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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gondolier bis gönnegeld (Bd. 8, Sp. 886 bis 888)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gondolier, m., gondelführer, gondoliere: gondelier Kinderling reinigk. d. dtsch. spr. (1795) 220; Adelung wb. 2 (1796) 753; gondolier ein gondelfahrer, gondelführer oder gondelschiffer Campe wb. d. fremden ausdrücke 2 (1801) 388a; (er) ruhete also hinter einem grossen hause ... so lange aus, bis ihn ein gondolir nach einer stunden ... nach hause brachte Menantes satyr. roman (1710) 1, 72; die gondoliers wissen einander mit groszer geschwindigkeit auszuweichen J. G. Keyszler neueste reisen 2 (1776) 1089; die frauen der gondolier haben im winter eine eigene galatracht journal des luxus und der moden (1788) 78;

und gerne steht dem fremdling,
der müszig wandelt, rede
auf seiner fragen jede
der alte gondolier (: zier) (1833)
Platen w. 1, 20 Hempel.


 
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gondoliere, m., gondelführer (it.): singen musz man es können (das metrum ottave rime), wie die griechischen bauern die Iliade, wie die gondolieri in Venedig die stanzen aus dem befreiten Jerusalem (1789) Schiller briefw. m. Körner 2 (1847) 58; die freyheit, welche die gondalieri und lazzaroni sich gegen vornehme nehmen dürfen Immanuel Kant anthropologie (1798) 307; unser gondoliere, ein ehemaliger seesoldat Felix Dahn erinnerungen 4, 2 (1895) 431; ich schleppte also mühselig meine koffer weiter, bis ich endlich aus einem seitenkanal einen gondoliere mir hastig und verstohlen zuwinken sah St. Zweig welt v. gestern (1947) 351. —
 
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gondolieren, vb., in einer gondel, einem nachen fahren bzw. gefahren werden: so als Singleton von Lehde bis Leipe gondolieren, ist immer langweilig Fontane ges. w. (1920) II 5, 426. —
 
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gondolierer, m., gondelführer: gondalirer der schiffmann einer ... gondel Apinus gloss. nov. (1728) 250; so gar müssen die unedlen (allermassen die gondolierer zu Venedig thun) sich auff der gassen schreyendt melden, damit sie nicht etwan (mit einem adligen) zusammenstossen Aegidius Albertinus der landstörtzer (1615) 290; die gondeln haben sie (die Römer) cimbulas genennet, und haben auch die gondolierer hiervon ihren namen Garzoni allg. schaupl. (1641) 1007a; erlangte er den süssen trost, dasz ihn Flavia durch ein paar gondelierer nach ihren zimmern tragen, und ... hinter ihrem ofen trocken werden liesz Menantes satyrischer roman (1710) 1, 102; Reinald bestieg eine schön vergoldete gondel, und liesz sich durch zwey gondelirer ans feste land rudern Musäus volksmärchen 1 (1826) 40.
 
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gönen, vb., sieh gähnen teil 4, 1, 1, sp. 1148.
 
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gong, m., ein metallbecken als tonwerkzeug. gelegentlich auch n., vgl. Petri hdb. d. fremdw. (1897) 375 und unten H. W. Seidel. pl. gongs, in älterer sprache daneben auch gongong, gonggong Walther musik. lex. (1732) 286. wort und sache sind malaiischer herkunft (gōng, gūng, gong, gung, auch agōng, egong usw., s. Scott journal of the american oriental society 18, 49 ff.); sie gelangen über das engl., für das gongo, gong seit 1590

[Bd. 8, Sp. 887]


belegt ist (vgl. Skeat etym. dict. [1910] 245a s. v. gong), nach Europa; in dt. reisebeschreibungen zuerst in der engl. nebenform gom (für 1694 bei Murray 4 [1901] 284b bezeugt): neben etzlichen instrumenten, als pfeiffen, gommen, becken, trommeln, glöcklein und noch andres seitenspiel, das bey uns gantz unbekant ist Chr. Arnold wahrhaftige beschreibungen (1672) 462; diesen (den elefanten im festzug des königs von Siam) folgen viel musicanten mit gommen und pauken Happel relationes curiosae (1685) 2, 649a; in der erneut am englischen orientierten form gong im 18. jh. lexikalisch belegt als von den 'Indianern' verwendetes schlaginstrument, s. o. Walther a. a. o.; Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1255; ebenso seit dem 19. jh. in reisebeschreibungen und ähnlicher literatur: einige buntgekleidete tänzer, die auf dem vorderdeck am steven zum klange des gongs und einiger trommeln ihren klewang schwingen und ihren oberkörper hin und herwiegen A. Jacobsen reise i. d. inselwelt d. Banda-meeres (1896) 172; hatten nicht die gongs der tempel und selbst der grosze kriegsgong, der tief in die erde gegraben ist, Kiri und sein schwert vor wochen gerufen? M. Dauthendey d. acht gesichter am Biwasee (1937) 48. seit dem späten 19. jh. ist der gong in Deutschland gebräuchlich als tonwerkzeug, mit dem der beginn oder auch das ende einer veranstaltung angezeigt wird, besonders der beginn einer mahlzeit: als das gong angeschlagen wurde, begab er sich mit den andern in den weiten speisesaal H. W. Seidel Krüsemann (1935) 191; vgl. auch Kluge-Götze etym. wb. 15274b (dort ein Bismarck-beleg mit falscher stellenangabe). bei boxkämpfen zur kennzeichnung von rundenanfang und -schlusz: rascher schlagwechsel; Trumbull wird an die seile gedrängt — der gong ertönt! schlusz der ersten runde W. K. v. Nohara Theo boxt sich durch (1949) 93. metonymisch für gongschlag: eine stunde vor dem ersten gong waren bereits 20000 zuschauer (des boxkampfes) anwesend boxsport v. 21. 7. 1952, 3a. ferner zur kennzeichnung des beginns von vorführungen auf dem theater, im rundfunk u. a. gong als musikinstrument bei Sachs hdb. d. musikinstrumentenkde 32; gebräuchlich auch als toninstrument im schlagwerk einer uhr.
 
