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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gönnenichts bis gönnerstolz (Bd. 8, Sp. 938 bis 956)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gönnenichts, m., eine vereinzelte bildung in der art des erst im 19. jh. nachweisbaren habenichts (s. d.): dasz fast alle seine dockelmausigen feinde und gönnenichts nach gottes wunderbarlichem rath gestrafft wurden G. Klee berümter leute leben (1589) 1, 126.
 
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gönner, m. , anhänger, guter freund, wohltäter. seit dem 13. jh. belegtes nomen agentis zu gönnen. auszerhalb des dt. nur im älteren nl. für 'fautor, freund' in der form gonner, gunner Verwijs-Verdam 2, 2064; woordenboek 5, 1282; gonre, gunre v. d. Schueren teuthonista 130 Verdam. die dt. formen entsprechen denen von gönnen (s. d. unter 'herkunft und form'); mhd. und mnd. herrschen die formen mit nicht umgelautetem stammhaftem u: gunnere sächs. weltchron. 211 Weiland; ebda 221; gunnär Andreas v. Regensburg 607 Leidinger; meistens gunner, z. b. Reinmar v. Zweter 487 Roethe, und so gelegentlich noch im 16. jh., z. b. Zwingli dt. schr. 1, 99 Sch.; bei Luther selten, z. b. tischr. 2, 359 W.; (14. jh.; md. 15./16. jh.) Diefenbach gl. 228a; 479a; nov. gl. 20b; mit umlaut: günner (1399) Württemberg. vierteljahrshefte f. landesgesch. 7, 25; vor allem im 16. jh.: Diefenbach nov. gl. 20b; Dasypodius dict. (1536) 340c; Frisius dict. (1556) 548b, und noch bei Rist Parnasz (1652) 179; Logau sinnged. 633 lit. ver.; selten güner Arigo decamerone 42 lit. ver.; ebda 119; dict. seu nomencl. quat. ling. (1566) c 4b; ghünner Er. Alberus dict. (1540) 7a; vereinzelt mit entrundetem vokal: ginner Seb. Lotzer schr. 30, 35 Goetze; (Augsburg 1487) städtechron. 23, 45; giner ebda 23, 341; im 15./16. jh. gelegentlich mit einschub eines dentals: gunder Hutten

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opera 2, 87 B.; (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 228a; gúnder Steinhöwel de claris mulier. 208 Dr.; günder ders. Äsop 64 Ö.; Karlstadt in: Luther 18, 445 W.; Hutten opera 1, 408 B.; md. früh mit vokalsenkung: gonner Joh. Rothe Düring. chron. 413 Liliencron; Luther br. 11, 11 W.; ebda 9, 206; Hutten opera 2, 86 B.; die seit dem späten 17. jh. allein geltende form gönner im späten 15. jh. vereinzelt bei Albrecht v. Eyb dt. schr. 86 Herrmann, häufiger seit dem 16. jh., z. b. Luther 15, 268 W.; Boltz Terenz (1539) 136; Fischart w. 1, 417 Hauffen; Calepinus ling. septem (1579) 566b; ebda 1470b.
gönner gehört im ausgehenden mittelalter vorwiegend der rechts- und kanzleisprache an, dringt erst seit frühnhd. zeit in weitere literarische bereiche und wird vor allem in der festen wendung freund und gönner (C 2 a) und in höflichkeitsformeln (C 1) zu einem wort der gesellschaftlichen sprache des bürgertums. seit der ersten hälfte des 19. jhs. wird der gebrauch seltener, wohl infolge politischer und sozialer veränderungen in dieser zeit, die ein mäzenatentum im weitesten sinne nicht mehr kennt. wesentlich für den rückgang des wortes ist vielleicht eine abschätzige bewertung des gönnertums, vornehmlich aus klein- oder antibürgerlichem ressentiment, die zwar nur gelegentlich zu einem verächtlichen gebrauch des wortes gönner führt (s. DWB A 2 d u. unter B 2 d α), sich dagegen häufig in dem auf einigen ableitungen (gönnerhaft, -schaft u. ä., s. d.) liegenden verächtlichen nebenton zeigt. der gebrauch von gönner wird schlieszlich fast ganz auf die wissenschaftliche sprache (B 2 d β) eingeschränkt. in den mundarten ist das wort heute kaum belegt; vereinzelt genner, ginner bei Fischer schwäb. 3, 749; gute gönner 'gute freunde' ebda 6, 2056.
A. in anknüpfung an den intransitiven gebrauch von gönnen IV bezeichnet gönner eine person, die sich einer anderen gegenüber in bestimmter hinsicht zustimmend verhält, ihr beisteht oder ihr, in jüngerem gebrauch auch einer sache, in allgemeinerem sinne wohlgesinnt, geneigt ist.
1) speziell in politischem und jurististischem sinne als 'anhänger, parteigänger, helfershelfer'. dieser unter gönnen IV analog erscheinende gebrauch findet sich bis noch ins 15. jh. hinein fast ausschlieszlich auf nd. und omd. gebiet, wobei auf dem wort oft, wenn auch nicht immer, in rechtlichmoralischer wertung ein abschätziger ton liegen kann: dar umbe ward he to banne gedan mit den, de sine gunnere weren sächs. weltchron. 221 Weiland; nu hette di marcgravinne di kemenate besazt mit iren gunnern ane lantgravin Lodewigis wizzen unde willen Ködiz v. Salfeld leben d. hl. Ludwig 33, 19 Rückert; derselbe Wilhelm ... (ist) myd allen synen steten, manne, helffern, gunneren und unrechter fulleist in des romischen richs achte und uberachte redelich kommen (1370) urkundenb. d. st. Lüneburg 2, 19; (die förderung und unterstützung eines spitals wird begründet:) wan daz almuosen sünde erleschent ist als daz wasser das füre erleschent ist und alz der würkent und der günner gelicher straff wirdig sind, ze gelicher wise der rechtund und der fürdrer dezselben rechttuenden geliches lones ze emphahent wirdig sol sin (1399) Württemberg. vierteljahrshefte f. landesgesch. 7 (1884) 25; do sass her eyn jar yn dem torme gefangen ... do gabin sie (seine diener) weisse unde wege, das etzliche uf das slosz qwomen seyner gunner die om uss dem torme hulffen unde wegk brachten Joh. Rothe Düring. chron. 456 Liliencron; under der tijd wan he mit etliken sinen gunneren in der stad eyn doer van der stad unde buwede dar to hant af eyn slot unde makede dat vil stark mit muren unde graven (Lüneburg 15. jh.) städtechron. 36, 131; derhalben (weil er einen taktischen fehler gemacht hatte) er (Philipp v. Mazedonien) weder mit gewalt die statt (Melitea) ersteigen mocht ... noch durch das thor hinein kommen, dann jhm mochten der zeit seine günner nit verholfen sein Xylander Polybius (1574) 389. vereinzelt mit attributivem gut, wohl im sinne von 'hilfreicher anhänger': unde wolde ir frawe Sophie doran nicht lassen genugen, sso were her also mechtigk zu Myssen unde ouch yn Ostirlande unde hette also vil gutter gonner yn dem lande zu Doryngen, das her ir wol wederstunde

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Joh. Rothe Düring. chron. 413 Liliencron. seit dem 15., namentlich im 16. jh. im zuge der religiös-politischen auseinandersetzungen mit stärkerer betonung der sache, um deretwillen jemand parteigänger eines andern ist: die auch der selben ketzer gunner vnd nachvolger waren Breidenbach hl. reisen gen Jerusalem (1486) 81b; so du (Luther) dich vor deinen günnern in allen büchlin der geschrifft so hoch berümest Murner an den adel 23 ndr.; aber gegen seynen (Luthers) mitverwanten anhengern, enthalltern, furschiebern, gönnern und nachfolgern ... sollet yhr ynn krafft der heyligen constitution unser und des reichs acht und aberacht disser weys handeln Karl V. in: Luther 15, 268 W.; der selb radman hat auch mich und alle meyne günder, wo er eynen ersach, gepubet und Karlstatische puben gescholten Karlstadt ebda 18, 445. in der berührung mit 2: der gorgonisch Meduse kopf, ain fremd rmisch mrwunder, neulicher zeit, inn den neuen insuln gefunden, vnd gegenwrtiger gestalt von etlichen jesuiten daselbs, an jre gute gnner abcontrafait heraus geschickt Fischart w. 1, 417 Hauffen. auch direkt auf die sache bezogen:

(aufruf des papstes an die ordensbrüder:)
vorchtit keinerhande wê
und werbit menlîch in der ê, ...
des nemt zu ûch gewêre
alle der ê gunnêre
und andit ûwirs volkis leit
Nic. v. Jeroschin 327a Strehlke;

disse koning ... mit der koninginne was ein gunner der ketterie, de meister Husso und Jeronimus geprediget hadden (Magdeburg 1419) städtechron. 7, 348.
2) genosse, guter bekannter; 'guter freund', durchaus unterschieden von freund im vollen sinne des wortes, vgl. etwa: überhaupt wird kein redlicher mann, aus niedriger gefälligkeit gegen irgend einen beschützer und gönner, einen wahren freund vernachlässigen Knigge umgang m. menschen (1796) 3, 20. in dieser bedeutung wird gönner häufig in höflichkeitsformeln (s. DWB C 1) und in der verbindung freund und gönner (s. DWB C 2 a) verwendet. diese allgemeine bedeutung treffen lexikographische umschreibungen für gönner wie fautor (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 228a; Frisius dict. (1556) 548b; fautor, studiosus qui alteri bene cupit ... ein gönner Calepinus ling. septem (1579) 566b; amicus (obd. 16. jh.) Diefenbach nov. gl. 20b; freundt, amicus, benevolus Henisch t. spr. (1616) 1682; un amy, fauteur, fauoriseur Hulsius dict. (1616) 148a; in der verbindung guter gunner (md. 16. jh.) (wie bes. unter a) s. v. amicus Diefenbach nov. gl. 20b. mehr auf b weisend: fautor ein gnner, frderer, wolwller, beystender Roth dict. (1572); fautor, patronus, benefactor, mœcenas Stieler stammb. (1691) 684b; patron Apinus gloss. (1728) 399; so auch wohl, etwa im sinne von 'patronus', aber auffallend früh, questor (14. jh.) Diefenbach gl. 479a.
a) genosse, guter bekannter. offensichtlich unter der voraussetzung von 1 und nicht immer sicher von dort zu trennen in der anscheinend auf hd. gebrauch beschränkten verbindung guter gönner, in der gut leicht affekttragende bedeutung 'wohlgesinnt, geneigt, treu' hat (s. DWB gut, besonders unter IV A 3 b, teil 4, 1, 6, sp. 1291); stark im objektiven bleibend, aber unter auflockerung der eigentlich politischen bedeutung allgemeiner zur kennzeichnung dessen, von dem man anhängerschaft, unterstützung erwarten darf: daz (dasz man auf seinen kopf einen preis setzte) was im allez ain spott, wann er hett gt günner in der stat (Augsburg 14. jh.) städtechron. 4, 40; und grüsset mir dy herren (ratsherren von Frankfurt) alle sere, wen sye, ob got wil, ein armen guten günner an mir sullen haben (1434) Frankfurter reichskorresp. 1, 401 Janssen; (ein mann) durch etliche seine gt güner, dem münch ... die hende salben thett (ihn bestechen liesz) Arigo decamerone 42 Keller; do ich z Basell minen gt gnneren den kouff anzeigt, verwundreten sy sich ab dem gtten kouff Th. Platter 95 Boos; zu wilcher bewegung (unwille in einem schreiben an Luther) mich geursachet, ... das auch ir dermassen damals gegen meinen rethen geredt, daraus ich mich hab duncken lassen, als weret ir mir nit vast ein guter gonner

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Philipp v. Hessen an Luther in: Luther br. 9, 206 W.; da ich mich also bel beklagte (vor kopfschmerz) vnd alle arztte, gute meister, vnd gute gnner vmb hlff anruffte, dasz sie mir doch meine schlafader ... abschnitten ..., da glaubten mir die meinen auch zuletzt Würz wundartzney (1670) 702. ähnlich, aber in anlehnung an die wendung gutes gönnen (s. DWB gönnen III A 1 a): nu hin, mir wirt doch vorbehalten der Teutschen lob gegen allen meinen freunden und gutes günnern zu berumen und eur tun auszusprechen Wilwolt v. Schaumburg 135 lit. ver. schwierig zu fassen ist die vereinzelte, freilich auffallend früh belegte verbindung böser gönner, vielleicht in freier anlehnung an übles, böses gönnen (s. DWB gönnen III A 1 d):

mich hât begriffen wisenten zorn:
wirt der mir niht benomen, sô scherph ich mîner zungen dorn
und lüppe mîne phîle ûf mîne bœsen gunner zaller stunt
Reinmar v. Zweter 151, 6 Roethe.


b) seit dem 16. jh. bezeichnet das wort in steigendem masze den bekannten, den 'guten freund' in einfluszreicher politischer oder gesellschaftlicher stellung oder in guter wirtschaftlicher situation, dessen hilfe man sich bedient. zunächst noch häufig in der verbindung guter gönner, dann, mit festigung der bedeutungsverengung, auch ohne attribut prägnant mit dem beiklang der geneigtheit. jüngere verbindung mit kennzeichnendem attribut wie grosz, hoch u. ä. verdeutlicht die tendenz zu der für den jüngeren wortgebrauch (s. bes. DWB B) bezeichnenden einschränkung auf eine höhergestellte person.
α) in allgemeiner anwendung. das moment der hilfeleistung ist weniger bestimmt, oder es tritt überhaupt zurück zugunsten desjenigen eines wohlwollens, jedoch ohne dasz das wort in den bereich persönlicher freundschaft hineinreicht: vmb eines Mecenatis willen, der den gelerten hold war, heissen alle gte freundt mecænates, i. notfreunde, gte günner Er. Alberus dict. (1540) B 3a; (eine frau) kehret allen fleisz an, ihrer tochter einen freyer zu finden, wie denn in kurtz geschahe durch hülff und beystand ihres capellans, der ihr groszer gönner ware Kirchhof wendunmuth 2, 522 Ö.; wirts aber der Jupiter sein, so bedeuts das er werde seine reise in diensten grosser hansen, reicher herren vnd ... edelleut, oder hoher vnd berhümbter juristen, oder seiner gten günner verrichten Pegius geburtsstundenb. (1570) Qq 7a; seinem weiland hochgeneigten herren gesellschafftern und grossen gnner (dem kanzler Anthon von Wiethersheim) machte dises (eine grabschrift) in Wedel an der Elbe der rüstige Rist Parnasz (1652) 179;

die holde freundlichkeit, die dir ist angebohrn,
ist von dem himmel selbst als ein magnet erkohren.
der felsen-herzen zieht, und alles macht geneigt;
so viel dein auge sieht, der brunnen reiner triebe,
so viel gewinnest du auch hertzen voller liebe.
viel suchen deine huld und sind dadurch beglücket,
davon geb' ich mich auch zu einem beyspiel an:
dein theurer fürste hat mich gnädigst angeblicket,
dein kräfftger vorspruch hat disz gantz allein gethan.
fahr, grosser gönner, fort mich also zu vergnügen,
so kann ich lebenslang dem glück im schoosse liegen
Neukirch anfangsgründe z. reinen t. poesie (1724) 428;

weil auch nichts in dieser welt ohne beystand zu bereiten,
gieb mir bey den obern gunst, lieb und huld bey allen leuten,
dasz es nie an guten gönnern, und an treuen freunden fehlt
Schmolck sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 12;

wir bitten uns auch wohl eines andern gunst und gewogenheit aus. es (das wort 'gunst') kömmt von gönnen ... und davon nennet man einen vornehmen freund schmäuchelhaft seinen gönner Gottsched beob. (1758) 119. vergleichbar: darnach erzeiget sich der mon auch ein gnner, da er seinen liechten schein vnter die dunckeln wolcken verbergen ward, Camillo ein sicheren weg verliehe, darumb der liebe von der lieben empfangen ward buch d. liebe (1587) 112b. für den übergang dieser bedeutung in die von B ist es bezeichnend, dasz in gleicher attributiver verbindung grosz sich nicht mehr nur auf die hohe stellung des gönners, sondern auch auf die intensität seines wohlwollens und seiner gunstgewährung beziehen kann: er ist sein groszer gönner percupidus est ejus Steinbach

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dt. wb. (1734) 1, 619; vielmehr hielt ich den cardinal santa Fiore für meinen groszen gönner Göthe I 43, 344 W.
β) speziell im bereich des politischen vom fürsprecher und förderer. mit besonderer betonung der einfluszreichen stellung: die von Zwickaw sind grossze hern vnd haben viel guter gunner zu hoff; darumb lassen sie sich nicht schelten, haben auch nicht not zu folgen Luther tischr. 2, 359 W.; niemand aber war freudiger als Ingviomer, Boleszla, und Britomartes, derer ieder bey hofe seine gönner hatte Lohenstein Arminius (1689) 2, 1398a; wenn man ... einen gönner am hof und geld auf zinsen hat Hippel lebensläufe (1778) 1, 220. mit stärkerer betonung der fördernden fürsprache, besonders in hinsicht auf beruf und stellung: so sagt mancher, wann ich ein gtten fürsprecher vor rat habe, oder ein gtten ginner an eins künigs hof, so mag ich dester basz fürkommen Seb. Lotzer schr. 30 Götze; (sie hatte) auf einen mann, der eine wichtige stelle bekleidete, sich groszen einflusz zu verschaffen gewuszt ... nun kamen ihr die krebse ... glücklicherweise zu statten. sie sollten sorgfältig gefüttert und nach und nach dem hohen gönner ... auf die tafel gebracht werden Göthe I 25, 1 W. zu B neigend: auch war sein enthusiastischer gönner nicht imstande, ihm irgend eine zulage zu verschaffen, weil die universität sehr geringe einkünfte hatte Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 24. auf einen vor dem 19. jh. sonst nicht zu belegenden besonderen gebrauch im politischen bereich im sinne von 'beschützer' scheinen einige der oben unter 2 angegebenen lexikographischen umschreibungen hinzuweisen, vor allem 'patronus', 'questor'.
γ) von einer person, die einer andern sach- oder geldzuwendungen macht:

ich wolt jm (dem fuchs) geben all mein hner,
vnd wil mein lebenlang sein gnner
sein, vnd wils auch ans end wol bleiben
vnd in mein hertz solch wolthat schreiben
Burkard Waldis Esopus 2, 288 Kurz;

wo er ir gte günner wiste,
entlehnet er ein michel summ,
beyd gold und geltes umendumb
Murner v. d. fier ketzeren 120 Fuchs;

armuth gehöret unter das unglück ..., welches zu vermeiden nicht in unserer gewalt stehet ... wenn wir nun durch unglücks-fälle dazu kommen, als dasz wir von dürfftigen eltern gebohren worden, dasz wir keine gute gönner finden, die sich unser annehmen ...; so kan uns dieses nicht beygemessen werden Chr. Wolff ged. v. d. menschen thun u. lassen (1720) 409;

Menippus lässt nach seinem sterben
zehntausend thaler bares geld
dem blosz aus gunst erwehlten erben;
... was thut hierauf (als am gewicht des goldes etwas fehlt) der münzenkenner
für seines freundes edle that?
er lästert den erblichnen gönner
als den, der ihn betrogen hat bei
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 6, 282;

er suchet keinen freund, trifft er von ungefähr
nicht einen wuchrer an, der reicher ist als er.
vor dem beugt er sich tief, dasz er sein gönner werde,
vor jedem tausend mark stets tiefer bis zur erde.
... doch bald stöszt von dem rang, den er dem gönner gab,
durch hundert thaler mehr ein reichrer ihn hinab
Giseke poet. w. (1767) 55.


c) liebhaber, verehrer einer bestimmten sache oder eines menschen um dieser sache willen, besonders im kulturellen bereich; gönner neigt hier gelegentlich zur bedeutung 'leser, publikum'.
α) gegenstand der zuneigung ist eine sache. ein literarisches werk: welches denn verursachet, dasz ich gedachte satyras ... meinem groszgeneigten herren als einem grunderfahren kenner und gönner solcher arbeit in tieffester demuht und gehorsamb zugeschrieben Rachel satyr. ged. 4 ndr.; der herr le Piquant ist der mann, welchen diese manir zu lesen zu einem gönner unsrer discoursen ... gemachet hat discourse d. mahlern (1721) 2, 46;

[Bd. 8, Sp. 943]


ein meister im latein, als bischoff auch ein gönner
des bibelwerks, das man vulgata nennt,
doch vom hebräischen und griechischen kein kenner
(anm.: [der bischof don Ramo,] der ein ausnehmender freund
der lateinischen sprache, und folglich auch der vulgata, aber
ein so groszer feind der hebräischen und griechischen übersetzung
der LXX dollmetscher war)
J. Fr. Löwen schr. (1765) 1, 162;

dasz ihnen die ankündigung unseres magazins gefallen hat, war mir eine grosze freude, denn so darf ich's wagen, sie unter die gönner dieses werkes zu zählen J. G. Forster s. schr. (1843) 7, 126. auf eine literarische figur oder gattung bezogen:

doch, statt der lust, die ich (das possenspiel) ihm, als ich kam, versprach,
lasz ich ihm meinen schimpf und seine reue nach; ...
so niederträchtig ich bey meinen gönnern bin,
so steif und stolz ist doch mein handwerkseigensinn
Gottsched dt. schaubühne (1740) 6, 558;

manchen leser wird sie (Wilhelm Meisters zuneigung zu Therese) anfangs recht erschrecken, denn Theresen verspreche ich wenig gönner Schiller br. 5, 3 Jonas; er (der harlekin), der sich sonst in der genügsamkeit seiner gönner für einen gott hielt, bekam zum ersten mal atheistische zweifel an dem dasein eines publikums Cl. Brentano ges. schr. (1852) 7, 8. allgemein auf eine kunst oder kunstform bezogen: landgraf Hermann ... war ein grosser gönner und liebhaber der dichtkunst Adelung magazin (1783) 2, 3, 21; vielmehr war er ein gönner der prosa Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 343;

manchen unter euch
begrüszen wir als gönner unsrer muse
Göthe I 13, 1, 169 W.;

ich bin ... ein gönner der edlen tonkunst Chamisso w. (1836) 6, 19. ähnlich:

drum wohl dem, der sich ihr (der tugend) ergiebet,
und der ihr eigenschaft recht kennt,
der kunstgeschikklichkeit beliebet,
und sich vor jhren gönner nennt
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 153.

in der beziehung auf eine einrichtung: (da) lud der berühmte rector daselbst, herr M. Seidel, durch eine artige einladungsschrift den magistrat und andere gönner des schulwesens ein, diese anzugsrede ... anzuhören anmuth. gelehrsamk. (1751) 1, 695 Gottsched; die gönner dieser zwangsgesellschaften (krankenkassen) allg. dt. bibl. 91 (1790) 104. der älteren bedeutung 'anhänger' (A 1) nahestehend, aber doch mehr die blosze zuneigung betonend, ohne dasz ein entsprechender aktiver einsatz notwendig mitgedacht wird, auf eine politische oder religiöse idee bezogen: in der neuen teutschen kirche, die Bonifacius sammlete, gab es viele verkehrte und von der wahren religion entfernte menschen, wenn man ihm und seinen freunden glauben beymessen darf: man kann ihnen aber kaum glauben beymessen, weil aus vielen umständen erhellet, dasz die gönner der von ihm angeführten irrthümer Irländer, Franzosen und andere gewesen, die sich der oberherrschaft des römischen pabstes, die Bonifacius ausbreitete, nicht unterwerfen wollten v. Einem Mosheims vollst. kirchengesch. 3 (1771) 450; Ernst muszte, als ein bekannter feind der alten bürgerlichen ordnung, für einen entschiedenen gönner der gefährlichen französischen grundsätze gelten Klinger w. (1809) 8, 250. ähnlich auf anderes bezogen:

die uhrsach' zeigt man an, dasz, wann die kluge männer
zu viel in sorgen gehn, sind tieffer grillen gönner,
alsdann das feinste blut, der beste lebens-safft
nicht recht sei, wie er soll, an geister reicher krafft J. Cats sinnreiche wercke (1711) 2, 447;

von den absorbierenden mitteln scheint der hr. verf. ... ein grosser gönner zu seyn allg. dt. bibl. 5 (1767) 269.
β) gegenstand der zuneigung ist der urheber oder aktive verfechter einer sache, vor allem ein künstler oder wissenschaftler: ja auch die vernünfftigen leute und gönner der lehrer der wahrheit werden öffters durch solcher unruhigen leute ungerechtes verfahren zu ... einer verminderung der wohlgewogenheit gegen das predigamt

[Bd. 8, Sp. 944]


aufgebracht Thomasius kl. dt. schr. (1894) 190; dieser tyrann ... hatte sich unter andern schwachheiten in den kopf gesetzt, für einen gönner der gelehrten, für einen kenner, und so gar für einen der schönen geister seiner zeit gehalten zu werden Wieland Agathon (1766) 2, 147; wenn wir (der dichter) aber uns bewogen finden diesen werthen mann nicht lesen zu lassen (d. h. seine vorlesung mathematischer schriften nicht abdrucken), so werden es unsere gönner wahrscheinlich geneigt aufnehmen ... unsere freunde haben einen roman in die hand genommen, und wenn dieser hie und da schon mehr als billig didaktisch geworden, so finden wir doch gerathen, die geduld unserer wohlwollenden nicht noch weiter auf die probe zu stellen Göthe I 24, 179 W. vielleicht hierher: er (Erasmus) machte einige schriften bekannt, die ihm ... bewunderung und gönner verschafften. allmählich fühlte er, was das publicum bedurfte und liebte Ranke s. w. (1867) 1, 177.
d) eine negative bewertung des gönners findet sich vor allem, freilich nicht häufig, im 18. jh.; in der oft mehr gegen den begünstigten als gegen den gönner gerichteten kritik erhalt das wort gelegentlich einen abschätzigen nebenton.
α) der einfluszreiche, mächtige oder besitzende 'bekannte', von dem man hilfe erwartet (s. DWB A 2 b), erscheint als unaufrichtig, geizig, eingebildet u. ä.:

auf einen selbsrühmenden gutthäter.
... ich greiffe dir, o gönner, unvermeidlich in das amt
(wenn der dichter den gönner lobt)
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 40;

nechst wurd ich mit gewalt an unsern hof gezogen,
viel gönner schwazten mir befördrungsmittel vor;
ich kam und sah, und sieh, ich war so gut betrogen
als jener, der das fleisch bei schattenwerck verlor
J. Chr. Günther s. w. 3, 75 lit. ver.;

freund kenne doch die welt! der grössre dient geringern!
an weisen haftet staub, und gold an kargen fingern.
versuch es, bettle nur; und schätze dich beglückt,
wenn dich dein gönner hört, und noch die achseln zückt.
bestürm ihn tag vor tag, belagre seine schwelle,
und krieche jahre lang, nach einer ehrenstelle
Dusch verm. w. (1754) 305;

sitze du immerhin bei fremden tischen zu gaste,
schmeichler, und gieb dem bauch schmählich verdienete kost,
lache mit traurigem herzen dem gönner, wenn er dich anlacht,
weine mit ihm, wenn er nur ein gelächter verdient
Herder 26, 141 S.;

die kinder der ausländer werden künftig das parlament besetzen, und der eigennutz ihrer gönner wird ihre gedungenen stimmen leiten Schiller 7, 112 G.
β) die kritik an dem 'liebhaber, verehrer einer kunst' (s. DWB A 2 c) richtet sich besonders gegen dessen künstlerisches unverständnis; deutlicher als bei positiv wertendem oder neutralem gebrauch kann gönner hier geradezu 'leser, zuschauer, publikum' meinen:

der weiht sein buch sich selbst, ...
der macht das publikum, und jener
den esel gar zu seinem gönner
Blumauer ged. (1782) 186;

was macht ein volles haus euch froh?
beseht die gönner in der nähe!
halb sind sie kalt, halb sind sie roh
Göthe I 14, 12 W.;

der gönner liest und gähnt und lacht,
ein fieberfrost ergreift den dichter
Pfeffel poet. versuche (1802) 1, 171.


B. wohltäter, förderer; gnädiger, gunst erweisender herr. im ganzen unter voraussetzung der bei A sich herausbildenden bedeutung 'guter freund', hier aber mit starker betonung der nach auszen sichtbar werdenden wohlwollenden haltung von einer in irgendeinem sinne überlegenen, höher- oder bessergestellten person, die einer andern wohlwollend gunst oder hilfe in irgendeiner hinsicht gewährt, etwa dem gebrauch von gönnen I entsprechend. dieser betont positiv wertende gebrauch bildet sich in der deutschen klassik in offensichtlichem gegensatz zu der besonders an die bedeutung A 2 anknüpfenden negativen bewertung des gönners (A 2 d) heraus. den übergang zu dieser bedeutung kennzeichnet Adelungs umschreibung von gönner als 'in engerer und gewöhnlicherer bedeutung ... eine person, die unser glück aus wohlwollen befördert' versuch 2 (1775) 750.

