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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gording bis gorgel (Bd. 8, Sp. 961 bis 965)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gording, f., pl. gordings und gordingen, in der seemannsspr. 'taue zum aufgeien der segel', s. Zedler univ.-lex. 11 (1735) 1271, Kluge seemannsspr. 323; nd. auch görding Doornkaat-Koolman 665b; form, auch die pluralbildung, und bedeutung sind aus dem nl. gording, f. übernommen, welches eine substantivbildung zu nl. gorden 'gürten' u. ä. ist, vgl. s. v. gording 3 woordenboek 5, 439; dafür gelegentlich die entsprechende deutsche form gürtel, m., pl. gürtels, z. b. Zedler a. a. o., vgl. s. v. 2gürtel teil 4, 1, 6, sp. 1183. — komposita mit gording als bestimmungswort. gordingblock Alten hdb. 2, 333, als grundwort: z. b. auszengording Kluge seemannsspr. 324.
 
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gordisch, adj. für lat. Gordius zu Gordium, stadt in Phrygien. gebräuchlich in attributiver verbindung gordischer knopf, knoten u. ä. als lehnübersetzung aus lat. nodus Gordius: tamquam nodus Gordius difficillimus Ammianus 14, 11, 1. Curtius Rufus 3, 1, 15 erzählt, dasz ein orakel demjenigen die weltherrschaft verkündet hätte, der den von Gordius, dem sagenhaften gründer von Gordium, kunstvoll um joch und deichsel eines geweihten wagens geknüpften knoten zu lösen vermöchte, und dasz Alexander d. Gr. den knoten mit dem schwert durchschlug.

[Bd. 8, Sp. 962]



1) mit beziehung auf diesen sachverhalt, aber schon auf die übertragene bedeutung hinweisend: o Alexander Magnus hat mechtig grosz ehr mit lsung des gordischen gurtenknopffs eingelegt, dasz man ein verblmt emblema vnnd diuis hat drausz machen mssen, da ein sebel inn eim zweiffelknopff steckt Fischart Garg. 458 ndr. mit latinisierender adjektivbildung: sie (die stadt Gordium) war wegen des so genannten nodi gordii oder gordianischen knotens berühmt, welcher daselbst als ein heiligthum verwahrt wurde Zedler univ.-lex. 11 (1735) 227.
2) die attributive verbindung steht als zweigliedriges bild für eine verwirrte situation oder für ein unlösbares problem. dieser gebrauch knüpft teilweise an an die schon mhd. belegte übertragene bedeutung von knoten, einen knoten lösen, vgl. s. v. knoten 14, teil 5, sp. 1504, und von knopf, knopf des zwifels ufthun (15. jh.), vgl. s. v. knopf 12a, teil 5, sp. 1476, vgl. auch zweifelknoten teil 16, sp. 1015; aber während in dieser übertragung die schwierige frage als noch lösbar gedacht wird, meint die verbindung mit attributivem gordisch meist die unlösbarkeit oder die nur gewaltsame lösungsmöglichkeit: dise ketzer haben scharf zän, beiszen alle gordische knöpf auf und alle knackwürst entzwei Fischart binenkorb (1588) 49a; weil sie (die Deutschen) ihn (Marbod) für keinen schiedes-richter, sondern nur für einen mitler annehmen, der nicht wie Alexander mit seinem degen den gordischen zweifels-knoten zerhauen, sondern durch bewegliches zureden und anführung wichtiger ursachen, welche ... die streitenden (Deutsche und Römer) zur eintracht bewegten Lohenstein Arminius (1689) 2, 356b; vergebens schnürt ihr den (geld-) beutel mit hundert gordischen knoten zu, durch zahllose poren dünstet er unmerklich aus Börne ges. schr. (1829) 5, 23; der gordische knoten ist nur einmal mit beifall zerhauen worden, und dann waren es noch schmeichler, die das sagten (1843) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 136 Schulte-K.; woher kommt die stimme, die mir hier zuruft, entschlossen den besten ausweg zu ergreifen, den gordischen knoten mit dem schwerte zu lösen Pückler briefw. u. tageb. (1873) 2, 92. für einen schwierigen charakter: schaut hier den gordischen knoten (gemeint ist der charakter des Brutus), den der herr der welt nicht lösen konnte Göthe I 37, 358 W.
3) in anderer attributiver verbindung. das zweite glied des bildes ist durch ein abstraktum ersetzt:

aber solch verzwicktes thema,
solche räthselhafte possen
sind ein gordisches problema
Uhland ged. (1898) 1, 120.

bildlich für den vorgang der gewaltsamen lösung eines problems:

scheiden löst mit gord'schem hiebe
Platen w. 1, 362 Hempel.


 
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göre, f. , seltener in der schreibung göhre, kind; im sg. häufiger für 'mädchen', seltener für 'junge', im pl. für kinder beiderlei geschlechts. nd. neubildung, seit dem 17. jh. belegt bei Helvigius etym. (1640) 144; brem.-nds. wb. (1767) 2, 528; Heynatz antibarbarus (1797) 2, 69; Schambach Göttingen 66; Böning Oldenburg 39; Dähnert plattdt. wb. 157. göre wird gewöhnlich zu gurre, gorre, f. 'stute' gestellt, das übertragen als schimpfwort für frauen und mädchen gebraucht wird (vgl. s. v. gurre 2 c, teil 4, 1, 6, sp. 1164), z. b. Kluge-Götze etym. wb. 15275, Lasch berlinisch 201; anders Braune in: Lauremberg scherzged. 94 ndr. neben formalen schwierigkeiten spricht gegen eine solche beziehung, dasz auf menschen übertragenes gurre obd., bes. schweiz. vorkommt, md. und nd. aber nur vereinzelt; ferner wird gurre in der grundbedeutung oft, im übertragenen sinne stets pejorativ gebraucht, göre dagegen ist zunächst nie verächtlich gemeint. näher liegt annahme einer abstraktbildung zu einem adj. *gôr, das als gorig (s. d.), in älterer bedeutung 'gering, armselig', heute vor allem rhein. belegt ist; daraus erklären sich das fem. genus und die aus diesem resultierende häufigere verwendung für 'mädchen'. die auch sonst übliche konkretisierung solcher abstraktbildungen (vgl.

[Bd. 8, Sp. 963]


Henzen wortbildung 171) führt hier zunächst zu der bedeutung 'das kleine, hilflose wesen'.
1) in den ältesten belegen erscheint nur die bedeutung 'kleines kind':

ja so hafft s (meine frau) my wennet na eren sinnen,
... datk er de bescheten gren muth wisschen,
ssz lydt se mick nich by sick am dische Vitulus (1616) in: nd. schauspiele 27 Bolte-Seelmann;

Heraclitus altyd weende als eine kleine gör
de syne plünde bedahn hefft (kleider beschmutzt hat) achter und vör
Lauremberg scherzged. 17 ndr.


2) seit dem 18. jh. wird das wort für kinder überhaupt, ohne besonderes charakteristikum, verwendet, so vor allem im pl., doch ist es hier nicht immer sicher, ob göre, f. oder gör, n. (s. d.) zugrunde liegt: in den mehresten niederdeutschen provinzen pflegt man den kindern die benennung der göhren beizulegen Stosch kl. beitr. 2 (1780) 33; ebda eindeutige belege für das fem.;

werden manche flasche leeren
auf das wohlsein dieser gören —
o, die hübschen waisenkinder
H. Heine s. w. 2, 216 Elster;

