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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
görz bis göschchen (Bd. 8, Sp. 970 bis 971)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) görz, m., steirisches hohlmasz, bes. für getreide. unbekannter herkunft; seit der mitte des 12. jhs. bezeugt und noch heute in der ma. lebendig, vgl. Unger-Khull steir. 300. das geschlecht des wortes schwankt anfangs; z. t. tritt es latinisiert als fem. auf, daneben steht die form gorza für den acc. sing. u. plur.: due alie hobe utraque ... 3 gorzas silignis, et tres gorzas hophen, ad pastum porc (orum) 4 gorzas silignis et 5 avene, uterque (!) dimidium gorza fabe, utraque 1 gorzam salis bis cumulandam (1160) fontes rer. Austr. II 36, 18; 23 urnas braze, 1 gorza silignis ... pro vectura 6 gorza silignis et ovem cum agno ebda. ferner: sex mensuras que vulgo gorce dicuntur, tritici (1163) urk.-buch Steiermark 1, 447. wenn gorza und gorce deutsche formen sind, so wäre ein st. fem. vorauszusetzen, doch ist es unwahrscheinlich, dasz im bair. um 1160 noch volle endvokale geschrieben wurden (vgl. Schatz § 111 d). gleichfalls 1160 erscheint die endungslose form: ut sibi annuatim dentur ... 14 gorc tritici totidemque humbuli urk.-buch Steiermark 1, 408. wohl nicht neutr., sondern ein bemerkenswert früher (vgl. Wilmanns 3 § 213) flexionsloser plural bei maszbezeichnung; die im 13. jh. auftretende umlautsbezeichnung weist auf masc. i-stamm (vgl. DWB garz teil 4, 1, 1, sp. 1426): papaveris unum görz. frumenti 8 görz. avene 3 görz österr. urbare 1, 1, 209. noch im 14. jh. schwankt das genus: einen halbn gortz magen ... zwo gortzen chorns. drei gortz chorns österr. urbare 1, 1, 306. seit dem 15. jh. ist das masc. fest: item auch pringent 8 mässel ain görtz, item 6 mässel 1 viertail, item 6 gortz 1 mut, item 8 viertail auch ein mut allerlei traid österr. weist. 6, 270; zum neunten so soln im die nachparn ... ainer dem felthüeter ein görtz korn geben (1584) österr. weist. 6, 378; ein görz gestrichen tuet ongever ein khärnerischen halben vierling und ein mäszl, wirt von den untertonen in waiz, roggen und habern gupfter geben und machen vier gupfte fünf gestrichene görz ... gerichtsschäffel habern ist ein halber görz (1683) österr. weist. 10, 234; darumben sollen sie dem pothen geben zween görz hiersch (17. jh.) österr. weist. 6, 217. nach Unger-Khull steir. wortschatz 300 ist görz, gurz auch name eines weingartmaszes und eines flüssigkeitsmaszes.
 
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görzschaff, n., 'schaff, das einen görz faszt' Unger-Khull a. a. o.; vgl.: schaff und görz ist gleich in der masz (1638) österr. weist. 10, 234.
 
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gorzen, vb., s. DWB gurzen teil 4, 1, 6, sp. 1197.
 
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gos, f., nd. für gans, s. d. teil 4, 1, 1, sp. 1255.

