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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldzeug bis golf (Bd. 8, Sp. 869 bis 870)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldzeug, n. 1) was goldstoff (s. d.): mit nutzen aber werden daselbst (a. d. Krim) verhandelt tücher, sammete, gold- und silberzeuge, seidene und wollene zeuge allg. dt. bibl. (1765) 38, 506; da sah man sie in gewändern von goldzeug mit steinen verziert Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 31, 194. 2) goldenes gerät: der graf läszt ihm alles gold- und silberzeug hertragen, was er hat Rosegger schr. (1895) I 14, 230. —
 
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goldzieher, m., was golddrahtzieher (s. d.); rotwelsch auch für einen taschendieb, vgl. Gottschalk dt. namenkde (1942) 247c. —
 
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goldzierat, m.: ferner hat man den kranz um manche glasbecher mit solchem trüben mittel überzogen, woraus der sehr angenehme effect entspricht, dasz die aufgetragenen goldzierrathen ... auf blauem grunde um desto schöner (hervorgehoben werden) Göthe II 5, 1, 348 W.
 
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goldzopf, m. 1) vom blonden haar: ihre goldzöpfe hingen tief über den nacken hinab G. Keller ges. w. (1889) 1, 248. 2) name der pflanze chrysocoma Nemnich wb. d. naturgesch. 203. —
 
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goldzunder, m. 1) in älterer sprache was goldsinter 1, goldschaum 1: aurugo goltczunder (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 62c. 2) 'die asche von mit goldchloridlösung getränkten leinwandläppchen, welche zum vergolden auf kaltem wege verwendet wird' Karmarsch-Heeren (31876) 4, 148; vgl. Meyer gr. konvers.-lex. (1907) 20, 74 s. v. vergolden. —
 
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goldzweig, m.: hinter Rom (als allegorischer gestalt im siegeswagen) stand das mit gold- und lorberzweigen bekräntzte und einen palmzweig in der lincken hand haltende bild des sieges Lohenstein Arminius (1689) 2, 484b. im sonnenlicht golden glänzender zweig: denn ich sehe wol, wie jetzo die holde abendsonne von goldzweig zu goldzweig niederhüpft Jean Paul w. 49/51, 399 Hempel. übertragen: verdorren soll Schubarts stamm dann, vom sturme zerknikt liegt neben ihm Ludwig (Schubarts sohn), sein einziger goldzweig Schubart br. in: D. Fr. Strausz ges. schr. 9, 95 Zeller.
 
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goldzwiebel, f., name der pflanze asphodelus luteus L., vgl. Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 475; Holl wb. dt. pflanzenn. 6b; vgl. auch goldwurz 2 u. 3: ich glaub daz dise goldtzwibel auch gut sey allerley geschwer zu erweychen Bock kreutterb. (1539) 2, 63.
 
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golem, m.: 'hebr. (von galam, zusammenfalten) eig. das unentwickelte, der fötus; nach der jüd. tradition ein erdenklosz, ein irdenes gebilde, das durch heiszes gebet eines rabbi belebt worden sein soll' Heyse fremdwb. (1903) 313a; (die juden haben) eine zauberey, welche hamor golim genannt wird, da machen sie ein bild von laymen, einem menschen gleich, zischpern oder brumlen demselben etliche beschwerungen in die ohren, davon dann das bild gehet Brenz jüdischer abgestreifter schlangenbalg (1614) 5 bei Beate Rosenfeld die golemsage u. ihre verwendung in der dt. literatur (1934) 39. literarisch vor allem seit der romantik, vgl. Jacob Grimm zeitung für einsiedler vom 23. april 1808, ders. kleinere schriften 4, 22: er hatte bei einem guckkasten einen gelehrten juden aus Polen wiedergefunden, der ihm schon früher durch seine kunst, golems zu machen, manche ergötzlichkeit verschafft hatte A. v. Arnim s. w. 1, 54 Steig; ja, dies war komischerweise unter der bildreklame von Dubonnet gewesen, wo sich ein eckiger schwarzer golem mit fast mathematisch verkürztem arm seinen likör einschenkt El. Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 403. ausführlich zur sache Beate Rosenfeld