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1) allgemein von einer höhergestellten oder gesellschaftlich ausgezeichneten person, die ihr wohlwollen andern gegenüber im tätigen umgang mit diesen zeigt: die zurückgesetzten (schauspieler) lieszen auf allerlei weise ihren verdrusz spüren und wuszten ihrem erst hochverehrten gönner (dem baron) den aufenthalt unter ihnen auf ein- oder die andere weise unangenehm zu machen Göthe I 52, 149 W.; Lothario lehnte sich auf seinen begleiter, welchen Wilhelm sogleich für seinen alten gönner Jarno erkannte derselbe I 23, 15 W.; (Fliege zu Fuchs:) ich thue alles für sie, was ich kann; denn sie sind mein gönner, mein beschützer, mein gnädiger herr Tieck schr. (1828) 12, 7. mit stärkerer betonung der materiellen wohltätigkeit: jener see wäre mein tintenfasz, — und dort das gebirge wäre ein stück speck, welches mir die eltern und gönner aus dankbarkeit verehrten Grabbe w. (1874) 1, 428; jetzt wog ich das winzige sümmchen nicht gegen den wert derselben (bilder), sondern gegen die not des augenblickes ab, und da erschien mir der ärmliche handelsgreis mit seiner kleinen kasse noch als ein schätzenswerter gönner; denn er hätte mich ja auch abweisen können G. Keller s. w. 6, 77 Fränkel (die erste fassung hat dafür: als ein freundlicher wohltäter ebda 19, 115). bei stärkerer betonung der gunstbeweisung nähert sich das wort der bedeutung 'wohlwollend oder groszmütig handelnder, älterer oder an einsicht, klugheit, erfahrung überlegener freund': er ... ging an diesem tage nach dem rathe seines neuen gönners (eines unbekannten mannes, den er zufällig trifft) noch ein gutes stück, bis er zu der Afel kam Stifter s. w. 3 (1911) 306; halbe stunden lang sah ich (als junge), wenn ich konnte, der arbeit des englischen baggers zu, dessen ingenieur, ein alter Schotte namens Macdonald, mein besonderer gönner war Fontane ges. w. (1920) II 1, 123. geradezu vom lehrer eines andern: 'ich denke mir', schreibt Knecht seinem gönner (dem musikmeister) ... Herm. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 168; allerdings kenne ich (Riemer) den brief, den der meister (Göthe) damals an meinen lehrer und gönner in Halle schrieb Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 75. vereinzelt von dem wohlwollenden helfer in liebesangelegenheiten: im tennen, d. h. in der hausflur angekommen, sahen sie einen buben zur thür hereinkommen, der sich vorsichtig umsah. es war der kleine gönner des liebespaares, Johannesle. Annemarie, die schon gehört hatte, wie sie bei dem bürschchen in gnaden stand, flog auf ihn zu M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 1, 116.
2) unter spürbarem rückgang des gebrauchs wird das wort seit dem 19. jh. in steigendem masze auf einige spezielle anwendungen eingeschränkt, die ältere gebrauchsweisen (s. unter A 2) lose fortführen, die dort bestehenden grenzen aber jetzt durch betonung des wohlwollenden, wohltätigen, fördernden handelns verwischen.
a) förderer, vor allem in beruflicher hinsicht. mit anknüpfung an A 2 b β: als dieser (graf Shaftsbury) späterhin groszkanzler von England wurde, erhielt Locke von ihm ein amt, aber bei dem wechsel, den dieser in seinem ministerium erlitt, verlor Locke bald darauf seine stelle wieder ... er gewan. ... seine stelle wieder, als sein gönner wieder ins ministerium kam Hegel w. (1832) 15, 422; so war es für ihn wie eine hand aus den wolken, als sein alter gönner Haug ihm aussicht auf eine anstellung in Ludwigsburg eröffnete Schubart br. in: D. Fr. Strausz ges. schr. 8, 34 Zeller. mit einschlusz von A 2 b γ vom förderer einer in der ausbildung befindlichen person: nicht leicht ist ein mensch glücklich genug, für seine höhere ausbildung von ganz uneigennützigen gönnern die hilfsmittel zu erlangen Göthe I 46, 45 W.; da kam es durch fremde hilfe ..., dasz ich plötzlich in die gelehrte schule nach Stralsund verrückt ward. mehrere gönner, welche unbekannt bleiben wollten, hatten für diesen zweck einen zusammenschlusz getan E. M. Arndt w. (1892) 1, 50; regelrecht konnte er (Joseph v. Sonnenfels) sein studium erst wieder fortsetzen, als ... die fürsprache einfluszreicher gönner, besonders des grafen Johann Karl von Dietrichstein, dem wiszbegierigen jünglinge den austritt aus dem soldatenstande ermöglicht hatte allg. dt. biographie 34 (1892) 628.

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vom förderer einer einrichtung: seitdem hat jeder von den fürsten des hauses Birkenfeld durch verbesserung ihrer (der bayr. akademie der wiss.) einrichtung, erweiterung ihres wirkungskreises ... überhaupt als aufmerksamer gönner und theilnehmender wohlthäter sich bethätigt Döllinger akad. vortr. (1888) 1, 55; gab der heilige patron dem kloster ansehn, so war der schutz der irdischen gönner nicht weniger förderlich. bedeutung und wohlstand eines klosters hingen davon ab, dasz eine grosze herrenfamilie ihre interessen mit denen des geistlichen stiftes vereinigte G. Freytag ges. w. 17 (1888) 358. allgemeiner, wobei die ältere bedeutung 'fürsprecher' (s. o. A 2 b β) anklingt: die warme empfehlung meines gönners (Lorenzo, der den sprecher 'mit verbindlichkeiten überhäufte' und für seine 'geheimnisse grosze achtung zu tragen schien') bereitete mir da (auf dem landgut) einen empfang, der alle meine wünsche übertraf Schiller 4, 239 G.; der corporal sandte zum zweiten mal sein abschiedsgesuch an die compagnie und schrieb zu gleicher zeit einen beweglichen brief an seinen gönner, den major Vogt. ... (dieser antwortete,) dasz sein hoher chef die berechtigung dieses abschiedsgesuches anerkannt und die entlassung verfügt habe G. Freytag ges. w. 12 (1887) 284. ähnlich in seltenem und unpräzisem modernen gebrauch: jedermann wuszte, dasz er (bruder Juniper) an einer art denkschrift über den unglücksfall arbeitete, und jedermann erwies sich sehr hilfreich und irreführend. einige wuszten sogar vom hauptzweck seiner tätigkeit, und es fanden sich gönner an sehr hohen stellen Thornton Wilder d. brücke v. san Luis Rey (1952) 16.
b) historisierender rückgriff auf ältere politische gebrauchsweisen (s. besonders oben A 1 u. A 2 b β) führt in historischer anwendung gelegentlich zur bedeutung 'beschützer, begünstiger'. vereinzelt schon im 18., häufiger im 19. jh.: hier ward ihm (dem papst Johann) aber von seinem bisherigen gönner, dem herzog Friderich, bedeutet, dasz er sich wieder nach Freyburg begeben möchte M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 4, 95; im gefolge der kriegsereignisse kehrten sie (die jesuiten) nun und zwar unter der entschiedenen begünstigung der staatsgewalt zurück. die Farnesen waren ohnehin besondere gönner dieser gesellschaft Ranke s. w. (1867) 38, 72; oho! rief er nun; aus Schweden. vom könig Carolus ein eigenes sigill! ... wie kommt's denn, dasz er im lande streifet, so er solche gönner aufzuweisen hat? Storm s. w. (1899) 6, 149; die begünstigung des alten moskowiterthums ... blieb fortan der leitende grundsatz seiner (des zaren) regierung. in schneidendem gegensatze zu seinem bruder Alexander, dem gönner der Deutschen und der Polen, wies er alles westländische wesen feindselig ab Treitschke dt. gesch. (1879) 4, 87; der wahrsager Selim war schon lange heimlich im land, von ungenannten gönnern behütet; aber an einem nassen oktobertag hatten ihn die landreiter am strick nach Tübingen gebracht; denn wahrsagerei war in Württemberg bei todesstrafe verboten qu. a. d. j. 1937. nahezu im sinne von 'anhänger, parteigänger': durch eine geheime pforte, die ihm seine Augsburger gönner bei nacht öffnen liessen, ... ritt er (Luther) davon Ranke s. w. (1867) 1, 270; vgl. ebda 9, 140 anm. 1.
c) anknüpfend an A 2 b γ findet sich eine spezielle anwendung auf den brotgeber, dienstherrn: er (der entlassene zuchthäusler) bietet sich den reichen des orts an, und will für den taglohn dienen. der bauer zukt über den schwachen zärtling die achsel; der derbe knochenbau seines handvesten mitbewerbers sticht ihn bei diesem fühllosen gönner aus Schiller 4, 67 G.; ich fand ... einige geschäftsmänner, die eben in auszerordentlichen fällen jemanden brauchen konnten, der mit der feder umzugehen wuszte. allein die auszerordentlichen aufträge meiner gönner gingen zu ende, an eine dauerhafte versorgung war nicht zu denken Göthe I 21, 237 W.; im jahre 1689 war der junge Neapolitaner als lakai im gefolge des herzogs, dem er zu Rom mancherlei dienste kurioser art geleistet haben mochte, nach Frankreich gekommen

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... es wird uns nicht gesagt, was ihn im folgenden jahre schon aus dem dienste seines gönners trieb Raabe s. w. I 4, 533 Klemm.
d) freigebiger, materiell fördernder kunstliebhaber, mäzen.
α) aus okkasioneller verbindung von A 2 c und A 2 b γ, 'kunstliebhaber, der dem künstler finanzielle zuwendungen macht', erwächst seit dem späten 18. jh. unter einflusz der allgemeinen bedeutung 'wohltäter' eine spezielle im sinne von 'mäzen eines künstlers', manchmal im zusammnhang einer leichten, gegen den begünstigten gerichteten kritik:

poeten, die um geld gepriesen, und geweint,
sind froh, da nun der schlusz von ihrem schmerz erscheint;
sie endigen ihr lied, und ihres gönners thaten,
sie machen einen strich, und nehmen den dukaten
Zachariae poet. schr. (1763) 1, 174;

darf wohl ein bettler wie ich (ein schriftsteller), der sein leben von reichen leuten hat, ihnen einen solchen sittenspiegel beständig vorhalten? man lobt die tugend, aber man haszt sie ... (die frommen) haben sich zu leisten auferlegt, was ihnen nicht natürlich ist. sie leiden, und wenn man leidet, macht man andere leiden. das ist weder meine sache, noch die sache meiner gönner Göthe I 45, 64 W. (Rameaus neffe);

wir sind komödici, die von des menschen leben ...
den gönnern um das geld genauen abrisz geben
Ph. Hafner ges. schr. (1812) 1, 104;

statt kaiser und mäcene musz ich gutsbesitzer, geheime hofräthe, sängerinnen ... abconterfeien; musz ihnen ... nicht minder schmeicheln, als ein römischer dichter seinen hohen gönnern Holtei erz. schr. (1861) 5, 29. mit abschätzigem nebenton:

und ich wollt am andern morgen
meinen gönner wiedersehn,
bei dem papagei in sorgen
musz ich vor der thüre stehn
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 2, 452.

mehr resignierend als negativ wertend:

ein jeder kömmt doch gern zu brode,
doch blieben mir die gönner kalt,
that ich gleich klein wie eine lode (kleiner baumsprosz)
gen einen mächt'gen eichenwald
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 1, 253.


β) in anlehnung an B 2 c 'brotgeber, dienstherr' vom auftraggeber eines künstlers: man spricht sein augenblickliches unvorbereitetes urteil aus, ohne nur irgend zu bedenken, dasz jeder künstler auf gar vielfache weise bedingt ist, durch sein besonderes talent, durch vorgänger und meister, durch ort und zeit, durch gönner und besteller Göthe I 32, 174 W. dieser gebrauch festigt sich vor allem in der literaturwissenschaftlichen terminologie in einer den zeitgenössischen sprachgebrauch rückprojizierenden historischen anwendung zu einer besonderen bedeutung, die die engere bedeutung 'mäzen' mit aufnimmt; immer in positiver oder neutraler bewertung: (einige dichter des mittelalters) reden von ihren meistern in der kunst, ihren fürstlichen gönnern, ihren geliebten und dergleichen mehr dt. museum (1812) 2, 2 Fr. Schlegel; Konrad von Würzburg ... lebte und starb in Basel ...; eine reihe von gönnern sind aus dieser stadt auf deren aufforderung, denen zu gefallen er dieses oder jenes werk gedichtet oder übersetzt hat Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 1, 469; auch die andern übersetzer ... haben nachweislich für adelige gönner gearbeitet Scherer literaturgesch. 7266; so ist es bezeichnend, dasz K(onrad v. Würzburg) dem abt von Tiersberg seine weltliche novelle 'Heinrich von Kempten' widmet und nicht etwa 'der welt lohn', dessen grundgedanke omnia vana für den geistlichen gönner passender gewesen wäre verfasserlex. (1936) 2, 914; allein im spätherbst von Mödling, wo er (Beethoven) den sommer verbracht, nach Wien zurückgekehrt, habe der meister sich niedergesetzt und jene drei kompositionen ... in einem zuge niedergeschrieben, auch seinem gönner, dem grafen Brunswick, davon meldung gemacht, um ihn über seinen geisteszustand zu beruhigen Th. Mann Faustus (1947) 80.

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selten und nur in älteren belegen vom gönner einer kunst oder wissenschaft:

gieb, Mäcenas, ein amt deinem Virgilius,
deinem Flaccus ein amt, gönner der wissenschaft
J. H. Vosz sämtl. ged. (1802) 3, 159;

Alexander ... war den künsten aufrichtig zu gethan, und nächst Pericles der unternehmendste und der freigebigste gönner derselben H. Meyer gesch. d. bild. künste (1824) 1, 233.
C. besonderheiten des gebrauchs.
1) in höflichkeitsformeln behält gönner die bedeutung 'bekannter, guter freund' (A 2) bis ins 19. jh. hinein, stets im rahmen einer gesellschaftlichen distanz. in der anrede, zunächst in der bedeutung 'genosse' niedriger gestellten gegenüber: (der rat von Iglau in einem bergrechtsspruch für Kuttenberg:) ersamen weisen und liben gunner (1412) in: zeitschr. d. dt. ver. f. d. gesch. Mährens u. Schlesiens 7, 44; Karl von gottes genad herczog zu Munsterbergk ... unser sunderliche gunst und alles gut. ersamen, wol weisen, besunder liben und guten gunner, geben euch czu wissen, das ... Iglauer bergrechtsentscheidung (1510) bei Zycha böhm. bergrecht 2, 491. für lokale umgangssprachen wird dieser gebrauch noch von Adelung wb. 2 (1808) 754 gebucht. später häufiger gleich- oder höhergestellten gegenüber, stets mit dem beiklang ehrender auszeichnung, der oft durch attributive verbindung gestützt wird: wol edler, vester, hochbenamter herr, hoher gönner Prätorius saturnalia (1663) 19; bey seines gleichen sagt man: ... werthester gönner Chr. Weise polit. redner (1677) 99;

da, theurer gönner! lasz mich nur
den treuen glückwunsch erst ertheilen!
Gottsched ged. (1751) 1, 164.

weniger formelhaft, zu einem wohltäter: schelten sie mich nicht, mein gönner, um diesen freiherrn von Münchhausen Immermann w. 1, 11 Hempel. in einer jüngeren abschiedsformel: ich habe die ehre ihnen in einer viertelstunde wieder aufzuwarten: bleiben sie indessen mein gönner slg. v. schausp. (1764) 2, 53. ähnlich: erfährt ihn (den heiratsantrag) auch sonst niemand, verbleiben wir euer wohlgeneigter gönner O. Ludwig ges. schr. (1891) 4, 237.
2) kopulative verbindungen.
a) die stehende verbindung freund und gönner, seltener gönner und freund, ist seit dem 15. jh. überaus häufig belegt. ihr liegt der gebrauch von gönner im sinne von 'genosse, guter bekannter, guter freund' (A 2) zugrunde. entsprechend findet sich auch hier attributive verbindung mit gut. im übrigen ist die kopulative verbindung etwa gleichbedeutend mit der attributiven guter gönner (unter A 2 a, b), da freund ein stärker affekthaltiges verhältnis persönlicher beziehungen ausdrückt (ähnlich wie es gut betont) als bloszes gönner.
α) mit anklang an die bedeutung 'anhänger, parteigänger' (A 1): in diser mitler zeit ... ist im durch her Niclausen freihern von Abensperg gen Augspurg ain absag und feindsbrieff zugeschickt worden, der zu derselbe zeit hertzog Albrechts hoffmaister ist gewessen, welchen hertzog Cristoff für sein gutten fraind geacht hat (var. für seinen gutten fraind und ginner achtet) (Augsburg 15. jh.) städtechron. 23, 45; darumb bracht er den keyser in gar kurtzer zeit darz, das er alle seine freund und günder z todt schlagen und erwürgen lies Wickram w. 3, 194 Bolte.
β) genosse, guter bekannter, 'guter freund': vivere alicui in einsi willen vnd gfallen lben, einsi gter fründ vnnd günner seyn, vnnd all sein fleysz jm zedienen anlegen Frisius dict. (1556) 1395a; also beredten Xanthum syne guote fründ und günder, daz er Esopum fry liesze (amici igitur ac necessarii hortati sunt Xanthum, ut manu Esopum mitteret ac reipublice condonaret) Steinhöwel Äsop 64 Ö.; er hab ... darnach etliche seiner, auch seiner preut gute freund und gonner am palmtag zu gast gepeten (1526) A. Chroust chron. d. st. Bamberg 2, 296; vnd do jch gen Mentz kommen, haben mich gutte freünd vnd günder mit frolocken entpfangen Hutten opera (1859) 1, 408; wer sich fein züchtig vnd höflich halten kan, der macht

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jhm gar viel leute zu freunden vnnd guten günnern Mathesius Jesus Syrach (1586) 140a. in gleicher bedeutung, aber schon auf späteren gebrauch im sinne von 'liebhaber einer kunst, verehrer eines künstlers' hinweisend, auf personen bezogen, denen ein schriftsteller sein werk zuschreibt oder die seine abfassung wünschen: welchs büchlin ... wil ich ... meinem besondern günstigen freunde vnde günner ... zugeschrieben ... haben Agricola musica chor. deudsch (1538) A 3a; hab ich mir ... ein kurtzen auszzug, frischer vnd lieblicher teudscher liedlein ... zusam getragen, welch nachmals vil gut freund vnd gönner begert, vnd mich gebeten, solche auch andrer der musicken liebhaber durch den druck mit zutheilen (1551) Forster frische teutsche liedlein 5 ndr. mehr vom 'guten freund' in einfluszreicher stellung, dessen hilfe man sich bedient: das ir euch an ewern guten frunden und gunnern zu hof in geheym erlernen und erkunnen wollet, was an den sachen sey, und denselben sollich unser anligen ercleren und nach irem rate wege furkern, damit sich die keiserlich maiestat gen uns zu gnaden gutlich zeneigen ... geruchte (Nürnberg 15. jh.) städtechron. 10, 396; aber ich (herzog Aymont) erlangt souil durch mein günner vnd gut freundt, das ich mit friden bleib, vnnd vngeschmecht hertzog Aymont (1535) h 1a. so wohl auch: denn wo gottes gnade ynn eim richter nicht wonet, so thut er seim ampt nymer mehr gnugsam, fellet seinem freund und guten günner odder sonst einem grossen hansen zu, sihet also durch die finger Luther 16, 520 W.; (er) was ouch wider keiser Fridrichen, nachdem er pabst war, und was doch zevor sin sonders guter fründ und gönner gewesen Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 138. in der gesellschaftlichen umgangssprache des ausgehenden 17. und des 18. jhs. wird die verbindung zur gesellschaftlich auszeichnenden formel für den gleich- oder höhergestellten bekannten: welches ... untersuchet hat, mein sehr grosser gönner und freund, herr Caspar Voigt Morhof unterr. v. d. dt. sprache (1682) 29; täglich wiederhole ich den wunsch, mich ... des beyfalls aller gönner und freunde meines geliebten Gottscheds immer würdiger zu machen Gottschedin br. 1, 221 Runkel; es vergehet kein tag, wo er (Wolfgang) nicht wenigst 30 mahl von Salzburg und seinen und unseren freunden und gönnern spricht (1764) L. Mozart in: br. W. A. Mozarts 4, 236 Schiedermair; ich hatte von mehrern meiner gönner und freunde in Schwaben viele einzelne beyträge zu einem schwäbischen idiotikon erhalten Nicolai reise d. Deutschland u. d. Schweiz (1783) 9, 148.
γ) die jüngere bedeutung 'wohltäter, förderer; gnädiger, gunst erweisender herr' (B) beeinfluszt die feste verbindung nur schwach. noch ganz als gesellschaftlich auszeichnende formel mit leichter betonung der gunstgewährung: hier (in Mannheim) fand er nun, wegen seiner im druck erschienenen geschichte, viel gönner und freunde. allenthalben erwies man ihm gnade, freundschaft, liebe und zärtlichkeit Jung-Stilling s. schr. (1835) 1, 368; es ist sonderbar, versetzte der baron, welch ein wunderlich bedenken man sich macht, geld von freunden und gönnern anzunehmen, von denen man jede andere gabe mit dank und freude empfangen würde Göthe I 22, 7 W. in jüngerem gebrauch so nur noch in historischer anwendung: er warf nur ganz geheim seine gewürze in die suppe, welche er meinem freunde und gönner, dem regierenden herrn bürgermeister, kochte W. Raabe s. w. I 6, 384; im übrigen stehe sein (des alten Vosz) alter freund und gönner (Göthe) ganz ebenso wie er zu diesen patriotischen frömmlern und neokatholiken Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 309. im 19. jh. noch vereinzelt in spezieller anwendung; so von einem in geistiger hinsicht fördernden und helfenden: einen freund und gönner (Dalberg) ... musz ich an dieser stelle rühmen. man traf ihn stets rührig, theilnehmend, fördernd, und wenn man sich auch seine vorstellungsart im ganzen nicht zueignen konnte; so fand man ihn doch im einzelnen jederzeit geistreich überhelfend Göthe II 6, 144 W.; ehe ich diese anmerkungen dem leser übergebe, ist es meine pflicht, hier einigen vortrefflichen freunden und

