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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gosler bis gosseneisen (Bd. 8, Sp. 977 bis 983)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gosler, m., münzname, s. DWB göszchen.
 
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gospe, göspe, f., hohle hand, vgl. DWB gäspe teil 4, 1, 1, sp. 1434 und gauspe sp. 1589. mnd. g spe, göspe = gpse gefüllte doppelhohlhand Lasch-Borchling 1, 2, 137; göspe die halb geschlossene hohle hand Adelung 2 (1775) 752: folgende (wörter) sein so gleich untereinander, als jemahls welche sein können: ... ἀγοστός (cavitas manus) gospe Morhof unterr. v. d. dt. spr. (1682) 145; nim scharfe aschen 2 gospen voll vnd 2 gospen vngeleschten kalch, stosz es klein (1620) in: Alemannia 18, 26.
 
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göspel, f., hohle hand, s. oben gospe und gauspel teil 4, 1, 1, sp. 1589; zum suffix vgl. gispe teil 4, 1, 4, sp. 7566: wenn man anfehet zu pflügen, menget man inen (den pflugochsen) see oder treber, kleien oder schrot, etwan ein par göspeln voll mit unter den hexel Coler hausb. 4 (1598) t 3b.
 
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gospeldorn, m., pflanzenname, wohl zu gaspeldorn 'spartium, ginster' (teil 4, 1, 1, sp. 1434); nl. gaspeldoorn ulex europaeus L., vgl. dän. gospeltorn genista spinosa Kalkar ordbog 2, 64a. hier für eine exotische pflanze (aquilaria malaccensis Lam.?): Rhodiser holtz ... ist ein wohlriechendes ... holtz ... von einem dornichten baume, der fast wie unsere rosensträucher beschaffen ist und insgemein nur der Rhodiser dorn, oder auch gospeldorn heiszt Noel Chomel öcon. lex. 8 (1757) 314.
 
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gosse, f. , 'rinne', 'gerinne', schwundstufiges verbalnomen zu gieszen. das wort ist ursprünglich auf das md. und nd. beschränkt; das lautlich damit übereinstimmende norw. gota 'eingeschnittene rinne, falz, tiefe und breite furche nach

[Bd. 8, Sp. 978]


einem bergsturz, trichterförmige rinne im feld' Torp 176 dürfte nicht mit gosse historisch identisch, sondern unabhängige bildung zu gjóta sein, vgl. auch 2gosse. zuerst dat. pl. goton in einer and. glosse des 11./12. jhs. (s. u. 1); mnd. gote, göte, gate Schiller-Lübben 2, 136a; 17b; Lasch-Borchling 1, 2, 142; mnl. gote; nnl. goot, geut. mundartl. nur im nd. gebiet einschlieszl. des ripuarischen: jos rhein. wb. 2, 1309 (rip.); gosse Hennig preusz. 325. gate, gat brem.-nds. wb. 2 (1767) 502; Richey Hamb. (1755) 72; Mi Mecklenb. 25; Dähnert plattdt. 144; gote Woeste Westf. 83; Strodtmann Osnabr. 75. mit umlaut unter einflusz von göt 'gusz' (womit gosse im nl., z. t. im mnd., sowie im heutigen schlesw.-holst. und nordfries. zusammengefallen ist, vgl. DWB gusz teil 4, 1, 6, sp. 1909) und von göte 'schnabel einer kanne' (formal von gosse getrennt bei Doornkaat-Koolman güte: göte 1, 710a, 668a; Kück gœt: gt 1, 594; Richey gte: gate a. a. o.): göt, göte rhein. wb. 2, 1309 (niederfränk.); Doornkaat-Koolman 1, 668a; Schmidt-Petersen 52b; Mensing 2, 458; Kück Lüneb. 1, 594 (neben gt). zum teil diphthongiert gaute, gäut bei Strodtmann und Mensing; unklar bleiben gräute Woeste 83 und gauske bei F. Krüger: wann sonnen (lampen-) silinder springt, dann sünd allemaol fif mariengrosken in de gauske smietten Hempelmanns smiede (1883) 1, 129; auch für gusz: gauskenwise 'guszweise', 'in güssen' (vom regen) ebda 145. — die form gosse ist seit dem 14. jh. in vorwiegend md. quellen bezeugt: (die güter liegen zu Wissmar; es bebaut sie) Henricus dictus offe der Gozzen (1315) urk.-buch der stadt Wetzlar 1, 360; (ein garten liegt) apud cannalia dicta d gozze (1343) ebda 1, 580; item 8 scot den, dy dy eyche felten zur gosse (1408) Marienb. treszlerbuch 455 Joachim; das sie mit dem eysen das feuer schireten und reumeten bisweilen die gossen darmitte (um 1475) geschichtsquellen der prov. Sachsen 11, 26. lexikalisch: gosze, troffe stillicidium (15. jh. obd.) Mone anz. 7, 300; lavatrina, aquarium, locus quo sordida aqua iactatur eyn gossen Trochus voc. rer. promptuarium (1517) O 3b; gosse, gossen Faber thes. (1587) s. v. incile 406b, latrina 435b, emissarium 511a. — von dem vorwiegend nd. wort zu trennen ist oberdeutsches 2gosse (s. d.) 'trichter, eingusz', auch 'gieszerei'. bedeutung und gebrauch.
über den bedeutungscharakter der dentalableitungen zur wz. gheu- s. gieszen teil 4, 1, 4, sp. 7395. als grundbedeutung von gosse ist 'rinne', 'gerinne' vorauszusetzen, dem vb. gieszen in seiner intrans. bedeutung 'flieszen' entsprechend; erst sekundär hat sich in der bed. 'ausgusz' eine beziehung auf transitives gieszen ergeben (vgl. auch 2gosse und goszstein). gegenüber den anwendungen für 'abwassergraben', 'ausgusz', 'regenrinne', 'rinnstein' (s. u. 1—4), die als umgrenzte hauptbereiche der bedeutung hervortreten, ist der freiere, unspezifische gebrauch im sinne der grundbed. nur wenig ausgedehnt (5). schriftsprachlich ist gosse lediglich in der (mundartl. schwächer bezeugten) bed. 'straszenrinne, rinnstein' allgemein durchgedrungen, wobei der übertragene gebrauch (7) seit dem 19. jh. breiteren raum einnimmt.
1) abfluszgraben für ausgegossene abwässer, schmutzgraben; heute veraltet und in den maa. nur schwach bezeugt (vgl. 2): (in) canilibus angoton (= an goton; zu gen. 24, 20: effundensque hydriam in canalibus, recurrit ad puteum, ut hauriret aquam) ahd. gl. 4, 200, 32; volutabrum ein groep of ein vuyl gote daer die varcken in wentelen Tortellius (1495) R* 2 c; we dem anderen hor (unflat) veghede in de goten, so dattet vor sine dore vlote, syn broke is 1 sch. hanöv. stadtrecht 352 bei Schiller-Lübben 2, 136a; wente de soghen schonen de perlen nicht unde wolen se umme myt dem drecke in de ghten, unde wat denne de su wolet unde rodet, dat motet or vercken entgelden (Braunschw. 1514) städtechron. 16, 311; sie hatten das pökel fleisch auf der gosze, vor unser keller luke in den koth auf einen haufen hingeworfen Joh. Chr. Müller tageb. 1720 —72 in: pomm. jahrbücher 11, 77; (zwei kater) wälzten mich zum überflusz noch in die gosse, so dasz