[Bd. 8, Sp. 870]


op. cit., wo weitere literarische nachweisungen; vgl. ferner jüd. lexicon (1927) 2, 1200; encyclopaedia judaica (1928) 7, 501; hdwb. d. aberglaubens 3, 939. in symbolisch vertiefter bedeutung unter hervorkehrung der unheimlichen, dämonischen seite der gestalt:

der golem wandelt mit bekanntem schritte
er spricht, er lächelt mit bekanntem hauch,
allein es ist kein strahl in seinem aug,
es schlägt kein herz in seines busens mitte
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 1, 357 Schücking; vgl. ebda 1, 343;

der golem ist das bild der lebendig-toten, der jungen greise, der ausgebrannten formen und der leeren vergangenheit Cl. Heselhaus Annette von Droste-Hülshoff (1943) 69;

eine kernlose hülse,
ein golem, ein spuk
Scherr Blücher (1862) 2, 253.

leichteren gewichts:

launig erlog die natur und bemalte den stattlichen golem,
dann, auf sich selber gestellt, log das gebilde sich durch
(unter der überschrift: 'ein schuldlos unwahrer')
G. Keller s. w. 2, 1, 28 Fränkel.


 
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golen, gölen, gohlen, göhlen, vb., 'laut singen, schreien, lärmen'. literarisch nicht sehr häufig, mundartlich bes. im schweizerdeutschen. schallnachahmend wie jolen (s. d.) jaulen (s. d.), gellen (s. d.), grölen (s. d.) oder 2gogeln (s. d.).; sonitum edere schreyen ruffen glen (1550) Schöpper synon. 34a Schulte-K.:

(der sich als narr verstellende Tristan) legete sich hin wider
ûf sîn narrenstrôel nider.
er golte sînen alten sanc,
der tœrisch gnuoc von im erklanc
Heinrich v. Freiberg Tristan 5455 Bernt;

vgl. ebda 5357 u. 5378; darbei die rasenden corybanten auch ein cabirisch vnsinnig wesen, jauchtzen, gln, singen, ... muszten fhren Fischart Garg. 154 ndr.; wann er pfeifen, lautenschlagen, singen ... gehört, hat er gesagt: wem soll doch das pfifflen und das golen Zimmer. chron. 3 (21881) 105 B.; welche (lieder) sie als wolbezechte volle leute daher sungen, göhleten und löhreten W. Spangenberg anmüt. weiszh. lustgarten (1621) 13; man ... läszt ungestört sie (die kinder in der schule) löhlen und göhlen Jer. Gotthelf ges. schr. (1856) 19, 74. vom lärmenden toben eines wahnsinnigen: Dauid ... verstalt seyn gebärd ... vnd golet vnder jren henden vnd stiesz sich an die thür am thor vnd seyn geyffer flosz in den bart Zürcher bibel (1531) 1. kön. 21d, gegen 'sich einfältig benehmen' des schweiz. id. 2, 215, wo das wort 'narr' der ausgabe von 1548 wohl eine fehlinterpretation veranlaszte. sonst aber auch allgemeiner 'unfug treiben', 'ausgelassen sein' (vielleicht auch unter einflusz von 1gogeln, gaukeln, s. d.): swer dem andern nimt seinen wagen oder sein pferdt und da mit golet, der gibt fünf pfunt Nürnberger polizeiordn. 36 Baader; damals ... hat's geheiszen, es sei nichts böses gemeint — gegolt sei halt worden, wie mädchen und buben tun. und ich habe mir das golen verbeten Ernst Zahn herrgottsfäden (1913) 19. weitere bedeutungsschattierungen mit mundartlichen nachweisen im schweiz. id. 3, 214 u. 234 s. v. galpen; vgl. auch Fischer schwäb. 2, 745 (jetzt ausgestorben); Lexer Kärnten 118; Martin-Lienhart 1, 401. mundartliche weiterbildungen sind: goleien, golheien schweiz. id. 2, 15, Fischer schwäb. 3, 745; goleisteren ebda; gölern rhein. wb. 2, 1304; golisieren schweiz. id. 2, 217; golreien Fischer schwäb. 3, 748; wohl auch gölsen Überfelder Kärnten 114, vgl. golenzen Lexer 1, 1045.
 
