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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldteil bis goldtopas (Bd. 8, Sp. 858 bis 860)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldteil, m., n., gewöhnl. pl. 'goldene, goldfarbene teile' im gegensatz zu solchen von anderem material oder aussehen: der trödler zweifelte an der echtheit der goldtheile (eines schmuckes) Rosegger schr. (1895) II 14, 119. häufiger für physikalisch kleine oder kleinste einheiten gold: durch diese stille (chemische) wirkung werden die fremdartigen theile, worin die gold- und silbertheile eingehüllt waren, mehr aufgelöst als durch die feinste mechanische zertheilung allg. dt. bibl. (1765) 73, 31. gewöhnl. als diminutivum:

[Bd. 8, Sp. 859]


goldteilchen, n.: pflegt man doch auch keinen körper schlechterdinges gold zu nennen, ob sich gleich auf dem probierstein einige goldtheilchen zeigen? M. Mendelssohn ges. schr. (1843) 4, 2, 161; durch den wasserstrom werden die steintheilchen hinweggeführt, die goldtheilchen fallen zu boden Liebig chem. br. (1844) 295. —
 
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goldteppich, m., golddurchwirkter, goldfarbener teppich:

an pfeiler und wand
goldteppiche ziehen sich hin,
schwarze teppiche nun mit eigener hand
hängt drüber die königin
Fontane ged.7 92; vgl.
Campe 2, 423a.

uneigentlich: so ist ein steinerner goldteppich von vielen tausenden von quadratfuszen entstanden (gemeint sind die mosaiken der St. Markuskirche in Venedig) Görres ges. br. (1858) 1, 435. —
 
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goldthron, m., 'goldener, goldverzierter thron', gern vom thron (eines) gottes:

des vorhangs
wallender saum lag am zederboden
und deckt vom hohen tempelgewölbe her
Jehovas goldthron!
Lavater verm. schr. (1774) 1, 128;

und ihre ... heiligen-frauen, die ... voll anbetender liebe den goldthron der gottheit umstehen Gaudy s. w. (1844) 19, 82. —
 
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goldthronend, part. adj.: ihm (Jupiter) zur seite die goldthronende Juno Kütner Homers w. (1781) 1, 27;

golden-thronende Aphrodite,
listenersinnende tochter des Zeus
Grillparzer s. w. 4, 154 Sauer.


 
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goldtier, n., singulär für gelttier (s. d.): (ein hirschgerechter jäger) musz wissen, was ein hirsch ... sey, item ... ein gold-thier, das einmahl gesetzet und sich nicht weiter belegen (befruchten) lsset Chr. Lehmann histor. schauplatz (1699) 531.
 
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goldtinktur, f., früher für tinkturen verschiedenartiger zusammensetzung, die angeblich gelöstes gold enthielten. ihre zubereitung lag häufig in den händen von alchimisten oder scharlatanen, die sie als universalheilmittel verordneten. aurum potabile, tinctura auri, tinctura solis; dasselbe wie trinkgold (s. d.), goldelixier (s. d.): 'gold-tinctur, wird auch trinck-gold genennet, weil es ein in ein geträncke verwandeltes gold ist. es werden vielerley solcher tincturen aus golde gemacht, die aber alle nur blosse auflösungen oder farben der menstruorum (= alchemistischer lösungssubstanzen) seyn' allg. haush.-lex. (1749) 1, 610; vgl. auch Adelung versuch 2 (1775) 747; Meyer gr. konvers.-lex. (1907) 8, 110; ich hoffe, man wirdt mir bey der golttinctur eine schriefft schicken, wozu es gutt ist undt wie mans brauchen soll Elis. Charlotte v. Orleans br. (1707-15) 628 Holland;

der starke wassergusz ...
weis besser abzuführen ...
als alle wunderkraft gepriesner goldtincturen
Gottsched neueste ged. (1750) 43;

