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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gorr bis görz (Bd. 8, Sp. 968 bis 970)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gorr, gorre, f., m., 'pferd', s. DWB gurre teil 4, 1, 6, sp. 1161.
 
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gorren, vb., von knurrenden und ähnlichen geräuschen, selten für sonst übliches gurren teil 4, 1, 6,

[Bd. 8, Sp. 969]


sp. 1165; zu den dort verzeichneten belegen aus Frisch t.-lat. wb. 1, 361b und Luther 16, 279 W. noch: (der sohn des schultheiszen) fieng an also laut zu singen, oder vielmehr zu görren, dasz dem könig gehör und gesicht darüber vergieng grillenvertreiber (1670) 1, 93. vgl. auch gorren rhein. wb. 2, 1307.
 
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gorse, f. , die ammer, name der vogelfamilie emberiza. hierzu gürsche teil 4, 1, 6, sp. 1167. im nl. ist gors, f., als simplex und in mehreren kompositen für einzelne ammerarten lebendig. dt. ist das simplex schwach und nur frühnhd. als gorse, gurse bezeugt (s. DWB gürsche). in zusammensetzungen begegnen z. t. abweichende formen:
1) gelgorse, gelgorst, daneben gheylgeerss, gelgerst (vgl. DWB gelbgorse teil 4, 1, 2, sp. 2886) emberiza citrinella L., die goldammer (auch der grünfink): (der vogel emberiza flava) wirdt ein embritz ... ein gilbling, gilberschen, kornvogel und geelgorst genennt Heuszlin Gesners vogelb. (1557) 224b; (Turner und Longolius nennen den vogel) chloreum ein gälgorss, welchen ich für einen embritzen halt und für den, so von Saxen wonitz genennt werde ebda 68b. — in den frühnhd. vokabularien in oft unsicherer deutung verschiedener lat. vogelnamen: puristus gelegose (nd.), pitricus gellegrasse (nd. 1420) Diefenbach gl. 413c s. v. paristulus; hicter gheylgeerss Tortellius vocabulorum gemma (1495) k 4a; geylgoerse gemma gemm. (1512) k 3a; passer spermologus gälgorst Frisius nomencl. lat.-germ. (1556) 58b; quidam eam (den vogel galgulus) Germanorum emmerling, quidam wildwol esse putant; ego eam esse conicio, quam vocamus geelgorst Eber-Peucer voc. rei num. (1558) f 4b; galbula wildwol, geelgorst Frischlin nomencl. (1586) 59a; gelgerst gelbling, goldaimerling Henisch teutsche spr. (1616) 1453. — mundartlich nur im niederdt., meist in volksetymol. umdeutung als 'gelbgans' (s. teil 4, 1, 2, sp. 2885), 'gelbgänschen' aufgefaszt: chloris grnfinck edder gelgscken Chyträus nomencl. (1585) 363; galbula ein goldammer oder grndschling, die Meckelburger nennens gele göszlichen oder gele gosichten Coler öcon. ruralis (1645) 621; gelegos Woeste westf. 74a; gälgous Kück Lüneburg 1, 536; Mi Mecklenb. 26; gelgösken Böning Oldenburg 37; brem.-nieders. wb. 2, 494; gelgöschen Mensing schlesw.-holst. wb. 2, 343; Dähnert plattdt. wb. 146a; Gutzeit Livl. 1, 334a; gääl göösch 'gelber hänfling' Hönig Köln 68;

jung, smit mi nich mit steen un strünk
hier vör min schündör up de lünk
un up de lütt gälgösch!
John Brinckman vagel grip (1924) 60.

neben diesen umdeutungen und verstreuten lautlichen abweichungen hält sich ripuar.-siegerl. jäljüersch, -giersch rhein. wb. 2, 1501 s. v. gürsche (auch hier in komposition oder fester attributiver verbindung mit gelb-) sowie in resten altmärk. und schles. gelgerst: Danneil 60a; Floericke in: ornithol. jb. 2 (1891) 57.
2) formal zu (gel-) gerst stimmen folgende namen der grauammer bzw. goldammer: gerstling, m., emberiza calandra L., 'grauammer', in der Mark Brandenburg und in Schlesien: Schalow in: dt. ornithol. ges. (1919) 497; Floericke a. a. o.
 
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gerstammer (s. teil 4, 1, 2, sp. 3733) 'grauammer': gersthammer passer magnus Eber-Peucer voc. rei num. (1558) g 2b; passer silvestris magnus Faber thes. (1587) 594b; Henisch teutsche spr. (1616) 1522; Floericke a. a. o.; südnfrk. steht gersthammel 'goldammer' gleichbed. gürschhammel gegenüber (wie auch nordripuar. gerstdutz: gürschdutz) rhein. wb. 2, 1202 u. 1502; siebenbürg. giarsthamel 'gerstenammer' Kisch Nösner wörter 60. —
 
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gerstvogel (s. d. teil 4, 1, 2, sp. 3741) 'grauammer' Schalow a. a. o.; Floericke a. a. o.; gerstenvogel 'goldammer' Martin-Lienhart elsäss. 1, 100. — zusammen mit gelgerst, gelgerse weisen diese bildungen auf eine grundform gerst (gerse) gegenüber schwundstufigem gorse, gorst. der vogelname rückt dadurch in auffällige lautliche nähe der sippe gerste 'hordeum': ags. gorst, gors, nengl. gorse 'stech-ginster'; jedoch ist ein engeres semantisches verhältnis nicht nachweisbar. die beziehung auf gerste in gerstvogel usw. ist jedenfalls sekundär.