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das schmutzige spülwasser über mich zusammenschlug E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 162 Gr.; dann trug sie (des teufels groszmutter) ihn (den rock des teufels) in die gosse, wo der ganze dicke höllenschlamm und das ganze spülwasser aus der hölle abläuft, zog ihn ein paarmal durch, weichte ihn tüchtig ein und wusch ihn in der gosse Volkmann-Leander träumereien 35 Reclam.
2) ausguszanlage in küche oder wirtschaftsräumen.
a) rinne oder röhre, die das abwasser (in den schmutzgraben) ableitet. im anschlusz an das vorige, durch übertragung der bezeichnung auf die neue einrichtung: ghate, dar dat vule water dor lopt voc. Strals. bei Schiller-Lübben 2, 17b; quod ... domini consules Lubicenses ... nostro conuentui Lubicensi illum aqueductum de nostra domo b(r)axatoria et coquina aquam deferentem, wlgariter ghote apellatum, sub choro nostro collocatum, ad plateam, que clocghiterstrate dicitur, effluentem ... contulerunt (1352) Lüb. urk.-buch 3 nr. 147; und fanden eine stelle in der abezog der gosse, die ausz der kuche nach dem secret lieff S. Grunau preusz. chron. 2, 373 Perlbach; so kömmt an die ecke der gosse, wo die köchinnen den unrath der küche hinzuschütten pflegen, ein ausgehungerter hund Schwabe belust. (1741) 4, 436; in der folgenden nacht sah der küchenjunge, wie eine ente durch die gosse in die küche hineinschwamm kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 46; da er den horcher zu seinen füszen fühlt, durchsticht er ihn forschend mit dem degen. er schleppt ihn fort, zerschneidet und kocht ihn und schüttet ihn durch eine gosse auf den mist, wo die schweine den körper verzehren Göthe I 42, 2, 430 W.
b) das ausguszbecken, der spülstein (vgl. goszstein): gosze (nicht überall gebräuchl.) pro ausgusz Steinbach dt.-lat. (1734) 1, 621; gosse guszstein, spülstein, wasserstein Adelung 2 (1775) 752; guszstein, gosse ein ausgehöhlter und durchlöcherter stein in der wand einer küche ... das unnütze wasser dadurch wegzugieszen Jacobsson 2 (1782) 176a.
c) erweitert: abwasch- und ausguszanlage der küche, teil der diele, in dem gewaschen und gebutteret wird Mensing schlesw.-holst. 2, 458; spülküche (nfrk., siegerl.) rhein. wb. 2, 1309. — von hier aus für milchwirtschaftsräume: gelasz der hofmeiereien, darin zu buttern, zu käsen und das geschirr zu waschen (schlesw.-holst.) Martiny wb. d. milchwirtsch. (1907) 46.
3) rinne zwischen zwei gegeneinander geneigten dachteilen; dachtraufe; dachrinne und deren fallrohr (mundartl. verbreitet): stillicidium druppe, gote Diefenbach n. gl. 348b; gosze, troffe stillicidium (15. jh., obd.) Mone anz. 7, 300; gosse von bley eine rund gemachte bleyplatte, welche den wassern, die vom dach ablaufen, einen abflusz giebt Jacobsson technol. wb. 5 (1793) 722b; auch lies er neben oder unter dieser kirche einen gewölbeten trock machen, der eben so grosz als die kirche selbst; damit das wasser vom kirchen-tache, durch eine gosse, darein lauffen möchte O. Dapper Africa (1671) 181a; hier befand sich eine grube, in welche durch eine öffnung, die unten am mauerstück angebracht war, von der gosse das regenwasser flosz M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 2, 323.
4) straszenrinne, rinnstein: incile canalis eine rinne oder gossen auff der gassen B. Faber thes. (1587) 406b; gosse wird dasjenige gerinne genennet, daselbst auf der gasse oder auf einem anderen gepflasterten wege, das vom regen oder sonst zusammengelauffene wasser ... seinen ablauff hat allg. oec. lex. (1731) 846; gossen gepflasterte rinnen von 1—1, 5 m breite, wie sie an straszen angewendet werden, wo der raum für seitengräben fehlt Lueger lex. der ges. technik (1894) 4, 736; die gossen werden nur zweimal gekehret mit besen ohne stiel Patrick tageb. in: jahrb. f. gesch., spr. u. lit. Els.-Lothr. 24, 159; worüber der alte kerl dergestalt zurückprellte, dasz er stolperte und in die gosse fiel slg. allerh. auserl. moral. u. satyr. meisterstücke (1738) 2, 280; unser hut ist gestern in die gosse gefallen, sagte ein junge von dem hute seines herrn Lichtenberg verm. schr. (1800) 4, 148; ich kann den steg nicht finden

[Bd. 8, Sp. 980]


