Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gölse bis goltsch (Bd. 8, Sp. 879 bis 881)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gölse, golse, f., mücke, schnake. sieh s. v. gelse teil 4, 1, 2, sp. 3052; ferner: gölczen muschuoni de Lapi voc. (1479) d 7b; vgl. rhein. wb. 2, 1486 s. v. gulze.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gölt, adj., unfruchtbar, keine milch gebend. synonym mit güst teil 4, 1, 6, sp. 1205; mit vokalrundung für md. gelt, gelte teil 4, 1, 2, sp. 3059, obd. galt teil 4, 1, 1, sp. 1206: gölt, göld sterilis neben nicht gerundeten formen bei Stieler stammb. (1691) 641; assimiliertem gelle, gell (sieh s. v. gelt) entspricht göll M. Kramer teutsch-it. 1 (1700) 500a; gol Kisch Nösner wörter (1900) 56. goolt, adv., neben galt, adj. Neubauer Egerländer ma. 62a. zur etymologie vgl. DWB gelt 3 und Kluge-Götze 15254 s. v. gelt.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
gölte, f., s. DWB gelte, f., teil 4, 1, 2, sp. 3062, bes. unter 3 a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
golter, m. , decke, polster, umhang. lehnwort aus dem roman., afrz. coultre, coutre, it. coltre, coltra, f. im mhd. ist kulter die vorherrschende form, vgl. mhd. wb. 1, 899; Lexer 1, 1766; daneben vorkommendes kolter dringt seit dem ausgehenden mittelalter vor, vgl. DWB kolter teil 5, sp. 1623; formen mit weichem anlaut sind vor allem obd.: gulter die warnung; Wigalois, s. u.; golter (var.) Nibelungen

[Bd. 8, Sp. 880]


1825 Bartsch; Heinrich Kaufringer, s. u.; s. v. lectega (15. jh.) Diefenbach gl. 322a; choltra de Lapi voc. (1479) c 7b; culcitra gemma gemm. (1508) g 4a; cento Dasypodius dict. (1547) f 1b; Frisius dict. (1556) 209a; aber auch md.: Heinrich v. Freiberg, s. u.; culcitra (15. jh.) Diefenbach gl. 161b. selten mit erweichtem dental: golder H. Sachs 5, 58 lit. ver.; goldter Carbach (s. u.); vgl. auch s. v. kolter. gelegentlich mit ausfall des l, vielleicht in anlehnung an entsprechende frz. formen: guter Boner 208 var. zu 48, 27 Pfeiffer; auch kuter (Straszburg um 1400) städtechron. 8, 275; gautter (obd. 16. jh.) Frommann dt. maa. 6, 44 u. ä., vgl. Lexer a. a. o.; Adelung vers. 2 (1775) 1697. neben dem herrschenden mask. auch als neutr.: das seidein golter Iglauer stadtb. (15. jh.) bei Jelinek mhd. wb. 434; als sw. f. siehe unter kolter; das mnd. kennt nur kolte, f. Schiller-Lübben 2, 520. eine eigentümliche form zeigt das passional:

o mit wie lieben ougen
der kunic (der himmelskönig) die goltroten nimt
und uf dich leit, daz dir gezimt passional 515, 19 Köpke;

die goltraten (a. pl.) ebda 440, 44; goltrat steht hier wohl für golter wie sonst im passional marterate, predigate für marter usw., wie diese wohl auch als fem., vgl. ebda 732b im glossar unter goltrat. — der literarische gebrauch des wortes reicht bis ins 17. jh. hinein, dann schwindet es im nd. und im östl. md., im westl. md. tritt es noch vereinzelt im 19. jh. auf, vgl. s. v. kolter; Adelung a. a. o. kennt es nur noch mundartlich, bes. obd., wo es sich bis heute gehalten hat, vgl. gulter schweiz. id. 2, 285; golter Fischer schwäb. 3, 748; Schmeller-Fr. bair. 1, 908.
1) golter bezeichnet allgemein eine gefütterte decke, die verschiedenen zwecken dienen kann:

der zuber schon bedecket wart
mit ainem golter seidein,
das niemant sehen mocht hinein
Heinrich Kaufringer 9, 19 Euling;

sein todter crpel ward auff einem gulter die stgen nider geschleifft Stumpf Schweiz. chron. (1606) 369a; golter 'ein jede decke, teppich, tapezerey, darmit man die tisch, stüel, bänck, truhen vnd wende behengt vnd ziert' Henisch teutsche spr. (1616) 1678.
a) besonders als bettdecke:

dane was küsse noch bet
noch daz lîlachen da ze stet:
mit dem gulter in niemen dahte (13. jh.) die warnung 2975 Haupt;

dô enpfant er (Tristan) unde wart gewar
...
daz von sîner wunden bluot
lîlachen, golter, diz und daz
in dem bette wâren naz
Heinrich v. Freiberg Tristan 2803 Bernt;

do die fraw daz pette in ein frische kamern legen thet, vnd mit schönen leylachen als die seyden bedecken, schuffe auff die einen samaten golter Arigo decamerone 534 lit. ver. diesen gebrauch meint auch wohl der folgende beleg: (die Türken) haben dafür (für tische und stühle) ein teppich oder zwen auszgebrayt, darauff sie auff jr weisz pflegen zsitzen, vnnd für die federwadten (deren kain gebrauch bey jhnen) jhre gölter, etwan auch madratzen Rauwolff reise (1582) 81. ein abgenutzter golter als pferdedecke:

nu ganc hin zuo dem vater dîn,
bit umb den golter alt
dâ mite man diu ros bedeckt,
der ûf dem miste lît Kolmarer meisterlieder 79, 68 Bartsch;

vgl. ebda 79, 75; 93; golter als 'pferdedecke' auch bei Unger-Khull steir. 299a. — in bildlichem zusammenhang mit dem sinne 'ihr habt uns nicht einmal das bett gelassen': (der schultheisz zum pfarrer:) ihr hond den golter so hart von uns über gezogen, dasz wir schier erfroren sein (16. jh.) bei Schade sat. 2, 154.
b) seltener als unterlage, eine art matratze, polster:

dar nâch bette man in
under daz gezelt hin
beidiu ûf loube und ûf gras.
vil manic guot gulter was
ûf daz loub gedecket
Wirnt v. Grafenberg Wigalois 92, 14 Pfeiffer;

[Bd. 8, Sp. 881]


dann nam er sein rw, so nichts zthun oder z schaffen was, vnnd die nit auff weychen betten, sonder liesz er jhm eyn goldter auff die erd spreyten, darauff er schlaffens plag Carbach Livius (1551) 106a.
c) gelegentlich als kleidungsstück, umhang, umschlagetuch: diplois rote golter (obd. 15. jh.) Diefenbach gl. 183b; dipplum kotz oder rauher golter (obd. 15. jh.) n. gl. 136a; supara arm golt (obd. 15. jh.) gl. 566b; wer in iren orden wolt, solt zum habit ein schlechts weisz leinenthch one fallten umb sich geschlagen tragen, wie die ziegeiner ein golter umb sich hüllen Kirchhof wendunmuth 1, 533 lit. ver. ähnlich wird das wort noch in heutigen obd. maa. für das wickeltuch und den rock kleiner kinder verwendet, vgl. schweiz. id. und Fischer schwäb. a. a. o.
2) an die letzte bedeutung knüpfen wohl feste wendungen und bildliche redensarten an, in denen golter als kleidungsstück oder übertragen für 'fell, haut des menschen' erscheint:

die spotter heben an zsingen,
sind frlich vnd gter dingen.
der tod kumpt heimlich z jngschlichen,
er facht jn an den golter strichen.
er laszt sich kein arbeit verdriessen,
tht sy gchlich z boden schiessen (16. jh.) schweiz. schauspiele 2, 121 Bächtold.

vor allem den golter lausen, flicken u. ä. für 'jemanden schelten, schlagen', meist mit der auch sonst in dieser verwendung üblichen übertragenen bedeutung der betreffenden verben:

sie wirt im wol den golter lausen
und im den groben bart erzausen,
kein hertr straff ich im wünschen wil
Hans Sachs 14, 230 lit. ver.;

ähnlich ebda 5, 58; 9, 129; 17, 76;

gelt? wir habn jr den golter glaust,
darbey desz regens gebn
vnd haben jr den balck zerzaust
J. Ayrer dramen 5, 3055 lit. ver.;

wenn ich heim kumb, wirt ichs wol sehen,
wie du ein weil daheim thust hausen.
felst, ich wil dir dein golter zausen
Hans Sachs 14, 172 lit. ver.;

und schrey: der teuffel bleyb bey dir!
du unflats-hals, gelaub du mir!
ich will ein ubern halsz dir schicken,
der dir auch musz dein golter flicken ebda 5, 256;

du solst kein narren an uns finnen,
wir wollten dir dein golter fegen ders. bei
Schmeller-Fr. bair. 1, 894.

mit Schmeller-Fr. s. v. goller ist zu erwägen, ob golter in dieser verwendung nicht richtiger zu goller, n., (s. d.) 'kragen, brustkleid' zu stellen ist; aber golter ist als nebenform zu goller sonst zu selten belegt, als dasz es gerade in diesen redensarten ausschlieszlich auftreten sollte; auch die tatsache, dasz sich hier kein einziges sicheres neutr. findet, spricht gegen zuordnung zu goller, n.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
golterbett, n.: torus, bett oder golterbett (1566) bei Fischer schwäb. 6, 2056. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-decke, gölterdecke, f., soviel wie golter, s. d.: zwo genät gölterdecken Zingerle mittelalterl. inventare (1909) 7. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
-macher, auch golterer, m., bettdeckenerzeuger Unger-Khull steir. 299a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goltern, vb., vom 'hallen nicht ganz voller fässer' Fulda idiotikenslg. 131; Birlinger schwäb. 238; golderen Fischer schwäb. 3, 740. schallnachahmend, vgl. DWB golpen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
göltevieh, n., sieh s. v. gelt 2 b; c, teil 4, 1, 2, sp. 3060.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
göltrich, adj., s. gelterich teil 4, 1, 2, sp. 3098; vgl. Fischer schwäb. 3, 37 s. v. gältrich, adj., wo nur das adv. in der form göltrich erscheint.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goltsch, m., sieh s. v. golsch.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: