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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
golk bis goller (Bd. 8, Sp. 875 bis 877)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) golk, m., wassertümpel, see; wasserstrudel. vereinzelt im hd. für häufigeres nd. und rhein. kolk teil 5, sp. 1613; dazu ist nachzutragen kolk rhein. wb. 4, 1129: golk vorago, gurges Frisch t.-lat. 1, 361a; was solte heut der jüden und heiden tauchen in ihren gölken? Mathesius hist. Christi (1579) 1, 43a.
 
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golken, golkern, vb., strudeln; für das geräusch von flüssigkeiten, die durch eine enge gehen. md. für sonstiges gulken, gulkern teil 4, 1, 6, sp. 1071 und kolken, kolkern teil 5, sp. 1613. zu den dort verzeichneten belegen noch: biblit amphora es glckert Reyher thes. (1668) 273, ebda glossiert: biblo ... est fictitium a similitudine soni, qui fit in vase. golken auch in der s. v. gulken nur für skandinavische maa. belegten bedeutung 'sich erbrechen' bei Tschumpert bündner. id. 611; ebenso kolken Frischbier pr. wb. 1, 403b; Gutzeit spr. Livlands 2, 71b. — dazu das intensivum golkatzen, -kotzen (obd. 15./16. jh.) (e)ructare, gurgulare Diefenbach gl. 209b; 271b; 502b.
 
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golkrabe, m., s. DWB kolkrabe teil 5, sp. 1614.
 
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goll, golle, gollen, m. , mundartlich auch f. und vereinzelt n., name eines zur familie der finken gehörigen vogels, soviel wie gimpel teil 4, 1, 4, sp. 7511. das wort ist vor allem im alem. belegt und mundartlich nur dort gebräuchlich: goll s. v. melanchoryphus Frisius dict. (1556) 809b; goll gugger, blutfenck, rothvogel Henisch teutsche spr. (1616) 1678; gol, goll schweiz. id. 2, 213; golle, gollen Fischer 2, 746; gol, n. Martin-Lienhart 1, 212a; literarisch (s. u.) und lexikalisch ist es nur gelegentlich auszerhalb des alem. bezeugt: goll gimpel, pyrrhula, rubecilla Weismann teutsch-lat.-russ. wb. (1731) 256b; Fulda idiotikenslg. 131; Nemnich wb. d. naturgesch. 203; Oken naturgesch. 7, 264. goll ist also gerade dort heimisch, wo gleichbedeutendes gimpel nicht oder nur selten belegt ist, vgl. s. v. gimpel 1. wie gimpel von gumpen, so dürfte goll von dem vorwiegend obd. gebräuchlichen vb. golen (s. d.) abgeleitet sein, dessen weitere bedeutung 'unfug treiben', 'ausgelassen sein' dem auf menschen übertragenen gebrauch von goll (s. u. 2) nahesteht; vgl. auch schweiz. id. a. a. o.
1) im eigentlichen gebrauch als vogelname für dompfaff, blutfink u. ä., pyrrhula, vgl. die oben angegebenen wbb.: (das oktavblatt klagt:) warum hat mich nicht gleich in meiner jugend (als hanfsamenkorn) ein funck oder goll aufgefressen und alsobald dreck aus mir gemacht Grimmelshausen Simpl. 2, 885 Keller. der goll gilt (wie der gleichbedeutende gimpel) als ein ungeschickter, einfältiger vogel; in dieser bedeutung erscheint er in einem vergleich, dem die an redensarten mit gollenfeder (s. d.) gebundene vorstellung zugrunde liegt: du beklagest dich sehr unbillich, weil wir befunden, dasz dir nicht nur eine, sondern derselben

[Bd. 8, Sp. 876]


(federn) etlich, und eben vil, ja mehr als einem gollen in der mausz, empfallen W. Holder antwort (1593) 7.
2) übertragen auf menschen, wie gimpel 2 als spott- oder schimpfwort, 'einfältiger mensch', 'schelm' u. ä.:

wofür haltst mich du alter goll?
J. Frischlin Susanna (1589) 271;

ich mein auch eben disen goll (einen krämer)
N. Frischlin bei
Fischer schwäb. 3, 746;

es ist ja immer sünd und schand
dasz wir arme bäuwerlein solln
von den unfletern und losen golln
so gar viel leiden und ausstehn
Z. Poleus tragedi v. d. belagerung Samariae (1603) C.

mundartlich noch im alem., s. Fischer a. a. o.in dieser bedeutung wohl ursprünglich nicht identisch mit schweiz. und österr. göl, gol, goll 'narr, dummkopf' teil. 4, 1, 5, sp. 677, wohl aber sekundär mit diesem lautlich und bedeutungsmäszig zum teil zusammengefallen, vgl. schweiz. id. 2, 213.
 
