin uf, da sich der tugende goz
ze samene welbet an ein sloz
Gottfried v. Straszburg Tristan 16943 Ranke;

ouch han ich an die liehten want
miner ougen weide vil gewant
und han mich oben an daz goz,
an daz gewelbe und an daz sloz
mit blicken vil gevlizzen ebda 17127;

nhd. ist für diese bedeutungen gusz (guszgewölbe) eingetreten; in mundartlichen resten bege net gosz 'in einer form erstarrte schmalz-, unschlitt- oder wachsmasse' (wofür sonst auch DWB gusz, vgl. d. teil 4, 1, 4, sp. 1217): gosz, m. Unger-Khull steir. 300b; gōss 'gestandene masse', ehemals von milch, unschlitt, schmalz gebräuchlich, dimin. gössle 'unschlittklumpen', auch 'gefäsz für schmalz', goss, gosslet, n., 'stöckchen schmalz' Fischer schwäb. 3, 754; ithem 3 gulden 4 hllr vür einen gosz onslechtes der weig lviii  und vür xxvi  rohes ungesmelzten unslechtes Elsen v. Holczhusen inventar (Frankf. archiv 1410, handschr.); ein ... mundsalben. nim meyenschmaltz 1 pfund, mettwachs 1 vierling. lasz vnder einander zergehen: geusz kleine göszlin darausz. brauchs wann du wilt Gäbelkover artzneyb. (1596) 2, 114.
 
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göszchen, n., münzname, ursprünglich die Goslarer scherfe. mnd. gosler und goske(n), göske(n), gosche(n) 'goslarscher pfennig', s. Lasch-Borchling 1, 2, 137, vgl. mnl. (in den ostprovinzen) gosseler Verwijs-Verdam 2, 2078. seit dem 16. jh. wurde die bezeichnung göszchen, auch gösger (köln. jöstcher), auf andere geringwertige nordwestdeutsche münzen übertragen (vgl. Schrötter münzwesen 1, 163 in: acta Borussica). göszchen eine niedersächsischrheinische scheidemünze: Adelung 2 (1775) 752; Jacobsson techn. wb. 5 (1793) 722b; Campe 2 (1808) 425a; Schaffer dt.-frz. 1 (1836) 755a. — speziell hieszen clevische gösger die unter Friedrich I. geprägten schlechten sechspfennigstücke (die 'roten sechser'): das general p. directorium hat aus dem ... bericht ersehen, welcher gestalt der churpfälzische gesandte zu Regensburg eine valvation der düsseldorffschen stüver gegen so genannte clevische göszger oder hiesige 6 pf. stücken unter der hand herumgehen lasse (1737) münzwesen 1, 507 in: acta Borussica.
 
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goszlinger, m., leichtes schiffsgeschütz. eingedeutscht aus nl. goteling 'guszeiserner gegenstand', 'geschütz aus gegossenem eisen oder metall' (anfangs schlechthin, zur unterscheidung von geschmiedeten geschützen, dann bezeichnung einer art leichterer [schiffs-] kanonen, s. woordenb. d. nederl. taal 5, 453). noch als nl. gebucht bei Fäsch kriegs-lex. (1735) berche, h(oll.) gooteling, ist eine art von geschütze, dessen man sich vor alters auf den schiffen bediente, und von metall waren, die aber von eisen gegossen waren, hieszen barces 88a: goszlinger ein ehemals auf den schiffen gebräuchliches geschütz von mittlerer grösze Jacobsson technol. wb. 2 (1782) 141b; Voigtel hdt. hdwb. 2 (1794) 116a; gostlinger Campe 2 (1808) 425a. dazu: göszlingsschusz, m., als masz für geschätzte entfernungen, nur in unverschobener form bezeugt: auff den abend sind wir an der westseite von der insel Guagam ... ein gotelingsschusz von dem land zu anckern kommen Decker diurnal (1629) 59 bei Kluge seemannsspr. 325; nord-ost von Grauharen ein götlingsschusz ist ein klein niedriger bergholm Manson seeb. (1717) 5 ebda; vgl. gotelingschot woordenb. d. nederl. taal 5, 454.

 

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