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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goppe bis göre (Bd. 8, Sp. 959 bis 962)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goppe, gope, f., jacke, rock. md. im 15. u. 16. jh. gelegentlich für häufigeres jope, joppe, juppe teil 4, 2, sp. 2336; vgl. auch gippe teil 4, 1, 4, sp. 7535. frühester beleg in der zusammensetzung: ein vntergoppen (1432) Diefenbach nov. gl. 57a s. v. bombasium;

es het ein bauer ein gopen dick,
darinnen het er vier hundert stck (1531) bergreihen 102 ndr.

in übertragenem gebrauch: hie sitzt der juncker Hans in der roten gopen Luther 20, 586 W. (die rote gope galt als vornehm, hier bezeichnet sie eine eingebildete vornehmheit oder überhaupt eingebildetheit, vgl. die anm. von Pietsch s. 807);

dem todt zu trotz vnd widerdries
hinausz zu schwimmen sich beflies,
der todt sahe was er für ein han
an jm hat, vnd wolt nicht hinan,
wie er im sinn hat mit der sissen,
oder jn in die goppen schiessen:
dorfft zwar den tropffen nit vertrawen,
lies jn also sein strasz hinhawen. (1600)
Fuchs mückenkrieg 82, 318 Genthe.

die ausgabe von 1612 ändert an der betreffenden stelle:

wie er im sinn hett jhn zu schiessen,
sein trotz und hochmuth jhm zu büssen ebda.

[Bd. 8, Sp. 960]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) göppel, m., gestürzte gabel (herald.). das wort ist erst in den wappenbüchern des 19. jhs. belegt, das wappenzeichen selbst ist seit dem 15. jh. bekannt, vgl. Siebmacher wappenbuch (1889) 5, 1, taf. 50, ebda. einleitungsbd. b 42; Querfurth wb. d. herald. terminol. 56.
 
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göppitzen, vb., rülpsen; soviel wie koppezen teil 5, sp. 1791: sie sagten, dasz das ausspeien und göppitzen nirgentsher komme als vom übrigen essen Albertinus hofschul (1610) 163b; ders., zeitkürtzer (1603) 158.
 
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gor, n., fimus. ahd. gor, cor; ags. gor; an. gor 'halbverdautes futter in den gedärmen des viehes'; norw. gor 'schlamm, schmutz, magenbrei, fischeingeweide', äschwed., schwed. dial. gor, gr 'darminhalt, schmutz, bes. abfall beim schlachten', jüt. gor 'schlamm, kot'; ferner mnl. gore, f. 'schlamm, dreck, kot, fischschleim, schlammgraben, moor', nl. goor, n. und adj. 'sauer, ranzig, schmutzig', sowie ags. gyr(u) 'dünger', gyrwe fenn 'sumpf', norw. gyrja 'schlamm', im ablaut dazu an. gjǫr 'bodensatz' (aus *gerwa-). sichere auszergermanische beziehungen fehlen. Falk-Torps wortschatz der germ. spracheinheit 128, norw.-dän. etym. wb. 320 zurückführung auf die idg. wurzel gher 'heisz, warm' ist semasiolog. nicht befriedigend, zudem lautlich bedenklich, wenn, was wahrscheinlich ist, warm zu dieser wurzel gehört, also identisch mit lat. formus ist. sekundär spielt vermutlich gären hinein, s. d.für das simplex finden sich ahd. nur glossenbelege, bis in hss. des 13. jhs. hinein: ahd. gl. 1, 66, 27; 299, 53; 3, 677, 6; 4, 143, 14 St.-S. u. ö.; dann wird das wort im dt. ungebräuchlich, vgl. ahd. gl. 1, 642, 68 St.-S. (13. jh.), wo gor der übrigen hss. durch hor ersetzt wird; es hält sich aber im unteren Rheingebiet und nl.: ghoer, goir, ghore, gorre cenum, volutabrum, labina Diefenbach gl. 113a; 314a; 628a; goor palus u. ä. Kilian (1599) 156b; vgl. s. v. gore Verwijs-Verdam 2, 2072; s. v. goor (II) woordenboek 5, 420. als veraltet verzeichnet es Adelung vers. 2 (1775) 751. — schweiz. gur, m. 'frischer kot des rindviehs, dünger' schweiz. id. 2, 409 ist wohl eher als hierher gehöriges reliktwort im süden des dt. sprachgebietes aufzufassen, als zu guhr, f. (teil 4, 1, 6, sp. 1053) bzw. 2göre, f. (s. d.) 'gärung' zu stellen.das im nl. produktive wort hat im dt. nur die nd. belegte ableitung göringe (s. d.) hinterlassen.
 
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gör, m., maulwurf. nur westf.; s. v. gôr Schiller-Lübben 2, 132b; gehoere, goere, gore v. d. Schueren teuthonista (15. jh.) 113; 130 Verdam (dazu Frings festschr. f. Behaghel [1924] 227, Teuchert sprachreste 335); gr, grt Woeste westf. 82; 87. zu vergleichen ist engl. to gore, alem. goren 'in der erde wühlen': item in den wyngarden is ock een groet unghelucke, als de mol eder de wrote, anders ghenomet de goer den schonen brynck dar lelick maket myt swarten erden (15. jh.) J. Veghe in: hist. jahrb. d. Görres-ges. 6, 358 Jostes.
 
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gör, n., gelegentlich göhr, kind, für 'junge' und (häufiger) 'mädchen'. sekundärbildung zu nd. göre, f. (siehe 1göre, f.) wohl über dessen für kinder beiderlei geschlechts gebräuchlicheren plural, vgl. Lasch berlinisch 201; Richey id. Hamb. 78; brem.-nds. wb. 2, 528; Schütze Holstein 2, 53; Mensing schlesw.-holst. 2, 453; Kück Lüneburg 1, 592; Schumann Lübeck 65; Mi Mecklenb. 28; Sallmann Estland 32. neben sonst üblichem und von dem von göre, f., nicht zu trennenden pl. -en auch görens, pl. Schambach Göttingen 66. im literarischen gebrauch, aber gelegentlich auch umgangssprachlich (vgl. Müller-Fraureuth obersächs. 1, 431), dringt gör über das nd. als sein ursprüngliches verbreitungsgebiet hinaus.
im literarischen gebrauch wird das wort ganz aus der perspektive der erwachsenen heraus verwendet, ihm kommen ausdrücklich, aber auch prägnant die merkmale des kleinen, kindlichen oder auch kindischen zu: ik will wider nicks dorvon vertellen, as dat dat lütte, smucke gör unner küssen un straken von einen taum annern gung un sick in sinen unschülligen unverstand in de frömden lüd' tau finnen schinte Fritz Reuter w. 2, 66 Seelmann; weiszt noch, wie wir das kleine jöhr, die Line, von der schwedischen

[Bd. 8, Sp. 961]


bark gerettet haben G. Engel Hann Klüth (1906) 24. mit dem wort verbindet sich leicht die vorstellung des verzogenen kindes, so schon in den älteren wbb. und umgangssprachlich; tadelnd: en vertagenes gör Fritz Reuter w. 2, 113 Seelmann; zärtlich: ja, ja, da sieht mans, was so ein ganz kleines göhr schon merkt, schon so ein göhr Hans Grimm südafr. nov. (1921) 155. für momentan störende, lästig fallende kinder: zu ärgerlich, muss mir auch noch das gör dazwischen kommen! Greber Lucie (1901) 34; da habt ihrs, das gör ahnt es G. Engel Hann Klüth (1906) 461. gelegentlich auch für erwachsene zur kennzeichnung eines ausgelassenen, kindischen benehmens: in den hus würd dat ne grote lustigkeit, dat gör von erzieherin jog un jacherte sick mit de beiden gören von fru Nüszlern herümmer, dat fru Nüszlern tau den schlusz kamm, ehr öllste, Lining, wir eigentlich verstänniger as de mamsell Fritz Reuter w. 2, 102 Seelmann.die für 1göre, f. (s. d.) nachzuweisende verwendung für kleine, aber auch für ältere kinder und ohne besonderes charakteristikum ist für gör, n. im sing. nicht sicher zu belegen; die folgenden belege mit gören, pl. für kinder schlechthin, gehören aber doch wohl eher hierher als zu 1göre, f., da Reuter im sg. das neutr. gebraucht; belege solcher art machen wahrscheinlich, dasz echte mundartsprecher das wort ohne nebenton verwenden: frau pastern is so kinderlieb, dasz alle gören im ganzen dorf ihr anhacken Fritz Reuter w. 2, 55 Seelmann; (von 17-jährigen:) un dat verdanken de ollen gören blot sei un den herrn paster ebda 2, 200.
 
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gorbel, f., nomen instrumenti, weiterbildung von gorbe, gurbe, kurbe, sieh s. v. kurbe teil 5, sp. 2795, für kurbel teil 5, sp. 2796; vgl. auch s. v. gurbe teil 4, 1, 6, sp. 1142; in der form gorbel terminus technicus in der druckersprache, 'die eiserne runde stange ..., welche zu der presse in der buchdruckerey gehöret' Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1261; korbel Klenz druckerspr. (1900) 62:

karn, kalgen, fundament, feuchtbretter, gorbel, schnalle,
rameisen, samt dem filtz, das klopfholtz, feuchtestein,
steg, antritt, schienen, keil, zur presse müssen sein
Chr. Fr. Geszner der i. d. buchdruckerei wohlunterricht. lehrjunge (1743) 192 (aus:
Gueintz in: jubilœum typograph. [1640]).


 
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gorde, f., band, riemen oder holzstück zum zusammenhalten von balken usw., vgl. Benzler deich- u. wasserbau 1 (1792) 175, Mothes ill. baulex. 2 (1882) 485; das vor allem nd. in der fachsprache des wasserbaus vorkommende wort wurde (erst im 18. jh.?) aus dem nl. gord, gorde, f. 'schiffsholz, schiffsrippe, spiere' u. ä. übernommen, das dem nhd. gurt, m. (teil 4, 1, 6, sp. 1167) entspricht, vgl. s. v. gord woordenboek 5, 426; zu vergleichen ist rhein. gurt, m. 'stück holz, knebel, welches dazu dient, irgend einen gegenstand, wie einen wagen ..., fest zusammenzuziehen' rhein. wb. 2, 1502 s. v. gurt III 3.
 
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gording, f., pl. gordings und gordingen, in der seemannsspr. 'taue zum aufgeien der segel', s. Zedler univ.-lex. 11 (1735) 1271, Kluge seemannsspr. 323; nd. auch görding Doornkaat-Koolman 665b; form, auch die pluralbildung, und bedeutung sind aus dem nl. gording, f. übernommen, welches eine substantivbildung zu nl. gorden 'gürten' u. ä. ist, vgl. s. v. gording 3 woordenboek 5, 439; dafür gelegentlich die entsprechende deutsche form gürtel, m., pl. gürtels, z. b. Zedler a. a. o., vgl. s. v. 2gürtel teil 4, 1, 6, sp. 1183. — komposita mit gording als bestimmungswort. gordingblock Alten hdb. 2, 333, als grundwort: z. b. auszengording Kluge seemannsspr. 324.
 
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gordisch, adj. für lat. Gordius zu Gordium, stadt in Phrygien. gebräuchlich in attributiver verbindung gordischer knopf, knoten u. ä. als lehnübersetzung aus lat. nodus Gordius: tamquam nodus Gordius difficillimus Ammianus 14, 11, 1. Curtius Rufus 3, 1, 15 erzählt, dasz ein orakel demjenigen die weltherrschaft verkündet hätte, der den von Gordius, dem sagenhaften gründer von Gordium, kunstvoll um joch und deichsel eines geweihten wagens geknüpften knoten zu lösen vermöchte, und dasz Alexander d. Gr. den knoten mit dem schwert durchschlug.

[Bd. 8, Sp. 962]



1) mit beziehung auf diesen sachverhalt, aber schon auf die übertragene bedeutung hinweisend: o Alexander Magnus hat mechtig grosz ehr mit lsung des gordischen gurtenknopffs eingelegt, dasz man ein verblmt emblema vnnd diuis hat drausz machen mssen, da ein sebel inn eim zweiffelknopff steckt Fischart Garg. 458 ndr. mit latinisierender adjektivbildung: sie (die stadt Gordium) war wegen des so genannten nodi gordii oder gordianischen knotens berühmt, welcher daselbst als ein heiligthum verwahrt wurde Zedler univ.-lex. 11 (1735) 227.
2) die attributive verbindung steht als zweigliedriges bild für eine verwirrte situation oder für ein unlösbares problem. dieser gebrauch knüpft teilweise an an die schon mhd. belegte übertragene bedeutung von knoten, einen knoten lösen, vgl. s. v. knoten 14, teil 5, sp. 1504, und von knopf, knopf des zwifels ufthun (15. jh.), vgl. s. v. knopf 12a, teil 5, sp. 1476, vgl. auch zweifelknoten teil 16, sp. 1015; aber während in dieser übertragung die schwierige frage als noch lösbar gedacht wird, meint die verbindung mit attributivem gordisch meist die unlösbarkeit oder die nur gewaltsame lösungsmöglichkeit: dise ketzer haben scharf zän, beiszen alle gordische knöpf auf und alle knackwürst entzwei Fischart binenkorb (1588) 49a; weil sie (die Deutschen) ihn (Marbod) für keinen schiedes-richter, sondern nur für einen mitler annehmen, der nicht wie Alexander mit seinem degen den gordischen zweifels-knoten zerhauen, sondern durch bewegliches zureden und anführung wichtiger ursachen, welche ... die streitenden (Deutsche und Römer) zur eintracht bewegten Lohenstein Arminius (1689) 2, 356b; vergebens schnürt ihr den (geld-) beutel mit hundert gordischen knoten zu, durch zahllose poren dünstet er unmerklich aus Börne ges. schr. (1829) 5, 23; der gordische knoten ist nur einmal mit beifall zerhauen worden, und dann waren es noch schmeichler, die das sagten (1843) A. v. Droste-Hülshoff br. 2, 136 Schulte-K.; woher kommt die stimme, die mir hier zuruft, entschlossen den besten ausweg zu ergreifen, den gordischen knoten mit dem schwerte zu lösen Pückler briefw. u. tageb. (1873) 2, 92. für einen schwierigen charakter: schaut hier den gordischen knoten (gemeint ist der charakter des Brutus), den der herr der welt nicht lösen konnte Göthe I 37, 358 W.
3) in anderer attributiver verbindung. das zweite glied des bildes ist durch ein abstraktum ersetzt:

aber solch verzwicktes thema,
solche räthselhafte possen
sind ein gordisches problema
Uhland ged. (1898) 1, 120.

bildlich für den vorgang der gewaltsamen lösung eines problems:

scheiden löst mit gord'schem hiebe
Platen w. 1, 362 Hempel.


 
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göre, f. , seltener in der schreibung göhre, kind; im sg. häufiger für 'mädchen', seltener für 'junge', im pl. für kinder beiderlei geschlechts. nd. neubildung, seit dem 17. jh. belegt bei Helvigius etym. (1640) 144; brem.-nds. wb. (1767) 2, 528; Heynatz antibarbarus (1797) 2, 69; Schambach Göttingen 66; Böning Oldenburg 39; Dähnert plattdt. wb. 157. göre wird gewöhnlich zu gurre, gorre, f. 'stute' gestellt, das übertragen als schimpfwort für frauen und mädchen gebraucht wird (vgl. s. v. gurre 2 c, teil 4, 1, 6, sp. 1164), z. b. Kluge-Götze etym. wb. 15275, Lasch berlinisch 201; anders Braune in: Lauremberg scherzged. 94 ndr. neben formalen schwierigkeiten spricht gegen eine solche beziehung, dasz auf menschen übertragenes gurre obd., bes. schweiz. vorkommt, md. und nd. aber nur vereinzelt; ferner wird gurre in der grundbedeutung oft, im übertragenen sinne stets pejorativ gebraucht, göre dagegen ist zunächst nie verächtlich gemeint. näher liegt annahme einer abstraktbildung zu einem adj. *gôr, das als gorig (s. d.), in älterer bedeutung 'gering, armselig', heute vor allem rhein. belegt ist; daraus erklären sich das fem. genus und die aus diesem resultierende häufigere verwendung für 'mädchen'. die auch sonst übliche konkretisierung solcher abstraktbildungen (vgl.

[Bd. 8, Sp. 963]


Henzen wortbildung 171) führt hier zunächst zu der bedeutung 'das kleine, hilflose wesen'.
1) in den ältesten belegen erscheint nur die bedeutung 'kleines kind':

ja so hafft s (meine frau) my wennet na eren sinnen,
... datk er de bescheten gren muth wisschen,
ssz lydt se mick nich by sick am dische Vitulus (1616) in: nd. schauspiele 27 Bolte-Seelmann;

Heraclitus altyd weende als eine kleine gör
de syne plünde bedahn hefft (kleider beschmutzt hat) achter und vör
Lauremberg scherzged. 17 ndr.


2) seit dem 18. jh. wird das wort für kinder überhaupt, ohne besonderes charakteristikum, verwendet, so vor allem im pl., doch ist es hier nicht immer sicher, ob göre, f. oder gör, n. (s. d.) zugrunde liegt: in den mehresten niederdeutschen provinzen pflegt man den kindern die benennung der göhren beizulegen Stosch kl. beitr. 2 (1780) 33; ebda eindeutige belege für das fem.;

werden manche flasche leeren
auf das wohlsein dieser gören —
o, die hübschen waisenkinder
H. Heine s. w. 2, 216 Elster;

möge es auch ihnen und ihrer lieben trefflichen frau und den beiden gören also geschehen! Th. Storm br. an s. freunde (1917) 143. von einem dreijährigen jungen: sein vater hatte ... lachend erklärt, dasz er mit so kleinen gören nicht umzugehen wisse Gorch Fock seefahrt ist not (1942) 45. auch für ältere kinder: und dem kinde sag' man, dasz sie eine verständige göhre ist, weil sie mir gleich telegraphiert hat daheim 31, 336b; es sind ja grosze gören G. Engel Hann Klüth (1906) 108.
3) jüngere verknüpfungen besonderer vorstellungen mit dem wort finden sich besonders im berlinischen und, wohl mit entlehnung von dorther, auch im literarischen gebrauch auszerniederdt. sprecher. scherzhaft billigend oder ärgerlich tadelnd für ein frisches, freches, auch verzogenes, unfug treibendes (kleines oder groszes) mädchen, kind: ich suchte schon mehrmals zu erforschen, wie sie (die Berlinerin Lina Duncker) als backfisch gewesen seien und hoffte, eine rechte kleine göre als resultat meiner forschungen vor meinem inneren auge auftauchen zu sehen (1856) G. Keller in: leben, br. u. tageb. 2 (1924) 415 Erm.; Olga, wo bist du denn? ich glaube, die jöhre schnarcht schon wieder Fontane ges. w. (1905) I 5, 113; das brennende strohzeug wurde ausgescharrt und die gören bezogen ihren klaps, dasz sie jammerten qu. a. d. j. 1937. abschätzig, aber nicht verächtlich, von mädchen: und gingen ins Forstergymnasium, die gänse und gören! Ponten rhein. zwischenspiel (1937) 215. verächtlicher sinn wird erst in attributiver verbindung erreicht, auf einen jungen bezogen: du elende göhre unterstehst dich, das arme hilflose kind aufs maul zu schlagen Gerhart Hauptmann ges. w. (1913) 5, 22.
4) für frühe beziehung auf 'junge' spricht vielleicht ein vereinzeltes göre, m.: im Hansekontor in Bergen schilt 1641 ein geselle den andern einen gören, dat is so vele alse ein junge bei: Lasch a. a. o. anm. 12 zu kap. 5. — eine vereinzelte diminutivbildung: myn allerlevest göhreken Stosch a. a. o.

 

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