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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
görpsen bis görtling (Bd. 8, Sp. 968 bis 970)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) görpsen, gorpsen, gurpsen, vb., aufstoszen, rülpsen: eructare grbsen (obd. 16. jh.) Diefenbach gl. 209b; ructari aues grpsen das man schmckt, dasz einer vogel habe gessen Frisius dict. (1556) 1167b; gorpsen Kilian (1605) 156b. literarisch vor allem im 16. jh. belegt:

yetz bedrfft ich schier der apoteg,
das mirs görpsen vergieng (1535) schweiz. schausp. 1, 233 Bächtold;

es hebt an ein grimmen vnd reissen im bauch, ... frdert zum erbrechen, zum gorpsen Paracelsus bücher u. schr. (1589) 4, 235. mundartlich heute obd., bes. alem. belegt: görpsen, gorpsen, gurpsen schweiz. id. 2, 428; Martin-Lienhart 1, 233a; Schmeller-Fr. 1, 937; schweiz. auch mit langem vokal: gōrpse(n), vgl. Baumgartner Berner Seeland 78; Beck Markgräfler ma. 119; Miget Toggenburger maa. 36. — nebenformen und synonyma: göppitzen, gorken, grölpsen, grölzen, gurgsen, gurzen, koppen, köppeln, koppezen (s. überall dort) erklären sich aus dem lautmalenden charakter des wortes.dazu als nomen agentis görpser, m. 'ructator' Frisius dict. (1556) 1167; mit movierung görpserin, f. 'ructatrix' Maaler teutsch spr. (1561) 188d.
 
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gorr, gorre, f., m., 'pferd', s. DWB gurre teil 4, 1, 6, sp. 1161.
 
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gorren, vb., von knurrenden und ähnlichen geräuschen, selten für sonst übliches gurren teil 4, 1, 6,

[Bd. 8, Sp. 969]


sp. 1165; zu den dort verzeichneten belegen aus Frisch t.-lat. wb. 1, 361b und Luther 16, 279 W. noch: (der sohn des schultheiszen) fieng an also laut zu singen, oder vielmehr zu görren, dasz dem könig gehör und gesicht darüber vergieng grillenvertreiber (1670) 1, 93. vgl. auch gorren rhein. wb. 2, 1307.
 
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gorse, f. , die ammer, name der vogelfamilie emberiza. hierzu gürsche teil 4, 1, 6, sp. 1167. im nl. ist gors, f., als simplex und in mehreren kompositen für einzelne ammerarten lebendig. dt. ist das simplex schwach und nur frühnhd. als gorse, gurse bezeugt (s. DWB gürsche). in zusammensetzungen begegnen z. t. abweichende formen:
1) gelgorse, gelgorst, daneben gheylgeerss, gelgerst (vgl. DWB gelbgorse teil 4, 1, 2, sp. 2886) emberiza citrinella L., die goldammer (auch der grünfink): (der vogel emberiza flava) wirdt ein embritz ... ein gilbling, gilberschen, kornvogel und geelgorst genennt Heuszlin Gesners vogelb. (1557) 224b; (Turner und Longolius nennen den vogel) chloreum ein gälgorss, welchen ich für einen embritzen halt und für den, so von Saxen wonitz genennt werde ebda 68b. — in den frühnhd. vokabularien in oft unsicherer deutung verschiedener lat. vogelnamen: puristus gelegose (nd.), pitricus gellegrasse (nd. 1420) Diefenbach gl. 413c s. v. paristulus; hicter gheylgeerss Tortellius vocabulorum gemma (1495) k 4a; geylgoerse gemma gemm. (1512) k 3a; passer spermologus gälgorst Frisius nomencl. lat.-germ. (1556) 58b; quidam eam (den vogel galgulus) Germanorum emmerling, quidam wildwol esse putant; ego eam esse conicio, quam vocamus geelgorst Eber-Peucer voc. rei num. (1558) f 4b; galbula wildwol, geelgorst Frischlin nomencl. (1586) 59a; gelgerst gelbling, goldaimerling Henisch teutsche spr. (1616) 1453. — mundartlich nur im niederdt., meist in volksetymol. umdeutung als 'gelbgans' (s. teil 4, 1, 2, sp. 2885), 'gelbgänschen' aufgefaszt: chloris grnfinck edder gelgscken Chyträus nomencl. (1585) 363; galbula ein goldammer oder grndschling, die Meckelburger nennens gele göszlichen oder gele gosichten Coler öcon. ruralis (1645) 621; gelegos Woeste westf. 74a; gälgous Kück Lüneburg 1, 536; Mi Mecklenb. 26; gelgösken Böning Oldenburg 37; brem.-nieders. wb. 2, 494; gelgöschen Mensing schlesw.-holst. wb. 2, 343; Dähnert plattdt. wb. 146a; Gutzeit Livl. 1, 334a; gääl göösch 'gelber hänfling' Hönig Köln 68;

jung, smit mi nich mit steen un strünk
hier vör min schündör up de lünk
un up de lütt gälgösch!
John Brinckman vagel grip (1924) 60.

neben diesen umdeutungen und verstreuten lautlichen abweichungen hält sich ripuar.-siegerl. jäljüersch, -giersch rhein. wb. 2, 1501 s. v. gürsche (auch hier in komposition oder fester attributiver verbindung mit gelb-) sowie in resten altmärk. und schles. gelgerst: Danneil 60a; Floericke in: ornithol. jb. 2 (1891) 57.
2) formal zu (gel-) gerst stimmen folgende namen der grauammer bzw. goldammer: gerstling, m., emberiza calandra L., 'grauammer', in der Mark Brandenburg und in Schlesien: Schalow in: dt. ornithol. ges. (1919) 497; Floericke a. a. o.
 
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gerstammer (s. teil 4, 1, 2, sp. 3733) 'grauammer': gersthammer passer magnus Eber-Peucer voc. rei num. (1558) g 2b; passer silvestris magnus Faber thes. (1587) 594b; Henisch teutsche spr. (1616) 1522; Floericke a. a. o.; südnfrk. steht gersthammel 'goldammer' gleichbed. gürschhammel gegenüber (wie auch nordripuar. gerstdutz: gürschdutz) rhein. wb. 2, 1202 u. 1502; siebenbürg. giarsthamel 'gerstenammer' Kisch Nösner wörter 60. —
 
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gerstvogel (s. d. teil 4, 1, 2, sp. 3741) 'grauammer' Schalow a. a. o.; Floericke a. a. o.; gerstenvogel 'goldammer' Martin-Lienhart elsäss. 1, 100. — zusammen mit gelgerst, gelgerse weisen diese bildungen auf eine grundform gerst (gerse) gegenüber schwundstufigem gorse, gorst. der vogelname rückt dadurch in auffällige lautliche nähe der sippe gerste 'hordeum': ags. gorst, gors, nengl. gorse 'stech-ginster'; jedoch ist ein engeres semantisches verhältnis nicht nachweisbar. die beziehung auf gerste in gerstvogel usw. ist jedenfalls sekundär.

[Bd. 8, Sp. 970]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gorsperich, m., pflanzenname, avena fatua L., 'flughafer': Nemnich wb. d. naturgesch. 204; Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 51; Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 529.
 
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gorte, f., nd. für grütze, s. d. teil 4, 1, 6, sp. 1019 und 3gurt sp. 1173. hierher gehört auch die folgende form (mit affriziertem dental, wohl unter einflusz der beim dt. orden gebräuchlichen hd. lautung, vgl. DWB grütze 1 a): item 16 scot vor eine tonne gorce (1411) acten d. ständetage Preussens 1, 175. —
 
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gorteseller, m., 'grützverkäufer': dat desulven unbelenden gorteseller mit dem roggen unde nicht mit den haver schepel mate gorte sellen unde vorkopen, ock dat se gorte bynnen Lübeke kopen unde weder uth sellen (1481) Wehrmann Lübeck. zunftrollen (1872) 223. vgl. DWB sellen teil 10, sp. 538.
 
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gortel, m., s. DWB gürtel teil 4, 1, 6, sp. 1173.
 
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görtling, m., name einer niedersächsischen groschenmünze, im 16. jh. auf verschiedene kleinere norddeutsche münzen übertragen. sonst körtling, s. d. teil 5, sp. 1841; Halke münzkunde 158a; Schrötter münzkunde 313. die etymol. zugehörigkeit ist unbekannt. abkunft von nd. kort 'kurz' (Schrötter) oder von mnd. grôte 'groschen' (Halke) ist wegen des wechselnden anlauts fraglich: as ein görtling oder dreyer Faber thes. (1587) 85a; görtling obolus westphalicus Apinus gloss. nov. (1728) 250; görtling, m., eine westfälische scheidemünze Heinsius wb. 2, 502a.

 

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