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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gosse bis gossensohle (Bd. 8, Sp. 981 bis 983)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gosse, f. , gosz, m., verbalnomen zu (transitivem) gieszen. im gegensatz zu 1gosse vorwiegend und wohl primär oberdeutsch. gosz ist nur selten bezeugt und in der bed. 'eingusz, trichter' (1) von gosse nicht zu trennen (vgl. DWB gosz u. goszstein).
1) infundibulum, eingusz, trichter: gosz trachter, infundibulum, instrumentum, quo in vasa liquores infundimus Henisch (1616) 1683; gosz ein trichter Harsdörffer poet. trichter (1647) 2, 144; gosz trichter, infundibulum Schottel haubtspr. (1663) 1328; gosze infundibulum Stieler stammb. (1691) 647. vgl.: infusorium ingoz Diefenbach nov. gl. 215b s. v. infundibulum.
a) mühlentrichter, aufschüttkasten in form eines pyramidenstumpfes, durch den das mahlgut auf die mühlsteine geleitet wird (bei Frischlin gösser nomencl. [1586] 163b). mundartl. nur bair.-österr. gosse(n), apokopiert goss, f. (s. u.). selten gosz, m. (s. u. Mothes): gossen deferentia est cista de qua cadit frumentum super molarem in molendino voc. incip. teut. (um 1485) k 1a; infundibulum gosse Agricola de re metall. (1556) V 4a; die gosse (zur abbildung, im text die giesz) Ph. Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 236; gossen darinn man das korn inn der mühl auffschütt Henisch teutsche spr. (1616) 1683; rumpf heiszt in Sachsen der aufschüttkasten oder der viereckige, unten zugespitzte

[Bd. 8, Sp. 982]


trichter, darein das getreide, welches gemahlen werden soll, geschüttet wird ..., in Österr. heiszt er die gosz Popowitsch versuch (1780) 402; um ein beständiges und regelmäsziges einlaufen des getreides zwischen die steine zu bewirken, wird über dem läufer ein nach unten verjüngt zulaufender kasten, welcher ... der rumpf oder die gosse heiszt, angebracht Prechtl technol. encycl. (1830) 10, 9; goss, m., bei einem mahlgang der hölzerne trichter, in welchen das zu mahlende getreide geschüttet wird Mothes ill. baulex. (1881) 2, 485. auch in der moderneren mahltechnik wird gosse als terminus für den materialeinlauf gebraucht: gosse an walzenstühlen Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 735; an grieszputzmaschinen Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 6, 24; an kugelmühlen ebda 7, 90; an pulvermühlen der material- ein- und auslauf Muspratt chemie (1888) 7, 802. mundartliche zeugnisse: die gosz, goszen Schmeller-Fr. 1, 949; Nicolai Österr. 92; goss', goss'n, f. Schöpf Tirol 200; gosse, f. Lexer Kärnten 119; Unger-Khull steir. 300b; mer sollen die mülner haben ein gosz, dorin sollen 3 wecht gen (17. jh.) österr. weist. 10, 133, 16; so hob es an zu rodlen, dasz Gasser die gossen abhob J. G. Meitinger kurze beschr. v. Tyrol (hs. 1726) bei Schöpf Tirol 200.
b) gusztrichter, einguszloch für das flüssige metall an einer guszform: χῶνος infundibulum gosz Frischlin nomencl. (1586) 148a; so gehet herfür ausz dem selbigem (einem 'geteilten eisen', d. i. einer zweiteiligen guszform) die gosse, in welcher zwey löcher seynd, welcher eins geht zu einem holen theil, das ander zu dem anderen Ph. Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 195; der gosz (zur abbildung) ebda 196. — auch die guszform selbst, der ingusz (flasche, zweiteilige form zur herstellung von metallstäben, bes. münzzainen): infundibulum est vas metallicum oblongum, cum manubrio, interius excavatum, liquata metalla recipiens et in virgas vel baculos conformans, Germanis, ein eingusz dicitur, it. gosse, stürtze Martin Ruland lex. alchem. (1612) 267; item also umbe das gekretcze in der gosse, das gehoret eime munczemeistere von rechte (um 1442) urk.-b. d. st. Freiberg i. S. 2, 86.
2) gieszerei (nur obd.): gosse gieszerei, gieszhaus, gieszhütte, laboratorien Jacobsson technol. wb. 2 (1782) 91b; Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 589. bei Stieler schmelzofen: gosze conflatorium, quod locus est, ubi metalla conflantur stammb. (1691) 647.
 
