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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gonggong bis gönnerhaft (Bd. 8, Sp. 887 bis 951)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gonggong, m., soviel wie gong, s. d. ebenso wie dieses malaiischer herkunft und über das engl. ins deutsche gelangt, vgl. s. v. gonggon Murray 4 (1901) 286, gumgum ebda 507: gongon, gomgom neben gong Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1255; ... erklangen die mörderischen töne des gonggongs Liliencron s. w. (1896) 3, 3. — gongong, gonggong auch als pl. zu gong, s. Walther music. lex. (1732) 286. —
 
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gongschlag, m., als zeichen für den beginn einer veranstaltung, vorführung, mahlzeit u. ä.: ein gongschlag ertönte, der von den stehplätzen mit mehrstimmigem ah! beantwortet wurde, und die gardine ging auseinander (1930) Th. Mann ausgew. erz. (1948) 618; und zugleich sah es so aus, als bedeute ihre ankunft ähnlich dem dumpfen gongschlag hinter dem vorhang den beginn der erwarteten aufführung H. W. Seidel Krüsemann (1935) 267; zwei so alte maskenträger (schauspieler, die vor der aufführung durch das guckloch sehen) können es auch eine minute vorm gongschlag nicht lassen, dem menschen auf der spur zu sein Kluge Kortüm (1938) 92.
 
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gönne, günne, gunne, f., seltener gunn, günn, m., soviel wie gunst. neben älterem mhd. gunt, m. (vgl. Lexer 1, 1120 und s. v. gunst teil 4, 1, 6, sp. 1104) zu mhd. gunnen gebildetes nomen actionis. literarisch vereinzelt seit dem 14. jh. belegt:

[Bd. 8, Sp. 888]


ez hat sin (gottes) rat
durch mynne gunne uns schon nach im gebildet minneburg I 4 (seite 2) Pyritz;

we de upnahme (= einnahme) hefft in dem lohne,
de hefft des alletyd guden günne de Koker 321 Hackmann.

mundartl. heute vor allem als fem. im westlichen md. verbreitet, fast nur in der wendung: einem die gönne (nicht) antun o. ä., z. b. rhein. wb. 2, 1493; Vilmar Kurhessen 133; Schön Saarbrücken 90a; Autenrieth pfälz. id. 59; Reinwald Henneberg 52; Hertel Thür. 108; seltener im alem.: Martin-Lienhart elsäss. 1, 222a; schweiz. id. 2, 334; vereinzelt im nd. bei Woeste westf. 87b. so auch, auf mundartlichem fuszend, literarisch in einem jüngeren beleg: sie hatte auch ihren kopf, sie tat ihr nicht die gönn an, sie anzureden W. Holzamer vor jahr u. tag (1908) 240. als masc. nur selten: diewil man doch bi inen so vil gunst und gonnes fand gegen einem abt J. v. Watt dt. hist. schr. 2, 337 Götzinger; mundartl. noch schweiz. id. 2, 332; Reuting Höchst 20. in der bedeutung 'behagen, genusz, vergnügen': dat woar sinne günn rhein. wb. 2, 1493.
 
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gönnegeld, n., auf grundstücken ruhende ständige abgabe für erbliches nutzungsrecht. als 'angabe, angeld, handgeld' bei Adelung vers. 2 (1775) 749; Krünitz encycl. 19 (1780) 593; Voigtel wb. (1793) 2, 114b; 'erbenzinslaudenium' dt. rechtswb. 4, 1001: (zu den) zinssen und abgiften der bauern ... (gehört) das herd- und gönne-gelt bei den Könizischen adelichen gütern, im Coburgischen Estor d. Teutschen rechtsgelahrtheit 3 (1767) 350; dagegen werden von dem werthe (des zu verlehnenden gegenstandes) zurückgerechnet, die schlüssel- und gönnegelder, wo sie herkömmlich sind E. M. Schilling hdb. d. landwirtschaftsrechts (1828) 347; 1280 thlr. ... kaufgelder und 39 laubthaler gönnegeld in einer bekanntmachung des Fürstl. Reusz-Plauischen justizamtes v. 31. 1. 1874 in der dorfzeitung.
 
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gönnen, vb. , tribuere, favere. herkunft und form.
zu grunde liegt gemeingerm. präterito-präsens an(n), unnan, dem die verstärkende vorsilbe gi-, ge- hinzugetreten ist. das simplex unnan ist in den älteren (mit ausnahme der gotischen) und z. t. auch in den jüngeren germ. sprachen verbreitet. ags. unnan, as. unnan, ahd. unnen, mnl. onnen, an. unna, schwed. unna, dän. unde. die substantiva got. ansts mit dessen gemeingerm. entsprechungen und ahd. unst sind als verbalabstrakta von unnan abgeleitet, vgl. s. v. gunst teil 4, 1, 6, sp. 1104. das simplex ist im deutschen sprachgebiet nach Notker (mit ausnahme Veldekes, s. zs. f. dt. alt. 56, 281ff.) nicht mehr belegbar, s. mhd. wb. 1, 31b.
die etymologie des wortes ist unsicher. am meisten anklang hat Ficks in Bezzenbergers beiträgen 1, 242 gegebene zusammenstellung mit gr. προσηνής 'freundlich, milde' (ἀπηνής 'unfreundlich, hart') gefunden, sei es, dasz man ans als wurzel ansetzt (Walde-Pokorny 1, 68), sei es dasz man wie Bechtel lexilogus zu Homer 1914, 49 ansts usw. auf einen neutralen es-stamm zurückführt.
schon früh wird das einfache verbum unnen mit dem präfix ge- oderin negierendem sinne, bes. mhd.mit den doppelpräfixen en-b-, er-b-, ver-b- zusammengesetzt; wegen abanst, abunst 'invidia' = as. aunst, ags. æfest (vgl. an. fund) ist das b von arbunnan 'invidere, aemulari' reduzierte form des praefixes ab (s. Braune ahd. gr. § 77 anm. 3), vgl. as. afunnan, ags. ofunnan; ahd. giunnan, spätahd. gunnan, gunnen, mhd. gunnen entspricht as. giunnan, mnd. gunnen, mnl. gonnen, nl. gunnen, ags. giunnan. im nord. fallen die verbalpräfixe bis auf wenige reste, daher nur an. unna 'lieben, gönnen' = schwed. unna 'gönnen' (aschw. 'vergönnen'), dän. unde 'gönnen' (ädän. auch 'lieben'); schwed. gynna, dän. gynde sind aus dem nd. entlehnt, s. Hellquist 3315.
die formgeschichte des wortes, die nur teilweise mit derjenigen von können zusammengeht, zeigt eine fülle variierender und miteinander konkurrierender formen, namentlich durch den übertritt des verbums aus der konjugationsweise

[Bd. 8, Sp. 889]


der präterito-präsentien in die der schwachen verba und durch die wandlungsfähigkeit seines stammvokals. einheitliche flexion aller formen in der art eines schwachen verbums mit -ö- als festem stammvokal wird schriftsprachlich erst um 1700 erreicht. noch über den endlichen literarischen ausgleich aller varianten hinaus halten die lexikographen des 18. jhs. z. t. an älteren formen fest, so Dentzler clavis (1716) 142b mit gunnen, (er) gunt als einzigen formen, Kramer hoch- u. niderteutsch. dict. (1719) 100 gönnen vid. günnen, Rädlein sprachsch. (1711) 1, 416a günnen vid. gönnen, Aler dict. (1727) 1, 993b günnen, Steinbach dt. wb. (1734) 1, 618 ich gonne (gönne), vergonnt, und noch Adelung vers. 2 (1775) 749, Campe 2 (1808) 424a führen, letzterer mit dem hinweis 'oberdeutsch', als präteritale nebenformen ich gonnte, gegonnt bzw. gegonnen auf.
zu den einzelnen flexionsformen:
1) in der 1. und 3. sg. präs. ind. ist die alte präteritalform gan ahd. und mhd. allein gültig, im 15. und 16. jh. gehört sie noch zu den meistgebrauchten formen und ist auch Luther durchaus geläufig: ich gan ep. u. evang. v. christag (1522) e 4a; 23, 34 W.; 30, 3, 219; (er) gann tischr. 3, 196 W.; 30, 2, 368 u. ö.; (er) gan Hayneccius Hans Pfriem 2117 ndr. (neben er günt ebda 2112). vereinzelt hält sie sich bis in den beginn des 17. jhs.: (er) gan Eyering prov. copia (1601) 2, 40; Petri weiszh. (1605) n 2a. ein freilich auch als ind. prät. deutbares (er) gann (: mann) bei Zinkgref dt. apophthegm. (1653) 1, 58 (s. auch Paul dt. gr. 2, § 192 anm. 2) ist zitat aus dem 16. jh. in älteren md. quellen, für die mehr oder minder nd. einflusz anzunehmen ist, begegnen auf dehnung deutende schreibungen: (er) gahn (: mann) B. Waldis Esopus 1, 30 Kurz; er gahn (: man) Hayneccius Hans Pfriem 2194 ndr.; hierher auch ein vereinzeltes (doch s. auch unt. 8) ich gahn in einem frühen druck bei Luther 7, 6, 20 W. (Wittenberger druck v. j. 1520). daneben singulär in der schreibung (ich) gain (nördl. Mfrk. 1367) privatbr. d. mittelalt. 1, 5 Steinhausen, dazu der inf. goinen ebda (s. unt. 2). gelegentlich wird in der 3. sg. das hier unorganische flexivische -t aus dem präs. der normalen st. und schw. verba angehängt, wenn es sich hier nicht um euphonisches -t handelt, vgl. Weinhold al. gr. § 380: er gant (um 1500) bei K. Krieger d. spr. d. Ravensburger kaufleute 26. zu vereinzeltem (ich) gegan mit doppeltem präfix vgl. anm. zu Iwein 2492 B.-L.die ahd. nicht belegte 2. sg. präs. ind. lautet mhd. mit nicht stammhaftem -s- (gegen PBB 9, 155) du ganst (wie du kanst), vgl. auch ähnliche -s-erweiterungen unter den formen des prät. und part. prät. und die erklärungsversuche bei Wilmanns dt. gr. 3, 1, § 53, 4; 55, 2, wo weitere literatur. im reim mhd. gelegentlich abfall des -t: du gans (:Urjâns) Parzival 524, 20; (: Vivîans) Willehalm 62, 24. frühnhd. in der alten form, aber mit -e-erweiterung, noch vereinzelt: du gannest theol. deutsch 62 Mandel.im 16. jh. nicht mehr nachweisbar. in der 2. hälfte des 15. jhs. beginnen die versuche, die alten bildungen des sg. durch anlehnung an die pluralformen zu ersetzen (s. unt. 2).
2) für den gesamten formenbereich des präsens ist in der übergangszeit vom 14. bis 16. jh. und z. t. noch darüber hinaus infolge der variabilität des stammvokals ein nebeneinander verschiedener bildungen und vielfacher promiscue-gebrauch bei einunddemselben schriftsteller bezeichnend (bei Luther z. b. begegnen alle wesentlichen formen). der infinitiv gewährt dank häufiger bezeugung den sichersten überblick, doch scheinen bei den übrigen formen die verhältnisse entsprechend zu liegen. vom ahd. und mhd. her herrschen zunächst die nicht umgelauteten -u-formen vor, noch im 15., 16. jh. haben sie ihren festen platz, im 17. sind sie ausnahmen. ind. pl.: ir gunnent Lancelot 137, 16 Kluge; sie gunnen Pauli Keisersbergs narrensch. (1520) 141b; Luther tischr. 5, 127 W. ind. sg. nach analogie des pl.: (er) gunt Terenz (1499) 23a; (er) gundt Schumann nachtbüchl. 22; (er) gunt Luther 27, 265 W.; (ich) gunn derselbe tischr. 5, 417b; du gunst Forster fr. teutsche liedl. 116 ndr. infinitiv: gunnen Stolle thür. chr. 7

[Bd. 8, Sp. 890]


lit. ver.; Luther 33, 650 W.; 34, 2, 180; Murner v. d. 4 ketzern 45 Fuchs; gunen Spreng Ilias (1610) 4b; Äneis 37b; gunnen Schönsleder prompt. (1618) x 5a. konj.: (er) gunne Stolle thür. chr. 31 lit. ver.; Boner Herodot (1535) 8a. imper.: gunne Theophilus 2, 2, 29 Petsch; gunn Wickram w. 7, 154 B.die zunächst dem konj. und dem nach ihm gebildeten imper. zukommenden umgelauteten -ü-formen dringen schon mhd. auch in den übrigen formbestand ein, sind hier aber infolge der vielfach umlauthindernden wirkung der doppelnasalis und der mangelhaften umlautbezeichnung schwer zu fassen (s. Weinhold mhd. gr. § 412; al. gr. § 380; Wilmanns dt. gr. 3, 1, § 53, 5; Paul-Gierach mhd. gr. § 172 anm. 7). seit dem 14. jh. greifen sie rasch um sich, im 16. jh. stellen sie (anders als im prät., s. u.) die gängigste form dar, trotz Luthers relativer zurückhaltung, und noch das 17. jh. hält zäh an ihnen fest. ind. pl.: wir günnen (1334) oberrhein. stadtr. 2, 3, 24; (schwäb. 1418) bei Lexer 1, 119; Luther 16, 100 W.; (sie) günnen bergreihen 86 ndr.; Logau sinnged. (1654) 39. ind. sg.: (er) günt (1464-75) Tucher baumeisterb. 73 lit. ver.; (er) günnet sprichw. schöne weise klugr. (1548) 958; (er) günnt Treuer Dädalus (1675) 1, 763; du günnest buch d. liebe (1587) 263c. inf.: günnen (Straszburg um 1400) städtechr. 8, 332; (md. 1414) Diefenbach gl. 36b; Luther 7, 669 W.; Scheit Grobian. 794 ndr.; Birken lorbeerhayn (1657) 89; Logau sinnged. 49 lit. ver. konj.: (er) gúnne Lancelot 134, 4 Kluge; (er) günn Hayneccius Hans Pfriem 13 ndr. imper.: günd N. v. Wyle translat. 132 Keller; günne Keisersberg pred. (1508) 39b. hierher auch entrundete formen des 15.-16. jhs. wie (inf.) gynnen (15. jh.) Diefenbach gl. 227c; (md. 15. jh.) ebda 144a; ginnen H. Sachs 23, 286 lit. ver.; ginden ref.-flugschr. 3, 303 Clemen; (ich) gyn Murner dt. schr. 4, 67; (er) gindt (:findt) Wickram w. 4, 134 B.; (wir, sie) gynnen Eberlin v. Günzburg 1, 140; 3, 54 ndr.; (konj.) (er) gyn Murner dt. schr. 7, 7. — der durch den doppelnasal unter mitwirkung des präteritums gonde (s. u.) hervorgerufene wandel des stammvokals -u- zu -o- (s. V. Moser frühnhd. gr. 1, 1, § 74 und anm. 5) ist, in unserm fall übrigens ohne deutliche landschaftliche bindung, vereinzelt schon im 14. jh., bei andern formen im 15. oder erst im 16. jh. nachzuweisen, für den konj. nicht belegbar. bei Luther zeigt er sich häufig, im 17. und frühen 18. jh. noch gelegentlich. ind. plur.: (wir) gonnden (1325) in: schweiz. id. 2, 332; wir gonnen Luther tischr. 4, 397 W.; (sie) gonnen derselbe w. 45, 7 W.; 49, 262; Fischart w. 1, 403 H.; (sie) gonneten (Bern 1626) in: PBB 45, 178. ind. sg.: ich gon Hermann v. Sachsenheim mörin 966; ich gonne Luther 10, 1, 1, 672 W.; du gonnest 47, 357; (er) gonnet 10, 1, 2, 71; 52, 633; (er) gont Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 26a; und noch: ich gonn J. Chr. Günther s. w. 3, 75 Kr. inf.: gonnen (Klosterneuburg 14. jh.) bei Weinhold bair. gr. § 328; (fränk. 1449 [?]) weisth. 6, 32; (alem. 1460) ebda 1, 436; Zimmer. chr. 21, 123 B.; Luther 1, 194 W.; 9, 154; 18, 314; 34, 2, 180; (17. jh.) Weglin in: Fischer-Tümpel 3, 234. vereinzelt md.-nd. gedehnter inf. goinen (1367) privatbr. d. mittelalt. 1, 5 Steinhausen (s. auch ob. 1). imper.: gonne Luther 47, 96 W.; gonn Fischart w. 1, 198 H.die formen mit umgelautetem -ö- als stammvokal, deren vorherrschaft im 17. und deren alleinige geltung noch vor der mitte des 18. jhs. literarisch gesichert ist, sind für den inf. alem. vereinzelt schon im 14., für den ind. pl. seit dem 15., im übrigen erst seit dem 16. jh. nachweisbar. Luther, in dessen bibel sie einzig zu gelten scheinen, zieht sie auch sonst allen übrigen bereits vor und sichert damit zu seinem teil ihre spätere herrschaft. ind. pl.: (wir) gönden (1463) bei Weinhold al. gr. § 380; gönnen (1480) bair. gr. § 328; wir gönnen Luther 46, 7 W.; sie gönnen 24, 462; 53, 518; ps. 40, 15; Mathesius 2, 97 Loesche. ind. sing.: er gönd Keisersberg bilgersch. (1512) b 6a; ich gönne Luther 30, 2, 412 W.; 54, 391; (er) gönnet 9, 154; 52, 748; spr. Sal. 21, 10; 2. Makk. 15, 21; du gönnest Ringwaldt evang. (1581) m 2b. inf.: gönnen (: können) liedersaal 3, 433 Laszberg; (Augsburg 15. jh.)

[Bd. 8, Sp. 891]


städtechr. 22, 43; Luther 16, 359 W.; 18, 52; 52, 172; 53, 518; Jer. 49, 11; Fischart binenk. (1588) 10a (ausg. von 1586: gonnen). konj.: (er) gönne Seb. Franck Germ. chron. (1538) 23b; Gödelmann tract. de magis (1591) 3, 71. imper.: gönne Philem. 20; gönnet richt. 21, 22. ganz vereinzelt dringt entrundung des -ö- ins schriftbild: inf. gennen (Oberelsasz 1438) weisth. 1, 650. zu vereinzelten -a-formen im konj. gane, gahne, imper. gan s. u. 8.
3) im ganzen formenbereich des präs. begegnen bildungen mit eingeschobenem -d- (s. Weinhold al. gr. § 182; 380; V. Moser frühnhd. gr. 3, 3, 28) vom 14. bis ins 16. jh.; am häufigsten im inf.: gunden Hermann v. Sachsenheim mörin 965; gynden (15. jh. md.) Diefenbach gl. 36b; 227c; günden (Augsburg 1416) städtechr. 5, 347; (1477) weisth. 1, 390; Carbach Livius (1551) 9a; gönden (1537) bei Schmoller Straszb. tucherzunft 158 u. ö. im sg. und pl. ind.: er gondet Carlstadt v. bepstl. heylickeit (1520) d 2a; (wir) gonnden (1325) in: schweiz. id. 2, 332; wir günden (schwäb. 1418) bei Lexer 1, 1119; (wir) gönden (1463) bei Weinhold al. gr. § 380. vereinzelt und früh im konj.: (er) gunde Alexiuslegende A 1144 Eis (hs. 14. jh.) und imper.: gunde ebda 858.
4) das neu gebildete schw. prät. zeigt im indikativ ahd., wohl in analogie zu dorfta, scolta, mohta, torsta, häufigeres onda neben lautgesetzlich richtigem unda (z. b. Otfrid II 7, 2; Notker 1, 798, 28 P. neben Otfrid I 27, 31 hs. F.; Notker 3, 199, 28 P.). im mhd. herrschen, wohl in anlehnung an den inf. und ind. präs. pl., die -u-formen neben selteneren -o-formen (wie etwa [sie] gonde Nibelungenl. 1696, 3 B.; [sie] gonden [:konden] passional 171, 42 K.), s. Weinhold mhd. gr. § 412. für die folgende übergangszeit gilt im stammvokal annähernd die gleiche variationsbreite wie in den formen des präs., doch behaupten sich im ind. prät. (ähnlich wie beim part.) die -u-formen noch bis ins 16. jh. deutlich an erster stelle ([sie] gunten Eulensp. 55 ndr.; [er] gundt herzog Aymont [1535] d 4a; er gunnte Luther 10, 1, 1, 265 W.; [er] gundt Ringwaldt christl. warnung [1588] f 4a u. ö.). daneben vor allem die -o-formen: (er) gonde (Magdeburg um 1360) städtechron. 7, 64; (sie) ghonden (Braunschw. 1418) ebda 16, 40; (er) gond (Chur 1446) Fründ chron. 146; (wir) gonnten (1521) Planitz br. 32; (sie) gonten Zimmer. chron. 23, 19 B.; spät (er) gonnte, (sie) gonnten J. Chr. Günther s. w. 3, 107 Kr.; 2, 279. die umgelauteten, unter analogischem zwang der präs.-bildungen stehenden formen treten relativ spärlicher und jünger auf, vereinzelt im 15. jh., wenn ein (er) gent (Augsburg um 1460) städtechr. 5, 15 als entrundete -ö-form aufzufassen ist. sonst erst seit dem 16. jh.: (er) gündte Boner Herodot (1535) xxxviiib; (er) günt Aventin s. w. 4, 450 bayr. akad.; (er) gönte Montanus schwankb. 426 lit. ver.; (sie) göntten Münster kosmogr. (1550) 66. für das 17. jh. gelten durchweg die gleichen verhältnisse wie im präs.die alte dentalerweichung ist seit dem 16. jh. durchweg aufgegeben, und häufig treten nun auch bildungen mit mittelvokal auf: (er) günet Füetrer bayr. chron. 220 Spiller (fortsetzer W. [1511-14], gegen er vergund ebda 93 bei Füetrer selbst); (sie) gönnetens Hes. 31, 16; ich gonnet Luther 15, 339 W.; (er) günnete Kirchhof wendunm. 2, 72 lit. ver.; Moscherosch ges. (1646) 56. — mhd. steht vereinzelt die 2. sg. mit der endung der starken prät.-flexion in du gunde Ottokar reimchron. 94 748. — doppelt präfigiertes (er) gegunde Tristan 2372 R.vereinzeltes (er) gan s. u. 8.
5) im konj. prät. herrscht ahd. das gleiche nebeneinander von häufigerem -o- und seltenerem -u- als stammvokal wie im ind., vgl. DWB er gionsti Otfrid V 25, 101 neben gunsti ebda hs. F und er ondi Notker 1, 6, 1 P.; si neondi ebda 88, 18. im mhd. stehen gunde bzw. günde neben nur gelegentlichem gönde Nibelungenl. 1339, 2 L. die wenigen nachweisbaren formen der übergangszeit bevorzugen auch im konj. die umlautlose -u-form, vereinzelt begegnet si günde Oswald v. Wolkenstein 5, 31 Schatz (neben si gunde ebda 37, 98); mit mittelvokal und beseitigter dentalerweichung er günnete Tschudi chron. Helv. 2, 351 (neben gunneti ebda 2, 221). — mhd. vereinzelt assimilation des

[Bd. 8, Sp. 892]


-nd- zu -nn- in sie gunnen Ottokar reimchron. 25 895 anm. v. 17; (er) engunne 85 944. — singuläres gande s. u. 8.
6) das part. prät. ist vormhd. nicht belegt (zu dem unsicheren glossenbeleg erbunnen vgl. Franck altfrk. gr. § 209, 3). das mhd. scheint zunächst (s. Lachmann anmerk. z. d. Nibel. 279) die starke form zu bilden (mit stammvokal -o- als gegonnen bei Veldeke Eneide 1078; 2194; 3601; 4161 B. wohl unter nfrk. einflusz, sonst gegunnen Nibelungenl. 1811, 4 L.; Konrad v. Würzburg troj. kr. 21 669), noch im 13. jh. aber daneben, wie entsprechend auch bei anderen präterito-präsentien, schw. gegunnet Nibelungenl. hs. c 5413 Laszberg (= 96, 2, 2 Zarncke), Mones zeitschr. 7, 318. gerade die frühe bezeugung weist überall doppelpräfix auf, weil das präfix in g-unnen als solches nicht mehr gefühlt wurde. dasz ein vereinzeltes, scheinbar 'richtig' (so zs. f. dt. wortf. 1, 298) gebildetes geunet (Mainz 1452) städtechr. 17, 303 (vgl. auch singuläres gegeünnet [1522] in: zs. f. dt. wortf. 1, 298) den ursprünglich vorauszusetzenden stand wiederherstellt, erscheint um so fraglicher, als im gleichen satz auch die form gegunt erscheint. die spät- und nachmhd. formentwicklung bietet folgendes bild (ohne besondere berücksichtigung des stammvokals, dessen wechsel im ganzen den verhältnissen der präs.-formen entspricht, der aber das gleiche zähe festhalten der -u-formen wie beim ind. prät. erkennen läszt):
a) das st. part. scheint sich, nach ausweis der greifbaren literarischen belege, bereits seit dem 14. jh. durchaus auf schweizer. boden zurückzuziehen, wo es neben selteneren schw. formen im 16. und 17. jh. reich, vereinzelt auch jünger noch bezeugt ist. zuerst vornehmlich ohne vorgesetztes ge- als gunnen, gönnen, vgl. die nachweise aus dem 15.-16. jh. bei Weinhold al. gr. § 380 und im schweiz. id. 2, 332f., wo es als gunnen noch für das jahr 1666 bezeugt ist, während die doppelt präfigierten formen gegunnen N. Manuel 235 Bächtold, Tschudi chron. Helv. 1, 130 und gegonnen Kessler in: schweiz. id. 2, 332 (1644), (1770) ebda 333 vornehmlich der jüngeren bezeugungsschicht angehören und ein g'gonnen ebda 332 noch heute in teilen des schweizer. gilt (s. auch unt. 9).
b) das in allen varianten des stammvokals begegnende schw. part. gilt seit dem spätmhd. für das gesamte übrige sprachgebiet literarisch anscheinend ausnahmslos. früh schon und bis zur wende des 16.-17. jhs. auch in formen ohne vorgesetztes ge-, so gunt Ottokar reimchron. 59 168; Schiller-Lübben 2, 166; Sandrub kurzweil 10 ndr., günnet (1516) bei Schmoller Straszb. tucherzunft 117; Murner dt. schr. 1, 2, 63, gindt (entrundet) ebda 2, 299, gon(n)t (Braunschw. 1488) städtechr. 16, 111; Schaidenreisser Odyssea (1537) 40 und als gönnet einmal bei Luther 52, 238 W. häufiger jedoch sind die doppelt präfigierten formen: gegun(n)(e)t (Wien 1395) bei Stolz deutscht. in Südtirol 2, 242; (15. jh.) Straszb. zunft- u. polizeiverordn. 105 Brucker; Boner Herodot (1535) 83a; Murner dt. schr. 9, 125; (1673) in: schweiz. id. 2, 332, gegün(n)(e)t (Straszb. um 1400) städtechr. 9, 587; 677; (Nürnberg 1401) ebda 1, 199; Zwingli dt. schr. 1, 92 Sch.-Sch.; Luther 18, 29 W.; Wickram w. 4, 234 B.; Logau sinnged. (1654) 2, 35, geginnet (entrundet) Murner kl. schr. 8, 28 Pfeiffer-Belli, gegon(n)(e)t (Braunschw. 1514) städtechron. 16, 370; Fischart Garg. 96 ndr.; Spangenberg-Fröreisen gr. dram. 1, 255 Dähnhardt, nach zs. f. dt. wortf. 1, 298 noch bei Olearius reisebeschr., endlich das heute gültige gegön(n)(e)t N. v. Wyle translat. 64 Keller; Amadis 359 Keller; Luther 47, 606 W.; tischr. 4, 188 W.das in den präs.-formen nicht seltene -d-infix dringt vereinzelt ins part. prät. ein: gegündet mon. Zoller. 1, 585; gegundet (1510) bei Fischer schwäb. 2, 749. — zur partizipialform gegant s. u. 8.
7) im formbereich des prät. begegnet gelegentlich eingeschobenes -s- wie regelmäszig in der 2. sg. präs. ind. (s. ob. 2 und die dort verzeichnete literatur) sowie in konsta O. und bigunsta Is.: (er) gionsta Otfrid III 22, 29; (sie) gionsti (konj.) ebda V 25, 101, var. hs. F: gunsti; jünger anscheinend vornehmlich md.: sie gunsten (1520) archiv f. ref.-gesch. 1, 79; Luther 23, 582 W.; gegunst bei Lexer

[Bd. 8, Sp. 893]


1, 1119; bei Knauth stifftskloster Alten-Zella 8 (1722) 85; gegonst bei Weinhold mhd. gr. § 412.
8) anomalien. auszerhalb des alten sg. präs. ind. (s. ob. 1) zeigen ein -a- im stamm auch andere ältere formen, die, zeitlich und regional verstreut, kaum in gegenseitige beziehung zu bringen sind. offenbar unorganisch ist der imper. gan (:man) bei meister Altswert 69, 13 (neben gun ebda 112, 11; günn 112, 27). ein (er) gane (konj. präs.) (:ane) Folz meisterl. 15 Mayer ist durch reimzwang kaum, eher durch einflusz des präs. gan zu erklären wie wohl auch ein gedehntes (er) gahn (konj. präs.) Luther 7, 5, 2 W. neben indikativ. ich gahn 7, 6, 20 W. des gleichen Wittenberger druckes v. j. 1520 und ein md. konj. prät. gande (1402) cod. dipl. Sax. II 6, 64 neben salde ebda. ein im schweizer. bezeugter ind. prät. (er) gan (:man) (1549) Aal trag. Joh. d. täuf. 4208 ndr. mag in analogie zu dem ganz unverwandten st. vb. beginnen gebildet sein, das ja seinerseits auch ein schw. prät. begunde entwickelte. dies prät. gan steht zu singulär, als dasz es berechtigte, das im schweizer. des 15.-17. jhs. häufig bezeugte st. part. gunnen auf ein st. vb. ginnen zurückzuführen. eher deuten auf die möglichkeit solchen ansatzes ostdt. formen des 17. u. 18. jhs. wie ein (er) ganne (: [sie] sanne) des Leipzigers M. Schirmer eigentl. abrisz (1648) 48, ein er gann in: etw. üb. d. leiden d. jungen Werthers (in einem Leipz. sammelbd. 1775) 21, vgl. dazu den ansatz ich ginne, prät. ich gann bei Steinbach dt. wb. (1734) 1, 618. ein schw. part. prät. gegant ist nur mnd. belegbar: geganth (urkundl. 1503) bei Pratje d. herzogthüm. Bremen u. Verden 5 (1757) 429; vgl. 431; der nachweis in brem.-nds. wb. 2, 557 aus einem lat. glossar erscheint unsicher. bei A. Lasch mnd. gr. § 442, 2 (ge)gant als nebenform neben (ge)gunt ohne nachweis.
9) in den heutigen mundarten ist der formenbestand des wortes kaum minder verwirrend als in der älteren schriftsprachlichen überlieferung, bei aer ohnehin mit mundartlichen einflüssen zu rechnen sein wird. das betrifft vor allem den wechsel des stammvokals, doch ist auch hier das bild im einzelnen keineswegs eindeutig. im allgemeinen zeigen das obd. und teile des rhfrk. vorwiegend die unumgelautete -u-form gunnen, das nd. umgelautetes günnen, während das omd. entrundetes ginnen zu bevorzugen scheint. wenig eindeutig ist die verteilung der -o-formen, die namentlich mfrk., nfrk. und schwäb. (im norden), neben -u-formen auch schweizer. und rhfrk. begegnen. bei den vor allem ripuar. und moselfrk., aber in nebenformen vielfach auch sonst bezeugten -ö- und (entrundet) -e-formen ist schwer zu entscheiden, wieweit jüngere anpassung an die schriftsprachlich gültig gewordene form vorliegt.im mundartlich häufig präfixlosen part. prät. sind starke bildungen, wie sie literarisch für das ältere nhd. im schweizer. bezeugt sind (s. ob. 6a), gelegentlich auch sonst möglich, so im angrenzenden elsäss., aber auch im fries. und samländ.im einzelnen und für die nachweise sind überall die maa.-wbb. zu vergleichen. bedeutung und gebrauch.
die grundbedeutung des wortes ist mit 'zugestehen, tribuere' am besten zu fassen. gönnen ist die handlung einer person aus machtvollkommenheit, rechtsbefugnis, gerechtigkeitsgefühl oder freundschaftlichem wohlwollen heraus, gerichtet auf eine andere person (dativobjekt). der gegenstand des gönnens (akkusativobjekt) ist ein gut, das für den anderen wertvoll ist und das ihm durch ein gönnen äuszerlich 'zugeeignet' (I) oder nur innerlich 'zugestanden' (II) wird.
von der episodischen verwendung in der form jemandem gönnen 'jemandem wohlgesinnt sein' abgesehen (s. u. IV), hat sich diese grundstruktur und grundbedeutung des wortes seit seinem ersten auftreten in der ahd. literatur durch die jahrhunderte hindurch bis zur gegenwart unverändert gehalten. bedeutungsmäszig freilich überwiegt in den ersten jahrhunderten jener gebrauch, in dem gönnen die nach auszen wirksame zueignung miteinschlieszt. die einschränkung der bedeutung auf die rein innere stellungnahme und zubilligung geht vom verneinten gebrauch aus (nicht gönnen). sie ist zuerst bei Notker belegt (II A 1 b α; II A

[Bd. 8, Sp. 894]


