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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gose bis gosler (Bd. 8, Sp. 976 bis 977)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gose, f, ein weiszbier, ursprünglich wohl zu Goslar (an der Gose) gebraut. wahrscheinlich nach dem flusz benannt: Gose ... der flusz, wovon die stadt Goslar den namen hat, wie auch das bier die gose heiszt, so davon gebrauet wird Frisch t.-lat. (1741) 1, 361c; gose ist ein weiss b er, so in Quedlinburg gebrauet wird Noel Chomel öcon. lex. 4 (1751) 1265; gose gosslarisch bier Krünitz öconom. encycl. 19 (1780) 588; Voigtel wb. (1793) 2, 115b; Campe 2 (1808) 425a. das wort erscheint zuerst in urkundlichen quellen aus dem nördlichen Harzvorland und aus Hamburg: von dem anderen (geld) scal he ... den herren en denest don unde scal en geven gose eder ander gut ber (Ilsenburg 1332) L. Fr. Höfer ausw. d. ält. urk. dt. sprache (1835) 257; die kämmereirechnungen der stadt Hamburg verzeichnen von 1350 bis 1400 ausgaben pro cerevisia et gosa missa dominis terrarum Martini bei Koppmann CXI; alse tom ersten enwille wii noch enschullen nicht gunnen effte staden, uppe unser stad win, embegksch bere effte gose to tappende (1476) urk.-buch d. st. Hildesheim 7, 562; van Hamborger, emeschen beyr, gose unde mummen (1482) ebda 8, 57; unde van juwelkem vate embekes beer efte eynem vat gose eynen gulden to der sise (Braunschweig 1514) städtechron. 16, 393; 3 gross. mariales dedi pro albis panibus, quando tuli gosam de Goslaria (1514) urk.-buch d. kl. Ilsenburg 2, 433. hier auch mehrfach unter den ausgaben 'pro infirmis et apotheca': 2 sneb. dedi pro gosa et aqua vite fratri Sandero (1520/21) 474. seit Fischart ist gose literarisch öfters belegt: magdeburgisch filtz, goszlarisch gause, quitschart khschwantz Garg. 86 ndr.;

kuhschwanz, Zerbster, Wurzner bier,
klatsche, duchstein, garley, gose
Chr. Weise überfl. ged. (1701) 344,

geister und riesen müssen ... euch in der irre herumführen ... ohne dasz ihr den labenden geruch der bratwurst empfindet, oder die dicke leimichte gose euch erquickt Zachariae poet. schr. (1763) 2, 200; da er ein paar gläser von Quedlinburger gose blos versucht hatte Jean Paul w. 1, 35 Hempel; (der gevattersmann) hat verschiedene quellen verkostet ... das Lichtenhainer bier in Jena, die Leipziger gose und das Berliner weiszbier B. Auerbach schatzkästl. (1856) 410; in einem kampf auf leben und tod mit dem furchtbaren getränke gose W. Raabe Abu Telfan (1870) 1, 3; (jener dienstmann) sah meiner meinung nach entfernt unserm Schleppfusz ähnlich ... übrigens stärker und dicker war er von der gose Th. Mann Faustus (1947) 224. —
 
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gosebier, n.: Scharlottenburjer josebier von Uhlichen oder Reichenkronen Brendicke Berliner wortsch. 129a. —
 
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gosenbruder, m.: 'liebhaber der gose' Albrecht Leipzig 124a. —
 
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gosezise, f., 'getränkesteuer auf gose': meyne upname: van goseczise Diderik Ridder 2 p. 8 s. (1457) urk.-buch d. st. Hildesheim 7, 636.
 
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gose, m., meist plur. gosen, 'privilegierter russ. kaufmann', auch gost, gosi. entlehnt aus russ. gost 'gast', aruss. auch 'fremder, angereister kaufmann', s. Vasmer russ. etym. wb. 1, 300; vgl. gosti (plur.) 'bevollmächtigte (stavlenniki) der regierung aus den reihen der reichen kaufleute' A. Tolstoi Peter d. erste (1947) 373 (deutsch 1951) 2, 51. zu erwägen ist einwirkung von chozjáin (gespr. chazjáin) 'wirt, herr', als eigentümer eines handlungshauses 'prinzipal' Pawlowsky russ.-dt. wb. (1911) 1701b: dann (folgten) die fürnembsten gosen oder kauffleute A. Olearius persian. reisebeschr. (1663) 133; gosen moscowitische kauffleute Apinus gloss. nov. (1728) 250; gose, plur. gosen, ein muskowitischer kauffmann Steinbach dt. wb. (1734) 1, 621; gosi, oder gost und gosen, bedeutet so viel, als ein

[Bd. 8, Sp. 977]


fremder oder gast. in Russland werden diejenigen kauffleute so genannt, welche ausserhalb landes ... im gantzen handeln Noël Chomel öcon. lex. 4 (1751) 1265; eigentlich aber verstehet man unter den gosen oder gosten nur diejenigen, welche für rechnung der krone handeln, und eigentlich die kaiserlichen factore sind Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 588; gosen ruszische kaufleute Schrader dt.-frz. wb. (1781) 1, 564.
 
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gose, gosse, f., priṣmatischer roheisenblock, massel. n-lose form für gleichbed. gans (s. d. II 4 d, teil 4, 1, 1, sp. 1265), auch ganz, gänze; vgl. gosseneisen, gossenstück: gose wird auf den nassauischen hüttenwerken die geschmolzene masse eisen genannt, die alle 6 stunden aus dem hohen ofen gelassen wird. die figur der gose ist von der auf andern hüttenwerken, wo sie gans heiszt, nicht verschieden Jacobsson technol. wb. 5 (1793) 722b; gose (auf den siegenschen und benachbarten eisenhütten) die masse von roheisen, welche alle 6 oder 8 stunden aus dem hochofen abgestochen oder abgelassen wird Blumhof eisenhüttenkunde (1817) 2, 472; gosse gar geblasenes eisenstück von prismatischer form (Siegerl. 1839) rhein. wb. 2, 1310; gōase ein längeres stück roheisen Heinzerling-Reuter Siegerl. 94b.
 
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göse, gösen, f. (m.), fischname, cyprinus jeses L., 'alant', s. gise teil 4, 1, 4, sp. 7566. vgl. schwed. gös 'lucioperca sandra', ä. schwed. gius, s. Falk-Torp 122: gösen oder jösen ein fisch, breitlich, schuppig, in flüssen, werden so grosz als karpen Frisch dt.-lat. (1741) 1, 361c; göse, f. Schwan nouv. dict. (1783) 1, 778a; Voigtel hdwb. 2 (1794) 116a; massen der göse am kopffe und auf dem rücken blaulicht siehet Döbel jägerpract. (1754) 4, 71.
 
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göselitz, m., fischname, cyprinus nasus, s. DWB gesen teil 4, 1, 2, sp. 4068, vgl. oben göse.
 
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gösen, gossen, vb., 'aufbrausen, gären', wohl zu gären (s. d. teil 4, 1, 1, sp. 1349), doch bleibt der zusammenhang dunkel gösen, giren effervescere, exspumare, ebullire, aufstoszen Schönsleder prompt. (1618) x 5a; v 8a; das jäsen, gieren oder blasen wird auch giessen oder gossen genennt, und solche jäst oder gäst bestehen in aufgetriebenen blasen ... wie man siehet bey dem neuen wein und jungen bier Harsdörffer teut. secr. (1656) 2, 670.
 
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gösger, m., münzname, s. DWB göszchen.
 
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gosler, m., münzname, s. DWB göszchen.

 

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