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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
görig bis görps (Bd. 8, Sp. 966 bis 968)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) görig, adj. zu 2göre, f. (s. d.), in gärung befindlich; duftig, schmackhaft, bes. vom wein. nd. und gelegentlich md., in den formen görig Berghaus sprachsch. d. Sassen 1, 598; Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 665; gərΧ Gerbet Vogtland 245; gürig rhein. wb. 2, 1497; nl. geurig woordenboek 4, 1877: göhrgen rassewein Sanders erg. wb. 220b. älteres göhrig 'verdorben' Stürenburg ostfries. 72 steht vielleicht unter einflusz von nl. goor I 'modderig, slijkig' woordenboek 5, 418 (vgl.goor riecken 'stincken' Kilian [1599] 156b), das zu ahd. gor 'fimus' (s. DWB gor) gehört.
 
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gorilla, m., pl. gorillas; älter auch gorill, pl. gorillen, zur familie der menschenaffen gehörige affenart, vgl. Brehm tierleben 413, 677. das wohl aus einer westafrikanischen eingeborenensprache stammende wort begegnet zuerst in einer griechischen übersetzung von Hannos 'periplus' (5. jh. v. Chr.): (auf einer insel an der westküste Afrikas waren wilde menschen,) ἅς οἱ ἑρμηνέες ἐκάλουν Γορίλλας bei C. Müller geogr. Graeci min. (1855) 1, 13. seit dem ersten druck des griech. 'periplus' Basel 1533 findet sich das wort in mehreren späteren griech. ausgaben und lat. übersetzungen (vgl. Müller a. a. o. xxxii) im zusammenhang der zitierten stelle; vor einer engl. (1797) in einer dt. übersetzung: eine ... insel, die mit einer menge von wilden besetzt war. die mehresten derselben waren weiber, die rauhe leiber hatten. unsere dollmetscher nannten sie gorillen (C. A. Schmid) Arrians ind. merkwürdigk. u. Hannons seereise (1764) 161. nach Pauly-Wissowa realencycl. 7 [1912] 1595 musz man die γορίλλας des Hanno

[Bd. 8, Sp. 967]


auf einen Pygmäenstamm beziehen, nach Hartmann der gorilla (1880) 1 auf schimpansen, nach Brehm a. a. o. vielleicht auf paviane. — Savage in: Boston journ. of nat. hist. 5 (1847) 417 benennt erstmals mit dem der überlieferung des 'periplus' entnommenen wort eine in Westafrika neu entdeckte affenart: troglodytes gorilla, die er irrtümlich für die von Hanno erwähnten wesen hält. der name wird von engl. naturwissenschaftlern und schriftstellern (mit weiterer wirkung besonders du Chaillu explorations and adventures in equatorial Africa [1861], in dt. übers. 1862) beibehalten (belege bei Murray engl. dict. 4 [1901] 306b) und von hier aus auch ins deutsche übernommen: so hätten wir ... drei verschiedene urrassen der menschen, zwei dolichocephale, hervorgegangen aus dem gorill und dem chimpanse, und eine brachycephale, hervorgegangen aus dem orang C. Vogt vorlesung. üb. d. menschen (1863) 2, 282; in einem merkwürdigen 1626 erschienenen buche Purchas ... wird erzählt, dass ein gewisser Andrew Battel ... zwei menschenähnliche thiere kennen gelernt habe ..., und was er von diesen erzählt, passt ganz gut auf den gorilla und auf den chimpansé Bischoff üb. d. verschiedenh. i. d. schädelbild. d gorilla, chimpansé und orang-outang (1867) 4; dann wird ein neuer mensch sein, sagt Dostojewskis nihilistischer seher ... die geschichte wird in zwei abschnitte zerfallen: vom gorilla bis zur vernichtung gottes, von der vernichtung gottes bis zur physischen umwandlung der erde und des menschen Thomas Mann neue studien (1948) 99. — dazu: gorillahaft, adj.: ein auffallend hellblonder junger mensch mit breiten schultern und wiegenden, gorillahaften schritten E. Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 430.
 
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göringe, subst., ort, grube zur sammlung von unreinigkeiten. zu gor, n., s. d.; nur nd. nach Adelung versuch 1, 1209 fem., nach Benzler deichbau (1792) 1, 175 mask.; vielleicht nur pl.?: alle geringe und watergroepen soelen wesen up eines mannes egen warff, anderhalf voete wyt ostfries. landrecht 1, kap. 140 in: brem.-nds. wb. 2, 528.
 
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gork, m., s. DWB kork teil 5, sp. 1810.
 
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gorken, vb., lautnachahmende bildung, vgl. DWB gorgen, gurgen; etwa 'aufstoszen, erbrechen':

(der trinker)
frist doch nicht anders wie ein schwein;
sitzt hindern tisch, hebt an zu gorcken,
bisz er herausz wirfft grobe brocken
Kirchhof wendunmuth 4, 189 lit. ver.

vgl. DWB garken s. v. garren 3 b, teil 4, 1, 1, sp. 1374.
 