1 b δ). positiv gewendet finden wir sie erst im mhd. seit dem spätmittelalter und der reformationszeit wird gönnen dann immer häufiger auf die innere zubilligung beschränkt. seit dem 19. jh. ist die äuszere zueignung nur noch in bestimmten festen wendungen in die bedeutung einbeschlossen (vgl. z. b. III B 1 c α ββ). von einem eigentlichen bedeutungswandel kann man nach den schriftlichen zeugnissen daher nicht sprechen, eher von einer gewichtsverlagerung aus dem 'äuszeren' ins 'innere' moment, genauer gesagt von einer einengung auf das 'innere' moment, das ja auch in der neuzeitlich ungebräuchlich gewordenen verwendung als 'äuszere' zueignung immer vorhanden ist.
das substantiv, das den gegenstand des gönnens bezeichnet, steht vornhd. im genitiv. sichere beispiele für den später gültigen akkusativ begegnen seit dem 14. jh.: Hadlaub in: minnes. 2, 285a v. d. Hagen; Tauler 76, 24 V.; (Straszburg 1362) städtechr. 8, 47; Wernher Marienl. 2, 12 P.-H.; (Straszburg um 1400) städtechr. 9, 817. von den bei Lexer 1, 1119 gegebenen nachweisen für das 12. und 13. jh. ist der beleg aus genesis 41, 9 Diemer falsch, derjenige aus Albrecht v. Halberstadt 10, 304 als erschlossener text unsicher, der akkusativ mîne minne troj. kr. 21 797 möglicherweise jüngerer handschriftlicher stand, und nur der im reim stehende akkusativ heil (:teil) bei Heinrich v. d. Türlin krone 10 889 darf eine gewisse, durch die hss. freilich eingeschränkte wahrscheinlichkeit beanspruchen. bereits im 15. jh. scheint der gebrauch des akkusativs demjenigen des genitivs die waage zu halten, im 16. jh. überwiegt er deutlich, bei Luther schon so sehr, dasz die wenigen fälle genitivischen gebrauchs (so 15, 339 W.; 24, 462; 30, 2, 145; 30, 3, 219) als ausnahmen zu gelten haben. ein später fall für genitivobjekt noch im beginnenden 17. jh.: (sie) günt ... ihr ... der ehren (1607) W. Spangenberg ausgew. dicht. 90 Martin. bei Zinkgref dt. apophthegm. (1653) 1, 58: dasz mir gott der ehren gann handelt es sich nicht um einen echten spätfall, sondern um die zitierung einer sentenz des 16. jhs. (s. ob. herkunft u. form unter 1).
oft wird als gegenstand des gönnens nicht ein durch ein substantiv bezeichnetes gut genannt, sondern ein sachverhalt, ein vorgang oder eine handlung, ausgedrückt durch einen abhängigen infinitiv mit zu oder durch einen objektsatz mit dasz. auch dieser sachverhalt kann dem anderen als ein gut zuteil werden (I A 3 e; I A 3 f); häufiger aber wird ihm nur das recht, die erlaubnis zuerkannt, eine handlung auszuführen (IB); oder man ist innerlich mit einem dem anderen begegnenden vorgang bzw. mit seiner handlungsweise einverstanden (II A 1 a δ; II A 1 a ε; II A 1 b δ; II B 1 c).
die reiche verwendung des wortes in der gesprochenen und geschriebenen sprache hat zu vielen besonderheiten des gebrauchs geführt (III): zu festen verbindungen mit bestimmten objekten, adverbialen bestimmungen und andern verben (III A); aber auch zu veränderungen der grundstruktur jemandem etwas gönnen durch einfügung eines akkusativs der person (III B 1 a) oder eines dativs der sache (III B 1 b), durch den reflexiven gebrauch (III B 1 c), durch passivische konstruktionen (III B 2), durch ellipse eines oder beider objekte (III C) und durch den seltenen absoluten gebrauch des wortes (III D).
für sich steht eine zwar deutlich zu verfolgende, aber auf älteren und nicht sehr häufigen gebrauch beschränkte intransitive verwendung des wortes mit persönlichem dativobjekt in der bedeutung 'jemandem wohlwollen, günstig gesinnt, geneigt sein' (IV).
I. jmd. etwas durch persönliche einflusznahme gernaus gnade, recht oder billigkeitzuteil werden lassen, zusprechen, zugestehen, ihn mit etwas auszeichnen, begünstigen. das kann sich auf ein gut oder einen sachverhalt beziehen, dessen besitz oder nutznieszung man dem andern zuspricht (A), oder lediglich auf die erlaubnis, die man jmd. erteilt, etwas auszuführen oder in anspruch zu nehmen (B).
A. jmd. etwas handelnd oder gewährend zusprechen, zugestehen, zukommen lassen, in der überzeugung, dasz der betreffende es verdient habe: gunnen verleihen, largiri, concedere Dentzler clav. ling. lat. (1716) 142b; concedere ex favore brem.-niedersächs. wb. 2 (1767) 557. je nach der art

[Bd. 8, Sp. 895]


des gegenstandes, der gegönnt wird, ergeben sich feinere unterschiede der wortbedeutung.
1) gegenstand des gönnens ist etwas reales, das man selbst besitzt oder über das man verfügt und das man nun dem andern zum besitz oder zur nutznieszung zuspricht, zukommen läszt, überreicht, schenkt, dessen besitz damit also wechselt.
a) ein gut allgemein. in älterer zeit erscheinen vor allem gott oder höhere mächte als die gönnenden. der besitzwechsel wird hier nicht so deutlich, da ja gott der gegönnten güter mächtig bleibt:

thes fáter min mir giónsta, theist álles guates fúrista
(pater meus quod dedit mihi, majus omnibus est Joh. 10, 29)
Otfrid III 22, 29;

(Fortuna beweist) mit tien defensionibus ... daz si imo des sines nieht nehabe infuoret unde si iro guotes muosi imo unnen, so lango si uuolti Notker 1, 99, 4 P.; uuaz mahti danne dero gebon iomer iuuer uuerden, ube si (sc. Fortuna) iro (gebono) iu neondi ebda 88, 18. auch später:

den ehret billich jederman,
dem gott viel guter gaben gan
Petri d. Teutschen weiszh. (1605) N 2a;

(Venus sagt:) darumb wer liebt der ehre tugend,
so sieget er mit mier:
ich siege mit der muntern jugend,
und gönn ihr meine zier
Knittel poet. sinnenfrüchte (1677) 132;

in symbolischer und mythischer form hat uns das schicksal durch glaubhafte zeugen ... manche dogmen dieser orphischen religion gegönnt Creuzer symbolik u. mythol. (1810) 1, 210. der mensch als gönnender, erst seit dem 16. jh. belegt:

(der küersner)
wer mir thuet seines geltes ginnen,
der sol mich alzeit willig finnen
Hans Sachs 23, 286 lit. ver.;

er (ein reicher) gönnet seinen überflusz denen handwerkern und arbeitsleuten; er hat eine freude, ihnen etwas verdienen zu lassen v. Loen ges. kl. schr. (1749) 1, 17. tiere oder dinge werden personhaft als gönnende vorgestellt:

das schaff die woll dem herren gnt,
wenns nur die haut behalten knd
Petri d. Teutschen weiszheit (1605) m 6a.

selten aber geistige gröszen: und der allgemeine, philosophische, menschenfreundliche ton unsres jahrhunderts gönnet jeder entfernten nation, jedem ältesten zeitalter der welt, an tugend und glückseligkeit so gern unser eigen ideal? Herder 5, 511 S. bei der verneinung liegt der ton mehr auf der inneren einstellung, aber die äuszere konsequenz des 'nichtgewährens' ist oft damit verbunden: dis stuck des sacraments (den kelch) haben sie alleyn für sich behalten, und uns leyen nicht gegünnet, wie wol doch der text sagt 'trinckt alle draus' Luther 18, 29 W.;

vnd ein recht mammons diener war,
der nur versorget seinen mundt
vnd andern leuten nichtes gundt
Ringwaldt christl. warnung (1588) F 4a;

von einem vertrunckenen weib, die jhrem manne kein trunck gnnete (überschrift) Sandrub hist. und poet. kurzweil 78 ndr.;

was ich lieb' und was ich bitte,
gönnen mir die menschen nicht
Mörike w. 1, 272 Maync.


b) gegenstand des gönnens ist ein erbe, das einem nachfolger zugesprochen, zugestanden wird (besonders im 14.-16. jh.):

si sprâchen: 'herr, uns dûht gefüege,
sît ir niht habt kint,
die iwer næhste erben sint,
daz ir den gunnet iwers guotes'
Ottokar reimchron. 22 006 Seem.;

ob aber der egenant herczog zu Österreich ... an leibpleich erben abgient, so süllen si freihait haben, das si des selben herczogtum mügen günnen, wem si wellen

[Bd. 8, Sp. 896]


Andreas v. Regensburg s. w. 634 Leidinger; (Saul hat nicht nur zusehen müssen, wie) alles volck ihme dem David vorgezogen und lobgesäng gemacht, sondern deme auch das königreich gönnen, und sich endlich selbsten entleiben müssen Londorp acta publica 1 (1668) 224b. wohl mit bedeutungseinschlag von II her:

und als er kam zu sterben,
zählt er seine städt im reich,
gönnt alles seinem erben,
den becher nicht zugleich
Göthe I 14, 136 W.


c) gegenstand des gönnens ist ein geistiges oder künstlerisches erzeugnis, das man einem andern, einer gemeinschaft oder der welt schlechthin zuteil werden läszt; nur in jüngerem gebrauch:

so gnn uns noch einmal ein lied von deinen hnden
Neukirch ged. (1744) 227;

sie haben sich lezthin beklagt, dass ich ihnen keine feder voll tinte für alle ihre mühe gönnte (1786) Caroline 1, 32 Waitz; denn wie schlau sich der schreiber (Freytag selber), als er die artikel dem publicum zuerst gönnte, auch vorgekommen sein mag (1886) G. Freytag br. a. s. gattin (1912) 39;

(bitte an die nachtigall:)
komm, gnn' uns deine lieder,
mit all' der süszen zauberey
R. Z. Becker Mildheim. liederb. (1799) 23.


2) der gegenstand des gönnens gehört zum äuszeren oder inneren besitz des gönnenden. er wird dem andern nur zur nutznieszung zugänglich gemacht, eingeräumt, zugestanden.
a) im eigentlichen sinne von äuszeren gütern, die dem andern zu voller nutznieszung oder zum teilhaben an der nutznieszung überlassen werden:

(die Juden gegenüber Jesus:)
sie mo ínnouuo ni óndun joh sélidôno irbóndun
Otfrid IV 4, 70

(ir-b-unnan als genau gegensinnige 'verweigerung der nutznieszung' vgl. ebda V 21, 7);

ein scheur, ein stall wer unss für guet,
wies man den armen gunen thuet Endinger judenspiel 36 ndr.;

vast weit her kum geflogen ich,
und brist mir herberg und gemach.
die gün mir unter deinem tach
Wickram w. 7, 198 Bolte;

dem wegmüden gast
gönne hold
des hauses herd
R. Wagner ges. schr. u. dicht. (1897) 6, 100;

um die verlassenen hütten nicht den Germanen zu gönnen ..., hatten die Helvetier ihre städte ... niedergebrannt Mommsen röm. gesch. 3 (1866) 237; nehmt nochmals meinen dank, liebe leute, dass ihr dem alten mann mit seinen söhnen eine zuflucht und ein obdach gönnen wolltet Bauernfeld ges. schr. (1871) 6, 41;

o heller tag, o liebe sonn,
sprachen sie, nun dein schein vns gonn,
zeig vns dein liechtes rotes haupt
des vns hast dise nacht beraubt
Fischart glückh. schiff 8 ndr.;

seinen schatten hat er (der baum) denen gegönnt, die kommen und kommen werden, um an seinem majestätischen thron zu ruhen (il a prêté son ombre à ceux qui ...) Göthe I 45, 18 W.
b) gegenstand des gönnens sind leib oder herz des gönnenden, an denen man dem andern aus zuneigung oder hingabe anteil gewährt. neben gönnen ist hier unter leichter verschiebung des sinnes das wort schenken gebräuchlich (vgl. auch in demselben sinne die reflexive wendung sich jmd. gönnen unt. III B 1 c β):

(Laudine sagt über Iwein:)
mirn tete daz weter nie sô wê
ichn woltez hân geliten ê
danne ich ze langer stunde
mînes lîbes gunde
deheinem sô gemuoten man
der nie kein ahte ûf mich gewan
Hartmann v. Aue Iwein 8086;

[Bd. 8, Sp. 897]


in nyemandt find ich r dann allain in dir (gott), nyemand günn ich mein hertz basz dann dir herr Keisersberg granatapfel (1510) a 3c. meist in erotischer hinsicht, als liebesversprechen oder liebesgewährung:

kum, liebster man!
meins leibs ich dir wol gan
an abelan
Oswald v. Wolkenstein 73, 2 Schatz;

du willst nun endlich meine wünsche krönen,
du gönnst dem jüngling deinen süszen leib,
willst nicht mehr fürstin sein, nur liebend weib!
Tieck schr. (1828) 1, 66;

dasz sie (die geliebte) mir nicht manches stündchen ...
gönn' ihr zartes wollen-mündchen
sonder schelten und gefahr
Schwieger geharnschte Venus 129 ndr.;

die gemahlin Belsazars, Nitokris, hat sein (Darius') herz gerührt, er brennt für sie mit der stärksten leidenschaft und fürchtet, dasz sie dem mörder ihres gemahles ihr herz und ihre hand nie gönnen werde Göthe I 51, 242 W.
c) gegenstand des gönnens sind die der gegenseitigen menschlichen verständigung dienenden sinnesorgane bzw. deren funktion (seit dem 16. jh.). für die bedeutung ergeben sich nuancen, insofern ohr und gehör mehr zur nutznieszung 'zugestanden, eingeräumt, überlassen' werden (vgl. I A 2 a und b), während bei auge, blick, mund, wort der gesichtspunkt der zuneigung mehr hervortritt.
α) ohr, gehör gönnen: dieweil sy sollichen schandtlichn lugen meülern der oren günnendt Phil. Regius von lutherischen wunderzaychenn (1524) A 3a;

gönne (gott) mir dein ohr,
lasz mein gebet vor dir erscheinen
und mich nicht so vergebens weinen
Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 484;

der schmakkhafte gönnet ihm ein sehr wohlgeneigtes ohr
Neumark fortgepfl. lustw. (1657) ):( ):( ):( 3a (ehrenverse);

der beweis, dasz sie den deutschen musen manchmal auch noch ein ohr gönnen, hat mich als einen, der nichts anders als deutsch seyn kann, herzlich gefreut Göthe IV 18, 73 W.;

er wird (der kaiser), wie ich vermein, dir stracks verhöre (gehör) gönnen
Gryphius trauersp. 29, 252 lit. ver.;

laszen sie sich diese nachricht nicht bestürzen, liebste freundin, und gönnen sie mir ein ruhiges gehör (1783) Schiller br. 1, 104 Jonas.
β) augen, blick gönnen, meist verneint in der umschreibung von abneigung, grimm, hasz, hochmut; häufig in den wörterbüchern des 16./17. jhs.: einem der augen nit gunnen, gsicht von einem abwenden hominem oculis fugere J. Maaler teutsch spr. (1561) 198c; Frisius dict. (1556) 312a; ebda 1379a; Corvinus fons lat. (1646) 959; Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 138; das ist ein euserlich zeichen irae, das man eim sauer sihet, gunt yhm nicht die oculos Luther 27, 265, 10 W.;

seindt so verbittert und foll neid,
das sy mir nicht der augen günnen
Thurneysser archidoxa (1575) 69;

derowegen wird der hochgeehrte und rein affectionirte leser ... diesem buche ... dennoch seine gemths augen ein wenig gnnen Riemer polit. maulaffe (1679) vorr.; er (eine aufgeblasene mannsperson) ginge so richt vnd strack als ein boltz ... sahe saur vnnd gnnete keinem wohl das gesicht Moscherosch gesichte (1646) 56;

dein angesicht wolstu (gott) mir gönnen
Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 483;

sie schweigen, Mellefont? sie gönnen der unschuldigen keinen blick? Lessing 2, 289 L.-M.; Eros zog weiter, ohne Ginnistan, die auf ihn zueilte, einen zärtlichen blick zu gönnen Novalis schr. 4, 200 Minor; niemand, weder mann noch frau, gönnte Grazia einen blick Werfel geschw. v. Neapel (1931) 139.
γ) mund gönnen (anders s. u. I B 2 c γ): drumb wil der herr auch sagen: was fraget ihr mich? unnd wil den mundt ihnen (den fragenden pharisäern) nicht

[Bd. 8, Sp. 898]


gonnen, wendet ihn anders wohin unnd wil sie auch nicht ahnsehen noch ihnen antwortten Luther 33, 498 W.; der jenigen sauertöpffe und störrigen maulfrancken, die für ihrem nächsten fürübergehen, und ihme den mund nicht mögen gönnen Dannhawer catech.-milch (1657) 1, 438; scheen worsch awer net von der, dasz de mer desz maul net emol gegunnt host = keine ansprache gegönnt hast (1830) bei Askenasy Frankf. ma. 28; Bauer-Collitz 72a; Jer. Gotthelf erlebn. e. schuldenbauers (1854) 186; ebda 237.
jemandem ein wort oder worte gönnen ist erst seit etwa 1800 bezeugt, sehr oft bei Grillparzer: und der bruder ... gönnt dem vater vorher das wort, eh' er der witwe seine anträge macht J. J. Engel s. schr. 12 (1806) 313;

und so komm her und gönn uns nur ein wort
Grillparzer s. w. 7, 39 Sauer;

sie liebt ihn nicht!
und doch geht jedes wort, das sie ihm gönnt,
wie neid und hasz durch meine trübe seele ebda 8, 93; 6, 81; 4, 160;

des tages wuszte er sich nicht zu erinnern, an dem der 'wohlthäter' ihm ein gutes wort gegönnt ... hätte M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 2, 10. diesen wendungen nahestehend:

bis ihr mich anhört und mir antwort gönnt
Grillparzer s. w. 6, 75 Sauer;

sie redeten alle mit jenem besonderen ton von ihm, den sie nur den übergeordneten gönnten, den führenden Aug. Supper auf alten wegen (1928) 23.
d) gegenstand des gönnens sind innere güter des gönnenden, seine haltung oder innere einstellung im hinblick auf einen andern menschen.
α) in mhd. zeit güter, die durch gott uns zuteil werden, für uns und in uns wirksam werden; vgl. die naheliegenden und doch anders gearteten fälle unter I A 1 a:

vater, du hâst veterlîchen mir
gerâten als ein wîser man.
ich wil vil gerne volgen dir,
ob mir got sîner helfe gan,
der alliu dinc volenden kan
der Winsbeke v. 57, 4 Leitzmann;

wem got dâ des heiles gan
Ottokar reimchron. 15015 Seem.;

aber wissest: ob dir got der gnaden gan das dir rúwe wirt an dinem ende Tauler pred. 138, 17 Vetter.
andere mächte als gönnende:

die da ze hove der gabe pflegent (Apollo und die Musen),
ir genade teilent unde wegent,
als si ir der werlde gunnen,
die gebent ir sinne brunnen
so vollecliche manegem man
Gottfried v. Straszburg Tristan 4875 Ranke;

später:

der on snde war geborn,
trg fr vns gottes zorn,
hat vns versnet,
das vns got der herr sein hlde gnnet bei
Wackernagel dt. kirchenlied 3, 11a;

wende von mir den falschen weg, vnd gnne mir dein gesetze (var.: vnd gnade mir dein gesetz) ps. 119, 29. modern selten: horch, das ist kein grusz, den die natur dem wanderer gönnt, sagte er lauschend G. Freytag ges. w. (1886) 6, 47.
β) auch der mensch in diesem sinne als gönnender:

(Helena zu Paris) und wæret ir geswinde komen ...
ich hæte iu mîne minne wol
für tüsent man gegunnen
Konrad v. Würzburg troj. kr. 21797;

(das mädchen zum liebhaber)
ich danck dir vast
du werder gast
der trewen dein
die du mir gunst von hertzen
Forster frische teutsche liedlein 116 ndr.;

das wirt er für ein freundtschafft haben,
vnd sich mit lust daruon erlaben,
das du ...
... jm souil freundtschafft thst günnen
Scheit Grobianus v. 798 ndr.;

[Bd. 8, Sp. 899]


ich bitte euch mir ferner eure gewogenheit zu gönnen je vous prie de vouloir bien me continuer vos bonnes graces Schwan nouv. dict. (1783) 778 (vgl. vorher im nouv. dict. [Straszb. 1774, ohne verf.] und Mozin-Biber dt.-frz. wb. [1823] 424 dasselbe beispiel mit der bedeutungsangabe: mitteilen, widerfahren lassen); wer die menschen prüft, ehe er ihnen sein ... zutrauen gönnt, wird nicht zu klagen haben allg. dt. bibl. anh. z. bd. 53-86 (1771) 2021;

wenn du ...
miszbrauchtest das vertraun, das mensch dem menschen gönnt,
mit lügen meinen Atalus befreitest
Grillparzer s. w. 8, 21 Sauer;

gönnet immer fort und fort
Bakis eure gnade:
des propheten tiefstes wort
oft ist's nur charade
Göthe I 3, 268 W.;

(der neue Amadis zu den mädchen:)
willfahret jedem, gönnet eure gunst
dem ersten besten haushahn auf zwey beinen
Lenz ged. 101 Weinhold;

(Arbaces:) du würdest uns gewisz ein starkes mitleid gönnen
Hafner ges. schr. (1812) 2, 26;
Börne ges. schr. (1829) 2, 130;

jeder mann schlug den weg dazu ein, der ihm durch den mann, dem er am meisten beifall gönnte, vorgezeichnet war Jung-Stilling s. schr. (1835) 6, 38; gönnen sie mir nur für ein paar minuten ihre aufmerksamkeit J. v. Müller s. w. (1810) 8, 251. in verwandter anwendung: sie werden doch nicht abgeschreckt seyn, mir ihre gesellschaft zu gönnen Gerstenberg schlesw. lit.-br. 4, 38 lit.-denkm.; indem er ihn zugleich mit freundlicher höflichkeit ersuchte, ihm ... seinen besuch zu gönnen Tieck schr. (1828) 19, 446;

wenn ich alle nennete,
die mir gemeinschaft unbeschadet schon gegönnt
Droysen Äschylus (21842) 174.

vereinzelt mit sachlichem dativobjekt in der stellvertretung eines persönlichen (s. dazu im übrigen III B 1 b): ich gönne der tapferkeit deines sohnes die gebührende achtung neue samml. v. schausp. (1764) 1 Samson 23. in dichterischer sprache erscheint die innere einstellung selbst als gönnende:

ich kann unmöglich wieder gehn,
ich musz euch noch mein stammbuch überreichen.
gönn' eure gunst mir dieses zeichen!
Göthe I 14, 95 W. (s. auch Shakespeare unt. γ).


γ) in poetischer sprache wird gelegentlich auch eine negative, ablehnende innere einstellung zum inhalt des gönnens:

ein andrer würd es wünschen können,
ich aber bin nicht aufgelegt,
den feinden meinen zorn zu gönnen
J. Chr. Günther s. w. 1, 173 Krämer;

hör, Romeo! der hasz, den ich dir schwor,
gönnt diesen grusz dir nur: du bist ein schurke! Shakespeare 1 (1797) 84.


3) in anderer anwendung drückt das objekt aus, was dem andern durch mein handeln an wert, vor allem an geistigseelischem wert, erwächst.
a) im bereich der ehre, des ansehens, der geltung.
α) speziell ehre gönnen, meist von einer bestimmten, durch den zusammenhang näher bezeichneten ehre. mit gott als subjekt:

alsô solt noch geschehen
einem biderben man:
swie vil dem got êren gan,
der sol er sich dunken wert
Ottokar reimchron. 42 224 Seem.;

er (der teufel) vexirt allein mit kleinen boslein. gott gonnet im die ehr nicht, das er vns mit rechten sunden plagen solt Luther tischr. 1, 555 W.; wie dan auch kaiser Sigmunds reim gewesen ist: ich pin nichts mêr dan ein ander man, dan das mir got der êren gan Aventin s. w. 4, 370 bayer. akad.; J. W. Zinkgref dt. apophthegmata (1653) 1, 58. andere mächte als gönnende: (in diesem land regierte die königin Tyro,) welcher der Neptunus als seiner

[Bd. 8, Sp. 900]


bulschafft nach jhrem abscheid diese ehr vnd herligkeit gegünnet Rollenhagen indian. reysen (1603) 112. in zwischenmenschlichen beziehungen: ich hab euch (Karlstadt) ja zu Leyptzig gestrafft, do ir so hochmütig waret unnd woltet vor mir disputirn, nue ich gonnet euch der eren und liesz geschehen Luther 15, 339 W.; wenn er (ein fremder kavalier) mir die ehre gönnen wolte, und ein wenig bey mir einsprechen, solte mirs von hertzen lieb seyn Chr. Reuter d. ehrl. frau 21 ndr.; ja, sie trieb endlich ihre gefälligkeit so hoch, dasz sie ihn ersuchte ihr zu mittage die ehre seiner gesellschaft zu gönnen d. vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 253 Gottsched; ihre frau schwester, welche mir die ehre ihrer freundschaft gönnt Rabener s. schr. (1777) 3, 199; gönnen sie mir die ehre ihres besuches, das glück ihrer freundschaft faites-moi l'honneur de venir me voir, honorez-moi de votre amitié (unter der bedeutungsangabe: mittheilen, widerfahren lassen) Mozin-Biber vollst. dt.-frz. wb. (1823) 424.
β) von anderen werten des ansehens: dasz er mir rache gönnet, und zwinget unter mich die völcker weit und breit Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 720; es ist nit vngewissers, dann wem die gtt des siegs in streiten gunden Carbach Livius (1551) 191b; ir woltent mir vor nüt ein wenig gewaltes günnen (Straszb. um 1400) städtechron. 8, 332; dahero ich dem pferd, als einem adelichen thier, billich den vorgang gegnnet Hohberg georg. cur. (1682) 2, vorr. a 5a; den vorzug gönnen Ziegler asiat. Banise (1689) 87;

scheinherrschaft doch wolle dem hausherrn gönnen die hausfrau
J. H. Voss Luise (1827) 1, 147;

den triumph ..., den oberfeldherrn Roms als gefangenen Roms zur schau zu stellen, gönnte er einem solchen feinde nicht Mommsen röm. gesch. (1865) 2, 55.
b) recht, erlaubnis, befugnis u. ä. gönnen:

(die boten Kriemhilds wollen zurück ins Hunnenland)
sie gerten tägelîche urloubes von dan.
des engonde in niht Hagene: daz was durch liste getân Nibelungenlied 1479, 4 B.;

wir setczen: alle perkleute, di unser mechtikeit czu richten hat, das si halten unser gebot dicz rechten, das sie erberlich leben sullen, keiner den andern schedigen und idemmanne seines rechten gunnen (lat. vorlage: jus suum unicuique tribuere. eine spätere dt. version hat: ... und einem jeglichen thun und beweisen, was billich, gleich und recht ist) qu. a. d. 14. jh. bei Zycha böhm. bergrecht d. mittelalt. 2 (1900) 43 (vgl. dieselbe wendung anders unter I B 2a); (Drusus) wolte auch dem Vasaces keinen fernern verschub gnnen A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 44; (ich ging mit einigen herren auf dem wall spazieren) und hatte se. excellence der herr general Röbel die gnade vor mich gehabt, mir nicht nur die permission dahin zu gehen auff beständig zu gönnen, sondern auch mit gewehrpräsentiren serviren zu laszen Zinzendorf tageb. (1717) in: zs. f. brüdergesch. 4 (1910) 40; (Lothario:) ich sehe aber auch, dasz andere befugnisse mir zwar vortheilhaft, aber nicht ganz unentbehrlich sind, so dasz ich davon meinen leuten auch was gönnen kann Göthe I 23, 19 W. von hier aus mit konkretisiertem objekt: die juden ..., den dan wol billichen genug sin solte, dass man in handlung gönnete cod. jur. munic. Germ. 1 (1863) 89b Gengler; e. f. durchl. wolle gnädigst geruhen, mir das verledigte pfarrdienst zu NN. vor andern zu gönnen Weise erznarren 185 ndr.
c) von seelischen werten. im mhd. auch von negativ gefüllten:

(klage über den toten Vivianz)
'ouwê,' sprach er Vivîans,
waz du nu stæter sorgen gans
Gyburge der künegîn
Wolfram v. Eschenbach Willehalm 62, 24;

waz weiz mir got, daz er mir swære gunde minnesinger 2, 62 v. d. Hagen.

sonst durchweg von erfreulichen gemütswerten, die durch gott, höhere mächte oder menschen uns bereitet, geschenkt werden:

[Bd. 8, Sp. 901]


ir ist sæliclîch geschehen,
swelch wîp hât einn sô reinen man,
der ir wol wunne mit im gan,
daz si in vindet sô gemuot
daz er durch liebe ir willen tuot
Ulrich v. Lichtenstein frauendienst 606, 10 L.;

ich enmak getriuwen
leider des niht ir,
daz si mir
noch günne heiles vunt minnesinger 2, 285a v. d. Hagen.


α) freude gönnen, sehr häufig:

wol leben wirt nit iederman,
allein der sich recht halten kan
und dem dort got der frden gan
Murner Badenfahrt 103 Michels;

die freude, die der freudenquell (Jesus)
uns diesen abend über gönnet,
hat dann erst ihre rechte stell,
wenn sie auf herzaltären brennet
Zinzendorf teutsche ged. (1766) 147;

aber ach, um mich ist's trübe;
winter trauret um mich her.
deine qual, o falsche liebe,
gönnt mir keine freuden mehr
J. M. Miller ged. (1783) 215;

aber es wird nun zeit, dasz wir dem leser selbst etwas zutrauen, dasz wir ihm die freude gönnen, jene verworrenheiten selbst zu entwickeln Göthe II 2, 121 W.; ehren sie meine zeitschrift durch ihren beytritt, und gönnen sie mir dadurch eine freude Karl Winkler (1819) in: jahrb. d. Grillparzerges. 1 (1890) 207; da Henriette eintrat, bat er: 'gönnen sie mir die freude und führen sie mich in den garten' G. Freytag ges. w. 13 (1887) 39. in zahlreichen synonymen wendungen:

næm ich ir gunstlich gunnen ...
ob si mir lieb und lustes mit ir gunde bei
Schmeller-Fr. bair. 1, 920;

das frauenzimmer bath mich unvergleichlich, ich möchte ihnen doch noch ein biszgen von der süszen wollust gönnen (dem geigenspiel) und mich nur mit einem einzigen stückgen noch hören lassen J. Kuhnau d. music. quacksalber 47 lit.-denkm.;

auch gönnst du (die besoldung) mir ...
wohl manchen lieblichen genusz
Hebel w. 2, 17 Behaghel;

Ali Bei, der held des glaubens,
liegt beglückt in mädchenarmen.
vorgeschmack des paradieses
gönnt ihm Allah schon auf erden
H. Heine s. w. 1, 278 Elster;

verschaffen sie mir dagegen meine förmliche entlassung ... ja, gönnen sie mir recht bald das heitere gefühl, ein miszverhältnis loszuwerden, in das ich mit den reinsten gesinnungen von der welt gerathen bin Göthe I 23, 233 W.;

anmutig tal! du immergrüner hain! ...
ihr seid mir hold, ihr gönnt mir diese träume ebda 2, 142.


β) auch glück ist als inhalt des gönnens vornehmlich als innerer wert aufzufassen:

(die liebenden:)
dieweil aber got gan
souil gelücks vns baiden liederbuch d. Hätzlerin 117 Haltaus;

ich danke meinem gott, dasz er mir das glück gegönnt hat, mir die gelegenheit ... zu verschaffen, ihn als den schlüssel zu unserer wahren glückseeligkeit kennen zu lernen (1787) W. A. Mozart br. 2, 277 Sch.; (sie) versprach ihr die höchste sorgfalt für ihre tochter; und bat sie rührend, dasz sie ihr das unschätzbare glück gönnen möchte, nur die kurze zeit, sechs monate lang, die gesellschaft derselben genieszen zu dürfen Heinse s. w. 6, 93 Schüddek. ähnlich:

diesz geschick, gönnt das glück
dem allein, welcher verdienet sein liebling zu seyn
J. El. Schlegel w. (1761) 4, 270.


γ) in dem ausdruck jmd. (die) ruhe gönnen kann das verb verschiedene bedeutungen haben (s. u. 4 c; B 2 c δ;

[Bd. 8, Sp. 902]


II A 1 a α; III B 1 c α γγ). hierher, als 'verschaffen, schenken, geben', vor allem dann, wenn ruhe durch ein attribut näher bezeichnet wird:

ach gönt die letzte ruh
so hoch-gebohrnem blut (der verurteilten prinzessin) ...
vergönt, dass sie von uns zu guter nacht beklagt,
erlang ein schlechtes grab!
Gryphius trauerspiele 239 Palm;

dieser weitberühmte fürste wird durch einen gnadenblikk
endlich mir die ruhe gönnen. denn hierauf besteht das glükk
(d. h. ein auskommen verschaffen)
Neumark neuspross. palmb. (1668) 349;

ihr habt der euren vorteil stets gewollt;
gönnt ihnen ruh, ihr könnt nichts beszres geben!
Grillparzer s. w. 6, 95 Sauer.

gern mit sachlichem subjekt:

der schlaff trit wald' und städten zu,
gönnt vieh vnd menschen jhre ruh bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. (1903) 3, 75;

angenehmer wald, du gönnest meinem gemüthe die stille ruhe neue slg. v. schausp. (1764) 1, 54;

die langen nächte, die ...
dem sterblichen die süsze ruhe gönnen
M. Beer s. w. (1835) 3;

in der einsamkeit des klosters fand der wilde krieger, der ränkevolle politiker eine heilige ruhe, welche ihm sein leben nicht gönnte G. Freytag ges. w. 17 (1888) 359. ähnlich: (ein urlaubsgesuch Grillparzers befürwortend) es vereinigen sich alle rücksichten, dem verfasser des ... trauerspieles 'Sappho' die nöthige erhohlung von seinen anstrengungen zu gönnen jahrb. d. Grillparzerges. 2 (1892) 270.
δ) auch in der wendung das leben gönnen (s. noch unt. 4 b; II A 1 a α ende) kann leben, obwohl eigentlich ein vitalwert, mehr als ein geistig-seelischer wert aufgefaszt werden, der von gott mit der 'beseelung' geschenkt wird:

so ein mensch würd allhie geboren,
vff das die sel nit werd verloren,
wenn die matery geschickt ist
vnd ir zum leben nicht gebrist,
so gündt ir got das edel leben
vnd tht ir bald ein sele geben (1513)
E. Rösslin d. frawen rosegarten 8 Klein.


d) von äuszerlich feststellbaren werten, die dem andern 'vermittelt, verschafft' werden (nicht nur zu haben oder zu betätigen 'eingeräumt' werden wie unter I B 2; auch nicht von gegenständen, die überreicht und damit im eigentlichen wortsinn 'geschenkt' werden wie unter I A 1).
α) meist als 'gewähren' durch gott oder höhere mächte; doch schwankt hier der wortsinn zwischen dem äuszeren 'verschaffen' und dem inneren nur 'einverstanden sein', das ja bei einem göttlichen wesen die äuszere wirksamkeit mit einschlieszt.
auf das innere zugestehen wird der sinn von gönnen in den fällen beschränkt, in denen das wort von geben unterschieden wird. so oft in sprichwörtern, vgl. wems gott günnet, dem gibt ers schlaffend sprichw., schöne weise klugreden (1548) 958 (sieh unter II A 1 a γ); dagegen liegt in dem fast gleichlautenden sprichwort wems got gont, der würt schlaffend reich S. Franck sprüchw. (1541) 1, 26a die bedeutung 'gnädig gewähren, zukommen lassen' näher: darum gibt unser herr gott gemeiniglich reichthum den groben eseln, denen er sonst nichts gönnet (1542) Luther tischr. 5, 241 W.; derhalben sind wir nit gesinnt vnserm meyereiherrn ... dasselbige was jm gott gonnet abzustricken Sebiz feldbau (1579) 560; was mir gott gönnt, wird mir st. Peter nicht nehmen Kern sprichw. (1718) 54;

und (ich) ez (das buch) mit gotis helfe wil
fúrsih tihten uf das zil,
ob mir got der jare gan
Rudolf v. Ems weltchron. 21661 Ehr.;

und gönnt mir gott die zeit,
so will ich anderweit
mein besser glücke suchen
Chr. Weise d. grünenden jugend überfl. gedanken 139 ndr.;

und am ende müsse sie dankbar bekennen, dasz der liebe gott es immer gut mit ihr gemeint und für ihr brot gesorgt,

[Bd. 8, Sp. 903]


auch ihr noch jederzeit eine fröhliche stunde gegönnt habe G. Keller ges. w. (1889) 1, 357. von der gewährung durch andere höhere mächte: sihestu dasz z hof die gaben nit sein der verdienten, sonder dero dens das glück gnnet S. Franck sprichw. (1541) 2, 91b; da warffen sie (die Holländer) dieses joch (der Spanier) mit gewalt von ihren schultern, thäten die augen auff und sahen was ihnen die natur für beneficia gegnnet habe (und förderten deshalb handwerk und handel) Schupp schr. (1663) 384;

was uns die lufft, das meer, die erde köstlichs gönnt,
war schmackhaft zugericht
König ged. (1745) 239;

das glück hat euch das grosze loos gegönnet la fortune vous a favorisé du gros lot nouv. dict. 1 (1762) 351;

so weis ich, dasz ein schönres licht
einst meinen schlummer unterbricht,
und einen tag mir gönnet,
der keinen abend kennet
Chr. F. Weisze lieder f. kinder (1767) 24;

gut — schon dank ich euch, götter; ihr habt den glücklichsten
menschen
ehstens fertig: denn ihr gönntet das meiste mir schon
Göthe I 1, 315 W.;

schreiben sie (Schiller) mir, was ihnen indessen die muse gegönnt hat ders. IV 12, 5 W.;

schlafen nicht und sterben nicht
gönnt dein schicksal dir, du wicht
(nor to slumber, nor to die, shall be in thy destiny)
H. Heine s. w. 2, 231 Elster.