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goll, m., auch gol, goller 'haushahn'. nebenform zu gule (s. d.) und wie dies mundartlich begrenzt, vgl. Stalder schweiz. 1, 463, Buck flurnamenb. (1880) 86, Kaltschmidt gesamtwb. (1834) 347b: haus 'zum gollen' (15. jh.) veröff. a. d. archiv v. Freiburg i. Br. (1903) 4, 27 Flamm; hausz goller Messerschmidt lust. narrh. (o. j.) 161.
 
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goll, m., göll, golle, gölle u. ä. in bei goll usw., s. DWB gott I J 4 b.
 
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golle, gölle, f., falsche verhochdeutschung des nd. jolle teil 4, 2, sp. 2336, ein auf nordischen gewässern und bei der norddt. binnenschiffahrt verwendetes kleines, einmastiges fahrzeug verschiedener bauart. nl. jol, f. und n.; aus dem nd. oder nl. sind entlehnt dän. jolle, m., schwed. julle, m., engl. yawl. nd. seit dem 16. jh. belegt: aldus was gemelte H. K. szulffander mith eynere jollen ... gefaren Wism. zeugeb. (1520) bei Kluge seemannsspr. 398 s. v. jolle; eyne golle mith zcwen fisscheren und etlichen mantzen (netzen) erbert (16. jh.) hanserezesse III 8, 511; in der diminutivform: linter een iolleken Junius nomencl. (1567) 246a. auf nd. sprachgebiet herrschen, auch bei hd. schreibenden schriftstellern, die formen jolle, jölle, jelle u. ä.: sofort gab ich ordre, es solten unsre leute in die hart ans schiff befestigte yelle springen Vischer Robinson Crusoe (1720) 2, 275; weitere belege bis ins 19. jh. bei Kluge a. a. o. 397. mundartl. jül, jülle Doornkaat-Koolman ostfries. 2, 147; joll, jull, jöll Mensing schlesw.-holst. 2, 1047; jelle Dähnert plattdt. wb. 204b; jolle Hennig pr. wb. 110. auszerhalb des nd. auch im rhein.: jolle rhein. wb. 3, 1197. aus dem nd. gelangt das wort in die hd. lexikographie: jol, jelle Frisch t.-lat. 1, 490b; vor allem in der form gölle Adelung versuch 2 (1775) 748; gölle, gelle Sanders wb. 1, 609a neben jolle, jölle ebda 1, 841a. die herkunft des wortes ist ungeklärt; anknüpfung an an. kjóll (Kluge a. a. o.) ist, da das verbreitungsgebiet im nordostseeraum liegt, wahrscheinlicher als herleitung aus lat. gaulus (Frommann dt. maa. 2, 423; Doornkaat - Koolman a. a. o.); s. a. Kluge-Götze etym. wb. 15346a s. v. jolle.
 
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gölle, f., tümpel, pfütze, jauche; tiefe rille u. ä.; bes. nd. für sonst häufigeres 1gülle teil 4, 1, 6, sp. 1072; dort näheres über ableitung und auszerdeutsche entsprechungen: gole, goel Schiller-Lübben 2, 131 (belege seit d. 15. jh.); gölle Voigtel wb. (1793) 2, 114b; Schrader dt.-frz. wb. 1, 563; Fulda idiotikenslg. 131; Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 157; im neueren nd. meist mit langem vokal göl, gaal Mensing schlesw.-holst. 2, 451; gȫl(e) Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 663. auszerhalb des nd. ein vereinzeltes schweiz. gölla Tobler Appenzell 232. — zu vergleichen ist mhd. gollen, vb., aufstoszen, zuwider sein (unpers.), das in seiner bedeutung zwar zu 3gülle, f., 'übelkeit, brechreiz', teil 4, 1, 6, sp. 1074, paszt, aber wohl ebenso wie dieses zusammen mit gölle 'tümpel' unmittelbar zur idg. wurzel ghēu- 'gähnen, klaffen' zu stellen ist:

so beginnet ime gollen
daz er sich hât pevollen Wiener genesis 860 Dollmayr.


 
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gollen, vb., s. DWB gölle, f.