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golette, f., entlehnt aus it. goletta und dies aus frz. goélette 'leichter zweimaster' und 'meerschwalbe', umbildung aus goéland 'seemöwe' aus bret. gwelan, s. Gamillscheg et. wb. d. frz. spr. 475. mit anderer herleitung bei Goedel et. wb. d. dt. seemannsspr. (1902) 173: jetzt durchschiffe ich auf einer golette ... die Cykladen, und gehe endlich, über Kandia, nach Ägypten Pückler briefw. u. tageb. (1873) 3, 332.
 
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golf, m. , gröszerer, von einem küstenbogen teilweise umschlossener abschnitt des meeres, meerbusen. zugrunde

[Bd. 8, Sp. 871]


liegt gr. κόλπος 'busen, meerbusen', woraus mlat. (seit Hieronymus) colpus, vulgärlat. colfus (Walde-Hofmann 248; Stolz-Schmalz lat. gr.5 132), golfus, gulfus (du Cange 4, 85a u. 137b), it. sp. portug. golfo und prov. frz. golfe, vgl. auch norw.-dän. und schwed. golf, engl. gulf. im nl. ist golf 'meerbusen' mit golf, f., 'welle' (vgl. 2golf) in form und geschlecht zusammengefallen (daher das fem. golfe [gholve B] in dem nl. beeinfluszten seebuch, s. u.). aus welcher einzelsprache die zunächst im Mittelmeergebiet gebräuchliche bezeichnung ins deutsche entlehnt wurde, ist nicht zu entscheiden. im deutschen erscheint das wort seit der mitte des 14. jhs., zuerst bei Jerusalemfahrern, anfangs z. t. latinisiert (chulfus). im 15. u. 16. jh. überwiegt golff vereinzelte nebenformen wie galff, kalfo, göelff bei Röhricht pilgerreisen 133; 215; 323; gellf Thucher meerfahrt (1561) i 4a; cholf S. Franck; golffo (fremdw.) die ersten deutschen zeitungen (s. unten). die formen golp, gölpe, gulf, gülfe s. unter 2. unter gelehrtem einflusz wird die bezeichnung im 17. und z. t. noch im 18. jh. als ital. fremdwort (golfo) behandelt. seit dem ende des 18. jhs. herrscht die eingedeutschte form golf. — durch die übernahme zahlreicher bezeichnungen, in denen sich golf mit städte- oder landschaftsnamen u. ä. zu geogr. eigennamen verbindet, ist das wort auch in seinen rein appellativischen gebrauch als synonym zu meerbusen lebendig erhalten worden.
1) 'sinus maris, meerbusen'; sinus grece golphos maris est ein golph Trochus (1517) t 5a; golfo busen desz meers, ein italianisch wort Henisch (1616) 1678; golfo sinus Aler (1727) 966a; golfo ist ein meerbusen oder ein grosser und schmaler arm von einem meer, welcher zwischen zwey vorgebürgen sich ins land hinein erstrecket Sperander à la mode-sprach (1728) 279a; meerbusen oder golf, eine grosze strecke der see, welche in ein land hineintritt Röding wb. d. marine (1793) 2, 174: do wir chamen zu der chullfen zu Satellia (Adalia), mitten in den zwaihundert meil von dem sucht unns got haim, wann der selb chulfus macht sollich guss und tunnen sleg ... das wir uber hundert malen scheffbruchung besorgten (nach 1346) Jacob v. Bern bei Röhricht pilgerreisen 49 (zum wechsel des genus vgl. gülff unter 2); am suntag an der zwelffpoten tag furen wir durch einen weyten und schönen culphum und der wint was fur uns und komen gen Rodis an allerheyligen tag (nach 1436) Georg Pfintzing ebda 69;

ich han auch dick geblast
myn dag in kalten ofen
durch golffen überschrofen
gefarn unmeisterlich
Hermann v. Sachsenheim in:
meister Altswert 228 Holl.-K.;

(wir) kamen uff den abet uff den golff sandt Helene (golf von Adalia) U. Brunner Jerusalemfahrt (1470) in: zs. d. dt. Palästina-vereins 29, 25; des obentz umb 2 or vor nacht erhuben sich aber gross winde uff dem golff und gingen ser grosse thünnen im mere, also das das wasser ayner seyt in dy gallien schlug (nach 1479) Rieter reisen 41 lit. ver.; item de wil segelen in Viviris van sudwesten wynde, de sal insegelen by den westhoke, unde is en grote golfe, unde is schone seebuch 27 Koppmann; dann wissentlich ist, das sant Thamas hynnter Malaqua leibhefftig leyt, auff Cost Siramatl, im golffo de Celon (1505) die ersten deutschen zeitungen 6 lit. ver.;

in einen golfen, ist genant
der golf von Jasson wol bekant,
da wolt der soldan sich besachen
mit holz und darusz schiffung machen (1510) die histor. volkslieder 3, 38, 31 Liliencron;

von Cannonor fört man gegen Ethiopiam über ein cholfen des mörs bey 3 tausent meil, und kumpt zu einer insel Mozambich S. Franck weltbuch (1534) 209b; den 30. (mai) kahmen wür gedachte insul Corfu uff öttlich meul fürbey, doselbsten sich der golfo de Vönetia anhöbt (um 1600) Samuel Kiechel reisen 456 lit. ver.; darbey das eysz meer ein schosz oder golfo hab Megiser nort welt (1613) 80; an. 1678 ist er widerumb selthin gefahren, und wie gemutmasset wird, in dem daselbigen golfo, mit seinem

[Bd. 8, Sp. 872]


schiff und leuten desz nachts in einem orcan umbgekommen Schweitzer journal (1688) 12; sardelli fängt man bey Venedig, im adriatischen golfo Abr. a s. Clara etwas für alle 2 (1711) 97; ein fremder, der über Chiozza gekommen war, und von der schönen lage dieser stadt am golf viel zu erzählen wuszte, machte den prinzen neugierig sie zu sehen Schiller 4, 332 G.; alle diese küsten und vorgebirge, golfe und buchten, inseln und erdzungen, felsen und sandstreifen Göthe I 31, 239 W.;

im halbzirkel umher, an dem lachenden golf entlang,
unabsehlich benetzt von dem laulichen wogenschwall,
liegt von schiffen und hohen gebäuden ein weiter kreis
Platen werke 1, 262 Hempel;

(der teil des meeres) welchen die Spanier wegen der leichtigkeit der schiffahrt den golf der damen (golfo de las damas) nennen Gehler physik. wb. 10 (1842) 1896; ja, lieber freund, es war ein unwetter, das mich am stillen golf von Sta. Margherita überfiel und in eiliger flucht über Florenz heimtrieb (1888) J. Rodenberg an C. F. Meyer in: br. 272 Langm.; wie eine reliefkarte liegt gegen das meer zu das hügelland zu füssen ... Spezia selbst ist nicht sichtbar, wohl aber der grösste teil des golfes A. Steinitzer a. d. unbekannten Italien (1914) 30; die fenster des zimmers ... sahen auf stadt (Neapel) und golf hinaus Werfel geschw. v. Neapel (1931) 366.
2) neben dem durchgehenden gebrauch im sinne von 'meerbusen' finden sich einzelne zeugnisse für golf in weiterer bedeutung. Adelung versuch e. wb. 2 (1775) 748 verzeichnet 'vertiefung von beträchtlichem umfange, schlund; sammlung stehender wasser' als veraltete bedeutungen; bei Mathesius steht golf für 'meer': (die von Tyro und Sidon haben) sich wol nach dem grossen wagen gerichtet, wie die Grecken ihr schiffart nach dem kleinen wagen, ehe sie uber den hohen golff (das hohe meer, den ozean) kamen, und sich nach dem polo antarctico richten kondten Sarepta (1562) 201b. Bodmer gebraucht golfo im sinne von '(wassergefüllter) abgrund, wassermasse (der sintflut)':

plötzlich sperrte der see im mittlern berge, der spiegel
unserer ersten mutter, den schlund von einander, sein wasser
floh von den ufern und kroch ins eingeweide der erde;
...
oben erbebten die giebel des bergs mit neigendem nicken
neunmal, im zehnten entstürzten sie in den gehnenden golfo
('abgrund') Noah (1752) 292 (1765 fehlt golfo);

neunmal das masz des tags war mit unsichtbaren schritten
von der ebbe gejagt die flut ins erdreich gekrochen;
Raphael sah ein gebirg das haupt bis nahe zum rande
heben, es hatte beynah den golfo durchstochen
('wassermasse') ebda 361;

vor überfall schien sie (die bewohner von Nod) die natur beschirmet zu haben,
als sie zwischen ihr land und Magog den golfo gegraben ebda 51, v. 387

(dagegen v. 370: meerengigter sund, 1765 fehlt golfo);

muse von Sion besing die rettung des menschengeschlechtes,
die der richter der welt im golfo der sündflut vollbracht hat
('wassermasse' oder vielleicht 'schosz', in anlehnung an
griech. [homer.] κόλπος 'meeresschosz') ebda 3 (1765 fehlt golfo);

(von Schönaich beanstandet: ein golfo heiszt auf deutsch ein meerbusen; also sage man ein meerbusen der sündfluth; dieser war nun eben da, wo ihr haven war neolog. wb. 161 Köster; vgl. 201; 207). — andererseits begegnet golp, m., (s. d.), gölpe, f., sonst 'strudel, wassergusz, schluck', auch in der bed. 'meerbusen' (vgl. du Cange gulfus sinus maris, Germanis golpe 4, 137c): golfo (sinus) gölpe, meerbusen, meerstrang, it. ein wirbel, strudel im wasser; golfo di V enezia gölpe oder meerbusen zu Venedig Kramer it.-teutsch (1676) 813b (jedoch 1693 beseitigt); bei Fulda als altes wort gebucht kolb, kolp meerbusen (1788) 222; (vgl.kolf, DWB golf sinus maris, a kolk dictus propter aestum Stieler [1691] 942). — es scheint, dasz golp, gölpe mit der bezeugten bed. 'wirbel, strudel' ehemals die bed. '(wassergefüllte) vertiefung' vereinigt hat (wie etwa tümpel und kolk, golk in beiden bed. bezeugt sind, ebenso engl. gulf 'abgrund, schlund; strudel'; vgl. auch norw. kulp 'wasserloch, vertiefung [im wassergrunde]' und schwed. dial. kolp-djup

[Bd. 8, Sp. 873]


'abgrund, schlund'). auf wasseransammlungen gröszeren ausmaszes angewandt, dürfte golp in der hd. zu erwartenden form golf (gulf) mit dem lehnwort in dessen spezieller bed. 'meerbusen' zusammengefallen sein, andererseits aber dessen erweiterten gebrauch im sinne von 'wassergefüllter abgrund', 'meer' usw. ermöglicht haben. reste selbständigen gebrauches der hd. formen gülfe, gulph zeigen sich in den s. v. gulf teil 4, 1, 6, sp. 1071 zitierten belegen: gülf, f., 'fluszmündung' Schöpf Tirol 223; die peripherie mit den vorstädten ist für mich ein wahrer gulph, in den ich ... mich mit betäubung verliere (bildl. i. s. v. strudel, wirbel) Seume (1801) bei Planer-Reiszmann 303. dagegen gülff mit schwankendem genus für 'meerbusen': umb den mittag seind wir eyngefahren in ein canale oder gülffe genannt de Satalia (golf von Adalia) ... unnd ist dieselb canale oder gülff sehr sorglich, wann, als man sagt, vor etlicher zeit man drey schiff durch denselben gülff fuhren, das allwegen eins oder zwey daselbst verdorben seindt, so lang bisz dasz die heilig frawe s. Helena durch dieselb gülff gefahren ist ... unnd ist derselb gülff 30 meylen lang (nach 1496) reyszbuch desz heyligen lands (1609) 1, 69. — auffällig bleibt, dasz die frz. entlehnung von it. golfo bereits seit dem 13. jh. neben der bed. 'meerbusen' die bed. 'abgrund', 'strudel' entwickelt (seit anfang des 17. jhs. formal in golfe und gouffre differenziert), vgl. B. E. Vidos storia delle parole marinaresche italiane passate in francese (1939) 428; desgleichen vereinigt engl. gulf (seit dem 14. jh., Murray 4, 501), wohl nach dem frz., beide bedeutungszweige.

 

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