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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
görenzeug bis görig (Bd. 8, Sp. 964 bis 966)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -zeug, n., dass.: alles görenzeug lief und rannte auf den schallen umher Gorch Fock seefahrt ist not (1942) 48. — zu weiteren zusammensetzungen wie -kram, -putzen, -wark vgl. die nd. mundartwbb.
 
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görg, görge, männl. vorname, aus Georg unter kontraktion der vokale mundartlich gekürzt. auch mit anl. j- im nd. (jörg, jürgen) sowie hd. bes. im alem., wo es vielleicht aus steigender aussprache des zwievokals hervorgegangen ist, indem das e konsonantischer gleitlaut wurde und mit dem anlaut verschmolz (vgl. übergangsformen wie giörg, gjörg Staub-Tobler 2, 51). besonders obd. und md. wird görg, auch in der diminutivform görgel, als herabsetzendes appellativ gebraucht. als schimpfwort schlechthin: görge Pansner schimpfwb. 24a; jörglein Fischer schwäb. 3, 374. für einen einfältigen: görge, görgens, görgen ein mannstaufname ... im gemeinen leben wird er ... gebraucht, einen einfältigen menschen zu benennen Campe 2 (1808) 424b; das chann ieder görgel usrechnen Staub-Tobler 2, 417; auch hamburg. dumm jürken einfaltspinsel Schütze holst. id. 2, 196: den Simplicianus macht er zum dummsten görgel von der welt, und was ist also natürlicher, als dasz Prudentius überall recht behält allg. dt. bibl. 51 (1782) 601. so auch als name für die figur des dummlings:

für görgen ist mir gar nicht bange,
der kommt durch seine dummheit fort
Gellert s. schr. (1839) 1, 142.

zugleich mit hinblick auf körperliche eigenheiten: görgel einfältiger, meist körperlich langer oder plumper mensch, tölpel Staub-Tobler 2, 417 (im schweiz. nicht scharf zu trennen von gȫgel 'hanswurst, narr, dummer kerl, langer schmächtiger mensch' ebda 154); die chlinen lüt hät gott erschaffen, die grossen görglen sind selber g'wachsen ebda. von einem steifen menschen: stiht a doch do wie a hilzern girgel Weinhold schles. wb. 28b. dagegen: e hölzige jörg 'ferreus, homo sensus expers' id. Bernense 40b. ähnlich: görge roher knabe (Aargau) Frommann dt. maa. 6, 458b; görgel anmaszender mensch, grobian Staub-Tobler 2, 417 (vgl. DWB gurgler teil 4, 1, 6, sp. 1158).
die redensart einem den görgen singen oder geigen (s. geigen 4 d, teil 4, 1, 2, sp. 2577) 'einen derb zurechtweisen' knüpft sich an die rigorosen masznahmen des 'Bauernjörg' Georg von Truchsesz (um 1525, vgl. Stälin wirtemb. gesch. 4, 259; anders J. Bolte in: zs. f. dt. wortf. 1, 70): wart

[Bd. 8, Sp. 965]


ich will dir den jörgen singen Birlinger schwäb.-augsb. wb. 256;

ach, lieber landsknecht, schweig nur still!
zeuch darfür an den Rhein
und wart fein, bis der monsieur Till
dir wider klopfet ein
und thut dir den herrn jörgen singen,
dasz die bleikugeln durch dich dringen (1624) bei
Opel-Cohn dreiszigj. krieg (1862) 430;

hast mit Fortun chaussieret,
bis dich (Tilly) die metz turbieret,
in Leipzigischer schlacht.
wärst nit so schnell entsprungen,
hätt' dir den jürgen g'sungen,
dasz dir dein hiren schwach
Ditfurth zweiundfünfzig ungedruckte balladen (1874) 169;

ich will noch leute finden, welche ihm fünfftzig meilen sollen zu gefallen ziehen, und sollen ihme den herr görgen singen Schupp schr. (1663) 787; hätte nichts schaden mögen, wenn sie ihm (Lavater) auch über sein fragment von den poeten, das, weisz gott, im ganzen eine fast unleidliche incartade ist, ein wenig den görgen gesungen hätten (1777) Wieland in: br. an J. H. Merck (1835) 117. mundartl. (einem den) hiern örgn (sic) singen Brenner-Hartmann Bayerns mundarten 2, 284.
 
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gorgel, f., s. DWB gurgel teil 4, 1, 6, sp. 1143.
 
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gorgeln, görgeln, vb., 'jemand würgen', s. 2gurgeln teil 4, 1, 6, sp. 1156. dazu noch folgende in der bedeutung abweichende mundartl. belege: sich görgeln sich abarbeiten Vilmar Kurhessen 1, 133; vgl. sich abgörgeln sich abmühen und görkeln sich abrackern: mer moss de ganzen dag am görkeln blive rhein. wb. 2, 1307; am brot gorgeln ebda; girgeln Kisch Nösner wörter u. wend. 55; garrelen wb. der luxemb. ma. 126b. dagegen görglen 'dumme streiche machen' Staub-Tobler 2, 417 zu görge, s. d.
 
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gorgen, vb., s. DWB gurgen teil 4, 1, 6, sp. 1158, vgl. DWB gorken; 'gurgelnde laute verursachen, röcheln':

im hals laufft sy (die zunge) mir vmb vnd gorgk;
schluck hin vnd här glych wie ein storck,
eeh ich etwas z worten bring schweiz. schausp. d. 16. jhs. 2, 139 Bächtold.


 
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gorgler, m., s. DWB gurgler teil 4, 1, 6, sp. 1158.
 
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gorgonenhaupt, n., kopf der Gorgo (des weibl. ungeheuers der griech. mythologie), dessen anblick versteinern sollte: deine jungfernköpfe würden dir ... nicht viel geholfen haben, weil dir die zaubersprüche ... unbekannt sind, die dazu gehören, wenn sie die wirkung des gorgonenhaupts thun sollten Wieland Lucian (1788) 6, 396. bildlich: und das weiche meer — und Vesuvs graues gorgonenhaupt — und die spielenden menschen Jean Paul w. 15/18, 535 Hempel;

es war, . .
als wollte ein entsetzliches geschick
ihm sein gorgonenhaupt von ferne zeigen
Eichendorff s. w. (1864) 3, 576;

der credit ging unter, das agio für's papiergeld erhob sein gorgonenhaupt H. Laube ges. schr. (1875) 16, 111.
 
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gorgsen, vb., s. DWB gurgsen teil 4, 1, 6, sp. 1158; vgl. auch görgesen (15. jh.) gargarizo Tobler Appenzell 233.
 
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goriel, n.?, nebenform von afrz. goherel 'halfter, joch' (auch gohoriel, gorel, goreau u. ä., s. Godefroy 4, 303), die um 1500 vorübergehend in niederrheinische glossare gedrungen ist (im nl. ist gareel, gorreel 'kummet', 'geschirr für zugtiere' schriftsprachlich geworden, s. woordenb. d. nederl. taal 4, 285): gorelus eyn goreil (d. i. goriel) van einem paerde Tortellius vocabulorum gemma (1495) k 1b; in späteren gemmen goriel (Straszburg 1508) l 5c; (Köln 1512) j 6d. als bedeutung ist hier vielleicht 'halfter' oder 'zügel' anzusetzen, vgl.: gorellus ein leit seil von einem pferd (15. jh., hd. aus nd. quelle) Diefenbach gl. 267b. hierher gehört wohl auch (zusammengezogen wie holl. umgangssprachl. greel) ephippium ('schabracke; sattel') eyn grale Diefenbach gl. 206a. aus dem nl. (vgl. Kilian etym. teut. ling. [1599] 156b) hat Henisch gorrel roszkommet, helcium (1616) 1683.

[Bd. 8, Sp. 966]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gorig, adj., gering, armselig, mager. ahd. gôrag, die länge des vokals ist durch zirkumflex bei Notker (s. u.) gesichert; dem entspricht got. gaurs 'betrübt', wovon gaurjan 'betrüben'; dazu vielleicht ae. gornian, as. gornôn 'trauern', auch an. gaurr 'tölpel'?; auszergermanisch entspricht got. gaurs aind. ghōrá 'furchtbar, grausam', und gaurjan lautet ab mit slav. *žuriti in ukrain. žuryty 'betrüben', russ. žurít 'schelten', s. Walde-Pokorny 1, 636; Feist etym. wb. d. got. spr. 3208; Vasmer russ. etym. wb. 434; Graff 4, 237. ahd. in der bedeutung 'gering, wenig':

... mit geistlichemo uuine.
... luzil drank ih es thar,
luzil ih es mohta joh gorag es gismakta
Otfrid II 9, 26.

'armselig':

sos er thuruh alle thie forasagon sine
theru goregun worolti was io giheizenti
Otfrid I 10, 8;

gôregen 'pauperem' Notker 2, 118, 15 P.; dero gôregon 'pauperum' ebda 2, 34, 9; dazu gleichbedeutendes goriglih Otfrid IV 26, 8 und goringi, f. 'elend' Otfrid I 20, 15; IV 26, 40 u. ö. das wort, hauptsächlich im Rheingebiet stehend, ins nl. und nd. ausstrahlend, ist in mhd. zeit nur vereinzelt lexikographisch belegt, mit bedeutungsverschiebung: goreger macillentus (13. jh.) Diefenbach n. gl. 242b; hierher wohl auch gorre '... valde avarus' Kilian (1599) 156b; in der ebda belegten bedeutung 'sordidus' zeigt das wort wohl schon berührung mit adjektivbildungen zu ahd. gor 'fimus' wie das nl. goor, gorig woordenboek 5, 418; 444. die rhein. und angrenzenden maa. bewahren die in mhd. zeit belegten bedeutungen: gorich (-ô-, -ou-) 'mager' Follmann Lothr. 211; luxemb. ma. 150a; gaurig, gurig 'mager, geizig, schwächlich' u. ä. rhein. wb. 2, 1061; 1497; gorg (-ö-) dass. und in weiterer bedeutung 'übel, leer im magen, heiszhungrig; träge, gutmütig' ebda 1306; görrig 'übel' u. ä. Müller-Weitz Aachen 70. vgl. auch s. v. gurig teil 4, 1, 6, sp. 1158. — auf gorig geht möglicherweise 1göre, f. (s. d.) als ursprüngl. abstraktbildung zurück.
 
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görig, adj. zu gör, n. (oder 1göre, f.?) (s. d.), kindlich, kindisch: Fidelia snackte un vertellte in ehre görige ort den ollen herrn von dit un von dat Fritz Reuter w. 2, 158 Seelmann. nd. belegt bei Berghaus sprachsch. d. Sassen 1, 598; Mensing schlesw.-holst. 2, 454 s. v. gör, n. formal zu trennen von vor allem obd. auftretendem gorig 'närrisch', das zu gore, m. 'alberner, täppischer, unkluger mensch' gehört, vgl. Frommann dt. maa. 4, 544; Loritza Wien 53; Fischer schwäb. 6, 2056.

 

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