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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goll bis göllern (Bd. 8, Sp. 876 bis 878)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goll, m., göll, golle, gölle u. ä. in bei goll usw., s. DWB gott I J 4 b.
 
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golle, gölle, f., falsche verhochdeutschung des nd. jolle teil 4, 2, sp. 2336, ein auf nordischen gewässern und bei der norddt. binnenschiffahrt verwendetes kleines, einmastiges fahrzeug verschiedener bauart. nl. jol, f. und n.; aus dem nd. oder nl. sind entlehnt dän. jolle, m., schwed. julle, m., engl. yawl. nd. seit dem 16. jh. belegt: aldus was gemelte H. K. szulffander mith eynere jollen ... gefaren Wism. zeugeb. (1520) bei Kluge seemannsspr. 398 s. v. jolle; eyne golle mith zcwen fisscheren und etlichen mantzen (netzen) erbert (16. jh.) hanserezesse III 8, 511; in der diminutivform: linter een iolleken Junius nomencl. (1567) 246a. auf nd. sprachgebiet herrschen, auch bei hd. schreibenden schriftstellern, die formen jolle, jölle, jelle u. ä.: sofort gab ich ordre, es solten unsre leute in die hart ans schiff befestigte yelle springen Vischer Robinson Crusoe (1720) 2, 275; weitere belege bis ins 19. jh. bei Kluge a. a. o. 397. mundartl. jül, jülle Doornkaat-Koolman ostfries. 2, 147; joll, jull, jöll Mensing schlesw.-holst. 2, 1047; jelle Dähnert plattdt. wb. 204b; jolle Hennig pr. wb. 110. auszerhalb des nd. auch im rhein.: jolle rhein. wb. 3, 1197. aus dem nd. gelangt das wort in die hd. lexikographie: jol, jelle Frisch t.-lat. 1, 490b; vor allem in der form gölle Adelung versuch 2 (1775) 748; gölle, gelle Sanders wb. 1, 609a neben jolle, jölle ebda 1, 841a. die herkunft des wortes ist ungeklärt; anknüpfung an an. kjóll (Kluge a. a. o.) ist, da das verbreitungsgebiet im nordostseeraum liegt, wahrscheinlicher als herleitung aus lat. gaulus (Frommann dt. maa. 2, 423; Doornkaat - Koolman a. a. o.); s. a. Kluge-Götze etym. wb. 15346a s. v. jolle.
 
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gölle, f., tümpel, pfütze, jauche; tiefe rille u. ä.; bes. nd. für sonst häufigeres 1gülle teil 4, 1, 6, sp. 1072; dort näheres über ableitung und auszerdeutsche entsprechungen: gole, goel Schiller-Lübben 2, 131 (belege seit d. 15. jh.); gölle Voigtel wb. (1793) 2, 114b; Schrader dt.-frz. wb. 1, 563; Fulda idiotikenslg. 131; Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 157; im neueren nd. meist mit langem vokal göl, gaal Mensing schlesw.-holst. 2, 451; gȫl(e) Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 663. auszerhalb des nd. ein vereinzeltes schweiz. gölla Tobler Appenzell 232. — zu vergleichen ist mhd. gollen, vb., aufstoszen, zuwider sein (unpers.), das in seiner bedeutung zwar zu 3gülle, f., 'übelkeit, brechreiz', teil 4, 1, 6, sp. 1074, paszt, aber wohl ebenso wie dieses zusammen mit gölle 'tümpel' unmittelbar zur idg. wurzel ghēu- 'gähnen, klaffen' zu stellen ist:

so beginnet ime gollen
daz er sich hât pevollen Wiener genesis 860 Dollmayr.


 
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gollen, vb., s. DWB gölle, f.

[Bd. 8, Sp. 877]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gollenfeder, f., feder des gollen (s. 1goll). bildlich in der redensart jemandem entfällt oder entfliegt eine gollenfeder, in der an die frechheit, einfältigkeit und dummheit (auch eitelkeit?) des gollen gedacht und in der die bildrede federn lassen 'übel davon kommen; schaden, einbusze leiden' (s. feder 2, teil 3, sp. 1393) verwendet wird. die redensart meint 'unüberlegt oder auf grund eines plötzlichen einfalls etwas dummes, sündhaftes sagen', wohl auch (s. u. Crusius) 'in gerissener gewitztheit etwas trügerisches sagen': (Paulus will) vns hiemit vnterwiesen haben, wie wir vns gegen vnserem nechsten menschen, dem ein gollen feder entflogen, vnd der sich vbersehen hat, halten sollen (zu Römer 11, 18) Gretter ercler. d. ep. Pauli (1566) 711; so ist auch dieses nicht die erste gollenfedern, die den jesuiten entfallen (16. jh.) L. Osiander bei Fischer schwäb. 3, 746; hierher wohl auch: es soll sich einer hten dasz jhm nicht gallen federn entfallen, dasz man nicht mercke, dasz er ein narr sey Henisch teutsche spr. (1616) 1, 1033; vgl. Stieler stammb. 450; gallenfedern 'schmachwort, pennœ biliosœ' Henisch a. a. o. wäre dann nur für gollenfeder verlesen oder verhört und entsprechend lat. falsch glossiert (vgl. auch s. v. gallenfeder teil 4, 1, 1, sp. 1191). die gleiche redensart liegt der glossierung in dem folgenden nicht ganz eindeutigen beleg zugrunde, in dem wahrsager lügen gestraft werden, die ein ereignis auf tausend jahre voraussagten: non magna haec vrbanitas (χελιασμός ein gollenfeder) aruspicum fuit, mille annos praescribentium? quia si centum annos dixissent, possent eorum deprehendi mendacia M. Crusius annales Suevici 1 (1595) 116; dazu eine spätere übersetzung: ist das nicht eine grosse hfflichkeit (χεδιασμὸς [= σχεδιασμὸς] gollenfeder, bescheid aus dem stegreiff) an die wahrsager gewesen, dasz sie 1000 jahr vorschreiben? massen, wann sie 100 jahr angesetzet htten, man sie ob der lügen ertappen konnte J. J. Moser Crusii schwäb. chron. (1738) 1, 102b. vgl. Fischer schwäb. a. a. o.
 