über diese gosse A. v. Arnim s. w. (1853) 16, 43; sie strauchelte bei jedem schritte, weil sie das pflaster nicht gewohnt war, und als wir an eine gosse kamen, hatte sie das herz nicht hinüber zu schreiten ... wir muszten schwebend sie hinüber heben Pfeffel pros. vers. (1810) 2, 11; einer alten frau, die die gosse zur rechten hand hat, rennt er gegen den knöchernen arm Hebbel w. 8, 252 Werner; viele ... landsturmmänner ... stürzten in die gossen und löcher Fontane ges. w. (1905) I 2, 239; nun hatte sie schon alle frühjahr, wenn das eis trieb und der schnee schmolz, das grundwasser in die keller steigen, sämtliche gossen und kanäle der stadt übertreten ... sehen Cl. Viebig wacht am Rhein (1902) 91. — mit kontrastierendem nebensinn (im hinblick auf den schmutz der gosse; vgl. den bildlichen gebrauch unter 7): die weiszen fahnen der mairien wurden in die gosse geworfen Gervinus gesch. d. 19. jhs. (1855) 8, 399;

so helfe dir nun gott, tyrann!
erstochen und erschossen!
und abwärts durch die straszen rann
ihr blut in allen gossen!
Freiligrath ges. dicht. (1877) 3, 165;

war er doch selbst gelegentlich imstande, einen besoffenen tagedieb oder sein weibliches widerspiel aus der gosse aufzuheben Schröder aus kindh. u. jugend (1934) 45.
5) in freierer anwendung 'gerinne', 'kleiner wasserlauf': rinne, die man auf wegen zum ableiten des regenwassers macht, rinne im stall zum abflusz der jauche (nfrk.) rhein. wb. 2, 1309. — wasserrinne auf wiesen: abfluszrinne (ripuar.) rhein. wb. a. a. o.; hölzerne berieselungsrinne Kück Lüneb. 1, 594; sind die gedachten gräben beendigt und wenigstens von ihrer untern seite wagrecht beufert, so schreiten wir zur anfertigung mehrerer vertikallaufenden gossen Schwerz prakt. ackerbau (1823) 1, 400. hölzerne rinne als wasserleitung: hierzu (um trinkwasser von einem nahen gebirge abzuleiten) machten sie (die Mexikaner) eine gosse von zweifachen bretern und pfählen, zwischen welche man leim füllete, durch das meer hin O. Dapper America (1673) 270a. — abflusz eines teiches: emissarium ein ausgang eines teichs oder sees, auslauff, ein gosse B. Faber thes. (1587) 511a. — kleiner wasserlauf, bach: ich bin oft auf ihrer stillen höhe bey ihnen und wenn's recht regnet erinnre ich mich des rauschens der Leutra und ihrer gossen (1797) Göthe IV 12, 234 W. wasserader: dieses geheimnisz der natur hat seinen grund im unterirdischen feuer, dadurch das wasser, in tieffen gossen, unter der erde heisz gemacht wird Arnold wahrhaft. beschreibg. (1672) 244.
6) technische sonderbedeutungen.
a) röhre am pumpwerk (bergmänn.): gosse ist eine eiserne röhre, so an die thürelröhre durch einen pumpenstock befästiget Berward interpres phras. metallurg. (1673) 18; gosse ... werden die beyden hölzernen röhren nebst einer eisernen genannt, woraus der satz einer pumpe beym kunstgezeuge bestehet Jacobsson technol. wb. 2 (1782) 141b; vgl. auch: woold-gaten 'die hölzernen röhren, durch welche das Weserwasser, von dem groszen wasserrade in Bremen, unter der erde in die stadt vertheilet wird' brem.-nds. wb. (1770) 5, 285; gotenwerk wasserwerk und was dazu gehört Lasch-Borchling 1, 2, 142.
b) ausgusztrog mit ableitungsrinne für das pumpenwasser (bergmänn.; vgl. 2 b): gosze ist ein höltzerner, auch ins gestein gehauener trog, worein das wasser von kunstgezeugen, pumpen, und wasser-zobern gegossen wird Minerophilus 308; Richter berg- und hüttenlex. (1805) 1, 450.
c) im gieszerei- und hüttenwesen die abstichrinne, das abstichloch eines schmelzofens, das schlackenloch eines frischherdes: (man setzt in die in sand hergestellte) rinne oder gosse das gossen- oder wischeisen ... ein Muspratt chemie 2 (1889) 1290; der heerd ... wo das metall zum einschmelzen hingelegt wird, ist rund, mit einer kleinen neigung gegen das auge oder die gosse (coulée) ..., damit das metall besser und leichter abflieszt Hoyer wb. d. artill. (1804) 1, 2, 186; gosse (auch lachthol) ist ein loch

