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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
göre bis gorgler (Bd. 8, Sp. 963 bis 965)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) göre, f. , gärung; duft, wohlgeschmack. verbalabstraktum zu nd. gören 'gären, duften'. für das mnd. vgl. Schiller-Lübben 2, 133 s. v. gore; nd. göre brem.-nds. wb. 2, 528; gör, göre Mensing schlesw.-holst. 2, 454; Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 665; gôr Danneil altmärk.-plattdt. ma. 68; gur, gür (neben gör) rhein. wb. 2, 1497, sieh s. v. gühr teil 4, 1, 6, sp. 1053. im westf. als mask.: gr Woeste 82; ebenso nl. geur woordenboek 4, 1873 gegenüber mnl. gore, m. u. f., Verwijs-Verdam 2, 2073. vgl. s. v. gäre teil 4, 1, 1, sp. 1348.
1) gärung: dat beer steit in de göhre Richey id. Hamb. 78. in bildlichem zusammenhang: dasz du der mann nicht bist ..., dem volk in Weimar ein theater zu bauen, hätte ich dir schon eher angesehen. wer sich grün macht, den fressen die ziegen. das möchten auch andere hoheiten

[Bd. 8, Sp. 964]


bedenken, die den wein in der gohre pfropfen wollen Zelter in: Göthes gespr. 5, 174 W. v. Biederm.
2) häufiger in der bedeutung 'geruch'. als 'übler geruch' nur selten, mundartlich bei Stürenburg ostfries. 72, vielleicht unter einflusz von nl. goor 'fimus', 'sordidus' (vgl.goor riecken 'stincken' Kilian [1599] 156b); vgl. woordenboek 5, 418: es sollen auch keine personen zu den bienen kommen, die solchen und anderen übeln geruch, als taback-rauch, gohr, etc. an sich haben Grüwel bienenkunst (1719) 41. häufiger, meist in verbindung mit positivem beiwort, als 'wohlgeruch, -geschmack': balsem ende caneel gevende soeten goer bei: Schiller-Lübben 2, 133; bes. vom wein: de wyn hett eene gode göhr Richey id. Hamb. 78;

ihr fragt nach blume nicht nach göhr,
ihr trinkt den wein wie wasser
Wolzogen verse zu meinem leben (1907) 121.


3) übertragen: wat ut Frankrik kumt, dat het de rechte gör (1689) Lauremberg 150, 32 lit. ver.
 
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göre, göhre, f., mit literarischen belegen s. v. gehr, m. teil 4, 1, 2, sp. 2542, keilförmiges stück land, zwickel, schosz. zum genuswechsel und zur bewegung im vokal sieh s. v. gehr 5a, b. — ableitungen dazu: göricht (für eine art hemd) Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 798; goritze, f. (1680) (ein landstück) Unger-Khull steir. 300.
 
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gören
 
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-komposita mit dem pl. von gör, n. oder, weniger wahrscheinlich, 1göre, f. als bestimmungswort.
 
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-volk, n., kinder, kinderbrut: un herinne schow sick kopp an kopp, flaszköpp un swartköpp, dat ganze lütte görenvolk ut den dörp Fritz Reuter w. 2, 133 Seelmann.
 
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-zeug, n., dass.: alles görenzeug lief und rannte auf den schallen umher Gorch Fock seefahrt ist not (1942) 48. — zu weiteren zusammensetzungen wie -kram, -putzen, -wark vgl. die nd. mundartwbb.
 
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görg, görge, männl. vorname, aus Georg unter kontraktion der vokale mundartlich gekürzt. auch mit anl. j- im nd. (jörg, jürgen) sowie hd. bes. im alem., wo es vielleicht aus steigender aussprache des zwievokals hervorgegangen ist, indem das e konsonantischer gleitlaut wurde und mit dem anlaut verschmolz (vgl. übergangsformen wie giörg, gjörg Staub-Tobler 2, 51). besonders obd. und md. wird görg, auch in der diminutivform görgel, als herabsetzendes appellativ gebraucht. als schimpfwort schlechthin: görge Pansner schimpfwb. 24a; jörglein Fischer schwäb. 3, 374. für einen einfältigen: görge, görgens, görgen ein mannstaufname ... im gemeinen leben wird er ... gebraucht, einen einfältigen menschen zu benennen Campe 2 (1808) 424b; das chann ieder görgel usrechnen Staub-Tobler 2, 417; auch hamburg. dumm jürken einfaltspinsel Schütze holst. id. 2, 196: den Simplicianus macht er zum dummsten görgel von der welt, und was ist also natürlicher, als dasz Prudentius überall recht behält allg. dt. bibl. 51 (1782) 601. so auch als name für die figur des dummlings:

für görgen ist mir gar nicht bange,
der kommt durch seine dummheit fort
Gellert s. schr. (1839) 1, 142.