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goller, göller, n., seltener m., kragen, halsstück an der rüstung, brustkleid; siehe DWB koller teil 5, sp. 1614. dazu ist folgendes nachzutragen: das wort zieht sich aus dem nd. und md. allmählich zurück; es tritt hier heute nur noch gelegentlich auf, meist als mask. in der form kuller, köller u. ä., und bezeichnet den hemdkragen, aber auch eine kurze jacke; vgl. kuller 1 Mensing schlesw.-holst. 3, 362; köller rhein. wb. 4, 1131, hier auch in der bedeutung 'pferdekummet'; Crecelius oberhess. 2, 514; Vilmar Kurhessen 2, 17; es hält sich im obd. in der form goller, göller, seltener golter, gölder, als neutr., in jüngerer zeit auch als mask.; vgl. Fischer schwäb. 3, 746, hier auch in der bedeutung 'halskette' und als mask. 'eine art weste ohne ärmel'; schweiz. id. 2, 217; Schmeller-Fr. bair. 1, 893. literarisch auch noch im 18. und 19. jh.: der kaiser, erzählt uns Khevenhiller, zeigte beym anblick des blutigen gollers, den man dem könige (v. Schweden) in der schlacht abgenommen, und nach Wien geschickt hatte, eine anständige rührung Schiller 8, 296 G.;

dann ich ein pfeil dahinden
in meinen goller gsteckt bei
A. v. Arnim s. w. 14 (1846) 130;

mit thränen zog sie das ... goller an B. Auerbach schr. (1892) 10, 159. redensartlich: mein vater ... wollte Vreni beim göller nehmen Jer. Gotthelf s. w. 1, 33 Hunziker-Bl.; für'n galgen hilft kein goller und fürs kopfweh kein kranz Mörike w. 3, 181 Maync; vgl. s. v. koller 2 h, sieh auch s. v. golter 2.
 
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gollerkette, f.,
 
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-kettlein, n., eine das goller hallende, meist silberne halskette: um den hals trug er eine anzahl silberner göllerketten G. Keller nachgel. schr. (1893) 274; Vreneli war ganz einfach angezogen, hatte nicht etwa die hochzeitkleider an ..., hatte nicht einmal seine schweren silbernen göllerkettelein eingehängt Jer. Gotthelf s. w. 11, 229 Hunziker-Bl.weitere zusammensetzungen wie -büblein, -kleid, -mieder, -rock in obd. ma.-wbb., bes. Fischer schwäb. 3, 747; 6, 2056.

[Bd. 8, Sp. 878]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) göllerlein, n., dim. zu goller (s. d.): halszgöllerle s. v. fasciola Frisius dict. (1556) 545b; göllerlin, gölderlin (16. jh.) s. v. göller schweiz. id. 2, 218; 'göllerlein ein kleines tuch, welches man den kindern unter dem halse vor die brust bindet, damit sie sich im essen nicht beschmutzen' Jacobsson technol. wb. (1781) 5, 721; mit solchem reytzen durch kstliche ding werden iunckfrawen geschendt, ehefrawen zu bulerin, lauffen zu den pfaffen, zu reichen apten, thon was man wil, darumb das sie auch hubsche gollerlin, messerlin ... etc. haben Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 159 ndr. vgl. köllerlein teil 5, sp. 1617.
 
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gollern, vb., für häufigeres kollern 4 a, teil 5, sp. 1618: der hund bellte im hofe und der truthahn gollerte in dem unverhofften rumor Eichendorff s. w. (1864) 3, 373; einige (der gesellen) wollten sich galant zeigen und scharrten und gollerten wie aufgeblasene truthähne um sie (das mädchen) herum ebda 3, 422.
 
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göllern, vb., vereinzelt für sonstiges kollern 'rollen, kugeln', teil 5, sp. 1619. 'würfeln': wir göllern, trumpfen, paschen lieder d. 30jähr. krieges 129 Weller.

 

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