möge es auch ihnen und ihrer lieben trefflichen frau und den beiden gören also geschehen! Th. Storm br. an s. freunde (1917) 143. von einem dreijährigen jungen: sein vater hatte ... lachend erklärt, dasz er mit so kleinen gören nicht umzugehen wisse Gorch Fock seefahrt ist not (1942) 45. auch für ältere kinder: und dem kinde sag' man, dasz sie eine verständige göhre ist, weil sie mir gleich telegraphiert hat daheim 31, 336b; es sind ja grosze gören G. Engel Hann Klüth (1906) 108.
3) jüngere verknüpfungen besonderer vorstellungen mit dem wort finden sich besonders im berlinischen und, wohl mit entlehnung von dorther, auch im literarischen gebrauch auszerniederdt. sprecher. scherzhaft billigend oder ärgerlich tadelnd für ein frisches, freches, auch verzogenes, unfug treibendes (kleines oder groszes) mädchen, kind: ich suchte schon mehrmals zu erforschen, wie sie (die Berlinerin Lina Duncker) als backfisch gewesen seien und hoffte, eine rechte kleine göre als resultat meiner forschungen vor meinem inneren auge auftauchen zu sehen (1856) G. Keller in: leben, br. u. tageb. 2 (1924) 415 Erm.; Olga, wo bist du denn? ich glaube, die jöhre schnarcht schon wieder Fontane ges. w. (1905) I 5, 113; das brennende strohzeug wurde ausgescharrt und die gören bezogen ihren klaps, dasz sie jammerten qu. a. d. j. 1937. abschätzig, aber nicht verächtlich, von mädchen: und gingen ins Forstergymnasium, die gänse und gören! Ponten rhein. zwischenspiel (1937) 215. verächtlicher sinn wird erst in attributiver verbindung erreicht, auf einen jungen bezogen: du elende göhre unterstehst dich, das arme hilflose kind aufs maul zu schlagen Gerhart Hauptmann ges. w. (1913) 5, 22.
4) für frühe beziehung auf 'junge' spricht vielleicht ein vereinzeltes göre, m.: im Hansekontor in Bergen schilt 1641 ein geselle den andern einen gören, dat is so vele alse ein junge bei: Lasch a. a. o. anm. 12 zu kap. 5. — eine vereinzelte diminutivbildung: myn allerlevest göhreken Stosch a. a. o.
 
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göre, f. , gärung; duft, wohlgeschmack. verbalabstraktum zu nd. gören 'gären, duften'. für das mnd. vgl. Schiller-Lübben 2, 133 s. v. gore; nd. göre brem.-nds. wb. 2, 528; gör, göre Mensing schlesw.-holst. 2, 454; Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 665; gôr Danneil altmärk.-plattdt. ma. 68; gur, gür (neben gör) rhein. wb. 2, 1497, sieh s. v. gühr teil 4, 1, 6, sp. 1053. im westf. als mask.: gr Woeste 82; ebenso nl. geur woordenboek 4, 1873 gegenüber mnl. gore, m. u. f., Verwijs-Verdam 2, 2073. vgl. s. v. gäre teil 4, 1, 1, sp. 1348.
1) gärung: dat beer steit in de göhre Richey id. Hamb. 78. in bildlichem zusammenhang: dasz du der mann nicht bist ..., dem volk in Weimar ein theater zu bauen, hätte ich dir schon eher angesehen. wer sich grün macht, den fressen die ziegen. das möchten auch andere hoheiten

[Bd. 8, Sp. 964]


bedenken, die den wein in der gohre pfropfen wollen Zelter in: Göthes gespr. 5, 174 W. v. Biederm.
2) häufiger in der bedeutung 'geruch'. als 'übler geruch' nur selten, mundartlich bei Stürenburg ostfries. 72, vielleicht unter einflusz von nl. goor 'fimus', 'sordidus' (vgl.goor riecken 'stincken' Kilian [1599] 156b); vgl. woordenboek 5, 418: es sollen auch keine personen zu den bienen kommen, die solchen und anderen übeln geruch, als taback-rauch, gohr, etc. an sich haben Grüwel bienenkunst (1719) 41. häufiger, meist in verbindung mit positivem beiwort, als 'wohlgeruch, -geschmack': balsem ende caneel gevende soeten goer bei: Schiller-Lübben 2, 133; bes. vom wein: de wyn hett eene gode göhr Richey id. Hamb. 78;

ihr fragt nach blume nicht nach göhr,
ihr trinkt den wein wie wasser
Wolzogen verse zu meinem leben (1907) 121.


3) übertragen: wat ut Frankrik kumt, dat het de rechte gör (1689) Lauremberg 150, 32 lit. ver.
 
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göre, göhre, f., mit literarischen belegen s. v. gehr, m. teil 4, 1, 2, sp. 2542, keilförmiges stück land, zwickel, schosz. zum genuswechsel und zur bewegung im vokal sieh s. v. gehr 5a, b. — ableitungen dazu: göricht (für eine art hemd) Amaranthes frauenz.-lex. (1715) 798; goritze, f. (1680) (ein landstück) Unger-Khull steir. 300.
 
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gören
 
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-komposita mit dem pl. von gör, n. oder, weniger wahrscheinlich, 1göre, f. als bestimmungswort.
 
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-volk, n., kinder, kinderbrut: un herinne schow sick kopp an kopp, flaszköpp un swartköpp, dat ganze lütte görenvolk ut den dörp Fritz Reuter w. 2, 133 Seelmann.
 
