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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gope bis göpelpferd (Bd. 8, Sp. 957 bis 959)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gope, f., s. DWB goppe.
 
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göpel, m. , eine maschine (windewerk oder übersetzungsgetriebe) zum heben von lasten und zum betrieb von arbeitsmaschinen. seit dem 16. jh., zuerst im sächs. bergbaugebiet belegt: gepel machina ... qua ... res fossiles extrahuntur Agricola de re metall. (1556) v 2d, vgl. ebda y 3b; gepell Bech Agricolas bergwerckb. (1557) 125; 135; 157 u. ö.; gepel Mathesius Sarepta (1571) 15b; 145b; gäpel Loehneyss bericht v. bergw. (1617) 60; Junghans gräublein ertz (1680) c 1d; göppel Span bergrechtsspiegel (1698) 146. die länge des vokals ist durch diphthongierung gesichert: geipel neben gäbel Berward interpres (1673) 11. in der heute üblichen schriftsprachlichen form göpel zuerst chursächs. bergordn. v. 1573 (1673) art. 43 abs. 3; Mathesius Sarepta (1679) 60; 572. herkunft unsicher; vgl. im slavischen das tschech. hýbati, obersorb. hibać, niedersorb. gibaś 'bewegen' (s. Berneker 373) und davon abgeleitete nom. ag., z. b. tschech. hybadlo 'bewegungswerkzeug', obersorb. hibak 'lokomotive'. doch wäre bei entlehnung vor dem wandel von g>h im tschech. und obersorb. diphthongierung des i zu erwarten.
göpel scheint zunächst auf die md. bergmannssprache beschränkt zu sein, darüber hinaus ist es bis ins 19. jh. hinein nur lexikalisch belegt (s. u.). neben formen mit anlautendem g erscheint gelegentlich keppel, z. b. Hederich t.-lat. lex. (1777) s. v. göpel; vgl. die rückführung von gepel, göpel auf kappe, käppel bei Frisch t.-lat. wb. (1741) 1, 340a. heute findet sich das wort vor allem md.: gēw, gēb Gerbet Vogtland 110; gęwəl Hofmann niederhess. 109 und nd. (vor allem in der anwendung wie unter 2): göp'l, göüp'l Kück Lüneburg 598; gbḷ Mensing schlesw.-holst. 2, 453; jöepəl Block Eilsdorf 65; auch im schwäb.: g'ẹbl Fischer 3, 750; in der österr. bergmannssprache göppel, gappel Scheuchenstuel 103.
1) im bergbau.
a) eine fördermaschine mit zunächst von pferden umgetriebener senkrechter göpelwelle (s. d.), übersetzungsgetriebe und windewerk zum fördern von erzen, wasser u. a.: wann aber der schacht tieff ist, so treibendt vier pferdt den gepell vmb Bech Agricolas bergwerckb. (1557) 127; so ist der gepel auch ein schne kunst, da man mit rossen berg vnd wasser zu tag ausztreibet, vnd in einer schicht mehr herausz frdern kan, als an zweintzig haspeln Mathesius Sarepta (1571) 145b; machina tracta ab equis gepell Frischlin nomencl. (1586) 145b. dann jede fördermaschine, auch solche mit anderer antriebskraft: göpel, gaipel, geipel ist ein grosses gerste, damit grosse lasten aus den tiefen schchten gezogen werden bergmänn. wb. (1778) 238; göpel, ein hebewerkzeug, ... wird entweder von pferden umgedreht, oder von dem wasser oder dem winde in bewegung gesetzt Voigt hdwb. f. d. geschäftsführ. (1807) 1, 350; einige fahren an. der göpel fängt an zu gehen Körner w. 4, 150 Hempel. im übrigen vgl. die einschlägigen technischen wbb., z. b. Veith bergwb. 247. — häufig in zusammensetzungen mit göpel als grundwort und mit bezeichnung der antriebskraft, vgl. s. v. pferdegöpel teil 7, sp. 1684; der pferdegöpel veraltet im bergbau ende des 19. jh., vgl. Lueger (1894) 7, 146; wintgpel Loehneyss bericht v. bergw. (1617) 61, vgl. s. v. windgöpel teil 14, 2, sp. 303; wassergöpel Adelung vers. 5 (1786) 88, vgl. s. v. wassergöpel teil 13, sp. 2412. in jüngeren zusammensetzungen: dampfgöpel, turbinengöpel u. ä., vgl. Veith 247; Dannenberg bergm. wb. 158. an die mechanisierung des göpels knüpft bildlicher

[Bd. 8, Sp. 958]


gebrauch an: was die tintgöpel der unterhaltungsblätter fördern, ist nicht viel gewichtiger Fr. L. Jahn w. 2 (1885) 413.
b) die fördermaschine zusammen mit dem über ihr errichteten kegelförmigen gebäude, dessen oben zusammengefügte balken (säulen) die senkrecht stehende göpelwelle halten: gepel ist ein rundt gebw, darinnen ein eisern seil vber den korb der spindel sich auff vnd abwint damit man grosse tonnen ertz oder bergk mit pferden heraus treibt Loehneyss bericht v. bergw. (1617) 11; vgl. Minerophilus bergwerckslex. (1730) 306; Adelung vers. 2 (1775) 750. durch die in der form eines kegels aufgerichteten säulen entsteht ein vmblauff im gepell Bech Agricolas bergwerckb. (1557) 126 (area rotunda vmblauf im gepel Agricola de re metall. [1556] v 2d), vgl. s. v. umlauf B 2 teil 11, 2, sp. 1003. vielleicht hat die lautliche oder orthographische ähnlichkeit von gepel 'machina' und keppel 'aedificium' zu diesem bis zum ende des 18. jhs. währenden gebrauch beigetragen; wahrscheinlicher aber ist es, dasz diese verwendung von anfang an gebräuchlich ist und dasz lexikographen die ihnen in der bedeutung 'aedificium' geläufige form keppel gelegentlich auch für sonst geltendes gepel verwenden, vgl. oben.
2) in der landwirtschaft seit dem 19. jh. bezeichnung für ähnlich konstruierte maschinen, die als triebwerk von dresch- oder futtermaschinen dienen und meist von pferden gezogen werden, vgl. Hofmann niederhess. 109; Mensing schlesw.-holst. 2, 453: bei gröszeren betrieben wird eine gezahnte holzwalze durch pferd und göpel über die tenne gerollt, und damit ist die gewöhnliche sorte des maté fertig Hesse-Wartegg zw. Anden u. Amazonas 2491.
3) dem neueren literarischen gebrauch des wortes liegt die vorstellung des von tieren gezogenen göpels zugrunde. im hinblick auf die schwere einer aufgabe: sie verlangen doch auch nicht von der amsel, sie soll den göpel ziehen Emil Strausz freund Hein (1921) 326. die gleichförmig kreisende bewegung des göpels und des eingespannten zugtieres ermöglichen den eigentlichen gebrauch des wortes in vergleichendem oder übertragenem zusammenhang. sentenzartig: 'je ja, je dann', lachte Hanns, 'ich komm gleich wieder des wegs, sagt's rosz im göpel' Anzengruber ges. w. (1890) 4, 341. im vergleich: dieses dasein als stehende bewegung; ... also weniger noch als ein blindes pferd, das, den göpel bewegend, im kreise geht Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 413. bildlich:

wir gehn im göpel nacht und tag
und sehen keine frucht von unsrer plag
Hofmannsthal Salzb. gr. welttheater (1930) 54.


 
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göpel, m., nomen agentis zu dem alem. vb. gopen, soviel wie goper, gope, närrische, grobe person; dummer, unbeholfener mensch, siehe s. v. gopen. nur in einem nichtobd. beleg: wie viel boszhafftige weiber jhre menner lappen gpel, narren heiszen, andere schandnamen geben, oder dutzen H. Roth brautpred. (1596) 2, 134b.
 
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göpelhaus, n., zu 1göpel, s. d.; soviel wie göpelkaue (s. d.): Veith bergwb. 248. —
 
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göpelherd, m., 'der runde platz bei einem pferdegöpel, worauf die pferde herumgetrieben werden' Jacobsson technol. wb. (1781) 2, 140b; der sache nach soviel wie area rotunda vmblauf im gepel Agricola de re metall. (1556) v 2d (vgl. s. v. 1göpel 1 b); vgl. auch s. v. herd 1 und 8 b, teil 4, 2, sp. 1074; 1076. —
 
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göpelhund, m., bremsvorrichtung am göpel, vgl. Jacobsson technol. wb. (1781) 2, 140b. —
 
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göpelhütte, f., soviel wie göpelkaue (s. d.): Mothes ill. baulex. (1881) 2, 485. —
 
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göpelkaue, f., 'der überbau über einem göpel' Veith bergwb. 286; erst seit dem 19. jh., als göpel nur noch die maschine bezeichnet, wird das gebäude, die kaue (vgl. s. v. kaue teil 5, sp. 310), über dem göpel besonders bezeichnet.
 
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göpelkunst, f., soviel wie göpel als maschine: allg. dt. bibl. 69 (1786) 269; vgl. s. v. 1göpel 1 a: der gepel ... ein schne kunst Mathesius Sarepta (1571) 145b; s. auch s. v. kunst II 5 c β, teil 5, sp. 2683. speziell eine vorrichtung zum ausfördern von wasser: 'göpelkunst eine von pferden mittels eines göpels in bewegung gesetzte wasserkunst' Mothes

[Bd. 8, Sp. 959]


ill. baulex. (1881) 2, 485. bildlich: groszartig soll nunmehr das kleinartigste der kleinlichsten kleinmeister sein, solcher, so aus dem staate gern eine französische göpelkunst erlärmen wollen, wobei sie natürlich die treiber bleiben Fr. L. Jahn w. (1887) 2, 749. —
 
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göpelmaschine, f., in bildlichem zusammenhang: wir sind keine pferde für göpelmaschinen Gerhart Hauptmann ges. w. (1942) I 6, 480. —
 
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göpelpferd, n., das vor den göpel gespannte pferd, das auf dem göpelherd (s. d.) im kreise getrieben wird und die senkrechte göpelwelle dreht; vgl. Minerophilus (1730) 307. im vergleich: es ist auch wahr, dasz wir uns wie göpelpferde beständig im kreise drehen, ohne jemals weiter zu kommen J. Krebs d. moderne Rübezahl (1837) 1, 211. —

 

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