[Bd. 8, Sp. 970]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gorsperich, m., pflanzenname, avena fatua L., 'flughafer': Nemnich wb. d. naturgesch. 204; Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 51; Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 529.
 
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gorte, f., nd. für grütze, s. d. teil 4, 1, 6, sp. 1019 und 3gurt sp. 1173. hierher gehört auch die folgende form (mit affriziertem dental, wohl unter einflusz der beim dt. orden gebräuchlichen hd. lautung, vgl. DWB grütze 1 a): item 16 scot vor eine tonne gorce (1411) acten d. ständetage Preussens 1, 175. —
 
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gorteseller, m., 'grützverkäufer': dat desulven unbelenden gorteseller mit dem roggen unde nicht mit den haver schepel mate gorte sellen unde vorkopen, ock dat se gorte bynnen Lübeke kopen unde weder uth sellen (1481) Wehrmann Lübeck. zunftrollen (1872) 223. vgl. DWB sellen teil 10, sp. 538.
 
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gortel, m., s. DWB gürtel teil 4, 1, 6, sp. 1173.
 
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görtling, m., name einer niedersächsischen groschenmünze, im 16. jh. auf verschiedene kleinere norddeutsche münzen übertragen. sonst körtling, s. d. teil 5, sp. 1841; Halke münzkunde 158a; Schrötter münzkunde 313. die etymol. zugehörigkeit ist unbekannt. abkunft von nd. kort 'kurz' (Schrötter) oder von mnd. grôte 'groschen' (Halke) ist wegen des wechselnden anlauts fraglich: as ein görtling oder dreyer Faber thes. (1587) 85a; görtling obolus westphalicus Apinus gloss. nov. (1728) 250; görtling, m., eine westfälische scheidemünze Heinsius wb. 2, 502a.
 
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görz, m., steirisches hohlmasz, bes. für getreide. unbekannter herkunft; seit der mitte des 12. jhs. bezeugt und noch heute in der ma. lebendig, vgl. Unger-Khull steir. 300. das geschlecht des wortes schwankt anfangs; z. t. tritt es latinisiert als fem. auf, daneben steht die form gorza für den acc. sing. u. plur.: due alie hobe utraque ... 3 gorzas silignis, et tres gorzas hophen, ad pastum porc (orum) 4 gorzas silignis et 5 avene, uterque (!) dimidium gorza fabe, utraque 1 gorzam salis bis cumulandam (1160) fontes rer. Austr. II 36, 18; 23 urnas braze, 1 gorza silignis ... pro vectura 6 gorza silignis et ovem cum agno ebda. ferner: sex mensuras que vulgo gorce dicuntur, tritici (1163) urk.-buch Steiermark 1, 447. wenn gorza und gorce deutsche formen sind, so wäre ein st. fem. vorauszusetzen, doch ist es unwahrscheinlich, dasz im bair. um 1160 noch volle endvokale geschrieben wurden (vgl. Schatz § 111 d). gleichfalls 1160 erscheint die endungslose form: ut sibi annuatim dentur ... 14 gorc tritici totidemque humbuli urk.-buch Steiermark 1, 408. wohl nicht neutr., sondern ein bemerkenswert früher (vgl. Wilmanns 3 § 213) flexionsloser plural bei maszbezeichnung; die im 13. jh. auftretende umlautsbezeichnung weist auf masc. i-stamm (vgl. DWB garz teil 4, 1, 1, sp. 1426): papaveris unum görz. frumenti 8 görz. avene 3 görz österr. urbare 1, 1, 209. noch im 14. jh. schwankt das genus: einen halbn gortz magen ... zwo gortzen chorns. drei gortz chorns österr. urbare 1, 1, 306. seit dem 15. jh. ist das masc. fest: item auch pringent 8 mässel ain görtz, item 6 mässel 1 viertail, item 6 gortz 1 mut, item 8 viertail auch ein mut allerlei traid österr. weist. 6, 270; zum neunten so soln im die nachparn ... ainer dem felthüeter ein görtz korn geben (1584) österr. weist. 6, 378; ein görz gestrichen tuet ongever ein khärnerischen halben vierling und ein mäszl, wirt von den untertonen in waiz, roggen und habern gupfter geben und machen vier gupfte fünf gestrichene görz ... gerichtsschäffel habern ist ein halber görz (1683) österr. weist. 10, 234; darumben sollen sie dem pothen geben zween görz hiersch (17. jh.) österr. weist. 6, 217. nach Unger-Khull steir. wortschatz 300 ist görz, gurz auch name eines weingartmaszes und eines flüssigkeitsmaszes.

 

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