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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
golpen bis gölt (Bd. 8, Sp. 878 bis 879)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) golpen, vb., mnl. gelven, golven strömen, flieszen Verwijs-Verdam 2, 1306; nl. gulpen gierig trinken, sich erbrechen, in breiten strahlen herausflieszen woordenboek 5, 1265; engl. gulp gierig verschlingen, aufstoszen, sich erbrechen Murray 5, 505; dän. gylpe (älter auch gulpe) aufstoszen, sich erbrechen, schluchzen, wie ein rabe schreien Falk-Torp 363; schwed. dial. gylpä sich erbrechen Rietz sv. dialekt-lexikon 223; norw. golpa aufstoszen Torp 192. 1) gieszen, guszweise herausstürzen; aufstoszen, erbrechen: golpe Jensen Wiedingharde 163a; gulpen Doornkaat-Koolman 707a; gülpen, gülpschen rhein. wb. 2, 1485; vgl. auch kolpern teil 5, sp. 1622. — 2) in obd. maa. vom geräusch einer in einem gefäsz sich bewegenden flüssigkeit, auch schwanken, stolpern. schallnachahmend wie gelfen (s. d.), golken (s. d.), goltern (s. d.), gelzen (t. 4, 1, 2, 3121), in denen die grundwurzel ghel (in gellen) verschieden erweitert ist, s. Walde-Pokorny 1, 628.
 
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golsch, m., golschen und zahlreiche nebenformen (s. u.), ein blau und weisz, überhaupt farbig gestreifter oder gewürfelter grober baumwoll- oder leinenstoff, der besonders im ausgehenden mittelalter und im beginn der neuzeit gehandelt wird. seit dem 14. jh. belegt, bes. obd.: swaz fürbaz golsch oder zwilchs oder mittlers von frömden plaichen herchümt, den sol niemant hie chaufen (14. jh.) stadtrecht v. München art. 377 Auer; ain gemainer golschen soll haben neuntzigk elen, vnd sol nicht ringer geswaiffen werden ab sechtzehn drey vnd zwaintzigk (Passau) hist. bei Schmeller-Fr. bair. 1, 893; vil andere leinwat, als golschen, spinet, gallisch, cöllisch ...

[Bd. 8, Sp. 879]


bey jhnen (den Schwaben) gemacht wirt Seb. Franck weltbuch (1567) 53a; die damalige (15. jh.) weberwaare war hauptsächlich barchet, golschen, (kölsch) und haustücher P. v. Stetten reichsstadt Augsburg 1 (1779) 208. auch golz: auch schüllen sie furwar noch golz noch parchant, noch leinwat ... vorkauffen (1348) Altprager stadtrecht 39 Röszler; golchcz (1424) bei Brenner-Hartmann Bayerns maa. 2, 439; golcz Tucher baumeisterb. (1470) 299 lit. ver.; goltsch : vnd den goltsch sullen sie gut machin (1387) Korn schles. urk. z. gesch. d. gewerberechts 81; golisch hist. bei Schmeller-Fr. bair. 1, 893; gölsch bei Fischer schwäb. 4, 581 s. v. kölnisch. daneben häufig formen mit anlautendem k: köllisch, kölsch, kelsch u. ä., seit dem 15. jh.; s. DWB kölsch 2, teil 5, sp. 1622, ferner Lexer 1, 1666; Martin-Lienhart elsäss. 1, 435; Fischer a. a. o.; schweiz. id. 3, 246; Schmeller-Fr. a. a. o. seit dem 18. jh. schwindet das wort in den nördlichen maa., vgl. für das hennebergische Frommann dt. maa. 2, 212 anm.; es hält sich mundartl. im alem., bes. in formen mit hartem anlaut, vgl. die angegebenen ma.-wbb.die formen mit anlautendem k und attributive verbindungen wie kollischer barchant (15. jh.) teil 5, sp. 1622 s. v. kölsch, kolnisch kussintuch (1401) bei Fischer schwäb. 4, 581 s. v. kölnisch 1 lassen vermuten, dasz golsch, kölsch usw. eine substantivierung aus kölnisch, adj., ist; aber s. oben Seb. Franck, der golschen und cöllisch offenbar nicht synonym verwendet.
 
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golschen, adj. zu golsch: golscheins leineins tuech hist. bei Schmeller-Fr. bair. 1, 893 s. v. golisch; vgl.kölschen Fischer schwäb. 4, 582 s. v. kölnisch 2.
 
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golsch-komposita durchweg mit golschen-, gölschen- als erstem glied:
 
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-handel, m.: zu dem gölschenhandel wurde auf dem judenhof ein eigenes gölschenhaus erbaut, das man keller hiesz Jäger Ulm im mittelalter 599. —
 
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-haus, n.: dass, wann füraus ein hiessiger meister ein hausstuch, kölsch ... aussgewürket habe, so soll entweder der meister selbst oder iemand von den seinigen solche waar iedesmahls auf das golschen oder stupffhauss tragen oder schicken und mit einem ... zeichen durch die geschwohrne schaumeister ... oder ... durch die geschwornen golschenknecht bezeichnen und stupfen lassen (Ulm 1677) bei Fischer schwäb. 4, 582; sieh auch s. v. gölschenhandel. —
 
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-knecht, m., sieh s. v. gölschenhaus. —
 
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-schau, f., amtliche prüfung der golschen: item dieweyl her Ludwig von Hasperg pfleger hie ist gewesen, hat sich die golschen schaw und plaich angefangen (16. jh. anf.) Baumann qu. z. gesch. d. bauernkr. in Oberschwaben 14 lit. ver.
 
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-weber, m.: von ihnen (den marnern oder loderern) verschieden und in vielfachem streit mit ihnen begriffen waren die barchent und leinwand oder gölschenweber Jäger Ulm im mittelalter 637. weitere zusammensetzungen wie golschenordnung, -zeichen bei Fischer schwäb. 4, 582 s. v. kölnisch.
 
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gölse, golse, f., mücke, schnake. sieh s. v. gelse teil 4, 1, 2, sp. 3052; ferner: gölczen muschuoni de Lapi voc. (1479) d 7b; vgl. rhein. wb. 2, 1486 s. v. gulze.
 
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gölt, adj., unfruchtbar, keine milch gebend. synonym mit güst teil 4, 1, 6, sp. 1205; mit vokalrundung für md. gelt, gelte teil 4, 1, 2, sp. 3059, obd. galt teil 4, 1, 1, sp. 1206: gölt, göld sterilis neben nicht gerundeten formen bei Stieler stammb. (1691) 641; assimiliertem gelle, gell (sieh s. v. gelt) entspricht göll M. Kramer teutsch-it. 1 (1700) 500a; gol Kisch Nösner wörter (1900) 56. goolt, adv., neben galt, adj. Neubauer Egerländer ma. 62a. zur etymologie vgl. DWB gelt 3 und Kluge-Götze 15254 s. v. gelt.

 

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