charlatans genug sind erschienen und erscheinen noch täglich, die durch astralische salze, goldtinkturen ... den lauf der natur zu hemmen versprechen Hufeland kunst d. menschl. leb. zu verlängern (1797) 33. übertragen vom wein: vater Rhein aber reicht uns die ächte goldtinctur, die nicht trüget, wie die der adepten K. J. Weber Deutschland (1820) 4, 576. heute wird unter goldtinktur eine ätherische lösung von goldchlorid verstanden, die zum vergolden von glas oder bei der herstellung von goldlack verwendung findet, vgl. Mothes ill. baulex. (1881) 2, 483 u. Bott hdwb. d. kaufmanns (1925) 2, 738a. sich auch s. v. silbertinctur. —
 
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goldtinte, golddinte, f., aus blattgold und gummilösung hergestellte tinte, vgl. Prechtl techn. encycl. (1830) 18, 466 u. Meyer gr. konvers.-lex. (1907) 19, 561b. wohl auch allgemein goldfarbene tinte: inzwischen sind perlen besser als eine unversehrte perlenmutter, ein gedanke, den ich mit golddinte schreiben sollte Jean Paul w. 11/14, 188 Hempel.
 
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goldtochter, f., kosewort analog zu goldsohn (s. d.), doch seltener;

[Bd. 8, Sp. 860]


meist dimin. goldtöchterchen, n.: es mochte ihm eine erwünschte gelegenheit sein, mich beim papa auszustechen, weil ich sonst immer das goldtöchterchen bin Chr. F. Weisze d. kinderfreund (1780) 6, 189.
 
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goldton, m. 1) goldener farbton, vgl. 2ton, sp. 749: welch ein rosigblühendes mädchen (Rembrands tochter)! das süsze gesicht rundet sich aus dem tiefdunklen hintergrunde im glühendsten goldtone heraus Jul. Mosen s. w. (1863) 8, 95; gegen osten hin im tiefen himmel lag ein reicher goldton Rosegger schr. (1895) II 14, 406. übertragen: wo mir ... ein menschenkind ans herz wuchs, das kleidete ich in die lieblingsfarben meiner phantasie, das tauchte ich in den rosen- und goldton meiner jugendlichen lebensbegeisterung B. Goltz ein jugendleben (1852) 2, 329. 2) seltener vom sonoren, dunklen klang einer stimme oder eines instruments, vgl. 1ton, sp. 681ff.: nun hatte sich dieser goldton da erhoben, war dieser grosze dunkle flügel einer breit und sicher tragenden altstimme schimmernd aufgerauscht Grabenhorst unbegreifl. herz (1937) 146. vgl. silberton, wo ein umgekehrtes häufigkeitsverhältnis beider entsprechenden bedeutungen vorliegt.
 
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goldtonne, f., tinna auri Stieler stammb. (1691) 349; 'eine mit gold oder goldstücken angefüllte tonne' Campe 2, 423a; vgl. s. v. tonne 2 m, sp. 791. namentlich in der barockliteratur und gewöhnl. in der erweiterten bedeutung 'reichtum', 'reiche menge gold':

die wehrte keuschheit, die sie hat,
steht mir an goldestonnen statt
Neumark fortgepfl. lustwald (1657) 1, 405;

Stieler geharnschte Venus 97 ndr.; als wär ich eine alte müllgrube gewesen, schütteten von allen seiten verwandte, die die güte hatten zu sterben und keine andern erben hinterlieszen, ihre goldtonnen in mich aus Liliencron s. w. (1896) 5, 22. —
 
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goldtopas, m., safrangelber topas, vgl. Meyer gr. konvers.-lex. (1907) 19, 616b. im vergleich: nur die drei breiten brechungskeile, mit denen sie (die sonne) wasser zog, ... standen stromhell wie aus goldtopas geschliffen unter der purpurnen kugel Dehmel ges. w. (1906) 7, 110. —

 

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