β) seltener als gewährung durch einen menschen oder eine sache:

wie sich die lieb als umb mich wünde,
freuden gründe ich da fünde,
ob si mir günde sölcher pünde,
ich spräch ir ablass für ir sünde
Oswald v. Wolkenstein 5, 31 Schatz;

die hat Pompeius gantz gütig und freundtlich angesehen, und damit alle empörunge gestillt, damit man den abziehenden leichtlich weg gegünnt (d. h. den weg freigemacht) Xylander Plutarch (1580) 282b; Boner Herodot (1535) 47a;

will Flora, für mein haar, mir holde rosen gönnen;
was geht der fürsten pracht mich an?
Uz s. poet. w. 33 Sauer;

er bleibt vielleicht acht tage in Dresden, wo er die merkwürdigkeiten gern in unserer gesellschaft sehen möchte, und ich bin gewisz, dasz du ihm gern einige stunden gönnen wirst (1792) Schiller br. 3, 198 Jonas; (vorne im schlitten) lag ein häckselsack, gerade breit genug, um zwei personen platz zu gönnen (vgl. DWB platz gönnen anders unter I B 2 c α) Fontane ges. w. (1905) I 1, 4; ich hatte ... den vollen eindruck von dem anheimelnden des lokals, ... ein langer weiszgedeckter tisch, dessen plätze so gelegt waren, dasz sie den gästen einen freien blick auf die Spree gönnten ders. ges. romane u. nov. (1890) 7, 75.
e) der gegönnte wert ist ein vorgang, ein geschehen, das man einem andern als ein gut zuteil werden läszt.
α) in ahd. und mhd. zeit besonders durch gott oder höhere mächte: cuius petitioni iustissime deorum senatus attribuit ... tô ónda man íro dés pítentero Notker 1, 845, 29 P.;

si (Sara) sprach z ire manne,
nu ire got des negunde
daz si bern solte genesis 1689 Dollm.;

ähnlich Heinrich v. Veldeke Eneide 2194 Behaghel; Ottokar reimchron. 85 943 Seem.;

(die königin macht dem könig vorwürfe:)
ouwî, koninc verlorne,
hertelôse Lâtîn,
nu soldestu dôt sîn,
hedde dir es got gegonnen,
want du eines dinges hâs begonnen,
dat dir vel ovele sal ergân
Heinrich v. Veldeke Eneide 4161;

daz die ringe erkuolen uns sturmmüeden man.
jâ wæn uns got langer niht ze lebene hie engan Nibelungenl. 2226, 4 B.;

[Bd. 8, Sp. 904]


Tristan als mönch 2541 Paul;

got uns des gunde,
daz wir teilhaft werden
im himelrîche und ûf der erden
des gebetes der heiligen (14. jh.) Alexiuslegende A bei
Gerh. Eis beitr. z. mhd. legende u. mystik 302;

ob ime got des gan das er ane totsúnden funden wurt Tauler pred. 126, 15 Vetter; das uns dis allen geschehe, des gúnne uns got ebda 114, 7; Seuse dt. schr. 528, 25 Bihlm.; (1492) bei Röhricht pilgerreisen (1880) 272; (Menelaus wollte Ulysses, wenn sie beide gesund von Troja heimkämen, eine stadt schenken) damit wir also bei einannder wonen vnnd vnser lebtag beschliessen mchten. aber gott hat jhme sollichs nit gonnt Schaidenreisser Odyssea (1537) 40;

gönne (gott) mir,
fröhlich stets zu seyn in dir
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 3, 410a;

Eolus hât hen gegonnen,
dat sî sint over sê
Heinrich v. Veldeke Eneide 1078 Behaghel;

ze leste iedoch gunde
vrou Sælde an diesem ringen,
daz Gawein muost gelingen,
und den ritter zuo der erde brâht
Heinrich v. d. Türlin krone 12 132,

es sey dann sach, das dem selbigen, der also grosz gt besitzt, das glück auch gunne, das er ein gt end seins lebens nemen müge Boner Herodot (1535) 8a;

gebet (ihr nymphen) jeglichem gern, was er im stillen begehrt ...
und dem liebenden gönnt, dasz ihm begegne sein glück
Göthe I 2, 126 W.


β) von menschlichem gewähren:

si (Kriemhilt) dâhte z' allen zîten: 'ich wil den künec piten',
daz er ir des gönde mit güetlîchen siten,
daz man ir friwende bræhte in der Hiunen lant Nibelungenlied 1399, 2 B.;

da man diebe und mördter sonst in der stadt gerichtet, so hat man ihm (Christus) solches nicht gegönnet, sondern ehr ist mit zweien schechern hinaus als ein dieb und mörder gefhuret worden Luther 47, 606 W.; (Zwingli bittet um die eheerlaubnis für die priester:) günnend uns, dasz wir von diser schand der unkünschheit erlöst, auch eerlich by üch leben mögind Zwingli dt. schr. 1, 49 Schuler-Sch.;

einen wunden kannst du heilen,
gönnst du uns, von deinem wissen
mir ein kleines mitzutheilen
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 204.


f) der gegönnte wert ist eine handlung, die auszuführen man dem andern nicht nur einfach 'erlaubt' (dazu vgl. I B), sondern dadurch, dasz man die voraussetzung zur ausführung der handlung helfend schafft, als ein gut wirklich 'zuteil werden läszt'; sprachlich durch den infinitiv mit zu, durch einen objektsatz mit dasz oder durch ein entsprechendes substantiv ausgedrückt, bzw. durch das neutrale es, das auf eine handlung zusammenfassend hinweist.
α) wiederum in älterer zeit besonders ein gönnen durch gott oder höhere mächte:

sî gúallîchî thera énsti, thiu mir thés ió giónstî
(das evangelienbuch zu vollenden)
Otfrid V 25, 101;

in gotes namen vuor er dan
und kam in kurzer stunde,
als es im got gegunde,
wider heim und seite mære
Gottfried v. Straszburg Tristan 2372 Ranke;

vater, hailger gaist,
mit deinem sun
uns gnad vollaist
und nicht den veinden gun,
das si uns verlaiten in we
Oswald v. Wolkenstein 51, 16 Schatz;

(Maria bittet um gnade für Theophilus)
gunne my, dat ik one mote stillen
unde lat my delghen syne trene Theophilus 2, 2, 29 Petsch;

[Bd. 8, Sp. 905]


(meine dichtkunst schwingt sich nicht bis zum himmel,
und ich wage dich, den fürsten, nicht zu besingen:)
indessen tuh ich doch, was mier der himmel gönnt,
weil ja der schwache sinn denselben kaum erkennt
Ph. Zesen verm. Helikon (1656) 1, A 5a;

(zu Juno:) únnîst mír bítentero ze geéisconne, uuáz lîbhaftero dîngo diu uuîta lúft fûore (da nosse poscenti) Notker 1, 816, 2 P.; ebda 798, 28;

und ist daz mirs mîn sælde gan
deich abe ir redendem munde ein küssen mac versteln
Reinmar in: minnesangs frühling 159, 37;

(er) starb ritterlich vor der ihm anvertrauten vestung, weiln in derselben zu seines keysers diensten zu leben, das glück ihme nicht gönnen wollen S. v. Birken verm. Donaustrand (1684) 76.
β) von menschlichem gewähren:

zue ir rucken,
freuntlich smucken,
lieplich drucken,
piegen, pucken,
ob si mir des gunde,
so wär quit,
was ich lit
Oswald v. Wolkenstein 37, 98 Schatz;

ja lieber bruder, gönne mir (durch dein verhalten), das ich mich an dir ergetze in dem herrn, erquicke mein hertz in dem herrn Philem. 20;

daz wir von û kumen niht,
ezn sî um uns alsô beriht,
daz ir uns gunnet der abevart kreuzf. Ludwigs d. frommen 5259 Naumann;

laszt los die männer hier, gönnt ihnen heimkehr
Grillparzer s. w. 8, 98 Sauer;

man hatte ihm (Knecht) einblick in die innern bezirke gegönnt Herm. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 116. negierend:

du, der du stets der ruhe nachgetrachtet,
die jeder preist, und die kaum einer kennt,
und jeden stand und jedes glück verachtet,
das den gebrauch des lebens dir nicht gönnt
Giseke poet. w. (1767) 132.


4) parallel zu 3 ergibt sich eine sonderbedeutung dadurch, dasz dem andern ein wert nicht erst durch mich erwächst, sondern dasz ich ihm einen wert, den er besitzt, weiterhin belasse. es überwiegt dabei stark das moment des inneren einverständnisses, aber es ist gleichzeitig mitausgedrückt, dasz der dem andern gegönnte wert von meiner macht, meinem willen und einflusz abhängt, dasz meine innere einstellung mit einer entsprechend nach auszen wirksamen übereinstimmt.
a) zufrühest in einer sondernuance, indem jemandem etwas als wert von einem andern erst 'anerkannt, nachträglich gutgeheiszen und bekräftigt wird'; wohl schon bei Notker: ín getûo fólgên dînen uuórten, únde er mír únne dés íh pegínne illum contribuas favere iussis et caeptis sacra fulserit voluntas 1, 718, 30 P.;

ze jungst er überkam
der burgær sumelich,
daz si im heimlich
ir gunst darzuo gâben,
möht er die stat behaben,
daz si im des gunnen
Ottokar reimchron. 25 895 anm. 17 Seem.


b) jmd. das leben gönnen, vor allem von gott als gönnendem ausgesagt, bedeutet 'jmd. das leben noch weiterhin zuteil werden lassen, es ihm belassen' (vgl. dieselbe wendung anders unter I A 3 c δ). vor allem älternhd.: doch was vbrig bleibt von deinen waisen, den wil ich das leben gönnen, vnd deine widwen werden auff mich hoffen Jeremia 49, 11;

(manchem, der mit seinen kindern zu hoch hinaus will, läszt
gott die hälfte wegsterben und die andere hälfte untauglich
sein. aber:)
hett er syn kinder kunst gelert,
für das er in das gtlin mert,
so hett im gott syn lieben kindt
hie vff erdt das leben gindt
Murner narrenbeschwörung 299 Spanier;

[Bd. 8, Sp. 906]


wenn unser herrgott ihm as leben gunnt,
wird er scho wissen, wie er'n auszibringt
(den ins eis eingebrochenen)
Karl Stieler ged. 4, 11 Reclam.

oft formelhaft:

du muest groszer laster von mir han,
ob mir got mein leben gan fastnachtspiele 414, 7 Keller;

vnd ander heidnischen gottlosen vnd wüsten wesen ... daruon jr auff ein andere zeit, so mir gott mein leben gönnet, nach der lenge hören sollet Mathesius Sarepta (1571) 6b;

die weil mir gott mein leben gindt,
will ich dir sein im hertzen findt
Wickram w. 4, 134 Bolte.

der mensch als gönnender: (er) ward angeklagt, vnd auch zum todt verurtheilt, aber keyser Carlen gönnete jhm das leben noch länger, vnd thet jhn gen Lorsch in das closter S. Münster cosmogr. (1628) 876; vgl. Gryphius trauersp. 122, 316 Palm.; Lehman floril. polit. (1640) 1, 362.
c) von anderen werten, die man jmd. gönnt, d. h. 'beläszt': dan sie (die histori, d. h. mein buch) trifft ewrer königl. majst. herrn vatern ... haubtsächlich an; vnd hette demselben, wan die göttliche allmacht diesen schatz vns irrdischen menschen länger gegönnet, solche dedication gebühren wollen Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) widm. (+) 2b;

(Hans Pfriem:) auff meins herrn Christi gt vnd gnad,
wol ich getrost hereiner tratt (in den himmel) ...
dem weis ichs danck, das er mich hat
eingelassen, vnd günt mir noch die stat
Hayneccius Hans Pfriem 68 ndr.;

kein kühlein hat man vns (den ausgeplünderten bauern) gegündt,
gar kein gestütte man noch findt lieder a. d. winterkönig 8, 3 Wolkan;

vnterdessen zog der hertzog alle regimenter ... zusammen ... vmb dem feinde die ruhe nicht zugönnen, sondern ihn fein bey der gewonheit ... zubehalten Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 97;

o, gönnt ihm (dem schlafenden) ruhe, vater!
Grillparzer s. w. 4, 63 Sauer;

(Louise zu lady Milford:) so gönnen sie mir doch eine blindheit, die mich allein noch mit meinem barbarischen loos versöhnt Schiller 3, 464 G.; ach Omar, warum hast du die freundliche binde von meinen augen genommen? ich war so glücklich, als ich nicht daran dachte, warum gönntest du mir nicht diesen lieblichen betrug? Tieck schr. (1828) 8, 56.
B. jmd. die ermächtigung zu einer handlung oder zur nutznieszung einer sache zuteil werden lassen.
1) jmd.als ein geschenk, als eine besondere gnade oder auch aus recht und billigkeitdie erlaubnis geben, eine handlung auszuführen. der betreffende ist vor die eigene entscheidung gestellt, die ihm gegönnte handlung auszuführen oder nicht. darin liegt der bedeutungsunterschied zu I A 3 f, wo die handlung selbst als ein gut zuteil wurde. wie unter I A 3 f, so wird auch hier die handlung durch den infinitiv mit zu, durch einen objektsatz mit dasz, durch ein auf eine handlung zusammenfassend hinweisendes es oderseltenauch durch ein entsprechendes substantiv ausgedrückt: consentire gemma gemm. (1508) f 4b; permittere, concedere, dar licenza Kramer t.-ital. 1 (1700) 547c; accorder, permettre Mozin-Biber vollst. dt.-frz. wb. (1823) 423.
a) als erlaubnis, die persönlich von mensch zu mensch für einen einzelfall gegeben wird, meist in dem besonderen sinn einer ermächtigung, die ein höhergestellter oder eine irdische macht aus eigener machtvollkommenheit erteilen, ohne durch recht oder satzung dazu verpflichtet zu sein. selten von gott zum menschen: nne er (gott) dir (Christus) nah tînemo uuillen únsih zeirlôsenne (tribuat tibi secundum cor tuum) Notker 2, 61, 20 P.; gottis urlaub ist grösser, denn aller menschen gepott, was myr der gönnet, soll myr s. Peter nicht weren Luther 12, 102 W.; gott (würde) nicht so hartt seyn, das er yhnen tantz und jaget und rennen nicht

[Bd. 8, Sp. 907]


sollt günnen ebda 11, 274. für die erlaubnis von mensch zu mensch ergibt sich aus dem inhalt der handlung und aus der art ihrer sprachlichen formulierung (zu ..., dasz ..., es) kein weiterer aufschlusz für den wortgehalt von gönnen: únz er (Theoderich) ín dés bíten stûont, táz er ímo óndi mít Ôtachere zeuéhtenne ... táz ûrlub kab imo Zeno Notker 1, 6, 1 P.;

den (kranken ritter) wil ich uns fristen
mit alsô schœnen listen
dâ mite wir alle sîn genesen.
nu gunnet mirs, wan ez muoz wesen
Hartmann v. Aue d. arme Heinrich 628 Gierach;

si wolden kurzewîle mit den Burgonden hân.
het er's in gegunnen, si heten'z gerne getân.
.... daz spil er in verbôt Nibelungenlied 1873, 4 B.;

ob dir ein wîp durch wîpheit mit ir wol ze redenne gan
Reinmar v. Zweter 52, 5 Roethe;

alsus rett och der wîgant
'gund mirz mîn œhein Hiltebrant,
sô wolt ich dem von Beren
des allerêrsten rîten nâch
(in etwas jüngeren hss.:
herlaubt mirs ...; liesz mich ...) d. jüngere Sigenot 124, 2 Schoener;

herre ... ir hant mich ritter gemacht mit uwern gnaden. ich bitt uch eyner gaben, das ir mir des gunnent das ich fare der frauwen helffen Lanzelot 137, 16 Kluge;

vrouwe und herre! bat er,
ich han muoter und vater.
gunnet mir, daz ich var hein
Kistener Jakobsbrüder 663 Euling;

man günnet vnss auch nit, das wir gelert lüt vsserhalb des klosters dar vmb fragen Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 95 ndr.; doch waren itzt der Perser könige yhn gnedig und günstig, ... das sie yhn gunsten, widderumb die stad Jerusalem zubawen Luther 23, 582 W.; es würt weiters hoch beriemet für das edlest kleinot der christenheit, das Constantinus der grosz ein keyser, der christenheit geginnet hat sich in concilien zu versamlen Murner kl. schr. 8, 28 Pfeiffer-Belli;

so gün' es gnädigst mir, dasz ich das licht der helden
(dich mein ich, wehrter printz) müg aller welt vermelden
Rist Parnasz (1652) A 10b;

aber ich bin jung, gönne mir, dasz ich mich in den gesetzen ... unterweisen lasse A. v. Haller Usong (1771) 23; der könig gönnte das den weibern (von Weinsberg; sie baten, so viel aus der eroberten stadt tragen zu dürfen, als sie auf ihren schultern könnten) br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 105;

gönn' ihr zu sprechen, vater!
Grillparzer s. w. 5, 98 Sauer.

die handlung kann durch ein substantiv ausgedrückt werden: do pat hertzog Kuenradt von Schwaben den künig von Franckreich, das er im das erst schlahen gen den haiden gunde (hs. B: vergunte), des er auch da gewert ward Füetrer bayr. chron. 56 Spiller; sie wöllen iren frauwen gemeine freud nit günnen, vnd wöllen inen selber fleischlich freund machen Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 77b;

gebt mir ein schwert und laszt mich's ziehen,
und gönnt mir einen einz'gen schlag,
und seht ihr mich vom felde fliehen
so sei's mein letzter lebenstag
Strachwitz ged. (1850) 41;

besser wäre es, wenn du ... mir einflusz in deine bildung gönntest Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 232.
b) im 14.-16. jh. als rechtskräftige verordnung oder satzung, besonders der gerichte, der städte, zünfte usw.: so sol er sprechen: her schulteisze, gunnet ir mir, daz ich syn wort spreche, und sol den nennen mit syme namen? des spricht de schulteisze, ja; er gynne is ime wol (um 1350) weisth. 2, 213; herr richter, nu günt uns der andern sprach österr. weist. 7, 730; alle di wile vnsre herren vns sulches gönnen, die ehgenante vihtrifft zu haben vnd zu gebrauchen. auch haben wir ehgenanten burgere zu Russewin vnsre ehgenanten herren von der Cellen gebeten,

[Bd. 8, Sp. 908]


dasz sie uns gegunst habin, zu setzen ein gericht by des Timels grunde, wan wir von der stadt wegen kein gerichten habin. desz haben si vns gegunst, vnde gunnen vns das also bescheidentlich Knauth d. stifftsklosters Alten-Zella hist. vorst. 8 (1722) 85; käme dann ein nachtbar oder frembder, der dieselbigen (hofstatt) bauen wolt, solches soll man ihnen günnen, esz wäre wer esz wäre (1494 Rotenfels a. Main) weisth. 6, 45; unser herren meister und rat hant den brotbeckern gegunnet die verher und swin von ostern untz z sant Michels dag an dem oben ze triben (15. jh.) Straszb. zunft- u. polizeiverordn. 105 Brucker; das die weber den dchern gnnet haben webstle in ire hüser z setzen und weberknecht z halten (1516) bei Schmoller Straszb. tucherzunft (1879) 117.
2) jmd. etwas einräumen, zugestehen, zulassen; ihn ermächtigen, etwas zu haben, zu gebrauchen oder zu betätigen, eine seit dem 15. jh. gebräuchliche verwendung von gönnen, die als eine elliptische verkürzung mit der bedeutung 'erlauben' anzusehen ist. so faszt sie z. b. auch Stieler auf, der die wendung wann er mir nur die stätte gönnen möchte umschreibt: si modo usum et habitationem domus mihi permitteret stammb. (1691) 684 (vgl. auch die häufige reflexive verwendung unter III B 1 c α ββ.)
a) zunächst bes. von geistig-seelischen werten, die zu haben oder zu erwerben dem andern freigestellt, eingeräumt wird: (der rat sagt auf das gesuch einiger abgesandter:) ... des gonden se one wol, wente se eynem jowelken synes rechtes wol gonden (hier weist die wendung mehr nach I A 3 b, s. dort) (Braunschweig 1418) städtechron. 16, 22; (die Ungarn wollten die ehre des vorfechtens gegen die Türken für sich haben) da wolt der hertzog von Burguni und die Frantzosen in der eeren nit gönnen und wolt vorfechten darumb (Augsburg 15. jh.) städtechron. 22, 43; Schiltberger reisebuch 3 lit. ver.; wier (markgraf Ludwig) sollen auch die ambtleith die darzue gehören, vnd darzue belehnet seint, bei iren rechten behalten. vnd in der gunen (1569-1629) Brandis landeshauptl. v. Tirol (1850) 55.
b) dann auch auf reale dinge bezogen:

(der ritter, dem man vorgeworfen hat, das wild verwüste die
felder:)
den hirten ich der hund nit gan,
er henck jn dann grosz prügel an,
vnd für das wild leid ich kein zaun
Schwartzenberg d. teütsch Cicero (1535) 138b;

(ein älterer Sachse spricht gegen die neubauern, die knechte bleiben sollen:) gönnet man ihnen auch ein stück vieh auf der gemeinen weide, so widerspricht ihr stand allemal ihrer befugnisz J. Möser s. w. (1842) 1, 333;

hier gönnt man ihr (der selbstmörderin Ophelia) doch ihren mädchenkranz,
und das bestreun mit jungfräulichen blumen,
geläut und grabstätt
(yet here she is allow'd her virgin crants,
her maiden strewments and the bringing home
of bell and burial) Shakespeare 3 (1798) 335.

vergleichbar: obendrein haben wir (in einer voraufgehenden liste, welche die culturpflanzen der alten und neuen welt gegenüberstellt) die igname der neuen welt ebenfalls gut geschrieben, obgleich wahrscheinlicher Hinterindien ihr vaterland ist, und ebenso gönnten wir ihr die wichtige banane (deren altweltlicher ursprung wahrscheinlicher ist) Peschel völkerkde (1874) 441.
c) seit dem 16.-17. jh. bilden sich geläufige wendungen heraus:
α) platz gönnen u. ä.: wenn man ein handbreit gönnt, der nimpt ein elen lang Henisch (1616) 1682; es belibe meinem freunde ihm unter seinen dinern eine stelle zu gönnen, und zu glauben, das er, so wohl als ich, verbleiben wird, sein verbundener diner Butschky hochdt. kanzelley (1659) 87; so werde ich dem herrn hinführo den ersten platz unter meinen freunden gönnen Stranitzky ollapatrida 312 ndr.; immer vorausgesetzt, dasz sie geneigt sind, mir einen platz an ihrem kaffeetische zu gönnen Fontane ges. w. (1905) I 4, 40.

[Bd. 8, Sp. 909]



β) zeit gönnen u. ä. (häufig auch reflexiv, s. unten III B 1 c α ββ):

welcher ein thier treibt zu sehr
zur arbeit, und jm nimmer mehr
kein feirtag günt, den selben man
solt mann billch selbst ann wagen spann
Er. Alberus praecepta vitae (1548) 121c;

dasz wir uns ja nicht übereilen sollen; gönne mir noch einige tage (der überlegung), entscheide nicht Göthe I 20, 13 W.;

doch gönnst du ihnen frist,
sie werden unvermerkt die gute meynung,
worauf du jetzo fuszest, untergraben
Schiller 12, 212 G.;

so kamen wir ..., indem wir den pferden nur wenig zeit zum fressen gönnten, rasch vorwärts A. v. Arnim s. w. 2 (1839) 186; beruhigen sie sich, antwortete sie hastig, — gönnen sie mir zeit — wir haben vieles zu bedenken — bald sehe ich sie wieder Mörike ges. schr. (1905) 3, 83;

doch gönne mir nur eine nacht der ruh,
des sinnens, der erholung, und, mein ohm,
du wirst mich finden, die du sonst gekannt
Grillparzer s. w. 7, 47 Sauer.


γ) maul, wort gönnen: gönnen, in der hanauischen redensart: einem das maul gönnen, d. i. ihm gelegenheit geben, sich über etwas zu äuszern; ob solcher vielleicht gegen die sache einwendung zu machen habe Pfister Hessen nachtr. 81; höret mich und gönnet mir ein ruhig wort, junker! Storm s. w. (1899) 3, 254; Bauernfeld ges. schr. (1871) 6, 167.
δ) ruhe gönnen; vgl. auch hier (ähnlich wie oben bei Stieler im kopf von I B 2) die bezeichnende umschreibung bei Mozin-Biber: gönnen sie mir einige ruhe accordezmoi, permettez que je prenne q. repos vollst. dt.-frz. wb. (1823) 423; 424; (Götz zu Lerse und Georg:) arme jungen, ich darf euch keine rast gönnen. jagt geschwind herum Göthe I 8, 104 W. (vgl. auch die häufige reflexive verwendung unter III B 1 c αββ).
II. jemandem in persönlicher innerer stellungnahme etwas zubilligen, an dessen herbeiführung man äuszerlich nicht beteiligt war oder ist; aus dem gefühl der gerechtigkeit, billigkeit oder freude gern einverstanden sein, dasz jmd. etwas hat oder haben soll.
vom inhalt des gönnens her ergibt sich eine enge berührung mit der gruppe I A 3, mit dem unterschied aber, dasz dort durch das handeln des gönnenden dem andern ein wert erwächst, während hier nur zu einem wertbesitz des andern innerlich stellung genommen wird.
das gut wird meist, auch wenn es erst verwirklicht werden soll, als gegenwärtig vorgestellt (A); doch kann gönnen bei dem gedanken an ein künftiges gut über die bedeutung 'einverstanden sein' hinaus fast die bedeutung 'von herzen wünschen' annehmen (B).
A. jmd. etwas, das er gegenwärtig hat oder haben soll, gern innerlich zubilligen, in der überzeugung, dasz er es verdient habe.
1) gegenstand des gönnens ist etwas für den andern wertvolles. darin, d. h. besonders in den abhängigen sachobjekten, berührt sich diese gruppe eng mit der gruppe I A 3. dort aber ergeben sich von der art des gegenstandes her feinere bedeutungsnuancen für gönnen; anders hier, wo die innere stellungnahme gegenüber den seelischen oder sachwerten im wesentlichen die gleiche bleibt. dagegen tritt hier ein stärkerer bedeutungsunterschied in den positiven (a) oder negativen (b) wendungen mit gönnen hervor.
a) jmd. etwas neidlos als verdient zubilligen, obwohl es ebenso für einen selbst oder für einen andern wertvoll sein könnte; oft in dem sinn 'einem etwas nicht entziehen wollen', vgl. die entsprechenden umschreibungen in den wbb.: favoriser, n'envier pas, favere, non invidere Widerhold (1669) 149a; favorire, esser favorevole, non invidiare Kramer t.-ital. 1 (1700) 21a; man gönnt es mir abest invidia Steinbach dt. wb. (1734) 1, 618. auch Campe bevorzugt negierende umschreibungen: 'den bssitz oder die erlangung des besitzes einer sache durch einen andern

[Bd. 8, Sp. 910]


ohne unzufriedenheit und miszvergnügen bemerken, einen andern nicht ungern im besitz einer sache sehen' 2 (1808) 424; être bien aise (se réjouir) de ce qui arrive aux autres Rondeau neues dt.-frz. wb. (1740) Pp 1b; ich gönne ... es ihm ich sehe ihn gern im besitz davon, freue mich, dasz er es bekommt sprach-Brockhaus (61951) 258a.
α) vom zubilligen seelischer werte. im ahd. und mhd. ganz vereinzelt und nur verneint, zum ausdruck des neides (s. unt. b α). bejahend, als ausdruck der neidlosen billigung:

zwar si ist hübsch und wolgetan,
das erbt si von dem maien an,
des glückes ich ir zeitlich gan,
darnach und si mich freuen tuet
Oswald v. Wolkenstein 2, 19 Schatz;

(der verstorbene ruft den wehklagenden hinterbliebenen zu:)
so gönnet mir doch dieses glücke,
das gröszer ist, denn ihr gedenkt
Zach. Herrmann in dem kirchenlied: 'wie kurz ist doch der menschen leben' (um 1700);

ich gönne ihm sein glück je ne lui envie pas son bonheur, je ne suis point jaloux de son bonheur nouv. dict. 1 (1762) 351; gut ist besser als grosz sein, sieh ohne murren jüngere, als du bist, zum ziel kommen und gönne ihnen, freue dich ihres glücks Meinecke Boyen (1896) 1, 140;

bisz du todt? so gönn ich dir dort die höchst vergnügten freuden
Chr. Reuter Schelmuffsky 44 ndr.;

gönnen sie mir die freude, dasz meine blätter (ein gedicht auf die kaiserin) einer schrift ähnlich sehen, die ein Gottsched ... könnte gemacht haben (man hatte gesagt, die verse stammten von Gottsched) Gottschedin br. 1, 57 Runkel; süszes, liebes kind, lach mich nicht aus — wenn du wüsztest, wie viel vergnügen mir dies zusammenrechnen (des einkommens) macht, du gönntest mir den spasz (1843) Schücking br. 143 Muschler; auch ihnen, der sie soviel gelitten, gönne ich von herzen diesen aus eigner thätigkeit hervorquillenden trost Göthe IV 33, 76 W.;

(zu einem in stein gemeiszelten greis, unter dessen rechter
hand die quelle der Pegnitz entspringt:)
wir gönnen dir die ruh, du mosbewachsner greis,
wir gönnen dir die lust in schilfbewonten sümpfen:
giesz ferner, wie du thust, den felsgeschmoltznen schweisz
S. v. Birken forts. d. Pegnitzschäferey (1645) 82;

(der allzu früh verstorbene Georg Büchner hätte uns ein leitstern
sein sollen)
er hätte — aber gönnt ihm seine ruh!
die augen fielen einem müden zu
Herwegh ged. eines lebendigen (1841) 192;

und der seligen frau groszmama gönne ich auch ihre ruhe, dasz sie dieses nicht erlebt hat W. Raabe s. w. II 5, 86; auch das leben gönnen (vgl. I A 3 c δ; 4 b): im januar 1829 starb Völkel, dem ich ein längeres leben zugetraut und sicher von herzen gegönnt hätte Jac. Grimm kl. schr. (1864) 1, 15.
β) ehre, ruhm, recht u. ä. gönnen, mehr im bereich äuszerer anerkennung (vgl. dagegen I A 3 a). mhd. noch nicht immer eindeutig auf die innere stellungnahme beschränkt:

ez swachet manec bœse man
den biderben swâ er iemer kan ...
nû seht, des entuon ich niht,
wan ich eim iegelîchen man
sîner êren wol gan:
ich prîs in swâ er rehte tuot,
und verswîg sîn laster. daz ist guot
Hartmann v. Aue Iwein 2492; 7457;

vor disen sunewenden sol er und sîne man
sehen hie vil manigen, der im vil grôzer êren gan Nibelungenlied 735, 4 Bartsch;

ich (ein ritter) dâht hie ist manc biderb man,
den ich wol aller êren gan,
und doch der êren daz dâ bî
mîn êre iht deste minner sî
Ulrich v. Lichtenstein frauendienst 201, 10 L.

erst im 16. jh. eindeutiger und ziemlich häufig: (wir menschen) negligimus deum etproximum. gunnen yhn die eher, thun adder nichts darzw Luther 34, 2, 172 W.;

[Bd. 8, Sp. 911]


das es mich gröszlich wunder nam,
wie er (der esel) z solchen eren kam.
für wor ich gyn im wol der eren
für fürsten, graffen vnd den herren
Murner mühle v. schwindelsheim 67 Beberm.;

(wenn ein andrer mensch vorzüge hat,) deren du nitt hast. nit beneid jn darumb. günn jm die von hertzen woll Keisersberg pred. teütsch (1508) 110b; ja, lieben herren (papst u. bischöfe), den namen (christen) gönnen wir euch wol, aber lasset uns darnach sehen, ob jr auch seiet und thuet, was jr von euch rhumet, denn so heissen oder genennet werden und so sein ist zweyerley Luther 46, 7 W.; 52, 512; jetzt sollen die zeugen abtretten, und einer nach dem andern gefragt werden. erstlich ... woher er sey ... item ... ob er zur widerparthey kein ungunst hab, ob er (der zeuge) jedem theil seins rechten günne Fronsperger kriegsb. 1 (1573) D 1b; jedermann gönnet ihm seine beförderung tout le monde est bien-aise de son avancement Rondeau neues dt.-frz. wb. (1740) Pp 1b; und je mehr lorbeern er sich selbst in diesem feldzuge versprach, desto weniger konnte Christian IV. (v. Dänemark) es von sich erhalten, sie seinem beneideten nachbar (Gustav Adolf) zu gönnen Schiller 8, 118 G.; die alten ritter erklärten ihn als sieger. jedermann gönnte dem pfalzgrafen den sieg A. v. Arnim s. w. 9 (1841) 28; diesen ruhm (die Spanienexpedition durchgesetzt zu haben), wenn es einer ist, würde man ihm gönnen, wenn nur dabei nicht das wahre selbst in falsches licht gebracht ... würde Fr. v. Gentz schr. 1, 359 Schlesier.
γ) von realgütern und anderem, das für jmd. wertvoll ist: (er) bat on (den bischof) dat he mi nicht mer hinderen scholde, wente he mi des altares (des vorher verweigerten priesteramtes) wol gunde (Magdeb. 1360) städtechron. 7, 222; ich sehe, das fursten gut ist nit deren, den man es gonnet, sondern den es bescheret ist Luther tischr. 1, 14 W.;

Cardenio, zeuch fort!
du müssest anderswo weit angenehmer leben;
nur gönne mir den port,
den nach dem rauhen sturm die liebe mir gegeben!
Gryphius trauersp. 305 Palm;

aber ich bin versichert, dasz alle diejenige, die es thun (die moral befolgen), diesem guten lehrmeister das salarium, das er selbst genommen hat, von hertzen gönnen werden discourse d. mahlern (1721) 2, 23;

der landmann rühme sich des pflugs, und gönne
dem könig, der nicht landmann ist, die krone
Schiller 6, 44 G.;

gönnet einander den platz auf fremdem boden und theilet
was ihr habet, zusammen, damit ihr barmherzigkeit findet
Göthe I 50, 230 W.;

sie (frl. v. Bornstedt) würde mir eher eine million gönnen, als einen bestimmten vorzug in literarischer hinsicht (1839) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 359 Schulte-K.; wie menschen, die sich lieben und ein geschenk hin und her geben, das jeder dem andern gönnt und keiner vor dem andern annehmen will qu. a. d. j. 1937. in dem besonderen sinn 'bereitwillig zum kauf zubilligen, anbieten': dieselben stecken soll er ... auf dem gemain platz vail haben unz auf gueten mitten tag und die den nachpaurn daselbs günnen und zu chaufen geben österr. weist. 5, 309, 14. in sprichwörtlichen wendungen. wenn hier gott der gönnende ist, wird seinem geben (als äuszerem handeln) sein gönnen (als innerlich wohlwollende einstellung) vorausgedacht (vgl. I A 3 d α): denn er wuste wol, das der sieg nicht keme durch harnisch, sondern gott gebe jn, wem ers gönnet 2. Macc. 15, 21; es sei des grossen gottes gab, wem ers gönne, dem gebe ers S. Franck Germ. chron. (1538) 23b; ders. sprüchw. (1541) 1, 150b; sprichwörter, schöne weise klugr. (1548) 93a;

wem der herr gent sein speise,
geit ers schlaffender weisse
Hans Sachs s. fab. u. schwänke 3, 213 ndr.;

du solt einem yeden günnen, was yhm gott gan, und darümb nicht scheel sehen mon. germ. päd. 21, 294, 29; 330, 31; aber, lieber, gönne es (die guten tage) jenen (dem

[Bd. 8, Sp. 912]


papst und seinen bischöfen), so lang es jnen gott gönnet Luther 52, 748 W.; 9, 154; ein sprichwort sagt: ... was mit gott gönnet, kann mir niemand nehmen Gottsched beob. (1758) 207. der mensch als der gönnende:

in seiner (des papstes) hand die seligkeit stund
gebs welchen ers ausz gnaden gund.
wem ers nit gan, dem schleüszt ers z
wirfft jn zur hell in einem n
B. Waldis d. päpstisch reych (1556) A 4b;

lebe wohl! und habe, was du mir gönnest Casp. Stieler geharnschte Venus (1660) vorr. 4 ndr.; alle, de mi kenne, gebe got, was se mi gönne (1650) bei Flaskamp hausinschr. d. st. Wiedenbrück 18; wie man's einem gönnt, so gibt man's ihm Binder sprichwörtersch. 78; Fischer schwäb. 3, 749.
δ) seltener ist hier der inhalt des gönnens ein geschehen; dann, namentlich im mhd., auch über das moment 'neidlos nicht entziehen wollen' hinaus geradezu 'sich freuen, gern sehen':

(Laudine hat beschlossen, Iwein doch zu heiraten)
sî (ihre zofe) sprach 'ez dunket mich guot
und gan iu wol daz ir den muot
sô schône hât verkêret'
Hartmann v. Aue Iwein 2102;

ich bin als unschedelîche frô,
daz man mir wol ze lebenne gan
Walther v. d. Vogelweide 41, 14;

dô sprach von Tronege Hagene: 'daz mære ist ungelogen,
wie wol ich iu des gunde, het iuch der bote betrogen,
durch Rüedegêres liebe, daz lebte noch sîn lîp,
den immer mugen weinen beide man unde wîp!' Nibelungenlied 2256, 2 Bartsch;

ich gan es auch s. Peter, das er eyn edler gelied sey denn ich Luther ep. u. evang. v. christag (1522) e 4a; Scipioni mocht ich wol gunnen, das er in himel kehm, der kunde regiren ders. tischr. 5, 225 W.; wil dir aber mein herr gnade thun, das gönne ich dir wol vnnd ist mir lieb. ich bitte jhn aber nicht darumb buch d. liebe (1587) 89a; ihr werdet mir doch gönnen, dasz ich im herzen des kranzes so gut logirt bin (1790) Schiller br. 3, 52 Jonas; unserm berlinischen kleeblatt gönne ich deine ankunft in Lauchstädt Göthe IV 19, 372 W.;

du freust dich wohl,
weil du nun ledig? nu, ich gönn' es dir.
du hast mich nicht geliebt, je, ich dich auch nicht!
Grillparzer s. w. 6, 112 Sauer.


ε) wird dem andern eine handlung gegönnt, die er ausführt oder ausführen möchte, so bedeutet das innere einverständnis soviel wie 'erlauben, anheimstellen', auch 'sich damit abfinden' (vgl. die 'äuszere' entsprechung unter I B):

(Iwein will das abenteuer des brunnens allein bestehen)
des müezen sî mir gunnen
daz ich in eine begieze,
ich ingeltes oder genieze
Hartmann v. Aue Iwein 938;

leert dich der geist dines gloubens, so fast, günn aber daby dim nächsten dasz er sich möge christlicher fryheit gebruchen Zwingli (1522) dt. schr. 1, 13 Schuler-Sch.;

ja! besingt im gras die veilchen
und am bach die alten weiden,
aber gönnt mirs noch ein weilchen,
mich in rauhern stoff zu kleiden
Strachwitz ged. (1850) 168;

wir Deutschen gönnen jeglichem volke die erringung einer vernünftigen freiheit Fr. L. Jahn w. 2, 585 Euler;

nun war dieser brave lehrer
von dem taback ein verehrer,
was man ohne alle frage
nach des tages müh und plage
einem guten alten mann
auch von herzen gönnen kann
W. Busch Max u. Moritz (1865) 24.


b) nicht gönnen 'neidisch auf das gut eines andern sehen'; oft weil man es lieber für sich selbst oder für einen dritten haben möchte, vgl. entgunnen, engunden, DWB nit gunnen inuidere Diefenbach gloss. 306c; nicht gönnen invidere Stieler stammb. (1691) 684; non favorire, cioè invidiare, disgratiare qualche cosa ad uno; non volergliela,

[Bd. 8, Sp. 913]


non desiderare che' glil' habbis Kramer t.-ital. 1 (1700) 547c; envier, être jaloux de nouv. dict. 1 (1762) 351. vgl. auch III B 2 b δ ungegönnt.
α) mit bezug auf seelische werte. im ahd. und mhd. erst vereinzelt: forhta unde hérzeslagod ánafálloe diê die réhtên dero hímelferte neunnîn Notker 2, 619, 2 P.;

darn gan ich nieman heiles, swenne ez mich vergât
Reinmar in: minnesangs frühling 157, 27;

dasz aber ein bösz geschrey von im erschollen, könne er nit kehren, denn es werde im von andern seinen miszgünstigen, die im seins glücks nicht günnen, also angestifftet Kirchhof wendunmuth 1, 359 Ö.;

wir sehen, dasz du glücklich bist;
wie kann man dir den stand nicht gönnen?
Gottsched ged. (1751) 1, 280;

(Polo war am sieg über die Türken nicht beteiligt) nun kommt ein neid mir an, ich gönne keinem dieses glück, und möchte jedem es verkleinern A. v. Arnim s. w. 15 (1857) 387;

doch die welt — bald streut sie ihre leiden
auch auf die zufrieden heitre bahn:
weil sie dem, der tugendfreuden kennet,
sein zufrieden herz nicht gönnet
Hölderlin s. w. 1, 8 v. Hell.;

pfui
den buben, die der welt nicht freude gönnen!
Zach. Werner Martin Luther (1807) 334.


β) speziell ehre, ruhm, ansehen u. ä. nicht gönnen: noch dennoch was der neid als grosz under inen, das kainer dem andern der êr nit günt, kriegten selbs durcheinander Aventin s. w. 4, 450 bayr. akad.;

gut wort arg tck vil grüsz bösz blick
das ist der sit auff erden
es günd keiner mer dem andern eer
was wil noch darausz werden?
Forster fr. teutsche liedlein 19 ndr.;

Wilhelmus Vallaceus (als statthalter in Schottland) ein kriegbar mann, der vil schlachten in Engelland gethan hat, vnd künig Edwarden etwan in die fluchtt getriben vnd als jm die seinen soliche eer nit göntten vnd verliessen jn, hat künig Edward grosse krieg gefürt wider die Schotten S. Münster cosmogr. (1550) 66;

pfüh dich, du schandtlich bse art,
das du Marie schon vnd zart
nit wol gunnen magst diser eeren
(ohne erbsünde empfangen zu sein)
Murner von den fier ketzeren 45 Fuchs;

der (teufel) weder gott seine ehr bey den menschen, noch den menschen gottes huldt vnnd seligkeit günnet volksb. v. dr. Faust 7 ndr.; (der aufklärungsphilosoph de Pauw) wollte weder Chinesen noch Ägyptern die ehre gönnen, die ein vieljähriges vorurtheil auf sie gehäuft hatte Göthe I 33, 194 W.; (der teufel) gönnet uns den rhmb nicht, das wir sagen können: mein fleysch und blt (d. i. Christus) ist gott Luther 52, 633 W.; dasz er den ruhm den krieg beendigt zu haben seinem bald zu erwartenden nachfolger nicht gönnte Mommsen röm. gesch. 2 (1865) 7; sie wollte ihm gleichwohl nicht den triumph gönnen, über ihren scharfsinn gesiegt zu haben Musäus volksmärchen 1, 71 Hempel; er sahe, ... das die beyde jungen herren glück vnd segen von gott, vnd bey jederman gunst vnd hulde hatten, welches er jnen denn gar nicht gönnete Binhardus thür. chron. (1613) 209; meinen widerwärtigen zu trotz, die mir solche stelle nicht gönnten Schweinichen denkw. 349 Österley; also gönnen sie (die juden) auch der lieben mutter Maria, der tochter Davids, die jnen kein leid gethan hat, auch jren rechten namen nicht, wie solten sie jr denn das leben, gut oder ehre gönnen Luther 53, 518 W.
γ) mit bezug auf äuszere güter und anderes, das für jmd. wertvoll ist: (sein vieles trinken) geschehe nit von durst oder notturft wegen, sondern damit dem würt der wein nit plib, dann er gonte in im nit Zimmer. chron. 24, 39 Bar.; nun günet, wie vor geredt ist, hertzog Jörg dem hertzog Albrechten nit seins guets und des landts nit Füetrer bayr. chron. 220 Spiller; ausz dieser historia

[Bd. 8, Sp. 914]


sehen unnd lernen wir, wie feind der teuffel dem wort gottes sey, also dasz er demselben das geringste örthlein nicht günnet, darinnen es möchte gelehrt und gepredigt werden Sandrub hist. u. poet. kurzweil 55 ndr.;

(alle zwietracht auf erden kommt aus hoffart und neid)
den all dieweil ein solcher mann,
eim andern nicht das seine gan,
noch jm wil geben was er wol,
aus pflichten von sich geben sol ...
Ringwaldt lauter warheit (1597) 372;

da der bawr den fliegen die stette nicht günte, vnd wolt sie mit eine in strohwisch verbrennen, steckt er das gantze hausz an Petri d. Teutschen weiszh. (1605) L 6a;

und wenn man auch den tyrannen ersticht.
ist immer noch viel zu verlieren.
sie gönnten Cäsarn das reich nicht
und wusztens nicht zu regieren
Göthe I 3, 295 W.;

anfangs lagen sich dort (in Chemnitz) konservative und nationalliberale in den haaren und beide parteien wollten einen kandidaten aufstellen, weil keine der andern das feld gönnte Bebel a. m. leben (1946) 2, 303; keiner von euch allen gönnt dem andern die gnade des königs A. Sperl Budiwoj (1927) 455.
in redensarten und allgemeineren wendungen, die abneigung und hasz umschreiben. es handelt sich hier nicht um ein bestimmtes gut, das man dem andern nicht zubilligt und um das man ihn beneidet, sondern um ein gut, das für den andern wichtig, ja lebensnotwendig ist. dem entspricht die häufige milderung des nicht zu kaum: (der teufel und wer ihm anhängt) kann ... seinem nähsten an leib und leben keinen schaden thun, mit der faust nicht ermorden, so hasset und neidet er ihn doch, zörnet mit ihm, ist ihm von herzen feind, gönnet ihm das leben nicht Luther tischr. 1, 510 W.;

unter schön gewachsnen bäumen
stand ein niedrer krummer baum:
sie in ihrer hoheit träumen,
gönnten ihm das leben kaum
Chr. F. Weisze lieder f. kinder (1767) 36;

so war es nicht genug zu fressen unser gut;
man gunt uns in dem leib auch kaum das letzte blut
Logau sinnged. 74 lit. ver.;

de gnnt enen nig de ogen im kopp der ist auf alles neidisch Dähnert plattdt. 164b; Stieler stammb. (1691) 684; Kramer t.-ital. 1 (1700) 547c; dem Alexander Humboldt geben sie heut ein groszes essen — er möge doch ihrer beim sultan in gnaden gedenken — und gönnen ihm nicht das weisze im auge Zelter in: briefw. zw. Goethe u. Zelter 2, 198 Hecker. auch mundartlich, vgl. hê günnt ên nich dat witt in't ôg, der neidhammel Danneil altmärk. 72a; brem.-niedersächs. 2 (1767) 557 (vgl. auch unter weisz D 1 a); hei gnt enem dat šwārte unerem nāgel nit Bauer-Collitz Waldeck 42a; Rother schles. sprichw. 423; die wellt wirdt euch lestern, schenden und auch tödten umb meinet willen und nicht gunnen den biszen brodts, so jhr gesset Luther 33, 650 W.; kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 125; gönnen mir die brosamen nit Luther 52, 370 W.; dem yederman feind ist und nicht die brodrinde gnnet ebda 24, 450; (ein sohn) hat jhr (seiner mutter) nit gunt das trucken brot Sandrub hist. u. poet. kurzweil 10, 105 ndr.; de (miszgünstige) gönnt enem de botter om brut net, net et salt op de botter rhein. wb. 2, 1491; a ginnt ehme weders kalte nochs warme Rother schles. sprichw. 423; er gönnt seinen pferden den haber nicht Schwan nouv. dict. (1783) 1, 777b; so mus Isaac nu widder verfolgung und neid leiden, werden (die Philister) yhm so feind, das sie yhm des wassers nicht gönnen und alle seine brünne verstopffen Luther 24, 462 W.; (ein judenmädchen erzählt:) und sie (die nichtjüdischen einwohner) gönnten uns die reine luft nicht (auszerhalb des ghettos) W. Raabe s. w. I 5, 613. auch mundartlich, vgl. Rother schles. sprichw. 423; der gonnt keinem menschen den hellen tag Fischer schwäb. 3, 749; de (miszgünstige) gönnt enem net et hemb am lif rhein. wb. 2, 1491 mit zahlreichen ähnlichen wendungen.

[Bd. 8, Sp. 915]



allgemeine wendungen wie es, etwas, nichts gönnen, parallel zu den positiven wendungen unter II A 1 a γ ende: er (der papst) hatt das gestolen gut zu sich gerissen; wir mussens also wiederumb eraus reissen, ut fiat, quod Job dicit: er mus dem geben, dem ers nicht gann Luther tischr. 3, 196 W.; bat se ęm nitt günnt, dat dait ęm am besten guəd Woeste westf. 87b;

'schang' sage s' 'die bauern san wie d'hund,
weil koaner was dem andern gunnt!'
Karl Stieler ged. 2, 8 Reclam;

er kam in ein dorf, darin wohnte ein schmied, der war ein geitzmann, gönnte keinem menschen etwas und wollte alles haben kinder- und hausmärchen 2 (1813) 29;

was hin ist hin, sehn mich nit nach,
thu gar gemach, auff das nit lach,
der mir nichts gund,
villeicht kumbt vnuerhoffte stund
Forster fr. teutsche liedlein 33 ndr.;

glaube nichts den falschen zungen,
die mir und dir nichts gönnen
Fr. K. v. Erlach volkslieder d. Deutschen (1834) 3, 107;

ich gönnte sonst keinem nichts als ihr; jede marque that mir weh, die sie ausgeben muszte (er sieht dem tarokspiel zu, an dem die geliebte teilnimmt) J. M. Miller briefw. dreier akad. freunde 1 (1778) 146;

de mer nicks gönnt un och nicks geve,
müsse doch ligge (leiden), dat ich leve rhein. wb. 2, 1491.


δ) auch von einem geschehen oder einer handlung, auf die man neidisch oder sonst ablehnend sieht, schon bei Notker: er gab, daz sine scalcha dihen begundon so uerro daz in is ene negundon Notker 3, 199, 28 P. öfter dann im 16. jh.: und seinem nechsten nit gundt, das in die sonn anscheint Schumann nachtbüchlein 22 Bolte; Aventin s. w. 4, 18 bayer. akad.; also ghünnet er (der teufel) dir, ja allen eheleuten nit, das sie ein stunde unter einander eins seien Er. Alberus ehbüchl (1565) b 3b; Wilhelm, der sehr eifrig dafür sprach, weil er dem menschen, den er geringschätzte, die rückkehr auf das theater nicht gönnte, und überzeugt war, dasz er eines solchen glückes nicht werth sei Göthe I 21, 83 W.; wie nun auch viele waren, die's den Rathenows nicht gönnten, in die reiche familie zu heirathen, und andere, die's den Schumms nicht gönnten, dasz sie mit den Rathenows eins würden, die meisten freuten sich doch auf die hochzeit Alexis Roland (1840) 1, 56.
2) gegenstand des gönnens kann etwas für den andern unangenehmes, nachteiliges sein. unter I bleibt auch bei einem negativen objekt die bedeutung von gönnen als 'gewähren, zuteil werden lassen' gleich (s. ob. I A 2 d γ; I A 3 c). als lediglich innere stellungnahme dagegen, in der dem andern sein unglück als verdient zugebilligt wird, erhält gönnen den beiklang der schadenfreude (a), in der verneinung den unterton des bedauerns (b).
a) in positiver, nicht verneinter aussage.
α) jemandem etwas nachteiliges, schlechtes schadenfroh als verdient zubilligen; sich freuen, dasz es ihm begegnet oder begegnet ist (s. auch die beiden letzten belege unt. III A 2 b β). in den wbb. wird auf diese bedeutung erst bei Mozin-Biber ausdrücklich hingewiesen: (jedermann) gönnet ihm s. unglück, diese demüthigung se réjouit de son malheur, de la mortification qu'il essuie vollst. dt.-frz. wb. (1823) 423. sie kommt aber schon in mhd. zeit, häufiger seit dem 16. jh. vor:

sô mag ich âne nôt
leben hinfür mê.
wan ich von sînen (Tristans) schulden ê
hân leides vil gewunnen.
des tôdes wil ich im gunnen
und lobe es got, ob ez wâr ist Tristan als mönch 1753 Paul;

wann wenn einer fliegen wil eb (ehe) er federen hat usz dem nest, wer wil ym nit günnen vnnd lachen wann er felt Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 104b; zwar ich gan yhm (dem sünder) solcher staupe (züchtigung) des rewels (reue) wol, hats auch wol verdienet, auff das er ein

[Bd. 8, Sp. 916]


exempel sey andern, zu lernen, nicht widder das gewissen zu sundigen Luther 30, 3, 219 W.; demnach gan ichs zwar dem könige zu Engelland, dazu dem teuffel auch fast wol, das sie solche arme elende betler uber mir werden, und sich so flicken müssen ebda 23, 28;

in kurzen zeiten
thet ich und mich vil unglücks reiten,
desz mir doch wol günnt iedermann,
lachet und spottet mein daran
Hans Sachs 17, 428 lit. ver.;

ich mochte dem alten esel (dem feldwebel) nicht mehr zuhören, sondern gönnete ihm, was er klagte (dasz der adel den soldaten die karriere verschliesze), weil er offt die arme soldaten prügelte wie die hund Grimmelshausen Simpl. 50 Scholte; Herder wollte seinen pfalzgräflichen adel hier geltend machen, wurde aber damit abgewiesen und obendrein ausgelacht, weil ihm jedermann diese kränkung gönnte Schiller br. 6, 432 Jonas; dem grafen Christian (Stolberg) gönne ich also die abfertigung (durch J. H. Voss) (1820) Jac. Grimm briefw. 1, 213 Leitzmann; gönnte er (Metternich) vielleicht dem galizischen adel die blutige lection? Bauernfeld tageb. in: jb. d. Grillparzerges. 5 (1895) 124; 'es sind amtsbrüder von mir', erwiderte Seidentopf, dem errötenden Lewin die kleine verlegenheit gönnend Fontane ges. w. I 1, 108; Aristoteles geht davon aus, dasz es auch hierin zwei arten der kakia gibt: die eine, die dem menschen sein glück nicht gönnt, die andere, die ihm das unglück gönnt N. Hartmann ethik (21935) 406. auch mundartlich: ich hab e schwëri krankheit durchgmacht, und s sin lit do, öb du s glaübst oder nit, wu mir s gegunnt (oder gegunnen) han Martin-Lienhart elsäss. 1, 222a.
β) daneben findet sich gelegentlich als gegönntes ein von dem andern zwar begehrtes, aber nur scheinbares gut, das in wirklichkeit den besitzer schädigt oder lächerlich macht. gönnen bedeutet hier soviel wie 'getrost zubilligen' im sinne des ironischen zugestehens: weyl er szo mechtig ist die wort tzu verendern, wollen wyrs yhm (könig Heinrich von England) gern gonnen, das er messe kalbskopff odder eselskopff heysse, wie er wil Luther 10, 2, 252 W.;

ein kerl, der reime quält und noch der pritsche miszt,
kommt an und sticht mich ab, nicht wegen netter proben,
nein, sondern weil er nur ein beszrer hofnarr ist.
ich gonn ihm auch den ruhm
J. Chr. Günther s. w. 3, 75 Krämer;

wir wollen der verleumdung gönnen,
uns ein vertraulich paar zu nennen,
der himmel band ja dich und mich
Schwabe belustig. (1742) 1, 26;

diesen eingeschränkten geistern kann man ihre einbildung gern gönnen; und diesz werk wird dennoch seinen ewigen werth behalten anmuth. gelehrsamk. (1751) 3, 431 Gottsched.
b) bei der verneinung nicht gönnen ergeben sich hier zwei verschiedene bedeutungen, je nachdem der gegenstand des gönnens eine schlechte einstellung bzw. handlung des andern ist (α) oder etwas, das für den andern selbst nachteilig ist (β).
α) jmd. etwas gegen recht, sitte, ordnung verstoszendes tadelnd nicht zugestehen:

ich ensach nie wîp sô stæte,
(des ich ir doch niht engan)
diu sô harte missetæte
sô si tuot an einem man
Reinmar in: minnesangs frühling 202, 20;

(Ottokar zwingt herzogin Gertrud, Steiermark zu
verlassen)
unlange si dâ beleip,
daz er si ouch von dannen treip.
der untugent ich im niht gan
Ottokar reimchron. 6556 Seem.;

wie sich dein man, das Christus walt,
vergriffen hat nur alzu bald,
seis gott geklagt, ich günn es jhm nicht
Hayneccius Hans Pfriem 42 ndr.


β) nicht einverstanden sein, dasz jemandem etwas nachteiliges, schlechtes begegnet oder begegnet ist, in der meinung,

[Bd. 8, Sp. 917]


er habe es nicht verdient, dasz man ihm übel mitgespielt hat; jmd. wegen eines unglücks bedauern; vgl. dazu die mhd. wendung einem eines dinges ubel gunnen unter III A 2 a β:

lasters ich in (den frauen) niene gan minnesangs frühling s. 86, 23;

wir wollen ihn (den kaiser Ferdinand) nicht richten, gonnen ihm auch sein vngluck nicht Luther tischr. 4, 379 W.; Stieler stammb. (1691) 684; ich bin wirklich manchmal so unzufrieden mit mir selbst ..., dass ich die schwarzen stunden ... meinem feinde nicht gönnen will Th. Abbt verm. w. (1768) 3, 117.
B. jmd. etwas von herzen wünschen, in der überzeugung, dasz er es verdient habe (auch in der verbindung von gönnen mit wollen, mögen, gern u. ä. tritt die bedeutung 'wünschen' öfter hervor, vgl. III A 3 a, III A 3 b, III A 2 b): vouloir (souhaiter) du bien Rondeau dt.-frz. wb. (1740) Pp 1b; vouloir ou souhaiter du bien ou du mal à qqn nouv. dict. 1 (1762) 351; gunnen einem gutes oder schlechtes wünschen Follmann lothr. 220b; günnen wünschen, desiderare, augurare Schmeller cimbr. 189a; ich jönt ich wünschte, möchte Rovenhagen Aachen 46.
1) gegenstand des gönnens ist etwas für den andern wertvolles (für die verneinung mit nicht kommt die bedeutung 'wünschen' kaum zur geltung, da dann der ton neidischer miszbilligung überwiegt, s. ob. A 1 b; zu nichts gutes gönnen vgl. unter III A 1 a β ende und III A 1 b α, zum reflexiven gebrauch dieser bedeutung vgl. III B 1 c αββ).
a) von geistig-seelischen gütern: dein nechsten hastu lieb als dich selber. z dem ersten wan du im günnest ewigs leben vnd ewige selikeit. zum andren wann du im günnest daz im got der herr seine sünd verzeihen vnd im geben vnd verleihen wöl die mittel, damit er selig mög werden Keisersberg brösamlin (1517) 74c;

vnd hiemit sey euch gute nacht
von ewrem sohn gegönnet
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 3, 321;

wenn dir das glücke wird ... brennen,
so glaube, dass wir dir noch weit ein mehrers gönnen
Neukirch ged. (1744) 220;

ich gönne ihm und euch ein fröhliches zusammenseyn (1809) Göthe IV 21, 74 W.
b) von äuszeren gütern: ich gönne den städten auch bessere einnahmen, nachdem ein groszer theil derselben ihr früheres schönes besitzthum ... aufgetheilt hat. aber ich fürchte, an den offizieren werden sie sich (durch erhöhte steuern) nicht erholen Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 7, 84.
c) von vorgängen, handlungen:

zwâre ich gan iu beiden wol
daz ir in gesunden vindet
Hartmann v. Aue Iwein 5914;

darumb wolt ich (Luther) yhm (Hieronymus) gonnen, das er ein weyb het gehabt; sol vil ding anders geschriben haben ders. tischr. 1, 194 W.
2) gegenstand des gönnens ist etwas für den andern unangenehmes, nachteiliges.
a) als 'wünschen aus abneigung oder neid' nur lexikalisch vereinzelt verzeichnet: einem alles unglück gönnen souhaiter de mal à quelcun Rondeau dt.-frz. wb. (1740) Pp 1b. umgangssprachlich geläufig: dem gönne ich mal eine tüchtige tracht prügel, einen ordentlichen reinfall u. ä. zu übles gönnen, böses gönnen u. a. (seit Notker) vgl. III A 1 d. gern wird als inhalt des gönnens ironisch ein scheinbares gut genannt, das in wirklichkeit dem andern zum nachteil gereicht:

auff einen ehrgeitzigen.
alle menschen günnen dir, dasz du möchtest Caesar werden,
doch mit drey vnd zwantzig wunden nieder liegend auff der erden
Logau sinnged. (1654) 39;

(Lichtenberg schreibt an Kaltenhofer über die polypen:) allein nun habe ich zwey dumme eigenschafften an ihnen entdeckt, dabey ich wohl dem teufel die polypschafft gönne. sie sterben augenblicklich vom wein und paaren

[Bd. 8, Sp. 918]


sich nicht Lichtenberg br. (1901) 1, 59. auch mundartlich: a günnt em oalles, woas de hinner leen, og (nur) de eere nich Rother schles. sprichw. 423.
b) nicht gönnen 'aus wohlwollen nicht wünschen, dasz dem andern etwas schlechtes, nachteiliges begegne' (zu nichts ubelsz gunnen, nichts boses gunnen, keins argen günnen vgl. III A 1 d α, γ, δ):

also schied der helt von ir
und sprach 'diser not gan ich nit dir'
(ihr magdtum zu verlieren)
Heinrich v. Neustadt Apollonius v. 15 733 Singer;

es ist eu. l. (saget sie) niemals mit meinem willen args widerfahren, vnnd (ich) were gantz vbel zu frieden, eu. l. in solchem (leben) nachgestelt oder selbiges (arges) gegöndt zuhaben Amadis 359 Keller; die (schmerzen) gönn ech kene koə (bösem) hongk u. ä. rhein. wb. 2, 1492.
III. besonderheiten des gebrauchs.
A. feste verbindungen von gönnen mit bestimmten objekten (1), adverbien (2), verben (3) und synonymen (4).
1) neben halbfesten verbindungen von gönnen mit bestimmten objekten wie augen, mund, wort u. ä., ehre, ruhe, leben u. ä. (unter I und II) stehen unbestimmte objektsverbindungen mit substantiviertem adjektiv als wirklich feste wendungen und prägungen schon seit ahd. zeit.
a) gutes gönnen.
α) selten steht die wendung in der bedeutung I A 3 'gutes zukommen lassen, gewähren' bzw. 'gutes zu verschaffen suchen':

gúates er in ónda, sôs er uuóla konda,
bî thiu gáb er mit giuuúrti suazaz ántuuurti
Otfrid I 27, 31 Piper;

es seint die die nit die sach ansehen, aber die secher (die prozeszführenden) nach dem als sie inen geneigt seint, nach dem geben sie vrteil, günnen sie inen guts Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 73a;

ach, dasz ich's vergelten könnte,
jedem der mir gutes gönnte
Lavater christl. lieder (1788) 2, 26.


β) meist steht bei dem ausdruck gutes gönnen das II B 1 a entsprechende moment des herzlichen wunsches und der gewogenheit für den andern im vordergrunde, obwohl eine sichere abgrenzung gegen α oft nicht möglich ist:

mir hete wilent z'einer stunde
so wol gedienet ein man,
daz ich im wol guotes gunde,
des ich im nu niht gan
Heinrich v. Veldeke in: minnesinger 1, 35b v. d. Hagen;

(nachdem Siegfried aufgebahrt wurde)
Kriemhilt diu armez'ir kameræren sprach:
si suln durch mîne liebelîden ungemach,
die im iht guotes günnenund mir wesen holt Nibelungenlied 1053, 3 Bartsch;

besent alle ure deinstman
unde allet dat uch guedes gan
unde treckit mit eime starken her
her vur Colne (Köln 13. jh.) städtechron. 12, 99;

ist dan iemans seiner sachen oder personen verwandter der im gts gyn, der mag im ... ein beistant thn z dem rechten Murner kl. schr. 7, 7 Pfeiffer-Belli; cupere alicui einem wol wllen, gts gunnen, günstig seyn Frisius dict. (1556) 353a; Maaler teutsch spraach (1561) 198c;

darzu kein mensch recht wissen kan,
wer jm von hertzen gutes gan,
vnangesehn, das mancher scheint
als wer er ein getrewer freund
Ringwaldt lauter warheit (1597) 115.

selten als einstellung einer sache gegenüber:

ach gott, wie hat zu vnser zeit,
das predigampt, so grossen neid,
es wird gehasst von jderman,
ich weis nicht wer jm gutes gan ebda 321.

die verneinung der wendung ist entsprechend ausdruck der abneigung und des übelwollens: so ingan ir eyn dem andirn nieht gtis Türk d. wortschatz d. predigtslg. Dietrichs v. Gotha 44;

[Bd. 8, Sp. 919]


ich petracht ...
das kainer dem andern nicht guetes gund alldt. passionsspiele aus Tirol 262 Wackernell;

keyn jud den christen nye gts gan,
wie solchs dein art tht zeygen an.
Wickram w. 5, 113 Bolte;

conspici infestis oculis omnium es gundt jm niemants gts Frisius dict. (1556) 312a; 143a.
b) daneben stehen variierende wendungen.
α) alles gute gönnen bzw. nichts gutes gönnen, durchweg in der bedeutung 'wünschen', entsprechend II B:

Petrus, dua mih uuîsioba ih thir líob filu sî,
mit mínnu thînes múatesmir únnis alles gúates?
(Joh. 21, 15: Simon Johannis, diligis me plus his?)
Otfrid V 15, 14 Piper;

nû was ir lutzel iemen wider,
si gunden ir alles guoten wol
Ottokar reimchron. 1175 Seem.;

ich kans ia nicht lassen, ich ms auch sorgen für das arm, elend, verlassen, veracht, verrathen und verkaufft Deutschland, dem ich ia kein arges, sondern alles gtes gnne, als ich schuldig bin meinem lieben vatterlande Luther 30, 2, 412 W.; einem alles gutes gönnen souhaiter toute sorte de bien à quelcun Rondeau dt.-frz. wb. (1740) Pp 1b; Schwan nouv. dict. (1783) 1, 777b; Mozin-Biber vollst. dt.-frz. wb. (1823) 423; es wäre sehr egoistisch von mir, wenn ich ihnen nicht alles gute sowol für arbeit als erholung gönnte, deren sie doch gewisz sehr bedürfen (1884) Rodenberg in: briefw. C. F. Meyer u. Jul. Rodenberg 194 Langm.; und es ist wahr, sprach doctor Martinus Luther, die juden gönnen uns nichts guts, wir sind ihnen als der tod oder als ein gebrannt leid Luther tischr. 6, 352 W.; ebda 5, 127.
β) viel gutes gönnen:

wann sy ist wolgetan.
der ich vil gtes gan,
sy ist mir eingefallen
vnd mag nicht abgelan liederb. d. Hätzlerin 73b Haltaus;

mein hertz hat eüch lieb vnd günnet eüch vil gts Elis. v. Nassau-Saarbrücken Hugh Schappel (1537) 23a; aber meinem fründ zelieb, wann ich meinem mitbrüder sol als vil gts gnnen, als ich wolte das er mir gnte Keisersberg brösamlin (1517) 68b; es ist ye gott so klug alls der bapst und gunnet uns allen alls vill guts alls der bapst Luther 9, 542 W.;
γ) etwas gutes gönnen: den tag, da man seinem nächsten ein für alle mal aufs ganze jahr was gutes gönnt! (1781) Lessing 18, 363 L.-M.; Kramer t.-ital. 1 (1700) 547c.
δ) mehr gutes gönnen als ...: so sie (die richter) aber sehen das es gat wider den teil dem sie me gutz gunnen, dan dem anderen, so verziehen sie das vrtel Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 141b.
ε) das beste, das allerbeste gönnen: so wil ich und beger und gan dir des aller pesten theolog. deutsch 62 Mandel; (der liebhaber sagt von Magelone:) jedoch die weyl sie die creatur jst auff erden, deren ich das aller beste gonne in diser welt Warbeck schöne Magelone 16 Bolte; Stieler stammb. (1691) 684; Henisch (1616) 1682;

hat jemand einen sohn, hat jemand einen freund,
dem er das beste gönnt und recht mit treuen meint
Rachel satyr. ged. 78 ndr.;

ich verdiene ..., dass du mir das beste gönnst Bettine Goethes briefw. m. e. kinde (1836) 2, 218.
ζ) zu reflexivem sich gutes, das beste gönnen u. ä. s. unt. III B 1 c αββ.
c) wendungen mit zweigliedrigem objekt. vom mhd. bis ins 16. jh. formelhaft gutes und ehren gönnen:

und ob ir mir gunnet
guotes unde êren,
sô lâzent mich kêren
ze unserm herren Jêsu Krist
Hartmann v. Aue armer Heinrich 804 Gierach;

ir sprechet als ein versunnen man
de uns godis und eren gan (Cöln) städtechron. 12, 2056.

[Bd. 8, Sp. 920]


in umgekehrter wortfolge: ein grosse schar der jhenen, die mir eeren vnd gts gnnen Hutten opera omnia 1, 412 Böcking; vgl. Hans Sachs 20, 332, 33 lit. ver.; darumb vermahne ich dich, ob du mir anderst ehren vnd guts günnest, so wehre mir diesen kampff nicht buch d. liebe (1587) 79d; nach solcher verloffner abrede do sahen alle die, so dem stammen Zimbern ehren oder guets gonten, ungern, das der kauf für sich sollt geen und die nutzlichen güeter in frembde hend kommen Zimmer. chron. 23, 19 Bar. variierend:

und alle, die mir gunden
gelückes unde guotes,
die sint nu swæres muotes
und sere truric umbe mich
Gottfried v. Straszburg Tristan 2598 Ranke;

eine frau gönnt der andern alles liebe und gute, nur kein neues kleid und keinen anbeter Raupach dram. w. kom. gattg. (1829) 1, 17. disjunktiv: wir mögen ihm gutes oder übels gönnen vernünft. tadlerinnen (1725) 1, 13 Gottsched; Schwan nouv. dict. (1783) 1, 777b.
d) übles gönnen, böses gönnen u. a. als feste wendungen für abneigung und miszgunst einem andern gegenüber, zu II B 2 'wünschen'.
α) übles, nichts übles, alles übel ... gönnen ist seit Notker bis ins 18. jh. lebendig: die mir ubeles gunnun qui cogitant mihi mala Notker 3, 102, 27 P.; diê mir ubeles unnen qui quaerunt mala mihi ebda 2, 282, 10; schemen müssen sich vnd zu schanden werden, die mir nach meiner seelen stehen, das sie die vmbbringen, zu rück müssen sie fallen, vnd zu schanden werden, die mir vbels gönnen ps. 40, 15; ordent er sein vorderwart mit dem grauen Gui von Montpolier, der Reynharten vbels gundt hertzog Aymont (1535) d 4a; Murner von den fier ketzeren 4, 48 Fuchs; Kramer t.-ital. 1 (1700) 547c; und die königin (Jesabel) ist so gottlos, dasz man ihr alles übel gönnt Göthe I 51, 141 W.; das ander teyll der lieb gegen den nehisten hatt s. Stephan damit ertzeygt, das er auch seynen eygenen mordern nichts ubelsz gunnte Luther 10, 1, 1, 265 W.; ders. br. 10, 11 W.
β) leides gunnen, schaden gunnen im mhd. sind wohl nur variationen der geläufigen wendung unter α:

got sælden im verbünne
der triuwen leides günne,
wan triuwe ist under künne
ein freudeberndiu wünne
Konrad v. Würzburg Engelhard v. 70 Gereke;

kreuzf. Ludwigs des frommen 7305 Naumann;

dô sprach er 'bistuz Urjâns?
ob du mir nu schaden gans,
den trag ich âne schulde Parzival 524, 20.


γ) böses gönnen: und du begerst und gannest und tust mir das aller pöst, das du kanst oder magst theol. deutsch 62 Mandel; wer seim bruder böses günnet und gedenckt, der ist werd, das man yhn für gerichte lade (1527) mon. Germ. päd. 21, 32, 5; sie were darumb in orden gangen, das si eim jeden alles gts wnschet, und nit, dz si jemands bses gnnen solt J. Heroldt v. d. zung (1544) 80a; wer ist unter uns, der dem nachbar, dem freund, dem bruder, dem kollegen das kleinste böse gönnen würde? W. Raabe s. w. I 6, 369; ich gönne niemans böses, sonderlich sol ja kein christ einem andern den zorn gottes wundschen Luther 54, 391 W.;

was gott thut, das ist wohlgethan,
er ist mein liecht und leben,
der mir nichts böses gönnen kan
S. Rodigast bei
Fischer-Tümpel evangel. kirchenl. 4, 379.


δ) arges gönnen, nur in der verneinung belegbar:

gedenck wol an die freunde dein
die dir keins argen günnen
vnd teglich bey dir sein bergreihen 86 ndr.;

Wickram w. 4, 131 Bolte;

der frömmste muth ist gottes muth,
der niemand arges gönnt noch thut
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 3, 386a.

[Bd. 8, Sp. 921]



2) seit dem mhd. wird gönnen häufig mit adverbien oder adverbialen bestimmungen verbunden; durch sie wird der in allen bedeutungen von gönnen mitgegebene gesichtspunkt der inneren zubilligung unterstrichen. über nur gelegentliche verbindungen wie mit rehten triuwen (s. u. III B 1 a β αα), gnädigst (s. ob. I B 1 a) u. a. hinaus treten adverbien allgemeinerer bedeutung in feste, formelhafte beziehung zu gönnen.
a) am häufigsten wohl 'gern' und z. t. dessen gegensatz übel, beide besonders im mhd.
α) wohl gönnen. zu I B 'erlauben':

(die eltern zu dem kranken ritter:)
unser tohter ist ze muote
daz sî den tôt durch iuch dol.
des gunne wir ir harte wol
sus hât sîz umb uns brâht
Hartmann v. Aue armer Heinrich 980 Gierach;

(wir haben den gemeinen rat gebeten) offt we de were (besitzrecht) des parehoves (pfarrhofes) to sunte Olrike konden wedderkrighen myt breven ... darto antworde de rad: konde we daran myt breven wes enden, des ghonden se wol (Braunschweig 1418) städtechron. 16, 40, 25; nein, esset unnd trincket, das gönnet euch gott woll Luther 52, 22 W.;

dann so er (ein floh) vieleicht wirt erwischt
will ich dem weib sehr gunnen wol
das sie z todt dn kitzeln soll
Fischart flöhhatz 53 ndr.

seltener mehr zu I A 'zukommen lassen':

wente in allen landen vnde ryken
leuet nu nemant vnder der sunne,
deme ik den schat alzo wol ghunne
alze yw beyden Reinke de vos 91 Prien

(dieselbe stelle: so gern gönne Gottsched Reineke fuchs 52 Bieling; lieber gönnte Göthe I 50, 68 W.).
vornehmlich zu II A 1 'zubilligen':

die andern muosen alle
hern Îwein wol gunnen
sîns landes und sîns brunnen
und aller sîner êren
Hartmann v. Aue Iwein 2647;

dô gap er (Rüdiger) Gêrnôteein wâfen guot genuoc,
daz er sît in stürmenvil hêrlîchen truoc.
der gâbe im vil wol gondedes marcgrâven wîp Nibelungenlied 1696, 3 Bartsch;

denn ich kenne den stoltz wol ettlicher könige und fürsten, die gerne wolten, das keyser Carl nichts were und sie selbs weren die helden und meister, die widder den Turcken ehre einlegten. ich gan yhn der ehren fast wol Luther 30, 2, 145 W.; es ware aber einer under inen, der gedachtem burgermeister günstig war und im der ehren wol gnte Montanus schwankb. 426 lit. ver.
0 zu II A 2~~, mit negativem objekt: wie denn der teuffel und die welt sonderlich solchen todt jm (Christus) darumb auff legen unnd wol günnen, der von gott selb ein verfluchter todt genennet wirt Luther 52, 806 W.; umstände, daraus ich nothwendig abnehmen konte, dasz die gantze nachbarschafft ihn dieses unglücke wohl gönnen müste Thomasius ged. u. erinn. (1720) 1, 3.
0 zu II B 1~~ 'wünschen': (in einem spital in Nürnberg wäre der spitalmeister der kranken menschen) eins teils gern ledig gewesen vnd het in gesuntheit wol gegund Till Eulenspiegel 25 ndr.
zu formelhaftem part. praes. wohlgönnend s. u. IV 2.
β) in der mhd. literatur wird auch ein gegenteiliger ausdruck zu wol gunnen gebräuchlich, der nicht besagt, wie sehr, sondern wie wenig man jmd. etwas zubilligt, und zwar etwas unangenehmes, also ebenfalls aus einer wohlwollenden einstellung heraus (vgl. II A 2 b β), einem eines dinges ubel gunnen 'ihn wegen etwas bedauern' (vgl. Lexer 1, 1119):

... ach wê wie übel gunde
si den boten dirre sage ... (wie leid tat es ihr, dies von den boten zu hören) die klage 1381 L.;

Ebernand v. Erfurt Heinrich u. Kunigunde 405 Bechstein; ich gan iu übel iwers schaden, ich nert iuch gerne

[Bd. 8, Sp. 922]


'ich möchte nicht gern, dasz ihr umkämet' altdt. wälder 3, 179 in: mhd. wb. 1, 33a.
b) seit dem spätmhd. kommt mit etwas stärkerem ausdruckswert gern gönnen neben wohl gönnen auf und verdrängt dieses in neuerer zeit.
α) zu I 'zukommen lassen':

liebt den, der für liebe brennet;
schaut den stern,
der euch gern
liecht und labsal gönnet
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 3, 330b;

und (ich) möchte meiner lieben mutter, die im grunde jedes öffentliche auftreten scheut wie den tod und nur zu empfindlich ist für die stimme des publikums, gern zuerst die möglichst angenehmen eindrücke gönnen (von einer dichtung Annettes) (1837) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 197 Schulte-K.
β) am häufigsten unterstreicht gern die innere zubilligung, entsprechend gönnen II, vgl. auch es ist euch gern gegönnt unt. B 2 aβ ββ:

swie gern ich disem trugnære
gunde mit minnen
sîn lîpnar gewinnen
sô wil er ze hôhe fliegen
unde mit gewalte triegen
Ottokar reimchr. 32 380 Seem.;

(Carlstadt) hatte sorge, ich (Luther) würde ihm die ehre zuvor wegnehmen, die ich ihm doch gerne gegönnet hätte Luther tischr. 4, 188 W.;

ich leid es williglich,
und gönne iedem gern,
dasz er auf andre weise sich
bestrebe, gott den herrn
zu rühmen, zu erhöhn
Brockes ird. vergnügen (1721) 4, 73;

ich erwarte in etwa 8 tagen meine schwester mit meinem schwager dem bibliothekar Reinwald aus Meinung (Meiningen) hier; meiner schwester gönne ich diese zerstreuung gern, aber mit dem schwager weisz ich nichts anzufangen Schiller br. 6, 45 Jonas;

des falters flatternd kosen,
die lieder im gesträuch,
der menschen lob — ihr rosen
wie gerne gönn ichs euch!
Geibel Juniuslieder (1848) 15.

ironisch-sarkastisch: aber wir wollen disen newen kirchensturmern gern gnnen, dasz jre kirch jren herren bräutgam gleich seie, nämlich hie im ellend vmbzieh (1586: gern gonnen) Fischart binenkorb (1588) 10a; gerne gönnte man ihm (Karl v. Lothringen) in Österreich die ehre, sich ... für das wohl des erzhauses zu grunde zu richten Schiller 8, 208 G. schadenfroh:

ich (der pfaffe) musz mich wol hüten vor im (dem mesner);
wann solt er mir ein platten schern,
die bawern würden mirs günnen gern,
die mir fast all abgünstig sein
Hans Sachs 17, 188 lit. ver.

als wunsch:

gerne gönnen wir die schnellste reise,
gern die hohe fahrt dir
Göthe I 2, 72 W.


γ) der ausdruck wird gelegentlich erweitert und verstärkt, s. schon ob. Ottokar unt. β: gönne ihnen der ehren für mir gar willig vnd gerne, wil mich von einem jedern, ein bessers zu lernen nicht schemen (16. jh.) Puschmann meisterges. 34 ndr.; mit willen vnd gern gönnen M. Herr feldbau (1551) 536;

desgleichen sie (die engel) auch an den gaben
der menschen ein gefallen haben,
und gönnen ihnen hertzlich gern,
dasz sie auch leuchten wie die stern
Ringwaldt bei
Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 457;

wir wären dann nicht genöthigt, zur besteuerung der genuszmittel zu greifen, die wir den ärmeren so gern gönnen O. v. Bismarck polit. reden 4, 243 Kohl.
c) steigerungen von wol gunnen, gern gönnen sind baz gunnen und später lieber gönnen, am liebsten gönnen.

[Bd. 8, Sp. 923]



α) b a z gunnen, zu I A 'zukommen lassen':

Kriemhilt, liebiu vrouwe, jâ sult ir mir (Hagen) sagen
wie ich iu müge gedienen an Sîfride iuwerm man.
daz tuon ich gerne, vrouwe: baz ih's niemen engan Nibelungenlied 895, 4 B.;

desgleichen soll sie einen sondern tranck für das gesind auch bereiten ..., will man es jhnen besser gönnen, so mag man ... Sebiz feldbau (1570) 63. zu II A 'zubilligen':

mich wundert dicke daz ein wol gerâten man
under sînen friunden niht erwerben kan
sin sîn im âne schulde gehaz
und gunden einem fremden baz
der êren die er solte hân
mit den besten in den landen.
stirbet er, si sehent den tac,
si trüegen in ûf den handen
Spervogel in: minnesangs frühling 23, 8;

ihr (der zechenden) freundschafft die ist mechtig gros:
ein jeder günts dem andern bas
dann seinem eigen leibe bergreihen 78 ndr.

mehr als wunsch, zu II B:

jane redent siz durch deheinen haz,
wan dazs iu des gunden baz
daz ir dise burc mitet (meidet)
unde noch fürbaz ritet
Hartmann v. Aue Iwein 6140.


β) die wendung lieber gönnen ist jünger und seltener:

wem solt ich mein herz lieber gönnen
als dem, der mir das seine gibt?
K. F. Lochner bei
Fischer-Tümpel evangel. kirchenl. 5, 129;

(zum herzog nach dessen brunnenkur:)
wem würde man den schönsten theil
der edlen wirkung lieber gönnen,
als dir, o herr
Gottsched ged. (1751) 1, 65.


γ) am liebsten gönnen: welchem theil zeuge den gewin und sieg dieser sachen am liebsten gönne (frage an den zeugen) Gödelmann tract. de magis (1591) 3, 79; einen nichtswürdigen und schlechten mann aber, dem ich sie noch am liebsten gönnen würde, zu nehmen, dazu ist sie selbst zu stolz Lessing 2, 11, 17 L.-M.; doch gönne ich dir am liebsten diesen triumph (und nicht mir) Göthe IV 41, 129 W.
d) der ausdruck von herzen etwas gönnen mit seinen varianten kommt in mhd. zeit auf, wird aber, wie es scheint, erst seit dem 16. jh. häufiger.
α) von herzen gönnen. zu I:

wip unde man,
wünschet, daz si mir ringe die swære
der s'ane schulde von herzen mir gan minnesinger 1, 132a v. d. Hagen.

zu II: ey so thun dissem (deinem nächsten) auch also, du must im auch van hertzen alles guts gonnen Luther 9, 154 W.;

es räth offt mancher einem mann,
das er von hertzen jm nicht gahn
Burkard Waldis Esopus 1, 30 Kurz;

einem seine wolfart von herzen gönnen favere saluti alicujus, aliquem salvum velle Stieler stammb. (1691) 684; Kramer t.-ital. 1 (1700) 547c; dagegen hat Schiller ... das merkwürdige glück, als besonderer freund des volkes zu gelten. ich gönne es ihm von herzen und tröste mich damit, dasz es andern vor mir nicht besser gegangen Göthe gespr. 5, 12 W. v. Biederm.; aber der Laszberg müszte ja steinalt werden, wenn er noch erleben wollte, dasz die kleinen stümpchen in pension kämen. ich gönne ihm das leben von herzen, aber du (Sophie v. Haxthausen) weiszt, wie er herunter ist (1837) A. v. Droste-Hülshoff br. 1, 257 Schulte-K. mit dem ton der schadenfreude, zu II A 2a: dasz, wenn ein ungelük ist über ihn gekommen, man ihn darzu verlacht, und gönnets ihm von hertzen Neumark lustwäldchen (1652) 46.
β) in älterer sprache wird der ausdruck noch gern variiert: daz man fon allime herzin allin ludin wole gudis gunne parad. an intell. 62 Strauch; inde de goyde got messe ir goinen, dat sy (frau Gertrud) geneydeclyge inbonden

[Bd. 8, Sp. 924]


werde: des gain ich ir van alle mime herzen wayl (1367) bei Steinhausen privatbr. d. mittelalt. 1, 5;

was ich mit recht den gunden sol
das gon ich im von herczen wol
Hermann v. Sachsenheim mörin 965;

ich günn dirs ouch von hertzen wol
H. R. Manuel d. weinspiel 1341 ndr.;

wenn es euch wol geht, das gunn ich euch von ganzem herzen wie mir selbs (1506) Dürer nachlasz 21 Lange-Fuhse;

im hertzen lieb gnstu vns zwar
Gilhusius gramm. (1597) 3, 75;

demselben gönne ich, neben bereitstellung unterdienstlicher beflissenheit, alle glücklich- und selbstbegerende wohlfahrt, aus treuen herzen Butschky hochdt. kanzelley (1659) 26.
γ) daneben seit dem 16. jh. herzlich gönnen:

sie hat villeicht auff diser erd
bey andern glück mehr, als bey mir,
das thun ich hertzlich günnen jr
Fischart w. 1, 345 Hauffen;

Ayrer dramen 162 Keller. auch schadenfroh: wie herzlich gon ich das ... dem verzweivelten bosen wurm zu Meintz (dem erzbischof), der des unglücks alles bisher meister gewest Luther br. 10, 125 W.; und sehr viele gabs, welche dem 'hochmütigen' Floris und der 'naseweisen' Athela jenes böse stündlein im geheimen ganz herzlich gönnten W. Raabe s. w. I 6, 202.
e) neben den obigen, die innere stellungnahme unterstreichenden zusätzen begegnen gelegentlich adverbien, die in einschränkender beziehung auf das sachobjekt das masz des gegönnten bestimmen: einmal war einer mutter ihr kind ... ertrunken, sie rief gott und seine heiligen an, ihr nur wenigstens die gebeine zum begräbnisz zu gönnen br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 40; die tage, die uns die vorsehung noch gönnen wird (les jours que la providence nous accordera encore) Mozin-Biber vollst. dt.-frz. wb. (1823) 423; s. auch gönnten ihm das leben kaum Weisze unter II A 1 bγ.
3) noch bezeichnender als die nähere bestimmung durch ein adverb ist die verbindung des wortes als abhängigen infinitivs mit einem verb, das den wunsch oder willen bezeichnet und damit die innere einstellung des gönnenden gegenüber einer vorzunehmenden handlung oder verhaltensweise unterstreicht.
a) das gilt besonders für wollen, mit dem gönnen seit dem mhd., vor allem aber seit dem 16. jh. in seinen verschiedenen bedeutungen sehr häufig verbunden wird.
α) in der einfachen aussage. gott oder höhere mächte als gönnend: und wird (dies büchlein) sonderlich handeln von der schnen lilien, welche gott der letzten welt gnnen wil Jac. Böhme theosophische send-briefe (1682) 20;

auch seelen, welche nicht gleich weisen denken können,
will unumschränkte huld ein ewig glücke gönnen
Kästner verm. schr. (1755) 1, 104;

doch da das schicksal ihn (den kurfürsten Friedrich v. Brandenburg)
der Marck nur wollen gönnen,
hat fremder kronen reitz ihn nicht bewegen können
Pietsch geb. schr. (1740) 98.

der mensch als gönnender:

so wil ich iu vröude gunnen, unt mir leid[e]s diewile ich lebe
Munegiur in: minnesinger 2, 63b v. d. Hagen;

lasz ab von der bethörten wuth;
wir wollen dir (Napoleon) noch friede gönnen,
bei welchem du sollst herrschen können.
das war das dritte wort der fürsten
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 49.


β) in verneinender aussage kommt entsprechend die mangelnde bereitschaft oder die bewuszte ablehnung zum ausdruck:

(gedicht auf eine tote:)
und warum sind wir nicht zugleich mit dir erblast?
jedoch gott wolte nicht uns das gelücke gönnen
Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 169;

silber und gold hatt ich vast vil,
der tod mir's nit mer günnen wil
N. Manuel 8 Bächtold;

[Bd. 8, Sp. 925]


der himmel wil nicht mehr der erde saamen günnen
Logau sinnged. 49 lit. ver.

hier besonders 'nicht erlauben':

wir wolden Rüedegêrengetragen haben dan:
des enwolden uns niht gunnendes künec Guntheres man Nibelungenlied 2313, 4 B.;

es geschach ouch jn deme selbigen jare, das dy von Erfforte grossze fede gewunnen, do hetten sy gerne volk uff dy borg geleyd, des en wolde her vn nicht gunnen Stolle thür. chron. 7 lit. ver.; wenn sie wüszten, wie ich heute darum gelitten habe, dasz sie mir nicht gönnen wollten, sie auf ihrem spazierritt zu begleiten Pückler briefw. u. tageb. (1870) 1, 462; ich ... hatte dir nicht wollen gönnen, dasz du mit mir zugleich bei ihm wärst, ich wollt ganz allein mit ihm sein Bettine Günderode (1840) 2, 189.
γ) in einer persönlich gerichteten bitte oder einer frage: (so) wol uns e. f. g. gynden und zulossen (Weyersheim 1525) d. dt. bauernkrieg 192 Franz;

wollt ihr und mir bey euch ein kleines räumlein günnen
S. v. Birken ostl. lorbeerhayn (1657) 89;

willst du denn deinem Georg nicht auch ein wenig kriegsruhm gönnen? W. Hauff s. w. (1890) 1, 48.
δ) in bedingungssätzen:

wann mir die götter wol besunnen,
das leben länger wöllten gunnen,
so wer durch sie die statt ausz zwang,
errettet vor dem vndergang
Spreng Äneis (1610) 37b.

besonders wenn sie an den gönnenden persönlich gerichtet sind:

man sagete mînem herren,Kriemhilt sî âne man,
her Sîfrit sî erstorben.und ist daz sô getân,
wolt ir ir des gunnen,sô sol si krône tragen
vor Etzelen recken:daz hiez ir min herre sagen Nibelungenied 1199, 3 B.;

wenn ihr mir ein geneigtes gehör gönnen wollt Göthe I 22, 25 W.; es würde mich sehr glücklich machen, mit einem manne wie sie näher bekannt zu werden, insoweit sie mir diese ehre gönnen wollen Holtei erz. schr. (1861) 2, 20.
ε) im abhängigen satz nach einer bitte: kemen die selben zwene mit einander zum schultheiszen und beten ine, das er ine gonnen wolt, das sie sich einten (1449) weisth. 6, 32; das ir uns wöllent gunnen vische zu koufen (Straszburg 15. jh.) bei Martin-Lienhart 1, 222a; so bitten wyr sie (die bilderstürmer) n gar freuntlich, wollten uns doch auch gonnen zu thun, das sie selber thun Luther 18, 82 W.
ζ) mit wollen in sehr abgeschwächtem sinn: in bei sein eyner grossen menig des volcks von Rom vnd von Alba, die schawen wolten wem die gött des siegs vnd der ehren günden wolten Carbach Livius (1551) 9a; ich wollte den Süddeutschen die strafe gönnen, Östreichs ruin mit zu erleben und vom zollverein abgelöst zu werden briefw. zw. Freytag u. Treitschke (1900) 105.
η) in erweiternder verbindung mit adverbien, namentlich im 16. u. 17. jh. wohl gönnen wollen: er hat ainer ringen burdin begeret und erwelt im selber die swärsten; wir wöllens im wol günden Steinhöwel Äsop 43 lit. ver.; ich (Luther) wolt ihn, der doch mein ergester feindt ist, wol gunnen, das er babst wer Luther tischr. 1, 330 W.; ich wölt eüch wol ginnen, das ir wisztendt wie weit sich ewer gwalt und alle öberkeit strackte Eberlin v. Günzburg 3, 119 ndr. gern gönnen wollen: darüm spricht s. Paul zun Corinthern aus groszem mitleiden und erbarmen also: wollt gott, ihr regiretet! o, wie gerne wollt ichs euch gönnen Luther tischr. 4, 453 W.; das studieren lest sich gar miszlich unnd schlim an ... ich wil einem andern die lust für mir gerne gönnen Schoch com. v. stud. leben (1657) f 4b. ungern gönnen wollen: gott hat dein vergessen, er will sich dein nit annemen, er will dich erhungern und wolt dir ungern ein stuck brods gönnen Luther 52, 172 W.;

sein stieff-sohn, der Tiber(ius) den er nicht leiden können,
genoss, was doch August ihm ungern wollen gönnen
Besser schr. (1732) 1, 12.

[Bd. 8, Sp. 926]


b a z gönnen wollen: so wolt er gedachte sein jungere dochter, fröle Anna, niemandts basz, dann seiner sön ainem gonnen Zimmer. chron. 21, 123 Bar. lieber gönnen wollen: dan iuncker Peterman von Offenburg hab sy wellen kouffen und 600 guldin bar gen, noch hab er miers lieber wellen gönnen Th. Platter 96 Boos; einen schatz ..., den er (der vater) mir ... lieber als meiner mutter gönnen wollte Göthe I 23, 51 W.
b) nahe verwandt, aber ungebräuchlicher ist der ausdruck gönnen mögen: darumb werden sie (die anhänger des papstes) der gnedigen straffe nicht werd sein, das sie erhenckt, ertrenckt, geköpfft, verbrennet würden, welchs jnen zu wundschen were und ich wol gönnen möcht Luther 50, 88 W.; zum neuen ankömmling meinen herzlichen glückwunsch. ich hätte ihnen (Göthe) wohl ein pärchen gönnen mögen, aber dazu kann ja rath werden (1795) Schiller br. 4, 312 Jonas; sie möchte sich denn noch durch einige erfolge in der litteratur uns bemerkbar machen, was ich dem armen dinge doch von herzen gönnen möchte A. v. Droste-Hülshoff br. (1893) 222; vgl. auch schweiz. id. 2, 332.
ähnlich im mhd. gunnen geruochen:

ouch sülnt ir vallen an iuwer knie
und sülnt got flehen hie
daz er geruoche gunnen mir
daz ich zwischen iu und ir (Isolde)
gerede ein ganze suon Tristan als mönch 2264 Paul.


c) von anderen verbindungen sind nur die mit sollen und müssen noch bemerkenswert, weil sie einen äuszerlich-rechtlichen oder moralischen zwang bezeichnen, unter dem gegönnt wird und der der eigentlichen wortbedeutung von gönnen als einer freiwilligen, bereitwilligen einstellung entgegengesetzt ist.
α) gönnen sollen, besonders in spätmittelalterlichen rechtsverordnungen: so sol der schultheis dem butel von Remlingen darnoch günnen zu pfenden (1448) weisth. 6, 61; ein erbherr sall gonnen gutt zu teilen also, dasz es ihm nicht schetlich sey an seinen erbzinssen stadtrechte v. Eisenach, Gotha u. Waltershausen 221 Strenge-D.;

den andern soll er (der mensch) ginden
als jm das süsz vnd saur reform.-flugschr. 3, 303 Clemen.


β) gönnen müssen: sondern, da wir gehort, das er (ein geistlicher) von der stat Stetin vrlaub genomen vnd nu frey were, vnd gesehen, das er geneigt, sich zu denen von Luneburg zu begeben, haben wirs mussen zulassen vnd im gonnen, das er sich verbessert, vnd solchs also von seinen wegen dem rat zu Luneburg zugeschrieben Luther br. 8, 65 W.; aber der vberwundene, welcher einem andern das kräntzlin gunnen muss, verbirgt sich stillschweigend Heyden Plinius (1565) 428; sie müssen ihm (dem onkel) unter allen umständen das wort gönnen. es bleibt doch immer die möglichkeit seiner zustimmung Fontane ges. w. I 5, 68; den rest meiner crêpes muszt du mir schon gönnen Feuchtwanger Simone (1950) 61.
4) seit dem spätmhd. und vor allem im 16. und 17. jh. zeigt sich auch bei gönnen die besonders in der kanzleisprache gepflegte neigung, einem wort durch koppelung mit einem ähnlichen gröszeres gewicht zu verleihen. für die grundbedeutungen des wortes sind diese 'synonymen' reihungen aufschluszreich:
a) entsprechend I A 'zuteil werden lassen, gewähren'. gönnen und verhängen:

warumbe dû (gott) gunde
unde verhengte des.
daz der mordær Johannes
sô gar umbsust hât getân
den tôt disem man
Ottokar reimchron. 94 748 Seem.

gönnen und verleihen: alle geistliche gter sind ... in des römischen papsts gewalt und mag er dieselbigen verlyhen und günnen wem er will (1523) Zwingli dt. schr. 1, 132 Schuler-Sch. besonders in der alliterierenden verbindung gönnen und geben: es steht alles in der handt

[Bd. 8, Sp. 927]


gots, ein ding zu brauchen, nit wie wir wöllen, sonder wie ers vns günnt vnd gibt S. Franck sprüchw. (1541) 1, 97a;

einem hauszhalter geburts ja wol,
waz im got gibt vnd gunt almal ...
Tobias Stimmer comedia (1580) v. 159;

wer eines dings nicht werth ist, dem gönt vnd gibt es das glück Lehman floril. polit. (1662) 1, 367; wie sehr danck ich ihnen, dasz sie mir diese musze geben und gönnen Göthe IV 8, 262 W. gönnen und schenken: so hab ich dannoch (trotz zeitmangel) meinem versprechen etlicher massen ein genügen zu thun, diejenigen stunden so ich meiner freyheit gegönnet und geschencket, darzu angewendet Corn. Nepos zueignung (1658) 5b.
b) entsprechend I B 'gestatten, erlauben', besonders rechtssprachlich. gönnen und erlauben: und haben (wir) in (ihnen) von sundern gnaden erlaubt und gegunnet, erlauben und gunnen in auch mit dem brief, ain insigel ze machen und ze haben (Wien 1395) O. Stolz deutschtum i. Südtirol 2 (1928) 242; (Nürnberg 1422) städtechron. 1, 246; wann wir doch dehainem der unsern ungern wider yeman ichtes günden oder erlauben wölten, da er nit rechtens zhette (Augsburg) städtechron. 5, 347; manus remittere in aleae ludo seinen gesellen der gefält hat, ein anderen wurff lassen thn, jm ein anderen wurff gunnen oder erlauben Frisius dict. (1556) 802a. gönnen und verwilligen: darumb so sollent sie alle fürbas einen glichen stubenzins geben, einer sovil als der ander. und daruf an unser herren meyster und rat und die 21 begert haben inen das zu günnen und zu verwilligen, so habent die rete und 21 inen das gütlich zugelassen und verwilliget (1493) bei Schmoller Straszb. tucherzunft (1879) 97. gönnen und zulassen: dasz sie Hannibal einlassen solten, vnnd er jnen günden vnd zlassen bei jren alten herkommen vnd freiheyten z bleiben Carbach Livius (1551) 122a. gönnen und gestatten: (Emser) soll uns von menschengesetzen frey geben ... odder ... doch günnen und gestatten, das wir sagen mügen, sie seyen uns nit noth noch nütz Luther 7, 669 W.
c) entsprechend II B 'etwas künftiges gern zubilligen, wünschen'. gönnen und wollen: er will vnd gönd jm (ein christenmensch seinem nächsten) das er ewiglich selig werd Keisersberg bilgersch. (1512) b 6a. gönnen und wünschen: von hertzen wündschen und gönnen wir jhnen (den mönchen) die seligkeit und das ewige leben (1545) Luther 51, 18 W.;

ich bin ein freund der klosterländer
und gönn und wünsch insonderheit
den rechten kern der segenspfänder
der jüngferlichen geistlichkeit
(d. h. es möge den nonnen in dem kloster gut gehen)
Hagedorn poet. w. (1757) 3, 176.

gönnen und begehren: günne vnd beger deim nähsten ewige sälikait Keisersberg pred. teütsch (1508) 39b.
B. neben der grundstruktur jmd. etwas gönnen — d. h. einer person (dat.) eine sache (akk.) oder einen sachverhalt (dasz-satz, infinitiv mit zu) — haben sich andere charakteristische verwendungen herausgebildet: das gegönnte ist nicht eine sache, sondern eine person (1 a); oder es wird nicht einer person, sondern einer sache etwas gegönnt (1 b); für sich zu nehmen ist der reflexive gebrauch (1 c). auch die passivkonstruktion sowie das participium perfecti gegönnt sind gesondert zu betrachten (2), dazu die gerundivische wendung es ist ihm zu gönnen (3).
gelegentlich wird das akk.-objekt durch eine zweckbestimmung ergänzt, ohne dasz sich dadurch für gönnen selbst etwas besonderes ergibt:

vrouwe Minne, ich wil dir danken, ...
daz du mir ze vrouwen vunde,
der ich min ze dienste ie gunde minnesinger 1, 353b v. d. Hagen;

(in dem testament der messe werden die einzelnen gegenstände bestimmten personen vermacht) die stol hab ich gegunnen Johannes Giggis Gäggis; der hat vil kleiner kinden, z einem wiegenband N. Manuel 235 Bächtold;

[Bd. 8, Sp. 928]


gönne dem herbst zum eigenthume
den blossen glanz doch, der ihn schmückt!
ist denn die aster keine blume,
weil dich die rose höher entzückt?
E. Geibel neue ged. 12125.