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gorl, m., umsponnenes besatzgarn. vielleicht aus kordel, frz. cordelle: 'gorlspitzen seynd eine absonderliche art von weissen spitzen, wo die blumen an statt des spitzenbändleins mit runden gedreheten gorl umleget, und von innen mit allerhand spitzen-stichen ausgefüllet werden' Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 676; 'gorl ist eine gewisse art eines starcken runden gedreheten fadens, dessen man sich zu auszierung allerley nähderwercke bedienet' allg. öcon. lex. (1731) 846; Adelung versuch e. wb. 2 (1775) 751; Campe 2 (1808) 424b; gorl cordula, bindfaden, schnur Kinderling reinigk. d. dt. spr. (1795) 272; gimpe (gorl) als besatz dienende baumwollfäden, die auf der fadenmühle mit farbiger seide übersponnen werden Lueger lex. d. ges. techn. (1894) 4, 669. dazu: gorlbesatz, m.: ob die spitzen oder die maschinenstickereien den gorl- und perlenbesatz aus dem felde schlagen werden, ist jedenfalls noch nicht ganz entschieden Leipz. tagebl. (1831) 25, 582; —
 
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-näherei, f.: während die gorlnäherei und perlenstickerei noch vor wenig wochen in schönster blüthe stand, ist jetzt nur wenig nachfrage mehr nach derartigen besatzartikeln Leipz. tagebl. a. a. o.; —
 
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-spitze, f., (s. oben unter gorl): Frisch t.-lat. (1741) 1, 361b; Adelung, Campe a. a. o.; gorlspitze breite geklöppelte gimpe Lueger lex d. ges. techn. (1894) 4, 669;

du liebest nur gespinst, und prave gorell-spitzen
Spindler unschuldige jugendfrüchte (1745) 154.

[Bd. 8, Sp. 968]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) görlein, n., sium sisarum L., zuckerwurz, früher in Südwestdeutschland als gemüsepflanze angebaut: von pastenei, mren, roten ruben vnd grlin oder zam rapuntzel Sebiz feldbau (1579) 198; görlin, gerlin u. ä. Tabernaemontanus (1588) 246b; görlin sisarum Marperger kauffm.-magazin (1708) 548; zuckerwurzel görlein Popowitsch (1780) 645; Nemnich wb. d. naturgesch. 204; bei Pritzel-Jessen 380 görlein für Franken und Thüringen gebucht. lexikalisch hat sich görlein gegenüber den formen gierlein, geierlein (teil 4, 1, 4, sp. 7385; teil 4, 1, 2, sp. 2562) u. a. durchgesetzt: das görlein eine in einigen gegenden übliche benennung der zuckerwurzel Adelung 2 (1775) 751b; Campe 2, 424b; görlein zuckerwurzel Schaffer dt.-frz. 1 (1836) 755a.
 
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gornard, m., nordseefisch aus der fam. der triglidae, knurrhahn (trigla hirundo), grauer knurrhahn (trigla gurnardus L.). afrz. gornart (selten) Wartburg franz. etymol. wb. 4, 291b s. v. grundire; engl. gurnard (seit 1314 bezeugt) Murray 4, 516b. dt. nur in gelehrten werken des 16. und 17. jhs.: cuculus generis nomine appelletur ein redfisch ... hirundo et milvus fliegende redfische ... lyra ein gornart oder seehan oder seehasz C. Gesner hist. anim. 4 (21620) 307; κόκκυξ cuculus gornardt, rotbart Frischlin nomencl. triling. (1586) 64b; lyra ein gornart oder seehan oder seehas Faber thes. (1587) 1020b s. v. cuculus. das wort scheint aus dem nl., wo es wohl nur zufällig nicht bezeugt ist, übernommen zu sein; vgl. die hinweise bei Gesner: aut cuculus est, aut cuculo simillimus ... piscis, quem inferiores Germani gornart vel grnrt appellant a. a. o.; inferiores Germani ut Frisii et Hollandi, squillae speciem quandam parvam, vocant garnart, gernart. gornard vero piscis est e genere τῶν λυροειδῶν a. a. o. 911. jedoch ist hier keine gewiszheit zu erlangen, da im ersten falle der name des knurrhahns mit dem der garnele (garnaerd squilla gibba Kilian [1605] 124a) verwechselt wird, im zweiten zwar die namen unterschieden werden, aber die angabe der herkunft nicht ohne weiteres auch auf gornard bezogen werden kann.
 
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görps, gorps, gurps, m., ructus, rülps; zu görpsen (s. d.); vgl.grps Cholinus-Frisius dict. (1541) 768b; görbs Hulsius-Ravellus t.-frz.-it. (1616) 143b; gurps Junius nomencl. (1567) 455a: vil görpsen sind ein anzeigung der vertöuwung Frisius dict. (1556) 1167b s. v. ructus; gorps Kilian (1605) 156b; ein görpsen lassen Hulsius dict. (1618) 2, 342b; die aufsteigenden dmpff vnd grpsen sind sauwer Ruoff hebammenb. (1580) 137. in den heutigen maa. nur obd., meist ohne umlaut, vgl. schweiz. id. 2, 428.

 

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