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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldtonne bis goldtropfe(n) (Bd. 8, Sp. 860 bis 861)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldtonne, f., tinna auri Stieler stammb. (1691) 349; 'eine mit gold oder goldstücken angefüllte tonne' Campe 2, 423a; vgl. s. v. tonne 2 m, sp. 791. namentlich in der barockliteratur und gewöhnl. in der erweiterten bedeutung 'reichtum', 'reiche menge gold':

die wehrte keuschheit, die sie hat,
steht mir an goldestonnen statt
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 405;

Stieler geharnschte Venus 97 ndr.; als wär ich eine alte müllgrube gewesen, schütteten von allen seiten verwandte, die die güte hatten zu sterben und keine andern erben hinterlieszen, ihre goldtonnen in mich aus Liliencron s. w. (1896) 5, 22. —
 
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goldtopas, m., safrangelber topas, vgl. Meyer gr. konvers.-lex. (1907) 19, 616b. im vergleich: nur die drei breiten brechungskeile, mit denen sie (die sonne) wasser zog, ... standen stromhell wie aus goldtopas geschliffen unter der purpurnen kugel Dehmel ges. w. (1906) 7, 110. —
 
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goldtopf, m., mit gold, goldstücken gefüllter topf:

auch geister, wie die sage geht,
und schätze solls hier geben,
und wer die schwarze kunst versteht,
der kan den goldtopf heben
Bürde poet. schr. (1803) 1, 28.

übertragen: Franz Duncker hat von der volkszeitung jährlich 20.000 thlr. netto. er wollte also meine wühlerei in diesem goldtopfe nicht haben A. Ruge briefw. u. tageb. 2, 264 Nerrlich. wohl auch 'goldener, vergoldeter topf'.
 
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goldträchtig, adj., was goldhaltig (s. d.), doch stärker, vgl. 1trächtig I A u. I B a: in seinem Zlatna, wo er (Opitz) diese gegend von dem gold-trächtigen erdreich rühmen will Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 394;

fels an gestein, gebirg' an minen reich,
das, aufgethürmt am lüftigen äquator,
goldträchtige ströme niederrieseln läszt
Harries Thomsons jahresz. (1796) 104;

(der schlamm,) den die quellen aus goldträchtiger finsternis gefördert qu. v. j. 1916; übertragen schon mhd. (vgl. DWB golden D 1 d, sp. 753):

der rede biz (sei) andechtic;
wen sie sint golt trechtig
und vorbesseren gimmen und golt
Heinrich v. Hesler apokalypse 5904 H.


 
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goldtrager, m., was goldfinger (s. d.). nach dem 16. jh. nicht mehr belegbar: anularis goltrago (11. jh.) ahd. gl. 4, 34, 25 St.-S.; vgl. Diefenbach nov. gl. 25a; 173b; gl. 234a; auff der hendt zwischen dem klainen finger vnnd dem golttrager Hier. Braunschweig chirurgia (1539) 97a. —
 
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goldträgerisch, adj., was goldträchtig (s. d.): dasz auch die böhmischen flüsse goldträgerisch sind, solches ist seit langen zeiten bekannt Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1242. —
 
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goldtrank, m., singulär für trinkgold, goldtinktur: ein fräundlicher anblik ihres geträuen (hatte) mehr kraft ... als bezoar, gold-trank, und alle köstlichste

[Bd. 8, Sp. 861]


stärkmittel aus der arznei-kammer Ph. v. Zesen adriat. Rosemund 214 ndr.
 
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goldtresse, f., aus goldfäden gewirkte tresse: es war ein schlotternd weiter scharlachrock, überladen mit goldtressen, die im sonnenglanze strahlten H. Heine s. w. 3, 300 Elster; die achselstücke (der generale) bestehen aus einer breiten goldtresse Alten hdb. (1909) 1, 70. —
 
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goldtreu, adj., 'treu wie gold', als starke steigerung empfunden, vgl. DWB gold II B 2, sp. 705: Rudolf Boie war ein mann von weitumfassender gelehrsamkeit ... ein unterhaltender gesellschafter, ein goldtreuer freund Voss in: Sophronizon, heft 3 (1819) 32; goldene, goldtreue frau! F. Dahn kampf um Rom (1901) 3, 323. —
 
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goldtroddel, f., aus goldfäden gewirkte troddel:

und seine gold- und purpurtroddeln regend,
zerstampft ihr zelter unter ihr den grund
H. v. Kleist w. 2, 23 E. Schmidt.


 
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goldtropfe(n), m.
1) 'ein tropfen flüssiges gold' Campe 2, 423a. im bild: o könnte ich diesen goldtropfen so glänzend zu dir hinrollen, als er jetzt aus der glühpfanne des herzens geflossen ist Thümmel reise (1791) 7, 8.
2) häufiger uneigentlich für ein festes stück gold in tropfenform (vgl. DWB tropfen A 2, sp. 871 unten): die perle, schon in den träumen vorbedeutsam mit der thräne verglichen, entsprang nach dem mythus aus der Venus thräne, wie sich Freyjas thränen in goldtropfen wandelten Jac. Grimm dt. mythol. (1876) 2, 1019; kleinen auf einer seite abgeflachten goldtropfen ähneln die ostindischen pagoden (eine münzenart) Luschin v. Ebengreuth münzkde u. geldgesch. (1904) 38. im vergleich: da kam der goldregen (cytisus laburuum), dessen lippenblüten in der tat wie goldtropfen an den zweigen hängen Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 310. hierher wohl auch:

einen stap truoger claren
gedræt von helfenbæine.
dar inne lac gestæine
in roten golttrophen (in form und farbe gleich tropfen roten goldes) Servatius 603 Wilhelm.

übertragen auf kleine goldfarbene flecke in tropfenform (vgl. tropfen A 2 b, sp. 872 unten):

da (am edelstein crisophirus) staent ane tophen (tupfen)
sam die golt trophen dt. ged. d. 11. u. 12. jhs. 370, 14 Diemer.

als diminutiv: kleine subtile fäserlein mit gelben pünctlein als goldtröpfflein gezieret Hohberg georg. cur. (1682) 1, 668.
3) im plural häufig für eine bestimmte flüssige medizin von goldgelber farbe (vgl. DWB tropfen A 5, sp. 875): 'Lamottes goldtropfen, spiritus aetheris ferratus' Karmarsch-Heeren techn. wb. (31876) 5, 241; vgl. Meyer gr. konvers.-lex. (1907) 2, 764 unter 'Besthushewsche nerventinktur' u. ebda 8, 110a unter goldtinktur; anders Campe 2, 423a; dass zu den goldtropfen des generals de la Motte kein gold kommt ... hätte der verfasser wissen können allg. dt. bibl. (1765) 56, 171; dagegen: solution aurifère, auriferous solution Beil technol. wb. (1853) 258. heute wird unter dem namen goldtropfen in den apotheken eine herzmedizin geführt, die reines gold in homöopathischer dosis enthält.

 

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