1) besonderheiten hinsichtlich des inhalts oder des zieles von gönnen (d. h. des akk.- [älter des gen.-] oder des dat.-objekts).
a) dasz auch eine persongleichsam als ein sachwertjmd. gegönnt wird, ist eine schon seit dem ahd. vorhandene möglichkeit.
α) gott oder höhere mächte als gönnend:

bigínnu ih hiar nu rédinôn, uuio er bigónda brédigôn
joh méistera ther uns ónda, sámanôn bigonda
Otfrid II 7, 2 Piper;

(Laudine will Iweins gemahlin werden)
ob mir iuwer got gan,
sô bin ich wol mit iu bewart
vor aller vremden hôchvart
Hartmann v. Aue Iwein 2324;

(der teufel kann) also das hertz treiben und engsten, das sichs mit solchen gedancken zuplagt: wer weis, ob dich gott auch haben und Christum dir gönnen wil? Luther 17, 2, 20 W.;

darumb ich bitt
vnd danck damit
gott, dasz er wolte gonnen
das englisch heer
mit grosser ehr
vns zum schutz, trost vnd wonne
Wegelin bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 3, 234;

(das neugeborene töchterchen sagt zum vater:)
viermal war euch der himmel willig
und hat den kühnern wunsch erfüllt,
so gönnt er jetzt einmal wie billig
der welt ein mutterebenbild
Mörike w. 1, 154 Maync;

die bedeutung schwankt in diesen fällen, in denen gott (bzw. Christus) der gönnende ist, zwischen 'gnädig zubilligen' (vgl. II) und 'gnädig zuteil werden lassen' (vgl. I), da ja jede zubilligung gottes gleichzeitig nach auszen wirksam wird. dasselbe gilt für die fälle, in denen anderen mächten die gnade und zugleich die macht und wirksamkeit des gönnens zugeschrieben wird: aber noch zehnfach mehr dank ichs ihnen (den göttern), dasz sie mir ... diesen murrkopf, diesen Sokrates zum lehrer gönten A. G. Meiszner Alcibiades 1 (1781) 195; die braut wird desz sein, dem sie das glück gönnt celui qui sera favorisé de sa fortune aura l'épousée Rondeau dt.-frz. wb. (1740) Pp 1b; Schwan nouv. dict. (1783) 1, 777b; als 'gnädig belassen': die letzten schönen tage, die das schicksal uns ihn (vor seinem fortgang) noch gönnt E. M. Arndt w. (1892) 1, 108.
β) der mensch als gönnend.
αα) 'jemanden einem anderen zur dienstleistung zur verfügung stellen, ihm das recht einräumen, jemandes dienste in anspruch zu nehmen':

ich wil ouch mit mir füerenfünf hundert mîner man,
der ich iu ze dienstemit rehten triuwen gan Nibelungenlied 1284, 2 B.

(vgl. mhd. erbunnen Nibel. 2304, 4 B. im gegenteiligen sinne 'wegnehmen, rauben'); so soll der ammeyster macht und gewalt haben demselben frembden ein boten zu gönnen (1509) bei Schmoller Straszb. tucherzunft (1879) 203; und wenn man marggraff Hansen ret (= räte) nit wolt günnen gen Lichtenburg in das slosz, so gaben sie zu erkennen, daz man ... (Nürnberg 1444) städtechron. 2, 67; Procida sollt ich (als gesellschafter) um mich haben, wenn ihn mir meine mutter gönnte Lenz d. sicilian. vesper 18 Weinhold. ähnlich 'erlauben, sich an jemandem zu erfreuen':

dô was ab ich sô vrô der stunde
und der vil kurzen wîl daz man der guoten mir ze sehenne gunde
Reinmar in. minnesangs frühling 164, 26.


ββ) in speziellem sinne umschreibt gönnen hier die zustimmung dazu, dasz jemandem ein mädchen zur ehe gegeben

[Bd. 8, Sp. 929]


wird, vgl. auch ob. Zimmer. chron. unt. A 3 a η, unten Göthe I 24, 171 W. unter 2 aβ αα:

daz si (die fürsten und bürger) wolden nemen war,
ob sîn der herzog wære wert,
daz er irer juncfrouwen gert.
und dô siz erkunden,
vil wol si im ir gunden
Ottokar reimchron. 75 400 Seem.;

mein lieber Götz, wilt du dann mein mümlein nemen zu der ee, der wil ich dir wol günnen Albrecht v. Eyb spiegel der sitten (1511) bb 3a;

ich liebe Agnes, gönnt sie mir zur gattin
maler Müller w. (1811) 1, 222;

Grillparzer s. w. 8, 103 Sauer. die 'einwilligung' kann dabei entsprechend II A 1 auf die 'innere zubilligung' beschränkt bleiben, vgl. auch Lessing 2, 11, 17 L.-M. unter A 2 c γ: (Lotte) fand keine (ihrer freundinnen), der sie ihn (Werther) gegönnt hätte Göthe I 19, 163 W. auch in übertragener verwendung: (Paulus sorgt sich um seine kirche:) ja ich bin neidisch, und eivere umb euch ... das ich euch keinem andern gan, denn ich fürchte nichts so hoch, denn das nicht der teufel umb euch bule und euch von Christo reisse Luther 41, 560 W.
γγ) andere fälle sind selten: und was liegt daran, ob ihr die alte Zunzen das kleine (ein kind) gegönnt hat oder nicht! nun sind sie tot Fontane ges. w. (1905) I 2, 45; ich will auch keine kinder, denn ich gönne sie der sklavenwelt nicht Hölderlin ges. dicht. 2, 178 Litzm. mit einer sachvorstellung als dativobjekt:

und warum gönntest du mich nicht dem Weichselstrande?
Rost verm. ged. (1769) 17.

mit dem ton der schadenfreude, entsprechend II A 2: o wie grundlich gan ich dem bapst solch schyrm leütt (wie die theologen in Paris). er ist keyner besser wirdig Luther 9, 743 W.
b) als ziel des gönnens (dativobjekt) werden seit dem 16. jh. (Fischart) und besonders seit dem 18. jh. in dichterischer sprache auch eine sache, ein sachzusammenhang oderstatt der personorgane oder gemütszustände der person genannt; doch bleibt hier immer eine personvorstellung erhalten. das verb hat meistens die grundbedeutung I.
α) dativobjekt ist eine sache oder ein sachzusammenhang. dichterisch preziös:

sag o sonne meiner seele, sage doch, wo weidest du?
welchem thale, welcher höhle gönnst du deine mittagsruh?
(in quo loco quiescis?)
Opitz bei
Steinbach dt. wb. (1734) 1, 618.

zu I A 'zukommen lassen':

und gab dir die natur, ein fühlend aug zum weinen,
gönn eine zähre nur der welt entrisznen steinen
Kästner verm. schr. (1772) 2, 261;

du mögest demjenigen, was du den französischen schaum nennst ..., einige gewichtige worte gönnen Göthe IV 42, 150 W.;

den säulenschlanken dächern
gönnt er keinen blick
Geibel ges. w. (1888) 5, 13;

si setzen frey die netten füszchen drein,
und gönnen nur dem rechten erst die ehre
Ramler fabellese (1783) 1, 94;

Mira, ... die öfter von Berlin nach Langendamm kam ..., um ihrer kasse ... in der ländlichen stille etwas erholung zu gönnen Polenz Grabenhäger (1898) 1, 68; (manche gelehrte) würden mehr dabey gewinnen, wenn sie dem magen die nöthige zeit und kraft zur verdauung gönnten und erst alsdann wieder an ihre geistesarbeiten gingen Bremser mediz. parömien (1806) 216; von diesem standpunkt aus haben wir auch einigen umfangreichen zeitungsartikeln ... hier raum gegönnt W. Scherer kl. schr. (1893) 1, viii; es ist nicht der zufall, der dich hertreibt, denn ich weisz, wie wenig raum du dem zufall in deinem leben gönnst W. Raabe s. w. I 3, 196; sie (die romantische kunst) verwebt ihr inneres auch mit der zufälligkeit der äuszeren bildung und gönnt den markirten zügen des unschönen einen ungeschmälerten spielraum

[Bd. 8, Sp. 930]


Hegel w. (1832) 10, 2, 133. vereinzelt soviel wie 'überlassen':

doch wächst das ungestüme meer im sturme ...
dann läszt der seemann seine mühe fahren,
und gönnt das boot dem tanz der elemente
Werfel d. Troerinnen (1920) 74.

zu II A 'innerlich zubilligen': sie (die französische sprache) wird in gewissen regionen der gesellschaft und in gewissen geschäften immer eine art herrschaft, wenigstens ihre usurpirten rechte ausüben ... jenen platz gönne ich ihr wenigstens ohne unruhe W. v. Humboldt br. an Welcker (1859) 25 Haym; mit dem unterton der schadenfreude: der directeur und bouffon hielten dicke röthelstifte in der hand und strichen die schauspiele durch; der erste nannte es edler — zusammenstreichen — der zweite richtiger — umarbeiten. wenn ich es jenen werken (anderer) etwas gönnte und daher meine schadenfreude eine ähnliche strafe verdienen möchte, so erbiete ich mich hier, ... dies (mein) lustspiel ... umzuarbeiten Brentano ges. schr. (1852) 7, 10.
β) dativ ist ein seelischer wert oder eine betätigung des menschen, die als abstraktum personifiziert erscheint:

die liebe sucht ...
im schmertzen ihre lust, schleuszt dessen hertze zu
der ihr die augen gönnt, heiszt knechte nach den frauen,
den edlen nach der magd, den greisz nach jungen schauen
Opitz opera (1690) 1, 59:

(Leo:)
wer wird die freche faust in eisen schlieszen können.
(Exabolius:)
wo keine stärcke gilt, musz man der list was gönnen
Gryphius trauersp. 27 Palm;

darum richte dein herz zu einem ziele der hofnung,
andern gönne nicht raum; mäszigung heiszet dies ziel
Herder 26, 15 S.;

es war ein sündengeld, ich habe es gut angewandt und meinem vergnügen keinen thaler davon gegönnt Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 326;

weil du die lehren
der salze kenst
und manche stunde
der kräuterkunde
auf fluren gönst?
Goekingk ged. (1780) 1, 316;

hierin verliesz er sich auf die zeugnisse der lehrer, deren studium er immerhin eine stunde gönnte Herm. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 76.
γ) dativobjekt ist ein organ des menschen, das in einer bestimmten hinsicht für diesen selbst steht:

dem leib ein räumlein gönn
bei frommer christen grab,
auf dasz er seine ruh
an ihrer seiten hab
Heermann (1630) in: Leipz. gesangb. (1753) nr. 584;

iezt nagestu am hunger-tuch,
ich gönn es deinem stolzen herzen
Stieler geharnschte Venus 38 ndr.;

gönne dem gepreszten herzen
die so lang entbehrte lust
Grillparzer s. w. 4, 40 Sauer;

da sitzen wir wieder, uns nach des tages arbeit ... zu erholen und dem abgespannten geiste die nötige ruhe zu gönnen W. Raabe s. w. I 6, 369.
c) reflexiver gebrauch.
α) die reflexive verbindung 'sich etwas gönnen' schlieszt an beide grundbedeutungen des verbs an.
αα) zunächst zu II, wenn der folgende beleg hierher zu stellen ist:

er (Tristan) sprach 'frouwe, tuont iûwerm libe
swaz ir guotes kunnent,
ob ir iu êren gunnent.
wir suln varn zeiner hôchgezît' Tristan als mönch v. 284 Paul;

der alt gunt ouch im das er will wyse gesehen werden Terenz (1499) 23a. entsprechend II B 1 zur bedeutung 'wünschen', 'begehren' gesteigert:

sô bist duz alterseine
der ich mir ze frouwen gan
Hartmann v. Aue klage 1737 Bech;

[Bd. 8, Sp. 931]


günnen sich net 'z baip von den andern (nicht begehren des nächsten weib) Schmeller cimbr. 189a.
ββ) meist aber drückt das reflexiv gebrauchte gönnen eine auch nach auszen wirksame stellungnahme sich selbst gegenüber aus. die bedeutung schillert dabei oft zwischen 'sich etwas gutes oder angenehmes zukommen lassen' (zu I A 3) und 'sich etwas gutes erlauben bzw. sich einräumen oder zugestehen, es zu haben' (I B 2). selten tritt die bedeutung 'zukommen lassen' klar hervor: nun ist das püppchen eine kommerzienrätin und kann sich alles gönnen, auch das ideale Fontane ges. w. (1905) I 8, 14; liebe kleine mama, gönn dir viel gute und freudige ruhe Rilke br. 2 (1950) 424.
die mehrzahl der fälle spielt dagegen mehr oder minder nach 'zugestehen, einräumen' hinüber, seit dem spätmhd.: ganst dû dir selben guotes, dû solt ouch im (deinem nächsten) guotes günnen Berthold von Regensburg 1, 359, 20 Pfeiffer;

jeglicher günt jm selbs das best (bei tische),
warumb solt ich dann sein der letst?
Scheit Grobianus 29 ndr.;

ein jeder gönt jhm selber am meisten Petri d. Teutschen weiszh. (1605) V 7b; i' gunnat mer woll a~ glâsúl, àffer is tràggús èt! Lexer Kärnten 127.
in der verbindung mit nicht oder kaum tritt dabei der beweggrund des geizes besonders hervor: aber zu einem geitz wanste werden und den pfenning so hoch halten, das du ihnen dir selbst und andern zu gebrauchen nicht gonnest, ... das ist zumahl ein schendlich laster Luther 47, 357 W.; es ist kein schendlicher ding, denn das einer jm selbs nichts guts gönnet, vnd das ist die rechte plage fur seine bosheit Jesus Sirach 14, 6; noch gönnt er jm selbs nit die speyss Herold-Forer Gesners thierb. (1563) 470;

er gönnt sich selbst kaum einen biszen und überzehlt nur stets sein geld
J. Chr. Günther s. w. 4, 246 Krämer;

de gönnt sech net de schum van de bottermelk rhein. wb. 2, 1492;

denn er selbst,
er gönnt sichs nicht. pfui alle knauserei
Grillparzer s. w. 8, 13 Sauer; 12.


γγ) seit dem 18. jh. hält sich das wort bis zur gegenwart in verbindung mit wenigen ziemlich festen objektvorstellungen wie ruhe, rast, erholung, genusz (oder die zeit zu ihnen). dasz man sich dabei weniger etwas 'zukommen läszt' als sich 'einräumt, zugesteht' (s. I B 2), kommt in den negativen aussagen noch deutlicher zum ausdruck als in den affirmativen: ich hoffe zwar, dasz ruhe und pflege, die sie sich wenigstens in Salzburg werden gegönnt haben, alles so ziemlich wieder gut gemacht haben wird Lessing 18, 24 L.-M.; den tag, als er angekommen war, gönnte er sich ruhe Stifter s. w. 3 (1911) 89; wer sich ruhe gönnte in Florenz, trat in den hintergrund Herm. Grimm Michelangelo (1890) 1, 92; die erholung, die er sich gönnt O. Ludwig ges. schr. (1891) 1, 144; mitunter gönnte sie sich einen stillstand in der arbeit Fontane ges. w. (1905) I 5, 4;

doch tretet ein, gönnt euch ein ruhestündchen,
ihr seid gewisz recht müd' und wandermatt! moderne dichtercharaktere 292 Arent-C.-H.;

dort gönnt sich frau Hart nach vollbrachtem tagewerk eine stunde der erholung Holtei erz. schr. (1861) 5, 10; er (d. erzbischof v. Lima) füllte viele merkbücher mit seltsamer wissenschaft an, für einen unterhaltsamen lebensabend, den er sich daheim in Spanien auf seinem landgut bei Segovia zu gönnen gedachte Thornton Wilder d. brücke v. San Luis Rey (1952) 76; erst in seinem fünfzigsten jahr gönnte sich mein vater zum erstenmal den luxus, mit meiner mutter für einen monat im winter nach Nizza zu fahren St. Zweig welt v. gestern (1947) 24. häufig einschränkend durch nur o. ä.: der könig gönnte sich nur kurze rast A. v. Arnim s. w. 3 (1857) 328; auch jetzt kam er nur für eine viertelstunde, ... und gönnte sich nur ein paar schritte sorglosen auf- und abwandelns Herm. Hesse

[Bd. 8, Sp. 932]


glasperlenspiel (1943) 1, 342; zeit zum atemholen hab ich mir alleweil noch gegönnt O. Ludwig ges. schr. (1891) 2, 9; es schien mir immer möglicher und leichter, mich mit meinen sternen zu versöhnen und mir von der tafel des lebens noch den einen oder anderen schönen bissen zu gönnen Herm. Hesse Peter Camenzind (1950) 152; 172; kaum gönnte man sich die ruhe der nacht Ruge briefw. u. tageb. (1886) 2, 23;

anderthalb tag' arbeitet er (der riese) so, kaum gönnet er zeit sich,
speise zu nehmen und trank, bis die letzte seite gefüllt ist
Mörike w. 1, 71 Maync.

negierend: er gönnte sich keine ruhe, er schlief kaum Steffens was ich erlebte (1841) 3, 310; er gunnet sich keis rüeli (nicht die geringste ruhe) schweiz. id. 2, 332; keinen augenblick der ruhe, des athemholens gönnte er sich bei der arbeit W. Raabe d. hungerpastor (1864) 1, 141; sie (die menschen) gönnten sich die zeit und mühe nicht, sich gegen die furcht stark zu machen Herm. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 28.
δδ) in der verbindung niemand etwas gönnen als sich selbst oder jmd. mehr oder weniger gönnen als sich selbst meint das verb besonders die innere zubilligung, zu II A 1 a: das kain volck auf erdtrich ist stoltzer vnd hoffertiger vnd nyeman kainer eeren günnen noch zulegen mag dann ynen selb Fortunatus (1509) 102 ndr.; darumb nennet man einen eygennützigen, der niemand guts günnet, denn yhm selbs ... eynen hund Agricola sprichwörter (1534) 403; allein Hans koch günnet niemandt der ehr, dann ihm selbs sprichw., schöne weise klugr. (1570) 25b; wenn meine gesundheit mich nicht hindert, eine arbeit auszuführen, mit der ich jetzt umgehe, so gönne ich die marmorbüste niemanden anders, als mir selbst (1794) Schiller br. 4, 36 Jonas. in gleicher richtung liegend zur umschreibung eines herzlichen wunsches, entsprechend II B 1:

vil mêre iröiden ich ir gan dann ich mir selben gunde
Reinmar in: minnes. frühling 198, 26;

die christliche liebe ... will, man soll den nächsten lieben als sich selbsten. wer könte mir aber näher sein als ich? ich sage, mein weib vnd kinder? denen ich ja die ewige wolfart billig so wohl gönnen solle als mir selbsten Moscherosch insomnis cura par. 133 ndr.
gelegentlich aber auch von einer äuszerlich vollzogenen zubilligung, entsprechend I B 2: all menschen sein mêr genaigt zu tadeln dan zu loben, ain ieder günt im selber mêr guets dan seinem nechsten; eim ietlichen ist das hemmet nêhner dan der rock Aventin s. w. 4, 8 bayer. akad.; er gönnt weder sich noch andern etwas gutes nec sibi bene esse potest pati, nec alteri Serz teutsche id. (1797) 56b.
β) die verbindung sich (akk.) jemandem gönnen oder auch sich einer sache gönnen bleibt auf die gelegentliche verwendung in dichterischer sprache beschränkt (im anschlusz etwa an I A 2 b):

wærent ir nû wîse
ir holtent iuwer spîse
hie mit vollem munde,
wan ich iu mîn wol gunde (dem wolf oder bären zur speise)
Hartmann v. Aue Erec 5853;

daz ich im mîn gunnen sol (zur gemahlin) derselbe Iwein 2068;

gewisz, wenn mein Adonis nur
sich seiner sklavinn gönnte
Kretschmann s. w. (1784) 5, 75;

freude! nun wendet sie sich gegen uns, steht, und gönnt sich der liebenden blick,
sich der betrachtung!
Klopstock oden 2, 53 M.-P.;

ich schliesze mund und augen
und sinke in den schosz der neuen stürme,
vnd gönne mich dem tanz der himmlischen
Werfel d. Troerinnen (1920) 75.


γ) mundartlich begegnet die wendung sich wohin gönnen 'sich wohin wünschen': bia in sain homant günnet sich vorloarandar roméar (wie nach seiner heimat sich wünscht

[Bd. 8, Sp. 933]


ein verlorner pilger) Schmeller cimbr. 189a; vgl. auch rhein. wb. 2, 1492 unter 3.
δ) auch die wendung sich nicht gönnen 'sich nicht glücklich, heimisch fühlen, heimweh haben' scheint mundartlich beschränkt zu sein: he gönnt sech net on dem haus (on dat h.) rhein. wb. 2, 1492.
2) das participium perfecti gegönnt.
a) in der passivkonstruktion es ist ihm gegönnt.
α) selten wird dabei der gönnende miterwähnt: das liecht vnd der schein der sonnen ist jhnen (den geistern) von gott verbotten, vnd nit gegönnt noch zugeeignet volksb. v. dr. Faust 73 ndr.; der kayser war kaum vom pferd, da kam einer und klagte, dasz ihm von hoher hand eine kleine präbende gegönnet sey. allein die canonici fordern ... viel statuten-gelder Schupp schr. (1663) 78; von der ... druckfreiheit kann man ... nicht sagen, dass sie ... vorhanden sey, wo sie den schriftstellern bloss durch den guten willen der gerade jetzt regierenden gegönnt wird, wenn sie nicht durch ... gesetze gesichert ist Europa 2, 75 Schlegel.
β) in den meisten fällen ist der gönnende aus dem zusammenhang leicht zu ergänzen.
αα) das verb zielt hier gewöhnlich auf die grundbedeutung I 'zuteil werden lassen': dem selben Menelao nit so vil z schaden komen mag ain nachte die mir gegöndt wirt Niclas v. Wyle translat. 64 Keller;

einen solchen gwalt häst du bekommen,
welcher den englen nit ist gunnen (um 1600) in: schweiz. id. 2, 333;

welchen falls dann ihme ... auch die freyheit seine handlung und kummerschaft neben diesem gewerb vortzuführen gegönt ... werden solle (1666) bei Schmoller Straszb. tucherzunft (1879) 338; und bei dieser wie bei der vorigen (edition von kabale und liebe im Schwanisch-verlag) ist mir nicht ein wort gegönnt noch viel weniger ein honorar angeboten worden (1788) Schiller br. 2, 46 Jonas; leicht steigert sich dem dichter das interesse an den charakteren der gegenspieler so hoch, dasz auch diesen reichliche einzelschilderung, eine theilnahmvolle darlegung ihrer strebungen und ihrer kampfstimmung und ein besonderes schicksal gegönnt wird G. Freytag ges. w. 14 (1887) 40. oft mit neigung zu der engeren bedeutung I B 'erlauben, einräumen': vnnd dem anclager ... soll gegunndt werden, das die leut ... zu vnnd von jme wandelln mogen Carolina 1, 15 Kohler; vnd die vbrig landtschafft am gepirg ist denen inn Caria vnd den Pegadensern z besitzen vnnd einzenommen gegund worden Boner Herodot (1535) 83a; für der welt ist solches lesterlich und unehrlich, das diesem priesterthumb (Christi) der ort z seinem opffer nicht soll gönnet werden, welchen kue und kelber hetten (die auf dem altar geopfert wurden) Luther 52, 238 W.;

das kelbern fleisch jn (den schwangern) auch wirdt gundt
Ruoff hebammenbuch (1580) 247.

zwischen I A und I B schillernd: mag ihm (dem aufsatz) nun an dieser stelle ein platz gegönnt sein Göthe I 7, 154 W.
auch mit einer person als gegenstand des gönnens (siehe III B 1 a β ββ und γγ): so nement die heimlichen rat ein fürsprechen. der wurt ihnen gundt Endinger judenspiel 98 ndr.; genug, die sache ist abgethan, Lucinde ist ihnen (anrede) gegönnt (zur gattin) Göthe I 24, 171 W.
ββ) selten steht das wort im sinne innerer zubilligung, entsprechend II. nur der satz es ist euch gern (wohl) gegönnt und die entsprechende verneinung das ist mir nicht gegönnt sind zu festen wendungen geworden:

ich mahnt' es fleiszig an es sollt sein nicht vergessen,
es sey ihm wohl gegnt, es solt sich fein sath essen Reinicke fuchs (1650) 287;

es (das essen) ist euch gegönnt, greift zu Tieck schr. (1828) 5, 525. auch mundartlich: nett (nehmt) üch doch, et ös üch gegonnt! zuspruch zum zugreifen beim essen rhein. wb. 2, 1491; dat was mi nig günnt sagt der gemeine mann mit einer art von aberglauben, wenn ihm ein stück brod aus

[Bd. 8, Sp. 934]


den händen fällt Dähnert plattdt. 164b; Woeste westf. 87b. entsprechend die beteuerung: gunn derús! (= ich gönne dir es) sagt man zu einem, dem beim essen etwas in die luftröhre kam, weil man meint, dass dieses durch den neid eines tischgenossen geschehen sei Lexer Kärnten 127. auszerhalb festen formelgebrauchs: eines feinde (d. i. dem feinde jemandes) were aber der tod am liebsten gegönnet Treuer dt. Dädalus (1675) 1, 874; eine reise nach Italien ... wird einem so unterrichteten manne ... gern gegönnt Göthe I 49, 1, 250 W.
γγ) die formel das sei dir gegönnt oder es möge mir gegönnt sein ist seit dem anfang des 19. jhs. bezeugt: das sei dir als erklärung gegönnt A. v. Arnim s. w. 15 (1857) 101; und mir sey gegönnt hier jener treuen jugendforschungen zu erwähnen Göthe II 7, 181 W.; mögen sie noch lang auf dieser sonnigen höhe wandeln und es mir gegönnt sein, mit dem ächten freundschaftsgefühl ihnen noch eine weile folgen zu dürfen (1891) Rodenberg an C. F. Meyer in: br. 311 Langm.
γ) seit dem ende des 18. jhs. begegnen häufiger fälle, in denen die vorstellung von dem, der gönnt, unklar bleibt.
αα) zum teil sind es einfach die umstände, durch die etwas gegönnt ist: ich werde die musze, die mir gegönnt ist, zum dienste derer anwenden, die an meinen arbeiten einiges gefallen haben können Göthe I 40, 191 W.; dem localen einflusz der katholischen magnaten ... war ein bei weitem gröszerer spielraum gegönnt Ranke s. w. 15 (1875) 45; ich bin gekommen, ... um den augenblick, der mir gegönnt ist, zu benützen, sie um verzeihung ... zu bitten Stifter s. w. 5, 1 (1908) 373.
ββ) meist aber weist der zusammenhang auf eine besondere gunst des schicksals hin, die sich als gnädige gewährung (I A) oder erlaubnis (I B) äuszert, besonders bei Göthe: eilen sie, die guten jahre, die ihnen gegönnt sind, wacker zu nutzen I 21, 311 W.; da ich ... deshalb, was mir an geisteskräften gegönnt ist, rathlich zusammen zu halten habe IV 41, 35; nur uns armen, die wir wenig oder nichts besitzen, ist es gegönnt, das glück der freundschaft in reichem masze zu genieszen I 22, 18; ich werde so fortfahren, so lange es mir gegönnt ist IV 39, 182;

die wonne dieses kusses
war ihrem kinde lange nicht gegönnt
Schiller 5, 68 G.;

(was) der feige nie besitzen kann, was kaum
den auserwählten edelsten gegönnt ist
Tieck schr. (1828) 2, 112;

und wenn dem mond zu denken wär gegönnt
Grillparzer s. w. 8, 234 Sauer;

es war ihr, der besorgten, nur gegönnt, zufällige nachrichten über sein befinden zu bekommen Brunner erz. u. schr. (1864) 2, 14;

denn zu den grenzen der welt kam keiner; aber inzwischen
ist uns die tätige frist über der erde gegönnt
R. A. Schröder Elysium (1912) 197.


b) das participium perfecti gegönnt hat auch in der attributiven verbindung mit einem substantiv seinen verbalen charakter bewahrt.
α) ausgang (subjekt) und ziel des gönnens (dativobjekt) werden meist mitgenannt und machen die konstruktion schwerfällig:

doch spüren wir in disem stück (in der rettung der kinder)
der götter vns gegündtes glück
J. Ayrer dramen 1282 Keller;

dasz ihm die, den herren scholaren vom kyser Friedrichen gegönnete freyheiten nicht angienge Schupp schr. (1663) 546; ich danke meiner abgeschiedenheit, dasz ich verschont geblieben, ermangle aber nicht sowohl dem sonnengotte als dem freundlichen glück aus der ferne für die mir schriftlich gegönnten geschenke den allerschönsten dank zu sagen Göthe IV 29, 40 W.; die durch diese schritte Sullas ihr (der regierung) gegönnte weitere jahresfrist Mommsen röm. gesch. 2 (1865) 318.
β) gelegentlich müssen ausgang und ziel des gönnens aus dem zusammenhang ergänzt werden: hingegen wie kan sie (die göttliche majestät) ehrwirdiger erhaben vnd geprisen

[Bd. 8, Sp. 935]


werden, als so man gehorsamlich nach dero gegontem mittel inn ehrlicher keuscheit jm dienet? Fischart Garg. 96 ndr.;

(der mund) wil seyn gegüntes lob nicht mindern, sondern strcken,
sagt her, wie er vermag, gibt rausz, was er nur kan
Logau sinngedichte (1654) 2, 69;

entsagte sie (die natürliche tochter) der nicht gegönnten höhe (d. h. der anerkennung als prinzessin),
ergäbe sich des biedern gatten schutz ...
gelöst wär alles
Göthe I 10, 329 W.


γ) nur als ausdruck schicksalhafter gunst (s. ob. a γ ββ) gewinnt das partizip vereinzelt adjektivischen charakter: so liebte ich es, an gegönnten stunden mich in bildern und vorstellungen zu ergehen, wie sie eben der gemüthslage zusagten Stifter s. w. 1 (1904) 5.
δ) die verneinung ungegönnt im sinne von 'ungern zugebilligt' schlieszt an gönnen II A 1 b an: die alten Nüszlers gönnen nicht einmal solchem kleinen wurm das mittagessen, und, Bräsig, ungegönntes brod ... hir was sei en beten ut de pust, und Bräsig föll in: ja, fru pasturin, ungünnt brod soll fett machen Fritz Reuter w. 1, 64 Seelm.; ongegönnt brot ward ok gegeten in der not braucht man nicht empfindlich zu sein rhein. wb. 2, 1492.
3) passivischer verwendung schlieszt sich der gerundivische ausdruck es ist jemandem zu gönnen an.
a) er unterstreicht besonders die innere stellungnahme, mit der jmd. etwas zugebilligt wird bzw. sein soll, und betont sie oft noch durch das adverb wohl:

wenn dieses nun dein eidam ist
und deine tochter herzt und küsst,
so ist ihm diese lust bey soviel last zu gönnen
Stoppe Parnasz (1735) 313;

sein glück ist ihm wohl zu gönnen il ne faut pas lui envier sa fortune Rondeau dt.-frz. wb. (1740) Pp 1b; Schwan nouv. dict. (1783) 1, 777b; auch ist mir und meinen holzhauern nach sechs arbeitstagen wohl ein ruhetag zu gönnen Chr. v. Schmid ges. schr. (1858) 1, 102; und andererseits, es sei dem Agnesle wohl zu gönnen, dasz sie nun von ihrem eigenen elend ... erlöst sei A. Supper auf alten wegen (1928) 55. mit dem unterton des lebhaften wunsches, zu II B: den alten wäre es zu gönnen Nicolai reise d. Deutschl. u. d. Schweiz (1783) 1, 301;

wahrlich das kurze leben, es wäre dem menschen zu gönnen,
dasz er es froh vollbrächte
Göthe I 50, 291 W.;

jungen lüten, die gege (den) zitgeist rönne (rennen),
isch gueti besserig z' gönne (zu wünschen) in: schweiz. id. 2, 332.


b) für äuszeres gewähren steht der ausdruck kaum: welchem unter denselben (beispielen) der forzug zu gönnen und zu folgen sei Bellin hochdt. rechtschr. (1657) )( 4b; zugleich wäre bergrath Lenzen ein gratial von etwa 25 thalern zu gönnen, da er sich wirklich gut gehalten Göthe IV 19, 435 W.
C. ellipse eines oder beider objekte.
1) seit dem 15. jh. wird das dativobjekt öfter ausgelassen, doch kann es gedanklich immer ergänzt werden.
a) in der bedeutung I B 1 'erlauben', zunächst besonders in verordnungen: umb das sie nie wolten gonnen die statt Bamberg besser bewarn mit mauren, greben und thurmen (15. jh.) chron. d. st. Bamberg 1, 6 Chroust; Straszb. zunft- und polizeiverordn. d. 14. u. 15. jhs. 22 Brucker;

nach dem sie jhr landschafft bekommen,
han sie von jnnwohnern begert,
zu gönnen auff jhrs landes erd,
tag vnd nacht herberg da zu han
Eyering prov. copia (1601) 1, 81;

dar antwerdede de rad to: wat malk (jeder) myt rechte don konde, des gonden se wol (Braunschweig 1418) städtechron. 16, 34; umme der borgere bede willen wil de rad gunnen, dat en islik borger mach hebben Embekesch ber (Lüneburg) städtechron. 36, 430; sprach Carolus: günd daz ich für dich vnd ander alt mane antwort geb Niclausen (1470) Niclas v. Wyle translat. 132 Keller;

[Bd. 8, Sp. 936]


stosz alles aus, nim alles hin,
was mich und dich wil trennen
vnd nicht gönnen,
dasz all mein muth und sinn
in deiner liebe brennen
Paul Gerhardt bei:
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 3, 374a;

gönne, dasz ich diese nacht
unter deinem dache ruhe
graf Pocci lust. komöd. büchl. 2 (1861) 265;

noch will der ritter nicht den aufbruch gönnen
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1879) 2, 235;

als der sommer kam, der eine freiere bewegung gönnte Fontane ges. w. (1905) I 1, 90.
0 zu I B 2~~ in dem engeren sinne von 'einräumen': der käyserl. richter dieses orts ... wolte diesen zank länger nicht gönnen Bucholtz Herkuliskus (1665) 6;

ich will und kann dein (gottes) thun nicht hindern!
doch gönne du, zum trost den kindern,
auch thörichtes gebet
J. H. Voss s. ged. (1802) 5, 164.

vereinzelt geradezu 'ermöglichen, verstatten': die küche, deren aufstehende türe immer einen blick auf blanke kessel ... gönnte Fontane ges. w. (1905) I 1, 98.
b) als 'zuteil werden lassen', durch gott oder einen menschen, vgl. I A:

den bsen wirt jhrs gts belont
mit glück, das got auff erden gont
J. v. Schwartzenberg trostspruch 47 (var.) ndr.;

vnd was gott selber gibt vnd gan,
das mus sent Peter vngnommen lan
Hayneccius Hans Pfriem 69 ndr.;

gott, der du hast gegönnt, dasz wier so haben können
von aussen gute ruh, ach, gib sie nun von innen
Logau sämtl. sinnged. 207 lit. ver.;

morgen des tages, gönnets gott, gegen drey uhr in der kirche allhier zu erscheinen Rabener satiren (1755) 3, 44;

frucht-tilgende gesellschafft war wenig deutsch gesinnet —
frucht-bringende gesellschafft hat reiche frucht gegnnet
Logau sinnged. (1654) 2, 35.


c) auch als innere zubilligung, zu II A: der teuffel gönnet diese herrligkeit dorin der mensch geschaffen ist, nicht Rauscher warhafftige ursachen (1564) B 2a;

der gunnet nicht
dasz ein andren anschein die sonnen
Mangold marckschiff (1596) C 4;

du leistest, merk ich, selber dir gesellschaft!
ich gönne sie und überlass dich ihr
Grillparzer s. w. 7, 63 Sauer;

er gibts, wie er's gönnt Kirchhofer schweizer. sprüchw. (1824) 158.
d) mehr als wunsch, zu II B: so wil ich und beger und gan dir des aller pesten und gebe und tete es dir gernn, möchtestu es genemen und emphahen; gleich als gott ausz der menscheit sprech: ich pyn eyn lautter, eynfeltig güt, alszo mag ich auch nit wollen, begeren, gegunnen, getun oder geben dan gut theol. deutsch 62 Mandel; können wir nicht viel gutes tuhn, so sollen wir viel gutes gönnen si gratia referri non potest, vota certe pro salute benefactorum suscipienda sunt Stieler stammb. (1691) 684. mundartlich als wunsch im conj. prät., soviel wie 'ich wollte': ech gönnt, ech wör rich, — ech läg em bett u. a. rhein. wb. 2, 1492.
2) vereinzelt scheint auch ellipse des akkusativ objekts vorzuliegen, aber wohl nur älter und in satzkonstruktionen wie den folgenden: hastu bessern grund, gan ich dyr wol Luther 15, 298 W.;

dasz ich meinem nächsten mag
mit gerechtigkeit begegnen,
lasse, was er hat und gönne,
wann das seine sich vermehrt
Schmolck s. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 10;

doch vgl. noch Parzival 552, 3 unter IV 1.
3) sehr vereinzelt auch bleibt die wohl nur stilistisch zu wertende ersparung beider, aus dem zusammenhang ergänzbarer objekte: ach wie blind ist man doch, dasz man die schand (die wilde ehe der priester) nit hinnimmt (beseitigt), so doch got darzu günnet (d. i. die ehe der priester

[Bd. 8, Sp. 937]


erlaubt) und alle vernunft Zwingli dt. schr. 1, 46 Schuler-Sch.;

fhrst jhn (den satan) gewis am starcken zaum,
vnnd mus nicht ferner nehmen raum,
zu wten, als du gnnest
Ringwaldt evangelia (1581) m 2b.


D. absoluter gebrauch des wortes ist äuszerst selten. wo er begegnet, umschreibt er, im sinne von II A, die wohlwollende haltung anderen gegenüber, vgl. auch DWB gönnen, n., unt. b: wenn man sich mit guten leuten samlet, geben sie nicht, so gönnen sie doch Petri d. Teutschen weiszh. (1605) D dd 2a; Henisch (1616) 1682;

bringt honig mir, eisfrischen honig!
mit honig opfr ich allem, was da schenkt,
was gönnt, was gütig ist —: erhebt die herzen
Nietzsche w. I 8, 347.


IV. die im mnl. (s. Verwijs-Verdam 2, 2064) und im an. (s. Cleasby-Vigfusson 654b) vergleichsweise häufige verwendung des wortes als intransitivum mit personalem dativobjekt im sinne von favere alicui 'jemandem gewogen, geneigt sein, ihm gewogenheit bezeigen' ist im mhd. nur spärlich, häufiger aber im mnd. bezeugt; als schmaler überlieferungsstrang läszt sie sich bis ins frühe 18. jh. hinein deutlich verfolgen, wie sie auch der ableitung gönner (s. d.) als grundlage dient und in den ableitungen gunst (s. d. sp. 1107) und günstig (s. d. sp. 1127) spürbar hervortritt. für die ältere deutsche überlieferung bezeichnend ist dabei eine spezielle anwendung im sinne politischer parteigängerschaft, die vor allem mnd. nachweisbar ist, s. u. und die belege bei Schiller-Lübben 2, 166.
1) in zusatzloser verwendung. im ersten beleg nur vielleicht hierher, wenn nicht zum elliptischen gebrauch III C 2:

nie muoter gunde ir kinde baz
denn im der wirt des brot er az Parzival 552, 3;

nu, waz klage ich, sit si mir
niht engan? joch gund ich ir,
rehte als ich mir selbem gan:
dest niht guot, sol ich beswichen sin dar an
Ulrich v. Singenberg in: minnes. 1, 297a v. d. Hagen;

daz erste daz ist mildekeit, daz ist daz man fon allime herzin allin ludin wole gudis gunne. daz andere ist truwe, daz ist daz ein mensche sime nebincristin gunne alse ume selbir parad. anime intell. 62, 25 Strauch; Adelgund, die günt, günstig ist dem adel (erklärung des namens Adelgund) Aventin s. w. 4, 18 bayer. akad. im politischen bereich:

ê der phalzgrâf het gunt (bei der wahl)
dem kunic von Bêheim
oder von Branburc sîm ôheim,
er het ê wunder getân
Ottokar reimchron. 59 168 Seem.;

do wart bischup A. vorwiset ... mit alle den, de em gunden und vruntlik weren (15. jh.) bei Schiller-Lübben 2, 166b; dem dat gelucke gunt, de geit mit der brût to bedde Tunnicius sprichw. nr. 1292 Hoffmann.
2) die bedeutung 'wohlwollend gesinntsein' wird gern durch adverbia wie wol, baz u. a. unterstrichen. so in der speziell politischen anwendung: dar was en hovetman des landes (der Türkei), de het Parvana, dat was en Sarracen, de ghunde wol deme soldan (Lübeck 1386) städtechron. 19, 353; de borger ... gunden bet Jagail, Algerdes sone, de broder was Kinstotten, dan se Kinstotten sulven gunden ebda 575; herzog Thessel het etlich landsässen in Baiern verdacht, warn im also dargeben von den wundrern (neuigkeitskrämern), wie dieselben mêr gunten künig Karl dan im Aventin s. w. 5, 111 bayer. akad.; und sonst, wenn auch im ersten beleg nicht ganz eindeutig: das mus an (ohne) tzweyffel wehe thun allen, dye goth lieben und gut gunnen (1519) Luther 2, 95 W.; dasz die, so vor ein gstalt trgend, glych als ob sy Christo trüwlich oder anhangetind oder gunnetind, von jm wychen, jn verlassen, ja etlich schälken und schmähen wurdind (1522) Zwingli dt. schr. 1, 99 Schuler-Sch. vgl. noch in lexikalischer verzeichnung: einem wohl günnen alicui bene velle; bene cupere, optime cupere, vehementer cupere causa alicujus; alicui maxime, honestissime cupere Aler

[Bd. 8, Sp. 938]


dict. (1727) 1, 993b. hierher auch das im 16. jh. in der anrede formelhaft verwendete kompositum wohlgönnend 'wohlgesinnt, geneigt' teil 14, 2, 1160. vereinzelt bleibt die beziehung auf ein sachliches objekt: damit ihr erkennet dasz die armut abentheurisch seye, bedenckt, dasz weder der eltern, brüder, noch der besten freunden affect der armut wol gönne, und den sie erdappet, für unrechtmässig erkennt wird Schupp schr. (1663) 709. fraglich bleibt ein singulärer gebrauch bei Haller, der, wenn er noch hierher gehört, als eine art von negativer umkehrung der obigen verwendung gelten könnte:

aus unsrer eignen thorheit quilt
worum man oft die sternen schilt,
die uns so schlimm als wir nicht gönnen vers. v. Schweiz. ged. (1734) 91 (dafür 1751: die uns was bessers als wir gönnen).


 
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gönnen, n. , substantivierung des verbs.
1) als bezeichnung für die besondere gewährung, die jmd. zuteil wird, vgl. DWB gönnen I B: leib und gut nit zu empfrembden, one gouden (sic!) der vogtherrnn (16. jh.) bei Fischer schwäb. 3, 749. als 'gnadenverfügung auf widerruf' von einer rechtmäszigen befugnis unterschieden: (es wird) erkant, dass gleichwol die tucher oder wullenwöber, an dem ort under der pfalzen, wie sie bizhär ihre ständ gehapt, so lang es unserer herren gelegenheit sein würd, zu lassen, dasselbig aber usser keiner gerechtigkeit, sondern dass es allein ein gönnun sey und pleybe (1600) bei Schmoller Straszb. tucherzunft (1879) 232.
2) allgemein als gunst und wohlwollen, vgl. DWB gönnen III D; IV 1:

wer sich blosz nur stützt
auf der fürsten gönnen
der bleibt unbeschützt
J. Franck bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 4, 109a;

schweiz. id. 2, 332.
3) in zweigliedriger verbindung, vgl. DWB gönnen III A 4 c: so einer ein bit daz er jm leyhe z brauchen. vnd es wirt jm gelihen oder erlaubt solichs leihen mag ich widerrffen wann ich will. wann billich ist es daz du dich meines willens oder günnen nit lenger brauchest dann ich will clagantwurt (1497) 30c; aber der götter gönnen vnd willen erhalten die frommen vnnd gottsförchtigen Lehman floril. polit. (1662) 3, 235; diewyl man by inen so vil gunst und gonnes fand (16. jh.) in: schweiz. id. 2, 333.
 
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gönnenichts, m., eine vereinzelte bildung in der art des erst im 19. jh. nachweisbaren habenichts (s. d.): dasz fast alle seine dockelmausigen feinde und gönnenichts nach gottes wunderbarlichem rath gestrafft wurden G. Klee berümter leute leben (1589) 1, 126.
 
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gönner, m. , anhänger, guter freund, wohltäter. seit dem 13. jh. belegtes nomen agentis zu gönnen. auszerhalb des dt. nur im älteren nl. für 'fautor, freund' in der form gonner, gunner Verwijs-Verdam 2, 2064; woordenboek 5, 1282; gonre, gunre v. d. Schueren teuthonista 130 Verdam. die dt. formen entsprechen denen von gönnen (s. d. unter 'herkunft und form'); mhd. und mnd. herrschen die formen mit nicht umgelautetem stammhaftem u: gunnere sächs. weltchron. 211 Weiland; ebda 221; gunnär Andreas v. Regensburg 607 Leidinger; meistens gunner, z. b. Reinmar v. Zweter 487 Roethe, und so gelegentlich noch im 16. jh., z. b. Zwingli dt. schr. 1, 99 Sch.; bei Luther selten, z. b. tischr. 2, 359 W.; (14. jh.; md. 15./16. jh.) Diefenbach gl. 228a; 479a; nov. gl. 20b; mit umlaut: günner (1399) Württemberg. vierteljahrshefte f. landesgesch. 7, 25; vor allem im 16. jh.: Diefenbach nov. gl. 20b; Dasypodius dict. (1536) 340c; Frisius dict. (1556) 548b, und noch bei Rist Parnasz (1652) 179; Logau sinnged. 633 lit. ver.; selten güner Arigo decamerone 42 lit. ver.; ebda 119; dict. seu nomencl. quat. ling. (1566) c 4b; ghünner Er. Alberus dict. (1540) 7a; vereinzelt mit entrundetem vokal: ginner Seb. Lotzer schr. 30, 35 Goetze; (Augsburg 1487) städtechron. 23, 45; giner ebda 23, 341; im 15./16. jh. gelegentlich mit einschub eines dentals: gunder Hutten

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opera 2, 87 B.; (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 228a; gúnder Steinhöwel de claris mulier. 208 Dr.; günder ders. Äsop 64 Ö.; Karlstadt in: Luther 18, 445 W.; Hutten opera 1, 408 B.; md. früh mit vokalsenkung: gonner Joh. Rothe Düring. chron. 413 Liliencron; Luther br. 11, 11 W.; ebda 9, 206; Hutten opera 2, 86 B.; die seit dem späten 17. jh. allein geltende form gönner im späten 15. jh. vereinzelt bei Albrecht v. Eyb dt. schr. 86 Herrmann, häufiger seit dem 16. jh., z. b. Luther 15, 268 W.; Boltz Terenz (1539) 136; Fischart w. 1, 417 Hauffen; Calepinus ling. septem (1579) 566b; ebda 1470b.
gönner gehört im ausgehenden mittelalter vorwiegend der rechts- und kanzleisprache an, dringt erst seit frühnhd. zeit in weitere literarische bereiche und wird vor allem in der festen wendung freund und gönner (C 2 a) und in höflichkeitsformeln (C 1) zu einem wort der gesellschaftlichen sprache des bürgertums. seit der ersten hälfte des 19. jhs. wird der gebrauch seltener, wohl infolge politischer und sozialer veränderungen in dieser zeit, die ein mäzenatentum im weitesten sinne nicht mehr kennt. wesentlich für den rückgang des wortes ist vielleicht eine abschätzige bewertung des gönnertums, vornehmlich aus klein- oder antibürgerlichem ressentiment, die zwar nur gelegentlich zu einem verächtlichen gebrauch des wortes gönner führt (s. DWB A 2 d u. unter B 2 d α), sich dagegen häufig in dem auf einigen ableitungen (gönnerhaft, -schaft u. ä., s. d.) liegenden verächtlichen nebenton zeigt. der gebrauch von gönner wird schlieszlich fast ganz auf die wissenschaftliche sprache (B 2 d β) eingeschränkt. in den mundarten ist das wort heute kaum belegt; vereinzelt genner, ginner bei Fischer schwäb. 3, 749; gute gönner 'gute freunde' ebda 6, 2056.
A. in anknüpfung an den intransitiven gebrauch von gönnen IV bezeichnet gönner eine person, die sich einer anderen gegenüber in bestimmter hinsicht zustimmend verhält, ihr beisteht oder ihr, in jüngerem gebrauch auch einer sache, in allgemeinerem sinne wohlgesinnt, geneigt ist.
1) speziell in politischem und jurististischem sinne als 'anhänger, parteigänger, helfershelfer'. dieser unter gönnen IV analog erscheinende gebrauch findet sich bis noch ins 15. jh. hinein fast ausschlieszlich auf nd. und omd. gebiet, wobei auf dem wort oft, wenn auch nicht immer, in rechtlichmoralischer wertung ein abschätziger ton liegen kann: dar umbe ward he to banne gedan mit den, de sine gunnere weren sächs. weltchron. 221 Weiland; nu hette di marcgravinne di kemenate besazt mit iren gunnern ane lantgravin Lodewigis wizzen unde willen Ködiz v. Salfeld leben d. hl. Ludwig 33, 19 Rückert; derselbe Wilhelm ... (ist) myd allen synen steten, manne, helffern, gunneren und unrechter fulleist in des romischen richs achte und uberachte redelich kommen (1370) urkundenb. d. st. Lüneburg 2, 19; (die förderung und unterstützung eines spitals wird begründet:) wan daz almuosen sünde erleschent ist als daz wasser das füre erleschent ist und alz der würkent und der günner gelicher straff wirdig sind, ze gelicher wise der rechtund und der fürdrer dezselben rechttuenden geliches lones ze emphahent wirdig sol sin (1399) Württemberg. vierteljahrshefte f. landesgesch. 7 (1884) 25; do sass her eyn jar yn dem torme gefangen ... do gabin sie (seine diener) weisse unde wege, das etzliche uf das slosz qwomen seyner gunner die om uss dem torme hulffen unde wegk brachten Joh. Rothe Düring. chron. 456 Liliencron; under der tijd wan he mit etliken sinen gunneren in der stad eyn doer van der stad unde buwede dar to hant af eyn slot unde makede dat vil stark mit muren unde graven (Lüneburg 15. jh.) städtechron. 36, 131; derhalben (weil er einen taktischen fehler gemacht hatte) er (Philipp v. Mazedonien) weder mit gewalt die statt (Melitea) ersteigen mocht ... noch durch das thor hinein kommen, dann jhm mochten der zeit seine günner nit verholfen sein Xylander Polybius (1574) 389. vereinzelt mit attributivem gut, wohl im sinne von 'hilfreicher anhänger': unde wolde ir frawe Sophie doran nicht lassen genugen, sso were her also mechtigk zu Myssen unde ouch yn Ostirlande unde hette also vil gutter gonner yn dem lande zu Doryngen, das her ir wol wederstunde

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Joh. Rothe Düring. chron. 413 Liliencron. seit dem 15., namentlich im 16. jh. im zuge der religiös-politischen auseinandersetzungen mit stärkerer betonung der sache, um deretwillen jemand parteigänger eines andern ist: die auch der selben ketzer gunner vnd nachvolger waren Breidenbach hl. reisen gen Jerusalem (1486) 81b; so du (Luther) dich vor deinen günnern in allen büchlin der geschrifft so hoch berümest Murner an den adel 23 ndr.; aber gegen seynen (Luthers) mitverwanten anhengern, enthalltern, furschiebern, gönnern und nachfolgern ... sollet yhr ynn krafft der heyligen constitution unser und des reichs acht und aberacht disser weys handeln Karl V. in: Luther 15, 268 W.; der selb radman hat auch mich und alle meyne günder, wo er eynen ersach, gepubet und Karlstatische puben gescholten Karlstadt ebda 18, 445. in der berührung mit 2: der gorgonisch Meduse kopf, ain fremd rmisch mrwunder, neulicher zeit, inn den neuen insuln gefunden, vnd gegenwrtiger gestalt von etlichen jesuiten daselbs, an jre gute gnner abcontrafait heraus geschickt Fischart w. 1, 417 Hauffen. auch direkt auf die sache bezogen:

(aufruf des papstes an die ordensbrüder:)
vorchtit keinerhande wê
und werbit menlîch in der ê, ...
des nemt zu ûch gewêre
alle der ê gunnêre
und andit ûwirs volkis leit
Nic. v. Jeroschin 327a Strehlke;

disse koning ... mit der koninginne was ein gunner der ketterie, de meister Husso und Jeronimus geprediget hadden (Magdeburg 1419) städtechron. 7, 348.
2) genosse, guter bekannter; 'guter freund', durchaus unterschieden von freund im vollen sinne des wortes, vgl. etwa: überhaupt wird kein redlicher mann, aus niedriger gefälligkeit gegen irgend einen beschützer und gönner, einen wahren freund vernachlässigen Knigge umgang m. menschen (1796) 3, 20. in dieser bedeutung wird gönner häufig in höflichkeitsformeln (s. DWB C 1) und in der verbindung freund und gönner (s. DWB C 2 a) verwendet. diese allgemeine bedeutung treffen lexikographische umschreibungen für gönner wie fautor (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 228a; Frisius dict. (1556) 548b; fautor, studiosus qui alteri bene cupit ... ein gönner Calepinus ling. septem (1579) 566b; amicus (obd. 16. jh.) Diefenbach nov. gl. 20b; freundt, amicus, benevolus Henisch t. spr. (1616) 1682; un amy, fauteur, fauoriseur Hulsius dict. (1616) 148a; in der verbindung guter gunner (md. 16. jh.) (wie bes. unter a) s. v. amicus Diefenbach nov. gl. 20b. mehr auf b weisend: fautor ein gnner, frderer, wolwller, beystender Roth dict. (1572); fautor, patronus, benefactor, mœcenas Stieler stammb. (1691) 684b; patron Apinus gloss. (1728) 399; so auch wohl, etwa im sinne von 'patronus', aber auffallend früh, questor (14. jh.) Diefenbach gl. 479a.
a) genosse, guter bekannter. offensichtlich unter der voraussetzung von 1 und nicht immer sicher von dort zu trennen in der anscheinend auf hd. gebrauch beschränkten verbindung guter gönner, in der gut leicht affekttragende bedeutung 'wohlgesinnt, geneigt, treu' hat (s. DWB gut, besonders unter IV A 3 b, teil 4, 1, 6, sp. 1291); stark im objektiven bleibend, aber unter auflockerung der eigentlich politischen bedeutung allgemeiner zur kennzeichnung dessen, von dem man anhängerschaft, unterstützung erwarten darf: daz (dasz man auf seinen kopf einen preis setzte) was im allez ain spott, wann er hett gt günner in der stat (Augsburg 14. jh.) städtechron. 4, 40; und grüsset mir dy herren (ratsherren von Frankfurt) alle sere, wen sye, ob got wil, ein armen guten günner an mir sullen haben (1434) Frankfurter reichskorresp. 1, 401 Janssen; (ein mann) durch etliche seine gt güner, dem münch ... die hende salben thett (ihn bestechen liesz) Arigo decamerone 42 Keller; do ich z Basell minen gt gnneren den kouff anzeigt, verwundreten sy sich ab dem gtten kouff Th. Platter 95 Boos; zu wilcher bewegung (unwille in einem schreiben an Luther) mich geursachet, ... das auch ir dermassen damals gegen meinen rethen geredt, daraus ich mich hab duncken lassen, als weret ir mir nit vast ein guter gonner

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Philipp v. Hessen an Luther in: Luther br. 9, 206 W.; da ich mich also bel beklagte (vor kopfschmerz) vnd alle arztte, gute meister, vnd gute gnner vmb hlff anruffte, dasz sie mir doch meine schlafader ... abschnitten ..., da glaubten mir die meinen auch zuletzt Würz wundartzney (1670) 702. ähnlich, aber in anlehnung an die wendung gutes gönnen (s. DWB gönnen III A 1 a): nu hin, mir wirt doch vorbehalten der Teutschen lob gegen allen meinen freunden und gutes günnern zu berumen und eur tun auszusprechen Wilwolt v. Schaumburg 135 lit. ver. schwierig zu fassen ist die vereinzelte, freilich auffallend früh belegte verbindung böser gönner, vielleicht in freier anlehnung an übles, böses gönnen (s. DWB gönnen III A 1 d):

mich hât begriffen wisenten zorn:
wirt der mir niht benomen, sô scherph ich mîner zungen dorn
und lüppe mîne phîle ûf mîne bœsen gunner zaller stunt
Reinmar v. Zweter 151, 6 Roethe.


b) seit dem 16. jh. bezeichnet das wort in steigendem masze den bekannten, den 'guten freund' in einfluszreicher politischer oder gesellschaftlicher stellung oder in guter wirtschaftlicher situation, dessen hilfe man sich bedient. zunächst noch häufig in der verbindung guter gönner, dann, mit festigung der bedeutungsverengung, auch ohne attribut prägnant mit dem beiklang der geneigtheit. jüngere verbindung mit kennzeichnendem attribut wie grosz, hoch u. ä. verdeutlicht die tendenz zu der für den jüngeren wortgebrauch (s. bes. DWB B) bezeichnenden einschränkung auf eine höhergestellte person.
α) in allgemeiner anwendung. das moment der hilfeleistung ist weniger bestimmt, oder es tritt überhaupt zurück zugunsten desjenigen eines wohlwollens, jedoch ohne dasz das wort in den bereich persönlicher freundschaft hineinreicht: vmb eines Mecenatis willen, der den gelerten hold war, heissen alle gte freundt mecænates, i. notfreunde, gte günner Er. Alberus dict. (1540) B 3a; (eine frau) kehret allen fleisz an, ihrer tochter einen freyer zu finden, wie denn in kurtz geschahe durch hülff und beystand ihres capellans, der ihr groszer gönner ware Kirchhof wendunmuth 2, 522 Ö.; wirts aber der Jupiter sein, so bedeuts das er werde seine reise in diensten grosser hansen, reicher herren vnd ... edelleut, oder hoher vnd berhümbter juristen, oder seiner gten günner verrichten Pegius geburtsstundenb. (1570) Qq 7a; seinem weiland hochgeneigten herren gesellschafftern und grossen gnner (dem kanzler Anthon von Wiethersheim) machte dises (eine grabschrift) in Wedel an der Elbe der rüstige Rist Parnasz (1652) 179;

die holde freundlichkeit, die dir ist angebohrn,
ist von dem himmel selbst als ein magnet erkohren.
der felsen-herzen zieht, und alles macht geneigt;
so viel dein auge sieht, der brunnen reiner triebe,
so viel gewinnest du auch hertzen voller liebe.
viel suchen deine huld und sind dadurch beglücket,
davon geb' ich mich auch zu einem beyspiel an:
dein theurer fürste hat mich gnädigst angeblicket,
dein kräfftger vorspruch hat disz gantz allein gethan.
fahr, grosser gönner, fort mich also zu vergnügen,
so kann ich lebenslang dem glück im schoosse liegen
Neukirch anfangsgründe z. reinen t. poesie (1724) 428;

weil auch nichts in dieser welt ohne beystand zu bereiten,
gieb mir bey den obern gunst, lieb und huld bey allen leuten,
dasz es nie an guten gönnern, und an treuen freunden fehlt
Schmolck sämtl. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 12;

wir bitten uns auch wohl eines andern gunst und gewogenheit aus. es (das wort 'gunst') kömmt von gönnen ... und davon nennet man einen vornehmen freund schmäuchelhaft seinen gönner Gottsched beob. (1758) 119. vergleichbar: darnach erzeiget sich der mon auch ein gnner, da er seinen liechten schein vnter die dunckeln wolcken verbergen ward, Camillo ein sicheren weg verliehe, darumb der liebe von der lieben empfangen ward buch d. liebe (1587) 112b. für den übergang dieser bedeutung in die von B ist es bezeichnend, dasz in gleicher attributiver verbindung grosz sich nicht mehr nur auf die hohe stellung des gönners, sondern auch auf die intensität seines wohlwollens und seiner gunstgewährung beziehen kann: er ist sein groszer gönner percupidus est ejus Steinbach

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dt. wb. (1734) 1, 619; vielmehr hielt ich den cardinal santa Fiore für meinen groszen gönner Göthe I 43, 344 W.
β) speziell im bereich des politischen vom fürsprecher und förderer. mit besonderer betonung der einfluszreichen stellung: die von Zwickaw sind grossze hern vnd haben viel guter gunner zu hoff; darumb lassen sie sich nicht schelten, haben auch nicht not zu folgen Luther tischr. 2, 359 W.; niemand aber war freudiger als Ingviomer, Boleszla, und Britomartes, derer ieder bey hofe seine gönner hatte Lohenstein Arminius (1689) 2, 1398a; wenn man ... einen gönner am hof und geld auf zinsen hat Hippel lebensläufe (1778) 1, 220. mit stärkerer betonung der fördernden fürsprache, besonders in hinsicht auf beruf und stellung: so sagt mancher, wann ich ein gtten fürsprecher vor rat habe, oder ein gtten ginner an eins künigs hof, so mag ich dester basz fürkommen Seb. Lotzer schr. 30 Götze; (sie hatte) auf einen mann, der eine wichtige stelle bekleidete, sich groszen einflusz zu verschaffen gewuszt ... nun kamen ihr die krebse ... glücklicherweise zu statten. sie sollten sorgfältig gefüttert und nach und nach dem hohen gönner ... auf die tafel gebracht werden Göthe I 25, 1 W. zu B neigend: auch war sein enthusiastischer gönner nicht imstande, ihm irgend eine zulage zu verschaffen, weil die universität sehr geringe einkünfte hatte Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 24. auf einen vor dem 19. jh. sonst nicht zu belegenden besonderen gebrauch im politischen bereich im sinne von 'beschützer' scheinen einige der oben unter 2 angegebenen lexikographischen umschreibungen hinzuweisen, vor allem 'patronus', 'questor'.
γ) von einer person, die einer andern sach- oder geldzuwendungen macht:

ich wolt jm (dem fuchs) geben all mein hner,
vnd wil mein lebenlang sein gnner
sein, vnd wils auch ans end wol bleiben
vnd in mein hertz solch wolthat schreiben
Burkard Waldis Esopus 2, 288 Kurz;

wo er ir gte günner wiste,
entlehnet er ein michel summ,
beyd gold und geltes umendumb
Murner v. d. fier ketzeren 120 Fuchs;

armuth gehöret unter das unglück ..., welches zu vermeiden nicht in unserer gewalt stehet ... wenn wir nun durch unglücks-fälle dazu kommen, als dasz wir von dürfftigen eltern gebohren worden, dasz wir keine gute gönner finden, die sich unser annehmen ...; so kan uns dieses nicht beygemessen werden Chr. Wolff ged. v. d. menschen thun u. lassen (1720) 409;

Menippus lässt nach seinem sterben
zehntausend thaler bares geld
dem blosz aus gunst erwehlten erben;
... was thut hierauf (als am gewicht des goldes etwas fehlt) der münzenkenner
für seines freundes edle that?
er lästert den erblichnen gönner
als den, der ihn betrogen hat bei
Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 6, 282;

er suchet keinen freund, trifft er von ungefähr
nicht einen wuchrer an, der reicher ist als er.
vor dem beugt er sich tief, dasz er sein gönner werde,
vor jedem tausend mark stets tiefer bis zur erde.
... doch bald stöszt von dem rang, den er dem gönner gab,
durch hundert thaler mehr ein reichrer ihn hinab
Giseke poet. w. (1767) 55.


c) liebhaber, verehrer einer bestimmten sache oder eines menschen um dieser sache willen, besonders im kulturellen bereich; gönner neigt hier gelegentlich zur bedeutung 'leser, publikum'.
α) gegenstand der zuneigung ist eine sache. ein literarisches werk: welches denn verursachet, dasz ich gedachte satyras ... meinem groszgeneigten herren als einem grunderfahren kenner und gönner solcher arbeit in tieffester demuht und gehorsamb zugeschrieben Rachel satyr. ged. 4 ndr.; der herr le Piquant ist der mann, welchen diese manir zu lesen zu einem gönner unsrer discoursen ... gemachet hat discourse d. mahlern (1721) 2, 46;

[Bd. 8, Sp. 943]


ein meister im latein, als bischoff auch ein gönner
des bibelwerks, das man vulgata nennt,
doch vom hebräischen und griechischen kein kenner
(anm.: [der bischof don Ramo,] der ein ausnehmender freund
der lateinischen sprache, und folglich auch der vulgata, aber
ein so groszer feind der hebräischen und griechischen übersetzung
der LXX dollmetscher war)
J. Fr. Löwen schr. (1765) 1, 162;

dasz ihnen die ankündigung unseres magazins gefallen hat, war mir eine grosze freude, denn so darf ich's wagen, sie unter die gönner dieses werkes zu zählen J. G. Forster s. schr. (1843) 7, 126. auf eine literarische figur oder gattung bezogen:

doch, statt der lust, die ich (das possenspiel) ihm, als ich kam, versprach,
lasz ich ihm meinen schimpf und seine reue nach; ...
so niederträchtig ich bey meinen gönnern bin,
so steif und stolz ist doch mein handwerkseigensinn
Gottsched dt. schaubühne (1740) 6, 558;

manchen leser wird sie (Wilhelm Meisters zuneigung zu Therese) anfangs recht erschrecken, denn Theresen verspreche ich wenig gönner Schiller br. 5, 3 Jonas; er (der harlekin), der sich sonst in der genügsamkeit seiner gönner für einen gott hielt, bekam zum ersten mal atheistische zweifel an dem dasein eines publikums Cl. Brentano ges. schr. (1852) 7, 8. allgemein auf eine kunst oder kunstform bezogen: landgraf Hermann ... war ein grosser gönner und liebhaber der dichtkunst Adelung magazin (1783) 2, 3, 21; vielmehr war er ein gönner der prosa Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 343;

manchen unter euch
begrüszen wir als gönner unsrer muse
Göthe I 13, 1, 169 W.;

ich bin ... ein gönner der edlen tonkunst Chamisso w. (1836) 6, 19. ähnlich:

drum wohl dem, der sich ihr (der tugend) ergiebet,
und der ihr eigenschaft recht kennt,
der kunstgeschikklichkeit beliebet,
und sich vor jhren gönner nennt
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 153.

in der beziehung auf eine einrichtung: (da) lud der berühmte rector daselbst, herr M. Seidel, durch eine artige einladungsschrift den magistrat und andere gönner des schulwesens ein, diese anzugsrede ... anzuhören anmuth. gelehrsamk. (1751) 1, 695 Gottsched; die gönner dieser zwangsgesellschaften (krankenkassen) allg. dt. bibl. 91 (1790) 104. der älteren bedeutung 'anhänger' (A 1) nahestehend, aber doch mehr die blosze zuneigung betonend, ohne dasz ein entsprechender aktiver einsatz notwendig mitgedacht wird, auf eine politische oder religiöse idee bezogen: in der neuen teutschen kirche, die Bonifacius sammlete, gab es viele verkehrte und von der wahren religion entfernte menschen, wenn man ihm und seinen freunden glauben beymessen darf: man kann ihnen aber kaum glauben beymessen, weil aus vielen umständen erhellet, dasz die gönner der von ihm angeführten irrthümer Irländer, Franzosen und andere gewesen, die sich der oberherrschaft des römischen pabstes, die Bonifacius ausbreitete, nicht unterwerfen wollten v. Einem Mosheims vollst. kirchengesch. 3 (1771) 450; Ernst muszte, als ein bekannter feind der alten bürgerlichen ordnung, für einen entschiedenen gönner der gefährlichen französischen grundsätze gelten Klinger w. (1809) 8, 250. ähnlich auf anderes bezogen:

die uhrsach' zeigt man an, dasz, wann die kluge männer
zu viel in sorgen gehn, sind tieffer grillen gönner,
alsdann das feinste blut, der beste lebens-safft
nicht recht sei, wie er soll, an geister reicher krafft J. Cats sinnreiche wercke (1711) 2, 447;

von den absorbierenden mitteln scheint der hr. verf. ... ein grosser gönner zu seyn allg. dt. bibl. 5 (1767) 269.
β) gegenstand der zuneigung ist der urheber oder aktive verfechter einer sache, vor allem ein künstler oder wissenschaftler: ja auch die vernünfftigen leute und gönner der lehrer der wahrheit werden öffters durch solcher unruhigen leute ungerechtes verfahren zu ... einer verminderung der wohlgewogenheit gegen das predigamt

[Bd. 8, Sp. 944]


aufgebracht Thomasius kl. dt. schr. (1894) 190; dieser tyrann ... hatte sich unter andern schwachheiten in den kopf gesetzt, für einen gönner der gelehrten, für einen kenner, und so gar für einen der schönen geister seiner zeit gehalten zu werden Wieland Agathon (1766) 2, 147; wenn wir (der dichter) aber uns bewogen finden diesen werthen mann nicht lesen zu lassen (d. h. seine vorlesung mathematischer schriften nicht abdrucken), so werden es unsere gönner wahrscheinlich geneigt aufnehmen ... unsere freunde haben einen roman in die hand genommen, und wenn dieser hie und da schon mehr als billig didaktisch geworden, so finden wir doch gerathen, die geduld unserer wohlwollenden nicht noch weiter auf die probe zu stellen Göthe I 24, 179 W. vielleicht hierher: er (Erasmus) machte einige schriften bekannt, die ihm ... bewunderung und gönner verschafften. allmählich fühlte er, was das publicum bedurfte und liebte Ranke s. w. (1867) 1, 177.
d) eine negative bewertung des gönners findet sich vor allem, freilich nicht häufig, im 18. jh.; in der oft mehr gegen den begünstigten als gegen den gönner gerichteten kritik erhalt das wort gelegentlich einen abschätzigen nebenton.
α) der einfluszreiche, mächtige oder besitzende 'bekannte', von dem man hilfe erwartet (s. DWB A 2 b), erscheint als unaufrichtig, geizig, eingebildet u. ä.:

auf einen selbsrühmenden gutthäter.
... ich greiffe dir, o gönner, unvermeidlich in das amt
(wenn der dichter den gönner lobt)
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 40;

nechst wurd ich mit gewalt an unsern hof gezogen,
viel gönner schwazten mir befördrungsmittel vor;
ich kam und sah, und sieh, ich war so gut betrogen
als jener, der das fleisch bei schattenwerck verlor
J. Chr. Günther s. w. 3, 75 lit. ver.;

freund kenne doch die welt! der grössre dient geringern!
an weisen haftet staub, und gold an kargen fingern.
versuch es, bettle nur; und schätze dich beglückt,
wenn dich dein gönner hört, und noch die achseln zückt.
bestürm ihn tag vor tag, belagre seine schwelle,
und krieche jahre lang, nach einer ehrenstelle
Dusch verm. w. (1754) 305;

sitze du immerhin bei fremden tischen zu gaste,
schmeichler, und gieb dem bauch schmählich verdienete kost,
lache mit traurigem herzen dem gönner, wenn er dich anlacht,
weine mit ihm, wenn er nur ein gelächter verdient
Herder 26, 141 S.;

die kinder der ausländer werden künftig das parlament besetzen, und der eigennutz ihrer gönner wird ihre gedungenen stimmen leiten Schiller 7, 112 G.
β) die kritik an dem 'liebhaber, verehrer einer kunst' (s. DWB A 2 c) richtet sich besonders gegen dessen künstlerisches unverständnis; deutlicher als bei positiv wertendem oder neutralem gebrauch kann gönner hier geradezu 'leser, zuschauer, publikum' meinen:

der weiht sein buch sich selbst, ...
der macht das publikum, und jener
den esel gar zu seinem gönner
Blumauer ged. (1782) 186;

was macht ein volles haus euch froh?
beseht die gönner in der nähe!
halb sind sie kalt, halb sind sie roh
Göthe I 14, 12 W.;

der gönner liest und gähnt und lacht,
ein fieberfrost ergreift den dichter
Pfeffel poet. versuche (1802) 1, 171.


