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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gondellied bis gong (Bd. 8, Sp. 885 bis 886)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gondellied, n.: oder war's nicht das gondellied, das wir damals auf dem see von Enghien sangen? Gutzkow ritter (1850) 5, 9;

gondeln, lichter, musik —
trunken schwamm's in die dämmerung hinaus
...
meine seele, ein saitenspiel,
sang sich, unsichtbar berührt,
heimlich ein gondellied dazu
Fr. Nietzsche w. 1 (1931) 48. —

gondelmodell, n.: mein vater besasz ein schönes mitgebrachtes gondelmodell Göthe I 30, 97 W.
 
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gondeln, vb., meist in komposition. eigentlich 'in einer gondel, einem kleinen wasserfahrzeug fahren': wir gondelten etwas aufm see und erwarteten das dampfboot Rauch an Rietschel (1829) 1, 40; während ich die Donau herabglitt, im Goldenen Horn herumgondelte, die fluthende strömung des Bosporus durchschnitt Fallmerayer fragm. a. d. Orient (1845) 1, 3; bis zur innersten hafenspitze hineingondeln ... mag er allerdings ders. w. (1861) 1, 19; ja, kinder, wie wir nu da so 'rüber gondelten (über den Alsensund bei Düppel), da lag das schwarze biest (ein kriegsschiff) immer dicht neben uns Fontane ges. w. (1905) I 10, 221; im sommer wird er ein motorboot haben und mit den mädchen auf dem Teupitzsee herumgondeln Feuchtwanger geschw. Oppermann (1948) 131. — aber auch für das fahren in (bzw. von) seeschiffen, luftschiffen und flugzeugen: 'nen Amerikaner, der eigens herüber gegondelt ist Bierbaum studentenbeichten (1893) 1, 168; aber heutzutag, da die luftschiffe hinüber-, herübergondeln und die vielen dampfer gehn, ist es (eine reise nach Amerika) ganz alltäglich F. Schnack goldgräber in Franken (1930) 110; er legte die papiere, die der in den lüften (im flugzeug) gondelnde Niehls auf erden zurückgelassen hatte, dem nachfolger Brauns vor A. Seghers die toten bleiben jung (1950) 647. — im berlin. für (gemächliches) fahren und gehen überhaupt: jondeln gehen, auf dem wasser fahren. losjondeln abgehen H. Meyer d. richtige Berliner (1878) 17a; Brendicke Berlin 129a; und nun

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sage, was beginnen wir, wohin gondeln wir? — ich bitte dich, Ezel, nur keine berolinismen Fontane ges. w. (1905) I 3, 21; onkel Fritz nahm einen hausschlüssel, auf dem er gerade so pfiff, wie eine lokomotive, und wir gondelten los (im kremser), durchs Prenzlauer thor, die Prenzlauer chaussee entlang Stinde familie Buchholz (1884) 1, 52; na, ich gondele nächstens los. ferien müssen auch mal sein Rudolf Presber der untermensch u. a. satiren (1904) 48. —
 
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gondelrand, m.: als ich bei hohem sonnenschein durch die lagunen fuhr und auf den gondelrändern die gondoliere, leicht schwebend, buntbekleidet, rudernd, betrachtete Göthe I 30, 133 W.
 
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gondeltasse, f., auch gondel, f., schmales, hohes trinkgefäsz ohne henkel, nach gleichbed. frz. gondole: gondeltasse ein trinkgeschirr ohne fusz und henkel, in gestalt einer gondel Jacobsson technol. wb. 2 (1782) 140a. —
 
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gondeltrunken, adj.: im übrigen, auch geschieden von terra firma, zu wasser wie zu lande dein gondeltrunkener Noel (Venedig 1874) Fontane ges. w. (1920) II 4, 374. —
 
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gondolier, m., gondelführer, gondoliere: gondelier Kinderling reinigk. d. dtsch. spr. (1795) 220; Adelung wb. 2 (1796) 753; gondolier ein gondelfahrer, gondelführer oder gondelschiffer Campe wb. d. fremden ausdrücke 2 (1801) 388a; (er) ruhete also hinter einem grossen hause ... so lange aus, bis ihn ein gondolir nach einer stunden ... nach hause brachte Menantes satyr. roman (1710) 1, 72; die gondoliers wissen einander mit groszer geschwindigkeit auszuweichen J. G. Keyszler neueste reisen 2 (1776) 1089; die frauen der gondolier haben im winter eine eigene galatracht journal des luxus und der moden (1788) 78;

und gerne steht dem fremdling,
der müszig wandelt, rede
auf seiner fragen jede
der alte gondolier (: zier) (1833)
Platen w. 1, 20 Hempel.