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gönnern zu danken, welche mich bei meiner arbeit durch literarische hilfe, rath und kritik mannigfach unterstützt haben Brentano ges. schr. (1852) 6, 418. vom mäzen eines künstlers: er (Forster) nennt in einem brief an Heyne die ausgezeichnetsten männer, deren gunst und theilnahme er sich erfreue, die wir auch als Mozarts freunde und gönner kennen O. Jahn Mozart (1856) 3, 318; Kaldenbach ... hat manche gelegenheitsgedichte Dachs, besonders auf sterbefälle von gönnern und freunden, in musik gesetzt E. E. Koch gesch. d. kirchenlieds (1866) 3, 258.
δ) liebhaber, verehrer eines künstlers, zu A 2 c: Dürern wurden seine härten verziehen, Holbeins ansehen stieg ungefähr in ähnlichem verhältnis, auch Lucas Cranach erwarb gönner und freunde Göthe I 49, 31 W. in beziehung auf eine sache: welche grosze veränderung der sterndeutekunst durch diese auslegungsart erwüchse, fällt jedem freund und gönner solcher wunderlichkeiten alsobald in die augen ebda II 5, 1, 301.
ε) in höflichkeitsformeln wie unter C 1. in älterer zeit in der anrede gleich- oder höhergestellten gegenüber: (der pronotar Caspar Schlick an den rat zu Frankfurt:) ersamen und weiszen besundern lieben freund und gunner! (1428) Frankfurter reichskorresp. 1, 365 Janssen; mines gnedigen herrn graue Vlrichs z Wirtemberg etc. cantzler minem besundern gten günner vnd fründe Niclas v. Wyle translat. 113 Keller; denn strengen ernuesten ... meister vnd rat der stat Strasburg meynen in sonder gunstigen vnd gutten freunden vnd gonnern Hutten opera (1859) 2, 86; nit lang stnd, einen getrewen, und frummen menschen fand, mit dem er also anfieng z reden: allerliebster freündt und günner, wisz, das ich ein grosz vertrewen z dir hab Wickram w. 1, 144 Bolte. jünger gelegentlich als anrede einem gesellschaftlich niedriger stehenden gegenüber, ähnlich wie in den älteren belegen unter C 1; jovial herablassend: (baron Botho zu gärtnersleuten:) ah, und frau Dörr; und herr Dörr, mein alter freund und gönner Fontane ges. w. (1905) I 5, 136; ähnlich: bester gönner Fritz Reuter w. 6, 45 Seelm. in der abschiedsformel: empfelen sie mich gütig, ihrer frau gemalinn ... wie auch meinen gönnern und freunden Göthe IV 1, 182 W.; empfiehl mich ja zu gnaden und bringe mich bey allen freunden und gönnern ins andenken derselbe IV 21, 329 W.
b) die verbindung herr und gönner, in der beide begriffe nicht synonym sind, wird stets auf eine höhergestellte person oder auf einen gebieter bezogen. gönner im sinne von 'guter freund' (wie unter A 2) unterstreicht hier das moment der wohlgesinntheit: wellicher grosz herren vnnd günner z freünden hat, vnd nit reich wirt, ist wol z verwundern G. Mayr sprüchw. (1567) C 3b; der ich gleichfals bin und verbleibe meiner hochgeehrten herren und groszen gönner stäts dinstwilliger M. Johannes Bellin Bellin hochdt. rechtschr. (1657) a 5b; hochedelgebohrner, insonders hochzuehrender herr und gönner! Lessing 2, 28 L.-M. so später noch in historischer anwendung: der Ulerich ist zum lande hinaus, und meine gnädigen herren und gönner sind meister W. Hauff s. w. (1890) 1, 141. mehr zur bedeutung 'wohltäter' neigend: aber eben der kriegerische charakter des mannes, ... diess ungeduldige vordringen entzweit ihn mit seinem herrn und gönner Göthe I 41, 1, 197 W.
c) patron und gönner. die bedeutungen beider begriffe gleichen sich aneinander an. vom 'beschützer, schutzherrn', dessen wohlwollende haltung betont wird: ich ... habe noch viel grosse patronen und gönner unter ihnen Schupp schr. (1663) 366; in solcher versicherung werden meine hochgeneigte patronen und gönner belieben diese gegenwärtige trauer-begleitung zu vollziehen Chr. Weise polit. redner (1677) 595. jünger in umgekehrter reihenfolge, der bedeutung 'wohltäter' näherstehend:

der soldaten groszen gönner und patron
verehren wir in diesem würdigen gaste
Schiller 12, 68 G.;

solch ein kerl wird angehört, darf gesellschaften besuchen, findet gönner und patrone maler Müller w. (1811) 2, 100; Böttiger kl. schr. (1837) 3, 297.

[Bd. 8, Sp. 951]



d) andere kopulative verbindungen sind weniger formelhaft. der gebrauch von gönner stellt sich zu A 2 b: den ersamen und gar weisen herren richter und schepfen uf dem berg zun Chutten, unsern besundern guten gunnern und grossen furdrern (Iglauer rechtssprüche 1416) zeitschr. d. dt. ver. f. d. gesch. Mährens u. Schlesiens 7, 53; dieweil wir aber eur e. je und allbege fur unsern und gemeiner stadt Augspurg christenlichen gunner und furderer erkannt (der rat von Augsburg an Luther 1538) Luther br. 8, 270 W.; in solchen (weltlichen reichen) kan einer nicht bald fürkommen, er habe dann einen guten gönner und fürsprechen Gretter ercl. d. ep. Pauli (1566) 75; dem edlen ... hrn. D. Gottfr. Adolph Luja, ... seinem geehrten gönner und wohlthäter Prätorius winterflucht d. sommervögel (1678) A 1a. zu B 1: sehr angenehm war mir's zu vernehmen, dasz bey allen diesen unruhen unsre gönner und geber noch immer fortfahren, an uns zu denken Göthe IV 19, 287 W. zu A 2 c: kenner und gönner Rachel satyr. ged. 4 ndr. (vgl. unter A 2 c α); landgraf Hermann ... war ein grosser gönner und liebhaber der dichtkunst Adelung magazin (1783) 2, 3, 21. die gleiche verbindung im sinne von A 2 a: so kan vnd mag ich dir als meinem gtten günner vnnd liebhaber nit verhalten, wann es ain sach ist, die dich auch an treffen mcht (dasz man einen anschlag gegen dich beabsichtigt) Fortunatus (1509) 12 ndr. wie 'gönner und freund' C 2 a β: dasz ich einige gönner und bekannte, die hier theils waren theils noch sind, nicht habe sprechen können (1787) Lichtenberg br. (1901) 2, 310.
D. vereinzelt wird gönner im sinne von 'der gönnende', zu gönnen II A 2 a stimmend, von einer person gebraucht, die einer andern etwas nachteiliges schadenfroh zubilligt: unglück hat mehr gönner als mitleyder ludibrii haut expers, mala qvem fortuna fatigat Stieler stammb. (1691) 684; ähnlich bei Kramer t.-ital. 1 (1700) 548a; du wirst eher in der noth gönner finden, als im glücke — gönner auf einem kalenderblatt aus dem 19. jh.; wenn unsereinen ein unfall trifft und er ins publikum kömmt, so hat man immer gönner privatbr. in: schweiz. id. 2, 334. vgl. mîne bœsen gunner Reinmar v. Zweter oben unter A 2 a und miszgönner invisor, adversarius teil 6, sp. 2292.
 
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gönnerauge, n., an die verbindung freund und gönner in der bedeutung 'guter freund' (s. DWB gönner C 2 a β) anknüpfend: so sind denn auch freylich die radirungen nach meinen skizzen mit freundes- und gönneraugen zu betrachten Göthe IV 35, 237 W.
 
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gönnergesicht, n., dasselbe wie gönnermiene (s. d.): Splendidus ... hat freilich ein gönnergesicht; es wird aber nicht durch unfreundlichkeit, durch verdrusz und widerwillen verfinstert. allein er scheint zu fürchten, dasz man den werth seiner güte nicht genug empfinden werde J. A. Cramer nord. aufseher 3 (1761) 350.
 
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gönnerhaft, adj., 'in der art eines gönners'; stets mit negativem wertakzent. in einem vereinzelten frühen beleg an gönner in der bedeutung A 2 d β anknüpfend, 'in der art eines verständnislosen kunstliebhabers':

dann verkauft' ein bessrer kopf
stunden, früchte seiner mühe,
jenem dürren müssiggang
eines reichen narrn von rang,
der sie, wie die magern kühe
Pharaons die fettern, schlang,
und bei diesem zeitvertreibe,
den er gönnerhaft betrieb,
so an geist, wie jen' an leibe,
mager war und mager blieb (1785)
Tiedge episteln (1796) 1, 199.

später immer an gönner B anknüpfend, 'herablassend, anmaszend freundlich', mehr oder weniger tadelnd in hinsicht auf die anmaszende überheblichkeit in dem selbstgefällig wohlwollenden, gewährenden verhalten einer person einer andern gegenüber: als er dies (die liebkosungen des mädchens) geschehen liesz und ihr mit der hand gönnerhaft und sanft, fast wie wenn er ihr pate wäre, durch das ringelhaar fuhr, legte sie sogleich den arm um seinen hals

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und liebkoste ihn G. Keller ges. w. (1889) 5, 210; er (vetter Gabriel) nickte dem portier, der ihn verwundert ansah, fast gönnerhaft zu Heyse ges. w. I 5, 105 Cotta; sie behandelte die jüngeren herren fortwährend gönnerhaft, wie kleine jungen, die ein butterbrod in der hand halten G. Freytag ges. w. 4 (1887) 236; das mädchen musz aus einer familie sein, die ebenso ästimirt ist wie die seinige, sonst entbehrt ihre schönheit des rechten nimbus oder erweckt höchstens eine gönnerhafte empfindung in ihm M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 1, 13; von anfang an gefiel er sich seinen schwestern gegenüber in gönnerhafter überlegenheit Werfel geschw. v. Neapel (1931) 463; entschlossen, ... kein süszholz zu raspeln, ... legte ich mein gesicht in barsche falten, machte mir eine recht tiefe stimme und redete ihn (den jungen) an in dem bekannten rauh-gönnerhaften tongehaben von 'nun, mein sohn?! immer brav derweilen?! was treiben wir denn da?!' — kam mir aber, während ich mich so anstellte, unsäglich lächerlich vor Th. Mann Faustus (1948) 734.
 