B. wohltäter, förderer; gnädiger, gunst erweisender herr. im ganzen unter voraussetzung der bei A sich herausbildenden bedeutung 'guter freund', hier aber mit starker betonung der nach auszen sichtbar werdenden wohlwollenden haltung von einer in irgendeinem sinne überlegenen, höher- oder bessergestellten person, die einer andern wohlwollend gunst oder hilfe in irgendeiner hinsicht gewährt, etwa dem gebrauch von gönnen I entsprechend. dieser betont positiv wertende gebrauch bildet sich in der deutschen klassik in offensichtlichem gegensatz zu der besonders an die bedeutung A 2 anknüpfenden negativen bewertung des gönners (A 2 d) heraus. den übergang zu dieser bedeutung kennzeichnet Adelungs umschreibung von gönner als 'in engerer und gewöhnlicherer bedeutung ... eine person, die unser glück aus wohlwollen befördert' versuch 2 (1775) 750.

[Bd. 8, Sp. 945]



1) allgemein von einer höhergestellten oder gesellschaftlich ausgezeichneten person, die ihr wohlwollen andern gegenüber im tätigen umgang mit diesen zeigt: die zurückgesetzten (schauspieler) lieszen auf allerlei weise ihren verdrusz spüren und wuszten ihrem erst hochverehrten gönner (dem baron) den aufenthalt unter ihnen auf ein- oder die andere weise unangenehm zu machen Göthe I 52, 149 W.; Lothario lehnte sich auf seinen begleiter, welchen Wilhelm sogleich für seinen alten gönner Jarno erkannte derselbe I 23, 15 W.; (Fliege zu Fuchs:) ich thue alles für sie, was ich kann; denn sie sind mein gönner, mein beschützer, mein gnädiger herr Tieck schr. (1828) 12, 7. mit stärkerer betonung der materiellen wohltätigkeit: jener see wäre mein tintenfasz, — und dort das gebirge wäre ein stück speck, welches mir die eltern und gönner aus dankbarkeit verehrten Grabbe w. (1874) 1, 428; jetzt wog ich das winzige sümmchen nicht gegen den wert derselben (bilder), sondern gegen die not des augenblickes ab, und da erschien mir der ärmliche handelsgreis mit seiner kleinen kasse noch als ein schätzenswerter gönner; denn er hätte mich ja auch abweisen können G. Keller s. w. 6, 77 Fränkel (die erste fassung hat dafür: als ein freundlicher wohltäter ebda 19, 115). bei stärkerer betonung der gunstbeweisung nähert sich das wort der bedeutung 'wohlwollend oder groszmütig handelnder, älterer oder an einsicht, klugheit, erfahrung überlegener freund': er ... ging an diesem tage nach dem rathe seines neuen gönners (eines unbekannten mannes, den er zufällig trifft) noch ein gutes stück, bis er zu der Afel kam Stifter s. w. 3 (1911) 306; halbe stunden lang sah ich (als junge), wenn ich konnte, der arbeit des englischen baggers zu, dessen ingenieur, ein alter Schotte namens Macdonald, mein besonderer gönner war Fontane ges. w. (1920) II 1, 123. geradezu vom lehrer eines andern: 'ich denke mir', schreibt Knecht seinem gönner (dem musikmeister) ... Herm. Hesse glasperlenspiel (1943) 1, 168; allerdings kenne ich (Riemer) den brief, den der meister (Göthe) damals an meinen lehrer und gönner in Halle schrieb Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 75. vereinzelt von dem wohlwollenden helfer in liebesangelegenheiten: im tennen, d. h. in der hausflur angekommen, sahen sie einen buben zur thür hereinkommen, der sich vorsichtig umsah. es war der kleine gönner des liebespaares, Johannesle. Annemarie, die schon gehört hatte, wie sie bei dem bürschchen in gnaden stand, flog auf ihn zu M. Meyr erz. a. d. Ries (1868) 1, 116.
2) unter spürbarem rückgang des gebrauchs wird das wort seit dem 19. jh. in steigendem masze auf einige spezielle anwendungen eingeschränkt, die ältere gebrauchsweisen (s. unter A 2) lose fortführen, die dort bestehenden grenzen aber jetzt durch betonung des wohlwollenden, wohltätigen, fördernden handelns verwischen.
a) förderer, vor allem in beruflicher hinsicht. mit anknüpfung an A 2 b β: als dieser (graf Shaftsbury) späterhin groszkanzler von England wurde, erhielt Locke von ihm ein amt, aber bei dem wechsel, den dieser in seinem ministerium erlitt, verlor Locke bald darauf seine stelle wieder ... er gewan. ... seine stelle wieder, als sein gönner wieder ins ministerium kam Hegel w. (1832) 15, 422; so war es für ihn wie eine hand aus den wolken, als sein alter gönner Haug ihm aussicht auf eine anstellung in Ludwigsburg eröffnete Schubart br. in: D. Fr. Strausz ges. schr. 8, 34 Zeller. mit einschlusz von A 2 b γ vom förderer einer in der ausbildung befindlichen person: nicht leicht ist ein mensch glücklich genug, für seine höhere ausbildung von ganz uneigennützigen gönnern die hilfsmittel zu erlangen Göthe I 46, 45 W.; da kam es durch fremde hilfe ..., dasz ich plötzlich in die gelehrte schule nach Stralsund verrückt ward. mehrere gönner, welche unbekannt bleiben wollten, hatten für diesen zweck einen zusammenschlusz getan E. M. Arndt w. (1892) 1, 50; regelrecht konnte er (Joseph v. Sonnenfels) sein studium erst wieder fortsetzen, als ... die fürsprache einfluszreicher gönner, besonders des grafen Johann Karl von Dietrichstein, dem wiszbegierigen jünglinge den austritt aus dem soldatenstande ermöglicht hatte allg. dt. biographie 34 (1892) 628.

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vom förderer einer einrichtung: seitdem hat jeder von den fürsten des hauses Birkenfeld durch verbesserung ihrer (der bayr. akademie der wiss.) einrichtung, erweiterung ihres wirkungskreises ... überhaupt als aufmerksamer gönner und theilnehmender wohlthäter sich bethätigt Döllinger akad. vortr. (1888) 1, 55; gab der heilige patron dem kloster ansehn, so war der schutz der irdischen gönner nicht weniger förderlich. bedeutung und wohlstand eines klosters hingen davon ab, dasz eine grosze herrenfamilie ihre interessen mit denen des geistlichen stiftes vereinigte G. Freytag ges. w. 17 (1888) 358. allgemeiner, wobei die ältere bedeutung 'fürsprecher' (s. o. A 2 b β) anklingt: die warme empfehlung meines gönners (Lorenzo, der den sprecher 'mit verbindlichkeiten überhäufte' und für seine 'geheimnisse grosze achtung zu tragen schien') bereitete mir da (auf dem landgut) einen empfang, der alle meine wünsche übertraf Schiller 4, 239 G.; der corporal sandte zum zweiten mal sein abschiedsgesuch an die compagnie und schrieb zu gleicher zeit einen beweglichen brief an seinen gönner, den major Vogt. ... (dieser antwortete,) dasz sein hoher chef die berechtigung dieses abschiedsgesuches anerkannt und die entlassung verfügt habe G. Freytag ges. w. 12 (1887) 284. ähnlich in seltenem und unpräzisem modernen gebrauch: jedermann wuszte, dasz er (bruder Juniper) an einer art denkschrift über den unglücksfall arbeitete, und jedermann erwies sich sehr hilfreich und irreführend. einige wuszten sogar vom hauptzweck seiner tätigkeit, und es fanden sich gönner an sehr hohen stellen Thornton Wilder d. brücke v. san Luis Rey (1952) 16.
b) historisierender rückgriff auf ältere politische gebrauchsweisen (s. besonders oben A 1 u. A 2 b β) führt in historischer anwendung gelegentlich zur bedeutung 'beschützer, begünstiger'. vereinzelt schon im 18., häufiger im 19. jh.: hier ward ihm (dem papst Johann) aber von seinem bisherigen gönner, dem herzog Friderich, bedeutet, dasz er sich wieder nach Freyburg begeben möchte M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 4, 95; im gefolge der kriegsereignisse kehrten sie (die jesuiten) nun und zwar unter der entschiedenen begünstigung der staatsgewalt zurück. die Farnesen waren ohnehin besondere gönner dieser gesellschaft Ranke s. w. (1867) 38, 72; oho! rief er nun; aus Schweden. vom könig Carolus ein eigenes sigill! ... wie kommt's denn, dasz er im lande streifet, so er solche gönner aufzuweisen hat? Storm s. w. (1899) 6, 149; die begünstigung des alten moskowiterthums ... blieb fortan der leitende grundsatz seiner (des zaren) regierung. in schneidendem gegensatze zu seinem bruder Alexander, dem gönner der Deutschen und der Polen, wies er alles westländische wesen feindselig ab Treitschke dt. gesch. (1879) 4, 87; der wahrsager Selim war schon lange heimlich im land, von ungenannten gönnern behütet; aber an einem nassen oktobertag hatten ihn die landreiter am strick nach Tübingen gebracht; denn wahrsagerei war in Württemberg bei todesstrafe verboten qu. a. d. j. 1937. nahezu im sinne von 'anhänger, parteigänger': durch eine geheime pforte, die ihm seine Augsburger gönner bei nacht öffnen liessen, ... ritt er (Luther) davon Ranke s. w. (1867) 1, 270; vgl. ebda 9, 140 anm. 1.
c) anknüpfend an A 2 b γ findet sich eine spezielle anwendung auf den brotgeber, dienstherrn: er (der entlassene zuchthäusler) bietet sich den reichen des orts an, und will für den taglohn dienen. der bauer zukt über den schwachen zärtling die achsel; der derbe knochenbau seines handvesten mitbewerbers sticht ihn bei diesem fühllosen gönner aus Schiller 4, 67 G.; ich fand ... einige geschäftsmänner, die eben in auszerordentlichen fällen jemanden brauchen konnten, der mit der feder umzugehen wuszte. allein die auszerordentlichen aufträge meiner gönner gingen zu ende, an eine dauerhafte versorgung war nicht zu denken Göthe I 21, 237 W.; im jahre 1689 war der junge Neapolitaner als lakai im gefolge des herzogs, dem er zu Rom mancherlei dienste kurioser art geleistet haben mochte, nach Frankreich gekommen

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... es wird uns nicht gesagt, was ihn im folgenden jahre schon aus dem dienste seines gönners trieb Raabe s. w. I 4, 533 Klemm.
d) freigebiger, materiell fördernder kunstliebhaber, mäzen.
α) aus okkasioneller verbindung von A 2 c und A 2 b γ, 'kunstliebhaber, der dem künstler finanzielle zuwendungen macht', erwächst seit dem späten 18. jh. unter einflusz der allgemeinen bedeutung 'wohltäter' eine spezielle im sinne von 'mäzen eines künstlers', manchmal im zusammnhang einer leichten, gegen den begünstigten gerichteten kritik:

poeten, die um geld gepriesen, und geweint,
sind froh, da nun der schlusz von ihrem schmerz erscheint;
sie endigen ihr lied, und ihres gönners thaten,
sie machen einen strich, und nehmen den dukaten
Zachariae poet. schr. (1763) 1, 174;

darf wohl ein bettler wie ich (ein schriftsteller), der sein leben von reichen leuten hat, ihnen einen solchen sittenspiegel beständig vorhalten? man lobt die tugend, aber man haszt sie ... (die frommen) haben sich zu leisten auferlegt, was ihnen nicht natürlich ist. sie leiden, und wenn man leidet, macht man andere leiden. das ist weder meine sache, noch die sache meiner gönner Göthe I 45, 64 W. (Rameaus neffe);

wir sind komödici, die von des menschen leben ...
den gönnern um das geld genauen abrisz geben
Ph. Hafner ges. schr. (1812) 1, 104;

statt kaiser und mäcene musz ich gutsbesitzer, geheime hofräthe, sängerinnen ... abconterfeien; musz ihnen ... nicht minder schmeicheln, als ein römischer dichter seinen hohen gönnern Holtei erz. schr. (1861) 5, 29. mit abschätzigem nebenton:

und ich wollt am andern morgen
meinen gönner wiedersehn,
bei dem papagei in sorgen
musz ich vor der thüre stehn
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 2, 452.

mehr resignierend als negativ wertend:

ein jeder kömmt doch gern zu brode,
doch blieben mir die gönner kalt,
that ich gleich klein wie eine lode (kleiner baumsprosz)
gen einen mächt'gen eichenwald
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 1, 253.


β) in anlehnung an B 2 c 'brotgeber, dienstherr' vom auftraggeber eines künstlers: man spricht sein augenblickliches unvorbereitetes urteil aus, ohne nur irgend zu bedenken, dasz jeder künstler auf gar vielfache weise bedingt ist, durch sein besonderes talent, durch vorgänger und meister, durch ort und zeit, durch gönner und besteller Göthe I 32, 174 W. dieser gebrauch festigt sich vor allem in der literaturwissenschaftlichen terminologie in einer den zeitgenössischen sprachgebrauch rückprojizierenden historischen anwendung zu einer besonderen bedeutung, die die engere bedeutung 'mäzen' mit aufnimmt; immer in positiver oder neutraler bewertung: (einige dichter des mittelalters) reden von ihren meistern in der kunst, ihren fürstlichen gönnern, ihren geliebten und dergleichen mehr dt. museum (1812) 2, 2 Fr. Schlegel; Konrad von Würzburg ... lebte und starb in Basel ...; eine reihe von gönnern sind aus dieser stadt auf deren aufforderung, denen zu gefallen er dieses oder jenes werk gedichtet oder übersetzt hat Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 1, 469; auch die andern übersetzer ... haben nachweislich für adelige gönner gearbeitet Scherer literaturgesch. 7266; so ist es bezeichnend, dasz K(onrad v. Würzburg) dem abt von Tiersberg seine weltliche novelle 'Heinrich von Kempten' widmet und nicht etwa 'der welt lohn', dessen grundgedanke omnia vana für den geistlichen gönner passender gewesen wäre verfasserlex. (1936) 2, 914; allein im spätherbst von Mödling, wo er (Beethoven) den sommer verbracht, nach Wien zurückgekehrt, habe der meister sich niedergesetzt und jene drei kompositionen ... in einem zuge niedergeschrieben, auch seinem gönner, dem grafen Brunswick, davon meldung gemacht, um ihn über seinen geisteszustand zu beruhigen Th. Mann Faustus (1947) 80.

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selten und nur in älteren belegen vom gönner einer kunst oder wissenschaft:

gieb, Mäcenas, ein amt deinem Virgilius,
deinem Flaccus ein amt, gönner der wissenschaft
J. H. Vosz sämtl. ged. (1802) 3, 159;

Alexander ... war den künsten aufrichtig zu gethan, und nächst Pericles der unternehmendste und der freigebigste gönner derselben H. Meyer gesch. d. bild. künste (1824) 1, 233.
C. besonderheiten des gebrauchs.
1) in höflichkeitsformeln behält gönner die bedeutung 'bekannter, guter freund' (A 2) bis ins 19. jh. hinein, stets im rahmen einer gesellschaftlichen distanz. in der anrede, zunächst in der bedeutung 'genosse' niedriger gestellten gegenüber: (der rat von Iglau in einem bergrechtsspruch für Kuttenberg:) ersamen weisen und liben gunner (1412) in: zeitschr. d. dt. ver. f. d. gesch. Mährens u. Schlesiens 7, 44; Karl von gottes genad herczog zu Munsterbergk ... unser sunderliche gunst und alles gut. ersamen, wol weisen, besunder liben und guten gunner, geben euch czu wissen, das ... Iglauer bergrechtsentscheidung (1510) bei Zycha böhm. bergrecht 2, 491. für lokale umgangssprachen wird dieser gebrauch noch von Adelung wb. 2 (1808) 754 gebucht. später häufiger gleich- oder höhergestellten gegenüber, stets mit dem beiklang ehrender auszeichnung, der oft durch attributive verbindung gestützt wird: wol edler, vester, hochbenamter herr, hoher gönner Prätorius saturnalia (1663) 19; bey seines gleichen sagt man: ... werthester gönner Chr. Weise polit. redner (1677) 99;

da, theurer gönner! lasz mich nur
den treuen glückwunsch erst ertheilen!
Gottsched ged. (1751) 1, 164.

weniger formelhaft, zu einem wohltäter: schelten sie mich nicht, mein gönner, um diesen freiherrn von Münchhausen Immermann w. 1, 11 Hempel. in einer jüngeren abschiedsformel: ich habe die ehre ihnen in einer viertelstunde wieder aufzuwarten: bleiben sie indessen mein gönner slg. v. schausp. (1764) 2, 53. ähnlich: erfährt ihn (den heiratsantrag) auch sonst niemand, verbleiben wir euer wohlgeneigter gönner O. Ludwig ges. schr. (1891) 4, 237.
2) kopulative verbindungen.
a) die stehende verbindung freund und gönner, seltener gönner und freund, ist seit dem 15. jh. überaus häufig belegt. ihr liegt der gebrauch von gönner im sinne von 'genosse, guter bekannter, guter freund' (A 2) zugrunde. entsprechend findet sich auch hier attributive verbindung mit gut. im übrigen ist die kopulative verbindung etwa gleichbedeutend mit der attributiven guter gönner (unter A 2 a, b), da freund ein stärker affekthaltiges verhältnis persönlicher beziehungen ausdrückt (ähnlich wie es gut betont) als bloszes gönner.
α) mit anklang an die bedeutung 'anhänger, parteigänger' (A 1): in diser mitler zeit ... ist im durch her Niclausen freihern von Abensperg gen Augspurg ain absag und feindsbrieff zugeschickt worden, der zu derselbe zeit hertzog Albrechts hoffmaister ist gewessen, welchen hertzog Cristoff für sein gutten fraind geacht hat (var. für seinen gutten fraind und ginner achtet) (Augsburg 15. jh.) städtechron. 23, 45; darumb bracht er den keyser in gar kurtzer zeit darz, das er alle seine freund und günder z todt schlagen und erwürgen lies Wickram w. 3, 194 Bolte.
β) genosse, guter bekannter, 'guter freund': vivere alicui in einsi willen vnd gfallen lben, einsi gter fründ vnnd günner seyn, vnnd all sein fleysz jm zedienen anlegen Frisius dict. (1556) 1395a; also beredten Xanthum syne guote fründ und günder, daz er Esopum fry liesze (amici igitur ac necessarii hortati sunt Xanthum, ut manu Esopum mitteret ac reipublice condonaret) Steinhöwel Äsop 64 Ö.; er hab ... darnach etliche seiner, auch seiner preut gute freund und gonner am palmtag zu gast gepeten (1526) A. Chroust chron. d. st. Bamberg 2, 296; vnd do jch gen Mentz kommen, haben mich gutte freünd vnd günder mit frolocken entpfangen Hutten opera (1859) 1, 408; wer sich fein züchtig vnd höflich halten kan, der macht

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jhm gar viel leute zu freunden vnnd guten günnern Mathesius Jesus Syrach (1586) 140a. in gleicher bedeutung, aber schon auf späteren gebrauch im sinne von 'liebhaber einer kunst, verehrer eines künstlers' hinweisend, auf personen bezogen, denen ein schriftsteller sein werk zuschreibt oder die seine abfassung wünschen: welchs büchlin ... wil ich ... meinem besondern günstigen freunde vnde günner ... zugeschrieben ... haben Agricola musica chor. deudsch (1538) A 3a; hab ich mir ... ein kurtzen auszzug, frischer vnd lieblicher teudscher liedlein ... zusam getragen, welch nachmals vil gut freund vnd gönner begert, vnd mich gebeten, solche auch andrer der musicken liebhaber durch den druck mit zutheilen (1551) Forster frische teutsche liedlein 5 ndr. mehr vom 'guten freund' in einfluszreicher stellung, dessen hilfe man sich bedient: das ir euch an ewern guten frunden und gunnern zu hof in geheym erlernen und erkunnen wollet, was an den sachen sey, und denselben sollich unser anligen ercleren und nach irem rate wege furkern, damit sich die keiserlich maiestat gen uns zu gnaden gutlich zeneigen ... geruchte (Nürnberg 15. jh.) städtechron. 10, 396; aber ich (herzog Aymont) erlangt souil durch mein günner vnd gut freundt, das ich mit friden bleib, vnnd vngeschmecht hertzog Aymont (1535) h 1a. so wohl auch: denn wo gottes gnade ynn eim richter nicht wonet, so thut er seim ampt nymer mehr gnugsam, fellet seinem freund und guten günner odder sonst einem grossen hansen zu, sihet also durch die finger Luther 16, 520 W.; (er) was ouch wider keiser Fridrichen, nachdem er pabst war, und was doch zevor sin sonders guter fründ und gönner gewesen Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 138. in der gesellschaftlichen umgangssprache des ausgehenden 17. und des 18. jhs. wird die verbindung zur gesellschaftlich auszeichnenden formel für den gleich- oder höhergestellten bekannten: welches ... untersuchet hat, mein sehr grosser gönner und freund, herr Caspar Voigt Morhof unterr. v. d. dt. sprache (1682) 29; täglich wiederhole ich den wunsch, mich ... des beyfalls aller gönner und freunde meines geliebten Gottscheds immer würdiger zu machen Gottschedin br. 1, 221 Runkel; es vergehet kein tag, wo er (Wolfgang) nicht wenigst 30 mahl von Salzburg und seinen und unseren freunden und gönnern spricht (1764) L. Mozart in: br. W. A. Mozarts 4, 236 Schiedermair; ich hatte von mehrern meiner gönner und freunde in Schwaben viele einzelne beyträge zu einem schwäbischen idiotikon erhalten Nicolai reise d. Deutschland u. d. Schweiz (1783) 9, 148.
γ) die jüngere bedeutung 'wohltäter, förderer; gnädiger, gunst erweisender herr' (B) beeinfluszt die feste verbindung nur schwach. noch ganz als gesellschaftlich auszeichnende formel mit leichter betonung der gunstgewährung: hier (in Mannheim) fand er nun, wegen seiner im druck erschienenen geschichte, viel gönner und freunde. allenthalben erwies man ihm gnade, freundschaft, liebe und zärtlichkeit Jung-Stilling s. schr. (1835) 1, 368; es ist sonderbar, versetzte der baron, welch ein wunderlich bedenken man sich macht, geld von freunden und gönnern anzunehmen, von denen man jede andere gabe mit dank und freude empfangen würde Göthe I 22, 7 W. in jüngerem gebrauch so nur noch in historischer anwendung: er warf nur ganz geheim seine gewürze in die suppe, welche er meinem freunde und gönner, dem regierenden herrn bürgermeister, kochte W. Raabe s. w. I 6, 384; im übrigen stehe sein (des alten Vosz) alter freund und gönner (Göthe) ganz ebenso wie er zu diesen patriotischen frömmlern und neokatholiken Th. Mann Lotte in Weimar (1946) 309. im 19. jh. noch vereinzelt in spezieller anwendung; so von einem in geistiger hinsicht fördernden und helfenden: einen freund und gönner (Dalberg) ... musz ich an dieser stelle rühmen. man traf ihn stets rührig, theilnehmend, fördernd, und wenn man sich auch seine vorstellungsart im ganzen nicht zueignen konnte; so fand man ihn doch im einzelnen jederzeit geistreich überhelfend Göthe II 6, 144 W.; ehe ich diese anmerkungen dem leser übergebe, ist es meine pflicht, hier einigen vortrefflichen freunden und

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gönnern zu danken, welche mich bei meiner arbeit durch literarische hilfe, rath und kritik mannigfach unterstützt haben Brentano ges. schr. (1852) 6, 418. vom mäzen eines künstlers: er (Forster) nennt in einem brief an Heyne die ausgezeichnetsten männer, deren gunst und theilnahme er sich erfreue, die wir auch als Mozarts freunde und gönner kennen O. Jahn Mozart (1856) 3, 318; Kaldenbach ... hat manche gelegenheitsgedichte Dachs, besonders auf sterbefälle von gönnern und freunden, in musik gesetzt E. E. Koch gesch. d. kirchenlieds (1866) 3, 258.
δ) liebhaber, verehrer eines künstlers, zu A 2 c: Dürern wurden seine härten verziehen, Holbeins ansehen stieg ungefähr in ähnlichem verhältnis, auch Lucas Cranach erwarb gönner und freunde Göthe I 49, 31 W. in beziehung auf eine sache: welche grosze veränderung der sterndeutekunst durch diese auslegungsart erwüchse, fällt jedem freund und gönner solcher wunderlichkeiten alsobald in die augen ebda II 5, 1, 301.
ε) in höflichkeitsformeln wie unter C 1. in älterer zeit in der anrede gleich- oder höhergestellten gegenüber: (der pronotar Caspar Schlick an den rat zu Frankfurt:) ersamen und weiszen besundern lieben freund und gunner! (1428) Frankfurter reichskorresp. 1, 365 Janssen; mines gnedigen herrn graue Vlrichs z Wirtemberg etc. cantzler minem besundern gten günner vnd fründe Niclas v. Wyle translat. 113 Keller; denn strengen ernuesten ... meister vnd rat der stat Strasburg meynen in sonder gunstigen vnd gutten freunden vnd gonnern Hutten opera (1859) 2, 86; nit lang stnd, einen getrewen, und frummen menschen fand, mit dem er also anfieng z reden: allerliebster freündt und günner, wisz, das ich ein grosz vertrewen z dir hab Wickram w. 1, 144 Bolte. jünger gelegentlich als anrede einem gesellschaftlich niedriger stehenden gegenüber, ähnlich wie in den älteren belegen unter C 1; jovial herablassend: (baron Botho zu gärtnersleuten:) ah, und frau Dörr; und herr Dörr, mein alter freund und gönner Fontane ges. w. (1905) I 5, 136; ähnlich: bester gönner Fritz Reuter w. 6, 45 Seelm. in der abschiedsformel: empfelen sie mich gütig, ihrer frau gemalinn ... wie auch meinen gönnern und freunden Göthe IV 1, 182 W.; empfiehl mich ja zu gnaden und bringe mich bey allen freunden und gönnern ins andenken derselbe IV 21, 329 W.
b) die verbindung herr und gönner, in der beide begriffe nicht synonym sind, wird stets auf eine höhergestellte person oder auf einen gebieter bezogen. gönner im sinne von 'guter freund' (wie unter A 2) unterstreicht hier das moment der wohlgesinntheit: wellicher grosz herren vnnd günner z freünden hat, vnd nit reich wirt, ist wol z verwundern G. Mayr sprüchw. (1567) C 3b; der ich gleichfals bin und verbleibe meiner hochgeehrten herren und groszen gönner stäts dinstwilliger M. Johannes Bellin Bellin hochdt. rechtschr. (1657) a 5b; hochedelgebohrner, insonders hochzuehrender herr und gönner! Lessing 2, 28 L.-M. so später noch in historischer anwendung: der Ulerich ist zum lande hinaus, und meine gnädigen herren und gönner sind meister W. Hauff s. w. (1890) 1, 141. mehr zur bedeutung 'wohltäter' neigend: aber eben der kriegerische charakter des mannes, ... diess ungeduldige vordringen entzweit ihn mit seinem herrn und gönner Göthe I 41, 1, 197 W.
c) patron und gönner. die bedeutungen beider begriffe gleichen sich aneinander an. vom 'beschützer, schutzherrn', dessen wohlwollende haltung betont wird: ich ... habe noch viel grosse patronen und gönner unter ihnen Schupp schr. (1663) 366; in solcher versicherung werden meine hochgeneigte patronen und gönner belieben diese gegenwärtige trauer-begleitung zu vollziehen Chr. Weise polit. redner (1677) 595. jünger in umgekehrter reihenfolge, der bedeutung 'wohltäter' näherstehend:

der soldaten groszen gönner und patron
verehren wir in diesem würdigen gaste
Schiller 12, 68 G.;

solch ein kerl wird angehört, darf gesellschaften besuchen, findet gönner und patrone maler Müller w. (1811) 2, 100; Böttiger kl. schr. (1837) 3, 297.

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d) andere kopulative verbindungen sind weniger formelhaft. der gebrauch von gönner stellt sich zu A 2 b: den ersamen und gar weisen herren richter und schepfen uf dem berg zun Chutten, unsern besundern guten gunnern und grossen furdrern (Iglauer rechtssprüche 1416) zeitschr. d. dt. ver. f. d. gesch. Mährens u. Schlesiens 7, 53; dieweil wir aber eur e. je und allbege fur unsern und gemeiner stadt Augspurg christenlichen gunner und furderer erkannt (der rat von Augsburg an Luther 1538) Luther br. 8, 270 W.; in solchen (weltlichen reichen) kan einer nicht bald fürkommen, er habe dann einen guten gönner und fürsprechen Gretter ercl. d. ep. Pauli (1566) 75; dem edlen ... hrn. D. Gottfr. Adolph Luja, ... seinem geehrten gönner und wohlthäter Prätorius winterflucht d. sommervögel (1678) A 1a. zu B 1: sehr angenehm war mir's zu vernehmen, dasz bey allen diesen unruhen unsre gönner und geber noch immer fortfahren, an uns zu denken Göthe IV 19, 287 W. zu A 2 c: kenner und gönner Rachel satyr. ged. 4 ndr. (vgl. unter A 2 c α); landgraf Hermann ... war ein grosser gönner und liebhaber der dichtkunst Adelung magazin (1783) 2, 3, 21. die gleiche verbindung im sinne von A 2 a: so kan vnd mag ich dir als meinem gtten günner vnnd liebhaber nit verhalten, wann es ain sach ist, die dich auch an treffen mcht (dasz man einen anschlag gegen dich beabsichtigt) Fortunatus (1509) 12 ndr. wie 'gönner und freund' C 2 a β: dasz ich einige gönner und bekannte, die hier theils waren theils noch sind, nicht habe sprechen können (1787) Lichtenberg br. (1901) 2, 310.
D. vereinzelt wird gönner im sinne von 'der gönnende', zu gönnen II A 2 a stimmend, von einer person gebraucht, die einer andern etwas nachteiliges schadenfroh zubilligt: unglück hat mehr gönner als mitleyder ludibrii haut expers, mala qvem fortuna fatigat Stieler stammb. (1691) 684; ähnlich bei Kramer t.-ital. 1 (1700) 548a; du wirst eher in der noth gönner finden, als im glücke — gönner auf einem kalenderblatt aus dem 19. jh.; wenn unsereinen ein unfall trifft und er ins publikum kömmt, so hat man immer gönner privatbr. in: schweiz. id. 2, 334. vgl. mîne bœsen gunner Reinmar v. Zweter oben unter A 2 a und miszgönner invisor, adversarius teil 6, sp. 2292.
 
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gönnerauge, n., an die verbindung freund und gönner in der bedeutung 'guter freund' (s. DWB gönner C 2 a β) anknüpfend: so sind denn auch freylich die radirungen nach meinen skizzen mit freundes- und gönneraugen zu betrachten Göthe IV 35, 237 W.
 
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gönnergesicht, n., dasselbe wie gönnermiene (s. d.): Splendidus ... hat freilich ein gönnergesicht; es wird aber nicht durch unfreundlichkeit, durch verdrusz und widerwillen verfinstert. allein er scheint zu fürchten, dasz man den werth seiner güte nicht genug empfinden werde J. A. Cramer nord. aufseher 3 (1761) 350.
 
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gönnerhaft, adj., 'in der art eines gönners'; stets mit negativem wertakzent. in einem vereinzelten frühen beleg an gönner in der bedeutung A 2 d β anknüpfend, 'in der art eines verständnislosen kunstliebhabers':

dann verkauft' ein bessrer kopf
stunden, früchte seiner mühe,
jenem dürren müssiggang
eines reichen narrn von rang,
der sie, wie die magern kühe
Pharaons die fettern, schlang,
und bei diesem zeitvertreibe,
den er gönnerhaft betrieb,
so an geist, wie jen' an leibe,
mager war und mager blieb (1785)
Tiedge episteln (1796) 1, 199.

später immer an gönner B anknüpfend, 'herablassend, anmaszend freundlich', mehr oder weniger tadelnd in hinsicht auf die anmaszende überheblichkeit in dem selbstgefällig wohlwollenden, gewährenden verhalten einer person einer andern gegenüber: als er dies (die liebkosungen des mädchens) geschehen liesz und ihr mit der hand gönnerhaft und sanft, fast wie wenn er ihr pate wäre, durch das ringelhaar fuhr, legte sie sogleich den arm um seinen hals

[Bd. 8, Sp. 952]


und liebkoste ihn G. Keller ges. w. (1889)