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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gorgler bis gorken (Bd. 8, Sp. 965 bis 967)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gorgler, m., s. DWB gurgler teil 4, 1, 6, sp. 1158.
 
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gorgonenhaupt, n., kopf der Gorgo (des weibl. ungeheuers der griech. mythologie), dessen anblick versteinern sollte: deine jungfernköpfe würden dir ... nicht viel geholfen haben, weil dir die zaubersprüche ... unbekannt sind, die dazu gehören, wenn sie die wirkung des gorgonenhaupts thun sollten Wieland Lucian (1788) 6, 396. bildlich: und das weiche meer — und Vesuvs graues gorgonenhaupt — und die spielenden menschen Jean Paul w. 15/18, 535 Hempel;

es war, . .
als wollte ein entsetzliches geschick
ihm sein gorgonenhaupt von ferne zeigen
Eichendorff s. w. (1864) 3, 576;

der credit ging unter, das agio für's papiergeld erhob sein gorgonenhaupt H. Laube ges. schr. (1875) 16, 111.
 
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gorgsen, vb., s. DWB gurgsen teil 4, 1, 6, sp. 1158; vgl. auch görgesen (15. jh.) gargarizo Tobler Appenzell 233.
 
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goriel, n.?, nebenform von afrz. goherel 'halfter, joch' (auch gohoriel, gorel, goreau u. ä., s. Godefroy 4, 303), die um 1500 vorübergehend in niederrheinische glossare gedrungen ist (im nl. ist gareel, gorreel 'kummet', 'geschirr für zugtiere' schriftsprachlich geworden, s. woordenb. d. nederl. taal 4, 285): gorelus eyn goreil (d. i. goriel) van einem paerde Tortellius vocabulorum gemma (1495) k 1b; in späteren gemmen goriel (Straszburg 1508) l 5c; (Köln 1512) j 6d. als bedeutung ist hier vielleicht 'halfter' oder 'zügel' anzusetzen, vgl.: gorellus ein leit seil von einem pferd (15. jh., hd. aus nd. quelle) Diefenbach gl. 267b. hierher gehört wohl auch (zusammengezogen wie holl. umgangssprachl. greel) ephippium ('schabracke; sattel') eyn grale Diefenbach gl. 206a. aus dem nl. (vgl. Kilian etym. teut. ling. [1599] 156b) hat Henisch gorrel roszkommet, helcium (1616) 1683.

[Bd. 8, Sp. 966]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gorig, adj., gering, armselig, mager. ahd. gôrag, die länge des vokals ist durch zirkumflex bei Notker (s. u.) gesichert; dem entspricht got. gaurs 'betrübt', wovon gaurjan 'betrüben'; dazu vielleicht ae. gornian, as. gornôn 'trauern', auch an. gaurr 'tölpel'?; auszergermanisch entspricht got. gaurs aind. ghōrá 'furchtbar, grausam', und gaurjan lautet ab mit slav. *žuriti in ukrain. žuryty 'betrüben', russ. žurít 'schelten', s. Walde-Pokorny 1, 636; Feist etym. wb. d. got. spr. 3208; Vasmer russ. etym. wb. 434; Graff 4, 237. ahd. in der bedeutung 'gering, wenig':

... mit geistlichemo uuine.
... luzil drank ih es thar,
luzil ih es mohta joh gorag es gismakta
Otfrid II 9, 26.

'armselig':

sos er thuruh alle thie forasagon sine
theru goregun worolti was io giheizenti
Otfrid I 10, 8;

gôregen 'pauperem' Notker 2, 118, 15 P.; dero gôregon 'pauperum' ebda 2, 34, 9; dazu gleichbedeutendes goriglih Otfrid IV 26, 8 und goringi, f. 'elend' Otfrid I 20, 15; IV 26, 40 u. ö. das wort, hauptsächlich im Rheingebiet stehend, ins nl. und nd. ausstrahlend, ist in mhd. zeit nur vereinzelt lexikographisch belegt, mit bedeutungsverschiebung: goreger macillentus (13. jh.) Diefenbach n. gl. 242b; hierher wohl auch gorre '... valde avarus' Kilian (1599) 156b; in der ebda belegten bedeutung 'sordidus' zeigt das wort wohl schon berührung mit adjektivbildungen zu ahd. gor 'fimus' wie das nl. goor, gorig woordenboek 5, 418; 444. die rhein. und angrenzenden maa. bewahren die in mhd. zeit belegten bedeutungen: gorich (-ô-, -ou-) 'mager' Follmann Lothr. 211; luxemb. ma. 150a; gaurig, gurig 'mager, geizig, schwächlich' u. ä. rhein. wb. 2, 1061; 1497; gorg (-ö-) dass. und in weiterer bedeutung 'übel, leer im magen, heiszhungrig; träge, gutmütig' ebda 1306; görrig 'übel' u. ä. Müller-Weitz Aachen 70. vgl. auch s. v. gurig teil 4, 1, 6, sp. 1158. — auf gorig geht möglicherweise 1göre, f. (s. d.) als ursprüngl. abstraktbildung zurück.
 
