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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gösche bis gose (Bd. 8, Sp. 975 bis 976)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gösche, f., weiszer gänsefusz, chenopodium album L.: Danneil plattdt. wb. 68a; Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 935.
 
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goschel, guschel, n., s. göschlein.
 
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göschen, n., münzname, s. u. göszchen.
 
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goschengeher, m., unklar, vielleicht miszverstanden für gotscheber, gotschewer 'händler mit südfrüchten, meist aus Gotschee kommend' Unger-Khull steir. 298b; Loritza Wien 53a: ein goschengeher herbergte bei mir; der goschengeher soll zu Zeltschach zu hause sein (1839) bei Unger-Khull steir. 300.
 
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goschig, adj., 'mäulig', meist als zweites kompositionsglied: goschicht labiosus, prominula labra vel os diductum habens; groszgoschichter chilo Stieler stammb. (1691) 1018; lusgüschig vorlaut, losmäulig, vielgüschig losmäulig Müller-Fraureuth 1, 451b; goschat Lexer Kärnten 118; schaut den krumm-näsicht-groszgoschichten feister Wencel Scherffer geist- u. weltl. ged. (1652) 1, 408; aber du verliebst dich nicht in ein rothes koch (d. i. gericht), wol aber in die nechste roth-goschete köchin Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 752; vgl. grandgoschier Fischart Garg. 1 nach Rabelais' grandgousier.
 
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göschlein, göschel, guschel, n., diminutiv (meist kosewort) von gosche. im ostmd. auch 'kusz', s. DWB guschel teil 4, 1, 6, sp. 1196. altes l-suffix haben anscheinend die feminina gössel mund Mensing 2, 456 und guschel maul (als stärkerer ausdruck neben gosche) Reinwald Henneb. 53: ich denk mei bisl un hal mei gischl Göpfert sächs. Erzgeb. 92; a~ runds' göscherl muost hàbún Lexer Kärnten 118; göschl Schöpf Tirol 200. als kosewort für kinder, mädchen: mei guschel Müller-Fraureuth 1, 451a; göschele Martin-Lienhart elsäss. 1, 239a; goscherl, göscherl hübsches mädchen Jakob Wien 71b. dagegen: a gschliffenes goscherl 'eine schnippische person' ebda. ein artiges göschlein una bocchetta vezzosa e delicata Kramer t.-ital. 1 (1700) 549b:

guschel her! erquicke mich
mit den sonst gewohnten lippen
Stoppe erste samml. (1728) 164;

gnug, dasz sie mich ihr büfchen hiesz,
mir hand und guschel reicht'
und mir ein saftig schmätzchen liesz
Hagedorn poet. w. (1757) 3, 100;

o fläscherl, hübsch und fein,
mein schäzerl sollst du seyn;
will dich mit nassen blicken
oft an mein goscherl drücken
Schubart sämmtl. ged. (1825) 3, 82;

muszt du dein göscherl überall dabey haben? Hafner ges. lustsp. (1812) 2, 26;

ich war nicht faul und schwang mein schwert
und gab ihm eins aufs göschlein
Hoffmann v. Fallersleben ges. schr. (1890) 2, 257;

[Bd. 8, Sp. 976]


zwei kirschrote backerln,
zwei äugerln wie d'stern,
a naserl, a göscherl,
das z'samm' moacht a dern!
Anzengruber ges. w. (1890) 6, 77;

da ging eine schöne einher, die hatte ein bauschiges küttlein ... und ein scharfgewetztes göschlein Rosegger schr. (1895) II 15, 311.
 