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gosse, f., traubenwickler, conchylis ambiguella. nur in Tirol bezeugt. vielleicht aus dem romanischen, vgl. unterengadin. und graubünd. kos 'engerling', frz. cosson, prov. cosó 'kornwurm' Meyer-Lübke 2278 aus lat. cossus 'holzwurm, eingeweidewurm' Walde-Hofmann 1, 281. hierher vielleicht auch ahd. coza oder cozo: curculiunculos, animal segetes conrodens. quod rustici cozun vocant (10.-11. jh.) ahd. gl. 2, 368, 58, wobei z für roman. s(s) auffällig ist. gossen (plur.) Schmeller-Fr. 1, 950; goss Schöpf Tirol 200; Frommann dt. maa. 4, 52: schon ainiche jahr hero (haben) die gossen ... die äcker und wisfrüchten sehr hart hergenomben ... wie auch in weingewäx verschüdene schödlichkeiten verursachet (1766) österr. weist. 5, 245, 10; allerdings habe ich manche weintraube den weg alles fleisches gesendet, obgleich man der gossen wegen beinahe nöthig hätte jeder beere ins herz zu schauen Görres ges. br. (1858) 1, 400; es hatten ... die gossen und käfer den feldfrüchten gewaltig geschadet Linzer tagespost (80) 106 bei: Sanders erg.-wb. 233c.
 
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gössel, überwiegend n., 'junge gans, gänseküken'. diminutivbildung zu nd. gos 'gans', vgl. DWB gessel teil 4, 1, 2, sp. 4174 und gänsel teil 4, 1, 1, sp. 1273. gössel Woeste westf. 83b (hier fem.); Mensing schlesw.-holst. 2, 431; Kück Lüneb. 1, 594; gösselk'n und gössel halb ausgewachsene gänse, die kleinen jungen heissen gôsküken Danneil plattdt. 68a; Sallmann Estl. (1880) 32; daneben gusel, gisel, gissel u. a. Betcke Königsb. 30; auch im Unterharz: jessel Liesenberg Stiege 145: mit eins schreien die gänse los ... und da hat ein habicht ein gössel und will damit fort H. Löns aus forst u. flur (1916) 266; und

[Bd. 8, Sp. 983]


als er in diesem frühjahr auch viele küken und gösseln auskommen liesz Sohnrey im grünen klee (1905) 52. bildlich: 'einfältiges junges mädchen' Woeste westf. 83b; es wären gänsekinder. die leute hier zu lande sagten allgemein 'gösseln', meinten aber manchmal auch menschenkinder damit, grosze mädchen und selbst grosze frauen, wenn sie sich so piepsig und tapsig anstellen, wie so' ne gänsegösseln Sohnrey im grünen klee (1905) 52; wer aufgeboten? herr Benson, mademoiselle ... und sie! güssel! Hermes Sophiens reise (1778) 3, 258.
 
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gossenblatt, n. (zu 1gosse 7), zeitung von niedrigem niveau, sensationsblatt: Jules Vallès ... sagte jedem, der es hören wollte, mündlich und in seinem gossenblatt 'cri du peuple' schriftlich, dasz die roten den blauen Paris nur als einen trümmerhaufen überlassen wollten J. Scherr gröszenwahn (1876) 457. —
 
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-brücke, f., brücke über eine straszengosse: gossenbrücke, ... auch dohlenbrücke genannt, besteht meist blos aus einem stein, einer pfoste oder dgl. Mothes ill. baulex. (1881) 2, 485; Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 308.
 
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gosseneisen, n.
a) zu 1gosse 6 c, quereinsatz in der abstichrinne: damit keine schlacke mit in dieselbe (die form) gelangt und der eisenstrom reguliert werden kann, setzt man in die rinne oder gosse das gossen- oder wischeisen so ein, dasz dasselbe seitwärts in den sand eindringt, unten aber eine öffnung läszt Muspratt chemie 2 (1889) 1290.
b) prismatischer roheisenblock, massel. zu gleichbed. 3gose, gosse: gosseneisen syn. mit gänze ... d. i. roheisen Karmarsch-Heeren techn. wb. (1880) 4, 149. —
 
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gossenhaft, adj. (zu 1gosse 7): unsere polternde emphase ... gossenhaft ausgelassen, schwätzt jede wahrhafte grösze todt B. Weber cartons (1858) 150. —
 
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-rand, m.:

am gossenrand ein gaul
mit aufgetriebenem bauch
und steifen, starrenden hufen
B. v. Münchhausen die standarte (1916) 12. —


 
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-recht, n.: das gossenrecht ist in Göttingen ein uraltes herkommen, welches von den studirenden auf das genaueste beobachtet wird und dessen verletzung fast unfehlbar ... ein duell nach sich zieht. vermöge desselben kann derjenige, welcher auf den trottoirs ... die gosse zu seiner linken hat, verlangen, dasz die begegnenden ihm ausweichen (1835) A. Jäger Felix Schnabels universitätsjahre 449 Bierbaum; ja diese brauchten dem hagestolze nicht einmal aus dem wege zu gehen, und käme er ihnen in Göttingen entgegen, und hätte das gossenrecht J. Weitzel verm. schr. (1820) 1, 151; das nennt man das gossenrecht; wer die strasze links von seinem weg hat, darf behaupten, der andere musz weichen Strobl der wilde Bismarck (1915) 108. —
 
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-rohr, n., fallrohr einer dachrinne: das am hause niederführende gossenrohr ... löste sich aus der dachrinne Fontane ges. w. (1905) I 1, 492. —
 
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-sohle, f., sohle einer straszengosse: zunächst (wird) ... der rücken der strasze ... und die gossensohle ... abgesteckt Mothes ill. baulex. 3 (1883) 539 s. v. pflaster.

 

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