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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldwurm bis goldzeug (Bd. 8, Sp. 867 bis 869)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldwurm, m., name verschiedener, nicht immer klar bestimmbarer goldfarbener tiere, bes. des glühwürmchens und der spanischen fliege. zumeist für aurelia oder cantharis, doch sind auch diese lat. bezeichnungen nicht eindeutig, z. b.: aurilia ... golt-, gold-, gultwurm (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 62b; noctiluca golt wurm (obd. 1502) ders. nov. gl. 264b; vgl. noch ders. ml.-hd.-böhm. wb. 45; aurilena goltwurm gemma gemm. (1508) c 3b; aurelia Maaler teutsch spr. (1561) 189c; goldwürme aurelia Stieler stammb. (1691) 2584; 'gold-wurm, lat. aurelia, ist nicht das johaniswürmlein, wie einige davor halten, sondern ein viel grösseres gewürm, so wie gold gläntzet und zur sommers-zeit auf den feldern häuffig zu sehen ist' Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1250; cantarides goltwurm (Nürnb. 1482) Diefenbach gl. 96a; die würm (die cantarides oder paumwürm) sint grüen, aber wenn diu sunn scheint, sô sint si goltvar, und dar umb haizt man si auch goltwürm Konrad v. Megenberg buch d. natur 300, 1 Pf. mundartlich auch für andere käfer. obersächs. für den marienkäfer, coccinella septempunctata, vgl. teuthonista 6 (1929) 252; für den goldkäfer, carabus auratus, vgl. Schambach 67a; für den rosenkäfer, vgl. Reinwald Henneberg 2, 53; vgl. auch oben goldkäfer; für den ringelwurm (gleiskäfer, glanzwurm, goldmaus, stachelrücken, seemaus), aphrodita aculeata: der goldwurm, der gleiskäfer le bupreste, richard Schwan nouv. dict. (1783) 1, 777b; ich habe mich bisher oft gewundert, warum ich mich Seemaus schreibe, wie der schleimwurm gleichen namens, der wegen seiner herrlichen angebornen goldstacheln auch glanz- und goldwurm und goldmaus heiszt Jean Paul w. 45/47, 396 Hempel; vgl. noch Nemnich wb. d. naturgesch. 203; Oken allg. naturgesch. 5 (1835) 573; Campe 2, 384a. nicht näher bestimmbar: oberst von der Busch litt ... an dem in Guinea ... vorkommenden goldwurm, einem im menschlichen körper sich einnistenden ... insecte Gutzkow ges. w. (1872) 3, 336. kärntnisch und steirisch für den salamander, vgl. Unger-Khull steir. 299b u. hdwb. d. dt. aberglaubens 3, 939. in Tirol name eines fabeltiers, vgl. hdwb. d. dt. aberglaubens 3, 938. übertragen für einen habgierigen menschen: was begegnet aber letztlich solchen begirlichen geitzhälsen vnd goldwürmen Albertinus hirnschleiffer (1664) 259. für die zur fixen idee gewordene sucht nach gold: Castagna war zwar oberster bergwercksverwalter der republik, allein er musz doch auch den goldwurm gehabt haben, weil er den Becher glauben machte, dasz man in jedem laboratorio eine immerwährende erzgrube anlegen könnte Adelung gesch. d. menschl. narrheit (1785) 1, 131. —
 
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goldwürmchen, n., dimin. z. vorigen: am Johannistage (1713) gieng eines klemperers sohn mit sinem bruder zum thore hinauf, um sogenannte goldwürmchen aufzusuchen Rabenstein aufr. beytr. z. entthronung d. aberglaubens (1786) 36; goldwürmchen meloe vesicatorius Nemnich wb. d. naturgesch. 203. als kosewort: nun du (der verleger Dieterich) bist doch mein goldwürmchen, dass du es noch so gnädig machst Bürger br. 3, nr. 664 Strodtm. für einen kürzeren goldfaden: trotteln seynd kleine qvasten von knötgen, schmeltz, weissen corallen und goldwürmergen gedrehet, werden an die enden der halstücher genähet Amaranthes frauenz.-lex. 2045. —
 
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goldwürmlein, n., dass.: aureliae, χρυσαλλίδες, goldwürmlein, fiunt ex crucis (= crocis)

[Bd. 8, Sp. 868]


olerum et oleribus insidunt voc. rei num. (1552) d 6b; klein gepulverte goldtwürmlein oder cantharides Zechendorfer zwei bücher v. gebrechen d. ross (1571) 2, 19. singulär für goldmünzen:

die ulmerischen goldwürmlein
schon lauter staub vnd aschen seyn lieder a. d. winterkönig 140 Wolkan.


 
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goldwurz, f., name verschiedener pflanzen nach der farbe des stengelsaftes, der wurzeln (zwiebeln) oder blüten; mehr oder weniger mundartl. begrenzt und lautlich variiert. gebräuchlich vor allem für 1) chelidonium majus L. (schöllkraut) und bestimmte arten der liliazeen, bes. 2) asphodelus ramosus oder a. albus oder a. luteus L., und 3) lilium martagon L. (Türkenbund) oder hemerocallis L., auszerdem für 4) senecio vulgaris L. 5) ranunculus ficaria L. 6) inula dysenterica L., vgl. Pritzel-Jessen volksn. d. pflanzen 90; 48; 216; 374; 325, wo auch die dt. synonyma; Holl wb. d. pflanzenn. 8b; Schkuhr bot. hdb. 1, 299; 3, 118; Noel Chomel öcon. lex. 4, 1250; Nemnich wb. d. naturgesch. 203. in den älteren glossaren und wbb. noch unter zahlreichen anderen lateinischen bezeichnungen, oft, wie in vielen literar. belegen, ohne klare beziehung. seit dem 13. jh. belegbar: celidonium goltwurz (13. jh.) ahd. gl. 3, 388, 8 St.-S., vgl. 4, 372, 3; Diefenbach gl. 110c; ders. nov. gl. 83a; Bock kräuterb. (1539) 1, 25b; affodillus goldewrz (14. jh.) ahd. gl. 3, 525, 23 St.-S., auch für affrodillus, asphodelus u. ä., vgl. Diefenbach gl. 16b; albucum weysz aphrodillen, goldwurtz oder heidnisch blumen Frisius dict. (1556) 70b; goldwurtz albucum, asphodelus, heydnisch blumen, hastula regia Henisch (1616) 1675; 'heidnisch lilien oder heidnische blumen, goldwurtz wird lateinisch genennet lilium saracenicum, lilium sylvestre und martagon' Tabernämontanus kräuterb. (1687) 1030. für andere lat. bezeichnungen, z. b. coconidium ahd. gl. 3, 49, 37 St.-S.; agaticia (öfter für oben 2 u. 3) Diefenbach gl. 17b; solsequium ebda 541c; polypodion ebda 445a; caricum ebda 101b; centaurea ebda 112b:

und dort im wald unangebaut,
von lust bethaut,
goldwurz und tausendgüldenkraut
Rückert ges. poet. w. (1867) 2, 202.

die pflanzen fanden als heilmittel vielfache verwendung, z. b.: wer fliessend augen hab. item nim goldwurtz vnd misch sie mit thucian vnd streichs vmb die augen, so vertreibt es die flüss, vnd goldwurtz mit wein gemischt vertreibt die geelsucht Tollat v. Vachenberg margarita medic. (1516) 4b; welchem das haar ausfället, (der wasche sich den kopf mit) goldwurtzen und stabwurtz in der lauge gesotten Hohberg georg. cur. (1682) 1, 264. im übrigen vgl. hierzu bei Meyer gr. konvers.-lex. die artikel unter dem betreffenden lat. gattungsnamen nach Linné; s. a. Fischer schwäb. 3, 744. in scherzhafter übertragung: goldwurtz, eingenommen so viel genug, ist für die armut gut Fischart praktik 23 ndr.
 
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goldwurzel, f., was goldwurz (s. d.), aber weniger gebräuchlich. frühest greifbare belege: chelidonium goltworczel, -wortel (md. 15. jh.) Diefenbach gl. 110c; affodillus goltworcel (md. 15. jh.) ebda 16b.
 
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goldzahl, f., berechnung nach goldwährung, vgl. oben geldzahl: wente alse se (die handwerksleute) de ware de se to kope hadden, na deme dat se de ware dar se de van makeden, na golttale ingekoft hadden ... so nemen se des gosselerschen geldes so vele alse der brunswickschen pennigk gewert (Braunschweig 1514) städtechron. 16, 434; sowol an vor alters gebräuchlicher mittelmüntze, als nach itziger goldzahl, das ist: landläufiger meisznischer silbermüntze, ausgerechnet Hondorff d. saltzwerk zu Halle (1670) 157. —
 
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goldzahn, m. 1) im bergbau 'kleine stange gediegenen goldes im gestein', vgl. Voigtel wb. (1793) 2, 114b; auch was goldzain (s. d.). 2) ein vom zahnarzt mit gold überkronter zahn: nach friedensschlusz, wenn wir wieder ein biszchen gold haben werden und sich die leute wieder goldzähne machen lassen können qu. a. d. j. 1933. 3) name eines schalentiers sabella chrysodon L., vgl. Campe 2, 424a. —
 
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goldzain, -zein, m., stange gegossenen goldes,

[Bd. 8, Sp. 869]


zu zain 3: lösch den goldtzain darnach in urin ab Ercker beschreibg. (1580) 83a. auch was goldzahn 1 (s. d.), vgl. zain 5. —
 
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goldzange, f. 1) 'kleine zange mit breitem maul zum auftragen des blattgoldes' Mothes ill. baulex. (1881) 2, 483; vgl. Jacobsson technol. wb. 2, 139a. 2) 'in einem gestein vorkommende längliche stücke gediegenen goldes' Mothes ill. baulex. (1881) 2, 483. —
 
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goldzeche, f.: auri fodina Stieler stammb. (1691) 2604; in Europa haben in den östlichen Alpen die gebrüder Schlagintweit auf 8860 fusz höhe stollenwasser in der goldzeche ... von nur 0, 08 wärme gemessen A. v. Humboldt kosmos (1845) 4, 238.
 
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goldzeug, n. 1) was goldstoff (s. d.): mit nutzen aber werden daselbst (a. d. Krim) verhandelt tücher, sammete, gold- und silberzeuge, seidene und wollene zeuge allg. dt. bibl. (1765) 38, 506; da sah man sie in gewändern von goldzeug mit steinen verziert Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 31, 194. 2) goldenes gerät: der graf läszt ihm alles gold- und silberzeug hertragen, was er hat Rosegger schr. (1895) I 14, 230. —

 

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