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gose, f, ein weiszbier, ursprünglich wohl zu Goslar (an der Gose) gebraut. wahrscheinlich nach dem flusz benannt: Gose ... der flusz, wovon die stadt Goslar den namen hat, wie auch das bier die gose heiszt, so davon gebrauet wird Frisch t.-lat. (1741) 1, 361c; gose ist ein weiss b er, so in Quedlinburg gebrauet wird Noel Chomel öcon. lex. 4 (1751) 1265; gose gosslarisch bier Krünitz öconom. encycl. 19 (1780) 588; Voigtel wb. (1793) 2, 115b; Campe 2 (1808) 425a. das wort erscheint zuerst in urkundlichen quellen aus dem nördlichen Harzvorland und aus Hamburg: von dem anderen (geld) scal he ... den herren en denest don unde scal en geven gose eder ander gut ber (Ilsenburg 1332) L. Fr. Höfer ausw. d. ält. urk. dt. sprache (1835) 257; die kämmereirechnungen der stadt Hamburg verzeichnen von 1350 bis 1400 ausgaben pro cerevisia et gosa missa dominis terrarum Martini bei Koppmann CXI; alse tom ersten enwille wii noch enschullen nicht gunnen effte staden, uppe unser stad win, embegksch bere effte gose to tappende (1476) urk.-buch d. st. Hildesheim 7, 562; van Hamborger, emeschen beyr, gose unde mummen (1482) ebda 8, 57; unde van juwelkem vate embekes beer efte eynem vat gose eynen gulden to der sise (Braunschweig 1514) städtechron. 16, 393; 3 gross. mariales dedi pro albis panibus, quando tuli gosam de Goslaria (1514) urk.-buch d. kl. Ilsenburg 2, 433. hier auch mehrfach unter den ausgaben 'pro infirmis et apotheca': 2 sneb. dedi pro gosa et aqua vite fratri Sandero (1520/21) 474. seit Fischart ist gose literarisch öfters belegt: magdeburgisch filtz, goszlarisch gause, quitschart khschwantz Garg. 86 ndr.;

kuhschwanz, Zerbster, Wurzner bier,
klatsche, duchstein, garley, gose
Chr. Weise überfl. ged. (1701) 344,

geister und riesen müssen ... euch in der irre herumführen ... ohne dasz ihr den labenden geruch der bratwurst empfindet, oder die dicke leimichte gose euch erquickt Zachariae poet. schr. (1763) 2, 200; da er ein paar gläser von Quedlinburger gose blos versucht hatte Jean Paul w. 1, 35 Hempel; (der gevattersmann) hat verschiedene quellen verkostet ... das Lichtenhainer bier in Jena, die Leipziger gose und das Berliner weiszbier B. Auerbach schatzkästl. (1856) 410; in einem kampf auf leben und tod mit dem furchtbaren getränke gose W. Raabe Abu Telfan (1870) 1, 3; (jener dienstmann) sah meiner meinung nach entfernt unserm Schleppfusz ähnlich ... übrigens stärker und dicker war er von der gose Th. Mann Faustus (1947) 224. —
 
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gosebier, n.: Scharlottenburjer josebier von Uhlichen oder Reichenkronen Brendicke Berliner wortsch. 129a. —
 
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gosenbruder, m.: 'liebhaber der gose' Albrecht Leipzig 124a. —
 
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gosezise, f., 'getränkesteuer auf gose': meyne upname: van goseczise Diderik Ridder 2 p. 8 s. (1457) urk.-buch d. st. Hildesheim 7, 636.
 
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gose, m., meist plur. gosen, 'privilegierter russ. kaufmann', auch gost, gosi. entlehnt aus russ. gost 'gast', aruss. auch 'fremder, angereister kaufmann', s. Vasmer russ. etym. wb. 1, 300; vgl. gosti (plur.) 'bevollmächtigte (stavlenniki) der regierung aus den reihen der reichen kaufleute' A. Tolstoi Peter d. erste (1947) 373 (deutsch 1951) 2, 51. zu erwägen ist einwirkung von chozjáin (gespr. chazjáin) 'wirt, herr', als eigentümer eines handlungshauses 'prinzipal' Pawlowsky russ.-dt. wb. (1911) 1701b: dann (folgten) die fürnembsten gosen oder kauffleute A. Olearius persian. reisebeschr. (1663) 133; gosen moscowitische kauffleute Apinus gloss. nov. (1728) 250; gose, plur. gosen, ein muskowitischer kauffmann Steinbach dt. wb. (1734) 1, 621; gosi, oder gost und gosen, bedeutet so viel, als ein

[Bd. 8, Sp. 977]


fremder oder gast. in Russland werden diejenigen kauffleute so genannt, welche ausserhalb landes ... im gantzen handeln Noël Chomel öcon. lex. 4 (1751) 1265; eigentlich aber verstehet man unter den gosen oder gosten nur diejenigen, welche für rechnung der krone handeln, und eigentlich die kaiserlichen factore sind Krünitz öcon. encycl. 19 (1780) 588; gosen ruszische kaufleute Schrader dt.-frz. wb. (1781) 1, 564.

 

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