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görig, adj. zu gör, n. (oder 1göre, f.?) (s. d.), kindlich, kindisch: Fidelia snackte un vertellte in ehre görige ort den ollen herrn von dit un von dat Fritz Reuter w. 2, 158 Seelmann. nd. belegt bei Berghaus sprachsch. d. Sassen 1, 598; Mensing schlesw.-holst. 2, 454 s. v. gör, n. formal zu trennen von vor allem obd. auftretendem gorig 'närrisch', das zu gore, m. 'alberner, täppischer, unkluger mensch' gehört, vgl. Frommann dt. maa. 4, 544; Loritza Wien 53; Fischer schwäb. 6, 2056.
 
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görig, adj. zu 2göre, f. (s. d.), in gärung befindlich; duftig, schmackhaft, bes. vom wein. nd. und gelegentlich md., in den formen görig Berghaus sprachsch. d. Sassen 1, 598; Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 665; gərΧ Gerbet Vogtland 245; gürig rhein. wb. 2, 1497; nl. geurig woordenboek 4, 1877: göhrgen rassewein Sanders erg. wb. 220b. älteres göhrig 'verdorben' Stürenburg ostfries. 72 steht vielleicht unter einflusz von nl. goor I 'modderig, slijkig' woordenboek 5, 418 (vgl.goor riecken 'stincken' Kilian [1599] 156b), das zu ahd. gor 'fimus' (s. DWB gor) gehört.
 
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gorilla, m., pl. gorillas; älter auch gorill, pl. gorillen, zur familie der menschenaffen gehörige affenart, vgl. Brehm tierleben 413, 677. das wohl aus einer westafrikanischen eingeborenensprache stammende wort begegnet zuerst in einer griechischen übersetzung von Hannos 'periplus' (5. jh. v. Chr.): (auf einer insel an der westküste Afrikas waren wilde menschen,) ἅς οἱ ἑρμηνέες ἐκάλουν Γορίλλας bei C. Müller geogr. Graeci min. (1855) 1, 13. seit dem ersten druck des griech. 'periplus' Basel 1533 findet sich das wort in mehreren späteren griech. ausgaben und lat. übersetzungen (vgl. Müller a. a. o. xxxii) im zusammenhang der zitierten stelle; vor einer engl. (1797) in einer dt. übersetzung: eine ... insel, die mit einer menge von wilden besetzt war. die mehresten derselben waren weiber, die rauhe leiber hatten. unsere dollmetscher nannten sie gorillen (C. A. Schmid) Arrians ind. merkwürdigk. u. Hannons seereise (1764) 161. nach Pauly-Wissowa realencycl. 7 [1912] 1595 musz man die γορίλλας des Hanno

[Bd. 8, Sp. 967]


auf einen Pygmäenstamm beziehen, nach Hartmann der gorilla (1880) 1 auf schimpansen, nach Brehm a. a. o. vielleicht auf paviane. — Savage in: Boston journ. of nat. hist. 5 (1847) 417 benennt erstmals mit dem der überlieferung des 'periplus' entnommenen wort eine in Westafrika neu entdeckte affenart: troglodytes gorilla, die er irrtümlich für die von Hanno erwähnten wesen hält. der name wird von engl. naturwissenschaftlern und schriftstellern (mit weiterer wirkung besonders du Chaillu explorations and adventures in equatorial Africa [1861], in dt. übers. 1862) beibehalten (belege bei Murray engl. dict. 4 [1901] 306b) und von hier aus auch ins deutsche übernommen: so hätten wir ... drei verschiedene urrassen der menschen, zwei dolichocephale, hervorgegangen aus dem gorill und dem chimpanse, und eine brachycephale, hervorgegangen aus dem orang C. Vogt vorlesung. üb. d. menschen (1863) 2, 282; in einem merkwürdigen 1626 erschienenen buche Purchas ... wird erzählt, dass ein gewisser Andrew Battel ... zwei menschenähnliche thiere kennen gelernt habe ..., und was er von diesen erzählt, passt ganz gut auf den gorilla und auf den chimpansé Bischoff üb. d. verschiedenh. i. d. schädelbild. d gorilla, chimpansé und orang-outang (1867) 4; dann wird ein neuer mensch sein, sagt Dostojewskis nihilistischer seher ... die geschichte wird in zwei abschnitte zerfallen: vom gorilla bis zur vernichtung gottes, von der vernichtung gottes bis zur physischen umwandlung der erde und des menschen Thomas Mann neue studien (1948) 99. — dazu: gorillahaft, adj.: ein auffallend hellblonder junger mensch mit breiten schultern und wiegenden, gorillahaften schritten E. Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 430.
 
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göringe, subst., ort, grube zur sammlung von unreinigkeiten. zu gor, n., s. d.; nur nd. nach Adelung versuch 1, 1209 fem., nach Benzler deichbau (1792) 1, 175 mask.; vielleicht nur pl.?: alle geringe und watergroepen soelen wesen up eines mannes egen warff, anderhalf voete wyt ostfries. landrecht 1, kap. 140 in: brem.-nds. wb. 2, 528.
 
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gork, m., s. DWB kork teil 5, sp. 1810.
 
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gorken, vb., lautnachahmende bildung, vgl. DWB gorgen, gurgen; etwa 'aufstoszen, erbrechen':

(der trinker)
frist doch nicht anders wie ein schwein;
sitzt hindern tisch, hebt an zu gorcken,
bisz er herausz wirfft grobe brocken
Kirchhof wendunmuth 4, 189 lit. ver.

vgl. DWB garken s. v. garren 3 b, teil 4, 1, 1, sp. 1374.

 

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