zugleich mit hinblick auf körperliche eigenheiten: görgel einfältiger, meist körperlich langer oder plumper mensch, tölpel Staub-Tobler 2, 417 (im schweiz. nicht scharf zu trennen von gȫgel 'hanswurst, narr, dummer kerl, langer schmächtiger mensch' ebda 154); die chlinen lüt hät gott erschaffen, die grossen görglen sind selber g'wachsen ebda. von einem steifen menschen: stiht a doch do wie a hilzern girgel Weinhold schles. wb. 28b. dagegen: e hölzige jörg 'ferreus, homo sensus expers' id. Bernense 40b. ähnlich: görge roher knabe (Aargau) Frommann dt. maa. 6, 458b; görgel anmaszender mensch, grobian Staub-Tobler 2, 417 (vgl. DWB gurgler teil 4, 1, 6, sp. 1158).
die redensart einem den görgen singen oder geigen (s. geigen 4 d, teil 4, 1, 2, sp. 2577) 'einen derb zurechtweisen' knüpft sich an die rigorosen masznahmen des 'Bauernjörg' Georg von Truchsesz (um 1525, vgl. Stälin wirtemb. gesch. 4, 259; anders J. Bolte in: zs. f. dt. wortf. 1, 70): wart

[Bd. 8, Sp. 965]


ich will dir den jörgen singen Birlinger schwäb.-augsb. wb. 256;

ach, lieber landsknecht, schweig nur still!
zeuch darfür an den Rhein
und wart fein, bis der monsieur Till
dir wider klopfet ein
und thut dir den herrn jörgen singen,
dasz die bleikugeln durch dich dringen (1624) bei
Opel-Cohn dreiszigj. krieg (1862) 430;

hast mit Fortun chaussieret,
bis dich (Tilly) die metz turbieret,
in Leipzigischer schlacht.
wärst nit so schnell entsprungen,
hätt' dir den jürgen g'sungen,
dasz dir dein hiren schwach
Ditfurth zweiundfünfzig ungedruckte balladen (1874) 169;

ich will noch leute finden, welche ihm fünfftzig meilen sollen zu gefallen ziehen, und sollen ihme den herr görgen singen Schupp schr. (1663) 787; hätte nichts schaden mögen, wenn sie ihm (Lavater) auch über sein fragment von den poeten, das, weisz gott, im ganzen eine fast unleidliche incartade ist, ein wenig den görgen gesungen hätten (1777) Wieland in: br. an J. H. Merck (1835) 117. mundartl. (einem den) hiern örgn (sic) singen Brenner-Hartmann Bayerns mundarten 2, 284.
 
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gorgel, f., s. DWB gurgel teil 4, 1, 6, sp. 1143.
 
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gorgeln, görgeln, vb., 'jemand würgen', s. 2gurgeln teil 4, 1, 6, sp. 1156. dazu noch folgende in der bedeutung abweichende mundartl. belege: sich görgeln sich abarbeiten Vilmar Kurhessen 1, 133; vgl. sich abgörgeln sich abmühen und görkeln sich abrackern: mer moss de ganzen dag am görkeln blive rhein. wb. 2, 1307; am brot gorgeln ebda; girgeln Kisch Nösner wörter u. wend. 55; garrelen wb. der luxemb. ma. 126b. dagegen görglen 'dumme streiche machen' Staub-Tobler 2, 417 zu görge, s. d.
 
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gorgen, vb., s. DWB gurgen teil 4, 1, 6, sp. 1158, vgl. DWB gorken; 'gurgelnde laute verursachen, röcheln':

im hals laufft sy (die zunge) mir vmb vnd gorgk;
schluck hin vnd här glych wie ein storck,
eeh ich etwas z worten bring schweiz. schausp. d. 16. jhs. 2, 139 Bächtold.


 
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gorgler, m., s. DWB gurgler teil 4, 1, 6, sp. 1158.

 

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