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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldzeche bis golette (Bd. 8, Sp. 869 bis 870)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldzeche, f.: auri fodina Stieler stammb. (1691) 2604; in Europa haben in den östlichen Alpen die gebrüder Schlagintweit auf 8860 fusz höhe stollenwasser in der goldzeche ... von nur 0, 08 wärme gemessen A. v. Humboldt kosmos (1845) 4, 238.
 
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goldzeug, n. 1) was goldstoff (s. d.): mit nutzen aber werden daselbst (a. d. Krim) verhandelt tücher, sammete, gold- und silberzeuge, seidene und wollene zeuge allg. dt. bibl. (1765) 38, 506; da sah man sie in gewändern von goldzeug mit steinen verziert Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 31, 194. 2) goldenes gerät: der graf läszt ihm alles gold- und silberzeug hertragen, was er hat Rosegger schr. (1895) I 14, 230. —
 
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goldzieher, m., was golddrahtzieher (s. d.); rotwelsch auch für einen taschendieb, vgl. Gottschalk dt. namenkde (1942) 247c. —
 
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goldzierat, m.: ferner hat man den kranz um manche glasbecher mit solchem trüben mittel überzogen, woraus der sehr angenehme effect entspricht, dasz die aufgetragenen goldzierrathen ... auf blauem grunde um desto schöner (hervorgehoben werden) Göthe II 5, 1, 348 W.
 
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goldzopf, m. 1) vom blonden haar: ihre goldzöpfe hingen tief über den nacken hinab G. Keller ges. w. (1889) 1, 248. 2) name der pflanze chrysocoma Nemnich wb. d. naturgesch. 203. —
 
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goldzunder, m. 1) in älterer sprache was goldsinter 1, goldschaum 1: aurugo goltczunder (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 62c. 2) 'die asche von mit goldchloridlösung getränkten leinwandläppchen, welche zum vergolden auf kaltem wege verwendet wird' Karmarsch-Heeren (31876) 4, 148; vgl. Meyer gr. konvers.-lex. (1907) 20, 74 s. v. vergolden. —
 
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goldzweig, m.: hinter Rom (als allegorischer gestalt im siegeswagen) stand das mit gold- und lorberzweigen bekräntzte und einen palmzweig in der lincken hand haltende bild des sieges Lohenstein Arminius (1689) 2, 484b. im sonnenlicht golden glänzender zweig: denn ich sehe wol, wie jetzo die holde abendsonne von goldzweig zu goldzweig niederhüpft Jean Paul w. 49/51, 399 Hempel. übertragen: verdorren soll Schubarts stamm dann, vom sturme zerknikt liegt neben ihm Ludwig (Schubarts sohn), sein einziger goldzweig Schubart br. in: D. Fr. Strausz ges. schr. 9, 95 Zeller.
 
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goldzwiebel, f., name der pflanze asphodelus luteus L., vgl. Marzell wb. d. dt. pflanzennamen 1, 475; Holl wb. dt. pflanzenn. 6b; vgl. auch goldwurz 2 u. 3: ich glaub daz dise goldtzwibel auch gut sey allerley geschwer zu erweychen Bock kreutterb. (1539) 2, 63.
 
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golem, m.: 'hebr. (von galam, zusammenfalten) eig. das unentwickelte, der fötus; nach der jüd. tradition ein erdenklosz, ein irdenes gebilde, das durch heiszes gebet eines rabbi belebt worden sein soll' Heyse fremdwb. (1903) 313a; (die juden haben) eine zauberey, welche hamor golim genannt wird, da machen sie ein bild von laymen, einem menschen gleich, zischpern oder brumlen demselben etliche beschwerungen in die ohren, davon dann das bild gehet Brenz jüdischer abgestreifter schlangenbalg (1614) 5 bei Beate Rosenfeld die golemsage u. ihre verwendung in der dt. literatur (1934) 39. literarisch vor allem seit der romantik, vgl. Jacob Grimm zeitung für einsiedler vom 23. april 1808, ders. kleinere schriften 4, 22: er hatte bei einem guckkasten einen gelehrten juden aus Polen wiedergefunden, der ihm schon früher durch seine kunst, golems zu machen, manche ergötzlichkeit verschafft hatte A. v. Arnim s. w. 1, 54 Steig; ja, dies war komischerweise unter der bildreklame von Dubonnet gewesen, wo sich ein eckiger schwarzer golem mit fast mathematisch verkürztem arm seinen likör einschenkt El. Langgässer d. unauslöschl. siegel (1946) 403. ausführlich zur sache Beate Rosenfeld