 
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gondoliere, m., gondelführer (it.): singen musz man es können (das metrum ottave rime), wie die griechischen bauern die Iliade, wie die gondolieri in Venedig die stanzen aus dem befreiten Jerusalem (1789) Schiller briefw. m. Körner 2 (1847) 58; die freyheit, welche die gondalieri und lazzaroni sich gegen vornehme nehmen dürfen Immanuel Kant anthropologie (1798) 307; unser gondoliere, ein ehemaliger seesoldat Felix Dahn erinnerungen 4, 2 (1895) 431; ich schleppte also mühselig meine koffer weiter, bis ich endlich aus einem seitenkanal einen gondoliere mir hastig und verstohlen zuwinken sah St. Zweig welt v. gestern (1947) 351. —
 
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gondolieren, vb., in einer gondel, einem nachen fahren bzw. gefahren werden: so als Singleton von Lehde bis Leipe gondolieren, ist immer langweilig Fontane ges. w. (1920) II 5, 426. —
 
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gondolierer, m., gondelführer: gondalirer der schiffmann einer ... gondel Apinus gloss. nov. (1728) 250; so gar müssen die unedlen (allermassen die gondolierer zu Venedig thun) sich auff der gassen schreyendt melden, damit sie nicht etwan (mit einem adligen) zusammenstossen Aegidius Albertinus der landstörtzer (1615) 290; die gondeln haben sie (die Römer) cimbulas genennet, und haben auch die gondolierer hiervon ihren namen Garzoni allg. schaupl. (1641) 1007a; erlangte er den süssen trost, dasz ihn Flavia durch ein paar gondelierer nach ihren zimmern tragen, und ... hinter ihrem ofen trocken werden liesz Menantes satyrischer roman (1710) 1, 102; Reinald bestieg eine schön vergoldete gondel, und liesz sich durch zwey gondelirer ans feste land rudern Musäus volksmärchen 1 (1826) 40.
 
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gönen, vb., sieh gähnen teil 4, 1, 1, sp. 1148.
 
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gong, m., ein metallbecken als tonwerkzeug. gelegentlich auch n., vgl. Petri hdb. d. fremdw. (1897) 375 und unten H. W. Seidel. pl. gongs, in älterer sprache daneben auch gongong, gonggong Walther musik. lex. (1732) 286. wort und sache sind malaiischer herkunft (gōng, gūng, gong, gung, auch agōng, egong usw., s. Scott journal of the american oriental society 18, 49 ff.); sie gelangen über das engl., für das gongo, gong seit 1590

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belegt ist (vgl. Skeat etym. dict. [1910] 245a s. v. gong), nach Europa; in dt. reisebeschreibungen zuerst in der engl. nebenform gom (für 1694 bei Murray 4 [1901] 284b bezeugt): neben etzlichen instrumenten, als pfeiffen, gommen, becken, trommeln, glöcklein und noch andres seitenspiel, das bey uns gantz unbekant ist Chr. Arnold wahrhaftige beschreibungen (1672) 462; diesen (den elefanten im festzug des königs von Siam) folgen viel musicanten mit gommen und pauken Happel relationes curiosae (1685) 2, 649a; in der erneut am englischen orientierten form gong im 18. jh. lexikalisch belegt als von den 'Indianern' verwendetes schlaginstrument, s. o. Walther a. a. o.; Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1255; ebenso seit dem 19. jh. in reisebeschreibungen und ähnlicher literatur: einige buntgekleidete tänzer, die auf dem vorderdeck am steven zum klange des gongs und einiger trommeln ihren klewang schwingen und ihren oberkörper hin und herwiegen A. Jacobsen reise i. d. inselwelt d. Banda-meeres (1896) 172; hatten nicht die gongs der tempel und selbst der grosze kriegsgong, der tief in die erde gegraben ist, Kiri und sein schwert vor wochen gerufen? M. Dauthendey d. acht gesichter am Biwasee (1937) 48. seit dem späten 19. jh. ist der gong in Deutschland gebräuchlich als tonwerkzeug, mit dem der beginn oder auch das ende einer veranstaltung angezeigt wird, besonders der beginn einer mahlzeit: als das gong angeschlagen wurde, begab er sich mit den andern in den weiten speisesaal H. W. Seidel Krüsemann (1935) 191; vgl. auch Kluge-Götze etym. wb. 15274b (dort ein Bismarck-beleg mit falscher stellenangabe). bei boxkämpfen zur kennzeichnung von rundenanfang und -schlusz: rascher schlagwechsel; Trumbull wird an die seile gedrängt — der gong ertönt! schlusz der ersten runde W. K. v. Nohara Theo boxt sich durch (1949) 93. metonymisch für gongschlag: eine stunde vor dem ersten gong waren bereits 20000 zuschauer (des boxkampfes) anwesend boxsport v. 21. 7. 1952, 3a. ferner zur kennzeichnung des beginns von vorführungen auf dem theater, im rundfunk u. a. gong als musikinstrument bei Sachs hdb. d. musikinstrumentenkde 32; gebräuchlich auch als toninstrument im schlagwerk einer uhr.

 

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