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gönnerhaftigkeit, f., zur umschreibung eines herablassend gunst gewährenden verhaltens: dem Jakob mit einer fatalen gönnerhaftigkeit zunickend Zahn helden d. alltags (1906) 139; Nicod sprach von dieser angelegenheit ruhig und geschäftsmäszig. dennoch glaubte Bubenberg jenen ton von gönnerhaftigkeit zu hören, den alle leute ... zu vernehmen meinten, wenn er einmal auf ihre sorgen einging Bergengruen Karl d. Kühne (1930) 66; (das) einkehren von städtern und geistig bestrebten im ländlich-primitiven, bei mutter erde, in der gewiszheit ja doch, sehr bald wieder daraus in die gewohnte und 'natürliche' sphäre bürgerlicher bequemlichkeit zurückkehren zu müssen oder zu — dürfen ... hat leicht, ja fast notwendig einen anflug von künstlichkeit, gönnerhaftigkeit, dilettantismus, komik, ... auf den denn wohl auch das gutmütig spöttische schmunzeln sich bezog, womit mancher bauer ... uns musterte Th. Mann Faustus (1948) 183.
 
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gönnerin, f. , seit dem frühen 16. jh. belegte, seit dem 19. jh. seltener gebrauchte ableitung von gönner (s. d.). in älteren belegen noch vereinzelt gunnerin (Straszburg 1515) Diefenbach gl. 228a; günnerin (Straszburg 1590) ebda; Frisius dict. (1556) 548b; Maaler teutsch spraach (1561) 197d; die seit dem 17. jh. allein herrschende form gönnerin schon bei Boltz Terenz (1539) 58b.
1) die jemandem freundlich, günstig gesinnte weibliche person, von der dieser unterstützung erwarten darf. in anlehnung an gönner A 2 glossiert gönnerin fautrix, z. b. (Straszburg 1515) Diefenbach gl. 228a; Frisius dict. (1556) 548b; Steinbach dt. wb. (1734) 1, 619.
a) günstig gesinnte person im allgemeinen sinne; 'freundin' in mehr objektivem sinne, ohne das merkmal persönlicher bindung: es ist nichts wirdigers für dein Thaide das geliebt werd: also ist sie ein gönnerin vnsers gantzen geschlechts Boltz Terenz (1539) 58b; vnnd du selige Venus, die du mich dein süsse frucht berühren woltest, biss mir, das bitte ich, ein gönnerin, vnd alle zeit buch der liebe (1587) 110c. mit negativem attribut, vielleicht ironisch: wir haben schon hinlängliche nachricht von dieser unserer schlechten gönnerin, die solche grundfalsche zeitung (die behauptung, sie wäre die erste verfasserin der vernünftigen tadlerinnen) den herren zeitungs-verfassern überschicket hat d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 192 Gottsched.
b) die jemandem geneigte und von diesem verehrte person, meist eine solche in angesehener oder höherer gesellschaftlicher stellung: dan ein wält-säliger mänsch mus dahin bedacht sein, dasz er seinen feind, wan er ihn bei seiner (des feindes) gönnerin, di ihn ehret und libet, verächtlich machchen wül, nicht so geschwünde mis-preise Zesen adriat. Rosemund 134 ndr.;

alles lacht und lebt in mir,
und ergetzt sich an der zier,
meiner werthen gönnerin (des angebeteten mädchens, das der sprecher auf einer hochzeit bedienen darf),
der ich gantz ergeben bin
Chr. Weise überfl. gedanken 52 ndr.;

[Bd. 8, Sp. 953]


jezt sah sein auge kaum den unglücksvollen bogen
(ein schriftstück),
und seine gönnerinn (die Neuberin) so hämisch durchgezogen,
so rückte seine hand den tiefgesetzten huth,
und mine, blick, und gang verriethen seine wuth
Rost verm. ged. (1769) 39.

so besonders in gesellschaftlichen höflichkeitsformeln, hier später vornehmlich in kopulativen verbindungen wie gönnerin und freundin: (anrede eines herrn an die damen der gesellschaft:) hochgeneigteste gönnerinnen Ettner v. Eiteritz mediz. maulauffe (1719) 84;

(an frau v. B. zur geburt ihres kindes:)
reisz boy und flor entzwey, gelehrte gönnerin!
und wirff mit froher hand die finstre kleidung hin!
J. Chr. Günther ged. (1735) 740;

empfehlen sie mich gönnerinnen und freundinnen zu geneigtem andenken Göthe IV 23, 73 W.; gnädige frau und einzige gönnerin! ich verlange nichts mehr ebda I 44, 238. in gleicher bedeutung noch im 19. jh. auch auszerhalb von höflichkeitsformeln, aber wohl durch diese beeinfluszt: das alter zeigt sich mit macht; ... ob auch auf gedanklichem gebiet, dazu habe ich kürzlich eine probe versucht nach dem recept einer liebenswürdigen freundin und gönnerin am Rhein (1882) L. v. François an C. F. Meyer (1920) 56 Bettelheim.
c) liebhaberin, verehrerin einer sache oder einer person um einer sache (kunst) willen. in anlehnung an gönner A 2 c, wie dieses bis ins 19. jh. reichend, aber nur selten gebraucht: merken sie sich zuerst, dasz der verfasser die kunst besitzt, alles lobenswürdige seiner hohen gönnerin (der der verfasser sein werk zuschreibt) in perspektivische ordnung zu setzen Nicolai literaturbr. 9 (1761) 100; von bogenlangen beschreibungen schöner gegenden bin ich überhaupt keine grosze gönnerin Chr. F. Weisze briefw. der fam. d. kinderfr. (1784) 9, 4; als er gestorben war, zeigten sich auch eine menge gönner und gönnerinnen, verehrer, bewunderer, welche sich eifrigst nach der herausgabe seines nachlasses ... erkundigten Steub wanderungen i. bayr. gebirge (1862) 50. ähnlich von einer wissenschaft oder kunst in hinsicht auf den von ihr bevorzugten gegenstand: unsre neue philosophie, die grosze gönnerin der thiere Herder 5, 94 S. mehr zu 2 neigend: sie (die dichtkunst) ist die schätzbarste gönnerin und beförderin der sittlichkeit und der tugend Kretschmann s. w. (1784) 2, 12.
2) jemandem gunst erweisende, jemanden begünstigende person; wohltäterin. entsprechend gönner B von einer höher- oder in irgendeiner hinsicht bessergestellten person, die ihr wohlw llen tätig beweist.
a) allgemein von einer höhergestellten, gesellschaftlich ausgezeichneten person, die einer andern gunst oder in allgemeinerem sinne gutes gewährt: insofern der architekt seinen gönnerinnen das beste wünschte, war es ihm angenehm ..., sie in der guten gesellschaft des schätzbaren gehülfen zu wissen; indem er jedoch ihre gunst auf sich selbst bezog, empfand er es einigermaszen schmerzhaft, sich so bald ... ersetzt zu sehen Göthe I 20, 276 W.; dafür (dasz sie allerlei gunstbezeigungen erhielten) ermangelten diese männer (Voltaire u. a.) nicht, der hohen gönnerin (Katharina II. v. Ruszland) durch aufrichtige lobsprüche sich dankbar zu erweisen D. Fr. Strausz ges. schr. 11, 203 Zeller; er küszte der prinzessin die hand, aber mit mehr ritterlichkeit als devotion, und betonte dann seine freude, seine gönnerin wiederzusehen Fontane ges. w. (1905) I 7, 173. vergleichbar von der muttergottes: (die freiherren von Schurff lieszen) das Marienbild aus der burgcapelle nach ihrem schlosse zu Prien am Chiemsee bringen ... unsere liebe frau ... wanderte heimlich wieder in die burgcapelle zurück. freiherr Karl von Schurff war etwas verdrieszlich über diese unbotmäszigkeit seiner gönnerin und sendete das bild zum zweiten male nach Prien Steub drei sommer in Tirol (1871) 1, 31.
b) spezielle anwendungen mit betonung einer bestimmten hilfeleistung sind nur unscharf voneinander abzugrenzen. mit betonung der materiellen unterstützung: erführe man, dasz ich mich hineinmischte, gleich würde es heiszen: frau von P. ist ihre gönnerin — sie brauchen keine beisteuer

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mehr — und die allmosen hörten auf Schiller 3, 553 G.; wenn er sich gut führet, so kann er auf eine gnädige gönnerin (eine adlige dame, die einer waise ein stipendium gewährt) zählen Gaudy s. w. (1844) 4, 149; um die vesperzeit eilt sie (die schneiderin) fliegenden fuszes zu ihrer gönnerin und kundin Werfel Bernadette (1948) 107. in anlehnung an gönner B 2 d von der förderin eines künstlers: zwar spricht er sich aus rücksicht auf ... die hohe gönnerin Glucks (Marie Antoinette) nicht mit aller entschiedenheit dagegen aus O. Jahn Mozart (1856) 2, 246; so die königliche dichterin Carmen Sylva, die eine warme schätzerin Roseggers und seine persönliche gönnerin war E. Ertl Rosegger (1923) 94. vielleicht hierher oder zu 1 c: es erschienen nämlich in diesem stücke übertriebene poeten, anmaszliche gönner und gönnerinnen, gelehrte frauen und dergleichen personen, deren urbilder nicht selten sind, sobald kunst und wissenschaft in das leben einwirkt Göthe I 45, 187 W. von einer hochgestellten förderin und begünstigerin, besonders im politischen bereich und in historischer anwendung; die bedeutung 'beschützerin' klingt gelegentlich an: marquise von Vaillac, einer erklärten gönnerinn und beschützerinn des monsieur le Grand J. J. Engel schr. (1801) 1, 220;

ich will nicht lange stören, teures fräulein.
ihr seid, so hör ich, Brussons gönnerin
O. Ludwig ges. schr. 3,254 E. Schmidt;

Placidia, die freundin oder gönnerin jenes groszen papstes Leo, welcher bald nach ihrem tode Attila von Rom zurückschreckte Gregorovius wanderj. i. Italien (1871) 4, 12. ebenso von der förderin einer einrichtung: diese dame war eine grosze gönnerinn und beschützerinn der stadt Coventry, die damals unter einem schweren zoll seufzte Lichtenberg verm. schr. (1800) 4, 534. 'begünstigerin' in speziellem sinne, von einer person, die partei ergreift: sehr bald sah ich alle damen unserer bekanntschaft in offnem kriege gegen mich. alle waren sie gönnerinnen meiner frau; alle fanden sie mein benehmen sträflich Holtei vierzig jahre (1843) 4, 8. die 'mütterliche freundin' eines jungen oder armen menschen, den sie in irgendeinem sinne unterstützt oder beschützt: der arme schauspieler hatte sich melden lassen, um seiner groszmüthigen gönnerin seinen dank abzustatten Kürnberger nov. (1861) 1, 193; und hatte ... noch gelegenheit, meiner mütterlichen gönnerin bericht zu erstatten über unsere freundliche aufnahme im kloster J. Rank erinn. (1896) 239. besonders eine solche, die einer person in liebesangelegenheiten behilflich ist, jedoch ohne dasz die bedeutung 'kupplerin' berührt würde: jedoch schon als wir kamen, deutete mir der blick und das achselzucken meiner neu erworbenen gönnerin (der garderobenfrau des theaters) die fehlgeschlagene hoffnung an Holtei erz. schr. (1861) 2, 38; er eilte beklemmten herzens, seine gönnerinnen aufzusuchen und sich nach der bedeutung des soeben erlebten vorganges (der abreise eines angebeteten mädchens) zu erkundigen G. Keller ges. w. (1889) 2, 115.
c) nur vereinzelt erhält das wort einen abschätzigen neb enton, der in der abneigung gegen eine protektion begründet ist: ich will nicht ruhen, nicht rasten, bis ich den namen der heimlichen gönnerin (die den sprecher unberechtigt ihren schützling genannt hatte) der allgemeinen zerfleischung ... preisgegeben Nestroy ges. w. (1890) 6, 116.
 
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gönnerisch, adj., vereinzelt für gönnerhaft (s. d.): er konnte sich noch nicht daran gewöhnen, das beifällige nicken, das gönnerische geltenlassen als eine nothwendige zuthat seiner stellung anzuerkennen Auerbach neues leben (1852) 1, 282; er hatte etwas auffällig gönnerisches ders. schr. (1892) 6, 64; nun, genossin Glyzcinski, was haben sie uns gutes mitzuteilen, sagte sie (die näherin) mit einem leisen gönnerischen ton in der stimme Lily Braun memoiren e. sozialistin (1911) 40.
 
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gönnermiene, f., der vom selbstgefälligen bewusztsein eines groszmütig hilfe, rat, gunst gewährenden handelns gezeichnete gesichtsausdruck. die zusammensetzung knüpft im allgemeinen an gönner B an. der gebrauch des wortes kann

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auf eine nur eingebildete überlegenheit des gunst oder belehrung gewährenden zielen, die den beurteilenden sprecher das an sich negativ bewertete überhebliche verhalten lächelnd entschuldigen läszt: eine von mir selbst sehr reinlich gefertigte abschrift legte ich meinem freund Derones vor, welcher sie mit ganz besonderm anstand und einer wahrhaften gönnermiene aufnahm ... auf meine bescheidene frage, ob das stück wohl aufgeführt werden könne, versicherte er mir, dasz es gar nicht unmöglich sei. sehr vieles komme beim theater auf gunst an, und er beschütze mich von ganzem herzen Göthe I 26, 168 W.; nach langer prüfung sprach der alte, indem er eine gönnermiene annahm: was du kunst nennst, mein sohn, ist weiter nichts, als die gesetzkenntnisz G. Freytag ges. w. 4 (1887) 126; der noble schustergeselle schwebte wie ein genius vor seinen augen ... 'sie — ich will ... ein schuster werden!' — 'recht bursche ...', entgegnete der angeredete ..., während sein gesicht eine wahre gönnermiene umspielte. 'was thäte die welt, sage ich, wenn keine schuster wären' Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 52. vereinzelt mehr an gönner A 2 d β anknüpfend, zur umschreibung eines anmaszenden und eingebildeten kunstverständnisses: da ist es denn klar, dasz das sammeln, ausstellen, verloosen von kunstwerken ... doch auch der zerstreuten naschhaftigkeit, eitelkeit und wohlweisen kenner- und gönner-miene ächt moderne nahrung giebt Vischer ästhetik (1846) 3, 1, 67. ein betont negativ wertender gebrauch zielt auf die beleidigende art, in der der hilfe oder gunst gewährende eine andere person ihre abhängigkeit spüren läszt: ich wollte mir lieber ... das tägliche brod von haus zu haus ... zusammenbetteln, als pensionen von leuten mit gönnermienen nehmen Zschokke sämtl. ausg. schr. (1824) 16, 76; wenn Gutzkow ... einwendungen gegen seine vorschläge erhob, wuszte ... Dingelstädt dem widerhaarigen ... generalsekretär seine untergeordnete stellung mit vornehmer gönnermiene merkbar zu machen F. Wehl zeit u. menschen (1889) 1, 273; die hochmüthige gönnermiene des czaren beleidigte ihren stolz Treitschke dt. gesch. (1897) 4, 535; der Ulrich Zimbel ... geleitete sie mit der gönnermiene hinein, die er für diese sorte gäste aufzusetzen pflegte W. Schäfer wendekreis (1937) 26.
 
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gönnerschaft, f. , abstraktbildung zu gönner B.
1) das verhältnis einer begünstigenden person zu einer begünstigten mit betonung des hilfe oder gunst gewährenden verhaltens. zuerst belegbar bei Adelung wb. 2 (1796) 754; nur im sg.: in Cöln jedoch an eine förmliche kunstakademie zu denken, möchte nicht nöthig noch räthlich sein. republicanische ... formen passen am besten in diesen gegenden, wenigstens für die freien künste. einsichtige kunstliebe und gönnerschaft setzt sich überall an die stelle der direction Göthe I 34, 80 W.; er entschlosz sich endlich, beim professor anzuklopfen und fragte, ob er sich vielleicht durch unbewuszte vernachlässigung auf der bühne die seinem talente geltende gönnerschaft verscherzt habe Holtei erz. schr. (1861) 36, 301; hatte in den ersten vierzehn tagen nur der vetter krämer um seine gönnerschaft geworben, so kamen in der dritten woche schon angesehene bürger und beamte Riehl gesch. a. alter zeit (1863) 1, 174; sein sohn aber wurde später mein besonderer gönner, eine gönnerschaft, der er in dem von ihm redigierten militär-wochenblatt in anerkennenden worten ... ausdruck gab Fontane ges. w. (1920) II 1, 198; es hatte ausnahmen gegeben, ... aber dafür auch solche auszeichnungen wie die gönnerschaft des musikmeisters Herm. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 214. ähnlich, aber wohl unter einflusz von gönnen II A (s. d.), im sinne von 'zustimmung', wobei nicht der sonst übliche gebrauch von gönner zugrunde liegt, sondern das grundwort den 'gönnenden' meint: und diese verbindung (mit Ottilie) erfreut sich der gönnerschaft, der väterlichen zustimmung Goethes? Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 314. in negativer bewertung und zu prägnant abschätziger bedeutung neigend, im sinne von 'protektion'; häufiger im pl.: durch weiberschürzen, gönnerschaften, kabalen und

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parteitrotz werden die meisten stellen besetzt Zschokke sämtl. ausg. schr. (1824) 22, 119; kennt einer von ihnen das unverschämte weib, die unbekannterweise mich mit dem titel ihres verpflichteten, ihres schützlings beschimpft, so nennen sie mir's, denn nur durch ihre öffentliche erniedrigung kann ich mich von dem brandmal ihrer gönnerschaft befreien Nestroy ges. w. (1890) 6, 116;

weil er (Schiller), sich selbst vertrauend, nur durch sich selbst geschult,
um eure (der romantiker) gönnerschaften nicht kleinlich hat gebuhlt
J. Frey ges. dicht. (1899) 164.

mehr an gönner A 2 c anknüpfend, auf den vertreter, befürworter einer einrichtung bezogen: diese zoten (in den ersten wörtersammlungen zur gaunersprache) stechen um so mehr ins auge, als sie durch ihre meistens fremdartige, gelehrte, klerikale form die vaterschaft und gönnerschaft derselben prostitution scharf kennzeichnen, welche wiederum in denselben vocabularien die väter und gönner mit einer flut gemeiner bezeichnungen herabwürdigt Avé-Lallemant gaunerthum 3 (1862) 167.
2) kollektiv, 'die gönner': viele gönnerschaften haben Campe 2 (1808) 424b; umgestaltet hat er (der dichter) ihn (den Rotherstoff) in Tirol und Baiern, ... wo seine hörer- und gönnerschaft ... gewohnt haben wird Gervinus gesch. d. dt. dicht. (1853) 1, 202; den allmälig eintretenden mangel an zulauf zu den declamationen ergänzte anfangs und ersetzte endlich ganz die goldene groszmuth gekrönter gönnerschaft Chézy erinnerungen (1822) 1, 38.
 
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gönnerstolz, m., zu gönner B, von dem selbstgefällig gehobenen gefühl eines herablassend hilfe oder gunst gewährenden:

der arme, der vielleicht als freund, ihn (den reichen) bessern würde,
ist sein gebohrner knecht. mehr als des schicksals bürde,
drückt seiner gnade joch.
von gönnerstolz gebläht, bleibt er in seiner höhe,
und wähnt, dasz jener da sein Midasohr nicht sehe; —
und jener sieht es doch
J. A. Ebert ep. u. verm. ged. (1789) 256.

 

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