[Bd. 8, Sp. 870]


op. cit., wo weitere literarische nachweisungen; vgl. ferner jüd. lexicon (1927) 2, 1200; encyclopaedia judaica (1928) 7, 501; hdwb. d. aberglaubens 3, 939. in symbolisch vertiefter bedeutung unter hervorkehrung der unheimlichen, dämonischen seite der gestalt:

der golem wandelt mit bekanntem schritte
er spricht, er lächelt mit bekanntem hauch,
allein es ist kein strahl in seinem aug,
es schlägt kein herz in seines busens mitte
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 1, 357 Schücking; vgl. ebda 1, 343;

der golem ist das bild der lebendig-toten, der jungen greise, der ausgebrannten formen und der leeren vergangenheit Cl. Heselhaus Annette von Droste-Hülshoff (1943) 69;

eine kernlose hülse,
ein golem, ein spuk
Scherr Blücher (1862) 2, 253.

leichteren gewichts:

launig erlog die natur und bemalte den stattlichen golem,
dann, auf sich selber gestellt, log das gebilde sich durch
(unter der überschrift: 'ein schuldlos unwahrer')
G. Keller s. w. 2, 1, 28 Fränkel.


 
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golen, gölen, gohlen, göhlen, vb., 'laut singen, schreien, lärmen'. literarisch nicht sehr häufig, mundartlich bes. im schweizerdeutschen. schallnachahmend wie jolen (s. d.) jaulen (s. d.), gellen (s. d.), grölen (s. d.) oder 2gogeln (s. d.).; sonitum edere schreyen ruffen glen (1550) Schöpper synon. 34a Schulte-K.:

(der sich als narr verstellende Tristan) legete sich hin wider
ûf sîn narrenstrôel nider.
er golte sînen alten sanc,
der tœrisch gnuoc von im erklanc
Heinrich v. Freiberg Tristan 5455 Bernt;

vgl. ebda 5357 u. 5378; darbei die rasenden corybanten auch ein cabirisch vnsinnig wesen, jauchtzen, gln, singen, ... muszten fhren Fischart Garg. 154 ndr.; wann er pfeifen, lautenschlagen, singen ... gehört, hat er gesagt: wem soll doch das pfifflen und das golen Zimmer. chron. 3 (21881) 105 B.; welche (lieder) sie als wolbezechte volle leute daher sungen, göhleten und löhreten W. Spangenberg anmüt. weiszh. lustgarten (1621) 13; man ... läszt ungestört sie (die kinder in der schule) löhlen und göhlen Jer. Gotthelf ges. schr. (1856) 19, 74. vom lärmenden toben eines wahnsinnigen: Dauid ... verstalt seyn gebärd ... vnd golet vnder jren henden vnd stiesz sich an die thür am thor vnd seyn geyffer flosz in den bart Zürcher bibel (1531) 1. kön. 21d, gegen 'sich einfältig benehmen' des schweiz. id. 2, 215, wo das wort 'narr' der ausgabe von 1548 wohl eine fehlinterpretation veranlaszte. sonst aber auch allgemeiner 'unfug treiben', 'ausgelassen sein' (vielleicht auch unter einflusz von 1gogeln, gaukeln, s. d.): swer dem andern nimt seinen wagen oder sein pferdt und da mit golet, der gibt fünf pfunt Nürnberger polizeiordn. 36 Baader; damals ... hat's geheiszen, es sei nichts böses gemeint — gegolt sei halt worden, wie mädchen und buben tun. und ich habe mir das golen verbeten Ernst Zahn herrgottsfäden (1913) 19. weitere bedeutungsschattierungen mit mundartlichen nachweisen im schweiz. id. 3, 214 u. 234 s. v. galpen; vgl. auch Fischer schwäb. 2, 745 (jetzt ausgestorben); Lexer Kärnten 118; Martin-Lienhart 1, 401. mundartliche weiterbildungen sind: goleien, golheien schweiz. id. 2, 15, Fischer schwäb. 3, 745; goleisteren ebda; gölern rhein. wb. 2, 1304; golisieren schweiz. id. 2, 217; golreien Fischer schwäb. 3, 748; wohl auch gölsen Überfelder Kärnten 114, vgl. golenzen Lexer 1, 1045.
 
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golette, f., entlehnt aus it. goletta und dies aus frz. goélette 'leichter zweimaster' und 'meerschwalbe', umbildung aus goéland 'seemöwe' aus bret. gwelan, s. Gamillscheg et. wb. d. frz. spr. 475. mit anderer herleitung bei Goedel et. wb. d. dt. seemannsspr. (1902) 173: jetzt durchschiffe ich auf einer golette ... die Cykladen, und gehe endlich, über Kandia, nach Ägypten Pückler briefw. u. tageb. (1873) 3, 332.

 

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