[Bd. 8, Sp. 981]


im frischherde, wodurch die schlacken (lacht) als frischschlacken abgezogen werden Jacobsson technol. wb. 5 (1793) 722b.
7) bildlicher gebrauch im anschlusz an 4 zur kennzeichnung des schmutzigen, gemeinen (wie etwa auch sumpf, pfuhl u. ä.).
a) als sinnbild der verkommenheit: und den zartfühlenden oheim, der jetzt zu Berlin in der gosse liegt, kann ich nicht mehr des schnapses entwöhnen H. Heine s. w. 1, 484 Elster; in den gossen Prags hätte er mich verkommen lassen sollen! H. Watzlik der alp (1923) 211; sie (die dirnen) werden bald in St. Lazare oder in der gosse enden Munthe buch v. San Michele (1931) 160; kommt nicht dies einer wohltuenden unterscheidung gleich zwischen der höheren menschlichkeit des geschöpfes (d. i. der dirne) und ihrem der gosse verfallenen, zum elenden gebrauchsgegenstand herabgesunkenen physischen teil Th. Mann Faustus (1947) 245. — ähnlich: zwischen einer buhle und einem beichtvater spielball zu sein, ist eine bedenkliche gunst: eine kleinigkeit, und sie lassen ihn in die gosse fallen H. König klubisten i. Mainz (1847) 1, 229. — in anderer fassung des bildes: in einem fiaker bringen sie den alten auch todtkrank und elend ... wer weisz, welche gosse über ihn ausgeschüttet wurde Gutzkow ritter v. geiste (1850) 8, 35.
b) zur bezeichnung niedriger gesinnungen, korrupter zustände, bes. im politischen bereich:

so trübten auch die beiden schönen kinder,
die noch der menschheit urgepräge trugen,
mit ihrem glanze des palastes gossen,
und störten in der giftdurchdrungnen welt
das laster und den fluch in seiner ruhe
Herwegh Lamartine (1843) 6, 324;

in Göttingen hat endlich die schlechtigkeit völlig die oberhand bekommen. die letzte wahl hat den boden ganz ausgestoszen, und alle winkel leeren sich ungeniert in die öffentliche gosse aus (1840) W. Grimm in: briefw. (1885) 2, 33; mich verlangt nun zu sehen, was kommen wird, um endlich Österreich aus seiner schnarcherei in der gosse aufzurütteln (1845) Görres ges. br. (1858) 3, 630; der ganz ungebildete und haltlose mensch (Hitler) lernt politik zuerst unter dem gesichtspunkt der österreichischen antisemiten Lueger und Schönerer kennen, die von ihm aus der perspektive der gasse und gosse gesehen werden V. Klemperer l(ingua) t(ertii) i(mperii) (1949) 185. — anders: nun nimmt er seine eigene tribüne ... ein, bildet eine politische macht, das heiszt eine macht zur verfügung Dantons, welcher den ... ekelhaften menschen (Marat), diese gosse für fremden unrath und doch ein talent der feder, ungern vorwies Dahlmann gesch. d. frz. rev. (1845) 460.
 