[Bd. 8, Sp. 971]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gösch, f., 'kleine viereckige flagge, bugflagge'. aus gleichbed. nl. geus, f.; der auslaut zeigt einwirkung des nl. diminutivs geusje (mit palatalisiertem s), wie auch der endgültigen dt. form diminutivformen vorausgehen (s. unten). die herleitung des nl. wortes vom namen der wassergeusen ist nicht gesichert (vgl. woordenb. d. nederl. taal 4, 1883); engl. jack in den bed. 'kerl' und 'bugflagge' (vgl. Kluge-Götze [1951] 275a) kommt als parallele zu einem solchen ansatz nicht in betracht, da jack in letzterer bedeutung dunklen ursprungs und wohl eher in diminutivem sinne aufzufassen ist (verkürzt aus dem kompositum jack-flag 'kleine flagge', vgl. Murray 5, 536a u. 534c). das wort erscheint dt. zuerst als göschung: ebener massen (bezeigten) auch die alhier liegende englische, holländische und Hamburger schiffe, mit wehung ihrer flaggen und göschung zu halber stengen ihre condolentz traurige ztg. aus Cadix (1683) bei Kluge seemannsspr. 324. dann, in deutlichen lehnformen: des tages läst man das geesge hinten von der campagne wehen d. geöffnete seehafen (1702) 7; das geusje, oder die von der boegspriet abwehende kleine flagge ebda 33; wann nun der admiral den andern schiffen etwas kund machen ... will, ... so wird an das fall ein geusgen oder wimpel festgemacht ebda 94. lexikalisch gebucht seit 1751: geusge sind in der see-fahrt die von dem bogspriet abwehende flaggen Noel Chomel öconom. lex. 4 (1751) 1030; Eggers kriegslex. (1757) 1, 1048; gosche Jacobsson technol. wb. 5 (1793) 722b s. v. goschestock; gösch Röding allg. wb. d. marine (1793) 1, 665; der gösch Bobrik naut wb. (1850) 318b. in allgemeinen wbb. seit Soltau: die gösch, gösche 'eine kleine viereckige flagge vorn auf der spitze des bugspriets oder des klüverbaums' beiträge (1806) 33a; Campe 2 (1808) 424b. seit der mitte des 19. jhs. stimmte die gösch der deutschen reichsflotte heraldisch mit dem oberen felde (am stock) der kriegsflagge überein (vgl. R. Siegel die flagge [1912] 236 ff.); da dieses feld sehr hervorstach und wie eine abbildung der gösch auf der flagge wirkte, konnte es leicht selbst als gösch bezeichnet werden: aus der verwendung des oberecks der kriegsflagge als gösch ist in Deutschland die an und für sich falsche bezeichnung gösch für das obereck der jetzigen deutschen kriegs- und handelsflagge entstanden d. gr. Brockhaus 7 (1930) 504b. —
 
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göschgast, m.: der matrose, welcher dieselbe (= die gösch) in verwahrung hat, wird der göschgast genannt Röding allg. wb. d. marine (1793) 1, 665; göschgast der matrose, welcher die aufbewahrung und besorgung der gösch hat Bobrik naut. wb. (1850) 318b (gasten sind matrosen in einem bestimmten dienst, s. Kluge seemannsspr. 301). —
 
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göschhalter, m.: eiserner halter am bugspriet oder am steven für den göschstock (s. d.) Stenzel dt. seemänn. wb. (1904) 150b. —
 
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göschknopf, m.: der flaggenknopf am göschstock Stenzel a. a. o. 150b. —
 
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göschstock, m.: göschestock die flaggenstange, von der kleinen flagge, die daselbst wehet, und die man gosche nennt Jacobsson technol. wb. (1793) 5, 722b; göschstock der stab, welcher am eselshoofd des bugspriets senkrecht festgesteckt wird, um den gösch daran wehen zu lassen Bobrik naut. wb. (1850) 318b.
 
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gösch, m., pflanzenname, mecklenb. und schlesw.-holst. nebenform von giersch (s. teil 4, 1, 4, sp. 7388), 'geiszfusz', aegopodium podagraria L., s. Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 125 f.
 
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göschchen, n., diminutiv (kosewort) von gosche: Regel Ruhla 198; Schröer maa. d. ungr. berglandes 55; göschichen (mäulichen) Zesen verm. helikon (1656) 3, K 3b; da sie aber zu mir kam und ihr kirschenrothes mäulgen aufthat (dazu la.: mäulgen oder göschgen) Grimmelshausen 2, 11 Keller.

 

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