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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gorken bis gorse (Bd. 8, Sp. 967 bis 969)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gorken, vb., lautnachahmende bildung, vgl. DWB gorgen, gurgen; etwa 'aufstoszen, erbrechen':

(der trinker)
frist doch nicht anders wie ein schwein;
sitzt hindern tisch, hebt an zu gorcken,
bisz er herausz wirfft grobe brocken
Kirchhof wendunmuth 4, 189 lit. ver.

vgl. DWB garken s. v. garren 3 b, teil 4, 1, 1, sp. 1374.
 
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gorl, m., umsponnenes besatzgarn. vielleicht aus kordel, frz. cordelle: 'gorlspitzen seynd eine absonderliche art von weissen spitzen, wo die blumen an statt des spitzenbändleins mit runden gedreheten gorl umleget, und von innen mit allerhand spitzen-stichen ausgefüllet werden' Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 676; 'gorl ist eine gewisse art eines starcken runden gedreheten fadens, dessen man sich zu auszierung allerley nähderwercke bedienet' allg. öcon. lex. (1731) 846; Adelung versuch e. wb. 2 (1775) 751; Campe 2 (1808) 424b; gorl cordula, bindfaden, schnur Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 272; gimpe (gorl) als besatz dienende baumwollfäden, die auf der fadenmühle mit farbiger seide übersponnen werden Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 669. dazu: gorlbesatz, m.: ob die spitzen oder die maschinenstickereien den gorl- und perlenbesatz aus dem felde schlagen werden, ist jedenfalls noch nicht ganz entschieden Leipz. tagebl. (1831) 25, 582; —
 
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-näherei, f.: während die gorlnäherei und perlenstickerei noch vor wenig wochen in schönster blüthe stand, ist jetzt nur wenig nachfrage mehr nach derartigen besatzartikeln Leipz. tagebl. a. a. o.; —
 
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-spitze, f., (s. oben unter gorl): Frisch t.-lat. (1741) 1, 361b; Adelung, Campe a. a. o.; gorlspitze breite geklöppelte gimpe Lueger lex d. ges. techn. (1894) 4, 669;

du liebest nur gespinst, und prave gorell-spitzen
Spindler unschuldige jugendfrüchte (1745) 154.

[Bd. 8, Sp. 968]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) görlein, n., sium sisarum L., zuckerwurz, früher in Südwestdeutschland als gemüsepflanze angebaut: von pastenei, mren, roten ruben vnd grlin oder zam rapuntzel Sebiz feldbau (1579) 198; görlin, gerlin u. ä. Tabernaemontanus (1588) 246b; görlin sisarum Marperger kauffm.-magazin (1708) 548; zuckerwurzel görlein Popowitsch (1780) 645; Nemnich wb. d. naturgesch. 204; bei Pritzel-Jessen 380 görlein für Franken und Thüringen gebucht. lexikalisch hat sich görlein gegenüber den formen gierlein, geierlein (teil 4, 1, 4, sp. 7385; teil 4, 1, 2, sp. 2562) u. a. durchgesetzt: das görlein eine in einigen gegenden übliche benennung der zuckerwurzel Adelung 2 (1775) 751b; Campe 2, 424b; görlein zuckerwurzel Schaffer dt.-frz. 1 (1836) 755a.
 
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gornard, m., nordseefisch aus der fam. der triglidae, knurrhahn (trigla hirundo), grauer knurrhahn (trigla gurnardus L.). afrz. gornart (selten) Wartburg franz. etymol. wb. 4, 291b s. v. grundire; engl. gurnard (seit 1314 bezeugt) Murray 4, 516b. dt. nur in gelehrten werken des 16. und 17. jhs.: cuculus generis nomine appelletur ein redfisch ... hirundo et milvus fliegende redfische ... lyra ein gornart oder seehan oder seehasz C. Gesner hist. anim. 4 (21620) 307; κόκκυξ cuculus gornardt, rotbart Frischlin nomencl. triling. (1586) 64b; lyra ein gornart oder seehan oder seehas Faber thes. (1587) 1020b s. v. cuculus. das wort scheint aus dem nl., wo es wohl nur zufällig nicht bezeugt ist, übernommen zu sein; vgl. die hinweise bei Gesner: aut cuculus est, aut cuculo simillimus ... piscis, quem inferiores Germani gornart vel grnrt appellant a. a. o.; inferiores Germani ut Frisii et Hollandi, squillae speciem quandam parvam, vocant garnart, gernart. gornard vero piscis est e genere τῶν λυροειδῶν a. a. o. 911. jedoch ist hier keine gewiszheit zu erlangen, da im ersten falle der name des knurrhahns mit dem der garnele (garnaerd squilla gibba Kilian [1605] 124a) verwechselt wird, im zweiten zwar die namen unterschieden werden, aber die angabe der herkunft nicht ohne weiteres auch auf gornard bezogen werden kann.
 
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görps, gorps, gurps, m., ructus, rülps; zu görpsen (s. d.); vgl.grps Cholinus-Frisius dict. (1541) 768b; görbs Hulsius-Ravellus t.-frz.-it. (1616) 143b; gurps Junius nomencl. (1567) 455a: vil görpsen sind ein anzeigung der vertöuwung Frisius dict. (1556) 1167b s. v. ructus; gorps Kilian (1605) 156b; ein görpsen lassen Hulsius dict. (1618) 2, 342b; die aufsteigenden dmpff vnd grpsen sind sauwer Ruoff hebammenb. (1580) 137. in den heutigen maa. nur obd., meist ohne umlaut, vgl. schweiz. id. 2, 428.
 