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gosse, f. , gosz, m., verbalnomen zu (transitivem) gieszen. im gegensatz zu 1gosse vorwiegend und wohl primär oberdeutsch. gosz ist nur selten bezeugt und in der bed. 'eingusz, trichter' (1) von gosse nicht zu trennen (vgl. DWB gosz u. goszstein).
1) infundibulum, eingusz, trichter: gosz trachter, infundibulum, instrumentum, quo in vasa liquores infundimus Henisch (1616) 1683; gosz ein trichter Harsdörffer poet. trichter (1647) 2, 144; gosz trichter, infundibulum Schottel haubtspr. (1663) 1328; gosze infundibulum Stieler stammb. (1691) 647. vgl.: infusorium ingoz Diefenbach nov. gl. 215b s. v. infundibulum.
a) mühlentrichter, aufschüttkasten in form eines pyramidenstumpfes, durch den das mahlgut auf die mühlsteine geleitet wird (bei Frischlin gösser nomencl. [1586] 163b). mundartl. nur bair.-österr. gosse(n), apokopiert goss, f. (s. u.). selten gosz, m. (s. u. Mothes): gossen deferentia est cista de qua cadit frumentum super molarem in molendino voc. incip. teut. (um 1485) k 1a; infundibulum gosse Agricola de re metall. (1556) V 4a; die gosse (zur abbildung, im text die giesz) Ph. Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 236; gossen darinn man das korn inn der mühl auffschütt Henisch teutsche spr. (1616) 1683; rumpf heiszt in Sachsen der aufschüttkasten oder der viereckige, unten zugespitzte

[Bd. 8, Sp. 982]


trichter, darein das getreide, welches gemahlen werden soll, geschüttet wird ..., in Österr. heiszt er die gosz Popowitsch versuch (1780) 402; um ein beständiges und regelmäsziges einlaufen des getreides zwischen die steine zu bewirken, wird über dem läufer ein nach unten verjüngt zulaufender kasten, welcher ... der rumpf oder die gosse heiszt, angebracht Prechtl technol. encycl. (1830) 10, 9; goss, m., bei einem mahlgang der hölzerne trichter, in welchen das zu mahlende getreide geschüttet wird Mothes ill. baulex. (1881) 2, 485. auch in der moderneren mahltechnik wird gosse als terminus für den materialeinlauf gebraucht: gosse an walzenstühlen Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 735; an grieszputzmaschinen Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 6, 24; an kugelmühlen ebda 7, 90; an pulvermühlen der material- ein- und auslauf Muspratt chemie (1888) 7, 802. mundartliche zeugnisse: die gosz, goszen Schmeller-Fr. 1, 949; Nicolai Österr. 92; goss', goss'n, f. Schöpf Tirol 200; gosse, f. Lexer Kärnten 119; Unger-Khull steir. 300b; mer sollen die mülner haben ein gosz, dorin sollen 3 wecht gen (17. jh.) österr. weist. 10, 133, 16; so hob es an zu rodlen, dasz Gasser die gossen abhob J. G. Meitinger kurze beschr. v. Tyrol (hs. 1726) bei Schöpf Tirol 200.
b) gusztrichter, einguszloch für das flüssige metall an einer guszform: χῶνος infundibulum gosz Frischlin nomencl. (1586) 148a; so gehet herfür ausz dem selbigem (einem 'geteilten eisen', d. i. einer zweiteiligen guszform) die gosse, in welcher zwey löcher seynd, welcher eins geht zu einem holen theil, das ander zu dem anderen Ph. Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 195; der gosz (zur abbildung) ebda 196. — auch die guszform selbst, der ingusz (flasche, zweiteilige form zur herstellung von metallstäben, bes. münzzainen): infundibulum est vas metallicum oblongum, cum manubrio, interius excavatum, liquata metalla recipiens et in virgas vel baculos conformans, Germanis, ein eingusz dicitur, it. gosse, stürtze Martin Ruland lex. alchem. (1612) 267; item also umbe das gekretcze in der gosse, das gehoret eime munczemeistere von rechte (um 1442) urk.-b. d. st. Freiberg i. S. 2, 86.
2) gieszerei (nur obd.): gosse gieszerei, gieszhaus, gieszhütte, laboratorien Jacobsson technol. wb. 2 (1782) 91b; Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 589. bei Stieler schmelzofen: gosze conflatorium, quod locus est, ubi metalla conflantur stammb. (1691) 647.
 