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-zeug, n., dass.: alles görenzeug lief und rannte auf den schallen umher Gorch Fock seefahrt ist not (1942) 48. — zu weiteren zusammensetzungen wie -kram, -putzen, -wark vgl. die nd. mundartwbb.
 
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görg, görge, männl. vorname, aus Georg unter kontraktion der vokale mundartlich gekürzt. auch mit anl. j- im nd. (jörg, jürgen) sowie hd. bes. im alem., wo es vielleicht aus steigender aussprache des zwievokals hervorgegangen ist, indem das e konsonantischer gleitlaut wurde und mit dem anlaut verschmolz (vgl. übergangsformen wie giörg, gjörg Staub-Tobler 2, 51). besonders obd. und md. wird görg, auch in der diminutivform görgel, als herabsetzendes appellativ gebraucht. als schimpfwort schlechthin: görge Pansner schimpfwb. 24a; jörglein Fischer schwäb. 3, 374. für einen einfältigen: görge, görgens, görgen ein mannstaufname ... im gemeinen leben wird er ... gebraucht, einen einfältigen menschen zu benennen Campe 2 (1808) 424b; das chann ieder görgel usrechnen Staub-Tobler 2, 417; auch hamburg. dumm jürken einfaltspinsel Schütze holst. id. 2, 196: den Simplicianus macht er zum dummsten görgel von der welt, und was ist also natürlicher, als dasz Prudentius überall recht behält allg. dt. bibl. 51 (1782) 601. so auch als name für die figur des dummlings:

für görgen ist mir gar nicht bange,
der kommt durch seine dummheit fort
Gellert s. schr. (1839) 1, 142.

zugleich mit hinblick auf körperliche eigenheiten: görgel einfältiger, meist körperlich langer oder plumper mensch, tölpel Staub-Tobler 2, 417 (im schweiz. nicht scharf zu trennen von gȫgel 'hanswurst, narr, dummer kerl, langer schmächtiger mensch' ebda 154); die chlinen lüt hät gott erschaffen, die grossen görglen sind selber g'wachsen ebda. von einem steifen menschen: stiht a doch do wie a hilzern girgel Weinhold schles. wb. 28b. dagegen: e hölzige jörg 'ferreus, homo sensus expers' id. Bernense 40b. ähnlich: görge roher knabe (Aargau) Frommann dt. maa. 6, 458b; görgel anmaszender mensch, grobian Staub-Tobler 2, 417 (vgl. DWB gurgler teil 4, 1, 6, sp. 1158).
die redensart einem den görgen singen oder geigen (s. geigen 4 d, teil 4, 1, 2, sp. 2577) 'einen derb zurechtweisen' knüpft sich an die rigorosen masznahmen des 'Bauernjörg' Georg von Truchsesz (um 1525, vgl. Stälin wirtemb. gesch. 4, 259; anders J. Bolte in: zs. f. dt. wortf. 1, 70): wart

[Bd. 8, Sp. 965]


ich will dir den jörgen singen Birlinger schwäb.-augsb. wb. 256;

ach, lieber landsknecht, schweig nur still!
zeuch darfür an den Rhein
und wart fein, bis der monsieur Till
dir wider klopfet ein
und thut dir den herrn jörgen singen,
dasz die bleikugeln durch dich dringen (1624) bei
Opel-Cohn dreiszigj. krieg (1862) 430;

hast mit Fortun chaussieret,
bis dich (Tilly) die metz turbieret,
in Leipzigischer schlacht.
wärst nit so schnell entsprungen,
hätt' dir den jürgen g'sungen,
dasz dir dein hiren schwach
Ditfurth zweiundfünfzig ungedruckte balladen (1874) 169;

ich will noch leute finden, welche ihm fünfftzig meilen sollen zu gefallen ziehen, und sollen ihme den herr görgen singen Schupp schr. (1663) 787; hätte nichts schaden mögen, wenn sie ihm (Lavater) auch über sein fragment von den poeten, das, weisz gott, im ganzen eine fast unleidliche incartade ist, ein wenig den görgen gesungen hätten (1777) Wieland in: br. an J. H. Merck (1835) 117. mundartl. (einem den) hiern örgn (sic) singen Brenner-Hartmann Bayerns mundarten 2, 284.
 
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gorgel, f., s. DWB gurgel teil 4, 1, 6, sp. 1143.

 

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