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görpsen, gorpsen, gurpsen, vb., aufstoszen, rülpsen: eructare grbsen (obd. 16. jh.) Diefenbach gl. 209b; ructari aues grpsen das man schmckt, dasz einer vogel habe gessen Frisius dict. (1556) 1167b; gorpsen Kilian (1605) 156b. literarisch vor allem im 16. jh. belegt:

yetz bedrfft ich schier der apoteg,
das mirs görpsen vergieng (1535) schweiz. schausp. 1, 233 Bächtold;

es hebt an ein grimmen vnd reissen im bauch, ... frdert zum erbrechen, zum gorpsen Paracelsus bücher u. schr. (1589) 4, 235. mundartlich heute obd., bes. alem. belegt: görpsen, gorpsen, gurpsen schweiz. id. 2, 428; Martin-Lienhart 1, 233a; Schmeller-Fr. 1, 937; schweiz. auch mit langem vokal: gōrpse(n), vgl. Baumgartner Berner Seeland 78; Beck Markgräfler ma. 119; Miget Toggenburger maa. 36. — nebenformen und synonyma: göppitzen, gorken, grölpsen, grölzen, gurgsen, gurzen, koppen, köppeln, koppezen (s. überall dort) erklären sich aus dem lautmalenden charakter des wortes.dazu als nomen agentis görpser, m. 'ructator' Frisius dict. (1556) 1167; mit movierung görpserin, f. 'ructatrix' Maaler teutsch spr. (1561) 188d.
 
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gorr, gorre, f., m., 'pferd', s. DWB gurre teil 4, 1, 6, sp. 1161.
 
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gorren, vb., von knurrenden und ähnlichen geräuschen, selten für sonst übliches gurren teil 4, 1, 6,

[Bd. 8, Sp. 969]


sp. 1165; zu den dort verzeichneten belegen aus Frisch t.-lat. wb. 1, 361b und Luther 16, 279 W. noch: (der sohn des schultheiszen) fieng an also laut zu singen, oder vielmehr zu görren, dasz dem könig gehör und gesicht darüber vergieng grillenvertreiber (1670) 1, 93. vgl. auch gorren rhein. wb. 2, 1307.
 
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gorse, f. , die ammer, name der vogelfamilie emberiza. hierzu gürsche teil 4, 1, 6, sp. 1167. im nl. ist gors, f., als simplex und in mehreren kompositen für einzelne ammerarten lebendig. dt. ist das simplex schwach und nur frühnhd. als gorse, gurse bezeugt (s. DWB gürsche). in zusammensetzungen begegnen z. t. abweichende formen:
1) gelgorse, gelgorst, daneben gheylgeerss, gelgerst (vgl. DWB gelbgorse teil 4, 1, 2, sp. 2886) emberiza citrinella L., die goldammer (auch der grünfink): (der vogel emberiza flava) wirdt ein embritz ... ein gilbling, gilberschen, kornvogel und geelgorst genennt Heuszlin Gesners vogelb. (1557) 224b; (Turner und Longolius nennen den vogel) chloreum ein gälgorss, welchen ich für einen embritzen halt und für den, so von Saxen wonitz genennt werde ebda 68b. — in den frühnhd. vokabularien in oft unsicherer deutung verschiedener lat. vogelnamen: puristus gelegose (nd.), pitricus gellegrasse (nd. 1420) Diefenbach gl. 413c s. v. paristulus; hicter gheylgeerss Tortellius vocabulorum gemma (1495) k 4a; geylgoerse gemma gemm. (1512) k 3a; passer spermologus gälgorst Frisius nomencl. lat.-germ. (1556) 58b; quidam eam (den vogel galgulus) Germanorum emmerling, quidam wildwol esse putant; ego eam esse conicio, quam vocamus geelgorst Eber-Peucer voc. rei num. (1558) f 4b; galbula wildwol, geelgorst Frischlin nomencl. (1586) 59a; gelgerst gelbling, goldaimerling Henisch teutsche spr. (1616) 1453. — mundartlich nur im niederdt., meist in volksetymol. umdeutung als 'gelbgans' (s. teil 4, 1, 2, sp. 2885), 'gelbgänschen' aufgefaszt: chloris grnfinck edder gelgscken Chyträus nomencl. (1585) 363; galbula ein goldammer oder grndschling, die Meckelburger nennens gele göszlichen oder gele gosichten Coler öcon. ruralis (1645) 621; gelegos Woeste westf. 74a; gälgous Kück Lüneburg 1, 536; Mi Mecklenb. 26; gelgösken Böning Oldenburg 37; brem.-nieders. wb. 2, 494; gelgöschen Mensing schlesw.-holst. wb. 2, 343; Dähnert plattdt. wb. 146a; Gutzeit Livl. 1, 334a; gääl göösch 'gelber hänfling' Hönig Köln 68;

jung, smit mi nich mit steen un strünk
hier vör min schündör up de lünk
un up de lütt gälgösch!
John Brinckman vagel grip (1924) 60.

neben diesen umdeutungen und verstreuten lautlichen abweichungen hält sich ripuar.-siegerl. jäljüersch, -giersch rhein. wb. 2, 1501 s. v. gürsche (auch hier in komposition oder fester attributiver verbindung mit gelb-) sowie in resten altmärk. und schles. gelgerst: Danneil 60a; Floericke in: ornithol. jb. 2 (1891) 57.
2) formal zu (gel-) gerst stimmen folgende namen der grauammer bzw. goldammer: gerstling, m., emberiza calandra L., 'grauammer', in der Mark Brandenburg und in Schlesien: Schalow in: dt. ornithol. ges. (1919) 497; Floericke a. a. o.

 

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