Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gosse bis gossenstein (Bd. 8, Sp. 982 bis 983)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gosse, f., traubenwickler, conchylis ambiguella. nur in Tirol bezeugt. vielleicht aus dem romanischen, vgl. unterengadin. und graubünd. kos 'engerling', frz. cosson, prov. cosó 'kornwurm' Meyer-Lübke 2278 aus lat. cossus 'holzwurm, eingeweidewurm' Walde-Hofmann 1, 281. hierher vielleicht auch ahd. coza oder cozo: curculiunculos, animal segetes conrodens. quod rustici cozun vocant (10.-11. jh.) ahd. gl. 2, 368, 58, wobei z für roman. s(s) auffällig ist. gossen (plur.) Schmeller-Fr. 1, 950; goss Schöpf Tirol 200; Frommann dt. maa. 4, 52: schon ainiche jahr hero (haben) die gossen ... die äcker und wisfrüchten sehr hart hergenomben ... wie auch in weingewäx verschüdene schödlichkeiten verursachet (1766) österr. weist. 5, 245, 10; allerdings habe ich manche weintraube den weg alles fleisches gesendet, obgleich man der gossen wegen beinahe nöthig hätte jeder beere ins herz zu schauen Görres ges. br. (1858) 1, 400; es hatten ... die gossen und käfer den feldfrüchten gewaltig geschadet Linzer tagespost (80) 106 bei: Sanders erg.-wb. 233c.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gössel, überwiegend n., 'junge gans, gänseküken'. diminutivbildung zu nd. gos 'gans', vgl. DWB gessel teil 4, 1, 2, sp. 4174 und gänsel teil 4, 1, 1, sp. 1273. gössel Woeste westf. 83b (hier fem.); Mensing schlesw.-holst. 2, 431; Kück Lüneb. 1, 594; gösselk'n und gössel halb ausgewachsene gänse, die kleinen jungen heissen gôsküken Danneil plattdt. 68a; Sallmann Estl. (1880) 32; daneben gusel, gisel, gissel u. a. Betcke Königsb. 30; auch im Unterharz: jessel Liesenberg Stiege 145: mit eins schreien die gänse los ... und da hat ein habicht ein gössel und will damit fort H. Löns aus forst u. flur (1916) 266; und

[Bd. 8, Sp. 983]


als er in diesem frühjahr auch viele küken und gösseln auskommen liesz Sohnrey im grünen klee (1905) 52. bildlich: 'einfältiges junges mädchen' Woeste westf. 83b; es wären gänsekinder. die leute hier zu lande sagten allgemein 'gösseln', meinten aber manchmal auch menschenkinder damit, grosze mädchen und selbst grosze frauen, wenn sie sich so piepsig und tapsig anstellen, wie so' ne gänsegösseln Sohnrey im grünen klee (1905) 52; wer aufgeboten? herr Benson, mademoiselle ... und sie! güssel! Hermes Sophiens reise (1778) 3, 258.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gossenblatt, n. (zu 1gosse 7), zeitung von niedrigem niveau, sensationsblatt: Jules Vallès ... sagte jedem, der es hören wollte, mündlich und in seinem gossenblatt 'cri du peuple' schriftlich, dasz die roten den blauen Paris nur als einen trümmerhaufen überlassen wollten J. Scherr gröszenwahn (1876) 457. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-brücke, f., brücke über eine straszengosse: gossenbrücke, ... auch dohlenbrücke genannt, besteht meist blos aus einem stein, einer pfoste oder dgl. Mothes ill. baulex. (1881) 2, 485; Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 308.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gosseneisen, n.
a) zu 1gosse 6 c, quereinsatz in der abstichrinne: damit keine schlacke mit in dieselbe (die form) gelangt und der eisenstrom reguliert werden kann, setzt man in die rinne oder gosse das gossen- oder wischeisen so ein, dasz dasselbe seitwärts in den sand eindringt, unten aber eine öffnung läszt Muspratt chemie 2 (1889) 1290.
b) prismatischer roheisenblock, massel. zu gleichbed. 3gose, gosse: gosseneisen syn. mit gänze ... d. i. roheisen Karmarsch-Heeren techn. wb. (1880) 4, 149. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gossenhaft, adj. (zu 1gosse 7): unsere polternde emphase ... gossenhaft ausgelassen, schwätzt jede wahrhafte grösze todt B. Weber cartons (1858) 150. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-rand, m.:

am gossenrand ein gaul
mit aufgetriebenem bauch
und steifen, starrenden hufen
B. v. Münchhausen die standarte (1916) 12. —


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-recht, n.: das gossenrecht ist in Göttingen ein uraltes herkommen, welches von den studirenden auf das genaueste beobachtet wird und dessen verletzung fast unfehlbar ... ein duell nach sich zieht. vermöge desselben kann derjenige, welcher auf den trottoirs ... die gosse zu seiner linken hat, verlangen, dasz die begegnenden ihm ausweichen (1835) A. Jäger Felix Schnabels universitätsjahre 449 Bierbaum; ja diese brauchten dem hagestolze nicht einmal aus dem wege zu gehen, und käme er ihnen in Göttingen entgegen, und hätte das gossenrecht J. Weitzel verm. schr. (1820) 1, 151; das nennt man das gossenrecht; wer die strasze links von seinem weg hat, darf behaupten, der andere musz weichen Strobl der wilde Bismarck (1915) 108. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-rohr, n., fallrohr einer dachrinne: das am hause niederführende gossenrohr ... löste sich aus der dachrinne Fontane ges. w. (1905) I 1, 492. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-sohle, f., sohle einer straszengosse: zunächst (wird) ... der rücken der strasze ... und die gossensohle ... abgesteckt Mothes ill. baulex. 3 (1883) 539 s. v. pflaster.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-stein, m., rinnstein (vgl. goszstein): diese auspflasterung der gosse besteht meist aus zwei steinen, gossensteinen, rinnsteinen ... deren sohle dann die fuge bildet Mothes ill baulex. 3 (1883) 539a; guotenstein gossenstein, rinnstein Bauer-Collitz Waldeck 42b. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: