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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
göpelpferd bis gör (Bd. 8, Sp. 959 bis 960)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) göpelpferd, n., das vor den göpel gespannte pferd, das auf dem göpelherd (s. d.) im kreise getrieben wird und die senkrechte göpelwelle dreht; vgl. Minerophilus (1730) 307. im vergleich: es ist auch wahr, dasz wir uns wie göpelpferde beständig im kreise drehen, ohne jemals weiter zu kommen J. Krebs d. moderne Rübezahl (1837) 1, 211. —
 
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göpelwelle, f., die um ihre achse rotierende, senkrecht stehende welle des göpels, um die das seil (oder die kette) zum heben von lasten oder zum betrieb von arbeitsmaschinen gelegt ist; vgl. Karmarsch-Heeren techn. wb. (1876) 4, 115. —
 
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göpelwerk, n., 'triebwerk der dresch- oder futtermaschine' Hofmann niederhess. 109: und wie vor dreiszig jahren ging ... im göpelwerk, die alte schindmähre mit einem abgerisznen ellernzweig schwach treibend, der neunzigjährige Kaspar-ohm Liliencron s. w. (1896) 3, 119. — zu weiteren, nur technisch gebrauchten zusammensetzungen sieh die einschlägigen wbb., vor allem Voigtel hd. hdwb. 2, 115; Veith bergwb. 248.
 
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gopeln, vb., (wenigstens zum teil) iterativum zu gopen, s. d., nur alem.: schweiz. id. 2, 389, Fischer schwäb. 3, 750; vgl. s. v. gobeln teil 4, 1, 5, sp. 660. dazu ableitungen wie gopler, m.; goplig, adj.: schweiz. id. 2, 389; vgl. gobelig teil 4, 1, 5, sp. 659.
 
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gopen, vb., colludere, spielen, possenhaft tändeln, sich mutwillig herumbalgen (von menschen und tieren); sich dumm, unbeholfen bewegen. ebenso wie das zum teil dazu gehörende iterativum gopeln (s. d.) fast nur alem., bes. schweiz., für weiter verbreitetes gabeln teil 4, 1, 1, sp. 1122. nebenformen: gaupen, gappen, galpen u. ä. Stalder schweiz. id. 1, 417, Fischer schwäb. 3, 750, schweiz. id. 2, 388; goppen Höfer Österr. 1, 309; goben Schmeller-Frommann 1, 862: mit anderen schimpffen, spilen, kurtzweylen, vnd gopen Frisius (1556) 248b s. v. colludo; gopen wie die jungen hund oder katzen Maaler teutsch spr. (1561) 190a; Frisch t.-lat. (1741) 1, 361b; kinderspil, als wann die halbgewachsne kinder mit ainandern sich paaren und gaupen Zimmer. chron. 23, 204 Barack; das wysele, damit es jn (den hasen) betriege, so spilt und gopet es mit jm Forer Gesners thierb. (1583) 70a. dazu mehrere, vor allem alem. belegte ableitungen wie gope, m., goper, m., gopig, adj., vgl. Martin-Lienhart elsäss. 1, 227, schweiz. id. 2, 388, Lexer Kärnten 118; gofe, m. Fischer schwäb. 3, 735; sieh auch 2göpel.
 
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goppe, gope, f., jacke, rock. md. im 15. u. 16. jh. gelegentlich für häufigeres jope, joppe, juppe teil 4, 2, sp. 2336; vgl. auch gippe teil 4, 1, 4, sp. 7535. frühester beleg in der zusammensetzung: ein vntergoppen (1432) Diefenbach nov. gl. 57a s. v. bombasium;

es het ein bauer ein gopen dick,
darinnen het er vier hundert stck (1531) bergreihen 102 ndr.

in übertragenem gebrauch: hie sitzt der juncker Hans in der roten gopen Luther 20, 586 W. (die rote gope galt als vornehm, hier bezeichnet sie eine eingebildete vornehmheit oder überhaupt eingebildetheit, vgl. die anm. von Pietsch s. 807);

dem todt zu trotz vnd widerdries
hinausz zu schwimmen sich beflies,
der todt sahe was er für ein han
an jm hat, vnd wolt nicht hinan,
wie er im sinn hat mit der sissen,
oder jn in die goppen schiessen:
dorfft zwar den tropffen nit vertrawen,
lies jn also sein strasz hinhawen. (1600)
Fuchs mückenkrieg 82, 318 Genthe.

die ausgabe von 1612 ändert an der betreffenden stelle:

wie er im sinn hett jhn zu schiessen,
sein trotz und hochmuth jhm zu büssen ebda.

[Bd. 8, Sp. 960]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) göppel, m., gestürzte gabel (herald.). das wort ist erst in den wappenbüchern des 19. jhs. belegt, das wappenzeichen selbst ist seit dem 15. jh. bekannt, vgl. Siebmacher wappenbuch (1889) 5, 1, taf. 50, ebda. einleitungsbd. b 42; Querfurth wb. d. herald. terminol. 56.
 
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göppitzen, vb., rülpsen; soviel wie koppezen teil 5, sp. 1791: sie sagten, dasz das ausspeien und göppitzen nirgentsher komme als vom übrigen essen Albertinus hofschul (1610) 163b; ders., zeitkürtzer (1603) 158.
 
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gor, n., fimus. ahd. gor, cor; ags. gor; an. gor 'halbverdautes futter in den gedärmen des viehes'; norw. gor 'schlamm, schmutz, magenbrei, fischeingeweide', äschwed., schwed. dial. gor, gr 'darminhalt, schmutz, bes. abfall beim schlachten', jüt. gor 'schlamm, kot'; ferner mnl. gore, f. 'schlamm, dreck, kot, fischschleim, schlammgraben, moor', nl. goor, n. und adj. 'sauer, ranzig, schmutzig', sowie ags. gyr(u) 'dünger', gyrwe fenn 'sumpf', norw. gyrja 'schlamm', im ablaut dazu an. gjǫr 'bodensatz' (aus *gerwa-). sichere auszergermanische beziehungen fehlen. Falk-Torps wortschatz der germ. spracheinheit 128, norw.-dän. etym. wb. 320 zurückführung auf die idg. wurzel gher 'heisz, warm' ist semasiolog. nicht befriedigend, zudem lautlich bedenklich, wenn, was wahrscheinlich ist, warm zu dieser wurzel gehört, also identisch mit lat. formus ist. sekundär spielt vermutlich gären hinein, s. d.für das simplex finden sich ahd. nur glossenbelege, bis in hss. des 13. jhs. hinein: ahd. gl. 1, 66, 27; 299, 53; 3, 677, 6; 4, 143, 14 St.-S. u. ö.; dann wird das wort im dt. ungebräuchlich, vgl. ahd. gl. 1, 642, 68 St.-S. (13. jh.), wo gor der übrigen hss. durch hor ersetzt wird; es hält sich aber im unteren Rheingebiet und nl.: ghoer, goir, ghore, gorre cenum, volutabrum, labina Diefenbach gl. 113a; 314a; 628a; goor palus u. ä. Kilian (1599) 156b; vgl. s. v. gore Verwijs-Verdam 2, 2072; s. v. goor (II) woordenboek 5, 420. als veraltet verzeichnet es Adelung vers. 2 (1775) 751. — schweiz. gur, m. 'frischer kot des rindviehs, dünger' schweiz. id. 2, 409 ist wohl eher als hierher gehöriges reliktwort im süden des dt. sprachgebietes aufzufassen, als zu guhr, f. (teil 4, 1, 6, sp. 1053) bzw. 2göre, f. (s. d.) 'gärung' zu stellen.das im nl. produktive wort hat im dt. nur die nd. belegte ableitung göringe (s. d.) hinterlassen.
 
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gör, m., maulwurf. nur westf.; s. v. gôr Schiller-Lübben 2, 132b; gehoere, goere, gore v. d. Schueren teuthonista (15. jh.) 113; 130 Verdam (dazu Frings festschr. f. Behaghel [1924] 227, Teuchert sprachreste 335); gr, grt Woeste westf. 82; 87. zu vergleichen ist engl. to gore, alem. goren 'in der erde wühlen': item in den wyngarden is ock een groet unghelucke, als de mol eder de wrote, anders ghenomet de goer den schonen brynck dar lelick maket myt swarten erden (15. jh.) J. Veghe in: hist. jahrb. d. Görres-ges. 6, 358 Jostes.
 
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gör, n., gelegentlich göhr, kind, für 'junge' und (häufiger) 'mädchen'. sekundärbildung zu nd. göre, f. (siehe 1göre, f.) wohl über dessen für kinder beiderlei geschlechts gebräuchlicheren plural, vgl. Lasch berlinisch 201; Richey id. Hamb. 78; brem.-nds. wb. 2, 528; Schütze Holstein 2, 53; Mensing schlesw.-holst. 2, 453; Kück Lüneburg 1, 592; Schumann Lübeck 65; Mi Mecklenb. 28; Sallmann Estland 32. neben sonst üblichem und von dem von göre, f., nicht zu trennenden pl. -en auch görens, pl. Schambach Göttingen 66. im literarischen gebrauch, aber gelegentlich auch umgangssprachlich (vgl. Müller-Fraureuth obersächs. 1, 431), dringt gör über das nd. als sein ursprüngliches verbreitungsgebiet hinaus.
im literarischen gebrauch wird das wort ganz aus der perspektive der erwachsenen heraus verwendet, ihm kommen ausdrücklich, aber auch prägnant die merkmale des kleinen, kindlichen oder auch kindischen zu: ik will wider nicks dorvon vertellen, as dat dat lütte, smucke gör unner küssen un straken von einen taum annern gung un sick in sinen unschülligen unverstand in de frömden lüd' tau finnen schinte Fritz Reuter w. 2, 66 Seelmann; weiszt noch, wie wir das kleine jöhr, die Line, von der schwedischen

[Bd. 8, Sp. 961]


bark gerettet haben G. Engel Hann Klüth (1906) 24. mit dem wort verbindet sich leicht die vorstellung des verzogenen kindes, so schon in den älteren wbb. und umgangssprachlich; tadelnd: en vertagenes gör Fritz Reuter w. 2, 113 Seelmann; zärtlich: ja, ja, da sieht mans, was so ein ganz kleines göhr schon merkt, schon so ein göhr Hans Grimm südafr. nov. (1921) 155. für momentan störende, lästig fallende kinder: zu ärgerlich, muss mir auch noch das gör dazwischen kommen! Greber Lucie (1901) 34; da habt ihrs, das gör ahnt es G. Engel Hann Klüth (1906) 461. gelegentlich auch für erwachsene zur kennzeichnung eines ausgelassenen, kindischen benehmens: in den hus würd dat ne grote lustigkeit, dat gör von erzieherin jog un jacherte sick mit de beiden gören von fru Nüszlern herümmer, dat fru Nüszlern tau den schlusz kamm, ehr öllste, Lining, wir eigentlich verstänniger as de mamsell Fritz Reuter w. 2, 102 Seelmann.die für 1göre, f. (s. d.) nachzuweisende verwendung für kleine, aber auch für ältere kinder und ohne besonderes charakteristikum ist für gör, n. im sing. nicht sicher zu belegen; die folgenden belege mit gören, pl. für kinder schlechthin, gehören aber doch wohl eher hierher als zu 1göre, f., da Reuter im sg. das neutr. gebraucht; belege solcher art machen wahrscheinlich, dasz echte mundartsprecher das wort ohne nebenton verwenden: frau pastern is so kinderlieb, dasz alle gören im ganzen dorf ihr anhacken Fritz Reuter w. 2, 55 Seelmann; (von 17-jährigen:) un dat verdanken de ollen gören blot sei un den herrn paster ebda 2, 200.

 

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