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gongen, vb., dumpf und hohl tönen wie ein angeschlagener gong, s. d.: dumpfe schreie gongten in einer abgestorbenen sommerluft Schnack goldgräber (1930) 71;

jetzt springt zu rosz er (der lichtgott),
von hellem hufschlag
gongt schon die erde wie singendes erz
Ernst Leibl zelt unterm stern (1931) 78;

die wanduhr ... besasz kein schlagwerk. wenn er (der vater) klavier spielte, wollte er sich nicht plötzlich von der plumpen zeit dazwischen gongen lassen Kluge Kortüm (1938) 142. —
 
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gonggong, m., soviel wie gong, s. d. ebenso wie dieses malaiischer herkunft und über das engl. ins deutsche gelangt, vgl. s. v. gonggon Murray 4 (1901) 286, gumgum ebda 507: gongon, gomgom neben gong Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1255; ... erklangen die mörderischen töne des gonggongs Liliencron s. w. (1896) 3, 3. — gongong, gonggong auch als pl. zu gong, s. Walther music. lex. (1732) 286. —
 
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gongschlag, m., als zeichen für den beginn einer veranstaltung, vorführung, mahlzeit u. ä.: ein gongschlag ertönte, der von den stehplätzen mit mehrstimmigem ah! beantwortet wurde, und die gardine ging auseinander (1930) Th. Mann ausgew. erz. (1948) 618; und zugleich sah es so aus, als bedeute ihre ankunft ähnlich dem dumpfen gongschlag hinter dem vorhang den beginn der erwarteten aufführung H. W. Seidel Krüsemann (1935) 267; zwei so alte maskenträger (schauspieler, die vor der aufführung durch das guckloch sehen) können es auch eine minute vorm gongschlag nicht lassen, dem menschen auf der spur zu sein Kluge Kortüm (1938) 92.
 
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gönne, günne, gunne, f., seltener gunn, günn, m., soviel wie gunst. neben älterem mhd. gunt, m. (vgl. Lexer 1, 1120 und s. v. gunst teil 4, 1, 6, sp. 1104) zu mhd. gunnen gebildetes nomen actionis. literarisch vereinzelt seit dem 14. jh. belegt:

[Bd. 8, Sp. 888]


ez hat sin (gottes) rat
durch mynne gunne uns schon nach im gebildet minneburg I 4 (seite 2) Pyritz;

we de upnahme (= einnahme) hefft in dem lohne,
de hefft des alletyd guden günne de Koker 321 Hackmann.

mundartl. heute vor allem als fem. im westlichen md. verbreitet, fast nur in der wendung: einem die gönne (nicht) antun o. ä., z. b. rhein. wb. 2, 1493; Vilmar Kurhessen 133; Schön Saarbrücken 90a; Autenrieth pfälz. id. 59; Reinwald Henneberg 52; Hertel Thür. 108; seltener im alem.: Martin-Lienhart elsäss. 1, 222a; schweiz. id. 2, 334; vereinzelt im nd. bei Woeste westf. 87b. so auch, auf mundartlichem fuszend, literarisch in einem jüngeren beleg: sie hatte auch ihren kopf, sie tat ihr nicht die gönn an, sie anzureden W. Holzamer vor jahr u. tag (1908) 240. als masc. nur selten: diewil man doch bi inen so vil gunst und gonnes fand gegen einem abt J. v. Watt dt. hist. schr. 2, 337 Götzinger; mundartl. noch schweiz. id. 2, 332; Reuting Höchst 20. in der bedeutung 'behagen, genusz, vergnügen': dat woar sinne günn rhein. wb. 2, 1493.
 
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gönnegeld, n., auf grundstücken ruhende ständige abgabe für erbliches nutzungsrecht. als 'angabe, angeld, handgeld' bei Adelung vers. 2 (1775) 749; Krünitz encycl. 19 (1780) 593; Voigtel wb. (1793) 2, 114b; 'erbenzinslaudenium' dt. rechtswb. 4, 1001: (zu den) zinssen und abgiften der bauern ... (gehört) das herd- und gönne-gelt bei den Könizischen adelichen gütern, im Coburgischen Estor d. Teutschen rechtsgelahrtheit 3 (1767) 350; dagegen werden von dem werthe (des zu verlehnenden gegenstandes) zurückgerechnet, die schlüssel- und gönnegelder, wo sie herkömmlich sind E. M. Schilling hdb. d. landwirtschaftsrechts (1828) 347; 1280 thlr. ... kaufgelder und 39 laubthaler gönnegeld in einer bekanntmachung des Fürstl. Reusz-Plauischen justizamtes v. 31. 1. 1874 in der dorfzeitung.

 

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