[Bd. 8, Sp. 877]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gollenfeder, f., feder des gollen (s. 1goll). bildlich in der redensart jemandem entfällt oder entfliegt eine gollenfeder, in der an die frechheit, einfältigkeit und dummheit (auch eitelkeit?) des gollen gedacht und in der die bildrede federn lassen 'übel davon kommen; schaden, einbusze leiden' (s. feder 2, teil 3, sp. 1393) verwendet wird. die redensart meint 'unüberlegt oder auf grund eines plötzlichen einfalls etwas dummes, sündhaftes sagen', wohl auch (s. u. Crusius) 'in gerissener gewitztheit etwas trügerisches sagen': (Paulus will) vns hiemit vnterwiesen haben, wie wir vns gegen vnserem nechsten menschen, dem ein gollen feder entflogen, vnd der sich vbersehen hat, halten sollen (zu Römer 11, 18) Gretter ercler. d. ep. Pauli (1566) 711; so ist auch dieses nicht die erste gollenfedern, die den jesuiten entfallen (16. jh.) L. Osiander bei Fischer schwäb. 3, 746; hierher wohl auch: es soll sich einer hten dasz jhm nicht gallen federn entfallen, dasz man nicht mercke, dasz er ein narr sey Henisch teutsche spr. (1616) 1, 1033; vgl. Stieler stammb. 450; gallenfedern 'schmachwort, pennœ biliosœ' Henisch a. a. o. wäre dann nur für gollenfeder verlesen oder verhört und entsprechend lat. falsch glossiert (vgl. auch s. v. gallenfeder teil 4, 1, 1, sp. 1191). die gleiche redensart liegt der glossierung in dem folgenden nicht ganz eindeutigen beleg zugrunde, in dem wahrsager lügen gestraft werden, die ein ereignis auf tausend jahre voraussagten: non magna haec vrbanitas (χελιασμός ein gollenfeder) aruspicum fuit, mille annos praescribentium? quia si centum annos dixissent, possent eorum deprehendi mendacia M. Crusius annales Suevici 1 (1595) 116; dazu eine spätere übersetzung: ist das nicht eine grosse hfflichkeit (χεδιασμὸς [= σχεδιασμὸς] gollenfeder, bescheid aus dem stegreiff) an die wahrsager gewesen, dasz sie 1000 jahr vorschreiben? massen, wann sie 100 jahr angesetzet htten, man sie ob der lügen ertappen konnte J. J. Moser Crusii schwäb. chron. (1738) 1, 102b. vgl. Fischer schwäb. a. a. o.
 
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goller, göller, n., seltener m., kragen, halsstück an der rüstung, brustkleid; siehe DWB koller teil 5, sp. 1614. dazu ist folgendes nachzutragen: das wort zieht sich aus dem nd. und md. allmählich zurück; es tritt hier heute nur noch gelegentlich auf, meist als mask. in der form kuller, köller u. ä., und bezeichnet den hemdkragen, aber auch eine kurze jacke; vgl. kuller 1 Mensing schlesw.-holst. 3, 362; köller rhein. wb. 4, 1131, hier auch in der bedeutung 'pferdekummet'; Crecelius oberhess. 2, 514; Vilmar Kurhessen 2, 17; es hält sich im obd. in der form goller, göller, seltener golter, gölder, als neutr., in jüngerer zeit auch als mask.; vgl. Fischer schwäb. 3, 746, hier auch in der bedeutung 'halskette' und als mask. 'eine art weste ohne ärmel'; schweiz. id. 2, 217; Schmeller-Fr. bair. 1, 893. literarisch auch noch im 18. und 19. jh.: der kaiser, erzählt uns Khevenhiller, zeigte beym anblick des blutigen gollers, den man dem könige (v. Schweden) in der schlacht abgenommen, und nach Wien geschickt hatte, eine anständige rührung Schiller 8, 296 G.;

dann ich ein pfeil dahinden
in meinen goller gsteckt bei
A. v. Arnim s. w. 14 (1846) 130;

mit thränen zog sie das ... goller an B. Auerbach schr. (1892) 10, 159. redensartlich: mein vater ... wollte Vreni beim göller nehmen Jer. Gotthelf s. w. 1, 33 Hunziker-Bl.; für'n galgen hilft kein goller und fürs kopfweh kein kranz Mörike w. 3, 181 Maync; vgl. s. v. koller 2 h, sieh auch s. v. golter 2.

 

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