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gosse, f., traubenwickler, conchylis ambiguella. nur in Tirol bezeugt. vielleicht aus dem romanischen, vgl. unterengadin. und graubünd. kos 'engerling', frz. cosson, prov. cosó 'kornwurm' Meyer-Lübke 2278 aus lat. cossus 'holzwurm, eingeweidewurm' Walde-Hofmann 1, 281. hierher vielleicht auch ahd. coza oder cozo: curculiunculos, animal segetes conrodens. quod rustici cozun vocant (10.-11. jh.) ahd. gl. 2, 368, 58, wobei z für roman. s(s) auffällig ist. gossen (plur.) Schmeller-Fr. 1, 950; goss Schöpf Tirol 200; Frommann dt. maa. 4, 52: schon ainiche jahr hero (haben) die gossen ... die äcker und wisfrüchten sehr hart hergenomben ... wie auch in weingewäx verschüdene schödlichkeiten verursachet (1766) österr. weist. 5, 245, 10; allerdings habe ich manche weintraube den weg alles fleisches gesendet, obgleich man der gossen wegen beinahe nöthig hätte jeder beere ins herz zu schauen Görres ges. br. (1858) 1, 400; es hatten ... die gossen und käfer den feldfrüchten gewaltig geschadet Linzer tagespost (80) 106 bei: Sanders erg.-wb. 233c.
 
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gössel, überwiegend n., 'junge gans, gänseküken'. diminutivbildung zu nd. gos 'gans', vgl. DWB gessel teil 4, 1, 2, sp. 4174 und gänsel teil 4, 1, 1, sp. 1273. gössel Woeste westf. 83b (hier fem.); Mensing schlesw.-holst. 2, 431; Kück Lüneb. 1, 594; gösselk'n und gössel halb ausgewachsene gänse, die kleinen jungen heissen gôsküken Danneil plattdt. 68a; Sallmann Estl. (1880) 32; daneben gusel, gisel, gissel u. a. Betcke Königsb. 30; auch im Unterharz: jessel Liesenberg Stiege 145: mit eins schreien die gänse los ... und da hat ein habicht ein gössel und will damit fort H. Löns aus forst u. flur (1916) 266; und

[Bd. 8, Sp. 983]


als er in diesem frühjahr auch viele küken und gösseln auskommen liesz Sohnrey im grünen klee (1905) 52. bildlich: 'einfältiges junges mädchen' Woeste westf. 83b; es wären gänsekinder. die leute hier zu lande sagten allgemein 'gösseln', meinten aber manchmal auch menschenkinder damit, grosze mädchen und selbst grosze frauen, wenn sie sich so piepsig und tapsig anstellen, wie so' ne gänsegösseln Sohnrey im grünen klee (1905) 52; wer aufgeboten? herr Benson, mademoiselle ... und sie! güssel! Hermes Sophiens reise (1778) 3, 258.
 
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gossenblatt, n. (zu 1gosse 7), zeitung von niedrigem niveau, sensationsblatt: Jules Vallès ... sagte jedem, der es hören wollte, mündlich und in seinem gossenblatt 'cri du peuple' schriftlich, dasz die roten den blauen Paris nur als einen trümmerhaufen überlassen wollten J. Scherr gröszenwahn (1876) 457. —
 
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-brücke, f., brücke über eine straszengosse: gossenbrücke, ... auch dohlenbrücke genannt, besteht meist blos aus einem stein, einer pfoste oder dgl. Mothes ill. baulex. (1881) 2, 485; Hoyer-Kreuter technol. wb. (1902) 1, 308.
 
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gosseneisen, n.
a) zu 1gosse 6 c, quereinsatz in der abstichrinne: damit keine schlacke mit in dieselbe (die form) gelangt und der eisenstrom reguliert werden kann, setzt man in die rinne oder gosse das gossen- oder wischeisen so ein, dasz dasselbe seitwärts in den sand eindringt, unten aber eine öffnung läszt Muspratt chemie 2 (1889) 1290.
b) prismatischer roheisenblock, massel. zu gleichbed. 3gose, gosse: gosseneisen syn. mit gänze ... d. i. roheisen Karmarsch-Heeren techn. wb. (1880) 4, 149. —

 

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